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Saarbrücker Blickwinkel  – Die tausend Gesichter einer Stadt

Wie aufstrebende Saarbrücker Fotografen unsere Stadt ins rechte Licht rücken: Im letzten Teil unserer Serie „Die tausend Gesichter Saarbrückens“ stellen wir die Fotografin Elena F. Barba vor, die bereits unser Titelbild im August shootete. Ihr Stil hat Wiedererkennungswert: Harte Kontraste und leuchtende Farben sind ihr Markenzeichen. Ihre Bilder und sie zeugen von Authentizität. Eben ein bisschen bunt, ein bisschen verrückt, ein bisschen speziell, aber immer signifikant und mit einer gewissen Aura.

Steckbrief

Name: Elena F. Barba
Alter: 23 Jahre
Geburtsort: Saarbrücken

Das liebe ich an Saarbrücken: Meiner ganzen Freunde. Außerdem gibt es viel zu sehen und zu machen: Es gibt so viele besondere, kleine Läden und Cafés, in denen verweilen und stöbern einfach Spaß macht.

Das nicht: Wenn man am St. Johanner Markt vorbei läuft, gerade nachmittags, fühlt man sich wie auf einem Serviertablett. Ich gehe dann lieber durch die Fröschengasse.

Wann hast du zum ersten Mal eine Kamera in der Hand gehalten?

Irgendwann in den 90ern als Kleinkind, weil meine Mama auch schon immer ambitionierte Fotografin war.

Und wann wurde dir bewusst, dass Fotografieren deine Leidenschaft ist?

So richtig angefangen habe ich 2010. Damals fing ich an, insbesondere Menschen zu fotografieren oder mit Freunden inszenierte Bilder zu machen, also eben auch in speziellen Locations, Make-Up und Outfits abzustimmen bzw. bestimmte Ideen umzusetzen.

Das Außergewöhnlichste, was du jemals fotografiert hast?

Ich denke, das wohl außergewöhnlichste Thema, das mir spontan einfällt, war vor kurzem mein „Puppentheater“. Da hatte ich eine Gruppe von zehn Models, einer Maskenbildnerin, drei Fotografen und einem Seilkünstler. Erstmal haben wir den Models gemeinsam Gelenke aufgemalt. Das Gesichts-Makeup habe ich dann lieber Anette Kleineick, der Maskenbildnerin überlassen. Zwischen all dem Trubel wurden die Outfits besprochen, während dem ein oder anderen Model gleichzeitig die Haare gemacht wurden. Bei solch großen Gruppen wird es wirklich schnell mal chaotisch, weil jeder natürlich fertig werden will. An der Location angekommen wurden Einzel-, sowie Paaraufnahmen gemacht und eines der Modelle wurde von besagtem Seilkünstler an einem Balken aufgehängt, wie eine typische Marionette. Das war wirklich eines der verrücktesten freien Themen, die ich je fotografiert habe.

Das hört sich spaßig an. Aber zurück zu unserer schönen Landeshauptstadt. Wann ist Saarbrücken für dich am schönsten?

In der Abendsonne. Vielleicht würde mir der Sonnenaufgang auch gefallen. Aber ich bin kein Morgenmensch. Ich mag besonders das goldene Licht der Abendstunden, weil alles warm und harmonisch wirkt.

Und wie sieht so ein Tag aus, wenn du durch die Straßen Saarbrückens läufst, um zu fotografieren?

Ich hole mir erst mal ein Eis bei Henry’s Eismanufaktur. Meistens habe ich noch jemanden dabei, wenn ich fotografieren gehe, da ich auf Porträts spezialisiert bin, und peile dann Orte an, an denen ich Fotos machen will, z.B. das beliebte Karstadt Parkdeck. Manchmal schlendere ich aber einfach nur durch die Gegend und schaue, was auf mich zukommt. Es kommt auch vor, dass mich Menschen wegen der Kamera ansprechen, ob ich denn ein Bild von ihnen machen will.

Das macht sich ja dann gut, als Portraitfotografin.

Ja, es sind auch definitiv die Menschen, die mich am meisten interessieren.

Nimmt ein Fotograf die Welt anders wahr, als ein „Normalo“?

Absolut. Meine Liebste ist wegen mir schon regelrecht „angefixt“ und sieht inzwischen sogar schneller mal Dinge, die mir zum Fotografieren gefallen könnten. Ich denke, wenn man die Augen so offen hält und auch mal nach oben und unten schaut, finden sich schnell ganz andere Perspektiven auf alltägliche Dinge. Saarbrücken ist ein wunderbares Beispiel dafür. Tagtäglich laufen wir durch die Straßen ohne mal nach oben zu schauen, denn vor uns sind Menschen, die Saarbahn – man will schließlich auch nicht überfahren werden, also nach vorn schauen. Dabei vergisst man schnell, sich umzuschauen. Ich bleibe oft irgendwo stehen, schaue nach oben und sehe ein Spektakel an Farben und Lichtern die über die Saarbrücker Glasfronten tanzen. Nicht selten hört man von mir: „Schau mal, das Licht ist so schön.“ Die wenigstens verstehen dann, was ich damit meine.

Haben wir den Blick für die Schönheit der Natur oder der Menschen verloren haben?

Definitiv.
Gab es schon gefährliche Situationen beim Fotografieren, z.B. verbotene Orte, gefährliche Höhen oder sogar schwierige Menschen? Sowohl als auch. Also erstmal bin ich ein Riesen Fan von Lost Places. Da kommt es schon des Öfteren vor, dass man irgendwo ist, wo man eigentlich nicht sein sollte. Hier kommt es auch nicht selten zu den gefährlichen Höhen. Meine Freundin erinnert immer wieder gerne daran, wie ich auf einem 7 Meter hohen Balken rum balanciert bin, um das perfekte Foto zu machen. Nicht selten sitze ich auch mal auf der Kante einer Mauer oder in Bäumen.

Kannst du einem Laien ein paar Tipps geben, wie er ein halbwegs gutes Bild zustande bekommt?

Es ist wichtiger ein Bild mit emotionalem Wert zu haben, als ein technisch einwandfreies Foto, das  nichts beim Betrachter auslöst, als „schön“ zu denken und gleich weiter zu gehen. Mit den ganzen technischen Möglichkeiten und der nachträglichen Bildbearbeitung am Computer kann man sowie kaum noch zwischen Laien-Fotograf und Profi unterscheiden. Ich konnte schon oft beobachten, dass Laien besonders gerne farbige Filter verwenden, weil es eben anders aussieht, als ein Handyfoto. Letztendlich ist es aber doch egal, wer das Foto macht. Hat der Fotograf ein Blick für das Schöne, für Bildstimmung und Co, dann werden die Bilder auch gut. Ein alt eingesessener Profi kann schlechter sein, als der Laie, wenn er sich nur darauf verkrampft, was er gelernt hat und sich vor neuen Impulsen verschließt.

Bei welchem hochkarätigen Fotograf oder Künstler würdest du dir gerne mal bei einem Wein ein paar Tipps holen?

Bei Helmut Newton. Dieser Blick für die Fotografie ist einfach… da fehlen mir die Worte. Ich bin definitiv ein großer Fan.

Text: Melanie Hartmann

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