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Über den Wolken Empfehlung

Über den Wolken

Woche für Woche strömen Eltern in Zoos, um ihrem Nachwuchs die Geschöpfe näher zu bringen, die unseren Planeten bevölkern und die man sonst nur aus dem Fernsehen oder vom Teller kennt. Erst beim Bestaunen eines Elefanten in Lebensgröße wird einem bewusst, welche Arbeit Opa damals hatte, bis er aus dem Bein eines der Dickhäuter den Schirmständer bastelte, der in der Diele steht. Begegnungen mit Wildschweinen am Tag bei Sonnenlicht bleiben ganz anders in Erinnerung als bei Nacht im Scheinwerferlicht, wenn einen ein Gitter und nicht nur ein Kühlergrill trennt. Und auch Delfine sehen als Blickfang in einem Fischbecken anders aus als als Beifang in einer Fischdose…

Spannender als alle Arten von Vierbeinern sind jedoch alle Abarten von Zweibeinern, die aufgrund ihrer Fähigkeit, einen Toaster bedienen zu können, als Menschen bezeichnet werden. Von allen Lebewesen auf der Erde mögen Eichhörnchen zu den drolligsten, Kobras zu den gefährlichsten und Pinguine zu den bestangezogensten gehören. Wenn es aber darum geht, welche Art die seltsamste von allen ist, da ihr Aussehen oftmals skurriler als das eines Nacktmulls und ihr Verhalten unberechenbarer als das eines Krokodils ist, dann steht der Mensch ganz oben auf der Liste…

Anders als Tiere können Menschen zwar nicht im Zoo, sondern nur in einer Justizvollzugsanstalt in Käfigen bestaunt werden, jedoch besteht beim Homo sapiens wie bei keinem anderen Primaten die Möglichkeit, ihn in freier Wildbahn zu studieren. Ein aufregendes wie gleichsam furchterregendes Ereignis zu sehen, welche Lebewesen zu den Menschen gezählt werden. Ohne Zweifel ist hier und da etwas gehörig schief gelaufen, als in prähistorischer Urzeit die Entscheidung anstand, aus welchen Einzellern sich Menschen und aus welchen sich Couchtische entwickeln sollten...

Faszinierender als Paviane, die ihren Hintern präsentieren, sind Menschen, die sich als Arsch präsentieren. Besonders gut ist dies bei Flugreisen zu beobachten. Ein Interkontinentalflug in der Economy Class mit hunderten Menschen unterschiedlichster Herkunft und Einstellung zu Knoblauch lässt erahnen, wie es seiner Zeit in Noahs Arche zuging, als die Waschbären neben den Stinktieren Platz nehmen mussten. Bestand damals die begründete Hoffnung, dass der Nebenmann durch die Sintflut dem dringend notwendigen Wasserkontakt ausgesetzt wird, kann man in einem Flugzeug nur hoffen, dass es im zollfreien Bordverkauf günstig Parfüm oder zumindest Nasenklammern gibt...

Was für Tierbeobachter die Vielfalt flugfähiger Vogelarten, ist für Menschenbeobachter die Vielfalt flugwilliger Menschenarten. In 10.000 Metern über dem Grund hält sich intelligentes Leben außerhalb wie innerhalb der Kabine in Grenzen. Durch den geringen Druck scheint sich Dummheit auszudehnen wie Luft unter einem Joghurtdeckel. Und so ist freilaufende afrikanische Tiere in einem Safaribus zu beobachten nicht annähernd so interessant wie freifliegende asiatische Menschen in einem Airbus. Auch wenn man dabei die eigenen Fluchtinstinkte unter Kontrolle haben muss, die einen verleiten, durch die Kabinentür ins Freie oder zumindest in die Business Class zu fliehen…

Bei Mitreisenden und Fluglinienmitarbeitern besonders beliebt sind Deutsche über Fünfzig. Sie stehen schon eine halbe Stunde vor dem Boarding ungeduldig am Abflugschalter und sind an blitzsauberen Outdoorjacken zu erkennen. Lautsprecherdurchsagen, die Sitzreihen aufrufen, gelten für sie nicht. Sie müssen als Erstes in der Maschine sein, um freie Auswahl bei den kostenlosen Zeitschriften zu haben und ihr Handgepäck im Wunschfach verstauen zu können. Kaum am Platz legen sie ihre Arme breitflächig auf den Sitz und kippen ihre Rückenlehne weitest möglich nach hinten, um ihre Gebietsansprüche deutlich zu machen…

