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Leben & co

Nachruf Klaus Radvanowsky

Das Unfassbare ist Mitte Oktober passiert. Unerwartet, unbegreiflich, unendlich schmerzvoll und doch inmitten feiernder Menschen. Klaus Radvanowskys Schicksal hat sich da erfüllt, woher ihn die meisten Saarbrücker seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten kannten. Wie kein anderer hat er nicht nur als DJ, Clubbetreiber und Partyveranstalter die elektronische Musikszene und das Nachtleben im Saarland geprägt. Über sein Talent und seinen mehr als verdienten Ausnahmestatus ließen sich hier endlos Worte verlieren – aber das ist nicht wichtig, das alles spielt keine Rolle. Denn Klaus Radvanowsky war eben viel mehr als nur eine DJ-Legende. Er war vor allem eines: ein ganz großartiger und liebenswerter Mensch, Freund, Partner und Vater – und das in einem Maße, dem Worte nicht mal ansatzweise gerecht werden können.

Schon als er vor gut vierzig Jahren im „Café Future“ und im „Gloria Palast“ begann, seine Spuren in Saarbrücken zu hinterlassen, waren es neben seiner Länge, vom Start weg vor allem sein unglaublich einnehmendes Wesen, sein Herz, seine Güte, sein Lachen und sein sensationelles Schinken-Grinsen, das ihn unverwechselbar machte. Genau das zeichnete ihn auch hinter der Theke des „Langenfeld“ oder an der Tür des „Club Number One“ aus, wo sich wohl endgültig seine Hingabe zur elektronischen Musik manifestierte. Bald begeisterte er dann als Deejay auf der „Space Party“, im Kühlhaus, zahlreichen kleinen und großen Partys und Festivals und schließlich in seinem eignen Club „Magnet“, aus dem heraus auch die grandiosen „MOA“ Magnet Open Airs entstanden, die bis zur Pandemie vielleicht das Beste waren, was das Saarland in Sachen Feierei je zu bieten hatte. Obwohl, sein legendärer Techno-Stand auf dem Nauwieser-Viertelfest kam da schon verflucht nah dran …

Das Ausmaß des Entsetzens und der Trauer über den Verlust dieses ganz besonderen Einzelstücks ist beispiellos. Gleich ob in den sozialen Medien, an den Tischen am Markt oder den Theken in der Nauwies, überall herrschte eine Art Schockstarre und ungläubiges Nichtwahrhabenwollen. Der international anerkannte Saarbrücker Techno-Club „Mauerpfeifer“ sagt seine Veranstaltungen ab und bleibt ein ganzes Wochenende geschlossen. Spontan fanden sich Wegbegleiter und Bekannte an seinen Wirkungsstätten, wie eben schließlich auch dem Silodom, zusammen und eine direkt ins Leben gerufene Spendenaktion zugunsten seiner kleinen Familie knackte schon nach nur einem Tag die Schwelle zur Fünftstelligkeit. Dies alles Beleg für ungekannte Beliebtheit und Respekt, denn auch außerhalb des Nachtlebens oder der elektronischen Musikszene genoss der gebürtige Bosnier eine Wertschätzung, die ihn als Menschen ehrte und seinen Charakter auszeichnete. Was bleibt ist eine Lücke, die nicht zu schließen sein wird, aber auch die Erinnerung an einen, der das Leben feierte!

„Den Sternen sagt: „Wir woll‘n euch nicht, geht unter!“

Packt ein den Mond und reißt die Sonne runter;

Kippt weg das Meer, den Wald laßt überfluten,

Denn nichts mehr wendet sich ab jetzt zum Guten.“

(W.H. Auden)

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