Zum Glück gibt es Menschen, deren Engagement in Politik, Wirtschaft, Kultur oder Sport weit über das übliche Maß hinausgeht. Nicht selten erstreckt sich dieser Einsatz über das eigene berufliche Wirkungsfeld hinaus, das zudem häufig regional geprägt ist, und umfasst darüber hinaus weitere soziale Aktivitäten – von denen wir letztlich alle profitieren. Diesen Zeitgenossen möchten wir Raum geben, ihr Wirken würdigen und vielleicht auch ein Stück weit zur Nachahmung anregen.
Florian Weber ist Diplom-Betriebswirt und seit fast zwei Jahrzehnten bei der Karlsberg Brauerei tätig. Aktuell liegt sein Schwerpunkt im Vertrieb für Gastronomie und Getränkefachgroßhandel sowie in der Betreuung von Veranstaltungen, Partnerschaften und Sponsoring. Dabei liegen Beruf und „Hobby“ bei ihm überraschend nahe beieinander: Gerade im zuletzt genannten Aufgabenfeld hat der Vater eines Sohnes und einer Tochter häufig mit dem 1. FC Saarbrücken zu tun. Den Verein begleitet der gebürtige Saarbrücker und Fußballenthusiast als Mitglied und Fan bereits seit vielen Jahren. Entsprechend kennt er den FCS nicht nur von der Tribüne oder aus der Virage, sondern auch aus der Zusammenarbeit hinter den Kulissen.
Entsprechend reizte ihn im Zuge der aktuellen Veränderungen beim 1. FC Saarbrücken die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen und aktiv mitzugestalten – dort, wo es darum geht, Entwicklungen zu begleiten und Strukturen zu schaffen, in denen Leistung und Gemeinschaft wachsen können. Die Weiterentwicklung des Vereins und der Marke FCS stellt für ihn eine ebenso spannende wie anspruchsvolle Herausforderung dar.
Durch die berufliche Zusammenarbeit mit dem FCS hatte er in den vergangenen Jahren tiefe Einblicke in den Verein und seine Abläufe gewonnen. Dabei lernte er zahlreiche Menschen kennen, die mit großem Herzblut und erheblichem Engagement für den Club arbeiten. Zugleich wurde für ihn deutlich, dass der Verein in den letzten Jahren stark gewachsen ist und seine organisatorischen Strukturen zunehmend an ihre Grenzen gestoßen sind.

Genau an diesem Punkt wollte er sich zu Beginn des Jahres als Kandidat für den Aufsichtsrat konstruktiv einbringen. Auch wenn die Wahl letztlich andere Kandidaten mit mehr Stimmen hervorbrachte, schmälert dies seine Motivation in keiner Weise. Im Gegenteil: Getreu dem Motto „Wo sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere“, hat er bereits neue Ansatzpunkte für sein Engagement gefunden. Was ihn dabei antreibt, welche Erfahrungen ihn geprägt haben und wie er auf die aktuellen Entwicklungen rund um den FCS blickt, verriet uns Florian Weber im Interview:
L!VE: Du bist gebürtiger Saarbrücker, aber der Anfang Deiner eigenen aktiven Fußball-Laufbahn lag außerhalb der Landeshauptstadt. Wie kam es dazu?
Florian Weber: Stimmt, in Saarbrücken habe ich nie Fußball gespielt. Mit neun Jahren bin ich mit meinen Eltern von Saarbrücken nach Fürth bei Ottweiler gezogen und habe dort in Steinbach bis zur A-Jugend Fußball gespielt. Als Fan hat mich der Fußball aber schon immer begleitet, und selbst zu spielen hat mir ebenfalls großen Spaß gemacht. An meinen ersten Besuch im Ludwigspark kann ich mich noch gut erinnern: Das war in der Aufstiegsrunde 1992 gegen Carl Zeiss Jena und ging 1:0 aus! Zu der Zeit engagierte ich mich auch noch einer politischen Jugendorganisationen dann, bis es mich dann mit 18 wieder zurück nach Saarbrücken zog, um vor dem Studium eine Ausbildung als Verwaltungsfachangestellter beim Sozialministerium zu absolvieren. Im Anschluss habe ich mein BWL-Studium aufgenommen. Mit 18/19 drängte das Nachtleben den Fußball schließlich ein wenig in den Hintergrund, also selbst zu spielen. Dann hatte ich mich relativ früh leider so stark verletzt bei einem Unfall, dass dann eh nichts mehr ging.“
Auch wenn du selbst nicht mehr aktiv spielen kannst: Wie ist es dir gelungen, dem Fußball dennoch aktiv verbunden zu bleiben?
