• Termine, News und Wissenswertes aus Saarbrücken, dem Saarland und der Welt:

Clubzone Juli 2024

Also wir wissen ja nicht, was ihr gerade feiert, aber als diese Zeilen für die Druckerei fertig gemacht werden, gehen wir so richtig steil wegen des Gruppensiegs bei der Fußball-EM. Bleibt an dieser Stelle nur zu hoffen, dass der weitere Verlauf des Turniers genauso zum Feiern taugt. Doch auch unabhängig von der Kickerei gab’s in den letzten Wochen reichlich Anlass amtlich Party zu machen. Wie kaum anders zu erwarten, hielten die Partys und Clubnächte des gerade erst begonnen Sommers locker das, was die ausgelassenen Feierlaune in den Wochen zuvor versprach. Die Hochsaison der unterschiedlichsten Festivitäten, Konzerten und Festivals taten ihr Übriges dazu, dass in den letzten Wochen garantiert keine Feierpausen entstanden sind. Wenn auch der Wettergott nicht so ganz im Interesse der Partykultur am Start war, so musste ja beispielsweise die überaus beliebte RAUPE NIMMERSATT am SILO im Osthafen in den Juli verschoben werden, dann darf man sich über die zusätzlichen Freiluftbespaßungen auch nicht beschweren, doch wer will das schon. Aber bevor wir uns erneut der Euphorie und der Macht der Nacht hingeben, beruhigen wir uns erstmal und rekapitulieren einen der spektakulärsten Junis seit letztem Jahr in Ruhe und der Reihe nach.

   Auch bei seiner diesjährigen Ausgabe bestätigte das OSTHAFENFEST mit ganz viel Charme seine Stellung als ganz besonderes Kleinod unter den sommerlichen Vergnüglichkeiten unserer kleinen Metropole und zog auch diesmal jede Menge Vorzeigepublikum in den Saarbrücker Osten. Einmal im Jahr verwandelt das Osthafenfest, ganz im Stile eines subkulturelles Stadtfest, das Gelände rund um Rhenania-Gebäude und Silo in einen wirklich zauberhaften Ort mit Musik, Performance, Kulinarischem und vielem mehr. Die Mischung aus Flohmarkt, Foodfestival, Zirkus, Konzert und Party bot zwei volle Tage und Nächte bietet im Hafen der Liebe alles, was man sich zum Kurzurlauben wünscht. Nicht, dass der Osthafen auch sonst immer einen Abstecher wert ist, aber dieses Fest war auch diesmal richtig extraklasse! auch sonst. Die Party hatte nicht nur ein exzellentes DJ-LineUp mit u.a. den Daniel Sentinel, Kronik, Henk de Tenk und den Osthafen Allstars. Getragen von dieser Energie waren auch die folgenden Wochen ein Fest voller Osthafen, Sommer, Sonne und Techno. Wir freuen uns wie Bolle!

   Dass am CSD SAAR-LOR-LUX 2024 Wochenende mit richtig Schmackes gefeiert wurde, stellte nun wirklich keine Überraschung dar. Unter dem Motto „25 JAHRE UND KEIN BISSCHEN LEISE“ wurde ein ganzes Wochenende gefeiert. Höhepunkt neben der CSD Benefiz WARME NÄCHTE PRIDE EDITION in der GARAGE am Samstag war natürlich die CSD Parade am Sonntag mit einer neuen Streckenführung, die bestens angenommen wurde. Im Anschluss wurde wie in jedem Jahr auf der Festmeile in der oberen Mainzer Straße nach Kräften weitergefeiert. Das hat neben rekordverdächtig vielen Zuschauern natürlich auch reichlich Partypeople anlockte. Es war eine große Freude, endlich wieder eine große, bunte und diverse Menschenmasse nach allen Kräften feiern zu erleben. Highlight der Redaktion war der heimliche Superhit der Straßenparty, der vielleicht saisonal etwas verrutscht ist, aber warum nicht auch im Juni schon mit Mariah Carrey’s „All I want for christmas“ an Weihnachten denken. Schade, dass die Mainzer Straße nur einmal im Jahr für den Verkehr dichtgemacht wird.

   Das BLAU ging mit tropischen Temperaturen und tropfender Decke richtig steil, als ob das in den letzten 24 Jahren mal anders gewesen wäre. Der Hitze Abhilfe verschafften mehrere Runden Wassereis die ganze Nacht durch und etliche neue Ventilatoren. Wer nicht genug bekommen kann, kann sich tagsüber im längst wieder eröffneten CAFÉ BLEU austoben. Im Keller waren derweil alle Partys brutal stark, von FLAVA FÜR DIE RAVA, WILD und GET LUCKY bis zum Dauerbrenner MISCHMASCHCLUB. Ansonsten stecken die BLAUen Macher knöcheltief in den Planungen das BLAU OPEN AIR beim ALTSTADTFEST auf dem Kaltenbachplatz und fürs NAUWIESER VIERTELFEST – und worauf wir uns wohl alle massiv freuen! 

   Das SEVEN stand auch diesen Juni wieder für exzessive Partynächte und es ließ sich Woche für Woche bei gewohnt guter Musik stilecht abtanzen. Gespickt wurde das Ganze von Specials, die wöchentlich variieren. Wechselnde Getränkespecials, mottogerechte Deko und Special Acts sorgten für die beste Abwechslung, wie man sie sich wünscht. Anfang Juni gab’s gleich das erste Ausrufezeichen mit der GIRLS WANT GIRLS on Stage, doch auch die regelmäßigen Feiertermine standen in Sachen guter Laune dem in nichts nach! Trotz hohen Temperaturen haben die Massen es mal wieder geschafft den Laden noch mehr einzuheizen. Der Monat ging dann brutal feiermäßig mit echten Höhepunkten wie der SIXX PAXX Clubtour und der SHE / HER weiter.

   Im Club der Superlative, dem APARTMENT, wiederum, war der Juni von jeder Menge Specials und tollen Veranstaltungen bestimmt! Der Monat war nicht nur der heißeste, sondern auch der fetteste Monat bis jetzt. Woche um Woche und vor allen Feiertagen wurde dort so eskaliert, dass beispielsweise bei der OLDSCHOOL der riesige Spiegel auf dem zweiten Floor aus seinen Halterungen sprang und notgesichert werden musste. Zahlreiche bekannte Gesichter der Saarbrücker Party Szene und viele neue Partygänger feierten zu diesem besonderen Anlass ohne Rücksicht auf Verluste! Dabei hatte der Monat schon krass begonnen, denn den Anfang machte der (laut Eigenwerbung) „beste DJ Deutschlands“ DJ Juizzed mit der krassesten Beats Club Music im Gepäck. Die Partylaune auf Endgegnerlevel zeichnete auch die Klassiker WE ARE #2000 & #2010 BLACK EDITION, THE GREAT 80900 und FLAWLESS aus. Kurz, das APARTMENT hat jedem auch in den letzten Wochen die perfekte Möglichkeit geboten, das Leben und die Liebe zu feiern!

   Das EGO stand auch im Juni wieder für exzessive Partynächte und es ließ sich Woche für Woche bei gewohnt guter Musik stilecht abtanzen. Gespickt wurde das Ganze von Specials, die wöchentlich variieren. Wechselnde Getränkespecials, mottogerechte Deko und Special Acts sorgten für die beste Abwechslung, wie man sie sich wünscht. Pünktlich zu Monatsbeginn gab’s gleich das erste Ausrufezeichen mit der IF YOU KNOW YOU KNOW, doch auch die regelmäßigen Feiertermine wie EGO SATURDAY und LEVEL standen in Sachen guter Laune dem in nichts nach! Trotz hohen Temperaturen haben die Massen es mal wieder geschafft den Laden noch mehr einzuheizen. Der Monat ging dann brutal feiermässig mit echten Höhepunkten wie der TWERK LIKE THIS weiter. Den vielbefeierten Abschluss machten dann die PINK FRIDAY und die FEMME FATALE. Also ein Partymonat, der keine Wünsche offenließ – und der Juli wird genau so weitergehen, zum Glück!

   Nachdem sich das STUDIO 30 im Juni nach der erfolgreichen Premiere der HERTZBLUT Party mit DJ Gönz und dem ausverkauften Konzert der in Berlin lebenden Becks eine kleine Verschnaufpause genehmigt hat geht es im Juli mit frischer Energie weiter. Jetzt schon heißes Thema der Gerüchteküche THE BITE CLUB, ebenfalls mit DJ Gönz und dann mit der ROAD TO WACKEN Warm Up Party die passende Einstimmung auf das größte Metal-Festival der Welt.

