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Mel´s Mikrokosmos

Schein und Sein

Ich mag Statistiken nicht. Ich frage mich jedes Mal, wer sie gemacht hat, wie sie gemacht wurden und auf welche Quellen sie sich eigentlich berufen. Wenn ich mir überlege, dass die ersten Statistiken bereits 2000 v. Chr. gemacht wurden, wird mir ganz komisch zumute. Ich meine, wir berufen uns im Leben doch ständig auf irgendwelche Zahlen. „Laut Statistik ist jede vierte Frau glücklich“ oder „Laut Statistik sind 60 % der Deutschen in einer festen Beziehung“. Ich möchte nicht an die etwaige Dunkelziffer denken, also das Verhältnis zwischen der Zahl der Befragten und derer, die schlichtweg nichts davon wussten. Hier sind doch lediglich Schätzer am Werk,- Altkluge, die über den Daumen peilen, wie viele Menschen in festen Beziehungen zu sein scheinen.
Ich wurde zum Beispiel noch nie gefragt, ob ich eine Beziehung habe oder nicht. Dunkelziffern nagen an einer Statistik und laut Volksmund ist die Statistik die „Hure der Wissenschaft“! Ich frage mich deshalb nicht ohne Grund:

„Vertrauen wir heutzutage mehr auf Daten statt auf Taten?“

Ob Forsa-Sonntagsfrage oder das ZDF-Politbarometer: Im Wahljahr 2017 scheint die Frage „Wenn morgen Wahlen wären, wen würden Sie wählen?“ gegenwärtiger denn je, schließlich herrscht im Land augenscheinlich trübe Stimmung und dank der neuesten Umfrage-Ergebnisse sind genau die Parteien oben auf, über die sich die Mehrheit in Deutschland seit Jahren das Maul zerreißt. Irgendwie komisch, oder? Und schaut man sich bei Facebook so manche Kommentare an, die sich unter mancherlei Wahlprognosen-Berichte tummeln, scheint doch gerade jeder den Hals auf genau die Parteien zu haben, die derzeit unser Land regieren. Was hat es also mit diesen Umfragen und Statistiken auf sich? Sind wir im Herzen gutgläubige Gewohnheitstiere, die die Veränderung scheuen, wie der Teufel das Weihwasser. Oder bleiben wir bei dem, was wir kennen, weil es nicht wirklich geistreiche Alternativen gibt? Oder aber sind wir einfach lethargisch und müde geworden und antworten, agieren oder reagieren gar nicht mehr? Und wenn es weder das eine noch das andere ist: Sind solche Umfrage-Ergebnisse am Ende tatsächlich getürkt?

 

Verschwörung? Manipulation? Staatliche Kontrolle?

Nein, ich tüftele nicht an einem Drehbuch für einen Politthriller, wenngleich es genügend (Zünd)-Stoff gäbe. Dank Internet findet man gegenwärtig auch unzählige Seiten potenzieller Verfechter der Lügen und Manipulationen seitens der staatlich kontrollierten Medien. Von medialen Handlangern ist da die Rede. Von pathologisch bedenklich und geistig toten Umfrageinstituten, die solch einen Mist an die Öffentlichkeit geben und ihn als repräsentative Meinung der Deutschen verkaufen. Was, wenn dem tatsächlich so ist? So ganz abwegig wäre es nicht, zumal wir beispielsweise ab 2018 in unserer Presse- und demnach Meinungsfreiheit urplötzlich geknebelt werden, denn ab dann soll ein einheitlicher Presseausweis gelten, quasi ein staatlich legitimierter Presseausweis. De facto möchte der Staat mehr Einfluss und somit werden Freizeitjournalisten und „böse Blogger“ ganz einfach kurzgehalten. In unruhigen Zeiten wie diesen schürt diese Machart unter den Denkern, Kritikern und Skeptikern allerdings nur noch mehr Misstrauen und man fragt sich: Was treibt den Staat, sich dermaßen rigoros in die Angelegenheiten der Presse und damit in die im Grundgesetz garantierte Meinungsfreiheit einzumischen? Laut „Tichys Einblick“ gibt es hier vier mögliche Antworten: Der Staat ist schwach, hat Angst vor unbequemer Berichterstattung, er will kontrollieren und notfalls Druck ausüben.

