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Party & Co

Unterwegs in Clubs rund um den Globus, aber DJ Prosumer sagt:

Ich bin Saar-Schotte
Releases auf Kultlabels, Resident im Berghain, mehrfach beim Boiler Room am Start und jetzt gerade beim Glastonbury Festival – und das als Saarländer. Achim Brandenburg ist der etwas andere DJ-Held. Zum Glück!

Eigentlich kommt er aus St. Ingbert, lebte lange in Berlin und wohnt jetzt seit drei Jahren im schottischen Edinburgh. Aber so richtig zuhause ist Achim „Prosumer“ Brandenburg wohl in seiner Musik und wenn er als DJ hinter den Decks steht. Wovon so mancher Hobby-Aufleger träumt, hat er längst erreicht. Was ihn dabei auszeichnet, ist neben seinem immensen Talent, sich nie zu verbiegen oder irgendeinen unangenehmen Superstar-DJ Habitus anzunehmen. image001Der Mann ist nicht nur als Produzent und DJ erschreckend talentiert, sondern mindestens genauso tiefenentspannt und unaufgeregt, wenn es um seine Person geht.

Die Sozialisation mit elektronischer Tanzmusik vollzog sich in den Saarbrücker Discos der Neunziger. Obwohl er sich selbst rückblickend als eher unsicher und „klemmig“ empfindet, war er doch auch schon mal tanzend auf der Theke in der KuFa anzutreffen. In Clubs wie Number One, Sharazan oder Hertz wächst seine Liebe zu House Music und im Saarbrücker Hard Wax versorgt er sich mit den Scheiben, die zunehmend seine musikalische Welt bedeuten. Dort wechselt er schließlich hinter den Tresen und bleibt auch da als er 1999 nach Berlin übersiedelt. In der Hauptstadt entstehen dann auch erste eigene Tracks, die auf renommierten Labels wie Swayzak und Playhouse veröffentlicht werden und stets seine Vorliebe für deepe Chicago und Detroit Tracks widerspiegeln. Der Rest ist DJ-Geschichte.

Schlug dein Herz schon immer für House oder gab es da auch mal „Irrungen und Wirkungen“?

Wenn ich so zurück gucke, muss ich sagen, dass ich schon als Kind immer eher das Elektronische mochte. Eines meiner frühen Lieblingslieder war „Mind of a Toy“ von Visage. Klar war ich aber auch, bevor ich auf Hard Wax los bin, noch eher kommerzig orientiert, eben die Sachen mit denen man halt so einfach in Kontakt kam. Und es gab davor sogar kurz mal ‘ne Grufti Phase, wobei da ja aber auch die Schnittmenge zur Elektronik gegeben ist.

Deine Seele gehört der House Music. War das auch der Grund für den Umzug nach Berlin?

Nee, überhaupt nicht! Nach Berlin bin ich wegen meines Grafikdesign-Studiums gegangen und hatte eigentlich eine Werbekarriere angestrebt. Hab’ aber nur ein Jahr studiert und dann angefangen in der Werbung zu arbeiten, dort relativ schnell gemerkt, nee, das ist es nicht. Und ich hab ja auch eigentlich nie vorgehabt DJ zu werden. Ich hab das zwar immer gerne gemacht, hatte aber nie das Gefühl, da rein zu passen. Das war schon was, das ich irgendwie machen wollte, wo ich aber nie gesagt hätte, das sei eine konkrete Berufsvorstellung. Aber bevor ich mich versah, hat das dann auf einmal plötzlich doch mit dem Musik machen funktioniert. Da wäre ich ja doof gewesen, das nicht weiter zu tun.

Und einer der ersten Jobs war dann gleich im weltberühmten Berghain?

Zuerst habe ich hier und da aufgelegt, aber richtig was passiert ist erst, nachdem „The Craze“ auf Playhouse raus gekommen war. Eigentlich hätte Ata auf einer Playhouse Nacht in der Panorama Bar auflegen sollen. Der wurde aber krank und so kam nur einen Tag davor der Anruf, ob ich das machen will. Das obwohl, Ata mich zu dem Zeitpunkt noch nie gehört hatte. Scheinbar hatte ich so viel Vorschusslorbeeren, dass ich das machen durfte – und dann vor allem das Glück, dass das funktioniert hat. Das war schon irgendwie ein Riesending, aber man muss doch sagen, dass der Club zu dem Zeitpunkt nicht den Stellenwert hatte, wie heute. Das Berghain war halt ein toller Club, aber den ganzen Hype bis hin zu den Bild-Artikeln und Ähnlichem hat es noch nicht gegeben.

Wann wurde dir klar, dass du mit Musik richtig Geld verdienen kannst?

