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Mel´s Mikrokosmos

Was für ein Mann!

Letztendlich habe ich mich dann wohl umorientiert.“ So lautet der Satz, den ich derzeit im Kopf habe, wann immer ich mich darauf besinne, welche Art Männer mein Herz tatsächlich zum Schmelzen bringen. Mit Mitte Dreißig habe ich endlich begriffen, wie ein Mann sein muss, wenn er mich wirklich catchen will! Und ich hätte es niemals für möglich gehalten! Ich stehe nämlich auf Romantiker!

Aber ganz von vorne: Frauen haben da dieses bestimmte Bild im Kopf, wie ein Mann zu sein hat. Das müssen einerseits richtige Männer sein. Macher eben. Typen mit Ecken und Kanten. Echte Kerle, die auf klare Rollenverteilung stehen. Ein bisschen hart, ein bisschen cool, aber auch witzig, charmant und stark. Ein richtiger Beschützer eben. Ein Typ, der jederzeit für Frau und Kind in den Krieg ziehen würde und als gefeierter Held zurückkäme. Aber irgendwie soll er auch diese sensible Seite an sich haben. Romantisch sein, verständnisvoll, die Sterne vom Himmel holend. Aber ohne jetzt irgendwie Weichei zu sein. Nun gut, das sind nun natürlich hohe Erwartungen, die wir an die Männerwelt stellen. Übermäßige Ansprüche sozusagen, die ein einziger Typ meist nur selten bis gar nicht erfüllen kann, es sei denn, wir befinden uns im Film 9 ½ Wochen und leiden unter einer destruktiven Abhängigkeits-Störung. Hart und weich zugleich war Mickey Rourke ja schon, aber richtig gesund war das Ganze ja nun auch nicht. Ich frage mich deshalb nicht umsonst:

Sind Männer gefangen in dem Irrtum, eine Frau bevorzuge einen Sexualartisten und Versorger mit Realitätssinn und keinen Schwärmer, der die Natur verherrlicht, gern unter einem Baum sitzt und seufzt, weil ihn die Melancholie anweht?“

Das kann schon sein, denn schließlich sind die Sorte Männer, die wir heute als Partner wählen, im Kindesalter meist schon zu hartgesottenen Kerlen herangezüchtet geworden. Die Fußball spielenden Rabauken, die keine Gefühle zeigen sollen. Ein Indianer kennt schließlich keinen Schmerz und man soll bloß nicht so ein Angsthase sein. Bei der Erziehung von Jungs und Mädchen wurde sich immer schon ganz klar der gängigen Rollenklischees bedient. Eben Blau für Junge, Rosa für Mädchen. Früher sogar noch krasser, als heute. De facto wurde den Männern, mit denen wir heute Beziehungen führen schon von klein auf eingetrichtert, dass alles, was mit sentimentalen Gefühlen zu tun hat, nichts in deren Leben zu suchen hat. So hart das jetzt auch klingt, aber Sensibilität, Einfühlungsvermögen und Feingefühl sind nun mal nicht so stark in einem Männercharakter zu finden, als andere Attribute.

In erster Linie sollten wir es nicht verwerflich finden, dass unser Angebeteter es als romantischer erachtet, lieber mit uns zu grillen oder einen Horrorfilm zu schauen, als unter einem Baum zu sitzen und darüber zu philosophieren, wie lange das Bächlein noch fließt und ob im Walde das Reh schon schläft. Aber so ein bisschen Gefühl wäre wirklich nicht schlecht. Ein Mann, der von Knutschen und Kuscheln nichts versteht, ist für uns wahrscheinlich so herzerwärmend wie der Anblick eines Akkuschraubers. Und ein Typ, der beim ersten Date anfängt, ganz unromantisch über seine Ex-Frau abzulästern, dürfte für uns genauso uninteressant sein. Weg damit! Aber mal ganz ehrlich gefragt:

