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Mr. Wyld

Autotuning, Tattoos, Modelabel und Partymacher – Hauptsache kreativ! Pascal Klein produziert Lifestyle der besonderen Art und wird damit selbst zur Marke.

Wenn es dieses obercharismatische Multitalent nicht schon gäbe, dann müsste man ihn auf jeden Fall erfinden. Aber auch das hat Pascal Klein a.k.a. Mr. Wyld schon längst selbst erledigt, denn wie alles um sich herum hat er auch sich selbst kreiert und zur unverwechselbaren Marke gemacht. Dabei entspricht der 32jährige gleichzeitig interessanterweise auch allen gängigen, bürgerlichen Klischees. Er ist verlobt, gerade eben Vater geworden und hat ein Haus gekauft, natürlich da, wo er auch selbst aufgewachsen ist: in Gersweiler. Dort hat sich seine künstlerische und kreative Ader schon früh gezeigt. Er hat als Kind viel gezeichnet, hatte schon immer ein extrem gutes Auge und so zum Beispiel auch mit Leichtigkeit Comics kopiert. Schon früh zeichneten ihn eine gewisse Ungeduld und eine kreative Unruhe aus. Als Jugendlicher dann ist er natürlich auch viel auf Partys unterwegs, trägt auffällige Brillen, stylt seine Klamotten selber um und hat großen Spaß daran, sich selber auszudrücken und aufzufallen, immer ein bisschen gegen den Strom. Da blieb wenig Energie für den Mathematikunterricht auf dem Gymnasium übrig und ein Jahres-Praktikum bei BMW in Saarbrücken hat in seinen Augen deutlich mehr Potential.

Aus dem Praktikum wird eine Ausbildung als KFZ-Mechatroniker und seine alte Begeisterung für motorisierte Zweiräder flammt wieder auf, als er feststellt, dass an denen hier noch richtig geschraubt wird, während die Autos eigentlich nur an den Computer gehängt werden. Trotzdem hatte er, wenn ein neues Auto reinkam, sofort Ideen, was er ändern oder damit anstellen würde, was ihm nach kürzester Zeit auch beim Meister den Spitznamen „Tuning“ einbrachte. Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung wird er zwar übernommen, aber er will schon längst wieder etwas anderes, nämlich Geld verdienen und er geht für fünf Jahre zur ZF. Dann allerdings reizt ihn die Vorstellung, sein eigener Herr zu werden mehr und 2017 macht er sich als Tätowierer selbstständig. Und auch, wenn er ansonsten seinen Talenten auf vielen anderen Gebieten freien Lauf lässt, dem Autotuning ist er immer treu geblieben und sieht darin auch heute noch den Hauptbestandteil seines Alltags bzw. seines beruflichen Lebens.

Eines Deiner letzthin bekanntesten Projekte und echter Hingucker ist ein brasilianischer Puma GTE?

„Genau, mit dem habe ich auch beim Hot Wheels Legends Wettbewerb teilgenommen und bin gleich in die nächsten Runden gekommen, unter die letzten 64 Autos, was quasi das Halbfinale war. Dann gab es zwei Entscheidungen, zum einen online durch die Community und zum anderen durch die original Hot Wheels Designer aus den Staaten. Bei der Online Abstimmung bin ich Dritter oder Fünfter geworden, obwohl ich nur eine einzige Story von dem VW Puma gepostet hatte, während andere da so richtig Gas gegeben hatten. Durch die deutsche Jury-Entscheidung bin ich dann ins Finale gekommen, das bei den Performance & Style Days in Hannover stattfand, hab‘ dort das Rennen gemacht und wurde deutscher Champion. Damit war ich dann auch startberechtigt beim Weltfinale in Las Vegas, das dann aber wegen „Corona“ nicht stattfinden konnte. Da kann denken, was man will, aber mich kennen seitdem wenigstens auch Leute in Brasilien und taggen mich in ihren Storys, wenn sie mal einen Puma am Straßenrand sehen. Meiner ist halt der am extremsten umgebaute Puma weltweit.“

Arbeitest Du immer nur an einem Wagen oder hast Du parallel schon das nächste Projekt im Auge?

„Ganz am Anfang, hatte ich immer nur mein Hauptauto, an dem ich gearbeitet hatte. Irgendwann hatte ich dann mal einen Porsche und habe mir dann noch ein kleines Alltagsauto dazu gekauft. Das hat sich dann so weiter entwickelt, für die Firma kam dann noch ein Firmenwagen dazu, plus ein praktisches „Baustellen-Auto“, wenn ich mal was Gröberes transportieren musste, und schließlich kam zu dem Haupt-Umbauprojekt noch was Zweites dazu. Ich kaufe immer was Günstiges, mach‘ das schöner und tausche es gegen was Besseres. Das ist seitdem immer so. Und natürlich ist das Optische für mich immer am wichtigsten, nicht so sehr die Leistung und so suche ich mir ja auch meine Autos aus.“

Der nächste Scheunenfund steht also schon bereit?

„Tatsächlich ist gerade mein erstes Riesenprojekt fertig geworden, was auch für ordentlich Aufsehen gesorgt hat, ein ziemlich kaputter Ferrari mit Unfallschaden. Der wird dann für 2023 nochmal extremer umgebaut, damit er so richtig viral gehen kann. Trotzdem schmiede ich insgeheim schon wieder erste Pläne für was ganz Neues. Auch wieder was sehr, sehr Günstiges, einfach weil sowas die Leute der Generation YouTube am meisten abholt. So was für drei oder viertausend Euro, was für die Abonnenten auch realistisch ist, wo die sich reinversetzen können.“

Gleichzeitig hast Du auch tätowiert, wie kam es dazu?

Schon während meiner Schulzeit hatte ich immer Nebenjobs von Pizzabäcker und Zeitungsbote bis Regale im Supermarkt einräumen, einfach alles. Bei meiner Ausbildung bei BMW hatte ich im letzten Lehrjahr gerade mal 460 Euro verdient, musste aber die Kosten für das eigenes Auto und Motorrad alles selbst tragen. Das war schon schwierig. Außerdem wollte ich noch Geld haben, für Klamotten und so. Da bot mein Vater an, mir eine Tattowier-Maschine zu kaufen, weil ich schon immer gut zeichnen konnte. Und da ich absolut kein Kopfmensch bin, sondern einfach immer nur mache, wurde die Maschine bestellt. Ich hab‘ dann eine Woche auf ‘ner Gummihaut ein bisschen geübt und eine weitere auf ‘ner Schweinehaut. Anschließend wurden direkt meine Kumpels verpflichtet, los herkommen, ich mach‘ das jetzt. Irgendwann nach meiner Ausbildung und der Arbeit bei ZF habe ich dann mein eigenes Ding gemacht. Erst habe ich zwei Jahre im Studio meines Tätowierers in Frankreich gearbeitet. Als der sich dann räumlich verkleinern wollte, habe ich einen Laden in Gersweiler gefunden und mein eigenes Studio eröffnet. Von da an war mir klar, das Tätowieren immer eine Alternative ist, weil es megaviel Spaß macht, ich mein eigener Boss bin und meine Kreativität ausleben kann.

… und gleichzeitig wird Autos geschraubt?

Das hatte ich ja schon die ganze Zeit gemacht, aber halt nicht so wirklich intensiv. Eigentlich ging das  mit der Autoszene erst 2019 richtig extrem los, als ich auf YouTube auch öffentlich geschraubt habe. Seitdem bin ich europaweit auf Autoshows dabei. Dieses Jahr stelle ich zum ersten Mal meine Autos in England aus und „muss“ inzwischen sogar Autogramme geben und mit den Leuten Selfies machen. Das ist zwar auch anstrengend, aber ich liebe es wirklich in der Öffentlichkeit zu stehen und fühle mich auch ein wenig dafür gemacht.

Aber Deine Kreativität beschränkt sich ja nicht nur auf Autotuning und Tätowiererei, zur Wyld Marke gehört ja auch noch ein Modelabel?

„Das kam so mit der Corona-Pandemie, als ich im Lockdown nicht mehr tätowieren konnte. Das war der Hauptauslöser. Da hab‘ ich angefangen weiter zu denken und zu planen. Für mich gibt es nämlich keine Probleme, sondern immer nur Lösungen. Also habe ich überlegt, was mach‘ ich, wo bin ich unabhängig und was passt trotzdem zu mir. Dann habe ich mit YouTube angefangen und mich entschieden einen Online-Shop zu machen. Da ich sowieso immer aufs Aussehen und Style achte, hab‘ ich mir gedacht, da feature ich doch einfach meinen Style, mich als Marke und produziere Sachen, die ich verkörpere und die meinen Interessen entsprechen, für die Leute, die meinen Style cool finden. Es gibt natürlich viele geile Klamottenlaben, die aber mittlerweile extrem teuer sind, und so habe ich mir gedacht, ich kann da auch und verwirkliche mich auch auf diesem Gebiet.“

Wie kam es zu dem Namen Wyld?

Es sollte ein universelles Wort sein, weil ich nichts Autospezifisches wollte. Ich wollte was Freies, was mich aber gleichzeitig auch ein bisschen beschreibt und womit sich generell die Leute identifizieren können.

Jetzt gibt es auch Partys unter dem Namen „Wyld“…

Die Idee war eigentlich meine Marke weiter zu featuren. Ich bin ja selbst mein größter Fan. Dann war die Überlegung, was gibt es denn für Events für ein junges Klientel außerhalb der Autoszene? Das sind allermeistens Musikevents. Und da es auf Konzerten nicht wirklich Sinn macht, war klar, ich muss ins Nachtleben, in die Clubs. Ich liebe Musik über alles, tanze für mein Leben gern und HipHop is‘ halt mein Ding. Dann war der Gedanke naheliegend, mir für ein erfolgreiches Marketing auch große Künstler zu buchen. Einmal in Kontakt mit den Acts, kann ich denen auch meine Klamotten geben und erzeuge so Sichtbarkeit für meine Marke, die die Leute so mit tollen Nächten und den geilsten Partys verbinden und immerhin mit so großen Namen wie Jeezy, Faroon und Summer Cem, den wirklich größten Rappern in Deutschland. Eigentlich sind die Partys schon fast zu krass für eine Stadt wie Saarbrücken. Ich muss aber ehrlich sagen, das ist genau meine Wellenlänge und so werden auch die Karten für ganz Saarbrücken neu gemischt, wovon wirklich alle profitieren.

Da Du ja augenscheinlich für alles Talent hat, wann können wir uns auf deine erste Musik-Produktionen freuen?

Produzieren eher nicht, aber ich kann immerhin Schlagzeug spielen. Und einer meiner Gast-Tätowierer, der Joey aus Amsterdam, ist tatsächlich Rapper und ich habe schon ein, zwei Texte geschrieben, um vielleicht mal als Feature bei ein paar Tracks von ihm dabei zu sein.

Einer ist nicht zu stoppen.

Eine nicht enden wollende Flut von Preisen zeichnet Autor, Schauspieler und Filmemacher Sebastian Pink aus. Festivals rund um den Globus, von Europa über Asien bis in die USA, überhäufen die Filme des gebürtigen Lebachers mit Auszeichnungen. Doch der ist nicht zu bremsen!

In den letzten zweieinhalb Jahren hat der gelernte Einzelhandelskaufmann 20 Bücher, zwei Hörbücher, sieben Songs und zwei Filme veröffentlicht. Dazu war er acht Mal als Schauspieler in zahlreichen TV-Formaten wie „Bettys Diagnose“ (ZDF), „Eine Klasse für sich“ (ARD), „In Wahrheit“ (ZDF), „Alles was zählt“ (RTL) und Kinoproduktionen wie „Enkel für Anfänger“ zu sehen – und natürlich in den eigenen Filmen „Memories“ und „The Way home“, beide aus 2022. Und die ganze Zeit schreibt er pausenlos an neuen Projekten, mitunter Tag und Nacht. Das legt natürlich die Frage nach der Antriebsfeder für solch eine enorme Produktivität nahe.

Bücher und Hörbücher, Einsätze als Schauspieler in Filmen und Serie und das alles erst seit vorletztem Jahr. Woher kommt diese enorme Produktivität?

„Schreiben tue ich ja eigentlich schon seit ich etwa 11 Jahre war. Mit dem Älterwerden wurden die Geschichten natürlich komplexer und altersgemäßer und ich habe recht bald versucht, etwas davon verfilmen zu lassen. Da kam aber leider nie was bei rum. Es gab auch Phasen, in denen ich weniger oder einmal zwei Jahre lang gar nichts geschrieben habe. Dann kam das Jahr 2019 und ich wurde angerufen, ob ich nicht in der RTL Serie „Unter uns“ eine kleine Rolle übernehmen wolle. Nur eine Woche später kam ich zu einem Auftritt in „Bettys Diagnose“ fürs ZDF. Das hat irgendwas bei mir ausgelöst und ich fing wieder an wie ein Geistesgestörter Drehbücher zu schreiben. Dann kontaktiere mich auch noch ein Verlag, ob ich nicht Lust hätte eine Kurzgeschichte von mir, „Meine letzte Woche mit Dad“, als Buch herauszubringen. Die habe ich dann entsprechend umgeschrieben und da sich ja jahrelang extrem viel Material angesammelt hatte, konnte ich dann in ganz kurzer Zeit, ein Buch nach dem anderen raushauen.“

Sebastian Pinks Leben ist so vielfältig, wie die Bücher, die er schreibt. Sein Lebensweg begann am 1985 in Lebach. Schon mit elf Jahren fing er an Drehbücher und Geschichten zu schreiben, eine Leidenschaft, er niemals aufgab. Dazu gehörte auch eine unglaublich intensive Phase als Autor unterschiedlicher (Kinder-)Bücher, Comics, Hörbücher, Kochbüchern, Leitfäden und einer Vielzahl an individuellen und kleineren Kurzgeschichten. Dabei überrascht er seine Leser in seinen Werken nicht nur durch seine eloquenten und mitunter humorvollen Wortwitzen, sondern zeigt ein tiefes Verständnis für Werte, wie Liebe, Zusammenhalt und Spannung, die er wortgewandt in seine Bücher einfließen lässt. Insbesondere seine Kindergeschichten können jedoch gerade das Herz der Kleinen erwärmen und ihnen wichtige gesellschaftliche Werte vermitteln.

