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Grüne Tomaten schlafen wütend

Was für ein Hundeleben

Kürzlich wurde ich gefragt, als was ich im nächsten Leben gerne wiedergeboren werden würde. Als Profibasketballspieler antwortete ich zunächst vorschnell. Schließlich habe ich in diesem Leben genug Erfahrungen mit Körben gesammelt. Dann kam mir aber in den Sinn, wer es eigentlich von allen am besten hat. Nicht etwa Millionäre, Stars oder Könige, sondern Tiere! Hätte man vor Millionen von Jahren an der Supermarktkasse vor einem Dinosaurier gestanden, man hätte ihn vorgelassen, denn Dinosaurier regierten seiner Zeit die Welt. Zwar sind die Riesenechsen mittlerweile ausgestorben, dennoch hat sich nichts daran geändert, dass Tiere weiterhin die wahren Herrscher unseres Planeten sind. Die Mächtigsten unter ihnen sind jedoch nicht etwa Raubkatzen oder Insekten wie viele denken, sondern diejenigen, die von allen auf den ersten Blick am harmlosesten erscheinen… Haustiere!

Wer der irrigen Meinung ist, wir Menschen hätten Macht über Tiere, nur weil wir gelegentlich eines von ihnen überfahren, auf den Grill werfen oder als Jacke tragen, der verkennt, dass Katze, Hund und Co. nicht deswegen den lieben langen Tag faul in einer Ecke liegen, weil sie dumm sind und von der Evolution benachteiligt, sondern schlichtweg, weil sie es können! Ihnen ist nämlich bewusst, dass dank Frauchen oder Herrchen am Abend stets etwas im Fressnapf ist, ohne dass sie dafür auch nur eine Pfote krumm zu machen brauchen. Da sollte man sich als Mensch die Frage stellen, wer sich hier nun durch Domestizierung wen unterworfen hat und die Vierbeiner dem Zweibeiner gehorchen, weil er ihnen Leckerlis zusteckt, oder der Zweibeiner den Vierbeinern gehorcht, wenn die Leckerlis wollen…

Haustiere leben den Traum eines jeden Mannes: Schlafen, Saufen, Fressen und den pelzigen Bauch gestreichelt bekommen. Anders als bei ihrem menschlichen Gefährten stört es Frauen bei dem tierischen nicht, wenn dieser aus dem Hals riecht oder den ganzen Tag auf dem Sofa liegt und sich mit seinen Genitalien beschäftigt. Es ist weder tragisch, wenn ein Hund seine Notdurft auf der Terrasse verrichtet, noch wenn er an fremden Weibchen schnüffelt. Keiner Katze wird es krumm genommen, wenn sie Haare im Bad hinterlässt oder auf den Teppich kotzt. Als Mann hängt nach all so etwas gleich der Haussegen schief! Wird ein Kater mit einer aufgerissenen Maus im Bett erwischt wird, bekommt er, um es nicht wieder zu tun, von Frauchen Liebe mit Lob statt wie ein Mann Hiebe mit dem Mopp…

Tiere dürfen irgendwie all das, was Männer nie dürfen. Also auch Artgenossen nach Lust und Laune bespringen und im Stehen pinkeln. Keiner verlangt von ihnen eine Hose zu tragen, wenn Frauchens Eltern zu Besuch kommen oder zum Pupsen ins Freie zu gehen. Um all das geduldet zu bekommen, machen Haustiere das ganze Jahr über nichts anderes als wir Männer am Valentinstag, nur mit deutlich mehr Erfolg: Sie heucheln ihrem Frauchen Liebe und Zuneigung vor und hoffen so, nicht an der kurzen Leine gehalten zu werden. Während Frauen diese Art der Zutraulichkeit bei Männern direkt als miese Masche entlarven, werten sie sie bei Tieren als innige Liebe. Was für ein fataler Fehler. Haustiere manipulieren Frauen so, wie wir Männer es uns nur erträumen können…

Insbesondere der Hund als liebstes Haustier der Deutschen nach dem Silberfisch hat sich die Frau perfekt abgerichtet. Hat Bello nachts Durst, streunt er so lange durchs Schlafzimmer bis Frauchen ihm Wasser gibt. Als Mann könnte man röchelnd verdursten, die Bettnachbarin würde nicht wach. Will ein Hund spielen, wenn Frauchen noch schläft, legt er seinen Schwanz auf die Bettdecke und wedelt. Damit hat er garantiert Erfolg, anders als ein Mann, der Gleiches tut. Wer glaubt, einem Hund würde es auf dem Übungsplatz gefallen über Hindernisse zu springen, liegt falsch. Einziger Grund, warum sich der Vierbeiner die Zunge aus dem Hals rennt, ist, dass seine Zweibeinerin mitlaufen muss und er die Schnauze voll hat, dass Frauchen immer mehr Speck ansetzt. Will Mann dagegen seine Freundin zum Joggen überreden, wird ihn gleich unterstellt, er wolle damit nur sagen, sie sei fett…

