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Titelstory

Das Phänomen im Bademantel

Millionen Likes, Hunderttausende Fans & Follower und Talent im Übermaß! Was der gerade mal 19jährige Daniel Klein auf die Beine gestellt hat, kann sich mehr als sehen lassen – und hören! Kein anderer DJ kann sich ähnlicher Popularität auf TikTok rühmen und im Saarland ist er sowieso mit großem Abstand die absolute Nr. 1!

Vor zwei Jahren war Daniel Klein noch ein ganz normaler Abiturient im Kehl am Rhein. Ein paar kleinere Bookings als Bass und Future House DJ hatte er schon erfolgreich absolviert, aber nichts was auf die atemberaubende Karriere, mit über 450.000 Followern auf TikTok und knapp 25.000 auf Instagram, hätte schließen lassen, die der 1,87 Hüne inzwischen hingelegt hat. Tatsächlich war der Lockdown für ihn der Startschuss richtig Gas zu geben und als erster DJ auf TikTok Livestreams zu veranstalten. Aus Daniel Klein wurde D.Cline und als ihm nach seinen ersten 18 Videos die Outfits ausgingen, ereilte ihn beim Verlassen der heimischen Dusche ein Geistesblitz in Form seines Bademantels. Der wurde inzwischen zu seinem unverwechselbaren Erkennungszeichen. Inzwischen hat der Algorithmus-Flüsterer sein Abitur in der Tasche und ist wegen seines Ausbildungsplatzes seit August 2020 in Saarbrücken heimisch und bis auf den Dialekt hat er an seiner Wahlheimat nichts auszusetzen. Die „Sprache“ des TikTok Algorithmus hingegen, hat er problemlos durchschaut. Gepaart mit seinem besonderen Talent hat ihm das eine beachtenswerte Karriere als DJ und Content Creator beschert. Und so ist er praktisch direkt nach unserem Treffen auf Einladung JBL Audio schnell mal zu einem Wochenende zur Snow Party u.a. mit Martin Garrix nach Val Thorens aufgebrochen. Nicht gerade ein unangenehmer Zeitvertreib für einen jungen Mann, der noch vor wenigen Jahren mit seinem Talent am klassischen Streichinstrument überzeugte.

L!VE: Du hast wirklich Cello gespielt?

Daniel Klein: „Ja klar, ich komme aus einer relativ musikalischen Familie. Meine Mutter ist Musiklehrerin, spielt Trompete und Klavier, mein Vater hat mal Schlagzeug gespielt und meine Geschwister Kontrabass, Klarinette und Klavier. Cello habe ich seit ich acht Jahre alt war gespielt. Mit etwa elf war ich auch irgendwann mal unter den Top 16 in Baden-Württemberg. Ich habe damals jeden Tag mindestens 20 bis 30 Minuten geübt und habe das wirklich sehr gerne gemacht, besonders auch im Orchester zu spielen. Quasi als Abschluss hatte ich im Winter 2019 noch einen großen Soloauftritt mit Orchester und allem Drum und Dran, habe dann aber mit 18 aufgehört.“

L!VE: Erleichtert diese musikalische Vorbildung das DJ-Dasein?

D.K.: „Auf jeden Fall! Ich bin zwar bestimmt kein DJ bei dem alle Tracks mixed in key (in einer Tonart – Anmerkung der Red.) sein müssen, aber ich glaube so ein bisschen sollte man schon darauf achten. Man kann halt viel rumspielen als DJ. Ich zum Beispiel nutze gerne A Capellas, setze einen Loop und lasse einen zweiten Track laufen. Wenn der dann in einer komplett anderen Tonalität sein sollte, dann merkt das im Club auch einer mit 3,0 Promille.

L!VE: Zurück in die Gegenwart. Wie kommt ein talentierter Badenser ins Saarland?

D.K.: „Das hatte sich ganz lustig ergeben. Ich war ja damals schon mit meinen Live-Streams online und die kamen ja auch ganz gut an. Als ich mir dann mal die Kommentare hinterher angesehen habe, entdeckte ich eine Nachricht, ob ich nicht Lust hätte bei einer Veranstaltung der Karlsberg Brauerei in Homburg dabei zu sein. Bei diesem Influencer Stammtisch habe ich dann auch aufgelegt und bin dabei eben mit meinem jetzigen Ausbilder ins Gespräch gekommen. Nach dem Abitur war ich unsicher, was genau ich machen wollte, fand aber den Gedanken cool, eine neue Stadt kennenzulernen und habe mich dann auf Saarbrücken für meine Ausbildung zum Kaufmann für Marketing und Kommunikation eingelassen. Marketing ist für einen DJ ohnehin ganz interessant und wegen meines Abiturs konnte ich die Ausbildung ja auf zwei Jahre verkürzen und werde dann jetzt im Sommer fertig.

L!VE: Was genau hat Dich getriggert nicht nur als DJ zu performen, sondern damit auch viral zu gehen?

