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Mel´s Mikrokosmos

Schnell die Welt retten

Hallo Mikrokosmonauten: Wer keine große Leuchte ist, spart zumindest Strom

Ich kann es nicht mehr hören! Überall unterwirft man mich dem Diktat des Klimaschutzes. Ich soll die Heizung nicht aufdrehen, ich soll regional und saisonal essen, Plastiktüten sind tabu, ich soll mit Deckel auf dem Topf kochen, weil das energiesparender ist. Ich dachte immer, Topf und Deckel wären in einem anderen Zusammenhang wichtiger? Und Autofahren sollte ich auch nicht mehr so oft, sondern eher aufs Fahrrad umsteigen. Ist ja alles schön und gut, aber wenn ich mir die FFF-Generation so anschaue, frage ich mich, ob sie es besonders cool fände, wenn sie einen Beutel Laubbaumsamen geschenkt bekäme, statt einem neuen Handy. Machen wir uns nichts vor: Es gibt keinen Planeten B, aber ich frage mich angesichts der ganzen Weltrettungs-Bewegung:

„Sollen wir jetzt mehr Baumkuchen backen?“

Ich liebe unsere Mutter Erde. Sie ist mir nicht egal. Ich finde es auch erschreckend, was wir mit ihr alles tun. Noch vor einigen Wochen brannte der Amazonas, die grüne Lunge unseres Planeten. Inzwischen spricht man nicht mal mehr darüber. Und das, obwohl wir gerade in Begriff sind, unser Ökosystem einfach so zu killen. Es tut mir auch jedes Mal in der Seele weh, wenn ich mir anhören muss, dass Menschen nicht auf Fleisch verzichten können, ja, noch nicht mal ihren Fleischkonsum einschränken wollen. Geht mir einfach nicht in den Kopf, sorry. Genauso könnte ich jedes Mal ausrasten, wenn ich in einen Supermarkt gehe und mir all die glänzenden Plastik-Kostümchen anschauen muss, in denen unser Obst und Gemüse drinsteckt. Es widert mich an, weil ich mich jedes Mal frage, warum eine Plastiktüte an der Kasse 10 Cent „Strafe“ kostet, wenn nahezu jeder zweite Einkaufsartikel ohnehin in Plastik verpackt ist? Und trotzdem gehe ich nicht demonstrieren und zähle mich auch nicht zu alldenjenigen, die öffentlich mehr Klimaschutz fordern. Ich hab auch ehrlichgesagt keine Zeit dafür! Von Belehrungen ganz abgesehen!

Das große Dilemma

Irgendwie ist es komisch. Wir fordern das eine, tun selbst aber häufig etwas ganz anderes. In Sachen Klima passiert das am laufenden Band. Wir verlangen zum Beispiel eine drastische Senkung von Verkehrsemissionen, steigen jedoch zuweilen selbst in ein Flugzeug und fahren ständig mit dem Auto. Wir heulen auch alle sofort rum, wenn wir die verstörenden Bilder von verzweifelten Orang-Utans im Regenwald sehen, die für die Rodung der Ölpalmen vertrieben werden oder sogar ihr Leben lassen müssen. So etwas bricht das Herz und lässt uns Scham verspüren, weil wir eben selbst zu der vernichtenden Spezies Mensch gehören. Gleichzeitig beißen wir jedoch genüsslich in ein Nutella-Brot, obwohl wir wissen, dass Nutella zum Großteil aus Palmöl gemacht wird und damit für die Zerstörung der Regenwälder mitverantwortlich ist. Wir sind auch ganz vorne mit dabei, wenn es ums Thema Energiesparen geht. Mir sind allerdings schon so viele Menschen begegnet, die zwar überall Sparlampen im Haus haben, aber mindestens einmal täglich den Wäschetrockner anwerfen. Die grundsätzliche Schwierigkeit, dass in unserer zivilisierten Welt ein klimaschonendes Leben häufig sehr schwierig oder gar unmöglich ist, können wir offensichtlich selbst nicht auflösen. Und kaum einer mag wohl leben wie ein Waldmensch, also fernab jeglicher modernen Lebensart. Wer also über Klimaschutz oder auch nur allgemein über Klimawandel redet, hat oft ein kommunikatives Problem. Er wird nämlich vielfach als Heuchler empfunden oder sogar ausdrücklich als scheinheiliger „Gutmensch“ diffamiert. Eben, weil es wohl auch bedingt so ist. Wo kämen wir auch hin, wenn wirklich jeder auch alles in die Tat umsetzen würde, was er so den lieben langen Tag von sich gibt? Man, wir wären alle Umweltengel! Und trotzdem frage ich mich immer wieder:

Wann lösen wir das Problem denn nun?

