• Termine News und Wissenswertes aus Saarbrücken, dem Saarland und der Welt:
Leben & co

Saarbrücker Blickwinkel – Die tausend Gesichter einer Stadt

Wie aufstrebende Saarbrücker Fotografen unsere Stadt ins rechte Licht rücken. Unsere dreimonatigen L!VE-Serie stellen wir jeden Monat einen engagierten Fotografen vor.

Fotos. Momentaufnahmen für die Ewigkeit. Es macht „Klick“ und eine Zehntelsekunde der Lebensuhr ist im Kasten. Ein Stück vom Ganzen. Der Fantasie in der Interpretation der Aufnahmen sind keine Grenzen gesetzt. Manchmal hat man beim Betrachten eines Fotos den Eindruck, man hätte ein Gefühl, einen Gedanken oder eine Idee eingefangen und einfach festgehalten. Catching new memories – in Bildern fixiert viel einfacher als im Kopf abgespeichert, denn Erinnerungen verblassen. Und Bilder? Nun ja, die verlieren zwar auch an Farbe, aber dank Digitalfotografie und neuer Technologien werden sie nahezu unvergänglich. Neue Erinnerungen schaffen und festhalten könnte auch die Philosophie dreier Fotografen aus Saarbrücken sein, denn ungeachtet der Tatsache, dass alle drei für die Fotografie leben, betrachtet jeder für sich Saarbrücken und seine Menschen durch einen jeweils anderen Blickwinkel. L!VE hat diesen Monat die junge Fotografin Franziska Maria Reis getroffen. Vor 15 Jahren verließ sie ihre Thüringer Heimat und kam nach Saarbrücken. Sofort verliebte sie sich in das multikulturelle Flair und schwärmt bis heute von unserer Gastronomie, die fernab vom 08/15-Chinesen oder Italiener ist. Sie ist dank unserer Nähe zu Frankreich begeistert von unserer Käsevielfalt, liebt Saarbrücken und lebt gerne hier.

Steckbrief

Name: Franziska Maria Reis
Alter: 29+, nee, mal im Ernst: 34
Geburtsort: Weimar im schönen Thüringen

Das liebe ich an Saarbrücken:
Das multikulturelle Flair, das gute Essen und die tolle Vielfalt in der Gastronomie, viel Grün und Natur und einfach nette Menschen

Das nicht:
Da muss ich tatsächlich länger darüber nachdenken und komme zu dem Schluss, das mir nichts einfällt, was ich so gar nicht an dieser Stadt mag.

Wann hast du zum ersten Mal eine Kamera in der Hand gehalten?
Ich würde schätzen in meiner frühen Jugend. Da bin ich schon gerne mit Kamera unterwegs gewesen und habe aber eher Erinnerungen mit Freunden festgehalten – damals noch analog. Eine richtige Fotoleidenschaft hat sich durch die Berührung mit Papas alter Praktica entwickelt und ich habe mir 2005 meine erste Spiegelreflexkamera gekauft.

Und wann wurde dir bewusst, dass Fotografieren deine Leidenschaft ist?
Das ging einher mit den Kauf und der Auseinandersetzung mit der Spiegelreflexkamera. Lieblingsmotive waren hier aber eher mein Kater, Details von maroden Sachen wie Rost und Blumenportraits. Zu Menschen, Stadt und Landschaft bin ich erst später wieder gestoßen.

Dein/e außergewöhnlichstes/r Objekt/Landschaft/Ort, welches du jemals fotografiert hast?
Grand Canyon. Da habe ich feuchte Augen bekommen und die Bilder können die Sehnsucht die durch die Weite entfacht wurde nur ansatzweise wiederspiegeln

Saarbrücken – eine Schönheit mit vielen Fehlern und doch in außergewöhnlichen Bildern darstellbar. Wann ist Saarbrücken für dich am schönsten?
In der Morgenstille, aber da bin ich selten unterwegs, außer im Mai – meinem persönlichen Lieblingsmonat, und in der Abenddämmerung. Wer mag nicht die romantische Lichtstimmung und Ruhe in die dann die Stadt gehüllt ist? Jahreszeitlich finde ich den Herbst farblich am schönsten – auch das Sonnenlicht wirft dann eine andere Facette auf die Stadt.

Und wie sieht so ein Tag aus, wenn du durch die Straßen Saarbrückens läufst um zu fotografieren?
So geplant laufe ich eigentlich nur mit Kamera durch die Straßen, wenn ich etwas Bestimmtes fotografieren möchte oder Mai ist.

