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Sommer, Sand & Berlin-Beats

Fritz Kalkbrenner ist viel mehr als nur gefeierter Deep House Held. Mit herausragendem Talent und unverwechselbarer Stimme im Gepäck kommt der Produzent und Sänger jetzt als einer der Headliner des Lucky Lake Festivals ins Saarland.

Sein melodischer Deep-House-Sound ist geprägt von den typischen melodischen Basslines, hypnotischen Beats und eingängigen Vocals, getragen von seiner Stimme als echtes Alleinstellungsmerkmal. 1981 in Ost-Berlin geboren prägten ihn die Jugendjahre in der Berliner Technoszene, doch schon 2008 erlangte er weltweiten Kultstatus im Zuge der Soundtrack Produktion für einen damals kleinen Berliner Underground Film „Berlin Calling“, insbesondere dem Track „Sky and Sand“, den er zusammen mit seinem Bruder Paul produziert hatte und der sich anschließend sagenhafte 129 Wochen in den deutschen Charts hielt.

Ausgehend von diesen Erfahrungen machte sich Fritz Kalkbrenner daran weiter eigene Musik zu produzieren, die international gefeiert wird, und er tritt auf renommierten Festivals und in Clubs auf der ganzen Welt auf. 2010 tat er sich mit dem Berliner Label „Suol“ zusammen und bringt dort nach einigen 12 Inchs sein erstes Album „Here Today Gone Tomorrow“ heraus. Ein mehr als ansprechender Entwurf von elektronischer Clubmusik im Soul Kontextzeigte in Albumlänge. Die mediale Resonanz und die Begeisterung des Publikums für das Debut waren überwältigend. Titel wie „Facing the Sun“ oder „Kings in Exile“ werden als Höhepunkte gefeiert. Es folgen die Alben „Sick Travellin'“ (2012), „Ways over Water“ (2014), „Grand Départ“ (2016) und Drown“ (2018 auf Different Spring). Die musikalische Formel aus seiner markanten Stimme und den analogen, meist „warm“ klingenden House Beats bleibt bestehen, aber Genre-Schubladen wie House, Techno oder Pop hat er längst sich gelassen hat und ist endgültig in seinem eigenen Sound-Universum angekommen.

Ende 2018 bringt er sein eigenes Label „Nasua Music“ an den Start und beginnt mit einem neuen Kreativteam umgehend mit der Produktion neuer frischer Musik. Zunächst erscheint  2019 mit der Single „Rye“ auf Anjuna Deep die erste Zusammenarbeit mit dem Berliner Produzenten Ben Böhmer. Im Herbst desselben Jahres wird die Single „Kings & Queens“ als Vorbote auf das kommende Album veröffentlicht, die nicht nur ein Top 20 Hit in Deutschland wird, sondern auch massive Airplay- und Streaming Erfolge generiert. Im März 2020 gelingt es ihm mit seiner modernen, musikalisch elektronischen Handschrift seine Erfolgsgeschichte fortzuschreiben. Das sechste Studio Album „True Colours“ erscheint, das es erneut in die Top 10 der deutschen Album Charts schafft, gefolgt von einer restlos ausverkauften Tour in 2021. Im selben Jahr veröffentlicht er unter dem Eindruck der Corona Krise mit „King Curtis“ eine rein instrumentale Single im klassischen Deep House Stil, die sich gleichermaßen an reichlich Streaming Support erfreuen darf. Im Herbst 2022 veröffentlicht Fritz Kalkbrenner dann mit „In the Morning“, co-produziert von Henrik Müller (Gheist), wieder einen zeitlosen Popsong, den er mit seiner Ausnahmestimme im Gewand elektronischer Musik zum Besten gibt. Zur neuen Single „Waiting for the Sun“, die am 28.07.23 erschien, kommt der Meister erstmals zum Lucky Lake Festival an den Losheimer Stausee.

Entgegen den Verlautbarungen einer saarländischer Wochenzeitung vor Jahren, die –  so wörtlich – „Fritz Kalkbrenner live an den Turntables …“ ankündigte, kann man den Mann natürlich nicht als Deejay erleben, sondern nur als Live-Act erleben. Denn Deejay war Fritz Kalkbrenner noch nie.

L!VE: Hallo Fritz, das Lucky Lake Festival in Losheim findet tagsüber statt. Um 22 Uhr ist Schluss. Ist das nicht bemerkenswert für eine Musik, die eigentlich eher so aus dem Club Kontext?

F.K.: „Überhaupt nicht. In den Niederlanden wird es schon so seit 30 Jahren so gemacht und wird auch dementsprechend positiv goutiert. In England ist es auch ähnlich mit den Daytime Raves und der Love Family Park findet ja auch nicht nachts statt. Außerdem ist das doch auch eine gute Sache für alle, die am nächsten Tag wieder früh rausmüssen oder am Abend jemand kennen gelernt haben, mit dem er/sie/es früh ins Bett will. Also es ist gar nicht so abwegig, wie es auf den ersten Blick erscheint.“

L!VE: Wie wichtig ist es Dir, Deine Musik auch live zu spielen? 

F.K.: „Es ist auf jeden Fall wichtig, da Teil meines Schaffenshorizonts, Teil der Arbeit, die ich mache. Ich würde das in keinem Fall zielgerichtet oder bewusst zurückhalten oder verbergen. Da würde einfach was fehlen, wenn man das den Leuten verheimlicht. Klar, wenn man Problem mit Gruppen hat oder andere greifbare Gründe gegen Auftritte, dann ist das was anderes, aber wenn dem nichts im Weg steht, sehe ich auch keinen Grund, sich dem künstlich zu entziehen.“

L!VE: Du singst live auf der Bühne, was an sich für einen Deep House Star eher ungewöhnlich ist. Oft wird auf Flyern und in Zeitschriften sogar unterschlagen, dass du live unterwegs und eben kein Deejay bist. Macht dich das nicht sauer?

F.K.: „Vielleicht haben nicht alle, die da schreiben, wirklich die Abstraktion was da passiert. Aber ich bin da recht leidenschaftslos. Nicht jeder kann alles wissen, das ist nicht schlimm.“

L!VE: Dein Live-Equipment scheint auf das Wesentliche konzentriert und Du gehörst offensichtlich nicht zu den Hardware-Posern?

F.K.: „Man muss ja da schon ein bisschen ehrlich sein. Also das, was ich da rum stehen habe, ist schon vergleichsweise schlank, das stimmt schon. Aber es ist, um mein Ding zu machen, eben vollkommen ausreichend. Manch andere gehen vielleicht nach der Devise vor „Klappern gehört ja zum Handwerk“ und stellen dann dementsprechend mehr hin, was dann aber per se alles nicht notwendig ist. Ich sehe da jetzt nicht wirklich den Bedarf. Es wäre vielleicht vor 20 Jahren noch mal anders gewesen, wo die Leute ihr Studio zuhause ausbauen und auf der Bühne wieder aufbauen mussten, um ihr Ding live zu machen. Das ist mittlerweile nicht mehr nötig und ich muss sowieso nicht versuchen durch ein Dioden-Meer zu beeindrucken. Bei mir wird das dann auch durch die Gesangskomponente so ein bisschen abgefedert?“

L!VE: Apropos Dioden-Meer, wie wichtig ist dir das Drumherum, was so Visuals und die Bühnenshow angeht?

F.K.: „Na ja, also bei größeren Sachen sind es schon mal Faktoren, die signifikant mitspielen. Da braucht es schon eine ausgearbeitete Licht- und Visuals-Show. Das ist ja in der Größenordnung eigentlich obligat, hat einen entsprechenden wichtigen Stand und ist nicht zu unterschätzen. Doch von der ganzen Bühnenshow, Light und Visuals, da bin ich der, der am wenigsten mitkriegt. Aber das ist schon in Ordnung, das wird ja fürs Publikum gemacht. Dessen Reaktion bekomme ich natürlich mit und so entsteht ein Dialog, der da stattfindet, und der ist jetzt auch nicht so zu unterschätzen. Das hat schon seine Wichtigkeit und das macht natürlich auch Spaß. Sonst könnte man die Show auch vor der eigenen Wohnzimmerwand machen – und das muss ja nicht sein!“

L!VE: Dein natürliches Habitat scheinen nur große Events und Festivals zu sein. Würdest du nicht auch mal wieder gerne in einem kleinen Club auf der Bühne stehen?

F.K.: „Früher war das ja schon so, wenn zum Beispiel in etwas ferneren Märkten operiert, da ist das dann vergleichsweise oft noch der Fall. Wenn ich früher beispielsweise in Australien auf Tour gegangen bin, dann hat man dann in Sydney oder Melbourne schon so in 400 Mann Clubs gespielt. Und jetzt so in Europa versucht man solche Gigs immer in der Zwischensaison noch irgendwie dazwischen schieben. Aber das sind dann schon ausgesuchte Venues der europäischen A-Klasse an Clubs, mit denen nicht unbedingt alle anderen Läden mithalten können. Und wenn man das eintüten kann, dann mache ich das schon noch gerne. Das ist dann dementsprechend natürlich anders und auch der Live-Act an sich anders aufgebaut, irgendwie strukturierter, weil das Set-Up in den Clubs selten auf Live-Gesang ausgerichtet ist. Auch das Publikum ist ein bisschen spezieller, beziehungsweise noch mehr in der Thematik drin und das ist logischerweise clubspezifischer. Aber alles in allem sind solche Clubgigs immer wieder eine schöne und willkommene Abwechslung, auf jeden Fall!“

L!VE: Jetzt kommt dann ganz offiziell im Herbst/Winter die neue „Waiting for the Sun“ Tour. Wie sind deine Erwartungen?

F.K.: „Wir sind ja noch ganz frisch im Vorverkauf, doch da kommen jetzt auch schon die ersten Updates in Sachen Zahlen rein und das liest sich alles erst Mal ganz gut. Natürlich freut man sich, wenn es da viel Anklang gibt, das ist ja logisch. Welcher Künstler würde sich da nicht freuen? Das ist jetzt auch überhaupt nicht nur auf monetäre Sachen gemünzt, sondern für den Künstler ist das natürlich immer schön zu erleben, wenn die Leute sich gezielt Tickets für ihn kaufen. Die Künstler-Fan Beziehung, das ist ja im besten Falle fast so was wie eine lange und fruchtvolle Ehe und, dass das noch funktioniert, dass beiden Seiten da noch was geben, das gefällt mir sehr!

L!VE: Sehr schöner Gedanke! Da würdest Du nicht zufällig auch noch das lang erwartete siebte Album „geben“ wollen?

F.K.: „Ist schwierig heutzutage, so mit den heutigen Distributionswegen. Das letzte Album, das war wirklich gerade noch so in den letzten Atemzügen des alten Systems, fast schon ein Anachronismus. Ist jetzt schwer zu sagen, ist halt Künstler abhängig. Manche sind ja inzwischen rein Single orientiert und auch ich bin aktuell eher auf die Singles orientiert. Das hat dann auch mit dem Spotify-Algorithmus etc. zu tun. Was jetzt auch schade ist, aber es kann unter Umständen sein, dass das Format Album seinen Zenit überschritten hat. Heute gelten ja mitunter schon 30 Minuten als Album. Für den Künstler können solche Veröffentlichungen aber fast schon kontraproduktiv werden wegen der Aufmerksamkeitsspanne des Publikums. Da wird quasi verlangt irgendwie sechs Monate zu arbeiten und dann hat man vielleicht fünf Tage Zeit, wo die Leute das interessiert. Das steht dann einfach in einem schlechten Verhältnis. Natürlich gab es bei mir so eine gewisse Regelmäßigkeit, aber ja, wie gesagt, die neuen Zeiten verlangen da wirklich ihren Tribut, da muss man ehrlich sein. Unter Umständen ist dann so ein Album nicht mehr ganz so umfangreich, wie es früher war. Trotzdem sollte man da nix  ausschließen. Es kann auch sein, dass mich der Hafer wieder sticht.“ 

L!VE: Vielen Dank, einen schönen Sommer, viel Spaß in Losheim und viel Erfolg auf der Tour!

Im Osten viel Neues

Der Saarbrücker Osten beginnt in der Mainzer Straße und wenn‘s irgendwo passiert, dann war das in den letzten Jahren immer genau hier. Das kommt natürlich nicht einfach so von alleine, sondern dahinter stecken immer Köpfe, die ihr Ding machen. Und von diesen Machern profitiert im Zweifelsfall dann ein ganzes Viertel oder sogar die gesamte Stadt. Genauso so einer ist Nico Weber mit seinen Gastro-Objekten in der Mainzer Straße.

Die Namen Pizza Gotti, Baba Shuk, Nori und Red Octopus stehen nicht nur für die interessantesten gastronomischen Angebote der letzten Jahre im Quartier Mainzer Straße, sondern sind auch schlichtweg kaum außerhalb dieses hippen Kiezes vorstellbar. Denn genau solche Lokale stehen sinnbildlich für das Flair dieses Straßenzuges, zeigen dessen Besonderheit und machen leicht nachvollziehbar, warum nicht wenige hier die beliebteste Ecke der Landeshauptstadt vermuten. Hier ist halt manches hipper, bunter abwechslungsreicher, vielleicht sogar großstädtisch, aber auf jeden Fall anders. Das reicht vom Angebot im Supermarkt über das etwas andere Küchenstudio, den Tierbestatter und den kleinen Club der fast ausschließlich Livemusik bietet, bis hin zu Gastronomieperlen wie Einraum, Jules Verne oder Hunter Thompson – und eben den eingangs schon genannten vier Lokalen, die allesamt Nico Weber ersonnen hat und die doch von der Ausrichtung kaum unterschiedlicher sein könnten.

Höchste Zeit also den Mann zu treffen, der irgendwie wie für den Mainzer-Straßen-Kiez gemacht zu sein scheint und mit zu den Persönlichkeiten gehört, die dieses Viertel in den letzten Jahren ganz weit nach vorne gebracht haben. Da tut es dem Ganzen auch keinen Abbruch, wenn er mit dem Baba Shuk mittlerweile eines der Objekte wieder aufgegeben hat, denn auch dessen Einfluss ist kaum bestreitbar. Der 38-Jährige, stammt ursprünglich aus St. Ingbert, lebt aber seit gut 20 Jahren in Saarbrücken. Er hat Marketing-Kommunikation studiert, anschließend ein bisschen im Bereich Werbung und bei einer Wochenzeitung gearbeitet und dann noch zwei drei Jahre im Veranstaltungsbereich, bevor er sich entschied, sich selbstständig zu machen. Sein Herz schlug praktisch von Anfang an für die Mainzer Straße und er hat seit er nach Saarbrücken kam immer hier gelebt, höchstens mal in einer Seitenstraße wie Uhland- oder Arndtstraße. Erste gastronomische Fußabdrücke hinterließ er seit 2012 mit seinen Beteiligungen an der Burgerei am St. Johanner Markt und dem Herzenslust im Nauwieser Viertel und seit der Eröffnung des Pizza Gotti im Jahr 2020 „bespielt“ er die Mainzer Straße. Sein Traum war dabei eigentlich immer irgendwas in der Gastronomie zu machen, irgendwas, was mit Kochen zu tun hat, weil das immer schon sein Hobby war.

