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Hier geht´s um die Kohle!

Es wird spannend in der Modernen Galerie! Am 30. April beginnt die Ausstellung „Sensing the Unseen“ der international renommierten Künstlerin Helga Griffiths. Nicht nur die Optik spielt bei dieser Ausstellung eine Rolle, auch unser Geruchssinn wird einbezogen, von den überwältigenden Klangelementen ganz zu schweigen. Griffiths spielt mit den Grenzen menschlicher Wahrnehmung, lässt uns staunen, ruft Erinnerungen wach und versetzt uns in andere Welten.

Beim Betreten des abgedunkelten Ausstellungsraums empfängt uns eine deckenhohe Doppelhelix in fluoreszierendem Grün. Ein Fischernetz und über 2.000 Reagenzgläser formen den menschlichem DNA-Strang und bilden den ersten Erfahrungsraum, mit dem Griffiths uns in fremd scheinende und doch so alltägliche Welten entführt. Mikro- und Makrokosmos tauschen die Plätze, wir meinen, vor einem unendlichen Sternenhimmel zu stehen und doch ist es winziger Diamantenstaub, aus Kohle hergestellt und als Glitzer auf die Wand gestrichen.

Überhaupt ist Kohle ein zentrales Thema der unglaublich coolen Ausstellung. Der „brennende Berg“ bei Sulzbach, den schon Goethe vor über 250 Jahren besucht hat, inspirierte Griffiths zu einer Tafelrunde aus Petrischalen, in denen Bilder von brennenden Bergen auf der ganzen Welt zu sehen sind. Über der interaktiven Installation schwebt der Saarbrücker Himmel in einer Liveübertragung und spiegelt sich in der geologischen Weltengemeinschaft. Diese Installation wurde von der sympathischen Schwäbin extra für Saarbrücken geschaffen, die laut eigener Aussage immer wieder gern in unserem schönen kleinen Bundesland ausstellt. Vielleicht erinnern sich noch einige Leser an die beeindruckende Ausstellung „Crossing“ in der Stadtgalerie vor fünf Jahren, die ebenfalls von Dr. Andrea Jahn, der heutigen Direktorin der Modernen Galerie, kuratiert worden war.

Einige der aktuellen Installationen erinnern an den Blick durch ein Elektronenmikroskop, überhaupt wandern wir scheinbar durch verschiedenste Laborsituationen. Der Klangkünstler Johannes S. Sistermanns, mit dem Griffiths eine jahrelange, erfolgreiche Zusammenarbeit verbindet, verschmolz das Grollen von Erdbeben mit dem verborgenen Sound des tiefsten noch existieren Lochs der Welt, einem über 9 Kilometer tiefen Bohrloch bei Nürnberg und erzeugt so Klänge, die mit unserer Fantasie spielen. Wir sehen dazu den mit einer Highspeedkamera aufgenommenen Prozess, die Essenz von Kohle herzustellen, aus der wiederum mit Hilfe eines Parfumeurs der Duft „L‘air du Charbon“ geschaffen wurde. In augenzwinkernder Anlehnung an Marcel Duchamps‘ „Air de Paris“ präsentiert sich in der Art einer Zeitkapsel ein aufwändig hergestellter Kolben mit der letzten Luft aus der Steinkohlemine Prosper-Haniel bei Bottrop, die 2018 als letzte ihrer Art endgültig geschlossen wurde.

Die nie gehörten Klänge und die nie gerochenen Düfte zusammen mit dem Licht und der Abstraktion der Installationen lösen unausweichlich Gefühle in uns aus und lassen uns gewohnte Blickwinkel hinterfragen. Das ist ganz im Sinne der Künstlerin, die unsere Wahrnehmung verschieben, umlenken, neu definieren möchte. Es gibt keine vorgegebene Interpretation der Werke, jeder Besuchende kann den verborgenen Welten nachspüren und sie ganz individuell empfinden und auf sich wirken lassen.

Die Ausstellung „Sensing the Unseen“ ist vom 30.04. bi 14.08.2022 in der Modernen Galerie des Saarlandmuseums in Saarbrücken zu sehen.

Fotos: VG Bild-Kunst, Bonn, Hannes Woidich, Vincius Ferreira

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