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Titelstory

The Show must go on

Whitney Houston, Elton John, Snoop Dogg, die Rolling Stones und Queen, David Guetta oder Bruce Willis, Kevin Costner und zahllose andere Megastars hätten garantiert keine Verbindung zu Saarbrücken, wenn da nicht Veranstalter Dragan Nikitovic wäre. Der arbeitet nämlich seit über 50 Jahren nur mit den wirklich ganz Großen im Showbusiness zusammen. Jetzt feierte der Mann seinen 70. Geburtstag gehabt.

Ganz aktuell sind seine nächsten Konzerte Gitarrenlegende Eric Clapton in Prag und die mehrfache Grammy-Abräumerin Dua Lipa in Bratislava. Allein damit stellt Dragan Nikitovic zweierlei unter Beweis: erstens die unglaubliche Bandbreite an Megastars, die er auf die Bühne bringt und zweitens sein internationales Renommee, das es ihm erst ermöglicht, solche Events in aller Herren Länder auf die Beine zu stellen. Entsprechend erreicht Namedropping bei ihm ganz andere Größenordnung, denn die Reihe der bereits genannten lässt sich praktisch beliebig und durch alle Musikrichtungen ergänzen: AC/DC, Foo Fighters, Motörhead, Simple Minds, Lionel Richie, Ice-T, 50 Cent, Kylie Minogue,  Bob Marley, Julio Iglesias, Jose Carreras, Montserrat Caballé – um nur mal ein weiteres Dutzend seiner „Schützlinge“ zu nennen.

Aber beginnen wir am Anfang. 1962 kommt er mit seinen Eltern ins schöne Saarland immigriert und wächst in Spiesen auf. Er geht ganz normal zur Schule, mal abgesehen von der Tatsache, dass damals sogenannte „Gastarbeiterkinder“ schon noch einen gewissen Seltenheitswert hatten und schafft es zuletzt sogar aufs Gymnasium in Dudweiler. Doch schon mit 15 Jahren erwischt ihn dann der Konzertvirus, der sein Leben bis heute bestimmt. Sein erstes Konzert veranstaltete Dragon in der Spiesener Turnhalle. Die lokale Band Napalm und RS Rindfleisch aus Saarbrücken stehen auf der Bühne und das Ganze wird ein voller Erfolg. 1970 setzt er sich in den Kopf, die Krautrocklegenden Guru Guru, die in Deutschland ganz weit vorne waren, zu buchen. Die Kohle für die Vorkasse, insgesamt 3.000 Mark (Für die jüngeren und ungebildeteren Leser, das war die Währung, bevor der Euro kam. – Anm. d. Red.), musste er sich von seinem Vater leihen, der ihm im Gegenzug das Versprechen abnahm, sich danach voll auf die Schule zu konzentrieren. Entsprechend angespannt war der knapp 18jährige dann am Abend der Veranstaltung.

„Das Konzert begann um 19.00 Uhr mit einer Vorband und als dann gerade mal fünf oder sechs Leute kamen, verlor ich ein bisschen die Nerven, bin aus der Halle raus, und ins „Lord Nelson“ gefahren, die erste Disko von Frank Farian. Da war ich dann drauf und dran mir die Kante zu geben, obwohl ich eigentlich ja nicht trinke, aber dann kamen immer mehr Leute rein, die erzählten, dass in beim Konzert mittlerweile die Hölle los war und Mitfahrgelegenheiten suchten. Ich ins Auto und zurück in die Halle und die platzte tatsächlich aus allen Nähten.“

Sensationelle 4.000 Mark hat er an diesem Abend verdient. Trotzdem erinnerte sein Vater ihn an das Versprechen, sich auf die Schule zu konzentrieren, was aber dann komischerweise irgendwie im Sande verlief. Denn Dragan hat in der Folge praktisch alle bekannten deutschen Bands nach Spiesen und Völklingen gebucht und hatte damit auch Erfolg. Immerhin war er damals tatsächlich der Einzige, der im Saarland Rock-Konzerte machte. Der nächste Schritt war dann der nach Saarbrücken in die ATSV-Halle, wo damals dann die ersten internationalen Bands wie T. Rex, King Crimson oder Manfred Mann’s Earthband auf der Bühne standen. Wenn es tatsächlich mal schlecht lief, ist er Taxi gefahren und als Diskjockey war er auch noch am Start.