Tatsächlich ist das wohl anderen vor mir aufgefallen. Anfangs bin ich schon ein bisschen naiv gewesen und es hat bestimmt ein halbes oder dreiviertel Jahr gedauert, bis ich gemerkt habe, dass ich mich jetzt wahrscheinlich Resident nennen könnte. Ich bin dann da so weiter reingerutscht und irgendwann war auch klar, dass ich jemand brauchte, der sich um die Bookings kümmert. Das hat aber ehrlich gesagt schon ‘ne Weile gedauert. Ich bin mir heute sehr bewusst, dass ich ganz vielen Faktoren dankbar sein darf. Wenn ich mir angucke, wie es aussieht, wenn du heute versuchst als DJ zu starten, was du da mitbringen musst, du musst wissen, wie du dich im Internet präsentierst und verkaufst und so weiter. Das sind Dinge, die ich nicht konnte, die ich nicht wollte und zum Glück auch nicht brauchte.

Kann man ewig als DJ weiter machen?

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Ich weiß nicht, ob ich das ewig machen will. Ich weiß nur, dass ich das im Augenblick noch weiter machen will. Ich weiß aber auch, was sich inzwischen so verändert, wo so manches für mich nicht mehr so funktioniert, wie es das früher mal getan hat. Ich bin froh und dankbar, wenn ich das noch ‘ne Weile machen kann und wenn ich irgendwann merke, es macht mich nicht mehr glücklich, ich muss mich zu sehr bemühen oder ich fühle mich da fehl am Platz, dann muss ich es halt lassen. Planen ist halt so eine Sache. Mit zwölf habe ich mir ja auch vorgestellt, dass man mit 24 erwachsen ist. Jetzt bin ich fast vierzig und warte immer noch darauf.

Du bist von Berlin nach Edinburgh gezogen. Auf den ersten Blick eine eher überraschende Wahl.

So sehr ich Berlin genossen habe und auch dankbar bin, dass ich genau in dieser Zeit dort war, aber das war es halt für mich nicht mehr. Ich hab‘ einfach gemerkt, Berlin hatte aufgehört, für mich zu funktionieren. Dann hab‘ ich überlegt, was will ich? Ich will ans Meer und ich brauche einen vernünftigen Flughafen, so war Edinburgh auf einmal ziemlich weit oben auf der Liste. Hab‘ dann ein paar Wochen „probewohnen“ gemacht und festgestellt: es funktioniert. Ich bin weiterhin gerne noch ein, zwei Mal im Monat zu Besuch in Berlin, aber ich bin froh, dass ich jetzt mit Edinburgh den Ausgleich hab‘. Würde ich nur da wohnen, wär‘ es das aber auch nicht. Ich merke oft genug, ich brauch‘ mehr Stadt, mehr Dreck, aber das krieg‘ ich ja unterwegs noch mit. Edinburgh ist einfach ‘ne schöne Stadt und eine gute Basis für mich. Außerdem bin ich dort musikalisch nicht in allerschlechtester Gesellschaft. Was zum Beispiel Firecracker und Fudge Fingas in letzter Zeit gemacht haben, war ja schon wichtig. Und außerdem ist Neill Landstrumm von dort und Rolando wohnt auch seit vielen Jahren da.

Vermisst du das Saarland nicht?

Manchmal. Ich bin nun mal totaler Saarländer. Beim Reinfliegen schaue ich immer wieder nach den Orten meiner Kindheit und Jugend – wo unser Wochendhaus steht, wo meine Freunde herkamen. Ich bezeichne mich scherzhaft gerne als Saar-Schotte. „Hauptsach‘ gudd gess‘“ ist halt auch meins. Glücklicherweise habe ich viele Freunde, die wenn sie mich besuchen, auch schon mal den ein oder anderen Ring Lyoner im Gepäck haben. Oder wenn ich hier bin, freue ich mich schon auf den ein oder anderen Schwenker. So gibt schon ein paar Dinge, die ich in Schottland vermisse, aber wenn ich drei Tage hier bin, fallen mir auch wieder die Sachen auf, derentwegen ich weg gegangen bin.

Dein letztes Gastspielen hier in der Heimat war vor sieben Jahren. Gilt der Prophet im eigenen Land nichts?

Ich kann nicht wirklich beurteilen, wie viel hier momentan geht. Es ist aber auf keinen Fall so, dass ich das Gefühl hatte, meckern zu müssen, weil mich hier keiner bucht. Mir ist ja bewusst, wie stark man außerhalb der Zentren zu kämpfen hat. In Städten wie Berlin können Veranstalter noch aus dem Vollen schöpfen, aber überall sonst ist es wohl ein hartes Geschäft geworden. Von daher kann ich nachvollziehen, warum im Zweifelsfalle eher einer gebucht wird, der „mehr daher“ macht, als einer der mal aus dem Saarland weg gegangen ist.

Kriegst du denn überhaupt noch was von der saarländischen Szene mit?

So wirklich viel kann ich vom Saarland nicht mehr sagen. Ich hab natürlich noch mit Leuten von hier zu tun, aber die werden auch älter. Viele meinen dann auch mal „Ei jo, ich geh‘ nimmer so richtig weg“. Dafür aber ist es mir erst vor Kurzem beim Auflegen in New York passiert, dass, als ich den Glenn Underground Remix von „I feel love“ gespielt habe, ein mir bis dahin unbekannter Typ zu mir kam und sich mit den Worten: „Das do is jo wie sellemols beim Kasi im Hertz!“ als Saarbrücker enttarnte.

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