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Ein Liebeszeichen Empfehlung

Ein Liebeszeichen

Altlasten. Irgendwie werde ich in letzter Zeit häufig mit diesem Begriff konfrontiert und genauso häufig wird mir auf schmerzliche Art und Weise bewusst: Ein jeder trägt diese berühmt berüchtigten Altlasten mit sich herum. Und angehäuft haben sie sich im Laufe der Jahre. Eine emotionale Mixtur aus gescheiterten Lieben, verschmähten Gefühlen und arglistigen Täuschungen. Kurzum: Altlasten sind die unliebsamen Überbleibsel, die in einem feststecken, weil man einst zu sehr auf emotionales Investment vertraut hat.  

Ja, die Vergangenheit. Unantastbar und passé. Man kann die Vergangenheit nicht ändern und trotzdem klammern wir uns viel zu sehr daran. Einige meiner Freunde sind zum Beispiel so gestrickt, dass sie aufgrund einer viel zu enttäuschenden Vergangenheit mittlerweile nicht mehr fähig sind, die Liebe in ihr Leben zu lassen. Sie fragen sich seit Jahren, warum es mit dieser einen, großen Liebe damals nicht geklappt hat und warum es immer noch so schmerzt, wenn sie darüber nachdenken? Sie verrennen sich regelrecht in ihren eigenen Fragen und wälzen immer noch Gedanken, die schon lange zu Ende gedacht sein müssten, da das Kapitel längst beendet ist. Und trotzdem sind es genau diese Freunde, die für nichts in der Welt jemals wieder frei und arglos ihr Herz einfach so verschenken würden. Aus Angst, wieder enttäuscht zu werden. 

Ein Herz kann man nicht reparieren.

Diese Freunde sind zu emotionalen Einsiedlerkrebsen geworden. Oder soll ich sagen: verkommen? Irgendwann haben sie sich einen dicken Panzer zugelegt, in den sie sich jedes Mal verkriechen, sobald es nur schon den geringsten Eindruck erweckt, dass es ernster werden könnte. Sie leben in einem abgeriegelten Atomschutzbunker und kommen nur noch raus, wenn es wirklich nicht anders geht. Es sind diejenigen unter uns, die hier und da zwar Affären haben können, jedoch ohne sich jemals ganz darin zu verlieren. Diejenigen, die zwar Arm in Arm mit einem lieben Menschen einschlafen können, aber genauso gut am nächsten Tag wieder ihr eigenes Ding machen können und auf die nächtliche Nähe urplötzlich pfeifen. Denn insgeheim wollen diese Menschen bloß nicht zu tief in die vermeintlich dunklen Abgründe der Liebe abrutschen, aus Angst, von ihr wieder so zertrampelt zu werden, wie einst. Ein Herz, wohlgemerkt, lässt sich nach Meinung derer einfach nicht reparieren. Da bringt es auch nichts, wenn man als potenzieller Ritter in der goldenen Rüstung den mobilen Verbandskasten zum Date mitbringt. Aber auch wenn es so aussieht, als wimmele es nur so von emotionalen Krüppeln, komme ich trotzdem nicht dran vorbei, mich zu fragen: „Und warum scheint Heiraten im Moment wieder voll im Trend zu sein?“

Denn es ist doch so, dass es entgegen der ganzen gebrochenen Herzen auch noch die Herzen gibt, die Flügel zu haben scheinen, sonst hätten sie sich ja nicht gefunden, um dann schlussendlich vor den Traualtar zu treten. Ich beobachte diese Entwicklung im Moment sogar ziemlich oft. Hochzeiten, so scheint mir, scheinen trotz Generation Beziehungsunfähig wieder ziemlich hoch im Kurs zu stehen. Aber so hoch sie auch im Kurs zu stehen scheinen, umso höher siedelt sich bei mir die Frage an:

Sind die glücklich Verheirateten die Einsiedlerkrebse von morgen?