Glauben ist gut, Skepsis ist besser

Nochmal zurück zum ZDF-Politbarometer: Warum fragen wir uns eigentlich nicht, was sich beispielsweise hinter den aktuell 5% verbergen, die als „Andere“ ausgewiesen werden? Immerhin sind es 5%, also genauso viel wie die FDP derzeit erreicht. Komisch, dass das verschwiegen wird und wir auch kein großes Bohei darum machen. Aus mangelndem Interesse vielleicht oder weil der Wetterbericht gerade interessanter erscheint?! Wie dem auch sei: Warum hinterfragen wir immer noch nicht kritisch und akzeptieren stattdessen so viel? Frisierte Statistiken bezüglich Kriminalität, Arbeitslosigkeit oder fortwährender „political correctness“ scheinen ja an der Tagesordnung zu sein und dienen augenscheinlich dem Zwecke, die Wahrheit zu vertuschen, zu schönen und uns ruhig zu stellen. Darüber hinaus heißt es nicht umsonst: „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.“

Mal ehrlich: Dogmatisches Scheuklappen-Denken ist zwar auf den ersten Blick recht bequem, da man sich nicht näher mit Dingen auseinandersetzen muss, jedoch trübt es auf kurz oder lang die Sicht und benebelt uns. Und dann resignieren wir irgendwann, denn im Nebel sieht man ja die Hand nicht mehr vor Augen, also brauchen wir demnach auch keinen Fuß mehr vor den anderen zu setzen. Zu riskant, zu nervenaufreiben, zu prekär. Bloß weil eine Umfrage besagt, dass nur jede vjerte Frau glücklich ist, sollten wir uns nicht automatisch darin bestärkt fühlen, dass es kein Wunder ist, dass wir unglücklich sind. Schließlich sind „die anderen“ ja nur 25%. Andersherum sollten wir uns nicht unter Druck setzen lassen, wenn Studien behaupten, 90% der Paare wären in ihrer Beziehung glücklich, wenn in der eigenen gerade die Fetzen fliegen. Auf Daten Taten folgen lassen ist absurd. Gerade deshalb stelle ich mir wie so oft die Frage: Was brauchen wir eigentlich?

Entweder bedarf es einem großen Knall, so dass wir wieder von Null anfangen müssen, oder wir sollten einfach damit beginnen, neues Vertrauen zu fassen. Was wir brauchen, sind keine großen Reden, sondern große Taten. In der Politik und im Privatleben. Wenn wir fühlen, dass etwas gefälscht, getürkt oder inszeniert ist, dann ist es das meistens auch. Ebenso sollte für uns niemals eine x-beliebige Statistik die Macht haben, uns einen bestimmten Weg zu weisen oder uns zu naiven Gänschen zu machen. Wir selbst müssen zuallererst für uns entscheiden, erahnen und vor allem erfühlen, was richtig und was falsch ist. Und wenn eine Statistik feststellen will, wie viele Menschen glücklich sind und wie viele nicht, ist das schlichtweg Humbug.

 

Wahrheit ist ein Durchgang, keine Grenze

Am Ende ist es doch so: Durch jahrelanges Vortäuschen falscher Tatsachen, verlogener Worte und unterlassener Taten und den daraus resultierenden Enttäuschungen und zerplatzten Hoffnungen haben wir unserem guten alten Bauchgefühl irgendwann Sendeverbot erteilt. Wir haben plötzlich geglaubt, unser Kopf wäre der bessere Berater, schließlich ist er rationaler und in Stresssituationen rät man uns nicht umsonst, ihn möglichst kühl zu lagern, um den Verstand zu bewahren. Allerdings ist unsere Intuition eigentlich ein viel klügerer Ratgeber, denn unser Bauchgefühl trügt uns nie. Wir müssen nur lange in uns hineinhören, um die Wahrheit zu erkennen. Fakt ist: Wir müssen aufhören, uns von konstruierter Schönfärberei, Aufbauscherei, Ausblenderei und Lügerei blenden zu lassen. In Statistiken werden lediglich sogenannte Sachzwänge konstruiert und wir denken dann, kluge Leute hätten etwas erforscht, die sich nicht so leicht hinters Licht führen lassen.

Zahlen und Statistiken sind und bleiben zwar – innerhalb gewisser Grenzen und Voraussetzungen – ein höchst nützliches Instrument, um wichtige Teile der Wirklichkeit zu beschreiben. Wer Statistiken an sich für Teufelszeug erklärt, dem sage ich: „Dummheit ohne Zahlen ist auch nicht besser als Dummheit mit Zahlen.“ Aber kritisch sollten wir dennoch bleiben, und immer noch so klug sein, zu erkennen, wenn etwas faul ist. Und am Ende auf unser Herz und unser Gefühl zu hören ist immer noch der beste Weg zur Wahrheit ohne Schein und Sein.

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