Warum hast Du eigentlich dann nicht Koch gelernt, immerhin entwickelst Du ja auch immer wieder Gerichte für Deine Läden?

Also ich wollte tatsächlich früher schon mal Koch werden, hab‘ auch einige Praktika gemacht unter anderem in Frankreich. Ich hab‘ dann relativ schnell gemerkt, dass die Arbeitszeiten nicht so meins waren, wenn ich dann abends um elf nach Hause kam und am nächsten Morgen wieder um zehn da sein musste. Da hab‘ ich mich dann doch für was anderes entschieden. Aber der Bereich hat mich trotzdem immer da hingezogen und irgendwas mit Essen zu tun, das ist eigentlich das, was mich erfüllt, was mir Spaß macht.“

Wie kamst Du in die Mainzer Straße?

„Ein Herz für die Mainzer Straße hatte ich schon immer und so war es eine ganz bewusste Entscheidung, hier was zu machen. Mir wurden auch viele Läden hier und da angeboten, alle natürlich viel besser und, und, und. Aber ich hab‘ keinen Bock auf Markt, weil das ganz bestimmte Ding, das mir vorschwebte, das passt nicht an den Markt, weil man da nun mal ein anderes Publikum hat. In die Nauwies würde ich auch nicht mehr gehen, obwohl das Viertel supercharmant ist. Allerdings finde ich es schade, weil dort immer mehr Abwanderung stattfindet. Es hat sich leider über die ganzen Jahre so ein bisschen zurückentwickelt, anders als es ganz früher war und eine coole Subkultur entstehen konnte. Unterm Strich glaube ich, dass meine Ideen nicht so gut laufen würden, wenn es im Viertel wäre. Hier in der Mainzer hat man einfach mehr Laufkundschaft, also bin ich hier super happy mit der Lage. Nur die Parkmöglichkeiten sind so ein Ding, vor allem für die, die von außerhalb kommen. Ich hoffe ja immer noch, das wird schon noch, wie man seit Jahren sagt. Es wird ja so langsam sukzessive ein bisschen mehr, dass sich die Mainzer Straße schon noch mehr entwickelt und so langsam in dem Glanz erstrahlt, der ihr eigentlich gerecht wird. Schlussendlich ist die Mainzer Straße einfach das Viertel hier, was ich am spannendsten finde. Und hier herrscht schon etwas mehr Gemeinschaft unter den Gewerbetreibenden und keiner ist irgendwie verfeindet. Wir sind hier alle sehr gut eingeschworen und verstehen uns alle gut.“

Reisen ist für Dich ganz offensichtlich immer ein Quell der Inspirationen?

„Ich bringe schon viel mit von den Reisen. Das ist ja auch ein Hobby von mir und meiner Frau, eigentlich relativ viel zu reisen. Neue Sachen zu entdecken, ob das jetzt Design ist oder Food, ist da auch unsere Inspiration. Und deswegen reisen wir viel, eigentlich überall hin. Auch viel in Asien, denn meine Frau hat zum Beispiel länger dort gelebt, in Taiwan. So ist man eigentlich relativ viel unterwegs.“

Neben der großen Vielfalt fällt vor allem die visuelle Stärke der Locations auf. Das heißt, dass der Look und das Branding von allen alles was du machst, Dir durchaus sehr am Herzen liegt?

„Schön, dass man das sieht! Man kann das selber ja schlecht einschätzen, wie das ankommt oder ob das auffällt. Ich würde mich einfach nicht wohlfühlen, wenn das nicht gut aussieht, gleich wie gut die Küche wäre. Das steht oft geschäftlich ein bisschen im Konflikt, wenn man merkt, wenn man es etwas mehr kommerzieller machen würde oder gemacht hätte, würde es vielleicht noch besser laufen. Vielleicht steht man sich da manchmal selber im Weg. Man hat ja einen gewissen Anspruch an sich selber, an seinen eigenen Geschmack. Wir haben ja eine gewisse Design- und Food-Affinität und da kann man es einfach nicht schlecht machen.“

Ein Herz für die Mainzer Straße

Das ist ein interessanter Punkt, denn es gibt ja noch andere Beispiele, wo ihr nicht den einfachsten Weg geht. Ich denke da beispielsweise an die eingeschränkten Reservierungsmöglichkeiten?

„Also eigentlich war am Anfang der Grundgedanke, dass es hier gar keine Reservierungen gibt, wie man es auch von Großstädten kennt, um das Ganze ganz einfach zu halten. Klar, für größere Gruppen, das muss man machen. Ich wollte es einfach ein bisschen einfacher machen, dass man sagt,  ich hab Lust was essen zu gehen, gehen wir doch einfach da und da hin. Man kriegt einen Platz und gut, wenn nicht, wartet man einfach zehn Minuten und kriegt dann einen Platz. Einfach was gutes Essen in einer ungezwungenen Atmosphäre, das war schon immer so mein Motto. Ohne irgendwie einen stylishen Kellner, für den man sich schick anziehen muss. Einfach locker und unbefangen irgendwo hingehen und man kriegt trotzdem was Gutes zu essen, was in der Regel eigentlich auch funktioniert hat. Dennoch haben wir gemerkt, manche Leute hier wollen die Sicherheit eines reservierten Tisches haben, weil sie sonst denken, die müssten dann stundenlang im Regen stehen und warten und dann kriegen sie nichts zu essen und verhungern. Weswegen jetzt auch zum Beispiel im Nori ab vier Personen Reservierungen über WhatsApp möglich sind.

Zum Thema alles andere als einfach gehört auch die ungemein hohe Authentizität, gleich ob bei neapolitanischer Pizza oder japanischer Brühe.

„Das ist mir persönlich extrem wichtig, weil ich finde immer, es fehlt ein bisschen an Läden, die es genauso authentisch machen wie wir. Und natürlich war man oft in Neapel gewesen und hat sich dort alles bis ins kleinste Detail genau angeschaut. Und deswegen habe ich einem extrem hohen Anspruch, an das was wir machen. Ich will es genauso machen wie in Neapel. Ich will die besten Zutaten haben, die lassen wir jede Woche aus Italien liefern. Ich will genauso einen Teig haben und ich will so ein Ofen haben. Das ist unser Standard, wo wir hin müssen und drunter machen wir es nicht.

Trotz dieser unbedingten Treue zum Original gelingt Dir dann aber auch mitunter eine Cross-Promo der Läden untereinander.

„Das entsteht eher zufällig, weil die Jungs aus den Läden mir natürlich immer Rückmeldungen geben. Da hieß es dann, wir brauchen unbedingt eine Pizza mit Thunfisch, alle fragen nach Thunfisch-Pizza. Ich sag dann okay, wir sind aber kein Standard Restaurant. Wir machen keine Thunfisch Pizza. Dann höre ich wieder, das sind aber echt viele, die fragen. Schließlich habe ich gesagt, wisst ihr was, wir machen eine Thunfischpizza, aber mit Frühlingszwiebeln und unserem Nori’s Chili Crisp Oil oben drüber und haben somit auch noch bisschen Werbung fürs Nori mit drin.“

Ist das Baba Shuk eventuell ein Stück weit Opfer dieser Authentizität geworden?

„Ich war ja, glaube ich, fünfmal in Tel Aviv in Nähe, hatte mich da so ein bisschen verliebt in die Küche und habe gesagt, das ist cool, das müsste man irgendwie nach Saarbrücken bringen. War vielleicht auch noch einen kleinen Tick zu früh, jetzt ist das ein bisschen mehr in aller Munde. Es war die Zeit, vielleicht auch pandemiebedingt, wo das ganze Personalthema so ein bisschen im Umbruch war. Die Leute haben sich anders orientiert, andere Ansprüche gestellt und da war es dann schwierig einen Koch zu finden, nachdem unser Hauptkoch wegen seiner Familie zurück nach Frankfurt ging. Die Köche danach haben es einfach nicht so weitergeführt, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich musste viel selbst da sein, was auch nicht funktioniert hat und hab seitdem gesucht, gesucht, gesucht. Ich habe ein Jahr lang keinen Koch gefunden, der Lust auf so eine Küche hatte oder Bock, mal was Neues zu lernen, aber da ging gar nichts. Irgendwann habe ich dann resigniert und entschieden, bevor wir es schlecht machen, machen wir es lieber gar nicht. Es war dann einfach am Schluss nur noch ein Klotz am Bein. Sehr, sehr schade. Wir haben sehr viel Herzblut in alles reingesteckt.“

Wie geht man damit um?

„Man lernt dazu und im Nachhinein weiß ich gar nicht, ob man sauer auf sich ist, weil man es vielleicht falsch eingeschätzt hat. Man schafft etwas, was in seiner Vorstellung cool war und denkt okay, gut gemacht und muss dann erkennen, das war für den größten Teil der Saarbrücker einfach vielleicht nichts oder zu viel. Das ist oft, was einen so ein bisschen sauer macht oder wo man irgendwie die Lust verlieren könnte. Die Saarländer und Saarbrücker sprechen ja gerne von der Genuss-Region und sollen kulinarisch ein Stück weit open-minded sein, es könnte meiner Meinung nach aber immer noch mehr sein.“

Und deswegen ist Dein neuestes Objekt die Bar „Red Octopus“ ja auch kein Restaurant?

„Der Raum war da und dann auch noch direkt neben dem Nori. Wir bezahlen den, haben den immer nur als Lager genutzt und Pappe da reingeworfen? Da ist es so schade, habe ich mir gedacht, wir  müssen da irgendwie was machen. Und da ich gerade irgendwie kein Bock mehr hatte, Essen zu machen, entstand die Idee, was mit Drinks zu machen. Cocktails mach‘ ich auch ganz gern zu Hause, wenn Freunde kommen. Es wäre doch cool, eine kleine Bar zu haben, wo es einfach gute Drinks gibt und wo auch ein DJ auflegt. Aber es ist halt auch sehr, sehr klein, muss man dazu sagen. wir machen bewusst nicht so viel Werbung, weil wir jetzt auch nicht so den Mainstream anziehen möchten.“

Trotz allem hält es Dich im Quartier Mainzer Straße?

„Vor Jahren haben wir schon mal überlegt, nach Berlin zu ziehen, weil wir da auch relativ viele Leute kennen. Aber wenn schon wegziehen dann lieber an einen Ort wo Ästhetik und Natur mehr im Einklang sind. Aber eventuell entsteht jetzt was Neues in einer anderen Stadt, sogar in einem anderen Land, in Tiflis in Georgien. Wir sind da relativ gut vernetzt, dort entsteht gerade eine supercoole Subkultur mit Clubs, Bars und Restaurants. Hätte ich vorher niemals gedacht und ja, da würde ich es relativ spannend finden was zu entwickeln.“

Luft nach oben

Was kann man in deinem Kiez verbessern?

„Ich finde es schade, dass die Weiterentwicklung der Bahnhofstraße nicht noch etwas in die Mainzer Straße gezogen wurde. Eine verkehrsberuhigte Zone würde hier mehr Sitzplätze für die Gastronomen ermöglichen und mit breiteren Gehwegen und einer verkehrsberuhigten Zone mehr Leute anziehen. Das gilt natürlich insbesondere für den „hinteren“ Teil der Mainzer Straße, so ab der Kreuzung mit der Paul-Marien-Straße, da wird es ein bisschen ruhiger, obwohl es auch da interessante Angebote gibt. Mich würde es freuen, wenn die Ströme ein bisschen weiter nach hier verlängert würden. Dadurch entstehen vielleicht noch mehr Konzepte und da profitiert ja dann jeder hier davon.“

Hast du schon mal bereut, Gastronom zu sein?

„Man tut halt die Dinge, weil sie einem Spaß machen und weil man Bock drauf hat, sie zu tun – und nicht rein um Geld zu verdienen. Klar, manchmal denke ich auch, ich würd lieber was anderes tun, wo ich einfacher mein Geld verdienen kann. Aber ist auch schwierig … ich kann halt nix anderes.

(Sagt’s und schmunzelt)

Ice Ice Baby!

Absolut keine Frage, woran der Saarländer am liebsten leckt! Auf Platz zwei folgt direkt ein schmackhaftes Eis aus einer tollen Eisdiele – und davon gibt es einige besonders leckere im ganzen Saarland!

In Sachen Eis ist das kulinarischste Bundesland der Welt ganz vorne mit dabei, selbst wenn man mal von solch fragwürdigen Errungenschaften wie dem 2017 erfundenen Maggi-Eis absieht. Das hatte sich damals ein Saarbrücker Eis-Dealer einfallen lassen und wir nehmen es gerne zum Anlass, dieses Jahr mal den Fokus auf die gefrorenen Leckereien außerhalb der Landeshauptstadt zu legen. Entsprechend haben wir unser Redaktionsteam mit vier Freiwilligen verstärkt, die sich der kalorienreichsten Herausforderung dieses Sommer gestellt haben und unter heldenhafter Missachtung des eigenen Blutzuckerspiegels zu Werke gegangen sind.

Doch zuerst mal ein bisschen was Grundlegendes: Die Geschichte von Eisdielen in Deutschland reicht zurück bis ins 19. Jahrhundert. Zu dieser Zeit begannen italienische Einwanderer, ihre traditionellen Eisrezepte nach Deutschland zu bringen. Diese Einwanderer, die als „Eismacher“ bekannt waren, waren die Vorreiter der deutschen Eisdielen. Die erste dokumentierte Eisproduktion in Deutschland fand im Jahr 1839 in Berlin statt. Hier eröffnete der Italiener Enrico Biscioni eine Eisdiele und begann, handgemachtes Speiseeis zu verkaufen. Damals war Eis eine echte Rarität und ein Luxusprodukt, das nur den Wohlhabenden vorbehalten war. Doch je mehr der kalte Genuss an Beliebtheit zulegte desto günstiger wurde das Eis und wurde so für ein breiteres Publikum zugänglich. Ende des 19. Jahrhunderts entstanden dann in vielen deutschen Städten Eisdielen, in denen sowohl italienisches als auch deutsches Eis angeboten wurde. In den großen Städten wie Berlin, Hamburg und München wurden die Eisdielen zu beliebten Treffpunkten für die Menschen, insbesondere während der Sommermonate.

