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Mel´s Mikrokosmos

Zeitreise

Hallo Mikrokosmonauten! Ab in die Zeitmaschine!

Während ich diese Zeilen schreibe, steht die Bundestagswahl noch bevor. Ich bin mir ja fast schon in wahrsagerischer Weisheit sicher: Es bleibt alles, wie es ist. Merkel bleibt Kanzlerin und es gibt wohl wie immer unzählige motzende Menschen in der Social-Media-Welt und vor den Haustüren der Republik, die sich darüber beklagen. Dass wir aber auch immer wieder an einen Punkt kommen, an dem wir bereits gestanden haben, wie der Trauernde an der Klagemauer. Und klagen können wir wahrlich gut. Zetern und toben übrigens auch. Aber die Fähigkeit und Muße zum Ändern haben augenscheinlich die wenigsten. Entweder verstummen die irgendwann oder sie toben so lange, bis sie im Sarg liegen. Und zetern im Jenseits wahrscheinlich noch weiter. Zwischen Akzeptanz und Aggression liegt jedenfalls ein breites Spektrum aus Frust, Wut und Zeitverschwendung. Aber im Endeffekt komme ich am Ende immer zum selben Schluss: Das hat es alles schon immer gegeben.

Egal, was kommt, egal, was bleibt, irgendwie haben wir alles schon mal so gehabt oder erlebt. Im Kreise drehen – so mag ich es jetzt allerdings auch nicht bezeichnen. Oder doch? Ich meine, egal, ob Trends, politische Gesinnung oder Weltanschauung – irgendwie kommt es mir so vor, als befänden wir uns in einer Zeitschleife und ich werde immer wieder mit gewissen Dingen konfrontiert, bei denen ich mir denke: „Das war doch schon mal da!“ Da wären diverse Neuauflagen, sogenannte Remakes etablierter Künstler wie beispielsweise Rihanna, die meint, sie hätte das Rad neu erfunden, wenn sie bloß Santanas „Maria, Maria“ wiederbelebt. Hallo? Ich war immerhin schon 18, als der Titel Saison hatte und empfinde es als regelrechte Beleidigung, dass ich die Wiederauferstehung eines Lied-Zombies miterleben muss. Da kommt man sich gleich viel älter vor, als man eigentlich ist. Und das wiederum ist fast so schlimm wie Schulterpolster tragen. Oder Plateau-Schuhe von Buffalo. Die erleben nämlich auch gerade wieder eine Renaissance. Und Latzhosen. Böse Zungen behaupten sogar, Game of thrones wäre lediglich ein Abklatsch der 90er Serie Xena. Mit Verlaub gesagt finde ich das im Übrigen ziemlich fies. Xena gegenüber. Die hat nämlich nicht so oft in nudistischer Freigeistigkeit ihren Busen gezeigt, wie die Mädels in der Serie.

Do you remember?

Ich frage mich manchmal, ob man direkt checken würde, dass es 2017 ist, wenn man sich im Jahre 1997 in eine Zeitmaschine gesetzt hätte. 20 Jahre später ist Lady Di tot, das World Trade Center ist Geschichte, aber man trägt noch immer Vans und Bauchfrei-Tops. Okay, wir würden uns wahrscheinlich wundern, warum Helmut Kohl plötzlich eine Frau ist, aber angesichts der Tatsache, dass die Bahnhofstraße 1997 schon Fußgängerzone war und es auch die Saarbahn schon gab, würden wir wahrscheinlich erst mal nichts merken. Die Saargalerie wurde allerdings inzwischen dem Erdboden gleich gemacht und etwas verwundert würden wir zur alten Bergwerksdirektion aufschauen, die sich mittlerweile in die Europagalerie verwandelt hat. Ferner würden wir uns wundern, dass das Hauptbahnhofsgebäude jetzt orange ist, statt blau und die Sprachen- und Artenvielfalt rund ums Bahnhofsviertel – sagen wir mal – interkultureller ist. Aber beim Blick auf die riesen Smartphones, die sich lediglich durch einen größeren Bildschirm von den Handys in den Neunzigern unterscheiden, wären wir schnell wieder beruhigt. Natürlich muss ich gestehen, dass wir aufgrund der teilweise wesentlich moderneren Auto-Modellen merken würden, dass etwas nicht stimmt. Andererseits sind es immer noch Autos, also ist auch hier irgendwie alles gleich geblieben. Während ich also im Geiste meine Zeitreise begehe und in der Zeitmaschine noch ein Stück weiter in die Vergangenheit düse, stelle ich mir nicht unweigerlich die Frage: „Was unterscheidet uns eigentlich von den Menschen im Mittelalter oder gar in der Steinzeit?“
Auf den erste Blick nichts. Denn nicht nur unsere körperliche, sondern auch unsere geistige Grundausstattung stammt aus der Steinzeit. Wenngleich wir in Puncto Hygiene und Aussehen ein wenig adretter daher kommen als Dschingis Khan oder Attila dem Hunnenkönig. Ich glaube allerdings, dass die zu ihrer Zeit ein echtes Schönheitsideal waren. Aber letztendlich frage ich mich, ob Menschen vor tausenden von Jahren irgendwie so viel anders tickten als der Mensch von heute? Wobei ich sagen muss, dass die Sprache am Ende wahrscheinlich der Schlüssel war, um uns zumindest etwas von den frühzeitlichen Völkern zu unterscheiden, die sich bis zur Zeit des Neandertalers lediglich über Töne und spezielle Laute verständigen konnten. Einige Dinge blieben trotzdem immer gleich. So bedeutete „Ma“ schon immer Mama. Und das faszinierende daran: In nahezu jeder Sprache – von Mandarin bis zum Arabischen, vom Deutschen bis zum Walisischen – steht es heute als jenes Synonym. Unglaublich, oder? Allerdings überrascht es mich, dass ich bei meinen Recherchen, was denn am Urzeit-Mensch so viel anders war, als beim Homo Sapiens, kaum eindeutige Fakten finde. Diverse Genforscher und Paläoanthropologen wollen zwar erkannt haben, dass in der frühkindlichen Entwicklung Unterschiede bestehen, weswegen die Hirnstruktur anders aussieht als beim Mensch heute, aber abgesehen von einer länglicheren Schädelform und angebliche Unterschiede auf geistiger, emotionaler und kommunikativer Ebene, habe ich manchmal das Gefühl, dass wir dem Steinzeitmensch in Sachen „Schädel einschlagen“ in nichts nachstehen. Und noch besser: Der heutige homo sapiens mag bahnbrechende Erfindungen vollendet haben. Trotzdem ist er aber immer noch Meister darin, das Motto „Fressen und gefressen werden“ grandios umzusetzen, oder nicht? Nur mit dem kleinen Unterschied, dass wir uns im Gegensatz zum Neandertaler oder Mittelaltermensch nur noch ungern die Finger schmutzig machen. So lassen wir lieber schlachten, um ganz steinzeit-like Fleisch essen zu können und kaufen lieber unsere Gewänder fertig im Geschäft. Um die Herstellung haben sich derweil lieber Kinder in Indien oder China zu kümmern und zum Glück sind die weit weg von uns, so dass wir nicht mitbekommen, in welchen Hütten sie leben und arbeiten müssen. Die Frage, die ich mir auf meiner Zeitreise indes stelle, liegt umso näher:

