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Diesen Monat: Herta Müller Von Klaus Bittermann
Müller, Herta - Der deutsche Kulturbeauftragte Klaus Naumann, der ansonsten eigentlich im Gegensatz zu seinen Kritikern durchaus vernünftige und kluge Dinge sagt, verfiel auf die Schnapsidee, nicht nur den Staatsschriftsteller Günter Grass für den Literaturnobelpreis vorzuschlagen, sondern auch Herta Müller. Who the fuck is Herta Müller, werden Sie nun fragen? Na gut, ich will es Ihnen verraten. Herta Müller ist eine rabiate Volksdeutsche aus Rumänien, arbeitete als Lehrerin und Kindergärtnerin (in Deutschland wäre sie wahrscheinlich unter das Berufsverbot gefallen, im liberalen Rumänien ließ man sie gewähren), wanderte 1987 ins Land ihrer Träume aus und ist seither in Berlin damit beschäftigt, aus Literatur etwas zu machen, vor dem man nur schnell davonlaufen möchte. Das hat man nun von den sog. Volksdeutschen, den Lieblingsdeutschen Hitlers, der unter dem Vorwand, sie zu retten, gerne mal einen Krieg vom Zaun brach. Statt sie nach 45 zügig abzuschaffen, hörte man weiter auf den Ruf des Blutes. Und jetzt hat man sie am Hals (Sie wissen schon - Rumänien! Graf Dracula! Die Schiene!) und wird sie nicht mehr los. Aber vielleicht ist es ja unter diesem Aspekt gar keine so schlechte Idee zu beobachten, wie mit diesem unterirdischen Vorschlag das Ansehen des Literaturnobelpreises endgültig den Bach hinuntergeht, was allerdings nicht in der Absicht Naumanns liegt, denn in seinem ehemaligen Verlag, Rowohlt nämlich, erscheint ja auch die Erbauungsprosa Herta Müllers. Schrieb einmal in einem FAZ-Erregungsartikel: "Was kann man da noch denken mit seinem eigenen Kopf?" Keine Ahnung, aber man fragt sich: 1. Denkt sie ansonsten mit einem anderen Kopf? Und wenn ja, mit welchem? 2. Hat sie überhaupt einen "eigenen Kopf"? Und 3. Was an dieser verknarzten Prosa ist eigentlich literaturnobelpreisverdächtig? Man weiß es nicht, aber eines ist gewiß: Immer wenn Nato und westliche Allianz auf dem Balkan ein bißchen herumzündeln und das dann eine humanitäre Aktion nennen, wird Herta Müller umtriebig und kiebig und von der FAZ seitenweise gedruckt. Kam dortselbst auf die abstruse Idee, daß das Schweigen der serbischen Intellektuellen die "totale Entfesselung der Perversion" vorantreibe. Wie das vor sich gehen soll, weiß zwar niemand, aber wie es umgekehrt funktioniert, dafür ist sie ein quicklebendiges Beispiel, denn sie gab dem Verrückten Scharping Zucker, der mit unbewegter Miene und sichtlicher Befriedigung die Medien mit den ungeheuerlichsten Greueln versorgte und zum Beweis Photos vorlegte, die schon ein paar Monate alt waren, und der insofern an den von Eric Ambler beschriebenen englischen Offizier erinnerte, der Aufnahmen von Folterungen bei sich trug wie andere Bilder von Frau und Kindern, um sie bei jeder Gelegenheit und mit großer Abscheu, in Wirklichkeit aber voller faszinierter Andacht herumzuzeigen. Diesem Menschen also, der wie ein schäbiger Pornobildchensammler verhaltensauffällig wurde, dem bescheinigte sie "Mitgefühl für die Vertriebenen" und lobte "seine persönliche Sprache" in einem reichlich verquasten Kommunique in der FAZ, die ihn "zum Literaten" gemacht hätte. Indem sie Scharping zum Schriftsteller ernennt, macht sie deutlich, was sie eigentlich unter Literatur versteht: Eine Regierungsverlautbarungsprosa, in der Scharping seine Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache offenbart, die ansonsten jedoch reine Propaganda ist, hält die stilistisch genügsame Frau Müller bereits für hohe Kunst. Zart halten sich die beiden an den Schwitzehändchen und vermutlich hat sich Frau Herta Müller für ihr mutiges Eintreten einen Staatspreis verdient, obwohl die arme Regierung bis auf wenige Ausnahmen von allen Intellektuellen heftigst verteidigt wurde. Zu was Humanismus und Menschenrechte nicht alles gut sind. "Von keinem der Tausende vertriebenen Kosovo-Albanern habe ich bisher gehört, daß er die Einstellung der Nato-Angriffe verlangt oder diese Angriffe gar für sein Leid verantwortlich macht." Potzblitz! Herta Müller hat sich mit allen unterhalten? Wie hat sie das gemacht? Oder meint sie einfach nur, daß sich keiner der Tausenden Vertriebenen bei Herta Müller gemeldet hat, um ihr das Gegenteil zu sagen? Merkwürdige Dinge gehen da vor, aber nicht merkwürdig genug, um nicht in der FAZ veröffentlicht zu werden. Und während sie sich auf der einen Seite über "das Schweigen der Intellektuellen" in Belgrad beklagt, beschwert sie sich andererseits darüber, wenn "serbische Bürger" in einem Aufruf den sofortigen und bedingungslosen Stopp der Bombardierungen fordern, statt die Nato anzuflehen, mehr Bomben auf Belgrad abzuwerfen. "Ihr Appell 'an alle' hat mich nicht mitgerissen, sondern befremdet. In seinem Ton spricht er verschreckt, in seinem Inhalt, wenn ich es schonend ausdrücke, politisch halbherzig, wenn ich es deutlich sage, egoistisch." Ja, für Herta Müller ist es "egoistisch", wenn es serbischen Bürgern nicht nach mehr Zerstörung im eigenen Land dürstet. Gleich am ersten Tag der Luftangriffe hätte die Nato mit Bodentruppen einmarschieren sollen, um mit Milosevic, der serbischen Bevölkerung und der serbischen Opposition aufzuräumen. Bei Milosevic jedenfalls schäumt die Dame wie heftig geschüttelter Asti Spumante. Nicht daß man Milosevic verteidigen muß, aber wenn ihm derart phantastische Dinge nachgesagt werden wie, daß er "das Morden so gewohnt ist, wie ein Glas Wasser zu trinken", und daß "auf jedes seiner Worte ein Mord entfällt", dann sollte Frau Herta Müller vielleicht mal darüber nachdenken, ob sie sich nicht bei Jamie Shea bewerben sollte. |
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