Du bist Autor, Schauspieler, Filmemacher, Sänger und nicht zuletzt Vater. Wann schläfst Du eigentlich?

„Das ist unterschiedlich, ich nutze verschiedenste Gelegenheiten. Ich leg‘ mich dann auch schon mal hin, wenn der Kleine im Kindergarten ist, besonders, wenn ich bis in die Nacht geschrieben habe. Ich versuche immer auch kleinste Momente zum Schrieben auszunutzen. Ich saß schon in der Ausbildung während der einen Stunde Mittagspause da, habe alles schnell reingeschlungen, nur damit ich Zeit zum Schreiben habe. Sobald ich einen Gedanken habe, sitze ich da und schreibe, egal wie viel Uhr es gerade ist.“

Dabei ging es Sebastian Pink nie vorrangig um das Verfassen von „normalen“ Büchern“, sondern immer um Drehbücher. Der allergrößte Teil seiner Geschichten, die als Buch veröffentlicht wurden, basieren auf seinen Filmscripts. Aber das, was er eigentlich will, ist Filme drehen und in dieser Beziehung ist das Umschreiben von Drehbüchern in Bücher eher hinderlich, weil sehr zeitaufwändig. Zudem hält es ihn vom Schreiben neuer Drehbücher ab. So wundert es nicht, dass er nach Ausbildung und Tätigkeiten in der Versicherungsbranche und dem Sicherheitsgewerbe vor zwei Jahren zurück zum Film gekehrt ist: Erst als Schauspieler, dann ab dem Februar 2021 mit einer eignen Produktionsfirma „Movie-Production“. Im Januar 2023 werden die Dreharbeiten zu „Miracle for Christmas“, seinem dritten Film, beginnen, wieder ein Kurzfilm von etwa einer Viertelstunde.“

Deine Genres sind einerseits Kinderbücher, aber andererseits auch Thriller. Eine beeindruckende Bandbreite.“

„Genau. Die Kinderbücher um den kleinen Paul bilden ja die Entwicklung meines Sohnes ab, der so quasi zur Cartoon-Figur geworden ist, nicht zuletzt durch die tollen Illustrationen von Isabell Ristow. Das ist dann nicht ganz so viel Aufwand, da muss ich ja nur protokollieren. Da war der Psycho-Thriller „Juliette“ den ich jetzt im August veröffentlicht habe, schon etwas aufwändiger und natürlich etwas ganz anderes und erwachseneres.“

Aktuell konzentriert sich Pink mehr aufs Filmemachen. Das kann man ihm auch kaum verdenken, schließlich hat sein erster Kurzspielfilm „Memories” vom Januar diesen Jahres bisher 35 Auszeichnungen erhalten, darunter auch dritter Platz bei den New York International Film Awards für ihn selbst als bester Schauspieler. Auch sein zweiter Kurzspielfilm “The Way Home”, der gerade erst im September fertig gestellt wurde, hat schon zehn Auszeichnungen eingeheimst, darunter ein erster Platz als bester Thriller vom „The Black Panther International Short Film Festival“ in Indien und bei den türkischen „Nicomedia Film Awards“.  

Treibt dich die Flut von Preisen, die Deine Produktionen eingefahren haben, immer wieder an?

„Sowas kann man ja nicht im Voraus planen. Als ich meinen ersten Film „Memories“ rausgebracht habe und der dann so derart reingeknallt hat, habe ich mir nur gedacht: „Wow, was geht denn jetzt hier ab?“. Als die Preise aus Hollywood, Paris und New York City kamen, konnte ich es gar nicht glauben. Inzwischen hat der Film 35 Auszeichnungen eingeheimst und er ist ja immer noch am Laufen, vielleicht auch noch nächstes Jahr beim Max-Ophüls-Preis. Eingereicht ist er zumindest. Mein zweiter Film „The Way home“, der ja erst seit Anfang November läuft, hat jetzt unglaublicherweise auch schon mehr als zehn Preise gewonnen.“

Wie hast Du das Budget für Deinen ersten Kurzfilm „Memories“ zusammengekriet?

„Da musste ich mich richtig reinknien. Ich ging für diesen Kurzfilm von drei oder vier Drehtagen aus und habe als erstes Schauspieler aus den Kultserien „Alles was zählt“ und „Unter uns“ verpflichtet. Eine Zusammenarbeit, von der ich schon als Kind geträumt hatte. Aber auch mit dieser tollen Besetzung ist es schwierig gewesen, die Mittel zusammen zu bekommen, denn zum Beispiel die öffentlichen Filmfördermittel sind für Neulinge kaum zu erreichen. Da war es einfacher und ertragreicher sich nach Sponsoren in der Privatwirtschaft umzusehen. Schließlich habe ich schnell gelernt, was sich mit einer Getränkedose aus der der Hauptdarsteller trinkt, erreichen lässt oder mit einem echten Unternehmerehepaar, die in kleinen Rollen quasi sich selber spielen und auch noch den Drehort zur Verfügung stellen.“

Wann beginnen die Dreharbeiten für Deinen ersten Langfilm „Die letzte Woche mit Dad“?

„Das steht wirklich noch ein Stück weit in den Sternen, denn für so ein Projekt, einen zweistündigen Spielfilm, braucht man richtig viel Geld. Eine Viertelmillion wird da kaum reichen. Andererseits steht die Besetzung schon. Alle angefragten Schauspieler wollen unbedingt mitmachen. Das freut mich natürlich sehr, denn ehrlich gesagt, habe ich schon beim Schreiben vor Augen, wer welche Rolle übernehmen soll. Das hat schon bei „Memories“ und „The Way home“ geklappt. Da hat das Casting schon beim Schreiben bei mir im Kopf stattgefunden. Vorher drehen wir aber auf jeden Fall noch meinen dritten Kurzfilm „Miracle for Christmas“ ab. Der läuft dann mit ein bisschen Glück ab Februar auf einigen Festivals und wenn er auch ein paar Preise gewinnen sollte, ist er zusammen mit dem tollen Cast ein gutes Argument, um weitere Sponsoren zu überzeugen.“

Wie kam der Kontakt zu den Stars zustande?

„Das ging schon durch die Bücher los, weil ich durch deren Erfolg plötzlich auf Promi-Partys und Red-Carpet-Events eingeladen wurde. Da habe ich dann viele kenngelernt, Kontakte geknüpft, Nummern ausgetauscht und so kam die ein oder andere Zusammenarbeit zustande.“

Wo kann meine deine Filme außerhalb der Festivals sehen?

„In der Regel laufen die etwa ein Jahr auf Festivals, bevor sie dann öffentlich gemacht werden. Das wird allerdings für Kurzfilme zunehmend schwieriger, da denen sowohl in den Kinos wie auch im Fernsehen kaum noch Plattformen geboten wären, außer es gibt mal spezielle Kurzfilmabende. Interessanter sind da schon die Streaming-Dienste, neben YouTube besonders auf Kurzfilm spezialisierte Angebote wie zum Beispiel shortfi.ms“

Welches Projekt ist gerade noch in der Pipeline?

„Ich hab‘ eine Mini-Serie geschrieben, mit 12 Folgen à fünf bis sieben Minute. Eher was Lustiges zum Lachen. Das wäre natürlich auch toll, wenn die realisiert werden könnte. Und für den Fall, dass das mit dem langen Film nicht klappt, habe ich für Sommer noch was anderes in petto. Langeweile kehrt bei mir garantiert nicht ein!“

Same same but different

Jess Giata und James Boyle: so verschieden und doch auch so gleich. Beide sind echte Hingucker, kommen aus unserer Region, leben für ihre Musik – und mindestens halb Deutschland kennt sie aus dem Fernsehen.

Das Wichtigste aber, hat schon einer der ersten Kommentare auf den Punkt gebracht, den James nach seinem ersten Prime-Time Auftritt im bundesweiten Fernsehen bei Günter Jauch lesen durfte: „Endlich mal ein Saarländer im Fernsehen, der nicht peinlich ist!“  Diese Tatsache lässt sich eins zu eins auf seine Teilnahme bei der aktuellen Ausgabe von „The Voice of Germany“ übertragen, wie auf Jess Giatas Abstecher in die letzte Staffel von „Love Island“ übertragen, weil sie gleichermaßen keinerlei Anlass zum Fremdschämen gab. Das Geheimnis dahinter? Ganz einfach, beide sind sich selbst treu geblieben, waren authentisch und haben sich null verstellt.

Doch damit haben die Gemeinsamkeiten scheinbar erstmal ein Ende, zu unterschiedlich Alter, Geschlecht, Herkunft, Größe, Musikgeschmack und und und … Jess ist ganz klar die angesagteste DJane für Black- und Clubsounds in unserer Region und studiert „im normalen Leben“ in Mannheim Naturheilkunde. James hingegen ist der wohl bekannteste Piercer unserer Region und mit seiner Blues Rock Formation „Honey Creek“ der gefeierte, sprichwörtliche bunte Hund auf den Bühnen zahlloser Konzerte und Festivals. Selbst ihre bemerkenswerte Bildschirmpräsenz fußt auf denkbar unterschiedlichen TV-Genres. Während die 24-jährige, albanisch-stämmige Jess vielen aus einem Dating- und Reality-Format bekannt sein dürfte, kommt der in Los Angeles geborene James mit seinen 54 Jährchen und der Teilnahme an Quiz- und Casting-Show ein gutes Stück weit traditioneller daher. Doch bei allem Unterschiedlichkeiten habe beide ganz ähnliche, interessante Erfahrungen gemacht und da macht es natürlich Sinn, bei einem kleinen Gedankenaustausch darüber ein paar Fragen loszuwerden. Die erste Überraschung gab es dann schon beim ersten Treffen, denn die zwei kannten sich tatsächlich nicht. Das ist allein schon deswegen bemerkenswert, weil sich beide ja auch losgelöst vom Fernsehen in unserer Region einer ansehnlichen Popularität erfreuen

Da ihr euch bis jetzt überraschenderweise gänzlich unbekannt wart, liegt eine Frage sofort auf der Hand: Schaut ihr selbst denn gar kein Fernsehen?

Jess: „Das Ding ist, ich habe tatsächlich eigentlich gar kein Fernsehen geschaut. Erst seitdem ich da selbst dabei war schaue ich schon viel, aber eben nur Trash-Formate.“

James: „Doch schon, aber eher Filme und es kommt immer drauf an, was wann wo läuft, denn bei uns ist das so ein bisschen wie Radio. Wenn zufällig ein Film kommt, der mir gut gefällt, dann finde ich das cooler, als gezielt irgendwo was auszuwählen. So kommt man halt zu Sachen, die man gar nicht mehr auf dem Schirm hatte, was nicht passiert, wenn man selbst auswählt.“

Wie hat euer privates Umfeld reagiert als ihr von euren Fernsehplänen berichtet habt? Bei Dir, James, war ja Deine Tochter durchaus ein bisschen die treibende Kraft zur Teilnahme an „The Voice“?

James „Ja, die wollte unbedingt, dass ich ins Team von Nico Santos gehe, aber der war ja bei dieser Staffel gar nicht dabei. Aber blöderweise war der dann genau an dem Tag, als wir zum Dreh in Berlin waren, zu einem Konzert in Luxemburg, wo eine Freundin von mir, easy eine Meet & Greet für uns hätte klarmachen können. Dafür darf meine Tochter mich jetzt zum Finale von „The Voice begleiten.“

Deine Familie, Jess, war ja eher ein bisschen skeptisch, oder?

Jess: „Anfangs, nach dem ich meiner Mutter und meiner Schwester erzählt hatte, dass ich angeschrieben worden bin, ob ich mir eine Teilnahme vorstellen könnte, wussten die erstmal echt nicht, was sie davon halten sollten. Die waren nicht wirklich sicher, ob das bei „Love Island“ auch wirklich alles so seriös ist, aber ich konnte sie schnell davon überzeugen, dass da alles cool ist und auf jeden Fall die Erfahrung wert. Mir war auch wichtig, dass ich mich nicht verstellen musste oder mich als etwas präsentieren, was ich gar nicht bin. Schließlich haben die dann gesagt, komm, wenn Du es unbedingt machen willst, dann go for it.““

Ihr seid Beide gewohnt vor, Publikum zu agieren, hat das den Umgang mit den Kameras erleichtert?

