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Interview: Joe Bonamassa – Der Blues Event des Jahres

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„Ich liebe es in Deutschland zu spielen“

Joe Bonamassa ist der Superstar unter den jungen Blues-Rockern und kann trotz seines jungen Alters von 34 Jahren auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken. Mit vier Jahren spielte er bereits die Gitarre und galt als Wunderkind. Mit zwölf Jahren wurde sein Talent von der lebenden Blues-Legende B.B. King entdeckt und gefördert. Er kann auf zehn Alben in zehn Jahren und auf über 2.000 Konzerte zurück blicken. 2010 spielte Joe Bonamasa in der ausverkauften Royal Albert Hall in London ein sensationelles Konzert, bei dem Eric Clapton als Gaststar auftrat. 2012 wird er mit dem Preis „Guitar Player of the year“ ausgezeichnet. Seine „Dust-Bowl“ Deutschland Tour startet der Ausnahme-Gitarrist am 06.03. im Saarbrücker E-Werk. Aus diesem besonderen Anlaß hat sich unser L!VE-Konzerte-Chef Jörn Mundanjohl in seinen besten schwarzen Anzug geschmissen, die schwarze Sonnenbrille aufgesetzt und mit Joe Bonamassa ein Gespräch unter „Blues-Brüdern“ geführt.

L!VE präsentiert: Joe Bonamassa – Der Blues Event des Jahres | 06. März 2012 | E-Werk in Saarbrücken

 

L!VE: Hallo Joe, wir freuen uns sehr, dass Du nach so langer Zeit endlich mal wieder ein Konzert in Saarbrücken gibst. Als ich dich am 26. Juni 2005 zum letzten Mal hier live gesehen habe, hast Du im restlos ausverkauften Kühlhaus gespielt. Erinnerst Du Dich noch an dieses Konzert und hast Du eine besondere Verbindung zu Saarbrücken?

 

Joe Bonamassa: Ich liebe es einfach in Deutschland zu spielen. Wir haben hier großartige Fans. Deshalb kommen wir auch immer regelmäßig für einige Konzerte Deutschland. Die Zuschauer sind sensationell und freuen sich jedesmal, wenn sie uns sehen. Ihre Reaktionen während den Konzerten sind einfach mitreißend und der ganze Abend bringt jede Menge Spaß!

 

 

L!VE: Zwei Tage später wurde Dein nächstes Konzert für die TV-Sendung „Rockpalast“ aufgezeichnet und kurze Zeit danach im Fernsehen gesendet. War das für Dich auch wie für viele andere Musiker (Rory Gallagher, ZZ Top, Johnny Winter) der Durchbruch vom hochgeschätzten Insider-Tipp zum gefeierten Superstar der jungen Blues-Generation in Europa?.

 

JB: Wenn ich mich richtig erinnere, war das im Jahr 2006 und in den sechs Jahren danach ist meine Karriere abgegangen wie eine Rakete, die du ins Weltall schießt. Durch die jahrelange Unterstützung vieler treuer Fans ist mein Name heute auf der ganzen Welt bekannt und wir spielen von Jahr zu Jahr in immer größeren Hallen!

 

 

L!VE: Eines Deiner Vorbilder ist Rory Gallagher. Du eröffnest viele Deiner Konzerte mit seinem Song „Cradle Rock“. Wie hat Dich Rory beeinflußt und wer waren Deine Vorbilder, als Du mit vier Jahren angefangen hast, Gitarre zu spielen?

 

JB: Rory ist einfach einer meiner allerliebsten Gitarristen. Immer wenn er in seinem Flanel-Hemd und diesem Hut auf seinem Kopf auf eine Bühne stieg, sah er aus wie einer dieser Durchschnitts-Typen. Man dachte natürlich zuerst: „Da kommt jetzt der nächste mittelmäßige Typ, der den nächsten mittelmäßigen Song spielen wird...“ Er war einfach großartig! Und ich habe auch großen Respekt davor, wie er die Slide-Gitarre gespielt hat.

 

 

L!VE: Du wurdest als „Wunderkind“ im Zarten Alter von 12 Jahren von B.B. King entdeckt. Möchtest Du unseren Lesern verraten, wie es dazu kam?

 

JB: Sehr gerne sogar! B.B. King ist ein wunderbarer Freund, der mich all die Jahre unterstützt hat. Er hat mir die Möglichkeit gegeben, seine Konzerte zu eröffnen. Er gab mir eine Bühne! Er gab mir viele gute Ratschläge. Er hat mir einfach eine ganze Menge Möglichkeiten gegeben. Und er hat vor ein paar Jahren als Gast auf meinem Album „Black Rock“ gespielt! Wir haben gemeinsam den Willie Nelson Klassiker „Night Life“ aufgenommen. Ich bin ihm unheimlich dankbar für all das, was er für mich getan hat!

