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Titelstory

So überlebst du den Festivalsommer

Abriss, Anarchie & Alkohol – immer mehr und immer größere Festivals gehören längst für viele zum perfekten Sommer. Auch dieses Jahr ziehen wieder zahllose dieser hippen Parallelgesellschaften Hunderttausende, wenn nicht Millionen Willenlose, in ihren Bann. Rechtzeitig zur Open-Air-Hochsaison deswegen hier unsere Tipps zur ungetrübten Festivaleskalation.

Denn was einstmals die Domäne von Rockfans und langhaarigen Bombenlegern war, ist längst in der Mitte der Gute-Laune-Gesellschaft angekommen. Das hat viele Vorteile, hat aber auch ein paar Dinge mit sich gebracht, auf die man achten sollte. Die Zeiten, wo ein paar Kisten warmes Bier für ein geselliges Festivalwochenende reichten sind definitiv passé, nicht umsonst gehören zahllose Getränke- und Cocktail-Theken sowie verschiedenste Fast-Food-Stände seit Jahren zu jedem Festival. Die Probleme beim Getränkenachschub wurden längst von leeren Akkus und fehlender Netzwerkanbindung abgelöst. Aber auch sonst sind die Festivals mit der Zeit gegangen und bieten für ein paar Tage hoch unterhaltsame Mikrokosmen der ganz besonderen Art. Ein paar Dinge sollte man allerdings in jedem Fall beachten:

An- und Abreise
Da sich nach dem Festivalbesuch vieles in ansehnlichen Gedächtnislücken verliert, muss der Anreise keine größere Bedeutung beigemessen werden, denn an deren Details kann sich hinterher eh‘ keiner mehr wirklich erinnern. Problematisch ist daher eigentlich immer nur die Abreise, der man übrigens zusätzlich noch einen gewissen Thrill mitgeben kann, wenn man selbst mit dem eigenen PKW anreist. Der Spaß bei der Suche nach dem irgendwo im Nirgendwo abgestellten Vehikel ist nämlich vor allem für schadenfrohe Freunde unbezahlbar. Dafür sind die Chancen für nicht Autobesitzer eine Mitfahrgelegenheit für den Rückweg in die Zivilisation zu finden besonders gut, weil das allermeiste Zeug, mit dem die Autos bei der Hinfahrt restlos vollgestopft waren, sowieso auf dem Gelände als Müll zurückgelassen wird. Das schafft Abertausende Kubikmeter freien Platz auch in Kleinstwagen.

Kleidung
Hier gilt die alte Las-Vegas-Weisheit: was auf dem Festival passiert, bleibt auch auf dem Festival. Also am besten nur Klamotten mitnehmen, die ohnehin für die Kleidersammlung vorgesehen waren und die man ohne Wehmut auf der Festivalwiese zurücklassen kann. Wäsche zum Wechseln kann zwar hinsichtlich des Zusammentreffens mit potentiellen Kopulationspartnern olfaktorisch von einem gewissen Vorteil sein, wird aber generell überbewertet, denn Hand aufs Herz, wer duscht schon wirklich in den paar Festivaltagen. Wichtiger sind da eher schon große und geräumige Taschen in Hosen oder Jacken, weil man schon so alles Mögliche mit sich rumschleppt den ganzen Tag über, zum Beispiel die Bluetooth-Box des Zeltnachbarn, aber dazu mehr im Punkt Technik.

Behausung
Es soll Festivalgänger geben, die es wiederholt geschafft haben, nicht ein einziges Mal im eigenen Zelt übernachtet zu haben. Die Fähigkeit alkoholgestützt praktisch überall sofort einschlafen zu können ist auch in dieser Hinsicht auf Festivals von großem Vorteil. Fazit: das billigste Zelt ist allemal gut genug, denn es wird ja sowieso als bunter Fleck auf Nach-Festival-Müllwiese enden. Bei manchen Festivals ist neuerdings sogar die Anreise mit dem bestens ausgestatten Camper oder Wohnmobil möglich. Kann man natürlich machen – wenn man gleich seine Rolle als kompletter Außenseiter manifestieren will. Zum Ausgleich wird man dann im Minutentakt von Mädels genervt, die mal eben ihr Handy laden wollen.