Während des Ersten Weltkriegs und der wirtschaftlich schwierigen Zeit danach erlebten die Eisdielen einen Rückschlag. Die Rohstoffe waren knapp und teuer, und viele Eismacher mussten ihre Geschäfte schließen. Erst in den 1920er Jahren erholte sich die Branche langsam wieder. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte Deutschland einen wirtschaftlichen Aufschwung, und Eisdielen wurden erneut zu einem wichtigen Bestandteil der deutschen Kultur. In den 1950er und 1960er Jahren florierten die Eisdielen und wurden zu beliebten Ausflugszielen für Familien und Jugendliche. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich das Angebot in den Eisdielen weiter. Neben den traditionellen Sorten wie Schokolade, Vanille und Erdbeere wurden immer mehr exotische und ausgefallene Eissorten angeboten. Die Qualität des Speiseeises verbesserte sich ebenfalls, und viele Eisdielen begannen, ihr Eis selbst herzustellen, anstatt es von externen Lieferanten zu beziehen. Heutzutage gibt es in ganz Deutschland unzählige Eisdielen, die eine große Vielfalt an Geschmacksrichtungen und Kreationen anbieten. Von klassischem Softeis über handgemachtes italienisches Gelato bis hin zu veganem Eis – die Auswahl ist riesig. Eisdielen sind zu einem festen Bestandteil des deutschen Sommererlebnisses geworden und erfreuen sich großer Beliebtheit bei Jung und Alt.

Dieser Beliebtheit zollen wir Tribut und haben uns furchtlos in die saarländischen Weiten aufgemacht. Allerdings ging es nicht um Bestenliste oder Rankings, sondern einfach nur um ganz subjektive Empfehlungen, unsere 13 Lieblingsplätze aufzulisten, wo es garantiert leckeres Eis zu genießen gibt. Auch Preise lassen wir (allermeistens) unerwähnt, denn für richtig gute Qualität leistet wohl jeder gerne einen entsprechenden Obolus. So ist die Reihenfolge im Folgenden auch keinesfalls wertend zu verstehen, sondern schlichtweg dem Alphabet geschuldet.

Am Herkulesbrunnen – Kardinal-Wendel-Straße 28, 66440 Blieskastel – www.blieskasteler-eiscafe.de

Blieskastel mausert sich so langsam zur saarländischen Eishochburg, denn die im Verhältnis zur Einwohnerzahl überraschend vielen erstklassigen Eisdielen bieten ausgezeichnete Qualität, zum Teil auch mit Niederlassungen an anderen Standorten im Land. Bemerkenswert der gnadenlos trockene des Servicechefs, der immer wieder Laune macht!

Cortina – Hauptstraße 24, 66578 Schiffweiler – www.blieskasteler-eiscafe.de

Hier schmeckt man die Herkunft, denn seit 2022 ist das Eiscafé unter der Führung von Familie Cufaro, die auch das bestens beleumundete Blieskasteler Eiscafé betreibt. Die anhaltende Beliebtheit des Cortina wäre nicht möglich ohne gutes Personal und hier ist die Bedienung wirklich spektakulär. Zwei Dinge dürfen nicht unerwähnt bleiben, die lockere Atmosphäre und ausnahmsweise der Preis, denn in Schiffweiler gibt es die Kugel für 1,20, ein unschlagbarer Preis.

Da Ren – Am Markt 3, 66265 Heusweiler – www.eisdaren.de

Hier stimmt einfach alles und niemand wundert es, dass dieses Eiscafé immer wieder von Vielen als das Beste im ganzen Land ausgezeichnet wird. Die herausragende Qualität des natürlich selbstgemachten Eis‘ ist Familiensache, übrigens eine Familie, die in der altvorderen Generation in Saarbrücken seit Jahrzehnten mit dem „Capri“ für Furore sorgt. Beim Sohnemann in Heusweiler punktet noch dazu die tolle Lage am verkehrsberuhigten Marktplatz!

Europa – Kaiserstraße 64, 66386 St. Ingbert

Wieder so eine Eisdiele, die weit über ihre Heimatgemeinde hinaus einen ausgezeichneten Ruf hat. Mitten in der Fußgängerzone von St. Ingberts Altstadt in der Innenstadt gelegen gibt es tollen Service und tolles Eis. Ein Paradies für Spaghettieis-Fetischisten, da es diesen Klassiker hier in mehreren Größen und Geschmacksrichtungen gibt. Abgerundet mit einer großen Prise Sommerfeeling, weil Inhaber tatsächlich Italiener ist – und das spürt man auch. La dolce Vita eben!

Europa – Provinzialstraße 142, 66740 Saarlouis – www. eiscafe-europa-saarlouis.de

Die Spezialitäten aus diesem Café sorgen seit rund fünfzig Jahren für strahlende Augen bei Jung und Alt. Milcheis vom Feinsten, Pistazie spielt in einer eigenen Liga und auch das Spaghetti-Eis lässt keine Wünsche offen. Ursprünglich kommt dieser Eisdieler aus Burbach und betreibt auch noch eine Niederlassung in der Französischen Straße. Irgendwie der Platzhirsch in Saarlouis.

Florenz – Stummstraße 1, 66538 Neunkirchen – www.saar-parkcenter.de

Hier gibt es echt alles, von Eis bis Waffeln und von Sekt bis Aperol. Aber keine Angst, hier muss man sich nichts schön trinken, sondern kann sich der gute Mischung inklusive leckerem Eis bedenkenlos hingeben, um sich vom Shoppen zu erholen. Geheimtipp: Es gibt dort Pizza-Eis, das sollte man unbedingt mal probieren.

Gelat!Oh – Eisenbahnstraße 5, 66424 Homburg – www.gelatoh.de

Ein sommerlicher Besuch in Homburg ist niemals vollständig ohne einen Abstecher ins Gelat!Oh, Spektakuläre Eiskreationen, immer Bio, immer wieder mal in besonderen Gläsern. Da gibt es dann den Eisbecher mal nicht traditionell in einem Becher, sondern halt mal in einem Glas. Alles sehr, sehr schmackhaft und besonders originell.

Gelat!Oh – Königsbahnstraße, 66538 Neunkirchen – www.gelatoh.de

Die gleiche ausgezeichnete Qualität wie im Stammhaus in Homburg, aber durch die Lage im Einkaufszentrum kein Platz sich gemütlich hinzusetzen. Zum Mitnehmen nach dem Globus Besuch allerdings immer eine Empfehlung wert, besonders die hausgemachten „Ausnahme“ Sorten.

Kreutz – Eis & Kaffee – Deutsche Straße 12, 66740 Saarlouis – www.kreutz-eis-kaffee.de

Sehr stylisches Café und sehr angesagter Place to be. Eis in gewohnter Ausnahme-Qualität von Henry’s Eismanufaktur, da kann man eigentlich nichts verkehrt machen.

La Gondola – Französische. Str. 19, 66740 Saarlouis

Klassischer Eisdealer aus bella Italia und das muss ja wahrlich nix Schlechtes sein. Bei den zum Teil ausgefallenen Sorten ruhig mal mutig sein und, wer es süß mag, beispielsweise mal „Cherry Mania“ probieren oder das wirklich selbstgemachte Tiramisu, Wenn es außer Eis noch etwas sein darf: der Kaffee ist auch wirklich sehr gut.

La Passione del Gelato – Schloßhof 7, Ottweiler, Germany

Seit Jahren für Teile unserer Testcrew das beste Eis im Saarland. Noch dazu gibt es hier nicht nur Eis, sondern auch selbstgemachte Limonade, die muss man probiert haben muss. Oder das Spezialeis, jeden Tag gibt es mindestens fünf Sorten. Ein Traum von Eisdiele, vom immer sehr freundlichen Inhaber geführt, der, wenn es der Andrang zulässt, auch immer für ‘nen Smalltalk zu haben.

Paradiso – Lindenstraße 102, 66740 Saarlouis-Roden – www.cafe-paradiso.de

Für einen weiteren Teil unserer Eis-Karawane gibt es seit 1983 in Saarlouis-Roden das beste Eis der Umgebung. Das Eiscafé Paradiso liegt leider nicht in der Saarlouiser Innenstadt, ist aber ganz sicher jeden Umweg wert. Absolute Knaller sind die Sorten weiße Schokolade oder Amadeus Mozart, aber es gibt ständig neues und außergewöhnliches im Sortiment.

Venezia – Hauptstraße 44, 66557 Illingen

Auch in Illingen gibt es super Eis und mitten in der Stadt serviert von einem richtig freundlichen Team. Und selbst wenn das jetzt zum Start in den Sommer noch keine Rolle spielt, aber letztes Jahr war noch im Oktober geöffnet als alle anderen schon geschlossen hatten. So konnte man selbst im Spätherbst noch ein leckeres Eis genießen – und das ist ja auch schon mal was!

Mutti ist die Beste

… und das nicht nur am Muttertag. Damit das so bleibt, gibt es interessante und wirksame Angebote. In deutschen Großstädten schon etabliert, hat die „Empowering Moms“ Idee auch das Saarland erreicht.

„Genau das brauchen wir!“ und „Du sprichst mir aus der Seele“ sind Reaktionen, die Eva Lorentz oft erreichen. Vom Angebot ihrer Kunterbunt Factory mit ihren „Empowering Moms“ Kursen sind alle begeistert, folgen und liken ihre Beiträge in den sozialen Netzwerken. Im Oktober 2021 ging sie dann eigentlich an den Start, aber die heute 34jährige war da noch nicht mutig genug, das ganze Ding dann letztlich umzusetzen. Sie musste tatsächlich zum zweiten Mal Mutter werden und zum zweiten Mal erfahren, dass das endlich ein Riesenthema im Leben einer Frau ist, um dann wirklich „die Cojones zu haben“, das Ganze wirklich vorbehaltlos nach vorne zu bringen. Entsprechend richtig unterwegs in der Community ist Eva seit Januar diesen Jahres!“

Eva Lorentz wird von ihrer Mutter sehr stark unterstützt, obwohl sie ein bodenständiger Typ ist. „Meine Mutter wundert sich immer, woher das kommt, dass ich oft sehr groß denke. Wir sprechen schon öfters über das Themen wie Selbstfürsorge bei Müttern, obwohl das natürlich für sie damals überhaupt kein Thema war.“

Doch worum geht es hier überhaupt? „Empowerment“ steht für Selbstbefähigung und Selbstermächtigung und die eigenen Bedürfnisse und Interessen zu erkennen und aktiv dafür einzustehen. Es geht darum, Mütter zu unterstützen, damit sie ihr volles Potenzial entfalten können, unabhängig davon, ob sie zu Hause bleiben, arbeiten oder beides tun möchten. Es geht auch darum, die Bedeutung der Mutterschaft und die Herausforderungen, die damit verbunden sind, anzuerkennen und zu respektieren. Das Empowerment von Müttern ist zudem wichtig, um sicherzustellen, dass Frauen die gleichen Chancen und Möglichkeiten haben wie Männer, um ihre Karriere und ihr Leben nach ihren eigenen Wünschen und Bedürfnissen zu gestalten. Es kann darüber hinaus dazu beitragen, die psychische Gesundheit von Müttern zu verbessern und ihre Fähigkeit zu stärken, ihre Kinder erfolgreich zu erziehen.

Was sind das für „Moms“, die ein solches Angebot nutzen? „Ich kann bis jetzt nur vorsichtige Rückschlüsse aus den Teilnehmerinnen meinen ersten beiden Klassen und meiner Online-Community ziehen. Altersmäßig ist da alles zwischen Mitte Zwanzig und Mitte Fünfzig vertreten, einige sind wohl Akademikerinnen, andere Frauen scheinen Selbstständige zu sein und ganz viele Frauen haben gerade als Mutter einen neuen Blick auf ihren Job und möchten im Beruf etwas ändern. Eins haben alle gemeinsam, sie stellen ihre Kinder immer an die höchste Stelle, sind sehr verbunden mit den Kids und laufen Gefahr ihre Selbstfürsorge zurückzustellen. Das sind so meine ersten Erfahrungen.“

Eva Lorentz hat einen Antrag beim Ministerium für Bildung und Kultur gestellt, eine Förderung als Elternschule zu erhalten. Das würde für die Eltern die Rückerstattung der Kosten für die Teilnahme an den Kursen bedeuten.Der Antrag ging erst Anfang April raus, so dass Eva nur hoffen kann, dass sie die Förderung erhält.

Bundesweit gibt es in den großen Metropolen bereits viele Initiativen und Organisationen, die sich dem Empowerment von Müttern widmen und Veranstaltungen und Workshops organisieren, um Frauen zu ermutigen, ihr Selbstvertrauen und ihre Fähigkeiten zu stärken. Dort ist es ein Stück weit mehr Normalität, sich in Netzwerke einzubinden, Veranstaltungen zu besuchen und es gibt auch deutlich kleinteiligere Angebote für Nischen und ganz spezielle Bedürfnisse. Man stößt da eher auf Verwunderung, wenn man solche Angebote nicht annimmt, während man hier tendenziell noch komisch angeschaut wird, wenn man sich diesbezüglich einbringt. Da will Eva gerne ran, dass es einfach auch hier normal und cool ist, wenn Frauen sich um sich selbst kümmern und so als stark und intelligent wahrgenommen werden. Zwar gibt es auch im Saarland Initiativen und Organisationen, die sich für die Interessen von Frauen und Müttern einsetzen, wie das Netzwerk „Mama lernt mehr“, das von der saarländischen Landesregierung ins Leben gerufen wurde, die fokussieren sich aber eher aufs Berufsleben, Karriere und einen Business-Background. Im Saarland ist Eva Lorentz mit ihrer Kunterbunt Factory, wenn es um echtes Empowerment noch eine Vorreiterin, aber deswegen nicht weniger wichtig – im Gegenteil!

„Für den Körper der neu gebackenen Mutter gibt es viel Angebot, aber für das Mindset – es Keppsche, wie wir im Saarland sagen – habe ich für mich nichts Passendes gefunden. Daher mach ich das jetzt! Ich habe einfach Spaß zu helfen und neue Perspektiven aufzuzeigen, die einen Hindernisse überwinden oder Ressourcen identifizieren lassen und vielleicht auch verschüttete Stärken wieder freizulegen. Im Grunde genommen bin ich echt wie ein Trüffelschwein, nur finde ich keine Trüffel, sondern es fällt mir eben leicht, Potentiale und Talente zu sehen.“

Tatsächlich hat Eva Lorentz, wie dieser Vergleich erahnen lässt, auch ein Faible für großartiges Essen, aber das ist ein anderes Thema. Zu ihrem Engagement für „Moms“ kam sie selbst wie die Mutter zum Kinde – und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn das erste Mal tauchte der Gedanke während ihrer ersten Schwangerschaft auf. Eigentlich verantwortet die ambitionierte Hobby-Sportlerin mit Trainerschein als Senior Managerin den Bereich Communication mit Fokus auf Transformation in einem globalen Konzern. In der vorherigen Position als Head of Talent Acquisition drehte sich bei ihr alles um Talente, Jobinterviews, Branding und Personalentwicklung. Sie hat Communities aufgebaut, Coachings durchgeführt, Workshops moderiert, Entwicklungsangebote konzipiert und Change Prozesse angeregt.

