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Titelstory

„So wird man mich in Erinnerung behalten“

Albert Hammond ist als Singer-/Songwriter ein absoluter Weltstar. Titel wie „Down by the river“, „The free electric band“, „When I need you“, „Don´t turn around“, „Little arrows“, „I don´t wanna loose you“ oder „Careless heart“ in der Bearbeitung von Roy Orbison kennt eigentlich jeder. Nun hat Albert Hammond seine eigenen Songs bearbeitet und sich mit seinem neuen Album einen langersehnten Traum erfüllt, worüber er mit unserem Konzert & Co Ressort-Leiter Jörn Mundanjohl im Vorfeld seines am 23. April 2017 in der Congresshalle stattfindenden Konzerts ausführlich gesprochen hat.

L!VE: Mr. Hammond, viele unserer Leser kennen Ihre großen Hits aus dem Radio und natürlich von Ihren Konzerten. Für Ihr neues Album „In Symphonie“ haben Sie einige Ihrer Welthits komplett neu arrangiert und mit einem Symphonie-Orchester aufgenommen. Wie kam es dazu?

Albert Hammond: Mit dem Album „Albert Hammond – In Symphonie“ ist ein lang ersehnter Traum von mir in Erfüllung gegangen. Den Wunsch, meine Titel mit einem klassischen Orchester neu aufzunehmen, hatte ich schon seit sehr langer Zeit. Solche Aufnahmen sind allerdings sehr teuer, weshalb ich versucht habe, eine Schallplattenfirma zu finden, die ein solches Projekt finanziell unterstützt. Vor zwei Jahren habe ich für den TV-Sender arte ein Konzert in Berlin in der Reihe „Berlin-live“ gespielt. Bei diesem Konzert waren auch zwei Mitarbeiter der Firma BMG im Publikum, die mich nach der Show Backstage treffen wollten. Ihnen hat mein Konzert gefallen und Sie fragten mich, ob ich bei BMG ein neues Album aufnehmen möchte, worauf ich Ihnen sagte, dass das einzige neue Album, das ich aufnehmen möchte, ein Album mit symphonischen Fassungen meiner Hits sein würde, woraufhin sie erst einmal wieder gegangen sind und ich davon ausging, dass ich nie mehr von ihnen etwas hören werde.

 

Wie ging es dann weiter?

Ein paar Tage oder eine Woche später klingelte mein Telefon. Die Plattenfirma rief an. Sie sagten „O.K., lass uns das Album machen!“. Von da an musste ich einige Vorarbeit leisten, um mit der Vorproduktion zu beginnen. Mit diesen Rohfassungen habe ich meinen Freund Rob Mathes, der auch für die Alben „Symphonicities“ von Sting und „Symphonica“ von George Michael zuständig war, kontaktiert und bin dann kurze Zeit später mit meinen vorbereiteten Aufnahmen und verschiedenen Ideen direkt zu ihm nach New York geflogen.

 

Das Album entstand also in New York?

Zum Teil. Wir haben bei den vorproduzierten Titeln über die Arrangements gesprochen und dann eine konkrete Songauswahl getroffen. Wir haben entschieden, welche und wie viele Titel auf das Album kommen sollen. Die Rhythm Section wurde dann zuerst in New York eingespielt und das Symphonie-Orchester danach in den Londoner Abbey Road Studios aufgenommen.

 

Wie lange dauerten dann die eigentlichen Aufnahmen?

Durch die gewissenhafte und effiziente Vorarbeit war es uns möglich, die kompletten Aufnahmen innerhalb von nur zwei Tagen vollständig abzuschließen. Die weitere Arbeit, bei der anschließend mein Gesang, die Rhythm Section und die symphonischen Aufnahmen  zusammengeführt wurden, haben dann noch nicht einmal mehr eine Woche gedauert. Es war alles perfekt vorbereitet.

 

Das Album beinhaltet 14 weltweit bekannte Songs wie „One moment in time“, „The air that I breeze“ oder „Nothing´s gonna stop us now“, aber längst nicht alle Ihrer großen Hits. Nach welchen Kriterien haben Sie die Titel, die auf das Album kommen werden, ausgewählt?

