Diesen Monat: Hans Christoph Buch Von Klaus Bittermann
Buch, Hans Christoph - Bekannt geworden durch seinen
Gesinnungsprosaaufsatz "Gorlebener Tagebuch", in dem er den Herrschenden Saures
gab, später dann in Sachen Humanismus und Menschenrechte an den Brandherden der Welt
unterwegs, wie z.B. in Bosnien, wo er kalauerte: "Wie ein geplatzter Darm hat sich
das Füllhorn der Zerstörung über Bosnien entleert", oder wie vor kurzem erst auf
den Spuren der Roten Khmer, hat Hans Christoph Buch nun einen Zwischenstop bei Marcel
Reich-Ranicki eingelegt, um seine an der Front gestählten literarischen Erkenntnisse
praktisch anzuwenden. Gerade mäkelte die Heilige Literarische Einfalt an Thomas Bernhards
"Auslöschung" herum (1986 erschienen, im Frühjahr 1999 neu aufgelegt), eine
Haßtirade auf die Österreicher, als Hans Christoph Buch sich den Mann zur Hühnerbrust
nahm: Früher hätte er Bernhard ja ganz toll gefunden, aber die erneute Lektüre hätte
doch gezeigt, daß die ganze Kunst Bernhards in ständiger Wiederholung und Übertreibung
liege und dieser Propagandamethode hätte sich schließlich auch schon Goebbels bedient.
Was ist das? Literaturkritik mit dem Vorschlaghammer bzw. mit der Nazikeule? Was für ein
Glück, daß es die Nazis gab. Buch wüßte sonst gar nicht, woher er seine ganzen
schönen Vergleiche hernehmen sollte. Fragt sich nur, warum Reich-Ranicki so einen
einlädt, dessen literaturkritische Erkenntnisse sich quasi auf einem vorsintflutlichen
Stand befinden, der obendrein etwas bräsig wirkt? Pol Pots früherer Außenminister war
da schlauer. Als Hans Christoph Buch den Mann in ein Gespräch verwickeln wollte, um ihm
die Maske der Biederkeit aber sowas vom Gesicht zu reißen, lehnte der Angesprochene
wohlweislich mit der klugen Begründung ab: "Wenn man die Tür aufmacht, kommen
Fliegen herein." Unermüdlich ist Hans Christoph Buch also unterwegs, um als
ehemaliger Achtundsechziger mehr als fünfzig Jahre danach doch noch Hitler zu besiegen
und jedem ordentlich was auf den Kopf zu geben, der es wagt, wie Thomas Bernhard sozusagen
als Reinkarnation des Jahrhundertböslings, sein freches Haupt zu heben, selbst wenn der
schon unter der Erde liegt. Kaum hatte Buch also Thomas Bernhard post mortem erledigt,
betätigte er sich als Unterschriftsteller. Neben all seinen schriftstellerischen
Versuchen, ist dies die Tätigkeit, die er am besten kann. Unterschriftstellern tut Buch
natürlich immer im höheren Auftrag, und zwar im Auftrag von Humanismus, denn Humanismus
kommt immer gut an. In Bosnien plädierte er für eine militärische Intervention, und als
Cohn-Bendit zu Führers Geburtstag ein Ständchen hielt und in der taz vom 20.4.94
"Bomben auf Pale" (dem Regierungssitz der bosnischen Serben) forderte, da fiel
er dem kleinen Dicken um den Hals und küßte ihn voller Dankbarkeit. In diesem Sinne
erging dann auch ein pompös aufgeblasener "Aufruf an die Regierungen Europas und die
UN", der in vielen größeren Tageszeitungen geschaltet wurde. Darin plädierten
Buchs Unterschriftstellerkollegen schon damals für "Luftangriffe" - "unter
möglichster Schonung von Menschenleben". Hans Christoph Buchs Unterschrift fehlt da
aus unerklärlichen Gründen, aber wahrscheinlich war er bloß nicht zu erreichen, weil er
gerade wieder irgendeinem Völkermord auf der Spur war. Unter möglichster Schonung von
Menschenleben Luftangriffe anzuordnen, das war von nun an die Obsession der schnellen
intellektuellen Eingreiftruppe, der Hans Christoph Buch quasi als Spürhund für Auschwitz
angehört, um Menschenrechte zu verteidigen, die man wiederum nicht mehr benötigt, wenn
die "Menschenleben" den Luftangriffen dann dummerweise doch zum Opfer fallen.
Als die Nato am 24. März auch ohne UN-Mandat und "unter möglichster Schonung von
Menschenleben" damit begann, Jugoslawien in Schutt und Asche zu legen, da war für
Hans Christoph Buch die Welt wieder in Ordnung. Die Guten bombardieren die Bösen.
Natürlich sind die Kollateralschäden nicht sehr schön und auch die Perspektive, daß
sich die "möglichste Schonung von Menschenleben" als frommer Wunsch
herausstellt, und das nicht erst, seit der Nato die Präzisionswaffen ausgehen, ist
natürlich nicht sehr erfreulich, weshalb immer mehr Leuten langsam dämmert, daß die
Nato-Bomben die Vertreibungspolitik nicht verhinderten, sondern beschleunigten. Ein Fall
für Hans Christoph Buch, der als Unterschriftsteller wieder an vorderster Front kämpft
und mit den Kollegen aus dem Kreis der üblichen Verdächtigen an die westlichen
Regierungen appelliert, "fest zu bleiben und der Erpressung durch das serbische
Regime nicht nachzugeben", die Luftangriffe weiter zu führen und den "Einsatz
von Bodentruppen nicht prinzipiell auszuschließen". Ein Tip, für den er bestimmt
noch mal den Bundesverdienstorden kriegt. |
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