Und: Was passiert eigentlich, wenn die Altlasten mehr und mehr werden und wir sie irgendwann einfach nicht mehr tragen können? 

Irgendwie beschweren sie uns. Diese Altlasten. Sie lassen uns ab einem gewissen Punkt keinen anständigen Schritt mehr vor den anderen setzen. Wie bei einem extremen Junkfood-Selbstexperiment fühlt sich das an. Krank, müde und schwerfällig sind wir nur noch zu einseitigen Affären fähig und kotzen uns selbst an, weil diese Altlasten unsere Seelen und Herzen einzwängen und wir uns schlussendlich nicht mehr von ihnen befreien können. Doch so einfach, wie viele von uns eine Affäre nach der anderen entsorgen können, so problemlos sollte sich das mit den Altlasten ab einem gewissen Punkt gestalten. Denn: 

Bevor wir aus allen Nähten platzen, müssen wir Platz schaffen!

Es ist doch so: Die Last, die wir in uns tragen, besteht zum größten Teil aus selbst gemachten Problemen. Wir haben verlernt, den Fokus auf andere Dinge zu lenken, als immer nur auf uns selbst. Wir haben uns selbst zu eigenbrötlerischen Egoisten gemacht. Immer geht es nur um uns. Und da es sonst offensichtlich niemanden gibt und viele von uns nie geheiratet oder Kinder bekommen haben, werden wir komischer, je älter wir werden. Wir werden quasi nur noch alt. Sonst nichts. Und fokussieren uns mehr und mehr auf uns und unsere Baustellen. Was sollen wir sonst auch tun? Wir sind schließlich nie aus unserer Komfortzone rausgekommen, um zu erkennen, dass es durchaus wichtigere Dinge gibt, als um unser gebrochenes Herz zu trauern. Ja, das mit der Liebe hat halt mehr als nur einmal nicht geklappt. Und ja, wir sind das ein oder andere Mal ordentlich auf die Nase gefallen. Aber liegt es nicht an uns, irgendwann aufzuräumen und die Altlasten im imaginären Gefühlscontainer zu entsorgen? 

Dem Zauber des Neuen vertrauen.

Meine emotional schwerverletzten Freunde mögen jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen angesichts meinem „Zauber des Neuen“-Geschwafels. Aber hey, irgendwann ist doch auch mal gut, oder? Altlasten hin und her: So ganz ausmerzen können wir sie wohl auch nie, aber wir wollen uns irgendwann wieder verlieben. Denn verlieben ist toll. Ein neues Kapitel aufschlagen. Alles anders. Irgendwie aufregend. Zweifel gibt es immer, aber sie gehen auch stets mit der Hoffnung einher. Der Hoffnung, dass es gut werden kann. Dass es über eine billige Affäre hinausgehen kann. Dass da plötzlich jemand ist, den man vorher einfach nur nicht erkannt hat, weil man so kurzsichtig war. Und dass dieser jemand nicht so verkorkst ist, wie man selbst, dich einfach nur schüttelt und dich fragt, was du eigentlich für ein riesen scheiß Problem hast?! 

Am Ende ist es doch so: Wenn am Horizont ein Liebeszeichen aufblitzt, das allein für uns bestimmt ist, sollten wir uns gefälligst aufraffen, und diesem Liebeszeichen entgegen laufen, statt uns weiterhin selbst zu bemitleiden oder uns in unseren Panzer zu verkriechen. Wir haben nur dieses eine Leben und das will bestimmt niemand einsam und alleine unterm Weihnachtsbaum verbringen, oder? 

Ich bleibe dabei: Man kann ein Herz reparieren. Es geht. Es liegt nur an einem selbst, zuzulassen, sich von jemandem verarzten zu lassen. Eigentlich ganz einfach, oder?

- Gewidmet all denjenigen, die fähig sind, verkorksten Menschen das richtige Pflaster zu verpassen - 

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