Jess: „Zu Beginn der Dreharbeiten sind alle schon sehr bewusst damit umgegangen und man versucht sich in seiner Ausdrucksweise zurückzuhalten. Das Ding war, bei uns hingen ja wirklich überall im Haus Kameras, plus vier große Kameras draußen im Garten. Anfangs achtest Du schon darauf und siehst, hier ist eine Kamera, da ist eine Kamera, und wenn Du läufst, verfolgen sie Dich. Da denkst Du Dir schon wie krass das ist, denn selbst auf der Toilette waren ja welche. Da wurde uns zwar gesagt, dass die nichts übertragen würden, bzw. erst nach zehn Minuten mal geschaut wird, ob es uns gut geht, auch wegen möglicher Kreislaufprobleme, da es während der Dreharbeiten ja sehr heiß war. Allerdings gab es auch Szenen zu sehen, wo ich auf der Toilette geweint habe, und da war ich bestimmt noch keine zehn Minuten drin. Da haben die Kameras direkt aufgezeichnet, als ich reingerannt bin. Aber irgendwann ist man vertraut mit der Situation, wird lockerer, und hat sich an Kameras und Mikrofone gewöhnt, ohne sie wirklich zu vergessen. Die Tatsache, dass man 24/7 gefilmt wird, tritt dann schon in den Hintergrund.“

Bei Dir, James, hatte man keine Sekunde den Eindruck, dass Dich die Kameras beeinflussen?

James: „Wenn ich mich tatsächlich mal anders verhalten haben sollte, dann lag das nur daran, das es mir stellenweise in bisschen peinlich war, dass ich kein Hochdeutsch kann. Das war der Grund, warum ich beim Jauch für meine Verhältnisse sehr wenig geredet habe, weil ich deswegen schon nervös war. Jetzt bei „The Voice“ war alles easy peasy, was das angeht. Ich hatte durch die Erfahrungen vorher gelernt, lockerer zu sein, was das angeht.“

War bei der Produktion irgendetwas ganz anders als ihr es erwartet hattet?

Jess: „Ich hatte nicht damit gerechnet, dass das alles ziemlich live ausgestrahlt wurde, also nur einen Tag versetzt. Deswegen wurde uns auch die Handys abgenommen und so mussten zum Beispiel meine Schwester in der Zeit auch alle meine Social Media Accounts managen.“

James: „Ich war positiv überrascht, dass es von Anfang an ganz bewusst hieß, kein Fremdschämen. Uns wurde gleich im ersten Briefing erklärt, wenn sich bei den Blind Auditions keiner umdreht und das euch peinlich ist, dann sagt Bescheid, dann stahlen wir das nicht aus. Es wurden ja auch alle Talents von Psychologen begleitet.“

Gab es auch Moment oder Erfahrungen, die nicht ganz so prickelnd waren?

James: „Da wurde schon auch versucht bei Interviews so manche Dinge rauszulocken, bei denen ich nicht bereit war zu antworten. Vor den Battles, in meinem Fall ja gegen 20jährige Zwillingsmädels, kann die Frage, was ich denke, wer gewinnen wird? Ich hab‘ dann nur gesagt, dass mir das egal sei. Wir drei hatten auch schon vorher drüber gesprochen, dass wir uns gegenseitig unterstützen und pushen wollen. Uns war klar, dass, wenn ich gewinne, liegt das an meiner Erfahrung, und bei ihnen daran, dass sie niedlich waren und schön singen konnten.“

Jess: „Was ich ein bisschen unangenehm empfand, war, wenn man zum Beispiel geheult hatte, man gleich zum Interview gerufen wurde und das dann noch voll unter den Emotionen halten musste. Klar, die müssen gerade sowas liefern, aber das war schon nicht so toll, wenn man geheut hat oder wegen irgendwas noch voll sauer war. Da muss man schon aufpassen, was man sagt und wie man sich ausdrückt.“

James: „Bedeutet das, wenn man nie heult, wird auch nie zum Interview gerufen?

Jess: „Doch schon. Das war ja auch, wenn man Drama macht oder jemand offensichtlich voll gut findet oder um zu fragen, wie man irgendwelche Spiele gefunden hat. Die haben schon versucht, emotionalere Situationen auszunutzen, um Sachen aus Dir herauszulocken.“

James: „Das klingt ja total extrem, denn eigentlich seid ihr ja in einem richtig gechillten Umfeld gewesen, so in einer Villa auf einer Mittelmeerinsel. Konntet ihr überhaupt mal für einen Moment entspannen und die Zeit genießen?“

Jess: „Nicht so wirklich, weil Du ja schon 24 Stunden mit den Leuten da drinnen zusammen bist. Dazu kommt der fehlende Kontakt zu Freunden und Familie – und letzten Endes auch der Verzicht auf Handy, Social Media und so weiter. Halt null Kontakt zur Außenwelt.“

Gab es mittlerweile neue Anfragen oder seid ihr sogar schon zu Wiederholungstätern geworden?

James: „Ich hab‘ inzwischen auch noch an einer weiteren RTL-Show teilgenommen, „The Wheel – Promis drehen am Rad“ mit Chris Tal als Moderator. Ich bin Kandidat in der vierten Folge gewesen, aber leider wurde die Ausstrahlung der Show nach drei Ausgaben abgesetzt.“

Jess: „Ich wurde inzwischen schon wieder angefragt, aber das habe ich abgelehnt, weil ich das Format für mich nicht so wirklich ansprechend fand. Mir war das ein Stück weit too much, weil klar war, dass es da um exzessiven Saufen und Feiern gehen würde und so habe ich dankend abgelehnt. Aber prinzipiell würde ich es auf jeden Fall gerne nochmal machen.“

James: „Bei mir ganz ähnlich, kommt halt immer drauf an, was kommt. Im Augenblick hat für mich die Band Vorrang, weil wir im Gespräch für eine größere Arena-Tour im nächsten Sommer sind, im Vorprogramm einer sehr bekannten Band. Aber sonst bin ich nicht abgeneigt. Vielleicht noch mal eine Quiz, wo man ein bisschen Kohle gewinnen kann (lacht). Von dem Gewinn bei Günter Jauch konnte ich mir ja endlich eine Brille kaufen! Aber natürlich will ich auch Aufmerksamkeit, ich bin immerhin Frontmann in einer Band und auf der Bühne eine kleine Rampensau und nicht unbedingt schüchtern. Also will ich natürlich auch die Publicity, um meine Sachen zu pushen.“

Die Medienpräsenz hat Dir karrieretechnisch auch nicht wirklich geschadet, oder Jess?

Jess: „Auf jeden Fall ist es für mich als DJane ein großen Plus gewesen und es sind bestimmt in der Folge auch einige Bookings wegen „Love Island“ entstanden. Ich war zuerst ja nur hier in der Region bekannter, das hat sich dann schon deutlich geändert.“

Du hast ja im Oktober schon wieder ein Konzert mit Honey Creek gespielt. War da irgendwas anders?

James: „Wenn überhaupt, dann war das gefühlt nur eine Handvoll Leute, die wegen „The Voice“ da gewesen sind. Die meisten waren wegen der Band da und weil sie die kannten und schätzten. Aber dafür haben jetzt alle verstanden, worum es ging, wenn ich zwischendurch so die ein oder andere Anekdote erzählt habe. Die wussten schon, worum es ging. Und das ist dann schon eher mein Punkt: ich bin zu alt, um noch Rockstar zu werden, aber ich kann noch tolle Geschichten fürs Altersheim sammeln.“

Sind aus dieser besonderen Situation heraus auch Freundschaften über den Dreh hinaus entstanden?

Jess: „Definitiv. Trotz allem, was in der Villa passiert ist, irgendwie ist man dann doch Freundschaften geschlossen und ist bis heute in Kontakt. Die Zeit war zwar recht kurz, aber doch sehr intensiv. Mit einem der Mädchen war ich sogar zusammen im Urlaub in Dubai.“

James: „Ja klar, bei meinen Mädels war ich ja fast schon sowas wie der Papa und hab‘ die tatsächlich auch gecoacht. Ihr Part war halt wirklich undankbar und da habe ich ihnen geraten, macht das doch so und so. Vorher hatte ich gedacht, ich komm‘ da an und bin umgeben von hunderten Diven, die ich nicht ausstehen kann, und das war zum Glück nicht so. Klar waren da schon ein paar dabei, die ich jetzt nicht mehr treffen muss, aber die waren eher die Ausnahme. Witzigerweise habe ich gerade erst ein neues Video gepostet und hab‘ gleich aus „meiner“ Gruppe eine WhatsApp bekommen: Hey, lass uns das zusammen machen. Schick‘ mir mal den Text. Es sind auch Veranstaltungen von ehemaligen „Talents“ geplant, bei denen andere mit von der Partie sein werden!“

Wie hat euer Umfeld euch hinterher aufgenommen?

Jess: „Ich bin rausgekommen und hab‘ wirklich nur positive Nachrichten erhalten. Familie und Freunde waren auch sehr stolz und haben gesagt, dass ich mir treu geblieben bin. Nur drei weniger nette Nachrichten waren dabei, aber ich weiß wer die sind. Zwei aus dem Saarland und einer aus Kaiserslautern, die mich eh‘ auf dem Kicker hatten, aber ansonsten alles wie gesagt sehr positiv.“

James: „Bei mir war’s wie erwartet, weil ich ja ganz viele Leute aus der Alternativ- und Künstler-Szene habe. Die haben mich dann schon gefragt: Wie kannst Du nur so einen Scheiß machen? Aber damit hatte ich schon gerechnet, als ich gesagt hatte, ich bin dabei. Doch als dann ein, zwei Ausstrahlungen gelaufen waren, waren die voll dabei. Es gab zwar kein „Ich hab‘ mich geirrt“, aber dafür „Du machst das super“, als die geschnallt haben, dass ich mich nicht verstellt habe und einfach ich geblieben bin. Wenn dann überhaupt noch was Kritisches kam, war das wegen meines Aussehens bzw. meines Outfits, aber das war auch beim Jauch schon so.“

Gibt es irgendwas, was ihr Leuten mitgeben würdet, die auch mit dem Gedanken spielen, im TV dabei zu sein?

James: „Wenn jemand Bock darauf hat, sage ich: mach’s! Es ist zwar anstrengender als es im Fernsehen aussieht, aber gerade bei den Formaten, wo ich dabei war, gilt, die wollen keinen linken oder über den Tisch ziehen.“

Jess: „Für ein albanisches Girl ist es halt nicht so üblich ins TV zu gehen, deswegen ist, was ich den Leuten mit auf den Weg geben will, ruhig mal aus der eigenen Comfort-Zone rauszugehen und sich einfach mal Sachen zu trauen und den eigenen Weg zu gehen. Ich habe auch diesbezüglich positive Kommentare bekommen, dass die Leute meinten, dass sei voll krass, als Mädchen mit albanischer Herkunft da reinzugehen und mich traue, das zu machen. Die würden das auch gerne machen, aber deren Familien würden das niemals akzeptieren. Deswegen bin ja ich auch so froh, dass meine eigene Familie da so open minded ist.“

James: „Meine Familie war schlimmer. Das begann damit, dass mein Vater drei Jahre kein Wort mehr mit mir geredet hat wegen ein paar Ohrringen, einem Nasenring und bunten Haaren. Meine Mutter war Baptistin und mein Vater erzkatholisch, da ging’s schon los. Viele nehmen gerne die muslimische Kultur wegen sowas ins Visier, aber das gibt’s genauso in anderen Kulturen. Mich persönlich hat dann Yvonne Craig, das erste Batgirl, gerettet. Die hat bei uns in der Nachbarschaft gewohnt, war mit uns befreundet, und ihr Sohn hatte lange Haare und auch einen Ohrring. Sie hat dann mal auf einem Familienfest mal drei Stunden intensiv mit meiner Mutter geredet, was genau weiß ich nicht. Aber scheinbar hat Batgirl meine Mutter überredet, mich in Ruhe zu lassen und die hat dann tatsächlich nie wieder ein Wort über mein Aussehen verloren.“

Wäre für euch auch das Genre des anderen in Frage gekommen, also James in der Dating Show und eine singende Jess?

Jess: „Ich kann tatsächlich singen, war auch mal im Kirchenchor und „The Voice“ fand ich schon früher richtig cool, aber ich glaube meine Stimme reicht da vielleicht doch nicht ganz.“

James: “Also, wenn ich Single wäre: Nö! Ich such‘ schon gern meine Partner selbst aus und brauche sowas auch nicht, um meine Schüchternheit zu überwinden.“

Wer DJane Jess Giata einmal live erleben möchte, hat dazu jeden Freitag aufs Neue im Saarbrücker „Seven“ die Gelegenheit und darüber hinaus in Clubs in ganz Deutschland. Honey Creek mit Frontmann James Boyle stehen dieses Jahr nur noch einmal auf der Bühne, dafür aber bei einer ganz besonderen Veranstaltung, einem Benefizkonzert in Illingen am 16. November. Zum Schluss bleibt nur noch: Jess und James, vielen Dank für eure Zeit und ein interessantes Gespräch!

Die Nächste bitte

Kaum scheint eine Krise halbwegs überstanden, steht die nächste schon vor der Tür. Egal ob Konzerte, Events oder Catering, der gesamten Veranstaltungsbranche droht der Untergang und auch saarländische Unternehmen machen sich Gedanken.

Die Konzertprogramme sind übervoll, in vielen Clubs und Discos wird wieder eskaliert als wäre nix gewesen, inklusive Tuchfühlung. Riesige, ausverkaufte Großereignisse wie die Münchner Open-Airs mit Robbie Williams, Helene Fischer und Andreas Gabalier sorgen mit hunderttausenden von Besuchern für Schlagzeilen. Eigentlich hat die Veranstaltungsbranche endlich wieder etwas zu tun und genau genommen sogar mehr als das. Denn mit der aktuellen Auftragsflut gehen auch große Herausforderungen einher und reichlich neue, zum Teil substantielle Probleme. So gibt es zwar durchaus Veranstaltungen, die gut funktionieren, aber der Schein trügt, denn wenn nicht die ganz großen Namen auf der Bühne stehen, wird’s eher so mittelprächtig mit den Besucherzahlen. Da blicken Veranstalter mit großen Sorgenfalten in die Zukunft. Von den Aussichten fürs nächste Jahr, dass für viele Veranstalter, Bühnenbetreiber und schließlich für viele Künstler zum Schicksalsjahr werden könnte.

