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Titelstory

VARVARA KANDAUROVA

„Ich möchte morgen besser sein als ich heute war“

Den Bildern der gebürtigen St. Petersburgerin wohnt ein ganz besonderer Zauber inne. Das gilt gleichermaßen für ihr S/W Arbeiten wie für jene in Farbe. Dieser Magie konnte sich auch die italienische Vogue nicht verschließen, die im letzten Sommer gleich 19 Fotos der Wahl-Saarbrückerin veröffentlichte. Dabei ist die eigentlich gar keine Fotografin, viel eher bildende Künstlerin und gelernte Journalistin. Bevor sie vor zehn Jahren nach Deutschland kam, hatte sie in ihrer russischen Heimat bereits Dramatische Dichtung, Werbedesign und Bildende Künste studiert. Anschließend arbeitete sie freie Journalistin, war verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit des Theaters „Music Hall“ in St. Petersburg und Regieassistentin im Filmstudio „Mosfilm“ in Moskau.

2008 kommt sie ins Saarland, konzentriert sich erstmal auf die Sprache und nimmt dann eine Aushilfstätigkeit in einem Fotostudio in Saarbrücken an.

„Angefangen zu fotografieren habe ich vor sechs, sieben Jahren, aber intensiv als Gewerbe erst vor vier Jahren. Ich war zwar immer von Fotografie als Kunstrichtung begeistert, war schon als Kind und Teenager auf Ausstellungen, aber so richtig zur Fotografie bin ich erst in Deutschland gekommen und mir hier alles selbst beigebracht. Weil mein Kind damals noch ganz klein war, musste ich viel zu Hause bleiben, hab‘ mir viele Bilder im Internet angeschaut und dann irgendwann einfach eine alte, gebrauchte Kamera bei Ebay gekauft und angefangen und angefangen zu fotografieren. Ich wollte mich aber unbedingt weiter entwickeln.“

Ihre Arbeiten portraitieren vorrangig den Menschen und seine Emotionen, ihr Interesse geht aber auch weit darüber hinaus bis zur Reportage-Fotografie. Ihre Motivationen sind gleichermaßen vielfältig, das kann etwas sein, dass sie auf der Straße sieht oder wie das Licht in einer Filmszene. Sie muss nicht nach Motiven suchen, die Motive finden sie von ganz alleine. Ihre Bilder entstehen dann in der Kamera, nicht anschließend am Rechner.

„Ich bin kein großer Freund von Bildbearbeitung und korrigiere höchstens Kleinigkeiten, denn ich verstehe mich als Fotografin und nicht als Retuscheurin. Das sind zwei verschiedene Kunstformen und ich konzentriere mich eben auf den Moment, den ich festhalten will ich, und nicht darauf später am Rechner mit Photoshop etwas zu kreieren.“

Sie lebt ihre Kunst ganz bewusst und bei allem Talent sehr bescheiden. Das bedeutet auch Dankbarkeit, damit ein Stück weit ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. und auch dem Umstand gegenüber, dass sie immer wieder neue Leute trifft, die ihr helfen und sie weiter bringen können. Natürlich decken ihre Fotos ein breites Spektrum, auch Bread & Butter Jobs, ab, aber ihre Leidenschaft liegt woanders. Ihre Zeit investiert sie am liebsten in sich selbst, verzichtet gerne auf ein schickes Auto und ist mit ihrem alten Fernseher zufrieden, wenn sie dafür das leben kann, was sie liebt.

„Ein Tag, an dem ich nichts tun kann, um sich weiter zu entwickeln, ist ein verlorener Tag für mich. Das kann dann alles sein von einem Film oder einer Dokumentation, die ich mir ansehe, ein Buch, das ich durchblättere oder ich experimentiere selbst mit der Kamera. Ich will mich jeden Tag weiter entwickeln, morgen besser sein als ich heute war.“

Die nächste Möglichkeit sich einen eigenen Einblick in die Arbeit von Varvara Kandaurova zu verschaffen, bietet sich bei der gemeinsamen Ausstellung „the essence of men“ mit der Künstlerin Ada Fitz. Ab dem 06. April ist die vom Ministerium für Bildung und Kultur und dem Poprat Saar unterstütze  Fusion aus Zeichnung und Fotografie im Jules Verne in der Mainzer Straße in Saarbrücken zu sehen. Inhalt der sechzehn in Zusammenarbeit erstellten Werke ist die künstlerische Auseinandersetzung mit unterschiedlichsten männlichen Charakteren des Saarlandes aus verschiedenen Branchen.

 

 

Cover Foto:

Model, Fotografin – Varvara Kandaurova

https://www.instagram.com/varvarakandaurova/

http://varvara-fotografie.com/

Makeup, Styling – Fabian Schmidt

https://www.instagram.com/fabianschmidtclothing/

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