   Zum guten Schluss ausnahmsweise ein klitzekleiner Blick in die Zukunft, aber das aus ganz besonderem Grunde. Ende dieses Monates wird zur großen Freude ungezählter Saarländer endlich nochmal das NAUWIESER VIERTELFEST stattfinden. Das allein wäre ja schon mehr als ausreichend für ungebremste Begeisterung, doch da gibt es noch ein Detail, dass eine ganz spezielle Bedeutung hat – und das nicht nur partytechnisch. An der gewohnten Stelle unweit der Ecke Cecilien- und Försterstraße wird wieder der MAGNET Stand Cocktails, Drinks, Bierchen und elektronische Tanzmusik zum Festgeschehen beisteuern. Dieses Kleinod des korrekten Technobass im Meer der Blues-Rock-Schwemme auf dem Restfest wurde einstmals vom unvergessenen Klaus Radvanowsky ins Leben gerufen und jetzt von seiner besseren Hälfte Andrea R. fortgeführt. Wir sind natürlich auch dieses Jahr dabei!

In diesem Sinne, take care   J.K.T.

Die beißt nicht, die ist gutwütig

Hallo Mikrokosmonauten: Wann ist der Siedepunkt erreicht?

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber in meinem Leben kämpfe ich seit jeher gegen Wutanfälle. Mit den Jahren treten sie nicht mehr ganz so plötzlich auf, aber sie sind nicht weniger intensiv. Vielmehr brodelt es mittlerweile lange Zeit in mir, wie in einem Vulkan. Und irgendwann ist der Point of no return erreicht und ich kann einfach nicht mehr. Und wehe, es befinden sich in diesen Momenten Menschen um mich herum. Beim Ausbruch des Vulkans „El Melmokosmopetel“ wird alles niedergewalzt, was sich in meinem unmittelbaren Umfeld aufhält. Dann kann ich für nichts mehr garantieren. Ich werde laut. Ich werde giftig. Ich drehe so richtig schön durch!

Zu Recht!

Ich finde, es ist eine regelrechte Challenge, heutzutage immerzu ruhig und gechillt zu bleiben. Zumindest angesichts der Ignoranz, der Trägheit, der Inkompetenz und der Drückeberger-Mentalität, die mir da draußen tagtäglich begegnen. Deutsche Gründlichkeit trifft auf verstaubte Bürokratie, wo immer und wann immer etwas im Flow sein sollte. Überall Barrikaden, ständig Ausbremsung in Form von erhobenen Zeigefingern. Obacht! Bloß immer alles korrekt halten. Immer erst zig mal absichern, bevor etwas passiert. Meetings, in denen besprochen wird, wann das nächste Meeting stattfindet. Worte bloß immer mit Bedacht wählen, denn es könnte einem ja negativ ausgelegt werden, wenn man direkt zur Sache kommt. Systemtreue in allen Bereichen, selbst morgens beim Bäcker.

Und ich werde nicht entwutigt!

Manchmal, wenn ich alleine Auto fahre, schreie ich einfach drauf los! Mittlerweile habe ich daraus einen regelrechten Sport gemacht. Ich fahre auf der Autobahn – natürlich so, wie es mir die Schilder befehlen: 300 Meter 100 km/h, dann 400 Meter 80 km/h, dann wieder 1.000 Meter 120 km/h… Hach, wie liebe ich unseren Schilderwald … und schreie einfach nur. Ich fordere mich heraus. Schaffe ich es, die kompletten 1.000 Meter schreiend durchzuhalten? Also das Teilstück der A620 mit den 60 km/h schaffe ich bereits! Sofern ich etwas schneller fahre…

Wut - Am allerschlimmsten ist es, wenn ich an Autoritäten denke. Also Leute, die mir etwas zu sagen haben. Denn da muss ich mindestens genauso korrekt bleiben, wie ich es bei anderen so sehr hasse. Wutproben ausgeschlossen!

Ich wünschte mir früher manchmal, dass die Produktion von „Verstehen Sie Spaß?“ mich als Lockvogel engagiert. Ich stellte mir vor, wie ich mich selbst spielen würde und wie ich ins Büro meiner Chefin platzen und dort einfach für absolute Eskalation sorgen würde. Natürlich würde ich ihr unangenehme Fragen stellen oder mich ausziehen und auf seinem Tisch tanzen! Ihr müsst wissen, dass ich früher einmal eine seltsame Chefin hatte. Meistens trug sie zwar eine Tarnkappe, war also oft unsichtbar und schwer zu greifen. Wenn es darum ging, Tacheles zu reden, ließ sie sich nicht mehr blicken und war nicht mehr erreichbar. Und trotzdem schwebte sie stets wie eine dunkle Wolke über uns allen und wurde man dann tatsächlich mal zum Gespräch gebeten, ging es ihr um Dinge wie die Teilnahme an irgendwelchen Schulungen, die so fern vom Stern waren und es eigentlich zig andere Themen waren, die uns akut unter den Nägel brannten. Hach, was hätte ich darum gegeben, damals genau diesen Terror-Lockvogel spielen zu dürfen, den ich vorhin beschrieb! Ich weiß nicht, wie lange ich tatsächlich mit meiner Rolle durchgehalten hätte, aber spätestens beim „Tabledance“ hätte ich mit mir kämpfen müssen, um die Sache nicht aufzuklären. Aber ich frage mich: Wäre das nicht eine prima Konfrontations-Therapie gewesen?

Gewiss. Es gibt nicht umsonst sogenannte Wut-Seminare. Ich habe mich darüber schlau gemacht und herausgefunden, dass man in Wut-Seminaren sehr viel über sich selbst lernen kann. Im Großen und Ganzen geht es aber um Klarheit, Kraft und Grenzen. Und darum, dass unterdrückte Wut eben nicht die beste Option ist, wenn man körperlich und seelisch gesund bleiben möchte. Viele Krankheiten rühren von unterdrücktem Groll. Magengeschwüre und sogar Brustkrebs können Auslöser dafür sein, dass man Wut-Gefühle zu lange unter Verschluss hielt.

Ärger und Wut an falschen Stellen rauszulassen sind aber mitunter ebenso kontraproduktiv. Partner und Freunde haben es nicht verdient, unseren Frust abzubekommen, wenn es eigentlich an anderer Stelle hakt.

Wie man es dreht und wendet: Wut, Groll und unterdrückter Ärger rauben uns unsere Lebensqualität. Ich müsste zuweilen ständig Tänze auf Tischen veranstalten, um meiner Wut Ausdruck zu verleihen und um mich abzureagieren. Aber ich habe in gewissen Situationen meines Lebens eingesehen, dass es besser ist, den „Aus-dem-Weg-Geh-Tango“ zu tanzen. Denn sich auf gesunde Art und Weise abzugrenzen, ist für das eigene Wohlbefinden gar nicht mal so schlecht.

Wut und Ärger wohnen in der Angststraße

Machen wir uns nichts vor: Angst, Einsamkeit und Trauer legen oft den Grundstein, so dass sich irgendwann alles in diesem Vulkanausbruch entlädt. El Melmokosmopetel gehört zwar zu mir wie all meine anderen guten und schlechten Eigenschaften, aber manchmal bricht er aus, weil ich mich schlichtweg ohnmächtig fühle angesichts all der Stürme, denen ich da draußen tagtäglich trotzen muss.

Mit seiner Wut zu arbeiten, bedeutet also in erster Linie, all den anderen Gefühlen Raum und Platz zu geben. Ich bin der Meinung, dass wir alle gelegentlich in uns hineinhören sollten, nachdem wir mal wieder vor Wut geplatzt sind. Es gilt, eine innere Balance herzustellen zwischen all diesen Emotionen, die uns befallen.

Am Ende ist es doch so: Mein Wut-Seminar besteht im Moment noch darin, weiterhin während der Autofahrt einfach draufloszuschreien! Wenn man mich nun für verrückt erklärt, dann ist das eben so. Solange es mir hilft, halbwegs im Flow zu bleiben, ist alles gut. Außerdem kommt bei dieser Art der Kompensation niemand zu schaden. Und für alle Hitzköpfe da draußen gilt: Wenn ihr euch mal wieder über all die größeren und kleineren Fails in dieser Welt aufregt, kurz vorm Explodieren seid oder am liebsten jemandem eine knallen würdet: Es gibt eine Wut, die für uns alle glimpflich ausgehen könnte.

