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Grüne Tomaten schlafen wütend

Wenn Welpen Werwölfe werden

Immer wieder wurde die Menschheit in der Vergangenheit von Epidemien heimgesucht. Im Mittelalter waren es Pest und Cholera, im letzten Jahr Vogelgrippe und Pokémon-Go. Auch wenn die Forschung nach und nach Mittel gegen die meisten Seuchen gefunden hat, ist es ihr bislang nicht gelungen, eine der größten Gottesgeißeln auf Erden auszurotten. Die Rede ist nicht von AIDS, Ebola oder einem anderen Virus, sondern von einer Pandemie, die seit Beginn der Menschheit täglich Opfer fordert. Wir alle sind ihr hilflos ausgeliefert, denn Impfungen oder Gegenmittel gibt es nicht. Einzige Hoffnung ist, immun zu werden, sollte man sie überstanden haben. Sie kommt über Nacht und bleibt für Jahre. Mit schlimmen Folgen. Sie verändert Körper und Geist. Nach ihr ist nichts mehr wie es war: die Pubertät..!

Neben der Dummheit ist die Pubertät wohl die am weitesten verbreitete Seuche, die uns alle bedroht. Sie bewirkt, dass aus einem süßen Kind, das mit seinem Dino im Auto sitzt und gerne Vögel streichelt, innerhalb kürzester Zeit ein verbitterter Teenager wird, der mit seinem Dildo im Auto liegt und sich beim Vögeln streicheln lässt. Es scheint so, als würden alle Sitten und Regeln, die Eltern ihrem Nachwuchs über Jahre beigebracht haben, von jetzt auf gleich weggeblasen und durch das genaue Gegenteil ersetzt. Mütter von Pubertierenden werden bestätigen, dass die Schmerzen bei der Geburt nichts gegen die Schmerzen sind, die es zu erleiden gilt, wenn der eigene Spross in der Pubertät steckt, die der Metamorphose einer Raupe zum Schmetterling gleicht, nur eben umgekehrt…

Eltern sehen dem Tag mit Schrecken entgegen, an dem ihr Kind am Morgen das Haus mit einem Kaugummiring am Finger und einer Packung Tempos verlässt und es am Abend mit einem Metallring in der Nase und einer Packung Tampons wieder betritt. War der Streuselkuchen eben noch in der Frühstücksbox des eigenen Kindes, ist er nun plötzlich in dessen Gesicht. Und die bunten Kritzeleien auf den Armen von Sohn oder Tochter stammen auf einmal nicht mehr von Buntstiften, sondern vom Tätowierer. Gestern noch mit den Nachbarskindern auf der Wiese, heute schon mit ihnen auf Gras! Alles scheint sich im Zeitraffer zu verändern. Nur das Interesse an Hello-Kitty bleibt bei den meisten auch in der Pubertät bestehen oder zumindest das Interesse an pinkfarbenen Muschis…

Wie Gremlins nach Kontakt mit Wasser scheinen sich Sohnemann und Töchterchen im Alter zwischen 13 und 15 über Nacht in Zombies zu verwandeln, was bei den Eltern in der Folge dann oft in die Frage aufwirft, ob ein Schwangerschaftsabbruch damals nicht doch die bessere Alternative gewesen wäre. Als Mutter oder Vater ist man meist recht hilflos, wenn aus einem Traum von Kind von jetzt auf gleich ein Alptraum von Teenager wird, und wünscht sich wie bei Dornröschen einen vergifteten Apfel, der den Nachwuchs so lange schlafen lässt, bis er aus der Pubertät raus ist. Wer täglich mit einem solchen Clearasil-abhängigen Nachwuchstyrannen mit Schuhgröße 38 zu tun hat, versteht warum Jugendliche dieses Alters vor achtzig Jahren an die Front geschickt wurden…