Als mein Sohn angefangen hat zu spielen, bin ich für acht Jahre als Jugendtrainer beim DJK 08 Rastpfuhl Rußhütte eingestiegen, einfach um mich wieder ein bisschen aktiver einzubringen. Quasi im Gegenzug ist mein Sohn auch absoluter FC Fan, hat längst eine Dauerkarte und ist fast schon öfter in der Virage als ich. Wir fahren auch zusammen zu Auswärtsspielen, waren schon in Köln, Aachen und Wiesbaden. Bei seiner Schwester hält sich die Begeisterung eher in Grenzen, aber sie war auch schon ein paar Mal mit im Stadion.
Ein bisschen aktiver Sport ist dir aber schon geblieben – man sieht es dir zumindest an, oder?
Früher war ich im Fitnessstudio, inzwischen habe ich aber gemerkt, dass ich sehr gut zu Hause trainieren kann. Auch wenn ich das im vergangenen Jahr etwas vernachlässigt habe, habe ich davor fünf- bis sechsmal pro Woche eigentlich jeden Morgen vor der Arbeit eine Stunde Sport gemacht.
Das ist mein Ausgleich, und das passt für mich nur früh am Tag. Meist bin ich zwischen fünf und sechs Uhr aufgestanden und hatte dann eine Stunde ganz für mich. Das ist die einzige Zeit, in der ich wirklich Ruhe habe – und ich brauche diese Regelmäßigkeit. Wenn ich aus meinem Rhythmus komme, wäre das schnell ein Alibi, gar keinen Sport mehr zu machen.
Wie wichtig waren Ausbildung und Studium für deinen beruflichen Werdegang und dein Engagement beim FCS?
Mein Studium hat mir vor allem ein grundlegendes Verständnis für Abläufe und Prozesse vermittelt. Das ist sozusagen der Hintergrund für vieles von dem, was ich heute mache – auch wenn mir in der Praxis natürlich nicht jede einzelne Situation eins zu eins aus dem Studium hilft.
Es geht weniger um jede Kleinigkeit, sondern darum, das große Ganze im Blick zu behalten. Und genau dabei unterstützt mich das Studium bis heute: in unterschiedlichen Lebenslagen, im beruflichen Umfeld und natürlich auch bei meinem Engagement für den FCS.
Wenn wir noch ein paar Jahre zurückgehen, in die Zeit deiner Rückkehr nach Saarbrücken: Durch deine Jobs in Saarbrücker Clubs während Ausbildung und Studium warst du damals schon an der Schnittstelle deiner heutigen beiden Schwerpunkte – auf der einen Seite Jugendliche, darunter viele FCS-Fans, auf der anderen Seite Getränke einer Homburger Brauerei, oder?
Das kann man vielleicht ein Stück weit so sehen, auch wenn der FCS damals in der Stadt gar nicht so präsent war. Gerade durch den Umzug nach Völklingen hatte diese Präsenz leider abgenommen. Umso stärker ist der Verein inzwischen wieder in die Stadt und ins Stadtbild zurückgekehrt. Da hat sich vieles zum Positiven verändert – bis hin zu den aktuellen Entwicklungen der letzten Zeit.
Es wurde einiges angestoßen und auch umgesetzt, was schon länger in der Luft lag. Ich bin ja bereits seit vielen Jahren Mitglied, und über meinen Job kam dann schließlich auch das Thema auf, mich beim FCS noch tiefergehender zu engagieren. Zusammen mit meinem Freund Stefan Kinn, der ebenfalls für einen Sponsor und den Stadion-Caterer tätig ist, entstand so der konkrete Wunsch, sich gemeinsam im Aufsichtsrat einzubringen beziehungsweise für dieses Gremium zu kandidieren.
Vor deiner Kandidatur hattest du selbst keine weitere Funktion im Verein?
Im Verein direkt noch nicht, aber natürlich über den Beruf – und auch darüber hinaus. Stefan Kinn und ich haben schon früh Dinge angestoßen, zum Beispiel das regelmäßige Sponsorentreffen. Das war ein Projekt, das wir bereits vor einiger Zeit initiiert hatten.
Für dieses Jahr war sogar geplant, das Treffen in größerem Umfang umzusetzen, doch dann haben sich die Ereignisse überschlagen und der Termin musste verschoben werden. So hat es bei mir damals begonnen, mich über den eigentlichen Job hinaus beim FCS einzubringen.
Wie blickst du heute auf das Ergebnis der Aufsichtsratswahl zurück?