Woher kommt ausgerechnet deine Affinität zum Monat Mai?
Da habe ich immer die Kamera parat, weil ich seit ein paar Jahren eine Fotodokumentation mache und in dieser mein Leben und Umfeld täglich festhalte.

Was fängst du lieber ein? Menschen, Tiere, Orte?
Vom Landschaft im Detail zum Tier hat es sich zum Portrait gewandelt und seit ungefähr einem Jahr auch stärker fokussiert auf Orte, wobei ich vorher schon gerne Architektur fotografiert habe.

Bist du der Meinung, dass ein Fotograf die Welt anders wahrnimmt, als ein „Normalo“?
Definitiv. Aber auch Fotograf ist nicht Fotograf. Nur weil man vielleicht eine gute Kamera zur Hand hat, heißt das nicht gleich, das man ein gutes Auge hat oder auch mal einen besonderen Blickwinkel.

In diesem Zusammenhang: Findest du, dass wir gehetzten und gestressten, ständig ins Smartphone gaffenden Menschen in der heutigen Zeit den Sinn fürs Wesentliche, wie die Schönheit der Natur etc., verloren haben?
Also ich zumindest nicht. Ich gehe gerne spazieren und genieße das Leben auch mal ohne Smartphone – klar mit Blick durch die Kamera, aber nur um die schönsten Momente festzuhalten. Allerdings können auch die tollsten Fotos nicht das einfangen, was man selbst in diesem Moment empfunden hat.

Gab es schon gefährliche Situationen beim Fotografieren?
Ich gehe sehr gerne Lost Places erkunden. Das tue ich aber nie alleine, da gibt es schon häufig nicht ganz so festen Böden – mal abgesehen davon, dass das betreten oft nicht ganz erlaubt ist.

Kannst du einem Laien ein paar Tipps geben, wie er ein halbwegs gutes Bild zustande bekommt?
Schwierig zu beantworten. Es kommt natürlich schon ein wenig drauf an ob ein Lebewesen im Fokus steht, Architektur oder Landschaft. Bei Menschen und Tieren muss ich sagen, dass ich es gut finde sich Zeit zu lassen um den perfekten Moment zu erwischen. Oftmals sind die spontanen Momente nämlich viel schöner, als die gestellten. Man wirkt natürlicher und meist wenig verkrampfter.

In Zeiten zahlreicher Bildbearbeitungsprogrammen, Filter und sonstigen Hilfsmittel für das perfekte Foto: Kann man zwischen Laien-Fotograf und Profi überhaupt noch unterscheiden?
Das ist genau wie mit der guten Kamera, wenn man kein gutes Auge für einen Moment oder eine Bildkomposition hat, ist es relativ egal ob man mit z.B. Photoshop oder mit Filtern das Bild bearbeitet. Das perfekte Bild kann also sowohl von einem Profi, als auch einen Laien stammen, also meiner Meinung nach. Ich selbst würde mich auch nicht als Profifotografen bezeichnen, eher als eine ambitionierte Hobbyfotografin, die mittlerweile auch etwas damit verdient, vorzugsweise mit Portrait,- und Gastro-Shootings und Produktfotografie.

Bei welchem hochkarätigen Fotograf oder Künstler würdest du dir gerne mal bei einem Wein ein paar Tipps holen?
Helmut Newton

Ist das Kunst, oder kann das weg? Ab wann beginnt für dich Kunst und ab wann ist es für dich Nonsens?
Kunst liegt immer im Auge des Betrachters. Auch ein vielleicht zunächst uninteressantes Detail, kann toll in Szene gesetzt ein tolles Foto sein und damit als Kunst bezeichnet werden.

Ohne Leidenschaft gibt es keine Genialität – Für was brennst du, gibt es etwas, was du unbedingt noch erreichen möchtest, was deine Passion betrifft?
Mehr von meiner gemalten Kunst zu verkaufen wäre toll oder zumindest noch einmal eine Ausstellung haben – auch gerne eine Fotoausstellung. Und irgendwann veröffentliche ich vielleicht einen Bildband über tolle Türen und Fenster, vor allem an maroden komme ich mit der Kamera selten vorbei.

Welcher Platz/Ort in Saarbrücken inspiriert dich am meisten?
Das wäre dann ein Lieblingsplatz in Saarbrücken… Den habe ich bisher noch nicht gefunden, und wenn behalte ich das als mein Geheimnis, weil ich dort gerne alleine genieße.

Previous ArticleNext Article