„Sind wir immer noch Neandertaler?“

Der Neandertaler jedenfalls würde das wahrscheinlich verneinen und antworten, Geschöpfe wie wir könnten im Leben nie wie Neandertaler sein, schließlich seien wir doch so viel primitiver, asozialer und egoistischer. Ganz Unrecht hätte er jedenfalls nicht, wenn ich mir vorstelle, dass wir heutzutage immer noch Menschen köpfen oder steinigen lassen. In Saudi-Arabien hat das sogar Volksfest-Charakter. Und irgendwie erscheint es mir suspekt, dass man uns seit jeher einzutrichtern versucht, wir seien die Krone der Schöpfung! „Sorry Leute, ich hab heute schon was vor, ich will mir die Hinrichtung um 3 Uhr ansehen!“ Obskur, oder? Lieber Bundesliga schauen anstatt zu Mahnwachen oder Demos zu gehen ist aber mindestens genauso seltsam. Von wegen geistige Unterschiede zum Steinzeitmensch! Hier verkümmert gerade ein Hund im überhitzten Auto und alle stehen nur tatenlos herum. Da laufen Passanten ignorant mit ihren Einkäufen am Penner an der Straßenecke vorbei. Woanders verrecken ganze Länder, weil wieder andere Länder ihren finanziellen Vorteil daraus ziehen und uns interessiert das schlichtweg nicht. Zwar mögen einige von uns freier und unabhängiger sein, wir leben sicherer und gefestigter, müssen nicht mehr barfuß rumlaufen, haben Toiletten, richtige Häuser und entsprechende Lebensqualität. Dennoch betrifft es nicht jeden und letztlich herrscht auf der Welt immer noch mehr Mittelalter als uns lieb ist.

Alles beim Alten

Eins ist jedoch sicher: Diese jaulende, jagende und augenscheinlich so verblödete Steinzeit-Gang gefällt mir. Sie hatten kein Geld, keine richtigen Klamotten und wurden allerhöchstens dreißig Jahre alt. Außerdem glaube ich schon, dass sie schlau genug waren, sonst hätten sie sich nicht so lange gehalten. Wer weiß, wie lange der homo sapiens noch durchhält. Aber ich ziehe hier zu weite Kreise. Oder kommt ihr noch alle mit? Wie dem auch sei: Während ich mich in meine Zeitmaschine setze und den Knopf auf „Neuzeit“ drücke, werde ich für einen kurzen Moment nachdenklich. Ich frage mich, ob es einen „Reset“-Knopf gibt? Einen Knopf, um einfach nochmal neu zu starten. Und dann drängt sich mir unweigerlich die nächste Frage auf: „Wäre alles genauso gekommen?“
Ist das alles ein großer Zufall oder unser Schicksal? Wenn wir nochmal von vorne anfangen könnten, wären Zeitschleifen und Wiederholungen dann wieder vorprogrammiert? Würden wir uns jedes Mal wieder die Köpfe einschlagen, raffgierig sein, neidisch sein, egoistisch und grausam sein und uns trotzdem für die Größten halten? Zumindest eines bliebe immer gleich: Der Mensch an sich. Mit seinen Träumen und seinen Visionen. Und seinem unglaublich üblen Klamottengeschmack. Latzhosen und Birkenstocks werden immer ätzend bleiben!

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