Im Moment steht die Branche vor einer Auftragsflut und die bringt einiges an Schwierigkeiten mit sich. Messen, Firmen und private Events, die immer wieder verschoben werden mussten, werden jetzt nachgeholt. Verschobene Konzerte drängeln sich neben neu gestartete Tourneen. Das führt zu einer ungekannten Verdichtung der Veranstaltungen und der damit einhergehenden Probleme. Und die Lage verschärft sich noch: Die Kosten sind enorm gestiegen, weil Material und Ersatzteile knapp sind oder zeitnah gar nicht zu bekommen sind. Obendrein sind laut Aktionsbündnis Alarmstufe Rot rund 30% der Fachkräfte abgewandert und der Veranstaltungsbranche in Deutschland verloren gegangen. Die Bundesvereinigung der Veranstaltungswirtschaft hat vorgerechnet, dass Hallenmiete, Technik, Toilettenwagen, Auf- und Abbau, Personal wie Fahrer und Security aber auch Künstler derzeit im Schnitt 45 Prozent mehr kosten als noch vor der Lauterbach-Krise. Da grenzt kostendeckendes Arbeiten fast an ein Wunder.

Heiko Renno von Saarevent, einem der größten Konzertveranstalter an der Saar hat da eine klare Einschätzung der Lage:

„Es läuft im Moment nicht so wirklich überragend. Man darf sich da nicht von Wacken oder Rammstein täuschen lassen. Generell fehlen einfach bei vielen Veranstaltung, egal ob indoor oder outdoor, 20 bis 30 Prozent der Zuschauer. Klar, die großen Seller ziehen natürlich, aber bei vielen anderen Bands läuft nach wie vor nicht super viel. Das liegt an den altbekannten Gründen wie Corona-Angst und der Unsicherheit: die Leute haben keine Lust mehr auf Verschiebungen, kaufen sehr spät Karten oder eben gar keine mehr, die Leute haben sich auch ein Stück weit entwöhnt. Dazu kommt, dass im Augenblick überall Feste über Feste angeboten werden – natürlich alles umsonst. On top noch die drohende Inflation und die drohende Energiekrise, da sparen die Menschen halt jetzt schon, wo immer möglich. Das alles sind Punkte, die einen massiven Einfluss haben und richtig reinhauen, und sich jetzt schon wie ein roter Faden in die Zukunft weiterzieht. Seit dann auch noch das Karlchen (Gesundheitsminister Karl Lauterbach – Anm. der Red.) Mitte August neuerliche Maskenpflicht und andere Maßnahmen in Aussicht gestellt hat, lässt sich sofort ein Rückgang in den Kartenkäufen feststellen, weil die Leute wieder zurückhaltender werden, was sich noch verstärken wird, wenn erstmal die ersten Energiekostenabrechnungen in den Haushalten ankommen. Diese Entwicklung wird sich durch Herbst und Winter bis ins nächste Frühjahr und vielleicht noch weiter fortsetzen. So ist aktuell nur noch sehr kurzfristiges Arbeiten möglich, ohne jede Perspektive oder gar Planungssicherheit. Das damit verbundene Dilemma wird nicht nur bundesweit die Clubs treffen, sondern auch kleine und mittlere Konzerte vor drastische Probleme stellen. Das wird in meinen Augen eine ganz harte Nummer, die einige nicht überstehen werden, da bin ich mir ganz sicher. Unterm Strich also mehr als schwierige Zukunftsaussichten, die aber auch maßgeblich von den politischen Entscheidungen abhängen. Alles in allem sehe ich in den nächsten 6, 12 oder 24 Monaten riesige Probleme auf die gesamte Branche zukommen. Der Markt wird sich enorm bereinigen und wahrscheinlich haben auch viele Veranstalter dann irgendwann einfach keinen Bock mehr.“

Nicht gerade förderlich ist, dass unterm Strich insgesamt immer noch weniger Menschen als vor der Pandemie Veranstaltungen besuchen. Für die Älteren sind Konzerte nach Corona keine Selbstverständlichkeit mehr. Im Zweifelsfall werden da Restaurantbesuche oder ganz andere Freizeitaktivitäten bevorzugt oder das Geld schlichtweg gespart. Die Jüngeren sind es schlichtweg nicht gewohnt und haben es noch nicht in ihrer Kultur drinnen in einen Club zum Konzert zu gehen. Die treffen sich nach wie vor bevorzugt am Staden, solange es das Wetter zuließ, oder ganz einfach privat. Das erklärt ein Stück weit, warum zwar die Zahl von Festivals und Konzerten deutlich gestiegen ist, die Zahl der Kartenkäufer insgesamt aber nicht. Der Kartengroßhändler Eventim hat angegeben, er verkaufe derzeit so viel wie 2019, allerdings für doppelt so viele Veranstaltungen. Bleibt im Schnitt für jedes einzelne Konzert die Hälfte an Gästen.

Das trifft die Branche wirtschaftlich hart, denn die Konzerte, die jetzt nachgeholt werden, sind alle kalkuliert auf das Jahr 2020, auf Basis der damaligen Löhne, Energiepreise und weiteren Kosten. Und die Tickets sind ja schon zum Preis von 2020 verkauft. Jetzt ist aber alles viel teurer, sodass einige der Veranstaltungen in diesem Sommer vorsehbar aber unausweichlich richtig Miese gemacht haben.  Bundesvereinigung der Veranstaltungswirtschaft zufolge sind Events bis zu 250 Personen im Vergleich zu 2019 im Durchschnitt um 58 Prozent teurer geworden, Anlässe mit 600 Personen um 55 Prozent und Veranstaltungen mit bis zu 1.500 Personen um 46 Prozent. Im Zusammenspiel mit den fehlenden Fachkräften können etliche Projekte nicht realisiert werden, womit wertvolle neue Erträge entfallen. Das alles hat zukünftig wohl zur Folge, dass die Ticketpreise deutlich steigen könnten, was wiederum weiteren Besucherschwund zur Folge hätte, ein echter Teufelskreis.

Das Studio 30 in Saarbrücken ist ein typischer kleiner Club, der sich in der Vergangenheit vor allem durch eine Vielzahl selbstveranstalteter Konzerte einen Namen gemacht hat. Verantwortlich zeichnet hier Sebastian Biewer, der ebenfalls mit gemischten Gefühlen in die Zukunft blickt:

 „Die Monate seit der Wiedereröffnung zeichnen ein wechselhaftes Bild. Einerseits spürt man die Freude, die Begeisterung des Publikums vor Ort, andererseits merkt man auch große Skepsis und Unsicherheit. Bei dem Großteil der Veranstaltungen lief der Vorverkauf weit unter den Erwartungen und bis zum Abend selbst konnte man nicht abschätzen wie das Konzert besucht ist. Das stellt einen zum einen vor logistische Probleme, Stichwort Personalplanung, zum anderen aber auch vor finanzielle Probleme, wenn die Abendkasse ausbleibt. Hinzu kommen die gestiegenen Preise für Personal und Material. Nach der ersten Welle der Euphorie folgte dann auch schnell die Ernüchterung. Das Überangebot auch hochkarätiger Shows mit nationalen und internationalen Bands im Saarland und Luxemburg, verbessert die Lage nicht wirklich. Dazu kommen Inflation, Kriegsängste, die anhaltende Lauterbach-Krise und ein generell geändertes Weggehverhalten. Die Unklarheit bezüglich der Corona-Regelungen im Herbst, verschuldet durch eine mangelhafte Politik auf Bundesebene, sorgt zudem für Unsicherheit, sowohl bei uns als Veranstalter, als auch bei unserem Publikum. Trotzdem schauen wir weiter so optimistisch es geht in die Zukunft und arbeiten an einem abwechslungsreichen Programm.“

Gerade sorgsame Programmplanung ist auch im Moment das Gebot der Stunde. Weil in erster Linie kommerzielle Angebote, funktionieren, besteht die große Gefahr, dass interessante Nischenthemen oder die Nachwuchsförderung unter die Räder kommen. Werden also am Ende die Künstler und die Kultur allgemein die Zeche zahlen?

Nach der Party ist vor der Party

Neben den Machern hinter Konzerten und Kulturereignissen gehören auch jede Menge Caterer Eventsveranstalter zur Branche und veranstalten unzählige Firmen und private Feste von der Hausmessen und Präsentationen bis zu runden Geburtstagen und Hochzeiten. Auch wenn in diesem Zweig Kartenvorverkauf und sinkende Besucherzahlen naturgemäß kein Thema sind, so sind doch die Probleme die Gleichen. Alex Perkams von Witt Events kann sich manchmal nur noch wundern:

„Nach zwei Jahren Flaute erleben wir eine verrückte Zeit. Wir müssen plötzlich Kunden absagen, weil uns an diversen Stellen Kapazitäten fehlen. Firmen wie auch Privatpersonen wollen unbedingt Ihre Veranstaltungen bis Oktober durchziehen, weil alle Angst vor Einschränkungen im Herbst haben. Das stellt die Branche vor eine Menge Probleme. Es fängt beim Personal an und zieht sich durch fast alle externen Dienstleister und Lieferanten. Vor drei Jahren konnten uns die Personaldienstleister problemlos mit drei Wochen Vorlauf 40 Servicekräfte zusichern, heute können sie uns keine 10 Leute garantieren. Getränkelieferanten können nicht liefern, weil alle Kühlhänger vermietet sind. Bestellungen von Eventequipment kommen zu spät oder nur teilweise. Zeltbauer, Technikdienstleister, Locations und Caterer sind komplett ausgebucht. Zusammengefasst, die gesamte Branche läuft auf Anschlag und befürchtet, dass es bald wieder sehr ruhig wird. Firmen sagen lieber jetzt schon Veranstaltungen ab als dies kurzfristig im Herbst tun zu müssen.“

Die gleichen Erfahrungen hat auch Andreas Fuhrmeister von „Friends event“ aus Saarbrücken gemacht. Er bringt es auf den Punkt:

„Die letzten beiden Jahre haben die gesamte Branche grundlegend verändert. Als positiv zu werten ist die aktuell gute Auftragslage. Viele Firmen und Institutionen planen wieder Zusammenkünfte und Erlebnisse, sei es für Kunden oder für die eigenen Mitarbeiter. Leider hat die Pandemie die Personalsituation nicht nur bei uns, sondern auch in allen zugehörigen Teilen der Eventbranche verschlechtert. Es sind nicht ausreichend Fach- und Hilfskräfte auf dem Markt verfügbar. Wir arbeiten mit vielen unterschiedlichen Partnern im Bereich der Veranstaltungstechnik, Cateringunternehmen, Gastronomiebetriebe, Personaldienstleister, Dekorationsfirmen, Künstler u.v.m. zusammen, überall sind die Kapazitäten und Verfügbarkeiten am personellen Limit. Traurig ist, dass einige gesunde Unternehmen „den Kampf“ aufgeben mussten, da Mitarbeiter sich nach vielen Monaten der Kurzarbeit, und mit dem Gefühl der Unsicherheit wie es weiter geht, der Branche abgewendet und sich neu orientiert haben. „On top“ gibt es Krankheitsausfälle. Wir sind bei jeder unserer Veranstaltungen mit kurzfristigen Absagen und Ausfällen konfrontiert. Dies führt zu extremen zeitlichen und quantitativen Engpässen. Hinzu kommen Lieferengpässe, die ja überall, nicht nur in der Event-Branche, zu spüren sind. Ich persönlich sehe dem Herbst und dem Winter mit gemischten Gefühlen entgegen. Wenn nun vermehrt den Bürgern geraten wird, sich erneut einzuschränken, nichts mehr zu unternehmen und Zusammenkünfte zu meiden, wird es für uns alle schwer im Winter werden.“

Emotion pur

Nur ganz, ganz wenigen Fotografen gelingt es wirklich, die Emotionen, die einen Augenblick einzigartig machen, im Bild festzuhalten. Einer davon ist der Saarbrücker Christian Alschbach.

Der erste Höhepunkt seiner fotografischen Karriere war die Veröffentlichung einer eigenen Schwarz/Weiß-Strecke im renommierten „Flawed Magazine“ vor fünf Jahren, also nur zwei Jahre nachdem er mit dem Fotografieren begonnen hatte. Eigentlich hatte der 38jährige erfolgreich eine Ausbildung zum Industriemechaniker mit anschließender Weiterbildung zum Industriemeister absolviert und arbeitet als Emissionstechniker beim TÜV. Vorsichtig ausgedrückt ein Berufsbild mit eher niedrigen Ansprüchen an Kreativität oder eine künstlerische Ader. Aber genau damit scheint er im Übermaß gesegnet und lebt dieses Talent hinter der Kamera aus. Dabei war er familiär kaum vorbelastet, denn nur eine Tante beweist als Malerin ein künstlerisches Händchen. Tatsächlich ist er der klassische Autodidakt, hat einfach alle Möglich ausprobiert und sich seine Fähigkeiten so selbst beigebracht, immer inspiriert von Ikonen wie André Josselin, Peter Lindbergh oder Alessio Albi, die ihn schon früh begeisterten.

