| Rost,
Frank / Fleischhauer, Jan – Die Kunst dieser
Kolumne besteht heute mal darin, die Gemeinsamkeit einer Pflaume
und noch einer Pflaume herauszufinden. Beide sind Obst. Das
steht schon mal fest. Womit ich jetzt in Ruhe der Frage nachgehen
kann, ob sich die beiden PPs (peinliche Promis) noch mehr teilen.
Frank Rost ist Torhüter und beim Hamburger SV angestellt.
Und immer, wenn ein Spiel zu Ende gegangen ist, stellt sich
Frank Rost vor die Kamera und putzt sich den Mund ab. Jedenfalls
sagt er das, wenn der HSV verloren hat, oder vor Hamburg Gelsenkirchen
und Bremen, wo er auch mal gespielt hat. Dabei guckt er immer
sehr verbittert und unglücklich. Solange das Spiel noch
läuft, also bevor er sich den Mund abputzt, bleckt er gerne
die Zähne und schreit seine Mitspieler an. Ein bisschen
wie Oliver Kahn, aber nicht so gefährlich und nicht ganz
so irre, weshalb er als Kahn für Arme gilt, denn in die
Nationalmannschaft hat er es nie geschafft, wo ihn und sein
merkwürdiges Niederlagenritual ein größeres
Publikum hätte bewundern können. Aus äußerst
geheimnisvollen Gründen gilt Frank Rost als Führungsspieler.
Vielleicht weil er so tut, als hätte er eine Meinung, aber
dann putzt er sich doch wieder nur den Mund ab, oder sagt so
tiefgründige Sätze wie: »Es kann nicht unser
Ziel sein, um den 18. Tabellenplatz zu spielen.« Jetzt
hat er sich in der FAS zu Wort gemeldet und behauptet: »Seit
Jahren bin ich in einer Schublade.« Niemand hätte
das vermutet. Wenn es kein Doppelgänger war, der da für
ihn und für den HSV auf dem Fußballfeld zwischen
den Pfosten stand, muss ihn jemand zumindest zu den Spielen
raus gelassen haben. Was Frank Rost in dieser Schublade gemacht
hat, bleibt ein Geheimnis, weil der Reporter dummerweise vergessen
hat nachzufragen. Aber das ist ja meistens so bei diesen Journalisten.
Wenn es gilt, einem wirklich mysteriösen Vorgang auf den
Grund zu gehen, ihn aufzudecken, investigativ nachzufragen,
was die sich ja immer gerne auf die Fahnen schreiben, in diesem
Fall wurde schmählich versagt. Mich jedenfalls hätte
es schon interessiert, was Frank Rost in der Schublade getrieben
hat, was das überhaupt für eine Schublade ist und
wie es sich darin leben lässt. Ist die Schublade möbliert?
Wie kam Frank Rost an seine täglichen Sportmahlzeiten.
Wie ließ es sich darin trainieren? Und wie gelingt es
ihm, jedes Wochenende rauszukommen, um für die Hamburger
Tore rein zu lassen wie zuletzt gegen die Bremer, die ihm sowohl
den Einzug ins Pokalfinale als auch ins Uefacup-Finale versalzten,
was ihn schwer mit den Zähnen knirschen und belfern ließ,
dass einige Mitspieler offensichtlich den Anforderungen nicht
gewachsen seien? Dabei war er es, dem ein Luschenball durch
die Handschuhe flitschte. All das weiß man nicht und wird
es vermutlich nie in Erfahrung bringen. Um vielleicht doch noch
etwas über den geheimnisvollen Aufenthaltsort von Frank
Rost rauszukriegen, begab ich mich auf der Suche nach sachdienlichen
Hinweisen ins Internet und gab seinen Namen ein. Dort wurde
ich fündig: »Frank Rost im Wasser? Korrosion in Leitungen?
Schnelle, sichere Lösung unter www.frankrost.de«.
Offenbar gab es in seiner Schublade mal einen Wasserschaden.
