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Eigentlich musste es ja so kommen. Was habe ich in den vergangenen Ausgaben vor allem die Engländer und Amerikaner gelobt, die sich teutonischer Gewächse wie den Scorpions und Kraftwerk angenommen haben, um ihren stilistischen Fundus zu bereichern.
Jetzt verkehren sie die guten Eindrücke der vergangenen Jahrzehnte ohne Not ins Gegenteil. Man war ja gewarnt nach der Meldung, dass unsere Nena mit den Atzen gemeinsame Sache mache, die Hagener Stillos-Ikone hechtet ja seit etwa 1984 jedem Trend hinterher, um noch mal ins Fernsehen zu kommen, es war so überraschend also nicht. Und nun schwappt der Disco-Pogo über den großen Teich und man sitzt wie vor den Kopf geschlagen da, welche Namen sich ins Spiel bringen, die mit dem aggressiven Party-Pop kollaborieren, um den Zahn der Zeit, das alte Arschloch von Nager, zumindest zeitweilig zu ziehen und eine wirklich sehr diffuse Relevanz zurück zu gewinnen. Aber um welchen Preis? War es wirklich eine so gute Idee von David Bowie, sich ausgerechnet zusammen mit Bob Dylan im Trainingsanzug und mit Kappe im Dillingen-Dieffler minus-zwei-Sterne-Etablissement „Kolibri“ anlässlich einer „Atzen-Party“ unter die sehr breite Masse zu mischen, sich von der Dorfjugend hoffnungslos unter den Tisch trinken zu lassen und dann das eilig gerufene Taxi zum Bahnhof Dillingen komplett vollzukotzen, FCS-Fanlieder lallend? Bowie meint: Ja. Und so folgt nach über 30 Jahren plötzlich Teil 3 seiner „Space Oddity“-Storyline, natürlich passend betitelt mit „Atze To Atze“, und die erzählt von Major Tom, der sich irgendwo im Kosmos, mittlerweile selbstständig kalt entzogen, mit Wodka-Lemon komplett abschießt und rund um die Uhr die Onkelz hört, wo immer er beides auch her hat. Dylan hat wenigstens draus gelernt und auf einer eigenen WKW-Seite mitgeteilt, dass er sich fortan völlig von allem zurückzieht, was auch nur annähernd mit dem Umgang mit einem Musikinstrument zu tun hat, denn, wörtlich, „für so einen verkackten Rotz habe ich mich damals vor „Blood On The Tracks“ nicht extra scheiden lassen, um so eine Platte zu schreiben, Ihr Opfer.“ Eher überraschend allerdings, dass Madonna, sowas wie eine globale Nena mit Talent, so ganz und gar nicht mitzieht. „Proleten-Pop hatte ich schon mal!!“ ließ sie nach kurzer Durchsicht ihrer Veröffentlichungen mitteilen, und siehe da, das Pop-Chamäleon hat Recht: „Sticky & Sweet“ ist auch noch gar nicht so alt. Auch Jacko fehlt ebenso entschuldigt wie U2, nachdem Thom Yorke und Bob Geldof gemeinsam Bono irgendwie doch noch begreiflich machen konnten, das Wörtchen hieße „Atzen“ und nicht „Ozon“, und man sei auch nicht dagegen, sondern dafür. Übers Handy, der gute Bono stand bereits im „Decathlon“ mit einer Jako-Jogginghose an der Kasse, während The Edge eine überforderte Aushilfe mit einem sofortigen Gniedel-Solo aus der umhängenden Les Paul bedrohte, bekämen er und der Sangespapst nicht sofort die Adresse des zuständigen Sweat-Shops, der die erwähnte Textilie zu verantworten hatte. Eine grundsätzlich recht krampfige Veranstaltung also, gar nicht passend zum leichtlebigen und dummbatzigen Charakter dieses seltsamen Subgenres, das wir nach den bereits jetzt zum Scheitern verurteilten angloamerikanischen Remake-Versuchen hoffentlich endgültig unter den Teppich kehren dürfen.
Text: Oliver Jochum







