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Saarländer im Portrait

Slopestyle-Biker Max Wassmuth

Den Begriff „Slopestyle“ verbinden die Sportlichen unter uns vielleicht mit Schnee, Snowboards und Freeskiing, zunehmend stürzen sich aber auch Mountainbiker steile, staubige Hänge herab, um auf einem sogenannten Trail die wagemutigsten Sprünge über angelegte Hindernisse zu vollführen. Max Wassmuth, 23, ist einer der besten Deutschen in dieser spektakulären Sportart und hat mit Freunden im Saarland einen eigenen Trail gebaut.

Kaum haben wir uns zwei Mal verfahren, liegt die Strecke auch schon vor uns. Malerisch am Waldrand in einem hübschen Tal bei Kirrberg erstreckt sich der Trail mit Hügeln, Schanzen, Tables und Drops. Nach der Begrüßung per fist bump (danke, Corona) erklärt uns Max die Strecke, die momentan aus drei bis vier Sprüngen besteht. Dazu kommt ein Stück im Wald, das man zusätzlich absolvieren kann, bevor es auf den eigentlichen Trail geht. Ein weiterer Abschnitt ist im Bau. Riesige Erdhügel warten darauf, in Form gebracht zu werden, sich in Slopes, Kicker, das sind hölzerne oder lehmige Sprungschanzen, und Landeflächen zu verwandeln. Da Max und seine Freunde aber entweder in der Ausbildung oder im Studium sind, fehlt es an der Zeit und auch am nötigen Kapital, diesen flott fertigzustellen. „Eine hölzerne Rampe kostet mehrere hundert Euro,“ erklärt uns Max. Dazu kommen Maschinen wie Bagger und kleine Planierraupen. Aber die Jungs sind fleißig und sehr motiviert und arbeiten unermüdlich an ihrer Traumstrecke.

„Soll ich dann mal ein paar Sprünge machen?“ fragt Max und wir nicken begeistert. Er schiebt sein schwer aussehendes Mountainbike bergan und wir suchen uns die besten Plätze an den Hindernissen, um ein paar Fotos zu schießen. Dann lässt er das MTB über die Kuppe rollen und flitzt in erstaunlichem Tempo den oberen Hügel hinab, um mit Schwung auf den ersten Kicker zu fahren. Die atemberaubende Höhe und Schnelligkeit des Sprungs überrumpelt uns völlig und auf den Bildern ist gerade mal ein Reifen zu erkennen, der Rest von Max ist aus dem Foto herausgesprungen. Er fährt unter weiterer Luftakrobatik den Trail zu Ende und bremst dann in einer großen Staubwolke ab. „Wow, Hammer, das war ja irre!!“ rufen wir beeindruckt. Er winkt bescheiden ab, der zweite Sprung war nur so mittel, das mache er gleich nochmal besser. What? Wir lachen, aber Max meint es völlig ernst. Er ist ein Perfektionist und brennt für seine Leidenschaft, sonst könnte er nie so weit vorne in den Ranglisten mitfahren. Wieder schiebt er das schwere Rad den Berg hinauf. „Bau doch noch einen Lift, das würde die Sache vereinfachen!“, scherzen wir, aber das kommt für den jungen Mann natürlich nicht in Frage, das wäre in seinen Augen zu unsportlich.

Beim zweiten Mal sind wir besser vorbereitet und Max führt uns die wahnsinnigsten Sprünge vor. No Hander, freihändiger Sprung, Tailwhip, das MTB wird in der Luft um den Lenker herum geschwungen, und Backflip, Rückwärtssalto, lassen uns in Ehrfurcht erstarren. Nach mehreren Abfahrten mit unglaublichen Jumps erwacht mein mütterlicher Instinkt und ich biete ihm eine Pause an, aber Max ist unermüdlich. „Ich trainiere meistens mehrere Stunden am Stück, keine Bange,“ grinst er uns mit schwarzem Zahnschutz an, den er trägt, seit ein Freund bei einem schlimmen Sturz sein Gebiss schwer beschädigt hat. Seine Freundin Giulia bestätigt das scherzhaft resigniert: „Oft ist er am Wochenende von morgens bis nach Sonnenuntergang auf dem Trail“. Sie unterstützt ihn tatkräftig, sorgt für Getränke und Snacks und baut ihn liebevoll wieder auf, wenn der Sportler mal nicht so zufrieden mit sich ist. „Mit Flutlicht könntest du noch länger fahren,“ schlagen wir vor, aber das kommt nicht in Frage, da bei einem nächtlichen Turnier vor einiger Zeit mitten in seinem Sprung das Licht komplett ausfiel. Ein Betrunkener war über den Stecker gestolpert und Max stürzte daraufhin in der plötzlichen Dunkelheit in das Hindernis.

Irgendwann macht er dann doch eine Pause und erzählt uns, dass Freunde aus Kirrberg vor ein paar Jahren auf dem heimischen Trail ein großes Event ausgerichtet haben. „Da kamen Fahrer aus aller Welt, wir hatten rund 80 Teilnehmer am Start. Es gab Bierzelte und DJs, auf der Wiese unterhalb des Trails wurde gecampt und gefeiert. Red Bull und ein paar saarländische Unternehmen waren als Sponsoren mit dabei, das war klasse.“ Dank der Corona-Pandemie sind seine Pläne für die diesjährige World-Tour und diverse Gold-Events komplett ins Wasser gefallen. Spanien, Österreich, Schweiz, USA, alles Essig. „Ich nutze dieses Jahr dann eben zum intensiven Training und zum Ausbau der Strecke“, erklärt er schulterzuckend.

Wir bedanken uns bei Max und seiner Freundin, die noch ein paar Stunden in Kirrberg bleiben, bevor es heim nach Saarbrücken geht, wo das Abendessen bereits auf die beiden wartet. „Meistens kocht er ja, das kann er ganz hervorragend,“ gibt Giulia lächelnd zu. Ein Mann mit etlichen guten Eigenschaften, der sportlich und menschlich überzeugt. Wir drücken die Daumen, dass nächstes Jahr viele Events möglich sind und unser saarländischer Slopestyle-Champion eine Menge Preise abräumen kann!

Filmtipps: Action Heroes MTB (YouTube, Vimeo), Where the Trail ends (Amazon, iTunes), The Collective (Amazon, iTunes), Not2Bad (Amazon, iTunes, Google Play)

 

Text: Ute Servas

Fotos: Clara & Ute Servas

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