Verzicht und Verbot sind jedenfalls keine Alternative für eine Welt mit einer bis in zehn Jahren von 7,7 auf 8,5 Milliarden und bis 2050 um ein Viertel auf fast zehn Milliarden Menschen anwachsenden Bevölkerung, so die aktuelle Prognose der Vereinten Nationen. Für Askese fehlen individuelles Einsehen und gesellschaftliche Akzeptanz. Aber uns bleibt die Innovation. Fakt ist: Die Welt wird sich in den kommenden Jahren verändern. Und wir mit ihr. Das Komische daran ist, dass ich wirklich glaube, dass wir es hinkriegen werden, unseren eigenen Untergang und den unseres Planeten zu verhindern. Und es sind gewiss nicht die Fridays for Future, die mich das glauben lassen. Es sind eher die kleinen Dinge, die mir zeigen: „Aha, da geht was!“. Mich begeistert es zum Beispiel, wenn ich sehe, dass es immer mehr „Plogger“ gibt. Das Wort „Plogging“ bildet sich aus dem Schwedischen „plocka upp“ – das so viel heißt wie „aufheben“ – und dem Wort „Jogging“ zusammen. Joggende Müllsammler quasi, die dafür sorgen, den Dreck anderer Leute zu beseitigen. Sowieso schätze ich alle ehrenamtlichen Aufgaben. Das Klima wird zwar dadurch nicht unbedingt besser, aber unsere Einstellung. Gassi gehen mit Tierheim-Hunden macht uns einfach liebenswert. Ehrenamtlich Bäume pflanzen auch. Und statt sich gegenseitig zu tadeln, warum, weshalb und wieso wir fliegen und Auto fahren,  sollte man lieber Eigeninitiative entwickeln und einfach etwas Gutes tun. Ich muss gestehen, dass ich mir hier von einigen Leuten wünschen würde, als gute Tat das Atmen gänzlich einzustellen, aber Kohlendioxid spart man auch anderweitig.

Am Ende ist es doch so: Denken ist Arbeit, Arbeit ist Energie und Energie soll man sparen. Laut einer Umfrage erwarten übrigens knapp 50 Prozent vom Klimawandel “mehr nackte Weiber” und 31 Prozent “kürzere Wege zum Strand”. Aber Spaß beiseite: Humor hört bekanntlich dort auf, wo Fanatismus brodelt. Und unser Planet kann nicht noch mehr Ärger gebrauchen. Deshalb fordere ich: Mehr lächeln, weniger schwarzmalen!

Der französische Schriftsteller Charles de Secondat hat es schon im 15. Jahrhundert richtig erkannt, denn er sagte: “Die Sitten sollten zum Klima passen.”. Wohlgemerkt Sitten, nicht Titten, liebe Männer! Für uns bedeutet das, dass wir hier und da umdenken, mitdenken und nachdenken. Kleine Schritte sind oft besser, als gar keine. Wenn ich es mir recht überlege, sollte ich vielleicht doch öfter hinhören, wenngleich ein Zwang nie vorhanden sein sollte.  Und Unterwerfung war auch nie mein Ding.  Aber mein Kopf sagt mir, dass es gut ist, saisonal und regional einzukaufen und kein Fleisch zu essen. Und er sagt mir,  dass Laubbaumsamen eigentlich ganz cool sind. Und dass Müllsammeln mein Gewissen beruhigt und obendrein mein Karmapunkte-Konto füllt. Ich glaube fest an uns und daran,  dass wir alle die nötige Einsicht haben, wenigstens ein bisschen was für Mutter Erde zu tun. Wir müssen hier schließlich noch ein bisschen die Stellung halten!

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