Ernährung
Die Ernährung auf Festivals hat meistenteils viel mit Astronautenkost gemein. Sie ist zwar auf keinen Fall so ausgewogen und nährstoffreich, in erster Linie aber flüssig, meistens von breiiger Konsistenz – und kalt. Hierzu eigen sich die klassischen Dosenravioli immer noch am besten, zur Not tun es auch alle anderen Konserven-Eintopfgerichte. Wer unbedingt möglichste viel neue Bekanntschaften schließen möchte, verzichtet dabei auf das Mitbringen eines Dosenöffner, denn als Festival-Faustregel gilt: 1 Öffner auf 1000 Besucher. Bis man sich also zu dem durchgefragt hat, hat sich die Freundesliste im präferierten, sozialen Netzwerk vervierfacht. Das funktioniert übrigens ab dem zweiten Festivaltag genauso gut mit der Suche nach funktionierenden Feuerzeugen.

Begleitung
Eins ist klar: je mehr desto besser, denn so richtig Spaß macht Festival erst in der Gruppe. Das birgt zwar die Gefahr einer relativ großen Mitwisserschaft bei irgendwelchen peinlichen Ausrutschern – immerhin haben die alle Handys am Start – aber immerhin sorgen die dann auch dafür, dass man zuerst relativ sicher ins heimische Zelt findet und dann am nächsten Tag an jedes kleine Detail der begangenen Missetaten ausgiebig und schadenfroh erinnert wird. Zumindest wenn die eigene Begleitung sich selber auch noch erinnern kann. Nicht zu unterschätzen auch die Unsitte, die sich in den letzten Jahren leider auf vielen Festival-Camp-Sites breit gemacht, dass im Rahmen der Gruppendynamik oftmals alle dumm angemacht, im schlimmsten Falle auch abgezogen, werden, die zahlenmäßig unterlegen sind. Auch hier ist eine möglichst große Entourage von unschätzbarem Vorteil und im Zweifelsfall gilt: besser mal das Maul halten bei allen, die eine größere Gruppe um sich haben.

Technik
Die technische Ausstattung ist in der Tat etwas besonders knifflig, denn anders als bei den anderen Punkten geht es hier um Gerätschaften, die man gerne auch wieder mit nach Hause nehmen würde. Das gilt in erster Linie fürs eigene Handy, das mit seinen Foto- und Videofunktionen so gut wie unersetzlich ist, wenn es darum geht die Geschehnisse der Festivaltage zu rekonstruieren. Damit das länger als die erste Nacht durchhält sind Powerbanks eine wirklich feine Sache. Fast noch wichtiger allerdings sind Bluetooth-Lautsprecher, denn wie soll man sonst gegen die schrecklich laute Musik von den Festival-Bühnen ankommen. Auf diese Boxen sollte man allerdings richtig gut aufpassen, denn die wechseln auf Festivals öfter den Besitzer als unbewachte Frauen oder Getränke.

Sex ’n’ Drugs and Rock’n’Roll
In den Tagen vor der flächendeckenden Verseuchung mit allgegenwärtigen Handys bzw. deren Kameras, war das mit dem Sex eine feine Sache, denn man konnte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, den Beischlafpartner nie wieder zu sehen. Selbst wenn man in einem schwachen Augenblick seinen echten Wohnort oder gar richtigen Namen genannt hatte, konnte man getrost davon ausgehen, dass das Gegenüber solche Details am nächsten Tag nicht mehr erinnerte. Jetzt im Zeitalter des Videobeweises sieht das allerdings anders aus und nicht wenige behaupten, dass damit die in den letzten Jahren beständig ansteigende Tendenz zum Komasaufen zu erklären ist. Dass es auf Festivals Drogen geben soll, haben wir auch schon gehört, können uns aber an Details nicht erinnern. Wahrscheinlich ist das auch besser so!

Testimonials:

Christian hat auf dem Southside selbst zur Gitarre gegriffen und kennt die fünf goldenen Festivalregen::
„1. Keiner hat gesagt, dass es Spaß macht. 2. Konterbier hilft immer 3. Duschen wird überschätzt 4. Ohrenstöpsel für die (kurze) Nachtruhe sind Pflicht 5. Mindestens eine Band solltest du Dir anschauen, sonst hättest Du Dich auch in Deinem Garten besaufen können.“