Mit welcher Kamera hat alles begonnen?

Meine allererste Kamera war eine Nikon d5100. Sie hat bei mir einen Ehrenplatz im Schrank, allerdings benutze ich sie nicht mehr. Meine Systeme sind Nikon und Leica. Mich auf eine Lieblingskamera festzulegen ist so eine Sache. Ich liebe meine Leica Q, weil sie immer mit dabei ist. Ich verlasse das Haus nicht ohne sie. Meine schönste Kamera und wie ich finde, die schönste aller Zeiten ist ganz klar die Leica M6, mit ihr fotografiere ich analoge, freie Strecken. Was Kameras angeht, ist bei mir viel Liebhaberei im Spiel. Ich fotografiere überwiegend digital, muss aber dazu sagen, dass ich ein sehr ungeduldiger Mensch bin, weshalb die analoge Fotografie erst auf Platz zwei kommt. Ich entwickle halt auch selbst, zumindest s/w, aber Prozess der Farbentwicklung ist mir dann zu umständlich und dauert mir dann einfach zu lang.

Hast Du irgendwelche bevorzugte Richtungen oder Lieblingsmotive?

Neben meinem unübersehbaren Failble für S/W-Fotografie, fühle ich mich in der People-Fotografie zu Hause, bei der die Mode oft im Vordergrund steht. Grundsätzlich habe ich schon immer ein großes Interesse an Mode und bin auch Vogue-Abonnent, was für einen Mann vielleicht eher untypisch ist. Ich besorge auch bei meinen Shootings die Outfits selbst und kleide meine Modelle tatsächlich alle selbst ein, um sie ganz nach meinen Vorstellungen abzulichten.

Hattest Du deswegen schon mal mit dem Gedanken gespielt, dem Saarland den Rücken zu kehren?

Nein, mich hat es hier nie weggezogen, auch wenn andernorts die Akzeptanz für Modefotografie höher ist. Einfach weil ich mich hier immer wohlgefühlt habe. Hier ist meine Heimat, mein Haus, meine Frau und mein Kind.

Zurück zur Fotografie: Wie wichtig ist Dir die Nachbearbeitung Deiner Bilder? 

Ich fotografiere im RAW-Format, somit muss ich alle meine Bilder nachbearbeiten. Hauptsächlich geht es mir dabei jedoch nur um den Farb-Look, den ich in Lightroom anpasse. Ich halte nichts von übertriebener Retusche in Photoshop oder Face-Filtern etc. Klar mach ich auch mal einen Pickel weg, der gehört ja schließlich nicht zu der Person, aber sonst benutze ich Photoshop sehr wenig.

Du produzierst auch sehenswerte Videos…

Das bewegte Bild wird meiner Meinung nach immer wichtiger. Fotos genießen durch Social Media und den daraus resultierenden Massen an Bildern nur noch eine sehr geringe Aufmerksamkeit. Es wird nur schnell mal durchgewischt. Videos werden einfach länger betrachtet und viele Emotionen, die ich mit Bildern zeige, wirken in Videos nochmal intensiver. Aber auch wenn mir das Filmen großen Spaß macht und neue kreative Reize setzt, verstehe ich mich weniger als Videograf und als weiterhin als Fotograf.

Da wir uns ja auf einer Hochzeit das erste Mal begegnet sind, kommt natürlich die Frage nach Deinem Verständnis von Hochzeitsfotografie, Broterwerb oder eigene Kunst?

Das eine schließt das andere nicht aus. Ich liebe es Emotionen festzuhalten. Was gibt es Schöneres, einen so emotionalen Tag zu begleiten und damit Geld zu verdienen. Meine Kunden buchen mich wegen meines Looks und meiner Kunst. Für mich steht auch bei Auftragsarbeiten der künstlerische Aspekt im Vordergrund. Fotografie ist für mich immer Kunst!

Gib es Ziele, die Du als Nächstes erreichen möchtest?

Ich möchte als Künstler wahrgenommen werden und davon leben können.

Wir drücken die Daumen!

Christian Alschbach im Netz: www.love-and-stories.de, @c.alschbach.photography, @love.and.stories

Was für ein Freak!

Radio, Fernsehen, Internet und Konzertbühnen – Freaky Jörn lässt wirklich nichts aus. Dabei sieht er nicht nur komisch aus und macht komische Sachen, der ist auch wirklich noch so! Was da schiefgegangen ist, haben wir versucht im Gespräch mit einem der auffälligsten Saarländer herauszufinden.

Jörn Dressler ist ein etwas anderer freier Journalist, Moderator und Musiker. Er kommt aus Aßweiler im Biosphärenreservat Bliesgau, wohin er nach langen Jahren im Saarbrücker Nauwieser- und Luisenviertel und nach Gründung einer Familie wieder zurückgekehrt ist. Er ist Jahrgang 1980, mittlerweile also 42 Jahre alt und weiß, dass man es ihm das nicht ansieht, gibt aber zu, dass es sich mitunter so anfühlt, besonders sonntagmorgens. Er hat praktisch alle Schulformen durchgemacht, die es so gibt, inkl. Gewerbeschule, Sozialpflegeschule bis hin zur Krankenpflege mit Praktika in Krankenhäusern. Allerdings hat er immer wieder nach längerer oder kürzerer Zeit für sich selber gemerkt: nö, das ist es nicht. Irgendwann hat er sich dann gedacht, mal eine Maler-, Lackierer- und Raumgestalter-Lehre zu machen. Diese zog er auch drei Jahre bis zum Gesellenbrief durch, sagte sich aber anschließend, okay, ein Jahr arbeite ich noch in dem Betrieb, aber dann höre ich auf. Immerhin hatten seine Eltern ihm eindringlich erklärt, wenn er einmal einen Abschluss erreicht hat, kann er anschließend machen, was er will.

Just zu dieser Zeit, etwa 1997, hat er das vielleicht für ihn einschneidendste Erlebnis und gewinnt bei einem Metalhammer-Gewinnspiel ein Meet&Greet mit Lemmy Kilmister von Motörhead.

„Ich traf die Band anlässlich eines Konzerts in Mannheim. Gitarrist Phil Campbell und Schlagzeuger Phil Taylor saßen ganz relaxed in einem Backstage-Raum und unterschrieben mir meine CDs und Platten. Dann entdecke ich eine offenstehende Tür zum Nachbarraum – und da saß er. Ganz klassisch am Daddelautomaten, mit einem Päckchen Kippen, ‘ner Flasche Cola und ‘ner Flasche Whisky und vor allem mit seinen weißen Schlangenlederstiefeln. Und frech wie ich bin, lief ich natürlich gleich auf ihn zu, nur um nach wenigen Schritten von einem Security-Typen gestoppt zu werden, der mir kurz und knapp aber sehr eindringlich erklärt hat: Niemand, aber auch wirklich niemand, geht zu Lemmy. Wenn, dann kommt Lemmy zu Dir! In dem Moment haben dann zwei Leute ihn für die Show aus seinem Sitz hochgehievt – vor der Show so beeindruckt. Er hat sich dann zu mir umgedreht, den Arm um meine Schultern gelegt, auf einen von zwei kleinen Kühlschränken gezeigt und mir erklärt: Das ist Deiner, daneben ist meiner und den rührst Du nicht an. So kam ich voller Stolz zu meinem eigenen Kühlschrank voller Dosenbier im Backstage von Motörhead. Dann hat er auch noch ein Foto mit mir gemacht – mit Stinkefinger! Zuerst wusste ich nicht, was ich davon halten sollte, aber als in einer späteren Metalhammer-Ausgabe ein Poster rauskam mit Lemmy und allen möglichen anderen Superstars, denen er allen den Finger zeigt, da wusste ich, ich bin angekommen! Und spätestens da wurde mir klar wie cool es ist, berühmte Leute zu treffen und mit denen zu schnacken, das weiter zu geben und vielleicht auch ein bisschen damit anzugeben.“

(Foto <IMG_8683>, Jörn mit Lemmy)

Hals und Beinbruch

Neben Chucks und Tubesocks sind vor allem auch kurze Hosen dein unverkennbares Markenzeichen. Waren die normalen, langen alle in der Wäsche?

„Bei mir kam das durch New Metal und hat angefangen, mit Korn und den Deftones, deren Sänger hatte sowas immer an. Mit Skaten hatte das weniger zu tun, einfach weil ich immer der schlechteste Skater von allen war und hab‘ mir auch immer regelmäßig richtig weh getan. Deswegen war ich auch ständig im Krankenhaus, was sich im Übrigen bis heute nicht geändert hat. Einmal im Jahr bin ich mindestens im Hospital und seit ich bei der Sportarena bin, wird das sogar dokumentiert. Ich soll zum Beispiel ein Probetraining bei einer Footballmannschaft mitmachen, zack, Rippe gebrochen. Mit dem Fahrrad unterwegs gewesen, Schulter gebrochen, beim Beachvolleyball mit einer Hörergruppe in Spanien den Meniskus zertrümmert, Knöchel und Handgelenk gebrochen, die Liste hat kein Ende. Als ich neulich mit einer meiner Töchter im Fitness-Studio angemeldet habe, hat mich eine Angestellte nach Vorerkrankungen gefragt und ob ich schon mal was gebrochen gehabt hätte. Zu der hab‘ ich nur gesagt, sie soll sich setzen und wie viel Zeit sie denn hätte.“

Doch zurück zum Beginn des Mythos Freaky Jörn. Das Karma schlug damals in Gestalt der Großmutter seines besten Freundes zu, die in der Zeitung über UnserDing gelesen hatte und darüber, dass der Saarländische Rundfunk für dieses neue, junge Radio Leute suchen würde und ein Casting veranstalten würde. Da solle er doch mal hingehen, weil er ja sowieso den ganzen Tag nur am schwätzen wäre und so bekäme er vielleicht auch noch Geld dafür. Also macht er sich auf zum Halberg und muss dort als erste Aufgabe in jenem Casting eine Nachrichtenmeldung so umschreiben, dass auch ein elfjähriges Kind sie verstehen könne. Da wurde im klar, dass es sich um eine Veranstaltung für News-Redakteure handelte und das wollte er ja gar nicht sein. Aber wenn er schon mal da war, nahm er die eigentlich todernste und traurige Meldung und formulierte sie komplett um zu einem lustigen und leichten Beitrag, nicht zuletzt, weil ihm klar war, dass er hier keinen Blumentopf gewinnen würde. Als anschließend die Siegerin verkündet wurde ist er schon auf dem Weg nach draußen, als ihn eine SR-Mitarbeiterin aufhält und ihn bittet, mal ganz kurz mitzukommen. So lernt er seinen späteren, langjährigen Chef Sokrates Evangelidis kennen, der ihn zwar augenzwinkernd fragt, was er sich bei dem Text gedacht hätte, ihm dann aber ebenfalls einen Praktikumsplatz anbietet. Ein ganz wichtiges und folgenschweres Detail zu diesem Treffen, darf nicht unerwähnt bleiben: Jörn trägt ein T-Shirt seiner damaligen Band „Urobäx“, auf dem vorne nur groß „Freak“ draufstand. Als Evangelidis das sieht, meint er nur knapp: „Japp, das passt! Freaky Jörn!“ Dass er dabei quasi nebenbei einen Markennamen aus der Taufe hebt, ist in seiner vollen Tragweite erst jetzt heute klar.

Die ganze Zeit über blieb Freaky Jörn sich und seinem Style absolut treu, doch vor knapp zwei Jahren kommt es zu einem einschneidenden Ereignis. Er trennte er sich von einem seiner Markenzeichen, seinen Dreadlocks, die er seit der Jahrtausendwende bis auf eine beeindruckende Länge von über einem Meter „gezüchtet“ hatte. Wie konnte es dazu kommen?

„Neben meinem Dasein als Moderator, Musiker und Rampensau, bin ich auch für das Kultusministerium und das Landesinstitut für Pädagogik und Medien an Schulen unterwegs. Ich mache da beispielsweise Wochenprojekte mit den Schülern und zeige denen, wie macht man Frühstücksfernsehen, eine Radiosendung oder wie führt man ein Interview macht. Bei so einer Gelegenheit war ich an einer Schule in Luxemburg im Einsatz und da kommt auf einmal ein Mädel auf mich zu, zeigt auf den Boden hinter mir und sagt: “Entschuldigung, sie haben da gerade was verloren.“ Ich hab‘ mich rumgedreht und da lag dann ein fast ein Meter langer Dreadlock von mir. Mir war sofort klar, jetzt wird’s Zeit, jetzt bin ich in der Mauser.“

(Foto <vivien.huss.fotografie-09669 3>, Jörn mit ohne Haare)

Seinen Status als freier Mitarbeiter nutz er weidlich aus, um seinen unterschiedlichsten Talenten und Ambitionen Raum zu geben. Neben offensichtlichen Auftritten in verschiedensten Radio- und Fernseh-Formaten, Off-Air Moderationen auf Konzerten und Festivals, machte er beispielsweise auch viel Öffentlichkeitsarbeit für den SR und produziert mit großem Spaß Beiträge für die „Sportarena“.

„Das erste was ich da gemacht hatte, war ein Stück über den olympischen Fünfkampf, was ich mit den Jungs von Ungekocht Genießbar realisiert habe. Das war einfach unglaublich, ich habe sofort wieder Blut geleckt und gesagt: Das brauch ich und will ich und in Zukunft noch viel mehr!“

Wer probt, kann nix

Wovon er außerdem noch viel mehr braucht, gerade nach den letzte zweieinhalb Jahren, ist natürlich Musik machen.

