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Leben in der Schublade, überragende Perspektiven und praktische Tipps

Neben dem Kleinkunstwettbewerb um die St. Ingberter Pfanne präsentiert die Reihe „Comedy & Kabarett“ im Laufe des Jahres besondere Höhepunkte der aktuellen Kleinkunstszene. Auch 2022 stehen fünf Abende auf dem Programm, zwei davon werden von Künstlern bestritten, die bereits einen der begehrten Preise der St. Ingberter Pfanne erhalten haben. So bringen die Künstlerinnen und Künstler in diesem Jahr einen wilden Mix aus kreativem Wahnsinn, authentisch-unaufgeregtem Klamauk, humoristischer Musikalität, überragenden Perspektiven und rasanter Musik-Performance auf die Bühne der St. Ingberter Stadthalle. Den Auftakt macht am Freitag, 22. April, Eva Eiselt mit ihrem Kabarett-Programm „Wenn Schubladen denken könnten“. Für die Pfannengewinnerin 2020 ist das Leben eine riesengroße Schrankwand, doch ein Brett vor dem Kopf hat Eva Eiselt ganz bestimmt nicht. Vielmehr krempelt sie einfach mal den handelsüblichen Laden auf links. Ausmisten, durchlüften und die Dinge des Lebens in die Freiheit entlassen. Erleben Sie Eva Eiselt, ein Universalgenie, eine Klasse für sich! Weiter geht es am Freitag, 20. Mai, mit dem Gewinner des Preises der Kultusministerin 2021 Jan van Weyde und „Große Klappe die Erste“. Er ist mit Leib und Seele Stand-Up Comedian, und das kann Jan – Ein Mann, ein Mikro. Er begeistert das Publikum authentisch-unaufgeregt mit seinem großartigen Slapstick-Talent! Zwischen Kunst und Kommerz, Kameras und Klamauk, Kinderbettchen und Kackastrophen – seine große Klappe ist seine größte Waffe. Und die verspricht einen sauwitzigen Abend! Danach kann sich das Publikum am Freitag, 10. Juni, erneut auf Musik-Comedy mit Carrington-Brown freuen. Das in Berlin lebende Künstlerpaar sorgt international für Furore mit Auftritten in den USA, Kanada, Südafrika, Russland und ganz Europa. Rebecca und Colin teilen mit ihrem Publikum ihre Höhepunkte, Meilensteine und natürlich ihre Liebe zur Musik und Comedy. Wie immer von den beiden brillant, charmant und witzig präsentiert. Freuen Sie sich auf ein einzigartiges „Best of“-Erlebnis! Am Freitag, 21. Oktober, tritt David Kebekus „überragend“ auf die Bühne der Stadthalle. Überraschend anders zeigt er, wie interessante Comedy funktionieren kann. In seiner angenehm ruhigen und doch schmerzfreien Art unterhält er sein Publikum über große Theorien bis hin zu den kleinen Kämpfen des Alltags. Hierbei gelingt es ihm immer, eine Verbindung zur Gesellschaft und aktuell diskutierten Problemen herzustellen. Handgemachtes Material, auf Open Mics erarbeitet, ausgefeilt und mit Selbstironie und Herzblut befüllt. Die reinste Form der Unterhaltung! Als krönender Abschluss sind am Donnerstag, 8. Dezember, Bidla Buh, drei ungleiche Brüder aus Hamburg, zu Gast. Mit „Advent, Advent, der Kaktus brennt…“ gerät die Adventszeit zu einer rasanten und aberwitzigen Schlittenfahrt durch das weihnachtliche Liedgut. Die Hamburger Jungs präsentieren sich als klassischer Knabenchor oder Blockflöten-Terzett, verblüffen mit einer spritzigen Stepp-Einlage und zelebrieren den weihnachtlichen Festschmaus als virtuose Performance auf Tellern und Töpfen. Zudem warten die patenten Kerle mit einigen praktischen Tipps für die Feiertage auf. Weihnachten mit Bidla Buh, was für eine Bescherung!

Alle Veranstaltungen finden in der Stadthalle St. Ingbert statt. Beginn jeweils um 19:30 Uhr bei freier Platzwahl.

Alle Infos unter kultur@st-ingbert.de, Tel. 06894-13 515 oder auf www.st-ingbert.de

Die Augen werden Ohren machen

Musikvideos sind Zeichen unserer Zeit und integraler Bestandteil unserer Gegenwartskultur, weltweit abrufbar, weltweit produziert – ein Nukleus der globalen Unterhaltungsindustrie. Zugleich sind sie eine Welt für sich in ihrer einzigartigen Verschmelzung von Film, Musik, Kunst, Tanz und Zeitfragen. Diese Welt zu erkunden, ist das Ziel der Großausstellung zur Geschichte und Gegenwart des Musikvideos im Weltkulturerbe Völklinger Hütte. Denn die sind Gesamtkunstwerke im Minutentakt, eine besondere Kreativ-Plattform für Musiker, Filmregisseure, Künstler, Designer und Choreographen. „The World of Music Video“ im Weltkulturerbe Völklinger Hütte macht diese faszinierende und hybride Kulturform zum Thema – opulent und dezidiert zugleich.