Corinna ist vorzugsweise auf elektronischen Festivals in ganz Europa unterwegs und hat folgende Tipps parat:
„Ein Muss ist die richtige Sonnenbrille und ein cooles Outfit, bei Tomorrowland zum Beispiel vor allem die eigene Landesflagge. Dann sollte man immer was Kleines zum Knabbern dabeihaben, Hanuta, Mini-Salami oder irgendwas in der Richtung. Wirklich falsch machen kann man eigentlich nichts, denn alles was Spaß macht im Leben, braucht man nicht zu bereuen. Ansonsten ist es immer eine gute Idee vor dem Festival viel zu schlafen, damit man dann auch bis zum Ende durchhält.“

Stephan, hier mit schmückendem Festival-Beiwerk, weiß worauf es beim Festival-Campen ankommt:
„In eine gute Kühlbox investieren und dann Trockeneis zur Kühlung benutzen, am besten mit einer Schicht normaler Eiswürfeln überdecken. Toiletten immer unmittelbar nach der Reinigung der selbigen benutzen, um den Ekelfaktor gering zu halten und für An- und Abreise je nach Entfernung zum Parkplatz am besten eine Sackkarre, Schubkarre, o.ä. vorsehen. Fürs Festival an sich ist der wichtigste Tipp einen festen Treffpunkt auszumachen, an dem man sich immer mal wieder treffen kann, da Handys oft versagen.“

Die beiden Lisas teilen nicht nur den gleichen Vornamen, sondern auch ihre Vorliebe für exzessive Festivalbesuche:
„Niemals beim Alkoholvorrat denken „das wird schon reichen“, dann besser gleich noch mehr einkaufen. Die Frage „reicht das?“ bei Klamotten ist hingegen ein sicheres Zeichen dafür, dass man lieber die Hälfte wieder rausnehmen sollte. Das reicht dann immer noch definitiv. Ernährungstipp: Uncle Bens Express Reis, schmeckt 1a und manchmal besser als Ravioli. Ganz wichtig: Sonnencreme einpacken, damit Mutti denkt, man passt auf sich und seine Gesundheit auf (die Leber lacht).“

Kevin schießt zwar auf dem Tomorrowland auch schon mal ein Selfie, weiß aber wie sonst am besten mit dem Handy auf Festivals umzugehen ist:
„Geht auf alle Festivals, worauf ihr Lust habt, egal wie weit weg sie sind! Genießt jeden Moment! Von mir aus macht auf den Festivals von allem ein Foto, aber packt dann das verdammte Handy weg! Habt Spaß, lernt neue Leute kennen, eskaliert, feiert ab und genießt das Festival! Es gibt nichts Schlimmeres als nach Hause zu fahren und zu merken, dass man nicht alles mitgenommen und genossen hat, was ging! Denn dafür geht man hart arbeiten um sich mit so etwas zu belohnen!“

Festivals ins Zahlen…
Obwohl das Wacken-Festival genauso viele Besucher (rund 85.000) wie Rock am Ring hat, ist die Fläche mit 200.000 Quadratmetern nur ein Fünftel so groß. Dafür wird in Wacken mehr getrunken. Nämlich genau 5,1 Liter Bier pro Besucher. Derr durchschnittliche Rock am Ring-Besucher schafft gerade mal 2,5 Liter. Na dann, Prost!

Die 150.000 Tickets vom Glastonbury Festival sind regelmäßig innerhalb weniger Minuten restlos ausverkauft. Zu den 34.000 Festival-Mitarbeitern gehören allein 400 Sanitäter. Die 4.500 Toiletten und 300 Duschen verbrauchen 11 Millionen Liter Wasser, auch um die 15 Millionen Rollen Klopapier runterzuspülen. Als Rest vom Fest bleiben dann 300 Millionen Tonnen Müll.

Das größte Festival der Welt fand in Österreich statt. Unglaubliche 3,3 Millionen Besucher feierten 2015 drei Tage lang auf einer Donauinsel in Wien – Weltrekord! Und das trotz Headlinern wie Christina Stürmer, Robin Schultz und Mark Forster.

Das Coachella Valley Music and Arts Festival ist nicht nur wegen seiner Wahnsinns-Music-Acts und der ultrahohen Promidichte bekannt, sondern auch beeindruckt jedes Jahr mit irren Kunst-Installationen und Ausstellungen auf dem Gelände. Selbst die Mülleimer werden extra von bekannten Künstlern aufwendig gestaltet. Die Kunst des Geldmachens beherrschen sie übrigens auch im Coachella Valley. Stolze 84 Millionen Dollar wurden letzten Jahr eingenommen und da ist die Coachella Kollektion, die es bei H&M zu kaufen gibt, noch nicht eingerechnet.