Die Feierwut!

Denkblogade

Wer ist beim Kramen nicht auch schon einmal auf ein paar alte Schulbücher gestoßen, die man einst mit der festen Überzeugung behalten hatte, sie irgendwann sicher noch einmal brauchen zu können. Leider war in der Zeit, als bei mir Deutsch- und Erdkundebücher zuerst in Kisten und Schränken und danach aus Augen und Sinn verschwanden, nicht absehbar, dass sich wenig später sowohl die Rechtschreibung als auch die Atlaskarten derart verändern würden, dass ich mein mühsam erlerntes Wissen darüber, welche Wörter und Länder zusammengehören und welche getrennt werden, nicht mehr nutzen können würde. Ganz zu schweigen von den Schulunterlagen, die bis heute schwarz auf weiß behaupten, S und T wären nie getrennt, Berlin und Deutschland dafür aber schon…

Wer hätte Ende des letzten Jahrhunderts, als die Anzeige des Radioweckers noch so ziemlich das einzig Digitale im Alltag war, gedacht, dass bloß eine Generation später zwei Minuten im Internet mehr Informationen liefern würden als zwei Stunden in einer Bibliothek. Auch wenn Bücher gegenüber digitalen Dokumenten Vorteile haben, wenn Tischbeine zu kurz sind, hat die Schnelllebigkeit dazu geführt, dass Neuigkeiten mittlerweile so rasch altern, dass sie es gar nicht mehr aktuell aufs Papier schaffen. Wen interessiert noch das Wetter aus der Zeitung, wenn das Smartphone die Vorhersage minütlich aktualisiert? Die Welt dreht sich heutzutage so schnell, dass die Zeitung vom Morgen bereits am selben Abend nur noch so aktuell ist wie das Geschichtsbuch aus der achten Klasse…

Wer über 30 oder gar 40 ist, stellt fest, dass außer der Anzahl an Kontinenten und Weltkriegen nicht mehr viel von dem stimmt, was man einmal in der Schule gelernt hat. Es interessiert heute niemanden mehr, dass dass daß hieß und man früher Albträume nur im Schwäbischen hatte. „Bitte“ und „Danke“ stehen längst auf der Liste der Worte, die aus dem Duden gestrichen werden können, da sie niemand mehr nutzt. Selbst das Rechnen hat sich verändert. Kaufte Oma Elfriede früher 10 Kilo Äpfel für einen Euro pro Kilo, war 10 Euro die einzig richtige Antwort auf die Frage, was sie zahlen muss. Heutzutage sind 9 Euro ebenso korrekt, da selbst Oma nicht mehr auf dem Markt einkauft, sondern im Internet mit Rabatt bestellt und sie dank Versand das Kernobst nicht mehr selbst nach Hause schleppen muss…

Aus alledem kann man lernen, dass es nichts bringt, Schulsachen ewig aufzuheben, vor allem aber, dass man – wenn einem einmal Kram aus vergangenen Tagen in die Hände fällt – diesem keine allzu große Bedeutung mehr beimessen sollte. Das gilt für Uropas Deutschlandkarte von 1935 ebenso wie für eigene Liebesbriefe aus der Mittelstufe. Vor allem aber gilt es für Notizen, in denen man während langweiliger sechster Stunden seinen pubertären Weltschmerz zu Papier brachte und sich darüber beklagte, dass die süße Sandra mit dem doofen Thorsten zusammen ist. Seiner Zeit fand man es aus subjektiver Sicht eines Heranwachsenden gut, Gefühle aufzuschreiben, heutzutage aus objektiver Sicht eines Erwachsenen allerdings besser, dass diese Gefühle nie jemand zu lesen bekam…

Anders als früher, als man seine Gedanken einzig für sich selbst auf einen Block schrieb, schreibt man diese heute für die ganze Welt lesbar in einen Blog und philosophiert für die gesamte Menschheit im Internet einsehbar darüber, ob Rasenmähen nun Mord an Pflanzen ist oder warum es moralisch nicht mehr vertreten werden kann, einen Schokokuss Mohrenkopf zu nennen. War ein Tagebuch einst etwas Privates, was niemand lesen durfte, ist ein Weblog heutzutage etwas Öffentliches, was jeder lesen soll. Dieser Ansicht sind zumindest Blogger, die der festen Überzeugung sind, diese Welt besser zu machen, wenn sie über die Laune ihres Wellensittichs berichten, den Bräunungsgrad ihres Frühstückstoasts posten oder zur Diskussion anregen, welcher Toilettenreiniger am besten riecht…

Eines der größten Probleme der digitalen Zeit ist wohl die inflationäre Verbreitung von Meinungen, die für den Fortbestand der Menschheit völlig irrelevant sind, aber im Internet auf ewig verbleiben wie ein Rotweinfleck in einem weißen Hemd. Während in analoger Zeit peinliche Texte und Fotos irgendwann in Vergessenheit gerieten und in einer Kiste verschwanden, ist in digitaler Zeit an ein Vergessen und Verschwinden in der Cloud nicht zu denken. War man früher noch selbst Herr der Entscheidung, was im Papierkorb landet und was aus diesem wieder herausgeholt wird, hat man diese Kompetenz heute längst an Google und Co. abgegeben. Und die sind auch nicht besser als die eigene Mutter, die früher auch stets betonte, nichts mitzulesen, am Ende aber doch über alles Bescheid wusste…

Viele geben sich heutzutage nicht mehr damit zufrieden, eine Meinung zu haben. Sie möchten auch, dass jeder diese Meinung kennt. Wer früher halbgare Parolen auf Toilettentüren schrieb, kommt heute nicht mehr ohne Smartphone aus. War Influenza einst eine Krankheit, sind Influencer mittlerweile eine Plage. Beide sind lästig und verbreiten sich schneller als man etwas gegen sie tun kann. An die Stelle seriöser Textbeiträge in Fachzeitschriften sind reißerische Netzkolumnen und Reels getreten, die durch Clickbaiting Werbeeinnahmen generieren sollen oder Schwurbler anlocken. Mittlerweile gibt es für alles Vorstellbare und für noch viel mehr Unvorstellbares Blogs, Vlogs und Podcasts, bei denen um Likes gebettelt und sich multimedial prostituiert wird, um an das Geld der Abonnenten zu kommen…

Die Gefahr der Meinungsbildung durch gefährliches Halbwissen ist dank des Internets heute größer als früher, als Blödsinn nur unter denen verbreitet wurde, die in der Schule voneinander abschrieben. Resultat sind immer mehr „urbane Legenden“, also Unwahrheiten, von denen viele glauben, sie seien wahr. Zum Beispiel, dass Kühe ertrinken, wenn sie weiter als bis zum Euter im Wasser stehen, da sie keinen Schließmuskel besitzen. Oder dass Ostdeutschland kein Nazi-Problem hat. Verwerflich ist nicht, solche Fakes im Netz zu verfolgen, sondern diese dort weiterzuverbreiten. Wer im Internet bei der Suche nach dem nächsten Präsidenten der USA neben Joe Biden und Donald Trump auch Homer Simpson genannt bekommt, sollte zumindest skeptisch sein. Am besten bei allen drei Antworten…

Die Hoffnung, von der vermeintlich allwissenden Internetgemeinde bei einer wichtigen Frage die richtige Antwort zu bekommen, wird oft enttäuscht. Wie Religionen und Bedienungsanleitungen liefert auch das Internet nur wenig wirklich brauchbare Ratschläge. Anders als in der Schule, wo derjenige sich meldete, der eine Antwort wusste, ist es im weltweiten Netz üblich, zu kommentieren, dass „das eine gute Frage“ sei, die man sich „auch schon gestellt“ hat, deren Antwort man aber „leider auch nicht weiß“. Es mangelt dem Internet nicht an Antworten, jedoch leider an den richtigen Fragen, die zu den Antworten passen. Früher war man still, wenn man etwas nicht wusste, um nicht aufzufallen. Heute kommentiert man, wenn man etwas nicht weiß, um aufzufallen…

Letztens suchte ich bei einem Problem mit dem Web-Browser Hilfe in einem Blog. „Bibi_Blogsberg“ ließ mich wissen, dass sie lieber badet statt zu brausen und keine Ahnung über Software, dafür aber Lust auf Softeis hat. „Sun Blogger“ fragte mich, ob ich nicht doch weiblich bin und Lust auf ein Treffen hätte und „Jenny from the Blog“ bot mir günstige Markensonnenbrillen an. Die Antwort von „Blogflöte“ war da noch am hilfreichsten, die mir vorschlug, ich solle doch mal googeln. Am Ende hatte ich keine Antwort, aber eine Erkenntnis: Irgendwie ist das Internet wie meine alten Schulhefte: Voller Rechtschreibfehler und Texte, die einem im Leben nicht weiter helfen. Da muss man einfach blogger bleiben. Denkblogade…gruenetomaten@live-magazin.de.