Die meisten Frauen mögen Männer, aber sie lieben Tiere. Das kommt wohl auch daher, weil Tiere bei sexueller Erregung schon einmal mit einem Stofftier oder dem Hosenbein Vorlieb nehmen. Außerdem sind sie nie schlecht gelaunt, wenn Frauchen wieder ihren Monatslohn für Schuhe ausgegeben oder eine neue Beule ins Auto gefahren hat. Anders als bei Männern akzeptieren Frauen bei Haustieren ganz ohne zickig zu werden, wenn diese keine Lust auf Streicheleinheiten haben und lieber um die Häuser ziehen. Tiere müssen nie an Jahrestage denken oder den Müll rausbringen und dürfen bei Liebesfilmen einschlafen. Kommt eine Katze nach einer Balgerei mit Blessuren nach Hause, kümmert sich Frauchen liebevoll. Ein Mann dagegen bekommt noch eins mit dem Nudelholz über…

Wir Männer müssen uns wohl damit abfinden, dass wir in der Rudelhierarchie erst hinter Lilly, der Katze, Sam, dem Mops und Schnitzel, dem Ferkel kommen. Jeder Mann, dessen Freundin ein Pferd hat, wird bestätigen, dass er weit seltener geritten wird als sein Konkurrent mit den Hufen. Es kann auch schon mal sein, dass nach all der teuren Fellpflege und dem Premium-Futter für den Vierbeiner am Monatsende für den Zweibeiner nur noch Kernseife und Dosenravioli übrig bleiben. Dennoch sollte Mann gar nicht erst versuchen mit Tieren mitzuhalten und akzeptieren, wenn bei „Doggy-Style“ statt einer feuchten Muschi ein nasser Hund im Bett auf Streicheleinheiten wartet…

Frauen kraulen Fell nur dann gerne, wenn es zu einem Rüden und nicht zu einem Rüdiger gehört. Affen sind so lange niedlich, so lange man sie im Zoo trifft und nicht in der Sauna. Frauen stört es zwar nicht, wenn sich beim Familienausflug in den Zoo ein Gorilla vor Publikum am Gemächt kratzt, seltsamer Weise aber, wenn der Playboy des Freundes beim Besuch der Eltern noch im Bad liegt. Was für Männer jedoch am wenigsten nachvollziehbar ist: Wieso finden Frauen Gefallen daran, Katzen mit einem Wollschnürchen zu beschäftigen? Als Mann hat man da eher schlechte Erfahrungen gemacht, was Pussis und Ziehen an Schnürchen angeht…

Bei vielen Frauen scheinen Tiere Kinderersatz zu sein. Junge Vierbeiner haben nun mal den Vorteil, dass sie einfacher am Autobahnparkplatz ausgesetzt werden können als junge Zweibeiner. Zudem rufen Nachbarn nicht gleich die Polizei, wenn man den tierischen Nachwuchs mit dem Teppichklopfer durch den Garten prügelt. Kinderlose Frauen mit Tieren sind meist gelassener, da ihnen bewusst ist, dass in dem Alter, in dem Kinder in die Pubertät kommen, Bello weiterhin friedlich unterm Tisch liegen und nicht auf die Idee kommen wird, sich piercen oder tätowieren zu lassen. Außerdem braucht man mit Tier statt Kind sein Geld nicht für die Erben zusammenzuhalten, denn aller Voraussicht nach überlebt man sein Haustier. Es sei denn, man hält sich eine Schildkröte…

Tiere merken übrigens, wenn Männer es auf ihr Frauchen abgesehen haben. Ihnen ist bewusst, dass Mann bei Frau nur landen kann, wenn er ihre Tiere mag. Daher lassen sie, sobald der Widersacher sie auf dem Arm hält, den Dingen ihren Lauf. So wird dem Konkurrenten schneller warm ums Herz als ihm lieb ist. Ein feuchtfröhliches Date hatte Mann sich anders vorgestellt. In seltenen Momenten, in denen Frauen doch einmal den Mann dem Tier vorzieht, reagieren Tiere meist eifersüchtig. Romantik wird da schwierig, wenn der Wellensittich just dann aus dem Käfig ausbricht, wenn Frauchen sich gerade anderweitig mit Vögeln beschäftigen will…

Wir Männern müssen akzeptieren, dass wir in diesem Leben nie so süß sein werden wie Tiere. Aber vielleicht im Nächsten. Bis dahin heißt es schon einmal üben: Schatz, gib mir Tiernamen! Falls jemand mein Schaf kennen lernen möchte:  gruenetomaten@live-magazin.de.

 

Patrik Wolf

P.S. Warum gibt es kein Katzenfutter mit Mausgeschmack?

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