Wie verträgt sich eine solcher Job mit einer Kunterbunt Factory? „Mein Arbeitgeber hat mir die Anfrage für mein Herzensprojekt sofort freigegeben. In meinem Berufsleben ging es schon immer um die persönliche Entwicklung von Menschen und genau diese Expertise möchte ich jetzt bei der Kunterbunt Factory einbringen und starte mit dem Thema Empowering Moms, einfach weil ich im Saarland die Frauen empowern will! Das Verständnis von Karriere hat sich bei mir durch die gewonnenen Lebensjahre und vor allem auch durch die Mutterschaft stark verändert, was auch zu dem Fokus auf mein Herzensthema in der Factory einzahlt.“

Zunehmend beobachtete die „durch und durch“ Saarländerin, dass einige Mütter denken, dass es erstrebenswert ist, ständig im Stress zu sein. Als ob man nur dann eine richtige Mutter wäre, wenn man sich komplett aufopfert und am Ende total ausgelaugt ist! Eva ist davon überzeugt, dass es an der Zeit ist, einen anderen Blickwinkel einzunehmen. Statt Stress und Erschöpfung als Statussymbole zu sehen, sollten Achtsamkeit und Wertschätzung als neue Prioritäten am Familientisch gelten. Genau diese überholten Vorstellungen und limitierenden Glaubenssätze möchte sie in die Tonne treten und sich stattdessen auf eine ausgewogene „Mom-Life-Balance“ konzentrieren. Die ständig ratternde Liste im Kopf, mit der der Familienalltag aufrechterhalten wird! Die Belastung, die durch das Organisieren von Alltagsaufgaben entsteht, die gemeinhin als nicht der Rede wert erachtet werden und somit weitestgehend unsichtbar sind! Der lange Rattenschwanz an Planungs-, Dokumentierungs- und Koordinationsaufgaben, der oftmals an den Müttern hängenbleibt. Mit ihren Unterrichtseinheiten will Eva  mit den Müttern Lösungen erarbeiten, um die psychische Belastung aufzuheben.

„Ich mag den Begriff Coach nicht so gerne und sehe mich mehr als Prozess Guide, Motivatorin und Impulsgeberin, so dass du dein Ziel erreichen kannst oder eine Leistung erzielst, die dir wichtig ist. Du bist immer selbst am Steuer! Ich bin oft eine Fragestellerin und durchbreche Gedankenspiralen, damit du Themen neu denken kannst. Als Beraterin bin ich auch Ideengeberin, diese Ideen kannst du dann auf deine Ziele abwägen und anwenden.“

Eine Umfrage Evas Kunterbunt Community zeigte, dass Männer noch kein Interesse an dem Thema Empowering Dads haben. Selbst wenn es Wein und Bier beim Workshop gäbe, würden sich nur die wenigstens darauf einlassen. Woran liegt das? „Immerhin folgen mir rund 18% Männer, aber ich glaube, dass die Männer noch nicht so den Spaß gefunden haben an Deep Talk, also an tiefgründigeren Gesprächsthemen. Für viele Frauen ist es hingegen ganz normal sich als Mütter auch über das Innerste, über Gedanken, Hoffnungen und Sorgen auszutauschen. Es scheint für Männer irgendwie noch nicht okay zu sein, sich diesbezüglich verletzlich und offen zu zeigen, was eventuell auch an der Prägung durch die eigenen Väter liegen kann.“

Du hantierst in der Community und auf Deiner Website mit auffällig vielen Anglizismen. Was soll das?

„Das war schon immer eine Schwäche von mir und viele aus meinem Arbeitsumfeld und Bekanntenkreis lachen sich darüber kaputt, weil ich eigentlich gar nicht die supergute Englischsprecherin bin. Ich finde aber, das sich auf Englisch manche Sachverhalte beziehungsweise Wörter zarter und schöner fürs Gehör klingen. Das ist eben mein Eva-Style, den Du mitbekommst, wenn Du das Thema mit mir startest. Das wirst Du dann auch im Kurs erleben, denn das zieht sich natürlich durch. Wen das nicht anspricht, der wird auch kein großer Fan von mir werden und das ist ja auch vollkommen fair. Jeder Topf findet einen passenden Deckel, auch im Bereich Coaching und Beratung.“

Ein Credo von Eva Lorentz ist: Hilfe und Unterstützung anzunehmen ist verdammt schlau! So ist sie besonders dankbar für ihren Partner, ihre Familie, ihre Freunde und all die wunderbaren Menschen, die ihr als mentale Stütze und Wegbegleiter zur Seite stehen und sie stärken. Vom Paar zu Eltern zu werden ist eben kein Spaziergang, sondern bedeutete auch für sie jede Menge Veränderung. Jeder braucht Menschen, die einen unterstützen, wenn man sich schwach fühlt, die einem Mut machen, wenn man Angst hat und die einem die Hand reichen – egal ob es sich dabei um den Partner, die Familie, Freunde oder Therapeuten, Coaches und Trainer handelt. Zusammen kann man jede Herausforderung meistern und gestärkt aus ihr hervorgehen. Eva fasst es zusammen. „Ich möchte eine starke Begleiterin für andere sein, so wie meine Wegbegleiter es für mich sind!“

Nah dran statt nur dabei

Die Formel 1 am TV oder auf der Tribüne feiern kann ja jeder. Aber wie um alles in der Welt, kommt ein Saarländer direkt an die Strecke, ins Fahrerlager und die Boxengasse. Michael Weber aus Ottweiler hat das geschafft.

Der 53jährige Unternehmer aus Ottweiler führt mit einem Geschäftspartner ein mittelständiges Unternehmen in der IT-Branche. Ein ganz normaler Saarländer, der mit seiner Frau hobbymäßig gerne mal im Urlaub die interessanteren Flecken dieser Erde besucht. Aufmerksamen Verfolgern der saarländischen Insta- und Facebook-Szene ist er vielleicht auch mal durch seine zweite Leidenschaft aufgefallen: das Fotografieren. Auf dem Gebiet hat er nämlich einiges an Talent zu bieten und seine Aktivitäten haben längst mindestens semiprofessionellen Status. Dass jetzt aber vor einem knappen Monat, die Freude am Reisen und die Hingabe zur Arbeit mit der Kamera, an der Formel 1 Strecke im Wüstensand von Bahrain zueinander fanden, empfindet der gebürtige Schiffweiler als großes Glück und besondere Ehre. Denn so einfach kommt man da nicht hin – und vor allem nicht so hautnah dran!

L!VE: Wie kommt man denn mal ebenso auf die Idee, zur Formel 1 in die Wüste zu reisen?

Michael Weber: „Da war mein Foto-Freund Thomas Füßler nicht ganz unschuldig. Der macht das für eine Fotoagentur nämlich schon seit Jahren mit der Formel 1 und meinte nach dem Rennen in Imola letztes Jahr, dass er mich eigentlich mal gerne mitnehmen würde. Abu Dhabi war dann unsere erste Idee, doch das ist, was Transport, Unterkunft und Spesen angeht, schlichtweg nicht zu bezahlen. So bin ich dann recht schnell auf Bahrain Anfang März gekommen. Hier machte die Fotoagentur allerdings zur Bedingung, dass wir nicht nur zum Rennen kommen, sondern schon eine Woche vorher die Tests der Teams ablichten. Und so wurde nach kurzem Überlegen der Aufenthalt von einem Rennwochenende auf 12 Tage verlängert. Am Aschermittwoch ging es dann los.“

L!VE: Da hast Du Glück gehabt, denn so einfach kommt man doch nicht auf die Strecke.

M. W.: „Normalerweise kommt man da überhaupt nicht hin. Du brauchst auf jeden Fall eine erfahrene Agentur, die sich auskennt, das auch schon öfter gemacht hat und ihre Fotografen bei allen Rennen im Einsatz hat. Natürlich hatte ich die auch nach Europa gefragt, aber da besteht als Neuling keine Chance. Aber Bahrain ging und so wurde ich bei der FIA, dem Formel 1 Veranstalter, akkreditiert. Die schlussendliche Zusage kommt erst zwei, drei Wochen vor dem Termin, wenn Du natürlich längst alle Flüge, Hotels und Mietwagen etc. gebucht hast. Wenn die FIA dann doch sagt, nee, dich wollen wir nicht, bleibst du auf den Kosten sitzen. Das ist halt dein Risiko. Im Endeffekt war das aber schon ein besonderes Gefühl, das das geklappt und ich habe das schon als eine Ehre empfunden, das dort machen zu dürfen. Das ist wirklich nicht selbstverständlich.“

L!VE: Und mit Deiner Akkreditierung kamst Du dann überall hin?

M. W.: „Das ist in Bahrain wirklich toll. Du kommst dann wirklich überall hin, es gibt keine Stellen, wo du nicht hin darfst und das ist natürlich super. Manchmal habe ich dann da gesessen und nur gedacht: Wow! Dieses Gefühl dann auch mit meinem Freund Thomas zu teilen war schon unbeschreiblich.“

L!VE: Entsprach Bahrain Deinen Erwartungen? Du warst ja schon wiederholt in der Region unterwegs.

M. W.: „Mit den benachbarten Dubai oder Abu Dhabi ist das wirklich überhaupt nicht zu vergleichen und privat würde ich nicht auf die Idee kommen dahin zu fahren. In der Stadt gibt es eine kleines Stück Skyline und die große Moschee, das war’s dann auch schon. Ganz im Süden gibt es aufgeschüttete Inseln, so in der Art wie in Dubai, aber das ist dort alles Privatgelände und da kommst Du gar nicht hin. Man merkt schon, dass Geld keine Rolle spielt, auch wenn man auf die Rennstrecke kommt. Da steht ein echt großes Riesenrad, das für das Wochenende aus Eisenach in Deutschland extra dahin verschifft wurde. Das hat alleine sechs Wochen gedauert. Dann aufgebaut, vom TÜV aus Dubai für 25.000 Dollar abgenommen und nach den paar Tagen montags wieder abgebaut und zurück verfrachtet. Das Riesenrad war für die Besucher des Rennens umsonst, genau wie mit einem F1-Simulator zu fahren und alle anderen Vergnügungen, inklusive der Konzerte von Craig David und DJ Snake, die dort an der Rennstrecke kostenlos geboten wurden.  

L!VE: Bist du auch gut versorgt worden?

M. W.: „Auf der Rennstrecke wirst du als Fotograf komplett versorgt, von Frühstück über Mittag- und Abendessen, da gab es auch ein großes Barbecue mit den Teams, und alles ist frei. Das ist schon ‘ne Hausnummer. Was mich allerdings überrascht hat, ist die Hotelsituation dort. Es gibt nur zwei Sorten Hotels in Bahrain, günstige und extrem teure. Gut, ich hatte mich nicht in eine Nobelherberge eingebucht, aber auch auf etwas günstigerem Niveau hat mich die Rezeption im ersten Stock doch etwas überrascht, zumal es keinen funktionsfähigen Fahrstuhl gab. Ich hatte aber wenigstens mit Fenstern in meinem Zimmer gerechnet, so kann man sich täuschen. Da half auch nur wenig, dass ich zum Ausgleich eine Pergola mit Weinranken im Zimmer stehen hatte und zwei beleuchtete Fenster-Attrappen. Also das war wirklich kein glamouröses Wohnen, aber deswegen war ich ja auch nicht da.“

L!VE: Wie nah kamst Du den Teams und Fahrern tatsächlich?

M. W.: „Wirklich richtig nah! Allein in dem Bereich zwischen Boxengasse und den Hospitalitys, wo alle die ja alle ständig durchlaufen und du dich als Fotograf tatsächlich auch aufhalten darfst, da musste einfach nur mal kurz warten bis Lewis Hamilton an dir vorbei joggt. Viele der Fahrer sind dann auch supernett und sagen auch mal hallo und grüßen dich.“

L!VE: Gab es denn irgendetwas, was Du so nicht erwartet hättest?

M. W.: „Was ganz anders war, war die Art und Weise mit der du dann das Rennen verfolgst. Normalerweise sitzt du auf der Tribüne, siehst einen kleinen Ausschnitt und beobachtest die Videowände. Als Fotograf ist es hier aber so, dass du dir zuerst eine Stelle suchst, wo du einen guten Blick auf den Start hast. Dann hoffst du auf eine tolles Bild, wenn irgendwas passieren sollte. In Bahrain ist nix passiert, also bleibst du da erstmal sieben, acht Runden, dann suchst du dir eine neue Stelle und hoffst wieder. Außerdem musst Du schon darauf achten, dass dir nicht andere Fotografen vor dir da stehen, denn da gibt es schon eine gewisse Konkurrenz und Rivalität. So geht das weiter bis sich das Rennen dem Ende nähert und du dich wieder auf den Weg in den Start/Ziel-Bereich machst, damit du spätestens für Bilder der Siegerehrung wieder rechtzeitig da bist. Unterm Strich bedeutet das, von dem eigentlichen Rennverlauf kriegst du fast gar nichts mit. Du bist nur am warten, laufen, Shuttle fahren, das kann schon stressig sein.“

L!VE: Lass mich raten, diese knapp zwei Wochen vergingen wie im Flug?

M. W.: „Stimmt, auf einmal war alles rum. Dann stehst du da, fährst von der Strecke und sagst dir immer wieder: das war’s. Wir haben dann noch ein Abschiedsfoto gemacht und dann war’s wirklich vorbei. Ein paar Tage habe ich dann hier schon gebraucht, um wieder richtig anzukommen. Inzwischen gab’s dann aber auch schon erneut Momente, wo ich dachte, Mensch, ich will wieder! Dann war jetzt auch noch das Rennen in Saudi Arabien und dann guckst du da zu und erkennst den einen oder anderen Fotografen. Da kommst du dann schon ins überlegen, aber Plätze für die europäischen Rennen, die jetzt kommen sind illusorisch und alles andere ist weit weg und schlichtweg zu teuer. Die Ambitionen habe ich ja auch gar nicht. Ich wollte es halt einmal erleben. Vielleicht habe ich auch ein bisschen Blut geleckt, aber da jetzt alle vierzehn Tage durch die Weltgeschichte zu hetzen, das wäre nicht so mein Leben.“

Immer noch einfach Emma

Vor zwei Jahren trafen wir Emma das erste Mal und stellten die Geschichte ihrer Transition vor. Höchste Zeit nachzuhören, wie es ihr seitdem ergangen ist.