„Die letzten Jahre waren für uns alle eine harte Zeit und ich hatte echt keinen Bock mehr nur noch via Facetime präsent zu sein. Wir hatten zwar lustige Projekte und Ideen, um uns bei Laune zu halten, aber ich war jetzt echt froh, als diese Zeit vorbei war und wir tatsächlich nochmal richtig loslegen konnten. Trotzdem ist es in dieser Zeit um meine Band Membran etwas ruhiger geworden, neue Projekte haben sich gebildet und letztlich haben wir Membran jetzt nach 16 Jahren zumindest zwischenzeitlich auf Eis gelegt. Für mich hieß das zum Beispiel, Zeit zu haben für das Project „Midlife Crisis“ mit Sascha Waack. Hat alles sauviel Spaß gemacht, aber jetzt bin ich gerade an einem echt großen Ding dran, einer Metal Big Band! So richtig mit Bläsern und Background Sängern, aber halt richtig hart. Insgesamt stehen dann mit mir, zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug, drei Sängerinnen, drei Bläser, einem Keyboarder und einem DJ dreizehn Leute auf der Bühne. Das sind dann schon so viel, dass wir nicht mehr zusammen proben können, aber das braucht man ja heute gar nicht mehr – und überhaut, wer probt kann nix. Das Ganze heißt „Stillmuff“. Ich fand das Wort schon vom Aussehen her richtig cool und dachte mir, wenn man das jetzt noch englisch ausspricht und ihm einen mittelmäßigen Schriftfont verpasst, dann ist das unschlagbar. Dann kommt keiner drauf, dass Stillmuff eigentlich eine praktische und kleinformatige Alternative zum Stillkissen bezeichnet, damit die Köpfchen von kleinen Babys beim Stillen nicht unbequem auf dem harten Unterarm zu liegen kommen.“ In jedem Fall hab‘ ich den Namen und entsprechende Websites schon schützen lassen.

Und wie sieht’s aus mit Live-Auftritten? Wann können wir Stillmuff auf der Bühne bewundern?

„Das ist momentan gar nicht mal so unbedingt unsere Priorität. Mein Fokus liegt im Augenblich erstmal darauf geile Songs zu produzieren, im Studio. Was ich gerade saugut finde ist, einen einzelnen Song zu machen, dann dazu ein Video und das dann rausballern und gucken was passiert. Natürlich stehe ich auch immer noch auf Bands, die so Konzeptalben gemacht haben, die man von vorne bis hinten durchhören kann, aber die Zeit ist jetzt eine andere. Und da ich ja einer bin, der ja auch beruflich ständig auf der Bühne steht, brauch‘ ich das im Augenblich nicht mehr so sehr.“

Wie sieht es aus mit anderen Projekten neben der Bigband? Du hast doch bestimmt einiges am Start?

„Was mich sehr gefreut hat, war tatsächlich, dass die Saarländische Krebshilfe auf mich zugekommen ist, mit der Frage, ob ich mir vorstellen könnte, bei einer Plakatkampagne für sie mitzumachen. Weil wenn ich mich als professioneller Spaßvogel da einbringe, erzeugt das eine ganz besondere Aufmerksamkeit und catcht die Leute nochmal mehr. Und natürlich habe ich sofort ja gesagt. Ansonsten bin ich dringend auf der Suche nach einem alten Kaugummiautomaten, weil ich mir einen Bienenfütterautomaten bauen will. Neben meinem Haus führt ein Wander- und Fahrradweg vorbei, da kommen jeden Tag hunderte von Leuten vorbei, und hintendran fängt gleich ein Feld an. Da will ich so einen Automaten aufstellen und Blumensamen reinmachen, die man sich dann für 20 Cent ziehen und ein Stück weit die Welt retten kann.“

Da bleibt uns nur uns für das Gespräch zu bedanken und falls unter den Lesern jemand einen Kaugummiautomaten übrighat, bitte einfach bei uns in der Redaktion abgegeben. Vielleicht geben wir ihn an Jörn, wenn er uns nicht gefällt.

Sitzen ist das neue Rauchen

Bewegung ist eine feine Sache! Tanzen, essen, sich fortpflanzen sind nur einige Beispiele für den Spassfaktor an der körperlichen Betätigung. Aber muss es denn unbedingt auch Laufen sein? Wir haben mit Betroffenen gesucht und schnell mit ihnen gesprochen, bevor sie wieder losgelaufen sind. 

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Überall und zu jeder Tageszeit begegnen einem Laufende – und es scheinen immer mehr zu werden. Da kommt nicht zu Unrecht die Frage auf, ob da was dran ist an der Rennerei oder ob es sich bei den Betroffenen nur um Leugner der Evolution oder Weltgeschichte handelt. Man könnte ja glattweg behaupten, wenn Mutter Natur gewollt hätte, dass der Mensch läuft, hätte er immer noch vier oder mehr Beine. Und auch der Umstand, dass die bedeutendsten Erfindungen der Menschheitsgeschichte wie Rad, Auto, Fernseher und Flugzeug dem Streben nach Bewegungsvermeidung entsprungen sind, lässt sich bestimmt irgendwie wegschwurbeln. Blöd ist nur, dass die Jungs & Mädels mit den schicken Sportschuhen so gar nichts von gemeinen Querdenkern haben, sondern im Gegenteil eher vernünftig und dazu noch beneidenswert gesund rüberkommen.

Vielleicht ist es einen Art Gen-Defekt, der erst ab einem gewissen Alter seinen verhängnisvollen Einfluss geltend macht? Denn während junge Erwachsene zwischen 20 und 30 ihren Bewegungsdrang üblicherweise auf Partys, in Clubs und bei zwischenmenschlichen Interaktionen ausleben, scheint alles das, was körperlichen Spaß macht, nach Vollendung des dritten Lebensjahrzehnts vergessen und verdammt zu sein. Stattdessen rennt die Generation Ü30 zunehmend scheinbar ziel- und sinnlos durch Parks, Straßen und Wälder und das zumeist auch alleine, gerade so als würde das Laufen in Gruppen Erinnerungen daran wieder hervorrufen, was man mit anderen Menschen so alles anstellen könnte. Aber ist das wirklich die alles erklärende Lösung für den Lauf-Hype der letzten Jahre? Ist da am Ende doch mehr dran?

Im letzten Jahr ging grob ein Drittel aller Deutschen ab 14 Jahren mehr oder weniger regelmäßig laufen oder joggen. Der Grund dafür waren weder fehlende fahrbare Untersätze noch der schlecht ausgebaute ÖPNV, sondern tatsächlich die Lust an der Bewegung und die Erfahrung echte Qualitätszeit für sich selbst zu erleben. Laufen ist eben eine ganzheitliche Sportart, die Körper, Geist und Seele in Einklang bringt und dabei nicht nur ein idealer Sport, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen oder ein wesentlicher therapeutischer Baustein bei Erkrankungen wie Diabetes, nach einem Burnout, bei Depressionen oder Angststörungen, sondern nicht zu unterschätzenderweise auch unglaublich günstig. Wer allerdings mit der Gesamtsituation auf unserem Erdenrund nicht wirklich zufrieden ist, sollte sich das mit dem Laufen vielleicht noch mal überlegen, denn regelmäßiges Laufen erhöht die Lebenserwartung, verlängert also das Elend auch noch. Frauen leben etwa fünfeinhalb Jahre länger, Männer werden sogar im Schnitt durchschnittlich knapp über sechs Jahre älter. Dieser Effekt tritt schon ein, wenn man mindestens eine halbe Stunde pro Tag moderat läuft, das heißt, laufen ohne zu schnaufen. Diejenigen unter uns, die sich schon länger nur zwischen Couch und Kühlschrank bewegt haben oder über 35 Jahre sind, sollten beim Einstieg in den Laufsport Vorsicht walten lassen. Ein Besuch beim Hausarzt und Orthopäden sollte sicherstellen, dass Herz und Kreislauf der ungewohnten Aufgabe gewachsen sind und die Gelenke in entsprechender Verfassung sind. Ebenso nicht ganz unwichtig, die ehrliche Erkenntnis in welcher Gewichtsklasse man mit dem Laufen beginnen sollte. Von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist dabei natürlich die Ausrüstung, wie der saarländische „Lauf-Papst“ und Ausrüstungs-Spezialist Henning Jochum erklärt, der selber sein Hobby zum Beruf gemacht hat, in der Woche in Abhängigkeit von seinem Trainingsplan auch mal bis zu 60 km zurücklegt:

„Das Wichtigste überhaupt ist natürlich der Schuh. Der muss individuell auf die Anatomie und den ganzen Menschen passen. Ein typischer Anfängerfehler, den man tunlichst vermeiden sollte, ist zum Beispiel das Benutzen irgendwelcher alter Schuhe und mit denen einfach mal loszulegen. Dabei sollte man bedenken, dass so ein Schuh, selbst wenn man nicht damit läuft, maximal eine Haltbarkeit von etwa zwei Jahren hat, dann fängt er an auszuhärten. Mitunter ist es schon witzig zu sehen, dass Leute hier mit zehn oder fünfzehn Jahren alten Schuhen in den Laden kommen und sich wundern, dass irgendwie nix mehr geht. Eine Faustregel lautet, dass ein Laufschuh 800 bis 1000km hält. Die der Entscheidung für einen Laufschuh zugrunde liegende Analyse sollte entsprechend regelmäßig wiederholt werden, dass sich Schuhe, aber auch der Laufstil ändern. Deswegen einfach beim nächsten Schuhkauf beim kompetenten Fachhändler kurz aufs Laufband zum Check. Man muss unbedingt darauf achten, wie ein Mensch sich bewegt und dass sich der Schuh genau dieser Bewegung anpasst. Man muss sich einfach vorstellen, dass das Laufen ja immer eine Flugphase besitzt und selbst wenn man langsam läuft, ist die Belastung auf Füßen, Hüfte und Gelenken bei jedem Schritt ungefähr so, als ob ich von einem 20 – 25 cm, hohen Kasten springe. Bei einem Lauf von 5 km macht man etwa 5000 Schritte, d.h. 5000 Sprünge und Landungen. Das gibt einem eine ganz gute Vorstellung, was das für eine Belastung für Fußgelenke und Knie bedeutet. Deswegen sollte da schon der richtige Schuh am Start sein, der damit umgehen kann. Deswegen auf keinen Fall bei den Schuhen sparen! Laufen ist auf die Zeit gesehen ein unheimlich günstiger Sport, auch wenn ein guter Schuh seinen Preis hat. Trotzdem wird halt leider oft am falschen Ende gespart und dann kommen die Verletzungen. Und natürlich gehört zum Schuhkauf immer die sachkundige Beratung im Fachgeschäft, inklusive einer gründlichen und kompetenten Analyse auf dem Laufband. Bei der übrigen Bekleidung kommt es auf Zweierlei an. Einmal ein Baumwollunterhemd, dass halt wirklich die Feuchtigkeit von der Haut wegtransportieren kann und eine gute Jacke für Herbst und Winter, die nach außen absperrt. Sowas hält dann auch zig Jahre. Ich hab‘ eine zwanzig Jahre alte Gore-Jacke, die funktioniert immer noch.“

Prahlen mit Zahlen

Ist das alles abgeklärt, sollte eher zurückhaltend ins Laufgeschäft eingestiegen werden. Am besten ist es, erstmal nur zwei bis drei Minuten zu laufen und dann eine ebenso lange Geh-Phase einzulegen. Die Lauf-Phasen sollte man fünf Mal wiederholen und dieses Pensum dann langsam steigern. Ideal ist es, drei Mal die Woche eine halbe Stunde zu laufen. Bei einem solchen sanften Start und konsequenter Steigerung der Laufeinheiten, werden sich schon innerhalb von vier Wochen Ausdauer und Leistung merkbar verbessern, was natürlich auch für neuerliche Motivation sorgt. Henning Jochum ergänzt:

„Nicht zu übertreiben ist ungemein wichtig. Nicht zu viel zu trainieren und nicht nur das Laufen sehen, sondern zum Beispiel auch Krafttraining und das Dehnen nicht zu vernachlässigen. Also nicht nur rennen, sondern auch ein bisschen rechts und links gucken. Die Abwechslung macht’s und der Muskulatur immer wieder andere Impulse setzen.“

Auch Mirko Stublic, dank Facebook und Instagram vielleicht einer der bekanntesten Läufer an der Saar hat einen guten Ratschlag für Frischlinge:

„Jeder der anfangen will, sollte das einfach mal ein paar Wochen probieren, das aber konsequent. Strecke egal, Tempo egal, Wetter egal. Ich bin halt recht schnell zum Glück und laufe wie gesagt mindestens 10 km, aber ich ziehe vor jedem den Hut, der dreimal in der Woche 5km läuft. Dranbleiben, auf gutes Equipment achten und los geht’s!“

Es gilt achtsam und aufmerksam mit sich umzugehen. Gerne wird zu viel in zu kurzer Zeit und Fehler gewollt oder erzwungen und Fehler schleichen sich ein, die den Körper eher belasten als ihm gutzutun. Die Motivation geht flöten und im worst case kommt es sogar zu Verletzungen. Eigentlich sagt der Körper einem, ob ihm gerade Gutes getan oder ob übertrieben wird, man muss nur darauf hören. Bei starken Schmerzen, Atemnot oder anhaltendem Schwindel, sollte unbedingt eine Pause eingelegt werden. Der Kreislauf macht meist schlapp, wenn der Trainingszustand noch nicht besonders gut ist und die Laufintensität oder die Laufdauer zu hoch gewählt wurden. Wenn das anhält, kann ein neuerlicher Besuch beim Arzt nicht schaden – im Gegenteil! Durch eine Überlastung des Knorpels an der Kniescheibe oder im Kniegelenk selbst, oftmals verursacht durch nicht passendes Schuhwerk oder eine falsche Lauftechnik kann es zu zunehmenden Schmerzen beim Laufen kommen. In jedem Fall sollte das Laufen unterbrochen werden und bei wiederkehrenden Knieproblemen unbedingt frühzeitig zur Abklärung zum Sportarzt. Bei Muskelkater und Seitenstechen gilt: Pausieren und dem Körper Ruhe gönnen. Seitenstechen betrifft auch eher Untrainierte, deren Atemsystem sich erst an die sportliche Belastung gewöhnen muss. In diesem Fall sollte man das Lauftempo reduzieren, tief durchatmen und gegebenenfalls Zeigefinger und Daumen locker aneinander reiben (klingt komisch, hilft aber wirklich).