D.K.: „Ich glaube, das war Neugierde und vielleicht auch ein bisschen Langeweile. Über einen Freund, DJ Olde, der ja auch schon hier in der Alten Schmelz aufgelegt hat, bin ich an ein paar Clubs und meine ersten Warm-Up Gigs gekommen. 2017 hatte ich mit dem Auflegen begonnen, was von Anfang an großen Spaß gemacht hat, auch wenn ich damals noch nicht wirklich 18 war. Als dann der Lockdown kam, haben recht schnell viele Deejays damit begonnen, zum Beispiel auf YouTube live zu streamen. Das fand ich schon cool, wollte da auch was machen, aber auf jeden Fall mein individuelles Ding mit etwas ganz Neuem. Das war dann TikTok, wo zu dem Zeitpunkt nicht ein einziger DJ was gemacht hat. Damals hatte TikTok aber eine Sperre, die verhinderte, dass man live streamen konnte, bevor man nicht wenigstens 1.000 Follower hat. Das hieß für mich im ersten Schritt, Videos hochzuladen, um auf diese Zahl zu kommen. Das mit den Videos hat sich dann so krass entwickelt, dass ich es weiter gemacht habe, auch als ich längst streamen konnte, einfach auch um meine Live-Streams zu pushen. Denn damals war es so, dass die Streams nur so erreicht werden konnten, indem eine Person dir folgte und benachrichtigt wurde oder wenn du mit einem Video auf der „For you“ Page erscheint und du genau in dem Augenblick auch live bist. Deswegen hatte ich das dann damals genau durchgeplant. Ich habe meine Videos immer um Punkt 19.30 Uhr hochgeladen, weil ich herausbekommen hatte, dass der Algorithmus ungefähr eine halbe Stunde brauchen wird, bis er bewertet, ob das Video viral gehen wird oder nicht. Wenn das Video dann nach 30 Minuten schon zehn- oder zwanzigtausend Aufrufe hatte, dann geht es noch wesentlich höher. So bin ich dann immer genau nach dieser halben Stunde „live“ gegangen, weil das dann genau der Zeitpunkt war, wo es komplett ausgestrahlt wurde. Und weil die Leute dann das Video auf ihrer „For You“ Page hatten, gelangten sie entsprechend auch zum Live-Stream. Und man muss natürlich zusehen, dass man die Leute bei der Stange hält. Da kommt dann auch der Bademantel ins Spiel, auch wenn das Anfang schon ein bisschen skurril war. Aber es catcht die Leute einfach und so habe ich die Leute auch ein bisschen gereizt, indem ich am Anfang gesagt habe, bei 200 Zuschauern kommt der Bademantel. Anfangs hatte ich ganz normal aufgelegt, aber wenn dann die Zahlen stimmten und ich im Bademantel aufgelegt habe, kam es halt auch vor, dass neue Leute dachten „Ach wie irre, da gibt es einen DJ auf TikTok und der legt auch noch im Bademantel auf!“. Mit den Videos ist es so, dass ich mir sage, ich möchte den Leuten einfach nur für eine Minute ein gutes Gefühl geben und sie sich unterhalten fühlen. Das ist natürlich leichter, wenn man von den Songs immer nur kurze Ausschnitte nutzt und langweilige Intros weglässt. So wird dann richtig viel Dopamin ausgeschüttet. Das ist halt die Gefahr bei TikTok, weil es so rasend schnell von einem Video zum nächsten geht, da man ja nur mit einem Fingern scrollen muss.

L!VE: Wie wichtig ist es, die TikTok zugrunde liegenden Mechanismen zu verstehen und sich zu eigen zu machen?

D.K.: „Die ersten Posts Ende 2019 waren nur so ein Ausprobieren. So richtig los ging das dann mit dem ersten Lockdown im Februar 2020. Da hatte ich ein virales Video gehabt, ein Mashup von Kazim Akbogas „Is mir egal“ mit Michael Wendlers „Egal“, dass wirklich durch die Decke ging und total im Trend lag. Ich hatte das ohne großartige Hintergedanken oder Erwartungen hochgeladen und am nächsten Morgen hatte das Teil Hunderttausende Aufrufe. Das war schon irgendwie irre, wie schnell das welche Ausmaße angenommen hat. Den einen Augenblick sitzt man noch in der Schule und am nächsten Tag fast einen halbe Million Views mit Tausenden von Kommentaren. Das war die unglaubliche Chance, die TikTok damals geboten hat und die das Medium auch zum damaligen Zeitpunkt einmalig machte. Das wäre auf keiner anderen Plattform möglich gewesen, in so kurzer Zeit so stark organische Reichweite zu generieren. Der TikTok Algorithmus hatte so stark darauf basiert, dass zur Beurteilung des Contents immer genau drauf geschaut wurde, wie die Leute, die sich das angeschaut hatten, darauf reagierten. Umso positiver die Reaktion, an umso mehr Nutzer wurde das Video dann ausgestrahlt. Auf diese Weise hat sich halt „guter“ Content mit Qualität durchgesetzt. Das hat sich inzwischen geändert, da TikTok die Beiträge eher in verschieden Gruppen kanalisiert. Trotzdem mache ich gerne da weiter meine Videos, einfach um die Leute zu unterhalten, während ich zum Beispiel auf Instagram den Fokus darauflege, meine Gigs und Termine zu promoten.

