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Mel´s Mikrokosmos

Verbotene Liebe

Hallo Mikrokosmonauten: Ab jetzt ist alles erlaubt

In trostlosen Zeiten haben wir Menschen die Angewohnheit, nach neuen Kicks Ausschau zu halten. Angst, Hass und gemachte Brüste dominieren unlängst das Land und da ist es durchaus angebracht, sich  spannenden Abwechslungen zu widmen. Eine lustige Schamhaar-Frisur vielleicht oder Sex im Aufzug? Wobei ich mir letzteres echt nicht vorstellen kann. Die meisten Aufzüge sind doch eh versifft und die Spiegel dort lassen einen zehn Kilo dicker erscheinen. Darüber hinaus sind Aufzüge einfach zu schnell am Ziel. Also, ich kann mich zwar in Sekunden über ein Croissant hermachen, aber in einem Aufzug hab ich das noch nicht  geschafft. Dennoch streben wir Menschen danach, uns in den grauenhaftesten Zeiten ein bisschen Spaß und Nervenkitzel zu verschaffen. Wenn noch ein bisschen Sex dazu kommt, umso besser.

Der Penis-Lieferservice

Also wenn ich Nervenkitzel höre, denke ich ja direkt ans Achterbahnfahren. Das ist wohl auch der Grund, weshalb ich bei „Pure“ nicht gefragt wäre. Denn bei dieser App dreht sich alles um Sex. „Pure“ ist „Tinder“ ohne Smalltalk. Man umgeht das höfliche Geplänkel und trifft sich sofort im Bett. Einzig die Frage, welchem Geschlecht man angehört und wo man sich denn lieber treffen möchte – auswärts oder in den eigenen vier Wänden – steht hier aus. Theoretisch würde es reichen, wenn man sich bei der „Zigarette danach“ einander namentlich vorstellt. Und verdammt nochmal ja: Solche „Hook up“-Apps boomen regelrecht! Warum? Weil man halt nicht immer Pizza bestellen möchte sondern auch mal Penis.  Allerdings frage ich mich immer, ob sich da überhaupt normale Leute anmelden? Ich kenne genug männliche und auch weibliche Exemplare, die zwar den Kick suchen, aber den Knall offensichtlich nicht gehört haben. Ich hatte vor Jahren mal ein Online-Date mit einem Betrüger, der mich mit einem Fake-Profil lockte. Der hübsche Blonde auf dem Bild war nämlich in Wahrheit ein älterer Herr im Jaguar vor McDonalds. Auf die Aussage meinerseits, er sei aber nicht der Typ auf dem Bild, antwortete er ganz nonchalant: „Das ist aber doch nicht schlimm, oder?“. Ich ergriff die Flucht.  Und bevor jetzt wieder einige erhobene Zeigefinger-Leute daherkommen und meinen, den Moralapostel spielen zu müssen, kann ich sagen, dass ich durchaus weiß, dass das mitunter böse hätte ausgehen können, aber ist es ja nicht. Wenngleich ich nicht sicher sagen kann, dass der Kerl kein Triebtäter war.

Von Haussklaven und Swinger

Natürlich ist heutzutage alles erlaubt. Aber wollen wir das überhaupt? Augenscheinlich wollen es viele. So hat ein längst verschollener Bekannter einst eine Haussklavin gehabt. Wie das geht? Na ja, er war ein dominanter Spanier, seine Haussklavin ein devotes  Mäuschen. Beide hatten was davon. Er die Macht und sie die Erniedrigung. Als er mir das damals erzählte, fand ich die Vorstellung ziemlich witzig. Mir verging allerdings das Lachen, als er plötzlich eine neunschwänzige Katze unter seiner Couch hervorholte und meinte: „Ach komm, Mel, du willst es doch auch!“. Wollte ich nicht und ergriff wieder mal die Flucht. Ich als Haussklavin? Ich! Die nicht mal richtig saugen und polieren kann! Vielmehr aber stelle ich mir immer wieder die Frage: Wer sind all diese Menschen?