Zwischen 10.000 und 25.000 Menschen kommen im Schnitt auf deutsche Festivals. Absoluter Spitzenreiter und weit über dem Durchschnitt bei den Besucherzahlen, ist das Münchner Tollwood Sommerfestival mit 900.000 Besuchern. Dicht gefolgt von den Maiwochen mit 700.000 Gäste in Osnabrück. An dritter Stelle schunkeln über 500.000 Schlagerfans beim Hamburger Schlagermove.

Festivals im der Region

02. – 04.06. Rock am Ring – mixed – Beginner, Liam Gallagher, Macklemore, Rag’n’Bone Man, System of a Down – Nürburgring / Eifel – www. Rock-am-ring.com

03. – 05.06. Pink Pop – mixed – System of a Down, Justin Bieber, Sean Paul, Kings of Leon – Megaland / Landgraf (NL) – www.pinkpop.nl

08. – 18.06. Contre Temps – Electronic – Vaudou Game, Chassol, Efdemin, Petre Inspirescu, Boreal Bee & Mike Ladd – div Locations / Strasbourg (F) – www.contre-temps.net

16.06. – 18.06. Maifeld Derby – Mixed – Moderat, Amanda Palmer, Primal Scream, Metronomy – Maimarktgelände / Mannheim – love-your-artist.de/de/maifeld-derby

30.06. – Halberg Open Air – Mixed – (Bands tba) – Halberg / Saarbrücken – www.halberg-open-air.de

30.06. – 02.07. Summerjam – Reggae, Hip Hop, Dancehall – Damian Marley, Patrice, Joy Denalane – Regattainsel Fühlinger See / Köln – summerjam.de

06. – 09.07. Les Eurockéennes de Belfort – Mixed – Iggy Pop, Arcade Fire, Beth Ditto, Justice – Malsaucy Halbinsel / Belfort (F) – www.eurockeennes.fr

07. – 08.07. Hinterwaldfestival – Rock – Nika & Karambolage, Oazo, The Orange Forest, Pure Bug Beauty – Edelweißhütte im Jungenwald – Püttlingen – www.hinterwaldfest.com

14. – 15.07. Rock im Daal – Rock – Boozed, Wedge, Velo de Oza, Clowns, The Lettuceheads – Waldbühne Kirchenbollenbach / Idar Oberstein – www.rock-im-daal.de

14.07. UrbanArt! HipHop – Hip Hop, Black – Sido, Bonez MC & Raf Camora, Nimo – Weltkulturerbe Vöklinger Hütte, Völklingen – urbanart-festival.de

15.07. Elektro Magnetic – Elektro, Techno, House – Alle Farben, Moonbootica, Karotte, Rodhead – Weltkulturerbe Vöklinger Hütte, Völklingen – electro-magnetic.de

28. – 29.07. Panama Open Air – Elektro, Techno, House – Format:B, Ben Klock, Klaudia Gawlas, Klingande – Rheinaue / Bonn – panamafestival.de

29.07. Merkwürdiges Verhalten – Elektro, Techno, House – Ricardo Villalobos, Loco Dice, Seth Troxler, Nastia, Meat & Chris Wood – Stadionbad / Frankfurt a.M. – www.merkwuerdigesverhalten.de

04. – 05.08. New Noise – Hardcore, Black Metal, Post Punk – Burn, Slapshot, Empowerment, Death by Stereo – NCO / Karlsruhe – newnoisefest.de

04. – 06.08. Nature One – Elektro, Techno, House – Paul van Dyk, Sven Väth, Len Faki – Raketenbasis Pydna / Kastellaun – www.nature-one.de

11. – 12.08. Rocco Del Schlacko – Mixed – Billy Talent, Rise Against, Casper, Alligatoah, Heaven Shall Burn – Sauwasen / Püttlingen – www.rocco-del-schlacko.de

11. – 13.08. Wellesweiler Open Air – Deutschrock, Heavy Metal, Metal, Rock – Hammer King, Unherz, Beyond Darkness – Berthold-Günther-Platz / Wellesweiler – www.wellesweiler-open-air.com
11. – 13.08. E-Lake – Mixed – Royal Republic, Sander van Doorn, Mark Sixma – Echternacher See / Echternach (LUX) – www.e-lake.lu

02.09. Lucky Lake – Elektro, Techno, House – Aka Aka, Boris Brejcha, Gregor Tresher – Strandbad / Losheim am See – www.facebook.com/luckylakefestival/

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