Patrik Wolf

P.S. Gibt es im Internet eigentlich ein Forum für Schwangerschaftsverhütung mit Namen „Spiralblog“?

Hauptsache Gudd Gess?

Speisegastronomie im Umbruch

Als Ende Mai in Saarbrücken das plötzliche Aus des Restaurants „Herzenslust“ im Nauwieser Viertel und das angekündigte Ende der „Bistronomie Jouliard“ auf dem Rotenbühl bekannt wurden, war die Verwunderung groß. Auch wenn beide Fälle nichts miteinander gemein haben, stellt sich die Frage, ob die Gastronomie im Saarland generell ein Problem hat.

In der saarländischen Gastronomie ist dieses Jahr vieles anders. Schon Beginn des Jahres mehrten sich die Befürchtungen, dass das Auslaufen der Corona bedingten Mehrwertsteuer-Absenkung nicht ohne negative Auswirkungen vonstatten gehen würde. Tatsächlich sah es damals so aus, dass sowohl Gäste wie Gastronomen die veränderte Situation überstehen würden. Das Verständnis für die nötig gewordenen Preisanpassungen, sowie das Fingerspitzengefühl der Wirte bei der Umsetzung gab Anlass zu Optimismus.

Jetzt allerdings, ein knappes halbes Jahr später, häufen sich Berichte von Gastronomen, die sich aus ihren eigentlich gutgehenden Geschäften zurückziehen. Darunter ist der Saarbrücker Wirt Florian Bassler von der „Ilse“ am Ilseplatz und Karl Fluhr vom „Jouliard“ in der Scheidter Straße, der gerade erst einen Bib Gourmand vom Guide Michelin bekommen hat. Die Liste von beliebten Lokalen verschiedenster Ausrichtung, die praktisch von jetzt auf gleich aufgegeben haben, wie das „Herzenslust“ am Nauwieser Platz oder „Chez Jérôme“ und „D’s Burgers“ in der Mainzer Straße, wird scheinbar immer länger. Andererseits machen aber im selben Zeitraum erfolgreiche Neueröffnungen von sich reden, wie das „Bar Centrale di Aromi“ im Unique Cube, oder schreiben ihre Erfolgsgeschichte fort, wie Jens Jakobs „Le Comptoir“ in der Nauwies oder das jetzt sogar mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete Restaurant „Midi“ in Rohrbach mit Chefkoch Peter Wirbel.

Ist das alles nur eine Anhäufung von persönlichen Schicksalen, Stress mit Vermietern und Hauseigentümern, im Zweifelsfalle auch branchenüblichen kaufmännischen Fehlern, bis hin zur Verkettung einfacher Zufälle, oder zeigt sich hier eine echte Krise im System? Fordern die höheren Energiekosten, der permanent steigende Mindestlohn, das fehlende Personal und die wieder angehobenen Mehrwertsteuer jetzt ihren Tribut? Wir Saarländer sind stolz auf unsere kulinarische Errungenschaften, wie die meisten Michelin-Sternen pro Einwohner bis hin zur vielleicht besten Currywurst der Republik. Sollte uns diese mögliche Entwicklung eventuell doch die ein oder andere Sorgenfalte auf die Stirn zaubern und sei es nur um rechtzeitig dagegen zu wirken? Mehr ausgehen, essen und trinken sollten wir zur Not doch noch hinkriegen oder anders gesagt: gudd gess hann mir schnell!

Aber bevor jetzt überall die Alarmglocken schrillen, sollten wir auf jeden Fall die Situation mal gründlich in Augenschein nehmen. Entsprechend haben wir mit denen gesprochen, die es wissen müssen, und bei bekannten Chefs und Betreibern nachgehört, wie es um ihre Erfahrungen und Einschätzungen zur Situation der Speisegastronomie im Saarland aussieht und wo die Reise ihrer Meinung nach hingeht.

Obwohl Florian Bassler, ehemals „Ilse am Ilseplatz“, schon zu Jahresbeginn als Erster für 2024, seinen Ausstieg aus der Gastronomie bekannt gab – und das bei wirklich gut laufenden Geschäften. Seine Beweggründe lagen nicht in einer Krise der Branche, sondern waren ganz persönlicher Natur:

„Als ich 2018 den Laden übernahm, war der relativ weit unten. Ich habe mir ein paar Ziele gesetzt und gesagt, ich will aus dem Laden einen gemütlichen Ort schaffen, der wieder funktioniert. Die Ziele hatte ich dann irgendwie erreicht und hätte mir neue setzen müssen. Dazu hatte ich aber nicht mehr die Energie und hab‘ dann gesagt, komm‘, ich bin hier auf dem Höhepunkt und habe meine Ziele erfüllt. Damit bin ich glücklich und jetzt kann ich aufhören.“

Doch natürlich hat er weiterhin Einblick in die Branche und Kontakt zu befreundeten ehemaligen Leidensgenossen. Er sieht die fast gleichzeitigen Schließungen eher zufallsbedingt: „Natürlich hat es die Gastro nicht einfach. Ich höre, dass für viele gerade im Moment tatsächlich das Personalthema das Anstrengendste ist, was mich auch damals zum Teil dazu bewogen hat, aufzuhören. Die Personalproblematik, genauso wie die Energiekosten, das ist schon ein Problem. Das kann man auch nicht ganz von der Hand wischen. Allerdings hat der ja nicht nur die Gastronomie mit zu kämpfen.“

Und er sieht noch eine weitere Ursache für geschäftlichen Unbill, die allerdings auch nicht für einen aktuelle Fehlentwicklung spricht, sich zudem aber kaum abstellen lassen wird: „Jeder Gastronom mit einer Außenbestuhlung jammert im Moment auch über das Wetter. Zu Recht. Der Sommer ist eigentlich dafür da, um den Winter aufzupuffern. Und das fehlt im Moment. Ein guter Laden läuft ja auch, wenn das Wetter nicht so gut ist. Nur wenn du jetzt beispielsweise so einen Laden wie die Ilse hast, bist du auf das Sommergeschäft angewiesen. Das ist wie mit einer Eisdiele. Du hast im Sommer deutlich mehr Umsatz, doch den brauchst du, um den Winter zu überstehen. Aber das Wetter ist ja wirklich nur ein Luxusproblem und nicht ein Grund, dass im System irgendwas faul wäre.“

Ein grundlegendes Problem kann auch Jens Jakob vom „Le Comptoir“, der mit seinen Restaurants „Le Noir“ und „JJ“ in der Vergangenheit wiederholt zwei Michelin-Sterne erkocht hat, nicht entdecken. Bei ihm ist von Krise keine Spur: „Ich habe nichts gemerkt davon. Also ich muss sagen, ganz im Gegenteil, ich habe sogar Zugewinne im Vergleich zum letzten Jahr und hatte wirklich fantastische acht, neun oder zehn Monate jetzt. Liegt zum Teil auch daran, dass ich mein Restaurant jetzt voller mache, aber trotzdem merkst du einfach, es läuft eigentlich besser. Und um das voller zu machen, muss ja auch das Interesse der Leute da sein. Das war zwar vorher mit Sicherheit schon da habe ich halt nur immer Stopp gesagt. Genau. Und jetzt? Jetzt mache ich jeden Tisch voll. Trotzdem ist die Nachfrage enorm, muss ich ehrlich sagen. Also ja, es ist definitiv stärker als noch vor der Umsatzsteuer Erhöhung.“

