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Mel´s Mikrokosmos

Du Glückspilz!

Hallo Mikrokosmonauten: Sind Glückspilze eigentlich giftig?

Letztendlich erschien es mir glasklar. Ich nippte an meinem Kaffee, blickte in die Ferne und atmete dann tief ein- und aus. Ich konnte es nahezu riechen – ungetrübt und klar: Das Glück in seiner reinsten Form. Es riecht ein bisschen nach Erdbeere. Und Benzin. Fakt ist, dass Glück es immer schafft, dass sich die Gesichtsmuskulatur vollends entspannt und man zu einem Lächeln neigt, statt die Stirn zu runzeln. Das Bewusstsein, dass man gerade glücklich ist, geht einfach. Die Einsicht, dass man vom Glück gesegnet ist, dauert hingegen oft etwas länger.

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Von der Sonne geküsst

Grundsätzlich bin ich ja etwas verlegen, wenn es darum geht, mein Glück in die Welt zu posaunen. Zu groß ist meine Sorge, man könnte es mir übel nehmen. Wie kann man nur? Wir haben schließlich Inflation, Krieg und Unruhe auf der Welt. Außerdem ist alles zu teuer, zu unbeständig, zu gefährlich. Beklommen sollte ich sein, unsicher und voller Zweifel. Wie in der Fabel von der Grille und der Ameise sollte ich eher wie die Ameise für Notzeiten vorsorgen, arbeiten, sparen und alles in meinem Bau vorbereitet haben, wenn der Winter oder der Weltuntergang kommt. Natürlich soll uns die Fabel eine Mahnung sein, denn die sorglose Grille, die lieber in den Tag hinein lebt, glücklich und frei ist und nicht an Morgen denkt, wird den Winter schlussendlich nicht überleben, während die Ameise in ihrer warmen Stube sitzt. Eine Lehre sollte es uns sein, wenn wir einfach das tun, wonach uns der Sinn steht. Böse und verwerflich ist es, wenn ich wir fordern:

„Wir möchten HEUTE glücklich sein!“

Denkt ihr nicht genauso? Und schaut ihr nicht jeden Morgen in den Spiegel und sagt zu euch: „Verdammt, hab ich ein Glück, es so weit geschafft zu haben!“. Ich gebe zu, dass ich nicht gerade jeden Tag in einen Freudentaumel falle, wenn ich in den Spiegel schaue und dass es mir auch nicht immer gleich bewusst wird, wie viel ich in meinem Leben bereits erreicht habe. Aber genau das sollte ich mir viel öfter vor Augen führen. Und ihr auch!

Dass ich ein Glückspilz bin, war bereits früh klar. Sobald ich krabbeln konnte, stürzte ich eine Treppe hinunter, ohne, dass ich auch nur einen Kratzer davongetragen hätte. Einige Jahre später stritt ich mich mit meinem Cousin und in brüllendem Feuereifer warf er mir einen riesigen Sandstein-Brocken hinterher, der mit einem lauten Bums nur wenige Zentimeter neben meinem Kopf gegen die Tür flog und in tausend Teile zerbrach. Soweit ich mich erinnern kann, wäre in meinem bisherigen Leben zwar vieles um ein Haar ins Auge gegangen, aber eine unsichtbare Macht steuerte mich nie blindlings in die totale Katastrophe. Es ging am Ende immer wieder alles gut. Und manchmal sitze ich in meinen bescheuerten selbst kreierten Problemen und könnte mich ohrfeigen, wie dämlich das eigentlich ist. Im Vergleich zum großen Ganzen erscheinen die nämlich völlig nichtig.

Wir sind Glückskinder. Warum? Weil wir es bis hierhin geschafft haben! Ganz ehrlich, wie oft sagen wir uns, dass wir glücklich sind? Und wie oft meinen wir das auch so? Bis jetzt noch gar nicht? Na, dann wird es aber Zeit!