Ich wollte nicht alle Hits symphonisch neu aufnehmen. Deshalb habe ich bewusst die Hits ausgewählt, die sich als Albumtitel mit den dazugehörigen Alben millionenfach, also genau gesagt, sogar über 50 Millionen Mal verkauft haben.

 

Welches ist Ihr persönlicher Lieblingstitel auf dem Album?

Auf dem Album befindet sich ein Song in spanischer Sprache, der „Estrellita“ heißt. Das Besondere an diesem Titel ist, dass ich ihn bereits 1953, als ich acht Jahre alt war, mit  einem alten Aufnahmegerät aufgenommen habe. Mein Onkel hatte damals zu Hause eine defekte Maschine, mit der man 45er und 78er Vinyl-Singles produzieren konnte, herumstehen. Es ist ihm gelungen, diese wieder zu reparieren. Er wusste, dass ich zur damaligen Zeit im Chor gesungen habe. Wir haben damals das von mir gesungene Lied auf einem Bandgerät mit einem Plastik-Mikrophon im Wohnzimmer seines Hauses aufgenommen und ich wurde beim Singen von einem meiner Lehrer auf dem Pianino begleitet.

 

Sie haben sich bei der Vorauswahl der Titel für Ihr Album „In Symphonie“ an diese Aufnahme aus dem Jahr 1953 zurückerinnert.

Ja klar. Ich habe diesen Titel für das neue Album als Duett nochmal neu aufnehmen wollen. Dann kam natürlich zuerst die Frage, mit wem könnte ich das Duett zusammen singen? Nach weiteren Überlegungen begann ich mit dem Gedanken zu spielen, warum sollte ich dieses Duett eigentlich nicht mit mir selbst singen? Diese Idee fand ich spannend. Der acht-jährige Junge singt mit dem zweiundsiebzig jährigen Mann zusammen. Ich habe dies zusammengeführt und Rob dann davon erzählt. Er war vollauf begeistert und hat gefragt, gibt es irgendjemanden, der ein solches Duett bereits aufgenommen hat? Ich glaube nicht. Ich glaube, dass dies einzigartig ist.

Es ist sicher nicht nur für Sie, sondern auch für die Hörer des Albums ein bewegender Moment. Mir erging es ähnlich, als ich auf dem Album Ihren großen Hit „It never rains in Southern California“ mit den Textzeilen „Please don´t tell them how you´ve found me / gimme a break, gimme a break“ gehört habe. Hat diese Zeile einen autobiographischen Hintergrund?

Ich war damals 16 oder 17 Jahre, war weit weg von zu Hause und versuchte mit Musik etwas Geld zu verdienen, was aber nicht immer gelang. An einem Bahnhof fragte ich bei den vorbeigehenden Menschen nach etwas Geld, damit ich mir etwas zu essen kaufen konnte. Ich hatte keine Arbeit, kein Geld und traf dann vollkommen unerwartet, meinen Cousin. Ich hatte ihn nicht erkannt, als ich ihn nach etwas Geld fragte. Er war gerade frisch verheiratet und war mit seiner Frau in den Flitterwochen. Ich hatte ihn darum gebeten, meinem Vater nichts zu erzählen. Er hat es ihm natürlich erzählt. „Tell the folks back home, I nearly made it“ stammt von dieser Begegnung.

 

Was fühlen Sie, wenn Sie diese Textzeile heutzutage in Begleitung Ihrer Band und einem Symphonie-Orchester in einem ausverkauften Konzert-Saal singen?

Das ist ein unglaubliches Gefühl. Wenn ich das 16 oder 17jährige Kind, ohne Geld und ohne Job von damals mit dem heutigen Erfolg vergleiche, auf der Bühne zu stehen und von all diesen wunderschönen Instrumenten umgeben zu sein, deren Klänge sich für mich wie die Flügel eines Vogels um mich herum legen, dann ist das natürlich einfach fantastisch und stellt nochmal eine ganz eigene Geschichte für sich dar. Deshalb ist mir das Album „In Symphonie“ auch so wichtig. Denn so wird man mich irgendwann in Erinnerung behalten.

 

 

 

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