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Titelstory

ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT!

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe! Das schmerzlich vermisste Nauwieser Viertelfest geht nach einem Jahr Pause wieder an den Start. Zum gewohnten Termin am letzten Juliwochenende, aber mit neuem Team und neuen Ideen.

Da feierte die Gerüchteküche sofort fröhliche Urständ‘ und viele wussten gleich alles besser. Von Rentnerfest über Kirmes und Metal-Party war da alles Mögliche zu hören. Aber jetzt kommt es doch ganz anders. Schuld im positivsten aller Sinne am „neuen“ Viertelfest sind Frank Schilz und Timo Schmidt, die eigens zur Rettung des Festes zusammen gefunden haben. Sie stehen für ein Fest für Jung und Alt, ein Fest für Freunde, ein buntes Fest aus dem Viertel, mit dem Viertel und für das Viertel. Zusätzlich zum gemischten Abendprogramm mit Partycharakter und anschließenden Konzerten in vielen Gaststätten, wird mit mehreren Akteuren aus verschiedenen kulturellen Bereichen an einem neuen, anspruchsvollen Tagesprogramm gearbeitet. Nicht nur hier gehen die neuen Macher neue Wege, wie schon beim öffentlichen „Viertelgespräch“ im JUZ Försterstraße klar wurde, zu der Bewohner, Geschäftsleute und Viertelfreunde eingeladen waren, um sich aktiv an der Gestaltung des Festes zu beteiligen. Wer aber sind nun die zwei neuen Macher und was führen sie im Schilde? Was liegt da näher, als die Beiden in einem Café uff de Nauwies zu treffen und einfach selbst zu fragen.

 

Ihr legt viel Wert auf die Einbindung ins Viertel. Wie sieht es da mit eurer eigenen Verbindung zum Viertel aus?

Frank Schilz: Mal abgesehen von meiner Schulzeit auf dem Otto-Hahn-Gymnasium, habe ich die letzten 20 Jahre hier im Viertel gelebt und mich vor sechs Jahren der Initiative Nauwieser Viertel angeschlossen. Hab‘ also schon aktiv die letzten Jahre im und für das Viertel gearbeitet und hab‘ so den Vorteil, dass ich hier im Viertel extrem gut vernetzt bin. Das ist natürlich ein Riesenvorteil, wenn die Leute schon wissen, dass man sich wirklich fürs Viertel engagiert. Jemand der von außen kommt hätte es da sicher wesentlich schwieriger.

Timo Schmidt: Ich betreibe unter anderem das Feinkost Schmidt in der Nassauer Straße, wohne seit 15 Jahren nur hundert und ein paar Meter entfernt vom Bermuda-Dreieck und hab‘ auch schon früher bei der Organisation des Festes mitgeholfen. Und davon abgesehen, würde ich ganz einfach viel lieber ins Viertel ein Bier trinken gehen, als woanders hin.

 

Wie habt ihr als Veranstalter zueinander gefunden?

FS: Der Draht zum Timo entstand über das Kulturamt der Stadt Saarbrücken. Die hatten mitbekommen, dass ich mich für das Fest interessiere und bei Oberbürgermeisterin Britz schon ein Konzept vorgelegt hatte. Timo hatte unabhängig davon bereits beim Kulturamt vorgesprochen und die haben dann realisiert, dass es vielleicht ganz sinnvoll wäre, wenn wir zusammen arbeiteten und den Kontakt hergestellt. Dann hat Timo mich auf einen ersten Kaffee eingeladen und so kam es für mich zu einer Art Idealzustand, denn ich sah mich nie als alleiniger Festveranstalter. Vielmehr als jemand, der Lust hat, schöne Sachen für die Leute umzusetzen und den dazu nötigen Freiraum, vor allem im Tagesprogramm, wird mir durch diese Partnerschaft ermöglicht.

 

Was zeichnet das „neue“ Viertelfest aus?

FS: Im Prinzip könnte man ein Stück weit sagen: Back to the Roots. Genau wie das Altstadtfest ist auch das Viertelfest vor über dreißig Jahren als Bürgerfest entstanden. Erst als die Bürger sich zunehmend aus der Organisation zurück gezogen haben und die kommerziellen Interessen in den Vordergrund traten, sind die Wirte eingesprungen. Jetzt geht es darum, die Anwohner wieder mehr einzubinden. Einzelne „neue“ Vorhaben stoßen jetzt schon auf eine erfreulich große Resonanz. Das „Dankeschön“ Frühstück zum Beispiel, zu dem stellvertretend für alle Rettungskräfte der Löschbezirk 13 der Freiwilligen Feuerwehr St. Johann als Zeichen der Wertschätzung und der Verbundenheit eingeladen wird, wird von ganz vielen Leuten mitgetragen. Das sind Punkte, die mir unglaublich wichtig sind, genau wie die Ruhezonen oder der kostenlose Velotaxitransfer, weil ich selber genug Menschen mit Handicap kenne.