Was bisher geschah: eigentlich ist Emma Lesch eine ganz normale, junge Frau und die mittlerweile 27jährige arbeitet nach wie vor in einem ganz normalen Beruf, hat ganz normale Hobbys und lebt ein ganz normales Leben. Höchstens die roten Haare lassen sie nach wie vor aus der Masse herausstechen, zumindest mehr als der nicht wirklich sichtbare Umstand, dass sie eine Mann–Frau Transition durchlebt hat. Nachdem sie die Erkenntnis, dass bei ihr irgendwas anders ist, lange Jahre nur mit sich selbst ausgemachte, war Silvester 2020 ein Facebook-Post, in dem sie ihr neues Selbst mit den Worten „Hallo Emma“ begrüßte, der erste entscheidende Schritt. Es folgten langwierige bürokratische Hürden, von mehreren Gutachten und diversen Anträgen bis schließlich hin zur geschlechtsangleichenden Operation, die ja auch nicht ohne Risiken ist. Das war der Stand als wir sie 2021 trafen.

Inzwischen ist das Thema Transgender erfreulicherweise ein Stück weit in der Normalität angekommen. Selbstredend ist da noch Luft nach oben, aber immerhin haben seitdem Trans-Menschen wie Alex Mariah Peter Heidi Klums GNTM gewonnen oder Jolina Mennen beim Promi-Turmspringen und im Dschungelcamp überzeugt. Aber die allermeisten der Betroffenen sind weiterhin keine schillernden Ausnahmeschönheiten, sondern gar normale Menschen, wie eben Emma.

L!VE: Wie hast Du denn das Feedback auf den damaligen Artikel erlebt?

Emma Lesch: „Das war vor allem die Erfahrung, dass Begegnungen mit Leuten, die mich zum ersten Mal wieder getroffen haben, deutlich angenehmer war. Jeder wusste jetzt Bescheid, ich musste nicht mehr großartig erklären. Ich konnte einfach durch Saarbrücken laufen und sein, wer ich bin und wenn es Reaktionen gab, dann waren die durchweg positiv.“

L!VE: Was gibt es abgesehen davon Neues im Leben der Emma Lesch?

E. L.: „Eigentlich nicht viel. Ich habe einfach mein Leben weiter gelebt, ganz normal mit Arbeit, immer noch bei der alten Firma, und natürlich immer noch mit Handball, leider inklusive Auf- und Abstieg, wo ich sogar eigentlich eher noch mehr Zuspruch erhalten habe. Auch körperlich keinerlei Komplikationen im Nachhinein. Alles fühlt sich so an, als wäre es ursprünglich so gewollt und auch in dieser Hinsicht keinerlei negative Erfahrungen. Wirklich neu ist nur die Tatsache, dass ich jetzt gerade auch noch mit Tennis anfange aufm Altenkessel, nachdem ich gewissermaßen aus Versehen ein Turnier im Rahmen des Handballtrainings gewonnen hatte, ohne vorher jemals wirklich einen Schläger in der Hand gehabt zu haben. Aber auch da ist meine Transition kein Thema, die kennen ja alle meine Geschichte.“

L!VE: Auch an dem beispielhaften Rückhalt Deiner Familie hat sich nichts geändert?

E. L.: „Ich würde sogar behaupten, dass wir aufgrund meiner Geschichte und wie das dann alles so gekommen ist, als Familie noch enger zusammen gewachsen sind. In jeder Hinsicht und egal was da kommt, unsere Familie ist einfach stark, gleich welcher Situation wir uns gegenüber sehen. Tatsächlich ist uns durch diese Erfahrung nochmal klar geworden, wir sind einfach eine saugeile Familie!“

L!VE: Man kann also sagen, dass Dir in der Zwischenzeit nichts widerfahren ist, was den damaligen Entschluss auch nur ansatzweise in Frage stellt?

E. L.: „Absolut nichts, nur positives Feedback. Für mich ist alles weiterhin ganz normal, beziehungsweise wie damals der Titel war, einfach Emma.“

L!VE: Du würdest also auch mit dem Abstand jetzt, alles nochmal genauso machen, wie Du es getan hast?

E. L.: „Ganz genauso, wie ich es gemacht habe! Es war ja auch alles von Anfang an bis ins Detail durchstrukturiert. Ich hatte mir tatsächlich so eine Art To-Do-List erstellt und habe die Punkt für Punkt abgearbeitet. Klar hat sich wegen Corona hier und da manches ein bisschen verzögert, aber letztlich war das vielleicht auch nur ein halbes Jahr.

L!VE: Der ganze Hype um Transmenschen in den sozialen Netzwerken bis hin zu Promi-Turmspringen und Dschungelcamp geht weiterhin spurlos an Dir vorbei?

E. L.: „Dschungelcamp hab‘ ich halt gar nicht geguckt und für mich persönlich, hat das auch nichts mit mir und meinem Leben zu tun. Ich feier‘ jeden, der den Schritt macht und sich entscheidet seinen Weg zu gehen. Ich bereue es auf gar keinen Fall! Ich sag‘ mal so, hätte ich das damals nicht getan, würde es mich heute wohl nicht mehr geben.“

L!VE: Und wahrscheinlich hast Du auch immer noch wenig bis gar nichts mit der Schwulen und Lesben-Szene zu tun?

E. L.: „Für mich ging es eben nur um das Trans-Thema und nicht noch der ganze Anhang, den viele da mit reinbringen. Ich finde es cool und auch wichtig, dass es da eine Gemeinschaft gibt, aber dadurch, das dann auch viele andere Menschen mit anderen Hintergründen dabei sind, wird das Trans-Thema oft in eine Schublade gesteckt, in die es eigentlich nicht reingehört. Das Trans-Thema ist eben nicht zwangsläufig ein schwul-lesbisches Thema. Das gilt auch nach wie vor für mich, denn ich bin offen für den- oder diejenige, die ich vielleicht dann mal finde, bin da aber überhaupt nicht festgelegt.“

L!VE: Hast Du denn durch Deine „Bekanntheit“ in der Zwischenzeit auch andere Trans-Menschen kennengelernt?

E. L.: „Bei Facebook wurde ich nach eurem Beitrag von einer angeschrieben, mit der ich dann auch kurz im Austausch war. Das hatte sich dann aber relativ schnell wieder erledigt, weil es ihr nur um Hilfe und Informationen bei den Abläufen usw. ging. Aber das hatte ich ja auch schon in dem Interview alles geschildert, da konnte man das quasi nachlesen. Natürlich haben sich in den Jahren neue Freundschaften ergeben und ich habe viele neue Leute kennengelernt, beim Feiern in der Garage und so, aber das hatte nichts mit meiner Geschichte zu tun. Halt alles ganz normal, ich steh‘ morgens auf, lebe mein Leben und geh‘ abends wieder ins Bett. Kein Hype, kein Drama, einfach Emma. Ich glaube ich bin die normalste Person, die es gibt.“

L!VE: Also auch beim Thema Kennenlernen alles ganz normal?

E. L.: „Die einzig neue Erfahrung, die ich in der Beziehung gemacht habe, ist der Erstkontakt mit Kindern. Die sind nämlich die misstrauischsten Menschen der Welt und halten damit auch nicht hinterm Berg. Ich habe halt immer noch meine relativ tiefe Stimme und da stehen die dann schon mal mit großen Augen da und man kann ihnen richtig ansehen, wie es in ihren Köpfen rattert. Mann? Frau? Mann? Frau? Die sind das halt nicht gewöhnt, dass da jemand vor ihnen steht, vom Aussehen her Frau, von der Stimme ein Mann. Die allermeisten Kinder denken durch ihre Eltern, Väter und Mütter, ganz natürlich erstmal nur in diesen zwei Kategorien und wenn sie dann etwas begegnen, das da irgendwie nicht rein passt, irgendwie in der Mitte zu sein scheint, dann beschäftigt die das natürlich. Aber irgendwann haben sie sich auch dran gewöhnt und dann ist auch alles gut. Besonders knifflig wurde es besonders nur bei den älteren Geschwistern meines zweijährigen Patenkindes. Die hatten mich nämlich noch als Mann kennengelernt und da musste schon eine gute Geschichte her, die sie auch verstehen konnten. Wir haben denen dann erzählt, ich hätte damals eine Wette verloren und hätte ein Jahr als Mann rumlaufen müssen. Das hat als Erklärung gereicht.“

L!VE: Abschließend müssen wir natürlich noch fragen, wie präsent ist denn da das Thema nach fast drei Jahren überhaupt noch für Dich?

E. L.: „Ach, ich schau‘ mir schon noch gerne Dokumentationen darüber an oder wie es anderen Menschen ergangen ist bei ihrer Transition. Das finde ich immer noch interessant und davon sollte es ruhig mehr geben.“

TOUCHDOWN FÜRS SAARLAND

Das Saarland wird beherrscht von Wölfen, Mustangs, Terriern, Kelten, Heiligen und Wirbelstürmen, zumindest wenn man nach den Namen der saarländischen American Football Teams geht. Und die haben einiges zu bieten und das unmittelbar vor der Haustür, ganz ohne nachtschlafende TV-Übertragungen!

American Football ist die boomende Sportart der Stunde und das gilt natürlich auch im Saarland. Seit Mitte der Achtziger wird auch hierzulande um Raumgewinn und Touchdowns gekämpft, zum Teil mit so geselligen Namen wie den „Ghostbusters“ und den Saarwiesen als Trainingsgelände.  Aktuell hat jeder der sechs saarländischen Landkreise mindestens ein Football-Team vorzuweisen. Am Spielbetrieb im schönsten Bundesland der Welt nehmen insgesamt 14 Mannschaften aus sechs Vereinen, den Saarland Hurricanes (Saarbrücken), Saar-Pfalz Celtics (Homburg), Saarlouis Saints, South West Wolves (St. Wendel), Merzig Mustangs und White Terriers Illingen, teil. Die beiden Letztgenannten ausschließlich im wesentlich körperloseren, aber immer populärer werdenden Flagfootball. Im Tackle-Bereich, also dem klassischen Football, wie man ihn zum Beispiel aus der NFL kennt, ein Damen- und fünf Herrenteams sowie vier Jugendmannschaften. Im Flagfootball-Bereich, wo die Spieler durch Abziehen eines lose am Gürtel befestigten Textilstreifen, einer „Flag“, gestoppt werden, sind es weitere drei Erwachsenen- und eine Jugendmannschaft.

Die Zahl der Aktiven hat die 1.000er Marke mittlerweile deutlich überschritten, wobei die genauen Ergebnisse erst nach der jährlichen Bestandsmeldung im Mai feststehen. Der Aufwärtstrend in allen Bereichen allerdings ist unübersehbar. Das gilt natürlich auch für das eng mit dem American Football verbundene Cheerleading, wo in den zwei Verbänden Cheerleading und Cheerperformance, schon letztes Jahr knapp 300 Mitglieder gemeldet waren. Das gibt deutlich Anlass von einem weiterführenden Aufwärtstrend auszugehen, wenn gleich Torsten Reif, der Präsident des saarländischen Football-Verbands AFCV und selbst lange Jahre Spieler bei den Saarbrücker Wölfen und den Saarland Hurricanes, auch Bereiche mit Luft nach oben ausmacht:

„Die Entwicklung ist auf jeden Fall positiv. Selbst in den schwierigen Coronazeiten hatten die Vereine Zulauf. Dennoch könnten die Zuwachsraten größer sein, deshalb versuchen wir als Verband die meist jungen Vereine bei Ihrer Jugendarbeit zu unterstützen. Dem medialen Hype um die NFL müssen auch entsprechende Angebote vor Ort gegenüber stehen, wenn diese zunehmende Popularität auch im Verband ankommen soll. Insofern sind wir froh, dass es neben dem Aushängeschild Saarland Hurricanes mittlerweile in allen Landkreisen weitere Footballangebote gibt. Mit Blick auf die Olympischen Spiele 2028 wird dem Flagfootball eine immer größere Bedeutung zukommen, auch weil gerade die NFL das Thema Flagfootball pusht. Wir wollen als Verband sicherstellen, dass wir diese Entwicklung voll mitgehen können. Immerhin ist der Headcoach der Deutschen Damen-Flagfootball-Nationalmannschaft zu den Canes gewechselt, um diese neue Sparte weiter aufzubauen.“

Als eines der  32 Teams der höchsten deutschen Spielklasse, der German Football League (GFL), sind die Saarland Hurricanes natürlich das Aushängeschild des saarländischen Footballs. Wenn die neue Saison im Mai startet, kann wohl mit einiger Sicherheit wieder mit Rekordbesucherzahlen im Ludwigspark gerechnet werden, auch wenn die Canes ihr erstes Heimspiel erst am dritten Juni bestreiten werden. Immerhin hat das Team bereits viele Jahre in der German Football League und German Football League 2 gespielt. Entstanden sind die Saarland Hurricanes 1996 aus einer Fusion der Dillingen Steelhawks und der Saarbrücken Wölfe. Bereits im ersten Jahr wurden die Hurricanes Meister der 2. Bundesliga Süd und stiegen 2000 in die German Football League auf. Unter Coach Kirk Heidelberg, erreichten die Hurricanes 2005 dort erstmals die Teilnahme an den Play-Offs. 2011 wurde das eigene Trainingsgelände „Home oft he Canes“ mit Kunstrasenplatz am Saarbrücker Matzenberg eingeweiht. 2013 wurde dann zum bislang erfolgreichste Jahr der Vereinsgeschichte, mit Platz fünf in der GFL und vier von sieben gewonnen Heimspielen.“

Dass im Saarland bei diesem vermeintlich so männlichen Sport, auch Frauen ein wichtiges Wörtchen mitzureden haben, beweist seit Oktober vergangenen Jahres Annika Krämer. Die Bankerin ist als Vizepräsidentin im Bereich Kommunikation und Marketing erste Frau im Vorstand der Saarland Hurricanes. Zum Football kam sie übers Cheerleading und ist seit 2009 bei den Canes. In ihrer aktuellen Position fühlt sie sich sehr wohl und ist nebenbei bemerkt auch sehr zufrieden mit ihrer „Boy Band“. Natürlich hat sie eine eigene, klare Vorstellung vom Status Quo und der Entwicklung des Footballs an der Saar:

„Prinzipiell merken wir schon was von der steigenden Popularität. Vor ein paar Jahren habe die Leute noch verwundert auf Football und Cheerleading reagiert und gefragt, ob es das hier überhaupt gibt. Aber mittlerweile hat sich das schon in den Köpfen drin. Die Beurteilung der Entwicklung in den letzten Jahren ist dennoch etwas schwierig, weil da ja noch Corona war. Ich denke, das braucht noch ein, zwei Jahre bis deutlich wird, wie krass der Schub im Endeffekt wirklich war. Unterm Strich kann man aber jetzt schon sagen, die Leute interessiert das Thema Football immer mehr und sie verfolgen auch uns und unsere Spiele immer aufmerksamer. Das gilt natürlich auch fürs Cheerleading, wo wir in den letzten Jahren ebenfalls einen echten Boom verzeichnen konnten. Wir mussten tatsächlich zum ersten Mal mit Wartelisten arbeiten, sonst hätten wir in jeder der vier Sparten jeweils über 60 Leute beim Training gehabt, was nicht zu bewältigen gewesen wäre. Selbst den Pee Wee Bereich, also unser jüngstes Kinderteam, mussten wir in pure Anfänger und Fortgeschritten aufspalten, da es sonst wirklich nicht mehr händelbar gewesen wäre. Generell kann man sagen, dass sich in den Köpfen der Leute durchgesetzt hat, dass Cheerleading viel mehr ist als das reine Sideline, sondern eben echter Leistungssport, wie ja auch die vielen Wettbewerbe und Meisterschaften zeigen.“

Doch Cheerleading ist nicht der einzige Bereich, in dem Frauen und Mädchen bei den Hurricanes auftrumpfen können. Die 2014 gegründeten Saarland LadyCanes, die Damenmannschaft der Saarland Hurricanes, starteten 2016 in ihre erste Saison und wurden überraschend gleich Dritter. Seither sind die Lady Canes eine feste Größe im American Football, was sich auch darin zeigt, dass zuletzt gleich vier Spielerinnen aus ihren Reihen, darunter auch Quarterback Mona Stevens, in die deutsche Nationalmannschaft berufen wurden. Darauf ist Frau Vizepräsidentin besonders stolz, zumal die LadyCanes jetzt gerade in die erste Bundesliga aufgestiegen sind. Dort, bzw. in der GFL haben sich ihre männlichen Kollegen ja mittlerweile etabliert und haben schon die neue Saison fest im Blick und Annika Krämer kennt natürlich auch die Zielsetzungen der Canes für 2023:

 „Mindestens die Playoffs. Die sind natürlich auch dieses Jahr wieder ein erstes Ziel von uns, das wir ja auch schon oft erreicht haben. Nun ist es aber so, dass sich in Deutschland mit der European League of Football ELF eine neue Liga gegründet hat, die prinzipiell der GFL durch das Abziehen von Talenten schon ordentlich weh tut. Es wäre vielleicht schön, wenn da besser zusammengearbeitet worden wäre und vielleicht gelingt das ja in Zukunft. Für uns als Canes ist das allerdings fast schon ein Vorteil, da wir hier in der Umgebung kein ELF-Team haben und so unseren Stamm und unsere Qualität halten konnten, was für unsere Konkurrenten vielleicht nicht in gleichem Maße gilt. Aus diesem Blickwinkel betrachtet könnte diese Season für uns besonders interessant werden, zumal uns einige interessante Neuverpflichtungen gelungen sind und wir auch noch weiter recruiten. Es wird wirklich spannend.“

Die Rolle der EFL und deren Einfluss auch auf den Football im Saarland sorgt auch bei Verbandspräsident Reif nicht unbedingt für ungeteilte Freude:

„Als Verband können wir der EFL nur kritisch gegenüber stehen. Die ELF ist ein einzig auf wirtschaftlichen Gewinn ausgerichtetes Unternehmen, die versucht die besten Footballspieler aus den Vereinen abzuziehen und mit ihnen einen Profit zu generieren ohne in den Sport zu investieren. Die ELF versucht über den Medienpartner Pro7 die große Aufmerksamkeit der NFL auf das eigene Produkt zu lenken und verkauft sich gerne als kommender Partner des großen Bruders aus den USA. Da die NFL aber zunehmend den Fokus auf Olympia legt, kann der deutsche Verband  hoffentlich enger an die NFL heranrücken und diese Kooperation nutzen, um die eigenen Ligen wieder aufzuwerten. Außerdem kann die EFL kann Flag-Football nicht bedienen, was langfristig für sie sicherlich problematisch wird.  Was die sportliche Stärke angeht bin ich der Überzeugung, dass der aktuelle deutsche Meister Schwäbisch Hall Unicorns den Meister der ELF, die Vienna Vikings in einem direkten Aufeinandertreffen geschlagen hätte. Wenn ich darüber hinaus die Qualität des Livestreams der Saarland Hurricanes mit den Übertragungen der ELF vergleiche, können nur wenige deren Formate mithalten, sowohl was die Technik als auch was den sportlichen Inhalt betrifft.“

Mr. Wyld

Autotuning, Tattoos, Modelabel und Partymacher – Hauptsache kreativ! Pascal Klein produziert Lifestyle der besonderen Art und wird damit selbst zur Marke.

Wenn es dieses obercharismatische Multitalent nicht schon gäbe, dann müsste man ihn auf jeden Fall erfinden. Aber auch das hat Pascal Klein a.k.a. Mr. Wyld schon längst selbst erledigt, denn wie alles um sich herum hat er auch sich selbst kreiert und zur unverwechselbaren Marke gemacht. Dabei entspricht der 32jährige gleichzeitig interessanterweise auch allen gängigen, bürgerlichen Klischees. Er ist verlobt, gerade eben Vater geworden und hat ein Haus gekauft, natürlich da, wo er auch selbst aufgewachsen ist: in Gersweiler. Dort hat sich seine künstlerische und kreative Ader schon früh gezeigt. Er hat als Kind viel gezeichnet, hatte schon immer ein extrem gutes Auge und so zum Beispiel auch mit Leichtigkeit Comics kopiert. Schon früh zeichneten ihn eine gewisse Ungeduld und eine kreative Unruhe aus. Als Jugendlicher dann ist er natürlich auch viel auf Partys unterwegs, trägt auffällige Brillen, stylt seine Klamotten selber um und hat großen Spaß daran, sich selber auszudrücken und aufzufallen, immer ein bisschen gegen den Strom. Da blieb wenig Energie für den Mathematikunterricht auf dem Gymnasium übrig und ein Jahres-Praktikum bei BMW in Saarbrücken hat in seinen Augen deutlich mehr Potential.

Aus dem Praktikum wird eine Ausbildung als KFZ-Mechatroniker und seine alte Begeisterung für motorisierte Zweiräder flammt wieder auf, als er feststellt, dass an denen hier noch richtig geschraubt wird, während die Autos eigentlich nur an den Computer gehängt werden. Trotzdem hatte er, wenn ein neues Auto reinkam, sofort Ideen, was er ändern oder damit anstellen würde, was ihm nach kürzester Zeit auch beim Meister den Spitznamen „Tuning“ einbrachte. Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung wird er zwar übernommen, aber er will schon längst wieder etwas anderes, nämlich Geld verdienen und er geht für fünf Jahre zur ZF. Dann allerdings reizt ihn die Vorstellung, sein eigener Herr zu werden mehr und 2017 macht er sich als Tätowierer selbstständig. Und auch, wenn er ansonsten seinen Talenten auf vielen anderen Gebieten freien Lauf lässt, dem Autotuning ist er immer treu geblieben und sieht darin auch heute noch den Hauptbestandteil seines Alltags bzw. seines beruflichen Lebens.

Eines Deiner letzthin bekanntesten Projekte und echter Hingucker ist ein brasilianischer Puma GTE?

„Genau, mit dem habe ich auch beim Hot Wheels Legends Wettbewerb teilgenommen und bin gleich in die nächsten Runden gekommen, unter die letzten 64 Autos, was quasi das Halbfinale war. Dann gab es zwei Entscheidungen, zum einen online durch die Community und zum anderen durch die original Hot Wheels Designer aus den Staaten. Bei der Online Abstimmung bin ich Dritter oder Fünfter geworden, obwohl ich nur eine einzige Story von dem VW Puma gepostet hatte, während andere da so richtig Gas gegeben hatten. Durch die deutsche Jury-Entscheidung bin ich dann ins Finale gekommen, das bei den Performance & Style Days in Hannover stattfand, hab‘ dort das Rennen gemacht und wurde deutscher Champion. Damit war ich dann auch startberechtigt beim Weltfinale in Las Vegas, das dann aber wegen „Corona“ nicht stattfinden konnte. Da kann denken, was man will, aber mich kennen seitdem wenigstens auch Leute in Brasilien und taggen mich in ihren Storys, wenn sie mal einen Puma am Straßenrand sehen. Meiner ist halt der am extremsten umgebaute Puma weltweit.“

Arbeitest Du immer nur an einem Wagen oder hast Du parallel schon das nächste Projekt im Auge?

„Ganz am Anfang, hatte ich immer nur mein Hauptauto, an dem ich gearbeitet hatte. Irgendwann hatte ich dann mal einen Porsche und habe mir dann noch ein kleines Alltagsauto dazu gekauft. Das hat sich dann so weiter entwickelt, für die Firma kam dann noch ein Firmenwagen dazu, plus ein praktisches „Baustellen-Auto“, wenn ich mal was Gröberes transportieren musste, und schließlich kam zu dem Haupt-Umbauprojekt noch was Zweites dazu. Ich kaufe immer was Günstiges, mach‘ das schöner und tausche es gegen was Besseres. Das ist seitdem immer so. Und natürlich ist das Optische für mich immer am wichtigsten, nicht so sehr die Leistung und so suche ich mir ja auch meine Autos aus.“

Der nächste Scheunenfund steht also schon bereit?

„Tatsächlich ist gerade mein erstes Riesenprojekt fertig geworden, was auch für ordentlich Aufsehen gesorgt hat, ein ziemlich kaputter Ferrari mit Unfallschaden. Der wird dann für 2023 nochmal extremer umgebaut, damit er so richtig viral gehen kann. Trotzdem schmiede ich insgeheim schon wieder erste Pläne für was ganz Neues. Auch wieder was sehr, sehr Günstiges, einfach weil sowas die Leute der Generation YouTube am meisten abholt. So was für drei oder viertausend Euro, was für die Abonnenten auch realistisch ist, wo die sich reinversetzen können.“

Gleichzeitig hast Du auch tätowiert, wie kam es dazu?

Schon während meiner Schulzeit hatte ich immer Nebenjobs von Pizzabäcker und Zeitungsbote bis Regale im Supermarkt einräumen, einfach alles. Bei meiner Ausbildung bei BMW hatte ich im letzten Lehrjahr gerade mal 460 Euro verdient, musste aber die Kosten für das eigenes Auto und Motorrad alles selbst tragen. Das war schon schwierig. Außerdem wollte ich noch Geld haben, für Klamotten und so. Da bot mein Vater an, mir eine Tattowier-Maschine zu kaufen, weil ich schon immer gut zeichnen konnte. Und da ich absolut kein Kopfmensch bin, sondern einfach immer nur mache, wurde die Maschine bestellt. Ich hab‘ dann eine Woche auf ‘ner Gummihaut ein bisschen geübt und eine weitere auf ‘ner Schweinehaut. Anschließend wurden direkt meine Kumpels verpflichtet, los herkommen, ich mach‘ das jetzt. Irgendwann nach meiner Ausbildung und der Arbeit bei ZF habe ich dann mein eigenes Ding gemacht. Erst habe ich zwei Jahre im Studio meines Tätowierers in Frankreich gearbeitet. Als der sich dann räumlich verkleinern wollte, habe ich einen Laden in Gersweiler gefunden und mein eigenes Studio eröffnet. Von da an war mir klar, das Tätowieren immer eine Alternative ist, weil es megaviel Spaß macht, ich mein eigener Boss bin und meine Kreativität ausleben kann.

… und gleichzeitig wird Autos geschraubt?

Das hatte ich ja schon die ganze Zeit gemacht, aber halt nicht so wirklich intensiv. Eigentlich ging das  mit der Autoszene erst 2019 richtig extrem los, als ich auf YouTube auch öffentlich geschraubt habe. Seitdem bin ich europaweit auf Autoshows dabei. Dieses Jahr stelle ich zum ersten Mal meine Autos in England aus und „muss“ inzwischen sogar Autogramme geben und mit den Leuten Selfies machen. Das ist zwar auch anstrengend, aber ich liebe es wirklich in der Öffentlichkeit zu stehen und fühle mich auch ein wenig dafür gemacht.

Aber Deine Kreativität beschränkt sich ja nicht nur auf Autotuning und Tätowiererei, zur Wyld Marke gehört ja auch noch ein Modelabel?

„Das kam so mit der Corona-Pandemie, als ich im Lockdown nicht mehr tätowieren konnte. Das war der Hauptauslöser. Da hab‘ ich angefangen weiter zu denken und zu planen. Für mich gibt es nämlich keine Probleme, sondern immer nur Lösungen. Also habe ich überlegt, was mach‘ ich, wo bin ich unabhängig und was passt trotzdem zu mir. Dann habe ich mit YouTube angefangen und mich entschieden einen Online-Shop zu machen. Da ich sowieso immer aufs Aussehen und Style achte, hab‘ ich mir gedacht, da feature ich doch einfach meinen Style, mich als Marke und produziere Sachen, die ich verkörpere und die meinen Interessen entsprechen, für die Leute, die meinen Style cool finden. Es gibt natürlich viele geile Klamottenlaben, die aber mittlerweile extrem teuer sind, und so habe ich mir gedacht, ich kann da auch und verwirkliche mich auch auf diesem Gebiet.“

Wie kam es zu dem Namen Wyld?

Es sollte ein universelles Wort sein, weil ich nichts Autospezifisches wollte. Ich wollte was Freies, was mich aber gleichzeitig auch ein bisschen beschreibt und womit sich generell die Leute identifizieren können.

Jetzt gibt es auch Partys unter dem Namen „Wyld“…

Die Idee war eigentlich meine Marke weiter zu featuren. Ich bin ja selbst mein größter Fan. Dann war die Überlegung, was gibt es denn für Events für ein junges Klientel außerhalb der Autoszene? Das sind allermeistens Musikevents. Und da es auf Konzerten nicht wirklich Sinn macht, war klar, ich muss ins Nachtleben, in die Clubs. Ich liebe Musik über alles, tanze für mein Leben gern und HipHop is‘ halt mein Ding. Dann war der Gedanke naheliegend, mir für ein erfolgreiches Marketing auch große Künstler zu buchen. Einmal in Kontakt mit den Acts, kann ich denen auch meine Klamotten geben und erzeuge so Sichtbarkeit für meine Marke, die die Leute so mit tollen Nächten und den geilsten Partys verbinden und immerhin mit so großen Namen wie Jeezy, Faroon und Summer Cem, den wirklich größten Rappern in Deutschland. Eigentlich sind die Partys schon fast zu krass für eine Stadt wie Saarbrücken. Ich muss aber ehrlich sagen, das ist genau meine Wellenlänge und so werden auch die Karten für ganz Saarbrücken neu gemischt, wovon wirklich alle profitieren.

