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Jobs, Ausbildung und Karriere

Vom Hörsaal zum Handwerk

Anouk Schuler geht ihren Weg – Statt Studium: Im Sommer beendet sie ihre Ausbildung zur Elektronikerin
Anouk Schuler (23) kommt gerade von der Baustelle zurück. Was stand heute dort auf dem Arbeitsprogramm? „Lampen aufhängen in einer Praxis, eine leichte Übung“, berichtet sie L!VE. Anouk Schuler beendet in diesem Sommer im Saarbrücker Elektrofachbetrieb Jürgen Hertling ihre Ausbildung zur Elektronikerin/Energie- und Gebäudetechnik. So weit ist die Geschichte der gebürtigen Völklingerin eigentlich ganz normal. Sie ist eine Auszubildende im Handwerk.

Dennoch: Ihr Werdegang verlief eben nicht „geradlinig“. Die sympathisch-offene junge Frau gehört zu jenen, die ein Studium begonnen hatten und merkten: Das ist doch nichts für mich! Von „Studienabbrechern“ sprechen die Arbeitsmarktfachleute dann. Das klingt so ein bisschen abwertend. Ist es aber nicht. Wer merkt, dass ein Studium nicht der rechte Berufsweg ist, wer das rechtzeitig erkennt und sich anders orientiert, der handelt genau richtig. Dann wird nämlich der Studienplatz für andere Interessenten frei. An der Uni sind zu viele, die Studium gedrängt wurden, aber es gar nicht wollen oder können, sagt Anouk. Sie übrigens wollte selbst zur Uni.

Auch Anouk Schuler machte einen Umweg, bevor sie zu ihrer endgültigen Berufung fand: „Jetzt bin ich zufrieden und glücklich damit.“ Nach dem Abitur 2012 („Ein sehr gutes sogar“) begann sie an der Uni Saarbrücken das Pharmazie-Studium. Nach einem Semester zog sie die Reißleine: „Das war nichts für mich. Zu viel im Labor, zu viel weiße Kittel, zu wenig frische Luft.“ Als nächste Station schrieb sie sich für das Studium als Grundschullehrerein an der Saar-Uni ein und brachte fünf Semester hinter sich. „Die Arbeit mit Kindern hat Spaß gemacht, aber das ,Drumherum‘ wie schlecht ausgestattete Schulen, das fand ich nicht gut.“ Also endgültig „Uni adé!“

„Handwerklich war ich schon immer begabt und habe zuhause repariert. Mein Opa war Elektriker“, erzählt sie. Sie suchte auf der Webseite der Handwerkskammer des Saarlandes und stieß dort auf das Programm „Vom Hörsaal zum Handwerk“. Dort werden auch Betriebe aufgelistet, die einstellen. „Ich ließ mir einen Beratungstermin geben und erhielt viele nützliche Informationen. Nur keine Angst vor der Handwerkskammer! Sie ist eine wichtige Anlaufstelle. Die helfen einem dort gerne und gut weiter“, meint sie. Sie stieß auf den Saarbrücker Elektrofachbetrieb Hertling (30 Mitarbeiter) und wurde im September 2016 zur Ausbildung angenommen. Wegen ihres Abiturs und der einigen Semester Studium durchlief sie eine auf zwei (statt dreieinhalb) Jahre verkürzte Ausbildung.

Junge Frau in einem typischen Männerberuf? Wurde sie von den männlichen Azubis denn auch gleich akzeptiert? „Ich hatte keine Probleme damit. Man kann auch als Frau ordentlich anpacken“, lacht sie. Im Übrigens findet sie auch die duale Ausbildung im Handwerk gut. Das heißt: Betriebliche Praxis wechselt sich mit der Schulausbildung ab.

Wie geht es jetzt weiter? „Nach Ende meiner Ausbildung werde ich das Saarland Richtung Köln verlassen. Private Gründe!“, sagt sie. Ihr Ausbilder, Elektromeister und Firmenchef Jürgen Hertling, hätte sie gerne behalten. „Ich bedaure, dass sie uns verlässt. Es war eine schöne Zeit mit ihr“, sagt er. Und ich habe ihr, sollte sie wieder an die Saar, wollen, eine Rückfahrkarte angeboten!“ Mehr Anerkennung geht nicht. Vielseitig sind auch ihre Hobbies: Sport, Klettern, Windsurfen, Lesen; natürlich Musik hören und Reisen, zuletzt war sie in Panama.
Als nächsten Schritt peilt sie eine Meisterausbildung an, denn „der deutsche Meisterbrief ist ein anerkannter Leistungsnachweis. Er ist eine Aktie mit guter Rendite! Unser Beruf bietet gerade mit dem Vordringen der Informationstechnologie (IT) – Stichworte sind Digitalisierung und Vernetzung – enorme Zukunftschancen und die ganze IT liegt mir sowieso.“

Karrierecoach für Neuorientierer:
Monika Müller
Handwerkskammer des Saarlandes
Projekt „Vom Hörsaal zum Handwerk“
Telefon (0681) 5809 – 269
E-Mail: m.mueller@hwk-saarland-de

 

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