Schwierigkeiten in der Branche sieht er allerdings eher hausgemacht und eher in den wirklichen Großstädten: „Was ich viel mitbekomme sind Probleme in Berlin. Da geht es halt mancherorts bergab wie Wahnsinn, was in erster Linie an einem Überangebot besonders im gehobenen Bereich liegt. Da liest du von Konzeptumstellungen und sogar von Versuchen die Sterne loszuwerden. Es wird alles Mögliche versucht, mit ungewissen Resultaten.“

„Es gibt auch zu viel Internet“

Peter Wirbel, dessen Restaurant „Midi“ in St. Ingbert-Rohrbach gerade mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde, kann sich auch nicht beklagen: „Ich glaube, manchmal will man zu viel und verwirrt die Gäste ein bisschen mit zu viele Karten, zu viele Aktionen. Es gibt eben auch zu viel Internet! Seit wir den Stern haben, ist es so, dass wir jetzt halt auf längere Zeit ausgebucht sind als vorher, wobei unsere Auslastung auch zuvor schon sehr gut war. Wir konnten jetzt natürlich schon an ein paar Schräubchen drehen, sind beispielsweise noch ein bisschen aufwändiger geworden im Amuse-Bereich. Das wollte ich bereits die ganze Zeit schon umsetzen, nur hat da die Manpower gefehlt. Jetzt waren wir in der Lage uns zu verstärken und können wir die Dinge umsetzen, die vorher nicht möglich waren.“

Als Grundlage für gastronomischen Erfolg sieht Wirbel prinzipiell sogar einen Standortvorteil im Saarland, da hier bekanntermaßen eine solide Wertschätzung für gutes Essen herrscht, unabhängig nötigen Preisanhebungen wegen Steueranhebungen und gestiegenen Produkt-, Personal-  und Energiekosten: „Die saarländischen Gäste, und das muss man halt auch genauso sagen, sind immer noch bereit, für gutes Essen auch immer noch gutes Geld zu bezahlen. Da haben wir das Glück, dass wir hier in der Region diese Esskultur irgendwie in uns drin haben. Das ist auch genau mein persönliches Ding. Ich gebe lieber ein, zwei Euro mehr aus und habe dafür aber eine wirklich gute Qualität. Das muss auch gar nichts Übertriebenes, kein Drei-Gänge-Menü sein. Wenn ich in der Stadt unterwegs bin und Hunger habe, dann hole ich mir halt eine Pizza vom „Gotti“ oder gehe zum „Kalinski“. Ganz einfache aber superleckere Sachen, die vielleicht 50 Cent mehr kosten, aber trotzdem preiswert, im wahrsten Sinne des Wortes. Diese Einstellung findet sich bei immer mehr Gästen, die für ein stimmiges Angebot im Zweifelsfalle auch bereit sind, ein paar Meter zu fahren. Manchmal staune ich schon, wenn ich nachhorche, wo die Leute herkommen. Und das gilt für alle sozialen Schichten. Früher waren es eher Gutbetuchte oder Akademiker, die mal ein Sternerestaurant ausprobiert haben, das hat sich gewandelt, was ich sehr cool finde.“

Jens Jakob sieht die Preisgestaltung beim „Fine Dining“ aber auch kritisch: Für mich ist die Ursache für Probleme Einzelner in der Branche auch ganz klar die Kostenentwicklung für den Gast. Wenn du dir anschaust, dass ich früher mit zwei Sternen das Menü für 129 Euro verkauft habe, der Gast aber heute unter 250 Euro kein Zwei-Sterne-Menü mehr kriegt, ist das schon problematisch. Ich finde, das ist etwas zu viel geworden. Muss es denn immer Hummer und Kaviar sein? Können wir nicht auch anders kochen? So wie jetzt ist, ist es echt schwierig. Es sind einfach zu hohe Betriebskosten, zu hohe Personalkosten, fertig, aus. Das rechnet sich für viele einfach nicht mehr.“

„Sorry, aber in ganz Deutschland will keiner mehr arbeiten“

Was diese Branche mehr als andere auszeichnet, sind die enormen auch persönlichen Belastungen, denen sich Gastronomen tagein tagaus stellen müssen, von den Arbeitszeiten bis hin zur Komplexität des Jobs. Alles Faktoren, die viele Gäste gar nicht sehen und die die Ursache für so manche Geschäftsausgabe sein können. Jens Jakob spricht auch hier Klartext: Es versteht auch keiner diese Opfer, die wir in der Gastronomie bringen, Und dann kriegst du noch gesagt: Du hast dir doch ausgesucht. Ja, schon, wir leben aber heute in einer ganz anderen Zeit. Sorry, aber in ganz Deutschland will keiner mehr arbeiten. Und von uns verlangt man immer noch von mittags und abends bis nachts 70, 80 Stunden die Woche zu rackern. Und das höre ich von allen Kollegen raus!“

Ganz ähnlich beurteilt Florian Bassler die Situation, auch aus eigenen Erfahrung: „Als inhabergeführtes Restaurant ist es halt super aufwendig und super schwierig. Dazu kam, dass es mir immer schwergefallen ist, selber nicht vor Ort zu sein, weil ich immer gerne da war und immer gerne 80 % Stammkundschaft hatte. Ich kannte die mit Namen, ich wusste, was die trinken und was die essen. Aber so einen Zeitaufwand über so viele Jahre zu betreiben ist super schwierig.“

„Das ist die alte Leier,“ ergänzt Jens Jakob „,die Familienbetriebe laufen. Wo Herzblut hinten dran steckt, wo der Gastgeber eine Persönlichkeit ist, die Gäste begrüßt und einfach nett ist. Es geht nur noch um die Person. Wer empfängt sich da? Wer ist der Gastgeber. Der Chef im Haus ist immer wichtiger!“

Alles Belege dafür, dass die Gastronomie alles andere als eine einfach Branche ist. Unterm Strich lässt sich aktuell kein systemisches Problem der Speisegastronomie erkennen - Gott sei Dank! Aber ganz offensichtlich sind die Anforderungen gerade in letzter Zeit um einiges schwieriger und vielfältiger geworden und dies auf dem Hintergrund der bekannt schwierigen Kostenentwicklung. Eine Lehre daraus fasst Peter Wirbel zusammen: Viel, wenn nicht alles, hängt von den individuellen und unverwechselbaren Angeboten der einzelnen Lokale ab, was die anbieten, wie sie es anbieten. Und ich glaube, wenn man sich wirklich aufs Wesentliche fokussiert, und das ist in erster Linie immer das Kochen, dann hat man mehr als nur eine Chance. Die Gäste kommen in erster Linie wegen des Essens, wollen dann natürlich noch einen tollen Wein und tollen Service dazu haben, was eben auch einen ultragroßen Stellenwert hat. Ich glaube, wenn man sich aktuell darauf am meisten konzentriert und dann abliefert, dann hat man gute Chancen, dass es gut läuft. Eigentlich ist es ganz einfach: das Wichtigste, was wir in der Gastronomie machen müssen, ist den Leute einen Grund zu geben, uns zu besuchen und sie dann davon zu überzeugen, dass die Gäste uns auch wieder besuchen.“

Krimirätseltouren im Saarland

In Saarbrücken und St. Ingbert bieten sich dieses Jahr die Chancen auf spannende Rätsel-
Schnitzeljagden im Freien. Die „Stadtrallye mit Sighseeing“ in Saarbrücken führt über die Stationen
Rathaus, St. Johanner Markt, Alte Brücke, Schlosskirche und Schloss zum Ludwigsplatz. Das
prächtige Denkmal des Fürsten von Nassau-Saarbrücken ist verschwunden und einige historische
Personen sind höchst verdächtig. Scheinbar sprechen hier alle in Rätseln – es braucht also kluge
Köpfe, um die Geheimnisse in diesem Fall zu entschlüsseln. Ebenfalls fünf bis sechs Stunden dauert
die Stadtrallye „St. Ingbert mit anderen Augen“ mit der Suche nach einem Baumdieb. Dabei lernt man
überraschende Details im Stadtbild kennen und erfährt mehr über die Geschichte des St. Ingberter
Waldes und aktuelle nachhaltige Angebote der Stadt. Zu beiden Touren finden sich derzeit
Saisonrätsel auf der Webseite. Wer die richtige Lösung zu einer Rätseltour mitbringt, bekommt vor Ort
eine kleine Überraschung! Anmeldung bis fünf Tage vorher bei Katja Clos, info@spurlos-
raetselreisen.de, Tel: 06806 – 9389226. Alle Infos auf spurlos-rätselreisen.de.