Nach dem Start lässt der Deutsche jeden wissen, dass er den Vogel sanfter in die Luft gebracht hätte. Er bestellt Whiskey, der ihm ohne Eis zu warm und mit Eis zu kalt ist, und fühlt sich von allem und jedem gestört, was er der Stewardess nach mehrmaligem Betätigen der Ruftaste in Amtsdeutsch unmissverständlich zu verstehen gibt. Anschnallzeichen gelten für ihn nicht, da er ein Attest vorweisen kann, dass ihn der Gurt beengt. Als beim Servieren des Essens die Rindsroulade aus ist, droht er mit einer gepfefferten Beschwerde bei der Airline und Konsequenzen für das gesamte Bordpersonal. Da lobt man sich Nationalitäten, die sich nicht verhalten wie der Führer…

Südamerikaner zum Beispiel. Sie erkennt man am Rollkragenpullover, der ihnen aus dem Ausschnitt wächst. Sie sind meist ruhig und nett und allenfalls mit Alpakas zu verwechseln, nicht aber mit Italienern, da ihnen dazu die Goldkette im Brustflokati und das lichte Kopfhaar fehlt. Einfach zu erkennen sind Schweizer, die auf jedem Gepäck- und Kleidungsstück ihre Landesflagge haben und sich wegen ihrer Neutralität für keines der Essensgerichte entscheiden können. Holländer sehen außerhalb ihrer Wohnwägen fast aus wie Deutsche, hören sich jedoch nüchtern an als unsereins sturzbesoffen und stellen sich schlafend, wenn es irgendwo um Fußball geht... 

Für das besondere Ambiente bei Flügen sorgen jedoch Asiaten. Beeindruckend, dass ihr Geld für den neusten Tablet-Computer, nicht jedoch für ein Taschentuch reicht. Würden wenigstens alle und nicht nur manche von ihnen Mundschutz tragen, müsste man ihre ständig oszillierenden Rotzfahnen nicht mit ansehen! Wer einmal beobachtet hat, mit welchem Geschick Affen mit Stöckchen an das Innere einer Kokosnuss kommen, wird enttäuscht, wenn er Asiaten beim Essen mit Stäbchen zusieht. Die Schlürf- und Schmatzgeräusche beim Verzehr einer Traube würde man selbst nicht einmal hinbekommen, wenn man mit dem Kopf in einer Wassermelone steckt…

Faszinierend ist unabhängig von der Herkunft der Fluggäste der Drang vieler, nach der Landung vor dem Stehen der Maschine aufzuspringen und an die Staufächer zu hechten, als ginge es um Leben und Tod. Erstaunlich, dass Menschen, die gerade einen halben Tag Flug hinter sich haben, keine fünf Minuten länger sitzen können und sich lieber wie Sardinen in die Durchgänge quetschen. Auch das Einschalten des Handys kann unmöglich warten, bis man die Maschine verlassen hat. Schließlich wollen alle zuhause wissen, dass man gerade zwischen Notausgang und Toilette im Flugzeuggang steckt. Die wenigen auf den Sitzen Verbliebenen versuchen indes, Kissen und Decke mit Airline-Logo unbemerkt ins Handgepäck zu stopfen. Das muss bei dem Flugpreis schon mit drin sein…   

Apropos mitnehmen: Warum darf man eigentlich keine größere Mengen an Duschgel mehr mit in ein Flugzeug nehmen? Besteht etwa die Angst, dass Terroristen drohen, anderen Passagieren den Kopf zu waschen? Boarding completed… Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! .

Patrik Wolf

 

P.S. Die Flugangst vieler Frauen rührt nicht daher, dass sie befürchten, die Maschine könnte abstürzen, sondern daher, dass sie im Flugzeug alleine auf die Toilette gehen müssen. 

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