1975 startet er weiter durch, nutzt auf dem Uni-Campus auch Aula und Audimax für Konzerte und veranstaltet dann zusätzlich wenig später die legendären „Gaudimax“ Faschingspartys. Ein ausgesprochen erfolg- wie ertragreicher Abschnitte seines Schaffens, doch für ihn ist es der Moment für eine erste Auszeit. Er schnappt sich sein ganzes Hab und Gut, 80.000 Mark in bar, und macht sich von Istanbul aus mit dem Bus durch Persien und Afghanistan auf nach Indien. Nach elf Monaten war das Geld alle und nachdem die letzten Groschen für das Flugticket nach Frankfurt draufgegangen waren, musste er als Schwarzfahrer im Zug nach Saarbrücken reisen. Bei einem Kneipenbesuch im Jahr 1978 bekam Dragan dann zufällig mit, dass der Laden zu verkaufen war und übernahm ihn kurzerhand. So beginnen die Jahre im „Brennenden Berg“, mit kleinen Konzerten in der Kneipe und größeren unter anderem dann auch in Sulzbach und der Saarlandhalle. Aber gleich wo, alle Konzerte laufen unter dem Label „Brennender Berg präsentiert“.

„1985 habe ich AC/DC mit Whitesnake als Vorgruppe in der Saarlandhalle gemacht. Die fragten dann nach dem Konzert, wo sie denn was zu Rauchen und so bekommen könnten. Ich hab‘ denen dann gesagt, da müsst ihr in diese Kneipe, hab‘ aber verschwiegen, dass die mir gehört. Eigentlich war da Montagabends um 23 Uhr natürlich überhaupt nix los, aber da fuhren dann in dieser Nacht vier Tour-Busse vor und es gab eine Wahnsinnsparty, denn natürlich hatten auch längst „normale“ Konzertbesucher mitbekommen, wo immer die Aftershow-Partys stiegen.“

Dragan baut sein Konzertbusiness weiter aus und beginnt auch außerhalb des Saarlandes Konzerte zu organisieren. Den Brennenden Berg aber, muss er nach sieben Jahren und Streit mit den Verpächtern verlassen, findet aber sofort in Herrensohr das vormalige katholische Vereinshaus und macht daraus sein „Waldcafé“. Nach über einem halben Jahr Renovierungsarbeiten hat er jetzt nicht nur eine neue Kneipe, sondern gleich auch einen dazugehörigen Saal, der sogar für Konzerte mittlerer Größe geeignet ist. Der war zwar nur zur Hälfte gestrichen, weil schließlich das Geld nicht reichte, doch das tat der spektakulären Eröffnung mit keinem Geringerem als Eric Burdon auf der Bühne keinen Abbruch.

„Um wirklich große Namen nach Herrensohr zu bekommen, hatte ich den Agenturen, die ich ja alle längst gut kannte, ein einfaches Angebot gemacht: Wenn eure Bands auf Tour gehen, müssen die ja vorher viel proben. Das könnt ihr bei uns machen, kostenlos, und dafür kriegen wir dann das erste Konzert, wenn die Tour losgeht. Das haben viele angenommen und so haben wir Künstler präsentieren können, die sonst niemals in einer Halle dieser Größenordnung gespielt hätten. Das hatte dann aber auch zur Folge, dass es manchmal so voll war, dass wir die Tür zu den Toiletten aushängen mussten, weil die sich vor lauter dichtgepackten Leuten nicht mehr hätten öffnen lassen.“

Wirklich namhafte Acts geben sich fortan die Klinge in die Hand und auch der Saarländische Rundfunk nutzt das „Waldcafé“ für verschiedene Aufzeichnungen. Doch 1990 hat die katholische Kirche genug von dem angeblich unheiligen Treiben, aber wenn eine Tür sich schließt, öffnet sich eine andere. Konzertbesucher bringen ihn auf die Idee, seine Veranstalteraktivitäten ins Ausland zu erweitern.  Damit bloß keine Freizeit aufkommt, steht also ab jetzt auch Luxembourg auf seiner Agenda. 1996 eröffnet er sogar extra eine Niederlassung im Nachbarland und bespielt künftig vor allem die großen Hallen in Remich und Bettange. Wieder sind es die Superstars der Zeit, wie Santana, Jeff Beck und Jethro Tull, die für volle Konzerte sorgen. Gleichzeitig etabliert er Dragan einen ganz neuen Geschäftszweig. Er vermittelt nur die Künstler an Konzertmacher, anstatt selber den Veranstalter zu geben.

„1998 kam eine erste Anfrage aus Russland. Da hatte Veranstalter vergeblich versucht die Soul-Legende James Brown zu buchen. Ich konnte helfen und das Resultat waren dann zwölf Konzerte in ganz Russland, von St. Petersburg bis Wladiwostok. Bei der Premiere in Moskau hatte allerdings die Airline große Teile des Gepäcks verschlampt, weswegen die Band barfuß auftreten musste. Das wiederum war dann das Thema für die russischen Reporter, die unbedingt von mir wissen wollten, warum die ohne Schuhe aufgetreten mussten und da eine Riesenstory über den Umgang mit Farbigen beim Klassenfeind erwarteten.“

Zu der Zeit beginnt Dragan dann damit Anzeigen in Lifestyle-Magazinen wie GQ oder Playboy zu schalten, um mit Blick auf die östliche Oligarchie seine Dienste bei der Vermittlung von Weltstars für private Feste der Superreichen anzubieten. So kommt zur Zusammenarbeit mit Jennifer Lopez, dann reist er mit Kylie Minogue unter anderem zu einem Auftritt bei einem 30. Geburtstag in St. Petersburg und mit Julio Iglesias zum 60. des Präsidenten von Kasachstan, feiert mit Kochikone Paul Bocuse in einem extra ausgeräumten Naturkundemuseum und eröffnet mit Bruce Willis das Filmfestival in Nur-Sultan.