„Stadtrallye mit Sightseeing“ – am 15.06. und 12.10. um 14.00 Uhr und „St. Ingbert mit anderen
Augen“ – am 20.07. und 26.10. ab 10.00 Uhr

Programm für mehr Bildungsgerechtigkeit – 55 Startchancen-Schulen im Saarland

BILDRECHTE: Holger Kiefer

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz und Bildungsministerin des Saarlandes, Christine
Streichert-Clivot, hat im Mai weitere Details zum Startchancenprogramm bekanntgegeben. Insgesamt
können 55 Schulen, darunter 28 Grundschulen, sechs Förderschulen, 16 Gemeinschaftsschulen und
fünf berufliche Schulen die Vorgaben des Bundes anhand der im Saarland angelegten Kriterien
Startchancen-Schulen werden. Mit dem Geld können sie in eine zeitgemäße und förderliche
Lernumgebung investieren, bekommen ein so genanntes Chancenbudget für bedarfsgerechte
Lösungen zur Schul- und Unterrichtsentwicklung und können ihre multiprofessionellen Teams
ausbauen. Ziel des Programms ist es, Schüler und Schülerinnen in herausfordernden Lagen
zielgenau zu unterstützen, ihre Basiskompetenzen zu stärken und ihre sozial-emotionale Entwicklung
zu fördern.

Ministerin Streichert-Clivot führt aus: „Noch immer gibt es in Deutschland einen großen
Zusammenhang zwischen der Herkunft eines Kindes, den finanziellen Möglichkeiten der Eltern und
dem späteren Bildungserfolg. Diese Ungleichheit wird nicht in der Schule erzeugt, sondern dort
lediglich reproduziert. Genau hier setzt das Startchancenprogramm an. Gute Bildung entsteht, wenn
sich Schule an den Bedürfnissen der Schulgemeinschaft ausrichtet. Und so wirkt das
Startchancenprogramm auf mehreren Ebenen gleichzeitig – es fördert die Schülerinnen und Schüler,
die Schulen selbst und das Bildungssystem insgesamt.“

Im Saarland erfolgt die Auswahl der Schulen ausschließlich anhand der Benachteiligungsdimensionen
Armut und Migration. Alle Startchancen-Schulen sollen in den nächsten zehn Jahren über drei
Programmsäulen gezielt unterstützt werden. Dabei knüpft das Startchancenprogramm in allen Säulen
an bereits bestehende Programme an:

In der ersten Säule finanziert der Bund 70 Prozent, Land und Kommunen sollen sich die restlichen 30
Prozent teilen. Um die Kommunen hier zu entlasten, übernimmt das Saarland den
Kofinanzierungsanteil in Gänze. Förderfähig sind Maßnahmen, die eine klimagerechte, barrierefreie,
zeitgemäße, qualitätsvolle und förderliche Lernumgebung an den Startchancen-Schulen schaffen.
Säule II ist das pädagogische Herzstück des Startchancenprogramms. Über sie wird den Schulen ein
schuleigenes und frei verfügbares Chancenbudget vom Bund in Höhe von 3,5 Millionen Euro jährlich
für die Schul- und Unterrichtsentwicklung zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig soll es den Schulen
überlassen werden, selbst zu entscheiden, wie dieses Ziel erreicht werden soll.

Startchancen-Schulen erhalten in der dritten Säule ebenfalls Bundesmittel in Höhe von rund 3,5
Millionen. Ziel: Die Förderung eines ganzheitlichen Bildungserfolgs und einer positiven
Lernumgebung. Das können zum Beispiel die Stärkung und Ausweitung der multiprofessionellen
Teams sein, mit Sozialarbeiter, Fachkräften für Schulabsentismus, Psychologen, Erzieher,
Sprachmittler aber auch mit Fachkräfte zur administrativen Unterstützung der Schulen.
Die Schulleitungen der ausgewählten Startchancen-Schulen sind Mitte Mai über ihre
Teilnahmevoraussetzungen informiert worden. In einem nächsten Schritt muss nun die Zustimmung
der Schulträger und Beschlüsse der Schulkonferenzen bis Ende des Monats erfolgen. Diese gute
Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern beim Startchancenprogramm wünscht sich KMK-
Präsidentin Christine Streichert-Clivot auch für die Fortführung beim Digitalpakt 2.0: „So wie der
sozioökonomische Hintergrund der Familie nicht ausschlaggebend sein darf für den Bildungserfolg
eines Kindes, so darf auch nicht die Qualität der digitalen Bildung einer ganzen Generation davon
abhängen, ob sich das Bundesland diese digitale Bildung auch leisten kann.“

Alle Infos und eine vollständige Liste der Startchancen-Schulen auf www.bildung.saarland.de,
www.facebook.com/MBKSaarland und Instagram: @kultusministerium_saarland.

(BILDRECHTE: Holger Kiefer)

Orientalische Nächte in der Saarland Therme

Zauberhafte Abende mit Livemusik, Feuerkünstlern, Sandmalerei und vielem mehr bietet die Saarland
Therme von Juni bis August jeden Samstagabend ab 20 Uhr. Hier erlebt man einen unvergesslichen
Kurzurlaub mit vielfältigen Erlebnis- und Animationsangeboten und taucht ein in die atemberaubend
schöne Welt der Entspannung! Man erlebt einen Sommer voller wundervoller Momente, wenn die
Saarland Therme jeden Samstag im Glanz des Orients erstrahlt. Ein Thermen-Traum wie aus
tausendundeiner Nacht und eine einzigartige Sauna-Erfahrung mit Aufgusskompositionen aus den
exotischen Düften des Orients. Dazu kunstvolle Darbietungen mit Livemusik, Feuershow,
Sandmalerei, Klavier, Harfe und Sängerinnen. Zauberhafte Darbietungen, die einen in eine
atemberaubende Welt weit weg vom Alltag entführen.

Saarland Therme - Zum Bergwald 1, 66271 Rilchingen-Hanweiler, Tel: 06805-600000,
www.saarland-therme.de

Regionale Genuss-Tastings im Nauwieser Viertel

Seit über sieben Jahren bietet Saar-Lor-deLuxe leckere und ausgefallene Spezialitäten im angesagten
Nauwieser Viertel in Saarbrücken. Es warten regional produzierte Grillsaucen, Gewürze, Dips und
auch Weine sowie Spirituosen auf die Genießer. Das über 500 handverlesene, regional hergestellte
Produkte umfassende Sortiment wird ständig um weitere Delikatessen und Spezialitäten erweitert und
natürlich um viele Veranstaltungen und Verkostungen rund um die Themen regional, nachhaltig und
lecker ergänzt. Starten wird die Tasting-Serie am 28. Juni mit einem Bio-Wein Tasting Abend, gefolgt
von weiteren Terminen zu den Themen Gin, Bier und anderen Genuss-Welten. Die genauen Termine
und und alle weiteren Infos gibt es auf der Webseite. Einfach mal im Laden vorbeischauen und sich
von der Vielfalt überraschen lassen – übrigens auch im Online-Shop.

Saar-Lor-DeLuxe – Cecilienstraße 4, 66111 Saarbrücken, Tel: 0681-40140312, www.saar-lor-
deluxe.com

Sonntags ans Schloß

Es wieder soweit – lebendige Kultur im Sommer am Bürgerschloss. Am Sonntag, dem 09.07., startet
um 11.00 Uhr im Schloßgarten die erste Ausgabe der Open-Air-Reihe „Sonntags ans Schloß“. Der
Eintritt zu allen Veranstaltungen ist wie immer frei. Von 9. Juni bis 25. August gibt es (fast) jeden
Sonntag vier Veranstaltungen.

Mit sechs neuen Bands starten die Matineen, die wieder im Zeichen des Blues stehen, jeweils um
11.00 Uhr. Am Sonntag – 09.06. – servieren The BluesBones (B) funky Blues-Rock mit Jazz-,
Americana- und Rock-Anleihen. Am 28.07. steht stimmgewaltiger Blues-Rock mit Layla Zoe & Band
(CAN) auf dem Programm.

Parallel dazu spukt das Schloßgespenst durch sein Schloss. Um 15.00 Uhr stehen dann im Rahmen
der Kids-Reihe Theater, Märchen, Zauberei und Clownerie für die Kleinsten auf dem Programm (bei
Regen: im Schloßkeller).