Was zeichnet romantische Männer wirklich aus?“

Die Wahrheit ist, dass in jedem Mann ein Romantiker wohnt. Die meisten Männer wissen das nicht und können ihn deshalb nicht rauslassen. Etliche Männer im Männlichkeitswahn schämen sich ihrer romantischen Tendenzen, wollen nicht darüber sprechen und verleumden das Romantische als Mädchenkram. Darüber hinaus haben sie Angst, die Kontrolle zu verlieren, wenn sie ihre romantische Seite zum Vorschein bringen, über ihre Gefühle zu sprechen oder gar zu weinen. Vermeintlich harte Kerle würden sich lieber eine Hand abhacken, als zuzugeben, dass sie sensibel sind oder verletzt oder gekränkt. Eher betiteln sie ihre Artgenossen, die etwas sensibler auf ihre Umwelt reagieren als „Weicheier“. Und die Schuld geben sie dann uns Frauen – die Unheilsbringerinnen –, die zwecks Dauervorwürfen und Anschuldigungen die Männer unterjochen und angeblich zu dem machen, was sie ihres Erachtens sind: Verweichlichte Lappen! Jedoch sind das die typischen Artikulationen der Sorte Männer, die eigentlich die wahren „Softeggs“ sind. Nämlich diejenigen, die noch nie den Mut aufgebracht haben, ihre kümmerlichen Masken fallenzulassen, den Macho in sich zum Schweigen zu bringen und ihr wahres Gesicht zu zeigen.

Wahre Männer zeigen Gefühle

Machen wir uns nichts vor: Auch ein Romantiker denkt etwa zweihundert Mal täglich an Sex. Und er hat ihn auch. Oft. Er verliert sich aber auch in Romanzen, verbirgt seine Tränen nicht, und sieht dem Alter mit Demut entgegen. Er kann sowohl mit seiner Freundin Bier trinkend auf einer Wiese sitzen und über Fußball quatschen, als auch mit ihr einen Liebesfilm anschauen, ohne ihn als „Weiberkram“ abzutun. Romantiker träumen das Leben und laden uns Frauen dazu ein, mit ihnen zu träumen. Der Romantiker kann lieben ohne inszenierte Gefühle. Er liebt echt und wahrhaftig und schafft den Spagat zwischen Intimität, Leidenschaft und Bindung beispiellos. Dabei packt er seine Gefühle immer wieder in Worte. Wenn es um Liebe und Gefühle geht, neigen zwar eher Frauen zum Reden und Männer mehr zum Handeln, aber der Romantiker hat durchaus seine eigene „Liebessprache“. Was nicht bedeutet, dass er seine Gefühle nicht auch stillschweigend zeigen kann, etwa indem er seiner Partnerin hilft oder mit ihr gemeinsame Aktivitäten unternimmt. Darüber hinaus sieht er es niemals als unmännlich an, sich selbst in die Küche zu stellen und uns zu bekochen. Und weil er keine Angst davor hat, wir könnten ihn irgendwie nicht mehr als Mann sehen für all seine Gefühle, macht er uns umso mehr an.

Lieber „Softegg“ als „Rawegg“

Am Ende ist es doch so: Wir wollen weder einen Softie noch einen Macho. Unsere Gesellschaft braucht aber Männer, die ihre Emotionalität leben, die schon feine Schwingungen aufnehmen können und die Wert darauf legen, eine angenehme, harmonische Umgebung zu schaffen. Und sie braucht Männer, die Vorbild sind für Jungs. Die ihnen zeigen, dass Männlichkeit nicht bloß mit Härte gleichgesetzt werden kann. Was wir brauchen, sind richtige Männer und die sind entgegen aller Erwartungen nun mal nicht mehr nur stark und durchsetzungsfähig bis hin zu rücksichtslos und egozentrisch. Für mich ist ein richtiger Mann einer, der zu seinen Gefühlen steht, der sie zeigt und ausdrücken kann und, vor allem, der keine Rollen spielt! Ein richtiger Mann ist auch jemand, der gerne spielt wie ein Kind, der zur Hingabe fähig ist und genießen kann. Einer, der Tränen in den Augen hat, wenn er Schönes sieht. Weniger Draufgänger, mehr Berührer! Oder besser gesagt: Lieber ein wachsweiches, warmes Ei, als ein rohes und kaltes! Und ich bleibe dabei: Ein romantischer Mann, der zu seinen Gefühlen steht ist für mich niemals ein Weichei, denn er besitzt mehr Mut als all die Maskenträger da draußen, die innerlich wahrscheinlich zerrissener und zerfetzter sind als so manches vollgerotzte Taschentuch! Und wenn sogar Matthias Schweighöfer mittlerweile romantische Liedchen trällern kann, sollte uns das doch endlich begreifen lassen: Ein Romantiker kann niemals unsexy sein! Der französische Dramatiker und Bühnendichter Pierre Corneille sagte einst: „Ein jeder Mann von Mut, ist auch ein Mann von Wort.“ Also Mädels, schnappt euch den Romantiker und geht mit ihm Sterne zählen!

Für R.

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