Da Du ja augenscheinlich für alles Talent hat, wann können wir uns auf deine erste Musik-Produktionen freuen?

Produzieren eher nicht, aber ich kann immerhin Schlagzeug spielen. Und einer meiner Gast-Tätowierer, der Joey aus Amsterdam, ist tatsächlich Rapper und ich habe schon ein, zwei Texte geschrieben, um vielleicht mal als Feature bei ein paar Tracks von ihm dabei zu sein.

Einer ist nicht zu stoppen.

Eine nicht enden wollende Flut von Preisen zeichnet Autor, Schauspieler und Filmemacher Sebastian Pink aus. Festivals rund um den Globus, von Europa über Asien bis in die USA, überhäufen die Filme des gebürtigen Lebachers mit Auszeichnungen. Doch der ist nicht zu bremsen!

In den letzten zweieinhalb Jahren hat der gelernte Einzelhandelskaufmann 20 Bücher, zwei Hörbücher, sieben Songs und zwei Filme veröffentlicht. Dazu war er acht Mal als Schauspieler in zahlreichen TV-Formaten wie „Bettys Diagnose“ (ZDF), „Eine Klasse für sich“ (ARD), „In Wahrheit“ (ZDF), „Alles was zählt“ (RTL) und Kinoproduktionen wie „Enkel für Anfänger“ zu sehen – und natürlich in den eigenen Filmen „Memories“ und „The Way home“, beide aus 2022. Und die ganze Zeit schreibt er pausenlos an neuen Projekten, mitunter Tag und Nacht. Das legt natürlich die Frage nach der Antriebsfeder für solch eine enorme Produktivität nahe.

Bücher und Hörbücher, Einsätze als Schauspieler in Filmen und Serie und das alles erst seit vorletztem Jahr. Woher kommt diese enorme Produktivität?

„Schreiben tue ich ja eigentlich schon seit ich etwa 11 Jahre war. Mit dem Älterwerden wurden die Geschichten natürlich komplexer und altersgemäßer und ich habe recht bald versucht, etwas davon verfilmen zu lassen. Da kam aber leider nie was bei rum. Es gab auch Phasen, in denen ich weniger oder einmal zwei Jahre lang gar nichts geschrieben habe. Dann kam das Jahr 2019 und ich wurde angerufen, ob ich nicht in der RTL Serie „Unter uns“ eine kleine Rolle übernehmen wolle. Nur eine Woche später kam ich zu einem Auftritt in „Bettys Diagnose“ fürs ZDF. Das hat irgendwas bei mir ausgelöst und ich fing wieder an wie ein Geistesgestörter Drehbücher zu schreiben. Dann kontaktiere mich auch noch ein Verlag, ob ich nicht Lust hätte eine Kurzgeschichte von mir, „Meine letzte Woche mit Dad“, als Buch herauszubringen. Die habe ich dann entsprechend umgeschrieben und da sich ja jahrelang extrem viel Material angesammelt hatte, konnte ich dann in ganz kurzer Zeit, ein Buch nach dem anderen raushauen.“

Sebastian Pinks Leben ist so vielfältig, wie die Bücher, die er schreibt. Sein Lebensweg begann am 1985 in Lebach. Schon mit elf Jahren fing er an Drehbücher und Geschichten zu schreiben, eine Leidenschaft, er niemals aufgab. Dazu gehörte auch eine unglaublich intensive Phase als Autor unterschiedlicher (Kinder-)Bücher, Comics, Hörbücher, Kochbüchern, Leitfäden und einer Vielzahl an individuellen und kleineren Kurzgeschichten. Dabei überrascht er seine Leser in seinen Werken nicht nur durch seine eloquenten und mitunter humorvollen Wortwitzen, sondern zeigt ein tiefes Verständnis für Werte, wie Liebe, Zusammenhalt und Spannung, die er wortgewandt in seine Bücher einfließen lässt. Insbesondere seine Kindergeschichten können jedoch gerade das Herz der Kleinen erwärmen und ihnen wichtige gesellschaftliche Werte vermitteln.

Du bist Autor, Schauspieler, Filmemacher, Sänger und nicht zuletzt Vater. Wann schläfst Du eigentlich?

„Das ist unterschiedlich, ich nutze verschiedenste Gelegenheiten. Ich leg‘ mich dann auch schon mal hin, wenn der Kleine im Kindergarten ist, besonders, wenn ich bis in die Nacht geschrieben habe. Ich versuche immer auch kleinste Momente zum Schrieben auszunutzen. Ich saß schon in der Ausbildung während der einen Stunde Mittagspause da, habe alles schnell reingeschlungen, nur damit ich Zeit zum Schreiben habe. Sobald ich einen Gedanken habe, sitze ich da und schreibe, egal wie viel Uhr es gerade ist.“

Dabei ging es Sebastian Pink nie vorrangig um das Verfassen von „normalen“ Büchern“, sondern immer um Drehbücher. Der allergrößte Teil seiner Geschichten, die als Buch veröffentlicht wurden, basieren auf seinen Filmscripts. Aber das, was er eigentlich will, ist Filme drehen und in dieser Beziehung ist das Umschreiben von Drehbüchern in Bücher eher hinderlich, weil sehr zeitaufwändig. Zudem hält es ihn vom Schreiben neuer Drehbücher ab. So wundert es nicht, dass er nach Ausbildung und Tätigkeiten in der Versicherungsbranche und dem Sicherheitsgewerbe vor zwei Jahren zurück zum Film gekehrt ist: Erst als Schauspieler, dann ab dem Februar 2021 mit einer eignen Produktionsfirma „Movie-Production“. Im Januar 2023 werden die Dreharbeiten zu „Miracle for Christmas“, seinem dritten Film, beginnen, wieder ein Kurzfilm von etwa einer Viertelstunde.“

Deine Genres sind einerseits Kinderbücher, aber andererseits auch Thriller. Eine beeindruckende Bandbreite.“

„Genau. Die Kinderbücher um den kleinen Paul bilden ja die Entwicklung meines Sohnes ab, der so quasi zur Cartoon-Figur geworden ist, nicht zuletzt durch die tollen Illustrationen von Isabell Ristow. Das ist dann nicht ganz so viel Aufwand, da muss ich ja nur protokollieren. Da war der Psycho-Thriller „Juliette“ den ich jetzt im August veröffentlicht habe, schon etwas aufwändiger und natürlich etwas ganz anderes und erwachseneres.“

Aktuell konzentriert sich Pink mehr aufs Filmemachen. Das kann man ihm auch kaum verdenken, schließlich hat sein erster Kurzspielfilm „Memories” vom Januar diesen Jahres bisher 35 Auszeichnungen erhalten, darunter auch dritter Platz bei den New York International Film Awards für ihn selbst als bester Schauspieler. Auch sein zweiter Kurzspielfilm “The Way Home”, der gerade erst im September fertig gestellt wurde, hat schon zehn Auszeichnungen eingeheimst, darunter ein erster Platz als bester Thriller vom „The Black Panther International Short Film Festival“ in Indien und bei den türkischen „Nicomedia Film Awards“.  

Treibt dich die Flut von Preisen, die Deine Produktionen eingefahren haben, immer wieder an?

„Sowas kann man ja nicht im Voraus planen. Als ich meinen ersten Film „Memories“ rausgebracht habe und der dann so derart reingeknallt hat, habe ich mir nur gedacht: „Wow, was geht denn jetzt hier ab?“. Als die Preise aus Hollywood, Paris und New York City kamen, konnte ich es gar nicht glauben. Inzwischen hat der Film 35 Auszeichnungen eingeheimst und er ist ja immer noch am Laufen, vielleicht auch noch nächstes Jahr beim Max-Ophüls-Preis. Eingereicht ist er zumindest. Mein zweiter Film „The Way home“, der ja erst seit Anfang November läuft, hat jetzt unglaublicherweise auch schon mehr als zehn Preise gewonnen.“

Wie hast Du das Budget für Deinen ersten Kurzfilm „Memories“ zusammengekriet?

„Da musste ich mich richtig reinknien. Ich ging für diesen Kurzfilm von drei oder vier Drehtagen aus und habe als erstes Schauspieler aus den Kultserien „Alles was zählt“ und „Unter uns“ verpflichtet. Eine Zusammenarbeit, von der ich schon als Kind geträumt hatte. Aber auch mit dieser tollen Besetzung ist es schwierig gewesen, die Mittel zusammen zu bekommen, denn zum Beispiel die öffentlichen Filmfördermittel sind für Neulinge kaum zu erreichen. Da war es einfacher und ertragreicher sich nach Sponsoren in der Privatwirtschaft umzusehen. Schließlich habe ich schnell gelernt, was sich mit einer Getränkedose aus der der Hauptdarsteller trinkt, erreichen lässt oder mit einem echten Unternehmerehepaar, die in kleinen Rollen quasi sich selber spielen und auch noch den Drehort zur Verfügung stellen.“

Wann beginnen die Dreharbeiten für Deinen ersten Langfilm „Die letzte Woche mit Dad“?

„Das steht wirklich noch ein Stück weit in den Sternen, denn für so ein Projekt, einen zweistündigen Spielfilm, braucht man richtig viel Geld. Eine Viertelmillion wird da kaum reichen. Andererseits steht die Besetzung schon. Alle angefragten Schauspieler wollen unbedingt mitmachen. Das freut mich natürlich sehr, denn ehrlich gesagt, habe ich schon beim Schreiben vor Augen, wer welche Rolle übernehmen soll. Das hat schon bei „Memories“ und „The Way home“ geklappt. Da hat das Casting schon beim Schreiben bei mir im Kopf stattgefunden. Vorher drehen wir aber auf jeden Fall noch meinen dritten Kurzfilm „Miracle for Christmas“ ab. Der läuft dann mit ein bisschen Glück ab Februar auf einigen Festivals und wenn er auch ein paar Preise gewinnen sollte, ist er zusammen mit dem tollen Cast ein gutes Argument, um weitere Sponsoren zu überzeugen.“

Wie kam der Kontakt zu den Stars zustande?

„Das ging schon durch die Bücher los, weil ich durch deren Erfolg plötzlich auf Promi-Partys und Red-Carpet-Events eingeladen wurde. Da habe ich dann viele kenngelernt, Kontakte geknüpft, Nummern ausgetauscht und so kam die ein oder andere Zusammenarbeit zustande.“

Wo kann meine deine Filme außerhalb der Festivals sehen?

„In der Regel laufen die etwa ein Jahr auf Festivals, bevor sie dann öffentlich gemacht werden. Das wird allerdings für Kurzfilme zunehmend schwieriger, da denen sowohl in den Kinos wie auch im Fernsehen kaum noch Plattformen geboten wären, außer es gibt mal spezielle Kurzfilmabende. Interessanter sind da schon die Streaming-Dienste, neben YouTube besonders auf Kurzfilm spezialisierte Angebote wie zum Beispiel shortfi.ms“

Welches Projekt ist gerade noch in der Pipeline?

„Ich hab‘ eine Mini-Serie geschrieben, mit 12 Folgen à fünf bis sieben Minute. Eher was Lustiges zum Lachen. Das wäre natürlich auch toll, wenn die realisiert werden könnte. Und für den Fall, dass das mit dem langen Film nicht klappt, habe ich für Sommer noch was anderes in petto. Langeweile kehrt bei mir garantiert nicht ein!“

Same same but different

Jess Giata und James Boyle: so verschieden und doch auch so gleich. Beide sind echte Hingucker, kommen aus unserer Region, leben für ihre Musik – und mindestens halb Deutschland kennt sie aus dem Fernsehen.

Das Wichtigste aber, hat schon einer der ersten Kommentare auf den Punkt gebracht, den James nach seinem ersten Prime-Time Auftritt im bundesweiten Fernsehen bei Günter Jauch lesen durfte: „Endlich mal ein Saarländer im Fernsehen, der nicht peinlich ist!“  Diese Tatsache lässt sich eins zu eins auf seine Teilnahme bei der aktuellen Ausgabe von „The Voice of Germany“ übertragen, wie auf Jess Giatas Abstecher in die letzte Staffel von „Love Island“ übertragen, weil sie gleichermaßen keinerlei Anlass zum Fremdschämen gab. Das Geheimnis dahinter? Ganz einfach, beide sind sich selbst treu geblieben, waren authentisch und haben sich null verstellt.

Doch damit haben die Gemeinsamkeiten scheinbar erstmal ein Ende, zu unterschiedlich Alter, Geschlecht, Herkunft, Größe, Musikgeschmack und und und … Jess ist ganz klar die angesagteste DJane für Black- und Clubsounds in unserer Region und studiert „im normalen Leben“ in Mannheim Naturheilkunde. James hingegen ist der wohl bekannteste Piercer unserer Region und mit seiner Blues Rock Formation „Honey Creek“ der gefeierte, sprichwörtliche bunte Hund auf den Bühnen zahlloser Konzerte und Festivals. Selbst ihre bemerkenswerte Bildschirmpräsenz fußt auf denkbar unterschiedlichen TV-Genres. Während die 24-jährige, albanisch-stämmige Jess vielen aus einem Dating- und Reality-Format bekannt sein dürfte, kommt der in Los Angeles geborene James mit seinen 54 Jährchen und der Teilnahme an Quiz- und Casting-Show ein gutes Stück weit traditioneller daher. Doch bei allem Unterschiedlichkeiten habe beide ganz ähnliche, interessante Erfahrungen gemacht und da macht es natürlich Sinn, bei einem kleinen Gedankenaustausch darüber ein paar Fragen loszuwerden. Die erste Überraschung gab es dann schon beim ersten Treffen, denn die zwei kannten sich tatsächlich nicht. Das ist allein schon deswegen bemerkenswert, weil sich beide ja auch losgelöst vom Fernsehen in unserer Region einer ansehnlichen Popularität erfreuen

Da ihr euch bis jetzt überraschenderweise gänzlich unbekannt wart, liegt eine Frage sofort auf der Hand: Schaut ihr selbst denn gar kein Fernsehen?

Jess: „Das Ding ist, ich habe tatsächlich eigentlich gar kein Fernsehen geschaut. Erst seitdem ich da selbst dabei war schaue ich schon viel, aber eben nur Trash-Formate.“

James: „Doch schon, aber eher Filme und es kommt immer drauf an, was wann wo läuft, denn bei uns ist das so ein bisschen wie Radio. Wenn zufällig ein Film kommt, der mir gut gefällt, dann finde ich das cooler, als gezielt irgendwo was auszuwählen. So kommt man halt zu Sachen, die man gar nicht mehr auf dem Schirm hatte, was nicht passiert, wenn man selbst auswählt.“

Wie hat euer privates Umfeld reagiert als ihr von euren Fernsehplänen berichtet habt? Bei Dir, James, war ja Deine Tochter durchaus ein bisschen die treibende Kraft zur Teilnahme an „The Voice“?