Den Abschluss um 18.00 Uhr bilden die Soireen mit sieben neuen Bands. Der Schwerpunkt liegt in
diesem Jahr wieder auf akustischer Musik aus den Bereichen Folk, Singer/Songwriter, Rock, Soul,
Crossover & A-cappella. Evenfalls zur Eröffnung am 09.06. servieren Marina & The Kats (A) Indie-
Swing mit Anleihen aus Blues und Balkan-Beats. Auf keinen Fall verpassen sollte man das A-cappella
Rock- & Pop-Vokaltrio We3 (GB) am 11. August.

„Sonntags ans Schloß“ macht also in bewährter Struktur und mit viel frischem künstlerischen Wind
das Saarbrücker Bürgerschloß wieder zu einem kulturtouristischen Aushängeschild der Großregion.
Alle Infos bei der Tourist Info im Saarbrücker Schloß, 0681-5066006 oder touristinfo@rvsbr.de,
und www.regionalverband-saarbruecken.de/kultur-tourismus/sonntags-ans-schloss

Highlights „Sonntags ans Schloß“ 9. Juni – 25. August 2024
(Ausnahme: 14.07.)

    Schlossgarten Saarbrücker Bürgerschloss (Eintritt frei) *
    Veranstaltende Organisation: Kulturforum Regionalverband Saarbrücken
    www.regionalverband-saarbruecken.de/kultur-tourismus/sonntags-ans-schloss

    Matinée (11 Uhr):
    So., 09.06. – funky Blues-Rock – The BluesBones (B)
    So., 23.06. – Gitarren-Blues-Rock – The Blues Overdrive (DK)
    So., 28.07. – stimmgewaltiger Blues-Rock – Layla Zoe & Band (CAN)
    So., 18.08. – Rock-Blues – Ellis Mano Band (CH)
    Kids (15 Uhr):

    bei Regen: Schlosskeller – (Ausnahme: ** )
    So., 23.06. – Kalibo – Die Zaubersocke – turbulente Mitmach-Zaubershow
    So., 30.06. – Theater Rootslöffel – Sternenhimmel – musikalisches Weltraumabenteuer
    So., 28.07. – Theater Rotes Zebra – Amanda, das kleine Huhn – clowneskes Umweltabenteuer
    So., 18.08. – Das Märchenzelt – Märchen aus aller Welt ** – ab 14 Uhr – hintere Schlossterrasse

    Soirée (18 Uhr):
    So., 09.06. – Akustischer Indie-Swing – Marina & The Kats (A)
    So., 07.07. – Singer/Songwriter-Indie-Folk & Americana – Susan Wolf Band (A/DK)
    So., 04.08. – Gypsy meets Classic – Yuliya Lonskaya & Lulo Reinhardt feat. Uli Krämer
    So., 11.08. – A-cappella – Rock- & Pop-Vokaltrio – We3 (GB)

    „Sonntags ans Schloß“ 09.06. bis 25.08. (Ausnahme: 14.07.)

    18 Uhr – Soirée – akustische Musik aus den Genres Singer/Songwriter,
    Folk, Rock, Soul & A-cappella
    Schlossgarten – Eintritt frei
    Veranstaltende Organisation: Kulturforum Regionalverband Saarbrücken

    So., 09.06.
    Akustischer Indie-Swing – Marina & The Kats (A)

    So., 16.06.
    Funky Akustik-Soul und Americana – Opportunity

    So., 23.06.
    Roots-Groove-Rock & Americana – INGVAY & Band

    So., 30.06.
    Akustik-Soul – Friend ´n Fellow

    So., 07.07.
    Singer/Songwriter-Indie-Folk & Americana – Susan Wolf Band (A/DK)

    So., 21.07.
    Crossover aus Chansons, Gypsy Swing, Latin & Polka – Noémi Schröder et Les Ricochets

    So., 28.07.
    Indie-Rock mit Sixties-Anleihen – Joel Becks

    So., 04.08.
    Crossover aus Gypsy und Klassik – Yuliya Lonskaya & Lulo Reinhardt feat. Uli Krämer

    So., 11.08.
    A-cappella – Rock- & Pop-Vokaltrio – We3 (GB)

    So., 18.08.
    Jazz-Balkan-Beat-Zirkus-Crossover – TriOle & Friends

    So., 25.08.
    Irish-Folk-Rock mit einer Prise Pop – Dream Catcher (L/D)

    „Sonntags ans Schloß“ 2024 09.06. bis 25.08. (Ausnahme: 14.07.)

    11 Uhr – Matinée – Blues & Rhythm´n´Blues
    Schlossgarten – Eintritt frei
    Veranstaltende Organisation: Kulturforum Regionalverband Saarbrücken

    So., 9.06.
    Funky Blues-Rock – The BluesBones (B)

    So., 16.06.
    Roots-Blues und Americana –

    Timo Gross Band

    So., 23.06.
    Gitarren-Blues-Rock – The Blues Overdrive (DK)

    So., 30.06.
    Rockiger Roots-Blues – The Bluesanovas

    So., 07.07.
    Akustik-Blues – Roberto Morbioli Acoustic Trio (I)

    So., 21.07.
    „Voodoo Blues Show“ – Dr. Will & The Wizards

    So., 28.07.
    Stimmgewaltiger Blues-Rock – Layla Zoe & Band (CAN)

    So., 04.08.
    Classic Blues, Ragtime, Boogie-Woogie, Harlem Stride & Barrelhouse – Rag Doll

    So., 11.08.
    Hits im Akustik-Roots-Blues- & Americana-Gewand – Michael van Merwyk & The Jookbox
    Zoo

    So., 18.08.
    Rock-Blues – Ellis Mano Band (CH)

    So., 25.08.
    Poppiger Blues-Rock mit Soul und Indie – LUKE

    „Sonntags ans Schloß“ 6. bis 25. 08. (Ausnahme: 14.07.)

      15 Uhr (Ausnahme: * ) – Kids – Theater, Musik, Zauberei, Clownereien, Märchen & Walkacts
      Schlossgarten – Eintritt frei
      bei Regen: Schlosskeller (Ausnahme: * )
      Veranstaltende Organisation: Kulturforum Regionalverband Saarbrücken
      So., 09.06.
      Käpt´n Robby und die Kartoffelsalat-Piraten
      Seeräuberabenteuer – Marion Ritz-Valentin – ab 3
      So., 16.06.
      Peppi Hampel
      Clownesker Walkact – Nataśa Rikanović – ab 4
      So., 23.06.
      Die Zaubersocke
      Turbulente Mitmach-Zaubershow – Kalibo – ab 4
      So., 30.06.
      Sternenhimmel
      Musikalisches Weltraumabenteuer – Theater Rootslöffel – ab 4
      So., 07.07.
      LiLaLucy und der Zauberkoffer
      Zaubershow – LiLaLucy – ab 3
      So., 21.07.
      Kinder-Zaubershow
      Rasantes Zaubertheater – Markus Lenzen Zaubertheater – ab 3
      So., 28.07.
      Amanda, das kleine Huhn
      Clowneskes Umwelt-Theaterstück – Theater Rotes Zebra – ab 3
      So., 04.08.
      Hans im Glück
      Grimm-Klassiker – Theater Tom Teuer – ab 4
      So., 11.08.
      Eddi Zauberfinger
      Mitmach-Musical-Klassiker – Liedertheater Eddi Zauberfinger – ab 3
      So., 18.08.
      Märchen aus aller Welt
      Lebendige Märchenwelt – Das Märchenzelt (ab 14 Uhr – hintere Schlossterrasse * ) – ab 3
      So.,25.08.
      Willi
      Improvisationstheater – Willi Fries – ab 3

      Tête-à-Tee

      Er gilt seit jeher als bester Freund der Briten und stand zur Kolonialzeit in Boston im Mittelpunkt einer ausladenden Hafenparty. Ein Mitglied des legendären A-Teams benannte sich nach ihm und sogar ein Buchstabe und ein Shirt tragen seinen Namen. Neben Roberto Blanco ist er der einzige Schwarze, der jedem von uns ein Begriff ist und für den es bei Oma stets ein Plätzchen am Tisch gab. Er symbolisiert Ruhe, selbst wenn er manchmal unter Dampf steht und gelegentlich überkocht. Bleibt er unbeachtet, reagiert er gelassen mit Kälte. Sauer wird er fast nie; außer mit Zitrone. Dennoch spaltet er die Gesellschaft wie niemand sonst: Die einen mögen Kaffee, die anderen lieben ihn: Tee…

