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Titelstory

THEE CHERYLINAS

Sie sind Frauen. Sie sind Kult. Sie sind zurück!

Volle sieben Jahre sind vergangen seit die Cheylinas zuletzt als reine Girlband mit ihrem tanzbaren Sixties Groove, Soul & Psychedelic Rock die halbe Welt rockten. Zugegeben, “Big In Japan” war der größte Hit einer anderen Band, aber dieser Titel beschreibt durchaus zutreffend den Status, dessen sich Deutschlands Beat Ladies Nr. 1 Mitte der Neunziger erfreuen konnten.

Es war die Überraschung nicht nur in der Saarbrücker Musiker-Szene: Die mehr als europaweit bekannten Cherylinas verblüfften mit der Ankündigung ihres Comebacks. In neuer, generationen-übergreifender Besetzung und mit brandneuem Songmaterial mit ausschließlich deutschen Texten. Nichts ist den wilden Mädchen heilig und so haben sie die Cover-Klassiker aus den 60er Jahren frech ins Deutsche umgetextet und inhaltlich einfach mal modernisiert. Das ist echter Sixties Beat 2.0!

Geballte Girl Power seit über 25 Jahren

1991 war nach einem Konzert der Hardcore-Frauenband L7 in Frankfurt für Cherylinas-Gründerin und Frontfrau Nicky eins klar: die eigene Band muss her! Gemeinsam mit Bassistin Anne rekrutierte sie die fehlenden Mädchen aus dem Kreis der Freundinnen bekannter Musikerkollegen, mit dem Hintergedanken, dass die Jungs ihren Freundinnen dann schon das Instrumentespielen beibringen könnten. Das klappte soweit und reichte nach einem halben Jahr sogar fürs erste Konzert, immerhin als Vorgruppe für The Fuzztones in der Saarbrücker Uni-Aula. In den nächsten Jahren wechselte die Besetzung mehrfach, aber sie brachten es auf über 50 Konzerte im Jahr und gewannen den ersten Preis beim „Saar Rocky“

Das Ziel Rockstar zu werden, schien erreicht. Die Konzerte wurden Riesenerfolge, die Berichte in der Presse waren voll des Lobes, der Saarländische Rundfunk drehte ein Musikvideo mit ihnen und sogar von der Gema gab es Geld! Es folgte der erste Gig in London, Deals mit Labels in Deutschland und England nebst Plattenaufnahmen im Toe Rag Studio. Dazu kamen Konzertanfragen von europaweiten Szene-Clubs und die Hit-Single „Monkey“ verkaufte sich von Japan über Australien bis in die Staaten. Radiosender und Diskotheken spielten den Hit und die Gagen stimmten.

Auf dem Höhepunkt des Erfolges geschah das, was dann immer passiert: der Ruhm stieg ihnen zu Kopf! Gleich mehrere Mitglieder stiegen aus und wichtige Gigs mussten abgesagt werden, da ständig neue Gitarristinnen und Bassistinnen gesucht wurden. Trotz aller Schwierigkeiten gelang es den Cherylinas nach dem Einstieg der banderfahrenen Schwestern Trixi und Iris erstmal an den Erfolg anzuknüpfen. In den folgenden zwei Jahren spielten sie weiterhin auf großen Festivals und gingen auf Europa-Tournee. Doch das Ende kam schleichend und kurz nach dem Release der zweiten Single lösten sie sich 1996 einstimmig auf.

The Beat goes on

Nach fünf Jahren Pause fassten die Mädels den Entschluss Thee Cherylinas zum 10jährigen Jubiläum noch einmal aufleben lasse. Bei diesem einen Reunion-Gig 2011 in Saarbrücken sollte es eigentlich auch bleiben, aber der überwältigende Erfolg und massig Konzertanfragen ließen kaum eine andere Wahl als erstmal wieder weiter zu machen. Allerdings – aus der Not heraus – mit männlicher Unterstützung. Da keine geeignete Drummerin gefunden werden konnte, ergänzte Harry The Vibe am Schlagzeug die Originalbesetzung mit Nick, Heike und Natalie, zu denen dann auch noch Michelle am Bass dazu kam.

Doch 2015 war die Band erneut am Ende. Heike siedelte dauerhaft nach Großbritannien über, Michelle war Mutter geworden und Nick hatte gesundheitliche Probleme. So waren keine regelmäßigen Proben mehr möglich, aber vor allem waren sie sich einig, dass wenn es weitergehen sollte, dann wieder nur als reine Girl-Group. Das waren erstmal keine guten Aussichten, aber 2017 fand sich die Band dann doch wieder um eine neue Gitarristin zusammen.