 

 

L!VE: Ab wann hast Du Dich mit der Geschichte der Blues-Musik und den Menschen, die diese Musik aus einer sehr schlimmen Lebenssituation heraus geschaffen haben, beschäftigt?

 

JB: Ich vergleiche die Blues-Musik mit einem großen Regenschirm, unter dem sich viele verschiedene Musikrichtungen befinden. Blues ist ein Gefühl, eine Emotion! Egal ob es dir gerade gut oder richtig schlecht geht. Die Blues-Musik gibt dir die Möglichkeit, dich so auszudrücken, wie du dich gerade fühlst!

 

L!VE: Während der gleichnamigen "Blues Deluxe"-Tour wurdest Du in ein Programm involviert, dass sich BITS (Blues In The Schools) nennt und welches versucht, die Ursachen, Ursprung und auch Hintergründe der Blues-Musik einer neuen, jungen Generation von Musikfans zu übermitteln. Weshalb war es für Dich wichtig, bei diesem Programm mitzumachen?

 

JB: Es ist wichtig für mich, dass ich die Blues-Musik mit jüngeren Generationen teilen kann, da die jetztigen Fans ja auch älter werden. Wenn wir etwas machen wollen, damit die Blues-Musik weiter bestehen wird oder sogar in ihrer Beliebtheit noch wachsen kann, brauchen wir Nachwuchs, junge Leute, die sich für den Blues interessieren!

 

 

L!VE: Du hast auf Deinem vorletzten Solo-Album „The ballad of John Henry“ an den legendären Steel-Driver John Henry, erinnert. Während der Industrialisierung sollte der Arbeitsplatz von John Henry und seinen Kollegen durch eine Maschine ersetzt werden, woraufhin die Arbeiter ihren Job verlieren würden. John Henry wollte seinem Chef beweisen, dass der Mensch nicht ersetzbar ist und mehr leisten kann als eine Maschine, weshalb er zu einem Wettkampf Mensch gegen Maschine antrat, er diesen zwar gewann, anschließend allerdings vor Erschöpfung kollabierte und mit seinem Hammer in der Hand starb.  Wann hast Du von der Geschichte John Henry´s zum ersten mal gehört und wann war für Dich klar, dass daraus ein Album entsteht?

JB: Das war in der Schule. Dort habe ich zum ersten Mal von dieser „Folk-Legende“ gehört und gedacht: „Das wäre eine wirklich gute Story!“ Dabei musste ich zwangsläufig daran denken, auf welche Art und Weise die heutigen Kids berühmt werden. Schwachsinnige You-Tube Videos! Da war mir klar, dass ich lieber ein unbekannter Mann wie John Henry sein wollte, der etwas leistet und dadurch berühmt wird. Etwas, an das man sich auch lange Zeit danach noch erinnert.

 

 

L!VE: Auf Deinem neuen Album „Dust bowl“ präsentierst Du Dich verstärkt auch als Geschichtenerzähler. Wie kam es zu dieser Entwicklung? Muss man dafür erst ein gewisses Alter erreicht haben?

JB: Ich wollte an meiner Songwriting-Technik arbeiten und habe mich deshalb entschlossen, einige Geschichten zu schreiben. Zu dieser Zeit gab es nichts wirklich bewegendes in meinem eigenen Leben, über das es sich gelohnt hätte, zu berichten. Deshalb habe ich das Album auch „Dust Bowl“ genannt. Ich hatte den Eindruck, mein Leben ist vergleichbar mit dem der „Dust Bowl“: Unfruchtbar, ausgetrocknet, ohne Kreativität, ausgelaugt... Die Platte ist dadurch richtig gut geworden!

 

 

L!VE: Du lässt auf diesem großartigen Album auch neben dem Blues andere Musikrichtungen einfließen. Ein Highlight ist für mich Dein Duett „Tennesse Plates“ von und mit John Hiatt. Werden wir diese musikalische Vielfältigkeit auch bei Deinem Konzert erleben?

JB: Bei meinen Konzerten werde ich die besten Songs spielen und dafür alle Musikrichtungen verwenden, die ich am liebsten mag. Und ich liebe jede Art von Musik. Jederzeit! Bei einem Konzert spiele ich genau das, was ich in dem Moment, in dem ich auf der Bühne stehe, empfinde.

 

 

L!VE: Wie hoch ist der Anteil an Gitarristen bei Deinen Konzerten?

JB: Ich glaube, da sind immer viele Gitarristen in meinem Publikum. Wenn ich die Gelegenheit habe, meine Fans zu treffen, bringen viele ihre eigene Gitarre mit und bitten mich, sie zu signieren. Oft erzählen sie mir dann von sich und den Träumen, es irgendwann zu schaffen und ganz groß rauszukommen.