      Während Kaffee sein Schattendasein längst hinter sich gelassen hat – als bitterer Filterkaffee noch Inbegriff langweiliger Kaffeekränzchen war – und dank den ebenso gut schmeckenden wie klingenden Variationen Latte Macchiato, Cappuccino und French Press längst Heißgetränk Nr. 1 ist, konnte Tee seinen Ruf, altmodisch und fade zu sein, lange Zeit nicht loswerden. Früher trank niemand in der Öffentlichkeit freiwillig Tee. Es sei denn, er hatte kalte Hände oder eine Erkältung. Außer pensionierte Oberstudienräte und Heilpraktiker vielleicht. Die aber glauben auch, Sandalen wären Schuhe, in denen man Socken trägt, und Globuli dazu geeignet, Impfungen zu ersetzen…

      Früher tranken zumindest Umweltbewusste und Weltverbesserer Tee. Heutzutage fühlen sich selbst diejenigen, die in veganem Einklang mit sich und ihrer Verdauung leben, dank fair gehandeltem Öko-Arabica aus nachhaltigem, regenwaldschützendem Anbau und glutenfreier Soja-Hafer-Milch gut mit Kaffee aufgehoben. Kaffee ist mittlerweile hipp wie sonst nur Babynahrung. Wer bei einem Date einen Doppio-Espresso-Macchiato trinkt, wirkt eben interessanter als jemand, der Hagebuttentee bestellt. Das ist nun einmal so. Als Kind war Tee immer nur die lauwarme Notlösung, wenn es nichts anderes gab oder man Durchfall hatte. Alles nichts, was man mit einem Date in Verbindung bringen möchte…

      Einfacher Tee ist nicht cool. Das mag damit zusammenhängen, dass man ihn aus Kindertagen noch als die Plörre in Erinnerung hat, die es im Schullandheim gab und von einer schrulligen Küchenhilfe mit der Schöpfkelle verteilt wurde. Zwei Beutel auf zwanzig Liter Wasser versprachen damals einen Genuss, der an Badewasser erinnerte: Geschmacklich nicht überzeugend und mit undefinierbarem Geschwemmsel darin. Tee und Badewasser unterschieden sich nur durch den Schaum und dadurch, dass das eine in der Kanne und das andere in der Wanne war. Bei uns in der Familie schwor nur Onkel Reimer auf Tee, wohl aber deshalb, weil er ihn mit Rum statt mit Wasser aufbrühte…

      Dass echte Teetrinker kaum noch zu finden sind, mag auch daran liegen, dass sich Restaurants zwar mit den besten Kaffeevollautomaten und Bohnensorten brüsten, sich ihr Teesortiment jedoch meist auf die übliche Discounterauswahl beschränkt. Und wer schon Unmengen an Geld für ein Heißgetränk investieren muss, dessen Literpreis irgendwo zwischen Chardonnay und Blutplasma liegt, der möchte kein lauwarmes Glas Leitungswasser mit einem Beutel billigem Grünschnitt darin, sondern eine Tasse frisch gemahlener Edelbohnen, für die Kinder in Südamerika durch Kaffeeplantagen kriechen. Und zwar aus einer italienischen Profi-Barista-Maschine, die mehr kostet als ein italienischer Kleinwagen…

      Auch wenn Supermärkte mittlerweile mehr als nur die wenigen Teesorten zu bieten haben, die man als Kind kannte, ist in vielen Köpfen weiterhin mit Schwarz-, Früchte-, Kamillen- und Pfefferminztee das Ende des geistigen Teesortiments erreicht. Wer darüber hinaus noch Rooibos- und Grüntee kennt oder zugibt, Tee lose in einem Fachgeschäft zu kaufen, der läuft Gefahr, von seinen Mitmenschen aus der Espressobar gejagt zu werden. Schnell gilt man da als Ökofritze, der seine Nieren für notleidende Wale spenden würde. Wer zwischen „First Flush“ und „Second Flush“ differenzieren kann, kennt sicher auch den Unterschied zwischen „Schwarzem Afghanen“ und „Hellem Türken“…

      Es sah lange nicht gut aus für „Earl Grey“, „Pu Erh“ und „Dong Ding Oolong Cha“. Außer in Friesland, aber dort finden sie ja auch gelbe Regenmäntel modisch. Die Wende von Tee als „No go“ zum „Must have“ schien gekommen, als mit der grellbunten Manga-Comic-Welle ebenso grellbunte Teegetränke aus Fernost zu uns herüberschwappten. Geschmacklich eher fragwürdig, dafür jedoch kreativ, eroberte „Bubble Tea“ damals die Herzen und Blutzuckerspiegel all derer, die für ein Wiener Kaffeehaus noch zu jung und für Capri-Sun schon zu alt waren. Ähnlich schnell wie der Blutzucker sackte jedoch auch das Interesse am Blasentee in den Keller und die Teatime war wieder zu Ende...

      Was blieb, sind Bubble Teas, die man ihres Namens und ihrer Geleekugeln entledigte, um sie fortan noch hochpreisiger als handgemachte „Fresh Teas“ statt in bösen Plastikbechern nun in nachhaltigen Henkelgläsern mit Schraubgewinde zu verkaufen. Aus dem grellen Plastik-Getränk für die Gen-Z wurde so ein in Grün- und Erdtönen gehaltenes Lifestyle-Getränk auch für die Generation Ü30. Dieses Marketing traf ins Schwarze statt nur ins Bunte. Waren Infusionen lange Zeit auf Krankenhäuser beschränkt, findet man mittlerweile überall trendige Läden, die Tee-Infusionen anbieten, bei denen statt der Adern nur das Herz blutet; und zwar beim Bezahlen. Ganz schön abgebrüht...

      Es liegt im Trend, dass vermeintlich Besonderes mehr kosten darf. Auch wenn es nichts anderes ist als etwas, was jeder zuhause hat. Das gilt für Salz aus dem Himalaya und Wasser aus Fidschi ebenso wie für Tees aus Organic Tea Bars. Vor den Augen der Hipster-Kunden werden aufwändig beworbene Lose-Tee-Mischungen mit Gerüchen von Duftkerze bis Toilettenstein und Namen, die man aus Seifenläden oder RTL2-Geburtsreportagen kennt, in Zeremonien aufgegossen, wie es sie sonst nur in der Sauna gibt. Tee ist so vom langweilig braunen Standard-Heißgetränk zum faszinierend bunten Exklusiv-Kaltgetränk geworden, das die Seele erfrischt statt die Zunge zu verbrennen...

      Mittlerweile gibt es Teesorten passend zu jeder Gemütslage, die helfen sollen, dass man sich gut fühlt. Woran wohl aber weniger ein nachhaltiger Anbau des Tees als eher ein lang anhaltender Abbau von Zucker schuld ist. Manchmal fühlt man sich eben eher nach coolem „Awesome Blueberry Icetea“ statt nach lauwarmen Fenchel-Anis-Kümmel-Sud. Durch allerlei Blattwerk und Beeren in und am Glas wird den Fresh Teas zudem ein ökologisch einwandfreies und gesundes Image attestiert. Minzblätter lügen bekanntlich nicht! Fresh Teas bleiben dennoch irgendwie wie LEGO-Steine: bunt, in verschiedenen Größen erhältlich und miteinander kombinierbar, aber ohne besonderen Geschmack...

      Der Werbung nach sollen Fresh Teas nach Sommer im Süden schmecken, auch wenn sie zumeist eher an Skandinavien im Herbst erinnern: Teuer, wässrig und wenn man Pech hat, voller Eis und Mücken. Wer es übrigens weniger süß mag, kann dies bei der Teebestellung in der Tea Bar angeben und wird dann statt von einer hübschen Blonden von einem pickligen Typen bedient. Tête-à-Tee… gruenetomaten@live-magazin.de.

      Patrik Wolf

      P.S. Wenn ein Tee so schlecht wie Badewasser schmeckt, ist es dann ein „Bad Tea“?

      Bild von Adobe Stock:

      Datei: # 164747071

      Trending

      Most Discussed

      Clubzone Juli 2016

      Clubzone September 2016

      Clubzone Januar 2017

      Clubzone Februar 2017