Marlene, deren eigene Band sich gerade aufgelöst hatte, gab Natalie die Möglichkeit ans Schlagzeug zu wechseln und so waren gleich zwei Dauerprobleme gelöst, denn auf diese Weise hatte die Band auf einen Schlag eine gute Gitarristin und Schlagzeugerin gefunden. Doch das Schicksal meinte es noch besser mit den Cherylinas und schickte ihnen die hochtalentierte Jazzmusikerin Nika für die Hammond Orgel. Zum ersten Mal in den letzten zwanzig Jahren ist die Besetzung mit Nicky (vocals), Natalie (drums) und Michelle (bass), Marlene (guit) und Nika (organ) jetzt perfekt – und mit neu geschrieben Songs sind die Ladys mehr als jemals zuvor ready to rock.

Wir klingen nicht mehr wie die kleinen Mädchen, sondern wie echte Kerle“

Trotz Probenstress fand Frontfrau Nicky Zeit für ein kurzes Gespräch…

Ihr singt jetzt nur noch auf Deutsch?

Genau, das war speziell mir ein Bedürfnis. Ich kenne die Songs die wir spielen, darunter auch viele Cover aus den Sechszigern seit mehr als zwanzig Jahren und mag die auch noch immer. Ich brauchte nur irgendwas, um das für mich, für uns, nochmal frisch zumachen. Es ist jetzt wirklich alles auf deutsch – und nicht nur das! Auch die Inhalte wurden ins Jahr 2018 transportiert. Das Lied „Send me a postcard“ von Shocking Blue heißt zum Beispiel jetzt bei uns „Post‘ mir auf Facebook“

Eine weitere Änderung ist Natalies Wechsel von der Gitarre ans Schlagzeug.

Natalie ist eine sehr gute Schlagzeugerin, war sie auch schon immer, es war aber praktisch nicht möglich in der Vergangenheit auch eine gute Gitarristin zu finden. Deshalb hat Natalie Gitarre gespielt. Jetzt ist Natalie dort, wo sie sich wirklich wohlfühlt, wo sie hingehört und kann jetzt so richtig alles geben.

Neue Sprache, neue Besetzung, klingt ihr jetzt auch anders als vor 10 oder 20 Jahren?

Nein, ich würde nicht sagen, dass wir anders klingen. ber wir klingen voller, reifer rockiger! Wir klingen nicht mehr wie die kleinen Mädchen, sondern wie echte Kerle. Wir haben jetzt auch viel, viel mehr Spaß als je zuvor. Das hat natürlich auch was mit dem Alter zu tun und damit, dass wir viele Dinge nicht mehr so ernst nehmen. Das reflektieren auch unsere Texte, dass wir vieles jetzt mit einem Augenzwinkern machen! Der einzige Grund, warum wir das jetzt tun, ist einfach für den Spaß! Und der Spaß ist einfach enorm wichtig…

und wahrscheinlich auch das Bindeglied zwischen doch recht unterschiedlichen Frauen?

Wir sind jetzt zwei komplette Generationen mit Altersunterschieden von gut zwei Jahrzehnten. Aber das merkt man überhaupt nicht! Die Liebe zur Musik und der Spaß daran ist bei allen vorrangig. Da spielt der Altersunterschied überhaupt keine Rolle. Es geht um unsere Musik, die wir als Mädels- und Frauenband erschaffen, das verbindet uns tausendmal stärker als alle Unterschiede, die es geben könnte. Trotzdem war es auch richtig viel Arbeit gleich zwei neue Bandmitglieder zu integrieren. Wir mussten halt ein Jahr proben, proben und proben, um das jetzt so auf die Beine zu stellen.

Nach dem „offiziellen“ Comeback Gig im eher überschaubaren Studio 30 geht es auch gleich schon wieder hinaus in die Welt der größeren Bühnen.

Wir wollen mit einem Konzert vor Freunden und unter Freuden in Saarbrücken beginnen, gewissermaßen als Warm-Up. Nur zwei Wochen später kommt ja dann gleich der große Auftritt auf dem Modfestival in Linz am Rhein und dann die Hauptbühne beim Altstadtfest. Natürlich genießen wir da aufgrund unserer Geschichte ein wenig Vorschusslorbeeren – und auch den Tittenbonus, wie ich es immer nenne. Das ist halt eben so! (lacht)

Wir können also davon ausgehen, dass ihr eine Weltkarriere anstrebt?

Ja! Natürlich wäre das Ziel auch von der Musik leben zu können. Und es war uns schon immer wichtig, alle Frauen anzusprechen. Wir stehen auch für ganz unterschiedliche Rollenmmodelle von Frauen, die sich ja auch in der Band wiederfinden. Wir wollten schon immer transportieren, dass es mehr als das klassisches Frauenbild gibt. Und wir wollen alle erreichen, nicht nur eine bestimmte Szene oder Insider. Am liebsten wieder weltweit von Kanada bis Japan und zurück!

Thee Cherylinas live:

12.05.18 Saarbrücken, Studio 30 Girl Band Festival

18.05.18 Linz a. Rhein, Modweekender

17.06.18 Saarbrücken, Altstadtfest, Johanner Markt

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