Who`s who peinlicher Personen

Diesen Monat: Peter Hahne

Von Klaus Bittermann

 

 

Hahne, Peter - Ein echter Querdenker, ja sogar Kreuzdenker, bzw. Kreuz- und Querdenker ist Peter Hahne, und solche wie ihn braucht das Land, sagt er. Glauben Sie nicht? Bitte: »Echte Kreuz- und Querdenker braucht das Land.« Dabei guckt er je nach Nachrichtenlage zur ZDF-Nachrichtenzeit ein bißchen trübsinnig-dusslig wie nach Genuß von zwanzig Stunden Deutschfußball am Stück, ein bißchen einfältig, sturzbetroffen, verschmitzt, bzw. was Hahne dafür hält, denn verschmitzt sieht er wie die Mischung aus sabberndem Bernhardiner und blöde grinsendem Buddha aus, und selbstgefällig. Überhaupt ist schmierige Selbstzufriedenheit Peter Hahnes Wesen und egal welches Nachrichtengesicht er gerade aufgesetzt hat, die Selbstgefälligkeit schimmert so auffällig und penetrant wie fettriefende Pommes durchs Butterbrotpapier, mit dem man ihn unaufhörlich einreiben möchte.

Peter Hahne ist nicht einfach nur ein Nachrichtensprecher, er ist als Mitglied der EKD-Synode vor allem ein »missionarischer Gesinnungstäter« (Martin Hecht). Er kann zum Elend dieser Welt nicht einfach schweigen, obwohl Schweigen bekanntlich Gold ist, was doch gerade Peter Hahne wissen müßte, dessen geistiger horizont gepflastert ist mit derlei Sinnsprüchen und platten Lebensweisheiten. Nein, Hahne muß das Elend auch ausschlachten, bzw. muß als bekennender Christ darin herumwühlen und -bohren. Er muß fragen, ja sogar hinterfragen, denn Peter Hahne ist obendrein noch ein unbequemer Mensch, der dem Elend noch weiteres hinzufügt in Form von selbstgeschriebenen Büchern, die er locker und leicht aus dem Ärmel schüttelt, über 40 bislang unvergängliche und gottgefällige Werke wie »Gute Nachrichten«, »Gute Aussichten«, »Kinder, Kinder« und »Wer hätte das gedacht«. Wer hätte das gedacht! Weit über 2,5 Millionen Exemplare hat Peter Hahne von seinen Erbauungsbüchlein, Traktätchen, Postkartenbüchern, Kalendern, Verschenktexten und Ratgebern verkauft und sie haben dem Verfasser zu Reichtum verholfen. Mit dem aber kann Hahne nicht wirklich etwas anfangen, denn sein Lebensstil verläßt ebensowenig wie seine Gedanken die Staubfängerprosa im Schmuckkästchenformat und die von einem Jägerzaun umgebene Zierpflanzenwelt.

Helmut Kohl liebt ihn, Carolin Reiber sowieso und mit Gott ist er ganz dicke. Mit dem hält er vor jeder Sendung ein Pläuschchen. »Vor jeder Sendung rede ich mit Gott«, protzt Peter Hahne. Vermutlich sind es Selbstgespräche, und insofern dürfte sich Peter Hahne ziemlich gut mit Gott verstehen, denn der ist bekanntlich ein geduldiges Nullmedium, mit dem sich prima auskommen läßt und der nie widerspricht, aus dem nur das herausquillt, was man selber möchte. Seine Selbstgespräche behält Peter Hahne aber nicht für sich, sondern er schreibt sie auf und veröffentlicht sie jeden Sonntag zum Wohle, aber auch zur Ermahnung der Menschheit in Bild am Sonntag in seiner Kolumne »Gedanken am Sonntag«.

Dort erzählt er dann betuliche und öde Langeweilergeschichten wie die von seinem Vorgesetzten, der ihm nach langen Jahren bei Essen und Wein, am Kaminfeuer und bei Kerzenlicht, das Du anbot. Für nichts anderes hatte Peter Hahne gelebt, dafür hatte er sein Bestes gegeben, danach war sein Streben und Machen ausgerichtet, um endlich seinen Vorgesetzten mit dem Vornamen anreden zu dürfen. Ausgerechnet Hahne aber, dessen Wesen die unangenehme Vorstellung weckt, er wolle in einen hineinkrabbeln, der Vertraulichkeit und aufdringliche Nähe signalisiert, bei dem man also nie auf den Gedanken kommen würde, ihn mit Sie oder überhaupt anzureden bzw. ihn für voll zu nehmen, ausgerechnet dieser seitengescheitelte Schleimi empört sich nun darüber, daß ihn junge Volontäre einfach duzen, während er jahrelang dafür gebuckelt und den Sessel seines Vorgesetzten abgeleckt hat. Manchmal kann das Leben schon ganz schon ungerecht sein. Vielleicht sollte er nochmal ein Wörtchen mit Gott reden.





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