„Das Problem war ganz oft der Alkohol, denn die haben Roederer Cristal Champagner gesoffen. Mir war das egal, weil ja keinen Alkohol trinke, aber mancher Künstler hatte da das Nachsehen. Eines Morgens beim Frühstück kam eine sichtlich derangierte Kylie zu mir an den Tisch und hielt sich den Kopf. Ich habe sie natürlich gefragt, was denn so schlimm sei. Da hat sie ihre Hand von der Stirn genommen und zum Vorschein kam die unübersehbar „eingeprägte“ Spur der Kante des Tisches, auf dem sie mit dem Kopf drauf eingeschlafen war.“

Seit Mitte der 2000er hat sich Dragan immer mehr auf solche Vermittlungen konzentriert, auch wenn er natürlich weiterhin eigene Konzerte auf die Beine stellt. Doch die Tatsache, dass sich zum Beispiel hier in Saarbrücken mittlerweile eine Vielzahl von Mitbewerbern gegenseitig das Leben schwer macht, bremst seine Begeisterung zunehmend. Selbstverständlich hatte auch ihn die Pandemie ausgebremst, doch ganz aktuell plant er bereits an acht Terminen mit der Band Foreigner und hat schon wieder drei eigene Riesenkonzerte in der Durchführung – mit Eric Clapton, Dua Lipa und den Red Hot Chilli Peppers. Und mit den DJ-Größen unserer Tage hat er unlängst auch schon seine Erfahrung gemacht.

„David Guetta hab‘ ich mal nach Belgrad vermittelt, noch gar nicht so lange her. Eine Viertel Million Euro für drei Stunden laut Vertrag. Nach zwei Stunden und ein bisschen meint der zu mir: „So, noch fünf Minuten.“. Ich gucke ihn verwundert an und sage: „Aber im Vertrag hatten wir doch drei Stunden ausgemacht?“ Darauf er: „Meine Stunde hat nur 45 Minuten.“ Ich direkt zum örtlichen Veranstalter und habe dem das erzählt. Der wiederum zu mir: „Sag ihm, wenn er jetzt aufhört, brechen wir ihm beide Beine und beide Arme und darüber beschweren kann er sich dann auch nicht, weil auch sein Kiefer gebrochen wird.“ Das habe ich Guetta ausgerichtet und er hat drei volle Stunden plus zehn Minuten Zugabe gespielt.“

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„Die Original „Lucille“ ist ein Geschenk von Blueslegende B.B. King und Dragan wird sie nie hergeben, auch wenn Sammler aus Fernost sechsstellige Angebote machen“

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Francis Prymerski

Einer der profiliertesten Konzertfotographen Europas

„Dragan ist einer meiner besten Freunde! Wir teilen viele Erinnerungen und Anekdoten, die sich während zahlloser Konzerte, Festivals und Tourneen angesammelt haben. Es sind diese Begegnungen, die wir nicht vergessen können, die Teil unseres Schicksals sind. Mit einem Freund wie Dragan an meiner Seite scheint in dieser Unterhaltungsindustrie kein Weg zu lang zu sein. Danke Dragan, dass du mein Freund bist! „Alte Freundschaft fürchtet keinen Rost“ (französisches Sprichwort).“

Jörn „das Freak“ Dreßler

Saarlands bekanntester Radio- und Musik-Freak

„Dragan Nikitovic, ich kenne keinen bekloppteren Musikfreak, im positiven Sinn. Von Dragan könnte der Satz stammen: „Geht nicht – Gibt es nicht!“ Ich liebe all diese verrückten Geschichten aus dem Leben des Dragan, als Frank Zappa von Dragans Mama bekocht wurde, der brennende Berg, ZZ Top und Gary Moore in Saarbrücken… Das wäre ein echt guter Stoff für einen Film!“

Jörn Mundanjohl

L!VE Konzert & Co Ressortleiter

„Wenn ich an Dragan denke, muss ich immer an ein Gespräch mit dem legendären US-Promotor Barrie Marshall im Umfeld eines Paul McCartney Konzertes in Zürich denken. Barrie Marshall fragte mich: „Aus welcher Stadt kommst du?“. Mit der Antwort „Saarbrücken, Saarland“ konnte er nicht viel anfangen konnte, bis ich erklärte „Saarbrücken, that’s the city where Dragan from Joybringer Concerts lives!“ und er freudig strahlend entgegnete „Oh yes, Dragan! All my best wishes to him and the beautiful city of Saarbrücken!“ Alles Gute zu Deinem 70. Geburtstag, Dragan!“

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