James „Ja, die wollte unbedingt, dass ich ins Team von Nico Santos gehe, aber der war ja bei dieser Staffel gar nicht dabei. Aber blöderweise war der dann genau an dem Tag, als wir zum Dreh in Berlin waren, zu einem Konzert in Luxemburg, wo eine Freundin von mir, easy eine Meet & Greet für uns hätte klarmachen können. Dafür darf meine Tochter mich jetzt zum Finale von „The Voice begleiten.“

Deine Familie, Jess, war ja eher ein bisschen skeptisch, oder?

Jess: „Anfangs, nach dem ich meiner Mutter und meiner Schwester erzählt hatte, dass ich angeschrieben worden bin, ob ich mir eine Teilnahme vorstellen könnte, wussten die erstmal echt nicht, was sie davon halten sollten. Die waren nicht wirklich sicher, ob das bei „Love Island“ auch wirklich alles so seriös ist, aber ich konnte sie schnell davon überzeugen, dass da alles cool ist und auf jeden Fall die Erfahrung wert. Mir war auch wichtig, dass ich mich nicht verstellen musste oder mich als etwas präsentieren, was ich gar nicht bin. Schließlich haben die dann gesagt, komm, wenn Du es unbedingt machen willst, dann go for it.““

Ihr seid Beide gewohnt vor, Publikum zu agieren, hat das den Umgang mit den Kameras erleichtert?

Jess: „Zu Beginn der Dreharbeiten sind alle schon sehr bewusst damit umgegangen und man versucht sich in seiner Ausdrucksweise zurückzuhalten. Das Ding war, bei uns hingen ja wirklich überall im Haus Kameras, plus vier große Kameras draußen im Garten. Anfangs achtest Du schon darauf und siehst, hier ist eine Kamera, da ist eine Kamera, und wenn Du läufst, verfolgen sie Dich. Da denkst Du Dir schon wie krass das ist, denn selbst auf der Toilette waren ja welche. Da wurde uns zwar gesagt, dass die nichts übertragen würden, bzw. erst nach zehn Minuten mal geschaut wird, ob es uns gut geht, auch wegen möglicher Kreislaufprobleme, da es während der Dreharbeiten ja sehr heiß war. Allerdings gab es auch Szenen zu sehen, wo ich auf der Toilette geweint habe, und da war ich bestimmt noch keine zehn Minuten drin. Da haben die Kameras direkt aufgezeichnet, als ich reingerannt bin. Aber irgendwann ist man vertraut mit der Situation, wird lockerer, und hat sich an Kameras und Mikrofone gewöhnt, ohne sie wirklich zu vergessen. Die Tatsache, dass man 24/7 gefilmt wird, tritt dann schon in den Hintergrund.“

Bei Dir, James, hatte man keine Sekunde den Eindruck, dass Dich die Kameras beeinflussen?

James: „Wenn ich mich tatsächlich mal anders verhalten haben sollte, dann lag das nur daran, das es mir stellenweise in bisschen peinlich war, dass ich kein Hochdeutsch kann. Das war der Grund, warum ich beim Jauch für meine Verhältnisse sehr wenig geredet habe, weil ich deswegen schon nervös war. Jetzt bei „The Voice“ war alles easy peasy, was das angeht. Ich hatte durch die Erfahrungen vorher gelernt, lockerer zu sein, was das angeht.“

War bei der Produktion irgendetwas ganz anders als ihr es erwartet hattet?

Jess: „Ich hatte nicht damit gerechnet, dass das alles ziemlich live ausgestrahlt wurde, also nur einen Tag versetzt. Deswegen wurde uns auch die Handys abgenommen und so mussten zum Beispiel meine Schwester in der Zeit auch alle meine Social Media Accounts managen.“

James: „Ich war positiv überrascht, dass es von Anfang an ganz bewusst hieß, kein Fremdschämen. Uns wurde gleich im ersten Briefing erklärt, wenn sich bei den Blind Auditions keiner umdreht und das euch peinlich ist, dann sagt Bescheid, dann stahlen wir das nicht aus. Es wurden ja auch alle Talents von Psychologen begleitet.“

Gab es auch Moment oder Erfahrungen, die nicht ganz so prickelnd waren?

James: „Da wurde schon auch versucht bei Interviews so manche Dinge rauszulocken, bei denen ich nicht bereit war zu antworten. Vor den Battles, in meinem Fall ja gegen 20jährige Zwillingsmädels, kann die Frage, was ich denke, wer gewinnen wird? Ich hab‘ dann nur gesagt, dass mir das egal sei. Wir drei hatten auch schon vorher drüber gesprochen, dass wir uns gegenseitig unterstützen und pushen wollen. Uns war klar, dass, wenn ich gewinne, liegt das an meiner Erfahrung, und bei ihnen daran, dass sie niedlich waren und schön singen konnten.“

Jess: „Was ich ein bisschen unangenehm empfand, war, wenn man zum Beispiel geheult hatte, man gleich zum Interview gerufen wurde und das dann noch voll unter den Emotionen halten musste. Klar, die müssen gerade sowas liefern, aber das war schon nicht so toll, wenn man geheut hat oder wegen irgendwas noch voll sauer war. Da muss man schon aufpassen, was man sagt und wie man sich ausdrückt.“

James: „Bedeutet das, wenn man nie heult, wird auch nie zum Interview gerufen?

Jess: „Doch schon. Das war ja auch, wenn man Drama macht oder jemand offensichtlich voll gut findet oder um zu fragen, wie man irgendwelche Spiele gefunden hat. Die haben schon versucht, emotionalere Situationen auszunutzen, um Sachen aus Dir herauszulocken.“

James: „Das klingt ja total extrem, denn eigentlich seid ihr ja in einem richtig gechillten Umfeld gewesen, so in einer Villa auf einer Mittelmeerinsel. Konntet ihr überhaupt mal für einen Moment entspannen und die Zeit genießen?“

Jess: „Nicht so wirklich, weil Du ja schon 24 Stunden mit den Leuten da drinnen zusammen bist. Dazu kommt der fehlende Kontakt zu Freunden und Familie – und letzten Endes auch der Verzicht auf Handy, Social Media und so weiter. Halt null Kontakt zur Außenwelt.“

Gab es mittlerweile neue Anfragen oder seid ihr sogar schon zu Wiederholungstätern geworden?

James: „Ich hab‘ inzwischen auch noch an einer weiteren RTL-Show teilgenommen, „The Wheel – Promis drehen am Rad“ mit Chris Tal als Moderator. Ich bin Kandidat in der vierten Folge gewesen, aber leider wurde die Ausstrahlung der Show nach drei Ausgaben abgesetzt.“

Jess: „Ich wurde inzwischen schon wieder angefragt, aber das habe ich abgelehnt, weil ich das Format für mich nicht so wirklich ansprechend fand. Mir war das ein Stück weit too much, weil klar war, dass es da um exzessiven Saufen und Feiern gehen würde und so habe ich dankend abgelehnt. Aber prinzipiell würde ich es auf jeden Fall gerne nochmal machen.“

James: „Bei mir ganz ähnlich, kommt halt immer drauf an, was kommt. Im Augenblick hat für mich die Band Vorrang, weil wir im Gespräch für eine größere Arena-Tour im nächsten Sommer sind, im Vorprogramm einer sehr bekannten Band. Aber sonst bin ich nicht abgeneigt. Vielleicht noch mal eine Quiz, wo man ein bisschen Kohle gewinnen kann (lacht). Von dem Gewinn bei Günter Jauch konnte ich mir ja endlich eine Brille kaufen! Aber natürlich will ich auch Aufmerksamkeit, ich bin immerhin Frontmann in einer Band und auf der Bühne eine kleine Rampensau und nicht unbedingt schüchtern. Also will ich natürlich auch die Publicity, um meine Sachen zu pushen.“

Die Medienpräsenz hat Dir karrieretechnisch auch nicht wirklich geschadet, oder Jess?

Jess: „Auf jeden Fall ist es für mich als DJane ein großen Plus gewesen und es sind bestimmt in der Folge auch einige Bookings wegen „Love Island“ entstanden. Ich war zuerst ja nur hier in der Region bekannter, das hat sich dann schon deutlich geändert.“

Du hast ja im Oktober schon wieder ein Konzert mit Honey Creek gespielt. War da irgendwas anders?

James: „Wenn überhaupt, dann war das gefühlt nur eine Handvoll Leute, die wegen „The Voice“ da gewesen sind. Die meisten waren wegen der Band da und weil sie die kannten und schätzten. Aber dafür haben jetzt alle verstanden, worum es ging, wenn ich zwischendurch so die ein oder andere Anekdote erzählt habe. Die wussten schon, worum es ging. Und das ist dann schon eher mein Punkt: ich bin zu alt, um noch Rockstar zu werden, aber ich kann noch tolle Geschichten fürs Altersheim sammeln.“

Sind aus dieser besonderen Situation heraus auch Freundschaften über den Dreh hinaus entstanden?

Jess: „Definitiv. Trotz allem, was in der Villa passiert ist, irgendwie ist man dann doch Freundschaften geschlossen und ist bis heute in Kontakt. Die Zeit war zwar recht kurz, aber doch sehr intensiv. Mit einem der Mädchen war ich sogar zusammen im Urlaub in Dubai.“

James: „Ja klar, bei meinen Mädels war ich ja fast schon sowas wie der Papa und hab‘ die tatsächlich auch gecoacht. Ihr Part war halt wirklich undankbar und da habe ich ihnen geraten, macht das doch so und so. Vorher hatte ich gedacht, ich komm‘ da an und bin umgeben von hunderten Diven, die ich nicht ausstehen kann, und das war zum Glück nicht so. Klar waren da schon ein paar dabei, die ich jetzt nicht mehr treffen muss, aber die waren eher die Ausnahme. Witzigerweise habe ich gerade erst ein neues Video gepostet und hab‘ gleich aus „meiner“ Gruppe eine WhatsApp bekommen: Hey, lass uns das zusammen machen. Schick‘ mir mal den Text. Es sind auch Veranstaltungen von ehemaligen „Talents“ geplant, bei denen andere mit von der Partie sein werden!“

Wie hat euer Umfeld euch hinterher aufgenommen?

Jess: „Ich bin rausgekommen und hab‘ wirklich nur positive Nachrichten erhalten. Familie und Freunde waren auch sehr stolz und haben gesagt, dass ich mir treu geblieben bin. Nur drei weniger nette Nachrichten waren dabei, aber ich weiß wer die sind. Zwei aus dem Saarland und einer aus Kaiserslautern, die mich eh‘ auf dem Kicker hatten, aber ansonsten alles wie gesagt sehr positiv.“

James: „Bei mir war’s wie erwartet, weil ich ja ganz viele Leute aus der Alternativ- und Künstler-Szene habe. Die haben mich dann schon gefragt: Wie kannst Du nur so einen Scheiß machen? Aber damit hatte ich schon gerechnet, als ich gesagt hatte, ich bin dabei. Doch als dann ein, zwei Ausstrahlungen gelaufen waren, waren die voll dabei. Es gab zwar kein „Ich hab‘ mich geirrt“, aber dafür „Du machst das super“, als die geschnallt haben, dass ich mich nicht verstellt habe und einfach ich geblieben bin. Wenn dann überhaupt noch was Kritisches kam, war das wegen meines Aussehens bzw. meines Outfits, aber das war auch beim Jauch schon so.“

Gibt es irgendwas, was ihr Leuten mitgeben würdet, die auch mit dem Gedanken spielen, im TV dabei zu sein?

James: „Wenn jemand Bock darauf hat, sage ich: mach’s! Es ist zwar anstrengender als es im Fernsehen aussieht, aber gerade bei den Formaten, wo ich dabei war, gilt, die wollen keinen linken oder über den Tisch ziehen.“

Jess: „Für ein albanisches Girl ist es halt nicht so üblich ins TV zu gehen, deswegen ist, was ich den Leuten mit auf den Weg geben will, ruhig mal aus der eigenen Comfort-Zone rauszugehen und sich einfach mal Sachen zu trauen und den eigenen Weg zu gehen. Ich habe auch diesbezüglich positive Kommentare bekommen, dass die Leute meinten, dass sei voll krass, als Mädchen mit albanischer Herkunft da reinzugehen und mich traue, das zu machen. Die würden das auch gerne machen, aber deren Familien würden das niemals akzeptieren. Deswegen bin ja ich auch so froh, dass meine eigene Familie da so open minded ist.“

James: „Meine Familie war schlimmer. Das begann damit, dass mein Vater drei Jahre kein Wort mehr mit mir geredet hat wegen ein paar Ohrringen, einem Nasenring und bunten Haaren. Meine Mutter war Baptistin und mein Vater erzkatholisch, da ging’s schon los. Viele nehmen gerne die muslimische Kultur wegen sowas ins Visier, aber das gibt’s genauso in anderen Kulturen. Mich persönlich hat dann Yvonne Craig, das erste Batgirl, gerettet. Die hat bei uns in der Nachbarschaft gewohnt, war mit uns befreundet, und ihr Sohn hatte lange Haare und auch einen Ohrring. Sie hat dann mal auf einem Familienfest mal drei Stunden intensiv mit meiner Mutter geredet, was genau weiß ich nicht. Aber scheinbar hat Batgirl meine Mutter überredet, mich in Ruhe zu lassen und die hat dann tatsächlich nie wieder ein Wort über mein Aussehen verloren.“

Wäre für euch auch das Genre des anderen in Frage gekommen, also James in der Dating Show und eine singende Jess?

Jess: „Ich kann tatsächlich singen, war auch mal im Kirchenchor und „The Voice“ fand ich schon früher richtig cool, aber ich glaube meine Stimme reicht da vielleicht doch nicht ganz.“

James: “Also, wenn ich Single wäre: Nö! Ich such‘ schon gern meine Partner selbst aus und brauche sowas auch nicht, um meine Schüchternheit zu überwinden.“

Wer DJane Jess Giata einmal live erleben möchte, hat dazu jeden Freitag aufs Neue im Saarbrücker „Seven“ die Gelegenheit und darüber hinaus in Clubs in ganz Deutschland. Honey Creek mit Frontmann James Boyle stehen dieses Jahr nur noch einmal auf der Bühne, dafür aber bei einer ganz besonderen Veranstaltung, einem Benefizkonzert in Illingen am 16. November. Zum Schluss bleibt nur noch: Jess und James, vielen Dank für eure Zeit und ein interessantes Gespräch!