Also all die Hausherren mit ihren Sklaven? Oder die Swinger? Oder Cheater? Meiner Erfahrung nach sieht man denen das erst mal gar nicht an. Ausgefallene Leidenschaften lassen sich grundsätzlich ja auch prima verbergen, es sei denn, man trägt auch im Job gerne Latex. Aber ganz ehrlich finde ich es etwas befremdlich, wenn ich mir vorstelle, dass mein Nachbar, der gerne Gartenarbeit macht und mich immer so freundlich grüßt, gelegentlich mit seiner Frau in einen Swingerclub fährt und dort nackt an der Bar sitzend nach neuen Abenteuern Ausschau hält. Nicht, dass er das täte, oder vielleicht doch? Aber okay, Moral hat in solchen Etablissements genauso wenig verloren wie Baumwoll-Schlüpfer. Und die wenigsten Moralapostel unter uns gehen wahrscheinlich auch fremd. Oder etwa genau die? Würden wir uns in den Darkrooms dieser Welt umschauen, wären wir vielleicht geschockt, wer sich da so alles rumtreibt.

Gefährliche Anzugträger

Gehe ich nach der Meinung einer Freundin, sind all die bizarren Liebeskasper entweder sehr einfach gestrickt oder kommen aus elitären Kreisen. Nicht selten sind Leute in einflussreichen beruflichen Positionen ziemlich schamlos unterwegs, sobald sie aus dem Büro raus sind. Schaut euch Berlusconi, Trump, Strauss-Kahn oder die Manager eines bekannten Versicherungsunternehmen an. Sex-Partys, Huren und Schampus. Also ganz unrecht hat sie mit ihrer Theorie womöglich nicht, denn die Normalos, also diejenigen zwischen „einfach gestrickt“ und „High-Society“, mögens demnach auch unterhalb der Gürtellinie eher normal. Wobei normal nicht gleichzusetzen ist mit langweilig. Da wird es mitunter auch mal wild und ungezügelt. Aber die meisten geben sich wahrscheinlich mit nur einem Partner zufrieden, meiden Swinger-Clubs und lassen sich eher ungern als Sklave missbrauchen. Das Lesen von „50 Shays of grey“ erachten sie bereits als ziemlich anrüchig und die heutigen Musikvideo-Clips finden sie ganz schlimm, weil zu pornös!

Sexpuppen sind auch nur Menschen

Es gibt bekanntlich nichts, was es nicht  gibt. Neuerdings streitet man darüber, wie kindlich eine Sexpuppe auszusehen hat, damit Pädophile sie kaufen und man hört sogar von Menschen, die mit Sexpuppen Kinder kriegen möchten. Eine emotionale Bindung zu Puppen aufzubauen scheint für viele heutzutage möglich zu sein. In der Fachsprache nennt man so was übrigens Agalmathophilie. Und ganz gleich, was man jetzt davon halten soll oder nicht: Ein Puppen-Partner findet bestimmt ausschließlich nur positive Argumente, warum er sich mit der Gummi-Frau das Bett teilt.  Puppen betrügen schließlich nicht und geben keine Widerworte. Zwar können sie nicht kochen und putzen, aber so manche echte Partnerin hat davon ja auch noch nie was gehört. Und das mit dem Sex wird ja mit einer Puppe auch nie weniger, denn die können ja nicht „Nein“ sagen. Es gibt den Plastik-Partner übrigens auch für Sie. Ich weiß es am besten, denn nette Arbeitskollegen haben mir „Angelo“ zu meinem Geburtstag geschenkt. Er trug übrigens ein Deutschland-Trikot, obwohl er Italiener ist. Das fand ich ziemlich fies. Alles andere war okay, außer, dass er einen Dauerständer hatte. Deshalb ließ ich irgendwann die Luft raus. Niemand möchte mit einem Mann ausgehen, der seine Männlichkeit derart zur Schau stellt.

Ich geh lieber zum Gruppenkuscheln

Am Ende ist es doch so: Natürlich ist alles erlaubt. Aber nur weil es erlaubt ist, muss man es noch lange nicht tun. Ja, ja, nennt mich verklemmt, aber ich liebäugele mit dem Gedanken, einen Kuschelkurs zu besuchen. Irgendwie erscheint mir die Vorstellung, jemanden, den ich gar nicht kenne zu umarmen und zu tätscheln schöner, als wenn ich ihn in einem Darkroom auspeitsche. Übrigens kann man Kuschelkurse tatsächlich buchen. Die Idee stammt aus New York, wo Anonymität an der Tagesordnung steht und man durch Gruppenkuscheln mehr Nähe erzeugen will. Nur eines ist diesmal nicht erlaubt: Sex! Wie schön!

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