Wer dies alles beachtet, ist ohnehin auf dem richtigen Weg, doch gerade jetzt im Sommer, gibt es Weiteres zu beherzigen, wie Dr. Peter Kessler rät:

„Wenn der Dermatologe ans Laufen denkt, fallen ihm generell sofort zwei Sachen ein: oben und unten! Mit „oben“ sind der Kopf und das Gesicht gemeint, bei Glatzenträgern auch die hohe Stirn. Sonne droht hier – insbesondere um die Mittagszeit – Schäden zu setzen, insbesondere Sonnenbrand und Hitzschlag. Daher immer gut eincremen (gilt natürlich auch für alle anderen ungeschützten Körperstellen), Mütze nicht vergessen und im Schatten laufen. Mit „unten“ sind die Füße gemeint. Gut passendes Schuhwerk schützt vor Schwielen und Hühneraugen, regelmäßiges Lüften der Schuhe und konsequente Fußhygiene ist das A und O in der Vorbeugung des Fußpilzes. Und generell gilt: Trinken nicht vergessen – wie immer!“

Und als ob das alles nicht genug wäre, nutzen die allermeisten Getriebenen gnadenlos alles, was modernste Technik und die sozialen Medien zu bieten haben, um ihre Mitmenschen über alles mögliche Zahlenmaterial auf dem „Laufenden“ zu halten. Läufer sind scheinbar echte Statistik-Nerds: Geschwindigkeiten, Kilometer, Höhenmeter, gelaufene Zeit, Herz-, Schritt- und Atemfrequenz. Wer es ganz genau wissen will, analysiert noch seine vertikale Bewegung, die Bodenkontaktzeit und die eigene Schrittlänge. Natürlich alles in Abhängigkeit zur Laufgeschwindigkeit, dem eigenen Wohlbefinden und den vorherrschenden Wetterverhältnissen. Aber mal ehrlich, dieses Prahlen mit Zahlen und sich mit seinenLaufergebnissen zu rühmen gehört wohl eindeutig zu den Schattenseiten des Laufsports. Keine Frage, wer einen Wettkampf gelaufen, egal ob gegen andere oder nur gegen den inneren Schweinehund, hat – unabhängig, ob 5, 10, 21 oder 42 Kilometer –, jeden Respekt verdient. Das dabei gewonnene Zahlen- und Datenmaterial ist letzten Endes für alle anderen außer einem selbst völlig irrelevant und grenzt an digitale Umweltverschmutzung. Nicht wirklich anders verhält es sich übrigens mit den gerne geposteten „nachher“ Fotos, die den Betrachter oftmals mit dem Gedanken spielen lassen, Rettungskräfte oder zumindest Sauerstoffzelt-Verleiher auf den Plan zu rufen.

­­­­­­­­­­­­­­­­­­­Ich habe mit dem Laufen angefangen, damit ich mehr essen kann!“

Aber jetzt mal im Ernst und ohne jede Ironie, was sind das für Menschen und aus welchen Gründen strapazieren sie regelmäßig ihre Lungen, Beine und Füße. Tatsächlich haben wir gleich mehrere „Laufende“ getroffen, die nicht gleich vor unseren Fragen davongerannt sind und kamen nicht um die Erkenntnis herum, dass wohl doch mehr am Laufen dran ist, als wir faulerweise gemutmaßt hatten. Das zeigt sich schon bei den Gründen, aus denen mit der Lauferei begonnen wurde. Jenny Kriesche zum Beispiel, die mittlerweile alle paar Wochen an Wettkämpfen teilnimmt und für die Teilnahme an einem Marathon auch mal bis nach Hawaii fliegt, hat eine einfache und sehr nachvollziehbare Erklärung:

„Zum Laufen gekommen bin ich hauptsächlich durch meinen Papa, der auch Marathonläufer ist und mit dem ich gerne mal einen Marathon laufen wollte (bin ich den ersten 2016 gemeinsam mit ihm) und seitdem bin ich dabeigeblieben. Laufen ist für mich ein guter Sport, da man nicht viel dafür braucht und es von überall aus ausüben kann.“

Ein gutes Stück weit pragmatischer lief das beim ehemaligen Sneaker-Papst Mirko Stublic, der schon lange bevor er selber in Gang kam, seinen Kunden zumindest sehenswertes Schuhwerk näherbrachte:

„Nachdem ich nach Saarlouis gezogen war, musste ich erstmal neue Kontakte aufbauen und hab‘ die freie Zeit genutzt, um mit dem Laufen anzufangen und habe dann schnell festgestellt, dass mir das richtig Freude macht. Für mich ist die Triebfeder inzwischen ganz einfach, das ganze Jahr über, wenigstens dreimal die Woche raus an die frische Luft zu kommen.“

Wiederum etwas anders gelagert war die Anfangsmotivation bei der Miriam Bilke-Perkams. Sie ist insofern eine untypische Wiederholungstäterin, da nach einer verletzungsbedingten Pause wieder angefangen hat, vor allem, um den unausweichlichen Folgeerscheinungen ihres anderen Lieblingshobbys, Torten- und Kuchenbacken, entgegen zu wirken. Gelaufen ist sie schon immer, beziehungsweise hat Sportarten betrieben in denen laufen eine Rolle spielt, wie z.B. Crossfit.

„Nach einem Achilles-Sehnenriss 2014 bekam ich die Prognose: Sie können gerne weiter Sport machen, aber nichts mehr was mit Laufen zu tun hat. Da habe ich meinen Sport fast ganz zurückgefahren. Dann kam zu Beginn der Pandemie eine Freundin zu mir, die auch eine längere Pause eingelegt hatte, mit einem „Wiedereinsteiger“ 5 km Trainings-Plan zu mir kam. Der lag zwar dann erstmal ein paar Wochen bei mir rum, aber nachdem ich mir mit einer anderen Freundin ein ausgedehntes Torten-Battle auf Instagram geliefert hatte, dachte ich mir: Wenn ich so weitermache, sehe ich nach Corona aus wie ein Oger. Da habe ich in den Plan in die Hand genommen und mir gesagt: Okay, wenn ich weiter viel essen will, sollte ich jetzt wieder mit dem Laufen anfangen. Und da war dann auch schon der Ehrgeiz es dem Orthopäden zu zeigen, was dann auch nach viel Mühen und dank der Unterstützung meines ehemaligen Crossfit-Trainers geklappt hat.“

Auch sonst ist bei der Sulzbacherin mit Laufschuh-Größe 43-44 manches anders als bei der Durchschnittsläuferin:

„Ich bin halt mit 1,83m ein bisschen größer und schwerer und werde so auch im Bereich der Hobbysportler keine Bestzeiten erreichen. Ich bin eben langsamer und kann damit leben und ich laufe halt so, dass ich hinterher keinen Herzinfarkt bekomme. Entsprechend gering ist mein sportlicher Ehrgeiz angesiedelt, was den Vergleich mit anderen angeht oder gar die Hatz nach Rekorden. Was ich auch nicht mache, ist, auf bestimmte Ereignisse, wie zum Beispiel der Berlin-Marathon gezielt hinzutrainieren. Tatsächlich laufe ich, wenn ich überhaupt bei Wettbewerben mitmache, fast nur Spendenveranstaltungen. Nach entsprechenden Fällen in der Familie habe auch ich mich mit dem Thema Krebs beschäftigt und fand es einen sehr guten Gedanken, durch Laufen die Leute dazu zu bringen zu spenden. Ich fand es gerade während der Pandemie wichtig etwas dafür zu tun, dass das Thema Krebs nicht hinten runterfällt. Spendenläufe sind da eine gute Gelegenheit und dann mache ich das auch gerne!“

Mit dieser Einstellung ist sie nicht alleine, denn auch Jenny Kriesche engagiert sich durch und über das Laufen hinaus:

„Ich minijobbe als Lauftrainer bei der Laufschule Saarpfalz, da ich auch sehr gerne in Gruppen unterwegs bin und auch gerne andere beim Erreichen der sportlichen Ziele unterstütze, von Anfänger – bis Marathontraining. Zudem bin ich in dem Verein Miteinander gegen Krebs e.V., die jährlich den Spendenlauf Cross against Cancer in Homburg veranstalten, dessen Einnahmen gespendet werden um Krebspatienten zu unterstützen. Da ist es schön zu sehen, wie gut das Laufen auch der Psyche tut.“

Was beim nach eigenem Bekenntnis „Genussläufer“ Mirko Stublic auffällt, ist seine eher ungewöhnliche Zeiteinteilung. Denn während eine große Mehrheit das abendliche Training bevorzugt, entpuppt sich der passionierte Bart- und Mützenträger als Frühaufsteher:

„Ich laufe morgens, immer! Das macht zwar ehrlich gesagt auch nicht immer Spaß früh aufzustehen, erst recht nicht, wenn auch noch bescheidenes Wetter ist. Ich gucke höchstens mal auf der Wetter-App, ob sich das Wetter bald ändern wird und verschiebe dann nach hinten, wenn meine Zeit es zulässt. Und zur Not gibt’s ja noch Regenjacken. Als ich zur Arbeit noch nach SB musste bin ich manchmal um halb fünf früh laufen gegangen, wenn’s zeitlich nicht anders ging. Du musst Dir halt einfach die Zeit für Dich nehmen. Wichtig ist aber immer, dass es Dir Freude macht. Wenn man sich dauernd zwingen muss, dann macht das keiner lange. Bei mir ist es so, dass ich mich spätestens nach dem ersten Kilometer doch freue, dass ich losgelaufen bin.“

Und noch etwas hebt ihn aus der Masse der Rennmenschen hervor:

„Tatsächlich laufe ich wie Forrest Gump nur auf Asphalt, nur auf Straßen rum. Alle anderen ziehen ja beispielsweise Waldboden vor, aber ich habe das Glück, dass ich robust und bis jetzt verletzungsfrei bin, obwohl ich in den acht Jahren jetzt über 17.000 km gelaufen bin und dabei habe ich alles erreicht, was ich mir vorgenommen hatte, 5 km unter 20 min, 10 km unter 40 min und bin Halb- und Marathon gelaufen.“

Ganz offensichtlich hat das Laufen längst einen besonderen Stellenwert für unsere Probanden eingenommen. Jenny Kriesche betont:

„Laufen ist aus meinem Leben nicht wegzudenken, weil es einfach ein schönes Hobby ist, es Spaß macht und abwechslungsreich ist. Ich schätze neben dem sportlichen Aspekt auch sehr den sozialen Aspekt des Laufens und der Zusammenhalt der Läufergemeinschaft.“

Miriam Bilke-Perkams schätzt besonders mit dem Laufen verbundene Qualitäts-Zeit:

„Für mich ist Laufen „me“ Time, meine Zeit für mich. Andere machen Yoga und für mich ist es halt das Laufen. Das ist für mich neben dem Job auch ein Resilienzfaktor.“

Auch Mirko Stublic will nicht mehr wirklich ohne:

„Ich bedauere es tatsächlich schon, wenn ich wegen Terminen nicht laufen kann, hab‘ dann aber trotzdem meistens einen guten Tag. Was mir dann fehlt, ist die Kombination aus der Bewegung und der Zeit für mich.“

Und so ein bisschen schielt er auch auf seine Social-Media-Aktivitäten:

„Ich hab‘ immer Handy dabei, damit ich den Notarzt rufen kann, wenn ich umfalle – und natürlich für das Photo hinterher, Social Media sind ja so wichtig beim Laufen.“ (sagt’s und grinst). „Tatsächlich freut es mich wirklich und gibt mir Antrieb, wenn Leute zu mir kommen und sagen: ich hab‘ nur wegen Dir mit Laufen angefangen, wegen Deiner Posts!“

Damit wäre dann der Schuldige gefunden!