Der 2. Eintrag lautete: »Jetzt, kostenlos testen. Frank
Rost – Amazon.de Niedrige Preise, Riesen-Auswahl
und kostenlose Lieferung ab nur 20 Eur.« Das ging mir
jetzt zu weit, denn ich wollte Frank Rost weder umsonst testen,
noch ihn für 20 Euro kostenlos geliefert bekommen. Auch
die beiden anderen Einträge machten deutlich, dass Frank
Rost ein Schnäppchen ist: »Frank Rost Top reduziert:
Frank Rost günstig bei spar-links.de« und: »Frank
Rost bei eBay: Reihenweise Angebote Frank Rost? Ab zu eBay!«
Offenbar handelt es sich bei Frank Rost also um ein Auslaufmodell.
Er selbst will das nicht einsehen und will trotz des für
einen Sportler hohen Alters noch weiter spielen. Solange der
HSV wie in dieser Saison alles verspielen will, ist der Verein
in der Tat gut beraten, wenn er ihn »Top reduziert«
behält.
Auch Jan
Fleischhauer hat einen Verein. Der Spiegel heißt sein
Arbeitsgeber, der schon seit Anfang an in der ersten Liga spielt.
Jan Fleischhauer wurde vor einigen Jahren verpflichtet und gehört
mittlerweile zur ersten Mannschaft. Dazu muss man ein Buch geschrieben
haben, in dem man sich auf mindestens 250 Seiten von der Linken
und alles, was damit zu tun hat, distanzieren muss. Eine Art
Bekennerschreiben, obwohl man damit keineswegs einen Anschlag
legitimiert, sondern nur seine Abkehr dokumentiert. Entstammt
man qua Geburt und Elternhaus selber diesem Milieu, kriegt man
Pluspunkte, wenn man wortreich und überzeugend versichern
kann, dass man echt nix mehr mit denen zu tun hat. Als links
gelten bereits die SPD und Die Linke. Eine Verwechslung, die
Jan Fleischhauer nicht aufgefallen ist. Aber in seinem Buch
darf er sowieso keine neuen Erkenntnisse ausbreiten, die seine
Position beim Spiegel schwächen könnten, er muss tapfer
weiter behaupten, dass Die Linke links sei, obwohl doch jeder
weiß, dass eine Partei, die ihr Profil Lafontaine, Gysi
und der Frau mit den gestärkten Rüschenblüschen
und den mumifizierten Gesichtszügen verdankt, gar nicht
links sein kann. Dann muss man beim Berliner »Edel-Italiener
Adnan« eine sogenannte Buchpremiere feiern und sich dabei
mit Karl-Theodor zu Guttenberg (37) ablichten lassen, weil der
wie ein etwas feisterer Klon von Fleischhauer aussieht. Man
muss dann – die Vorschriften für die Aufnahme in
die erste Mannschaft des Spiegel sind äußerst detailliert
– folgenden von Bild vorgeschriebenen Gästen die
Hände schütteln: »Thomas de Maizière
(55, CDU), dem CDU/CSU-Fraktionsgeschäftsführer Norbert
Röttgen (43) und dem Junge-Union-Chef Philipp Mißfelder
(29).« Außerdem dem stellvertretenden Regierungssprecher
Thomas Steg (49, SPD), Sascha Lobo (34, BLOG), Mathias Döpfner
(46), Tita von Hardenberg (41), Arnulf Baring (299) und Ildikó
von Kürthy (41). (Die Zahlenangabe hinter den Namen beziehen
sich übrigens auf die Anzahl der Totalausfälle in
der Großhirnrinde). Hat man dieses komplizierte Regelwerk
beachtet, dann steht einer steilen Karriere beim FC Spiegel
nichts mehr im Wege. Anschließend muss man sich noch den
Mund abputzen, aber das ist die leichteste Übung. Und wenn
die mit dem Spiegel verschwisterte Bild-Zeitung dann noch attestiert,
es habe sich bei dem »Fleischhauer-Menü« um
»klein gehackte Linke gewürzt mit Humor und einem
Schuss Zynismus« gehandelt, dann hat man es geschafft.
Dann ist man der Götz Aly für Arme. Was den beiden
sonst noch gemeinsam ist? Nicht ganz Top-Liga, bei amazon billig
zu haben und kostenlose Lieferung über eBay.
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