L!VE: Hat Dein „virtueller“ Fame Deine Art aufzulegen verändert, jetzt wo die Clubs wieder da sind?

D.K.: „Das hat natürlich meine Performance komplett beeinflusst, sowohl vom musikalischen Genre her wie auch beim Auftritt. Wenn ich früher in den Clubs aufgelegt habe, hatte ich schon immer wieder versucht ein bisschen Ironie oder lustige Momente einzubringen. Ich mag es mit kurzen Memes den Leuten ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern und dann kommt ein geiler Drop, das liebe ich! Oder ich spiele manchmal auch einen „Heidi“ Remix, wenn der so richtig ballert, das ist für die Leute schon extrem lustig, genau wie ein „Barbie Girl“ Remix von mir. Sowas habe ich schon aufgelegt, bevor ich TikTok gemacht habe, aber mein Auftritt an sich hat sich jetzt schon massiv verändert. Früher habe ich in den Clubs ja viele Stunden am Stück aufgelegt, inzwischen spiele ich ja nur noch 90 Minuten-Sets. Die sind professionell aufgebaut und vorbereitet. Und wenn ich dann zur Peaktime, vom Warm-Up-Deejay angekündigt und mit Einspieltrack direkt im Bademantel auftrete, stehen sie alle schon da mit Handylampen und-kameras und filmen und machen Fotos. Das kann man wirklich nicht mehr mit früher vergleichen. Als ich beispielsweise im Secret Club in Trier aufgelegt habe, hat der Besitzer mir vorher schon mal den Club gezeigt und obwohl ich noch „normale“ Kleidung anhatte, wurde ich schon viermal auf Fotos angesprochen. Nach meinem Set haben die Leute dann nochmal mit mir im Bademantel noch mehr als eine halbe Stunde Fotos und Selfies gemacht. Das ist dann schon ein ganz besonderes Gefühl, eine ganz andere Wirkung, wenn man die Popularität so hautnah erfährt. Die Zahlen auf Social Media sind ja irgendwie irreal, was sind 450.000 Follower? Wie viel das aber in Wirklichkeit ist, erfährt man dann eben auch runterskaliert im Club. Das war so der erste Moment, wie viele das in Wirklichkeit sind. Das ist schon sehr beeindruckend!“

L!VE: Wie wichtig ist das Ziel, davon leben zu können?

D.K.: „Es ist auf jeden Fall ein Traum. Damit meine ich noch nicht mal unbedingt das Geld, sondern vor allem auch die Möglichkeit, die Welt zu bereisen, am Wochenende aufzulegen und davon eben leben zu können. Als Grundlage dafür muss man aber die Interessenlage möglicher Kooperationspartner verstehen. Die schauen nicht mehr nur stur nach Reichweite, sondern nach Qualtität und der Möglichkeit Markenidentitäten zu realisieren. Wenn irgendein Influencer zwar momentan viele Follower hat, da aber kein wirklicher Markenkern dahintersteckt, dann ist das für die Firmen nicht attraktiv sich zu engagieren. Sie würden zwar eine Menge Leute erreichen, aber nicht wirklich was, um ihre Marke auszubauen. Was das angeht, bin ich in dieser Hinsicht attraktiver, weil ich stabile Alleinstellungsmerkmale biete. Aber natürlich achte ich darauf, mir auch andere Standbeine aufzubauen, verlasse mich auf keinen Fall nur aufs Djing. Ich weiß auch wie schnell es in den Sozialen Medien rauf und runter gehen kann und versuche mich deswegen breiter aufzustellen.

L!VE: Das bedeutet doch nicht etwa ein mögliches Ende des Bademantels?

D.K.: „Da lege ich mich nicht fest. Als ich jetzt mit einem Designer aus England zusammengearbeitet, der mein Logo umgesetzt hat, war es mir wichtig, dass der Bademantel nicht Bestandteil des Logos ist, einfach um auch in dieser Beziehung unabhängig zu sein. Aber der Bademantel hat schon einen enormen Wiedererkennungswert, weswegen ich ganz aktuell keinen Grund sehe mich von ihm zu trennen.

Die nächste Gelegenheit sich von den wirklich herausragenden Skills von DJ D.Clinemusic beeindrucken zu lassen, bietet sich am 28. Mai bei der InfluencAreLovers in der KUFA mit Top-Influencern aus ganz Deutschland, darunter DJ Elias Everest aus Hamburg und natürlich legt der Meister im Bademantel auch selbst Hand an. Immerhin feiert er bei der Gelegenheit in seinen Geburtstag rein, den Zwanzigsten.

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