Vor einiger Zeit schickte mir ein Bekannter das Buch “Glückskinder” von Hermann Scherer. Ich fand das total originell, weil man heutzutage immer seltener ein Buch in die Hand nimmt, geschweige denn etwas in Papierform liest. Zu sehr hat uns das Internet im Griff und “etwas lesen” bedeutet heutzutage, das Smartphone in Schallgeschwindigkeit durchzuscrollen oder sich die Zeit für L!VE zu nehmen. Wie dem auch sei. Das Buch gab mir ein unglaublich gutes Gefühl, denn es befasst sich mit Chancen, die darauf warten, genutzt zu werden. Und überhaupt und sowieso mit Glück und dem Zustand des Glücklichseins. “Die Sorte Glück, die ich meine, wenn ich von Glückskindern spreche, ist der Zustand des Glücklichseins, der nicht durch einen zufälligen Glückstreffer hervorgerufen wird, sondern durch eine Art zu leben, die einem ermöglicht, dauerhaft Chancen zu entdecken und zu nutzen.”, schreibt Scherer und genau so würde ich es unterschreiben. Ich sitze zum Beispiel gerade im heimischen Garten, es kühlt allmählich ein wenig ab, wenn man denn von Abkühlung von 30 auf 26 Grad überhaupt sprechen kann. Meine Nase ziert ein fescher Sonnenbrand und zu meiner Rechten steht ein kühles Bier, nach welchem ich mich in ebendiesen ersten Sommertagen ganz besonders sehne. Ich habe heute gleich mehrere Chancen genutzt. Die erste gleich heute Morgen als ich aufstand. Ich stand einfach auf. Punkt.

Banale Chancen bergen oft maximales Glück

Leute, es geht nicht darum, einen Trip zum Mount Everest zu planen, so lange Lotto zu spielen, bis man gewinnt oder sich zum Ruhm zu peitschen, um sich als Glückspilz zu definieren. Die einfachsten Mittel und Wege sind nämlich prädestiniert dafür, uns Glück zu bescheren und uns vor Augen zu führen, welch enormes Glück wir haben. An einem Samstagmorgen durch den Wald zu spazieren und den Vögeln zu lauschen zum Beispiel. Oder sich auf sein Bike zu setzen und neue Gegenden zu erkunden. Einen Ausflug zum See machen und einfach per Arschbombe ins Wasser springen. Kurz Innehalten und die Augen schließen und einfach nur Lauschen. Hört ihr was? Ich glaube, man will euch was sagen:

Schön ist es auf der Welt zu sein!

Und einfach so habe ich seit Neuestem ein Ritual. Ich gehe jeden Tag, vorzugsweise in meiner Mittagspause, eine Runde spazieren. Ich setze ganz banal einen Fuß vor den anderen und bin an der frischen Luft. Man sagt, dass man jeden Tag zwanzig Minuten in der Natur verbringen sollte. Und wenn man sehr beschäftigt ist, sollte man eine ganze Stunde in der Natur sein. Ich nehme mir diese Zeit einfach, also bitte kein Neid. Ihr könnt das nämlich genauso tun. Auf einem meiner Streifzüge durch den Wald entdeckte ich neulich übrigens einen Fliegenpilz und stellte mir die Frage, warum man gerade diese Pilze mit Glück in Verbindung bringt? Vielleicht, weil man enormes Glück hat, wenn man unliebsamen Mitmenschen einen solchen ins Risotto mischt? Historisch betrachtet wurden Menschen, die viel Glück hatten früher voller Argwohn betrachtet. So etwas konnte ja nicht sein, besonders nicht im dunklen Mittelalter, als Seuchen grassierten und man überall Scheiterhaufen lodern sah. Entkam man Pest und Inquisition, konnte ja etwas nicht mit rechten Dingen zugehen und so wählte man den schönen, auffälligen Fliegenpilz als Symbol des vermeintlich trügerischen Glücks. Quasi eine gemeine Stinkmorchel im Fliegenpelz.

Am Ende ist es doch so: Fliegenpilze sind wunderschön anzusehen und wer ihn als Glückssymbol nicht mag, kann auch Hufeisen, Schornsteinfeger oder Marienkäfer nehmen. Letztere beobachte ich im Moment übrigens wieder häufiger. Eine Zeitlang hieß es ja, sie wären vom Aussterben bedroht. Kann aber nicht sein. Ein  Glückssymbol kann doch nicht vom Pech verfolgt werden, oder etwa doch? Wie dem auch sei: Vielleicht sind sie Vorboten für weitere Glücksmomente in meinem Leben.

Glück stirbt nämlich nicht aus.

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