Ich bin hochzufrieden mit dem Ergebnis. Mir war von vornherein bewusst, dass es für mich eng werden könnte oder vielleicht auch nicht klappt. Umso mehr freue ich mich über fast 500 Stimmen – das bedeutet, dass mich nahezu jeder Vierte gewählt hat.
Als dann die „Big Four“ aus dem Hut gezaubert wurden, gab es meinerseits kurz die Überlegung, zurückzuziehen, um meinem Freund Stefan Kinn keine Stimmen zu kosten. Sowohl er als auch Stadionsprecher Christoph Tautz haben mir jedoch geraten, einfach durchzuziehen. Und so ticke ich eben auch: Wenn ich etwas angefangen habe, lasse ich es ungern liegen.
Unabhängig davon hing mein Engagement nie von der Wahl ab. Das würde ja bedeuten, man tritt nur aus reiner Eitelkeit an – und genau darum ging es mir nicht.
Woher kommt diese Bereitschaft sich über das „normale“ Maß hinaus einzubringen?
So genau kann ich das gar nicht sagen, vielleicht kommt es von meinem Vater. Wenn er angefangen hat, Tennis zu spielen, war er drei Monate später bereits erster Vorsitzender des Tennisvereins. Dann hat er sich politisch ein wenig engagiert – aus diesem „ein wenig“ wurde schließlich eine Bürgermeisterkandidatur und später das Amt des Stadtverbandsvorsitzenden.
Nach seinem Ausstieg aus der Politik engagierte er sich ein bisschen im Karneval und war nur wenige Monate später Präsident der Bürgergarde Ottweiler. Insofern scheint mir dieses Engagement tatsächlich ein Stück weit in die Wiege gelegt worden zu sein: Wenn man anfängt, sich einzubringen, steckt man relativ schnell tief drin.
Ich bin außerdem jemand, der nur schwer Nein sagen kann und sich ungern zurückzieht, wenn er merkt, dass er etwas bewegen kann. Und das gibt einem ja auch etwas zurück – gerade im Jugend- und Kinderfußball. Dort sieht man das Ergebnis des eigenen Engagements unmittelbar, wenn die Jungs und Mädchen Spaß haben und sich weiterentwickeln, sportlich wie menschlich.
Dafür bekommt man unglaublich viel zurück. Und statt zu Hause auf der Couch vor dem Fernseher zu sitzen, versuche ich lieber, Dinge zu bewegen. So war es dann letztlich auch beim FCS.
Damit ist Dein Soll an Engagement und Ehrenamt aber erfüllt oder machst du nebenbei noch mehr?
FW: „Ich habe ja zwei Kinder, einen zeitintensiven Beruf und das Thema FC hat ja auch einiges an Platz eingenommen in meinem Leben schon eingenommen. Deswegen musste ich ja leider im Sommer einsehen, dass ich als Jugendtrainer nicht mehr weitermachen kann.
Nee, also da gibt’s jetzt nicht mehr wirklich den Raum mich noch an anderer Stelle irgendwo ehrenamtlich zu engagieren. Zumal ja im Vorfeld der Aufsichtratswahl bereist angedacht war, dass der Aufsichtsrat zukünftig noch von Beiräten unterstützt werden wird. Meine Bereitschaft, mich dort – insbesondere im Wirtschaftsbeirat – einzubringen, habe ich klar signalisiert.
Unterm Strich: Gibt es für dich überhaupt eine bessere Verbindung von Beruf und Engagement?
Natürlich spielt mein ganz persönliches Fan-Sein ein Stück weit mit hinein. Ich war und bin dadurch von meiner Seite aus natürlich noch motivierter an die Sache herangegangen. Und ja, am Ende wollte ich natürlich auch irgendwann wieder unser Bier im Ludwigspark trinken – das war zum Start sicher ein kleiner zusätzlicher Anschub.
Das spielt aktuell aber keine Rolle, weil die Partnerschaft und die Verträge langfristig laufen. Insofern ist das Ganze voneinander unabhängig. Entscheidend ist für mich vielmehr, dass ich durch meinen Beruf die Möglichkeit hatte, den FCS – auch organisatorisch und vor allem über die Menschen im Verein – sehr viel intensiver kennenzulernen, als es das reine Fan-Dasein erlaubt hätte.
Am Ende des Tages ist der FCS für mich ein „Work in Progress“. Und genau dieses Gefühl habe ich auch jetzt: Es bewegt sich etwas, es ist eine gute Entwicklung angestoßen worden – und damit ist für mich im Moment alles gut.