Es geht nicht nur um musikalische und filmkünstlerische Qualität, sondern auch um brennende Inhalte: KI, Klimawandel, politische, psychische und physische Gewalt sowie Genderfragen aller Art. So entsteht ein in dieser Form noch nie realisiertes Panorama des Genres Musikvideo „Über achtzig der interessantesten Musikvideos der letzten Jahre und Jahrzehnte verdichten sich im Weltkulturerbe zu einem großartigen Parcours und Panoptikum der Kunstform. Wir wollen emotional wie intellektuell inspirieren, körperliche Erfahrung ist garantiert in diesem veritablen Musikvideo-Kosmos“, so Dr. Ralf Beil, Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte und Kurator der Ausstellung: „Ihre Augen werden Ohren machen!“ Die präsentierten Künstler entstammen praktisch alle aus der Reihe absoluter Superstars, wie beispielsweise Laurie Anderson, Arctic Monkeys, The Art of Noise, Shirley Bassey, Joseph Beuys, Beyoncé, Björk, David Bowie, Nick Cave & The Bad Seeds, The Chemical Brothers, Daft Punk, Deichkind, Dr. Der, Billie Eilish, Eminem, Falco, Foo Fighters, Genesis, Genetikk, Grace Jones, Madonna, Nirvana, Placebo, Queen Red, Hot Chili Peppers, Britney Spears, Talking Heads, U2, Andy Warhol, The White Stripes, Yello und viele, viele andere.

Einmalig ist schon der Ausstellungsort

Die originalgetreu restaurierte Gebläsehalle samt Verdichterhalle, wird zum kongenialen Schauplatz der musikalischen Projektionen: Über sechzig Großleinwände mit bis zu sieben Metern Spannweite scheinen zwischen den riesigen Maschinen auf, Monitore leuchten in intimeren Nischen. Und wer Courage hat, blickt oder steigt hinab in die Unterwelt der wieder freigelegten Schächte, wo Filme mit drastischerem Inhalt laufen.

Zu sehen sind neben Videos wie „Stress“ von Romain Gavras zum Soundtrack von Justice, die durch ihre radikalen Bilder provozieren, auch zahlreiche ironische, verspielte und humorvolle Beiträge wie „Bad Guy“ von Billie Eilish. Im unmittelbaren Zusammenwirken der einzigartigen, historischen Aura der Gebläsehalle mit der zeitgemäßen Multimedia-Szenerie ist „The World of Music Video“ eine der ungewöhnlichsten Ausstellungen, die das Weltkulturerbe bis dato realisiert hat. Musikvideos sind weder reine Kunst, noch reiner Kommerz. Ausgerechnet mit der Antihymne „Smells Like Teen Spirit“ und einem Low-Budget-Video im Geiste des Punkrock wurden Nirvana zu Superstars. Schon diese bittersüße Pointe der Pop-Geschichte zeigt: Das Musikvideo ist untrennbar mit der Kulturindustrie und ihren weltweiten Erfolgen verwoben. Werbefilme werden zu Kunst wie beim „Mutant Brain“-Video von Spike Jonze für Kenzo World. Andererseits sind bedeutende Künstler:innen wie Laurie Anderson, Joseph Beuys („Sonne statt Reagan“), Yoko Ono oder Andy Warhol zugleich Pioniere des Crossover-Mediums. Und The Carters erobern als „Celebrities of Color“ den Louvre mit seinen Meisterwerken der Hochkultur. Ob Hieronymus Bosch, eine Mülldeponie in Afrika oder die One-Minute-Sculptures von Erwin Wurm, das Musikvideo kann in den besten Werken seines Genres jedes Material und Thema virtuos besetzen. Das Zusammenspiel unterschiedlichster Filme mit dem grandiosen Raumeindruck der Gebläsehalle führt zu immer neuen Assoziationen und Verbindungen. Dank eines Mediaguide-Systems mit Kopfhörern, das automatisch synchron die Soundtracks abspielt, sobald man sich einer Leinwand oder einem Monitor nähert, erfolgt der Gang durch die Schau quasi intuitiv. So wird die Gebläsehalle mit der Ausstellung „The World of Music Video“selbst zu einem Gesamtkunstwerk, das mit allen Sinnen erlebt werden kann.

Zum Schluss noch ein L!VE Tipp: Natürlich werden in der Ausstellung Kopfhörer mit Hygiene-Überzug werden gestellt. Wir empfehlen aber unbedingt für wirklich phatten Sound, eigene Kopfhörer mit Kabel (3,5 mm Klinkenstecker) mitzubringen. Zur Ausstellung erscheint im März 2022 das gleichnamige Katalogbuch, herausgegeben von Ralf Beil, gestaltet von KomaAmok, im HatjeCantz Verlag: 448 Seiten, 32 x 24 cm, Klappenbroschur, deutsche und englische Ausgabe. Mit Essays von Daniel Bauer, Ralf Beil, Henry Keazor, Swantje Lichtenstein und Heike Sperling sowie Texten zu jedem Musikvideo.

„The World of Music Video“ – seit 22.01. bis 16.10. im Weltkulturerbe Völklinger Hütte – bis 31. März: Täglich 10 bis 18 Uhr, ab 1. April: täglich 10 bis 19 Uhr