TS: Ich finde, dass wir ein Bild des Festes zeichnen müssen, aus dem klar wird, dass zwar sowohl das Tagesprogramm wie auch das Abendprogramm eine Veränderung erfahren, aber das Ganze bleibt schon auch das Fest, das es mal war. Es ist nicht unsere Absicht, dass es jetzt ein Rentnerfest oder etwas ganz anderes wird.

FS: Man muss auch sehen, dass neben den Kulturbeflissenen, der größte Teil der Besucher kommt, um Spaß zu haben, zu trinken und zu feiern und das wir das natürlich auch bieten wollen. Sonst hätten wir ja nur ein Kulturfest für vielleicht 3000 Mann.

TS: Es geht um die Symbiose dieser Bereiche. Das Tagesprogramm muss kulturell interessanter werden, für Familien, für ein buntes Publikum, das mal Lust auf etwas anderes hat. Aber am Abend soll das Viertel schon explodieren.

 

Manche Ideen wie die Erweiterung des Festes in die Cecilienstraße konnten zumindest dieses Mal noch nicht umgesetzt werden?

TS: Ich hab‘ mich mit dem bestehenden Sicherheitskonzept auseinandergesetzt. Da eine räumliche Erweiterung einzuarbeiten, ist nicht einfach. Die Idee kam ursprünglich auch gar nicht von uns, sondern vom Kulturamt. Die Intention der Stadt dabei war, die Situation im Bermuda-Dreieck zu entzerren, weil es sich dort immer so ballt. Das funktioniert meiner Meinung nach aber nicht nur durch einfach mehr Fläche, sondern es muss ein zweiter „Sammelpunkt“ geschaffen werden, eine zweite Bühne zum Beispiel. Die Erweiterung hat sich aber trotzdem – zumindest für dieses Jahr – als illusionär herausgestellt. Im Moment ist es wahrscheinlicher, dass wir nächstes Jahr eine Erweiterung in Richtung Feuerwache und Landwehrplatz machen, einfach weil es da mit den Fluchtwegen besser ist.

 

Die bisherige Praxis der Standvergabe sorgte für reichlich Kritik. Was werdet ihr ändern?

TS: Ich denke nicht, dass es vollends möglich ist, diesen Prozess so transparent zu halten, dass da jeder mit zufrieden ist. Die Frage, die wir uns gestellt habe, wie kann es ein Stück weit fairer sein und sich nicht nur an der Gewinnoptimierung für den Veranstalter orientieren. Wir machen ein Fest von Saarbrückern für Saarbrücker und nicht für Schausteller von irgendwoher. Es ist für uns wirklich wichtig, dass da jetzt nicht nur blinkende Kirmesbuden irgendwelcher Energydrink-Marken stehen. Ich hab‘ im Kontext mit den Ständen ganz oft das Wort Kommerz gehört. Aber der Kostenapparat der aufgrund der nötigen Sicherheitsmaßnahmen entstanden ist, ist so gigantisch, das es praktisch unmöglich ist, so ein Fest „entkommerziallisiert“ zu betreiben. Es muss eine feste Kostenstruktur her, die dann größtenteils durch die Standbetreibern rückfinanziert wird. Und auch wenn das vielen nicht so erscheint, waren die Standgebühren vor diesem Hintergrund auch in den letzten Jahren moderat.

 

Jetzt seid ihr gut zehn Wochen mittendrin im Alltag als Festmacher. Wie viel ist da von euerm anfänglichen Elan schon auf der Strecke geblieben?

FS: Bei mir ist eher das Gegenteil der Fall. Ich hab‘ das Gefühl, dass unheimlich viele Leute mich tragen. Am Anfang war ich ein bisschen skeptisch, aber durch das positive Feedback auf viele unserer neuen Ansätze, habe ich Tag für Tag das Gefühl, wir sind auf dem richtigen Weg. Da spielt auch eine Rolle, dass wir allgemein von den beteiligten Ämtern und Behörden bis hin zu Frau Oberbürgermeisterin Britz „wohlwollend begleitet“ werden, wofür wir uns bei der Gelegenheit auch gerne mal bedanken wollen.

TS: Das sehe ich genauso. Für mich ist der ganze Prozess neu und total spannend. Ich hab‘ in den ersten Wochen schon super viel gelernt und werde das in den nächsten Wochen auch weiter tun. Ich empfinde es auch als etwas Besonders, so was veranstalten zu dürfen. Von daher ist mein Elan eher gestiegen!

 

Bis wann kann man sich noch für Stände bewerben, beziehungsweise neue Ideen einbringen?

TS: Wir wollen die Standvergabe bis Mitte Mai abschließen, bis dahin kann man sich gern noch bewerben. Es wird dann anschließend auch noch ein Nachrückverfahren geben. Für gute Ideen und Anregungen haben wir natürlich immer ein offenes Ohr auch in Hinblick auf die Weiterentwicklung des Festes in den nächsten Jahren. Einfach per Mail an info@nauwieser-fest.de.

FS: Und natürlich können wir immer noch jede Menge Helfer gebrauchen und freuen uns über jede helfende Hand!

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