Vergleicht man menschlichen Emo-Nachwuchs mit tierischem Emu-Nachwuchs, fällt auf, dass die Anzahl der australischen Laufvögel, die in jungen Jahren auf die Idee kommen, sich ihr Gefieder zu färben und Metallstifte durch den Schnabel jagen zu lassen, eher gering ist. Tätowierungen sind im Tierreich allenfalls bei jungen Hunden und Katzen angesagt. Da überrascht es doch, dass diejenige Spezies, die sich selbst für die Krönung der Schöpfung hält, es im Laufe der Evolution nicht geschafft hat, den Übergang vom heranwachsenden zum ausgewachsenen Exemplar so zu gestalten, dass er für alle Beteiligten zumindest einigermaßen erträglich ist. Anders als Hundewelpen pinkeln pubertierende Teenager zumindest nicht ins Wohnzimmer. Dafür kotzen sie ins Bad…

Man kann dem pickeligen Nachwuchs jedoch im Grunde keinen Vorwurf machen, dass er vom kuscheligen Welpen zum kratzbürstigen Werwolf wird. Schuld sind die Hormone, die ab der Pubertät unser aller Leben bestimmen. Sie machen aus einer elfengleichen Jungenstimme etwas, was sich anhört wie quietschende Tafelkreide oder eine gefrorene Katze unter der Kreissäge, und sorgen bei Mädchen dazu, dass die Entwicklung ihrer Geschlechtsteile diejenige ihres Gehirns um Weiten überflügelt. Fand man als Junge vor der Pubertät Mädchen noch doof und eingebildet und daher uninteressant, bewirken die aufkochenden Hormone, dass Jungs Mädchen zwar nach wie vor doof und eingebildet finden, aber plötzlich gerade deshalb interessant…

Der heimtückische Hormoncocktail versetzt pubertierende Jungen zudem in den Irrglauben, dass sie mit übergroßen Hosen und schiefer Schirmmütze cool aussehen und Gangster-Rapper ein veritabler Beruf ist. Eltern sind hier gut beraten, sich tolerant zu zeigen und statt Standpauken zu halten, lieber Fotos vom entsprechend gekleideten Nachwuchs zu machen, um für dessen dreißigsten Geburtstag genügend Bildmaterial zu haben, das die Gäste belustigt. Es ist für Heranwachsende aber auch nicht leicht tagsüber mit Konjugationen und nachts mit Erektionen zurecht zu kommen. Während Mädchen in der Pubertät ihren ersten BH bekommen, um fremde Blicke im Zaum zu halten, sind Jungen hilflos auf sich alleine gestellt, wenn sie im gemischten Sportunterricht mit der Latte zu kämpfen haben…

Mit der Pubertät wird bei Mädchen ein Problem immer gewichtiger: ihr Körper. Es wird in ihrem weiteren Leben kein Tag mehr vergehen, an dem sie sich nicht darüber beklagen, dass Brüste, Beine oder Po entweder zu groß, zu klein, zu behaart oder zu picklig sind. Waren im Kindergarten Ärztin oder Prinzessin noch angesagte Berufswünsche, sind pubertierende Mädchen überzeugt, Karriere als Model zu machen. Um entdeckt zu werden, posten sie täglich neue Selfies, auf denen sie dank Muttis Schminke auszusehen glauben wie Mitte 20. Wegen ihres schrägen Duck-Face-Blicks in die Kamera erinnert der vermeintliche Kussmund jedoch eher an einen Schlaganfall. Eltern hoffen in der Phase, dass am Märchen vom hässlichen Entlein etwas dran ist, da die angestrebte Modelkarriere der Tochter ansonsten allenfalls für eine Werbekampagne für Hundefutter ausreichen dürfte…

Doch was kann man nun wirklich tun bei der Diagnose Pubertät? Nichts! Das ist es ja! Lieber vorher überlegen, ob man sich statt Kinder vielleicht doch lieber einen Hund zulegt. Den kann man nach 12 bis 14 Jahren Spaß einschläfern lassen oder an der Autobahn aussetzen, wenn er nervt. Außerdem lassen Hunde sich viel besser an die Leine legen… gruenetomaten@live-magazin.de.

Patrik Wolf

P.S. Die sicherste Verhütungsmethode bei den meisten Teenagern ist ihr Aussehen.

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