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Jenny Kriesche

Name: Jenny Kriesche

Alter: 35

Läuft seit: 8 Jahren

Wöchentl. Laufleistung: 30 – 50 km

Lieblingsdistanz: Halbmarathon

Ziele: London- und Honolulu-Marathon

Miriam Bilke-Perkams

Name: Miriam Bilke-Perkams

Alter: 47

Läuft: 2 Jahren

Wöchentl. Laufleistung: >30 km

Lieblingsdistanz: 10 km (mit Luft nach oben)

Ziele: Bis ins hohe Alter gesund laufen zu können

Mirko Stublic

[Foto: <live 07-2022 laufen-mirko stublic social>]

Name: Mirko 53

Läuft seit etwas über 8 Jahren

Wöchentl. Laufleistung: 40 – 70 km

Lieblingsdistanz: >10 bis 30 km

Ziele: Keine mehr, alles schon erreicht,

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Cross against Cancer

Acht laufbegeisterte Frauen gründeten 2015 in Homburg-Kirrberg den Verein
„Miteinander gegen Krebs e.V.“. Zielsetzung ist die Verhütung und Bekämpfung von Krebserkrankungen, insbesondere auch Maßnahmen & Hilfen für Krebserkrankte. Um die Vereinsziele zu realisieren, wird jährlich der Benefiz-Lauf „Cross against Cancer“ mit Spendenrunden, 5km Nordic Walking, 5, 10 & 17km rund um das Homburger Waldstadion organisiert, um auf die Thematik Krebs in der Bevölkerung aufmerksam zu machen und dazu beitragen, dass Berührungsängste gegenüber an Krebs erkrankten Menschen durch deren Integration abgebaut werden Der Erlös wird an eine Organisation oder Institution gespendet, die sich mit dem Thema Krebs beschäftigt.

Cross gegen Cancer – am Sonntag 11.09. um 10.00 Uhr im Homburger Waldstadion

Der Fotograf und die starken Frauen

Veröffentlichungen in Magazinen von Penthouse bis Harper’s und Vogue, vertreten durch eine Agentur in London und unter den Klienten nicht so ganz unbekannte Firmen wie Harley Davidson und der Reemtsma Konzern oder Labels wie Sammler Berlin und Frauenlust, stehen für eine klare Ansage: der Mann kann was!   

Ronan Budec war als Fotograf schon überall und für alle tätig. Am liebsten Fashion- und Editorial-Shootings, gerne schwarz/weiß, aber auch mal Polaroids in den eigenen Studios in Frankfurt und jetzt auch in Saarbrücken. Genau hier ist er 1974 geboren und aufgewachsen, auch wenn er einen großen Teil seiner Jugendjahre, vor allem im Sommer, im bretonischen Lorient an der französischen Atlantikküste verbracht hat. Das ist genauso dem französischen Teil seiner Familie mütterlicherseits geschuldet, wie später der Besuch des Deutsch-Französischen Gymnasium. Dieser Seite verdankt er zudem seine künstlerische Ader und das Interesse für visuelle Kunst, denn Großmutter und Tante waren Malerin bzw. Galeristin.

Noch während seiner Schulzeit beginnt er mit 13, 14 irgendwelche Sachen zu skribblen und fängt an Cover „von Hand zu Fuß“ zu gestalten, einfach weil ihn Grafik sehr interessiert. Das ist dann auch die Basis für erste Jobs bei einer Werbeagentur, für die er dann auch Webdesign macht und schließlich dort eine Ausbildung zum Kameramann absolviert. Anschließend gründet er sein eigenes Unternehmen für Web- und Screen-Design zu deren Kunden unter anderem Unternehmen aus der Bahnbranche gehören, was wiederum zusätzlich zu einem Ingenieursjob bzw. die Projektleitung beim Prototypen-Bau von Bahn-Wartehallen führt. Zeitgleich wächst aber in den frühen Neunzigern mehr und mehr die Hinwendung zur Fotografie. Helmut Newton, seine Art Bilder zu inszenieren und wie er unverwechselbar und mitunter auch sehr provokant starke Frauen repräsentiert hat, beeindrucken ihn nachhaltig. In der Folge nimmt die Arbeit am Fotoapparat einen immer größeren Stellenwert ein, bis er, nicht nur im Selbstverständnis, zum kompletten Fotografen wird. Der Rest ist dann fast schon Geschichte. Inzwischen versteht er sich als Fotograf immer auch als Choreograph eines Teams. Er kennt und schätzt die Bedeutung von Assistenten, Stylisten, Make-Up Artists und sieht sich auch in der Verantwortung, seinen Stab bei Laune halten, damit am Ende des Tages auch ein gutes Bild rauskommt, was eben ohne gute Stimmung nicht funktioniert.

L!VE: Wie um alles in der Welt gerät als gelernter Kameramann ins Ingenieurswesen bei der Bahn?

R.B.:  Indem man frankophon ist und ein deutsches Unternehmen mit einem französischen fusioniert. Da braucht es dann jemand der die interne Kommunikation übernimmt. Allerdings bin ich damals recht schnell in ein tiefes, schwarzes Loch gerutscht, weil ich für wenig Geld viel Verantwortung übernehmen musste. Schließlich folgten dann zwei Jahre in Berlin da wollte ich fotografisch etwas mehr Fuß fassen, habe aber zweigleisig auch weiter für das Bahnunternehmen gearbeitet. Der Liebe wegen bin ich danach nach Köln gegangen. Ich konnte dort sogar mein fotografisches Arbeiten weiter ausbauen, weil ich zwar immer noch die alte Firma tätig war, nur inzwischen in Tele-Arbeit. Heute würde man Home-Office sagen, die mir sehr viel Freiraum für die Entwicklung meiner Fotografie ermöglichte.

L!VE: Hast du auch eine  fotografische Ausbildung?

R.B.: Nee, ich habe mir einen Fotoapparat genommen und den „gelernt“. Alles andere war intuitiv, hat einfach funktioniert, wobei natürlich die Kameramann-Ausbildung nicht gerade hinderlich war.

L!VE: Dieser Fotoapparat, den Du „gelernt hast“, war sicher noch analog. Bist auch Du digital unterwegs?

R.B.: Meistens schon, allerdings habe ich eine große Hinwendung zu Polaroid-Bildern entwickelt. Ich hatte mal für einen Kunden eine ganze Modestrecke geschossen, natürlich digital, aber nebenbei auch Polaroids gemacht, mehr so für mich. Am Schluss kamen ausschließlich die Polaroids in das Magazin. Außerdem bin ich kein Freund von Nachbearbeitung. Je weniger ich im Nachhinein machen muss, desto besser. Bei schwarz/weiß mache ich wirklich oft gar keine Retusche, wenn‘s um Beauty-Bilder geht, da muss man dann halt Hand anlegen, aber auch versuche ich denkbar übersichtlich zu halten. Zudem eignet sich schwarz/weiß, um mit den Bildern gewissermaßen Zeitreisen zu machen. Also um moderne Fotografie zeitlos zu machen, weil die Menschen zeitlos werden. Das ist ein sehr aktuelles Thema, denn man sieht ja, wie viele junge Leute auf der Suche nach alten Analog-Kameras sind, um mit schwarz/weiß Film zu arbeiten. Aber das Analoge beschränkt sich ja nicht auf schwarz/weiß Fotografie, denn man darf nicht außer Acht lassen, dass ja auch Polaroids nichts anderes sind als analog Fotografie. Und Polaroid-Bilder sind fantastisch, der Look ist einfach irre! Ich liebe den echt!

L!VE: Gibt es einen Auftrag oder eine Arbeit, die für Dich besonders reizvoll war?

R.B.: So das eine spezielle Ding, gab es für mich nicht. Egal ob beispielsweise Mode oder Interieur, sobald Menschen mit im Bild sind, wird’s für mich interessant. Ich bin halt kein Still-Lifer, der Spaß daran hat Essen oder ein paar Schuhe zu fotografieren, die da einfach nur vor einer weißen Wand stehen.

L!VE: Wenn es Dir schon schwer fällt, einzelne Arbeiten hervorzuheben, ist es vielleicht einfacher Menschen zu benennen, die Dich durch die Zusammenarbeit beeindruckt haben?

R.B.: Ja da gab es in Berlin eine Künstlerin, Juliette Schoppmann, die durch ihren zweiten Platz in der ersten DSDS-Staffel bekannt wurde. Für die habe ich Bilder für ihre Alben gemacht, Fotos für die Cover und so weiter. Da war gleich eine Verbindung und es hat sofort funktioniert, vielleicht auch weil sie ebenfalls französische Wurzeln hat. Daraus hat sich dann unter anderem auch noch die Verbindung zu einem etwas „komischen“ Künstler ergeben, Menowin Fröhlich, weil der natürlich damals vom gleichen Management betreut wurde. Und wenn wir gerade bei den TV-Personalities sind, auch die Arbeit mit Rebecca Mir war sehr interessant

L!VE: Aktuell richtest du ein großes, neues Studio in einer ehemaligen Industriehalle ein.

R.B.: Das ist eine alte Schlosserei, die erstmal grundsaniert werden musste, was aufgrund der Größe einiges an Investitionen bedurfte. Dort entsteht eine multifunktionelle Kombination aus Studio und Location, quasi ein Kreativ-Raum und ein Raum für Seminare, Meetings, Workshops, Events und alles Denkbare. Ich hoffe, dass wir dort spätestens bis Ende Juni eröffnen können.

L!VE: Für einen Fotografen bist Du überraschend wenig auf Instagram & Co unterwegs.

R.B.: Zum einenlege ich da sowieso kein besonderes Augenmerk drauf. Andererseits fehlt mir auch manchmal einfach die Zeit dafür, gerade im Moment. Und, obwohl ich da echt nicht viel gemacht habe, ist zum Beispiel meine Facebookseite trotzdem irgendwann explodiert und bei Insta habe ich Follower im fünfstelligen Bereich. Ich lass sich das einfach weiter entwickeln. Hinzu kommt, dass viele dort unvorsichtig mit Bildern umgehen, vor allem, weil sie den wirklichen, künstlerischen Wert eines Fotos nicht mehr überblicken können. Der Wert der Fotografie als Kunst geht da komplett verloren und es geht nur noch um die Selbstdarstellung. Gerade weil sie auch mit anderen Beautystandards und Filtern vollgepumpt werden, die im Endeffekt die Menschen so darstellen, wie sie gar nicht sind. Da wird eine Fake-Welt aufgebaut. Nach den meisten Selfies würde man die Menschen im echten Leben ja noch nicht mal mehr erkennen. Als ich mich damals auf Insta angemeldet hatte, war das noch in erster Linie ein Portal für Kreative, für Fotografen, Maler, visuelle Künstler im weitesten Sinne und ist in der Zwischenzeit zum Selfie-Heaven verkommen, wo nur noch die Fassade übrigbleibt.

L!VE: Was steht in Zukunft an?

R.B.: Da gibt es eine ganz spannende Geschichte, über die ich allerdings, wie immer, nur ein bisschen was verraten kann. Gemeinsam mit meiner Partnerin Eva Zocher, arbeite ich für eine renommierte Hotelkette an deren Ausstattung mit neuen Bildern und darüber hinaus auch an der Art der Präsentation dieser.

L!VE: Das klingt doch schon sehr spannend. Wir wünschen viel Erfolg und bedanken uns für das interessante Gespräch.

R.B.: Gern geschehen und jederzeit wieder.

Mehr Infos auf www.ronanbudec.com

Das Phänomen im Bademantel

Millionen Likes, Hunderttausende Fans & Follower und Talent im Übermaß! Was der gerade mal 19jährige Daniel Klein auf die Beine gestellt hat, kann sich mehr als sehen lassen – und hören! Kein anderer DJ kann sich ähnlicher Popularität auf TikTok rühmen und im Saarland ist er sowieso mit großem Abstand die absolute Nr. 1!

Vor zwei Jahren war Daniel Klein noch ein ganz normaler Abiturient im Kehl am Rhein. Ein paar kleinere Bookings als Bass und Future House DJ hatte er schon erfolgreich absolviert, aber nichts was auf die atemberaubende Karriere, mit über 450.000 Followern auf TikTok und knapp 25.000 auf Instagram, hätte schließen lassen, die der 1,87 Hüne inzwischen hingelegt hat. Tatsächlich war der Lockdown für ihn der Startschuss richtig Gas zu geben und als erster DJ auf TikTok Livestreams zu veranstalten. Aus Daniel Klein wurde D.Cline und als ihm nach seinen ersten 18 Videos die Outfits ausgingen, ereilte ihn beim Verlassen der heimischen Dusche ein Geistesblitz in Form seines Bademantels. Der wurde inzwischen zu seinem unverwechselbaren Erkennungszeichen. Inzwischen hat der Algorithmus-Flüsterer sein Abitur in der Tasche und ist wegen seines Ausbildungsplatzes seit August 2020 in Saarbrücken heimisch und bis auf den Dialekt hat er an seiner Wahlheimat nichts auszusetzen. Die „Sprache“ des TikTok Algorithmus hingegen, hat er problemlos durchschaut. Gepaart mit seinem besonderen Talent hat ihm das eine beachtenswerte Karriere als DJ und Content Creator beschert. Und so ist er praktisch direkt nach unserem Treffen auf Einladung JBL Audio schnell mal zu einem Wochenende zur Snow Party u.a. mit Martin Garrix nach Val Thorens aufgebrochen. Nicht gerade ein unangenehmer Zeitvertreib für einen jungen Mann, der noch vor wenigen Jahren mit seinem Talent am klassischen Streichinstrument überzeugte.

L!VE: Du hast wirklich Cello gespielt?

Daniel Klein: „Ja klar, ich komme aus einer relativ musikalischen Familie. Meine Mutter ist Musiklehrerin, spielt Trompete und Klavier, mein Vater hat mal Schlagzeug gespielt und meine Geschwister Kontrabass, Klarinette und Klavier. Cello habe ich seit ich acht Jahre alt war gespielt. Mit etwa elf war ich auch irgendwann mal unter den Top 16 in Baden-Württemberg. Ich habe damals jeden Tag mindestens 20 bis 30 Minuten geübt und habe das wirklich sehr gerne gemacht, besonders auch im Orchester zu spielen. Quasi als Abschluss hatte ich im Winter 2019 noch einen großen Soloauftritt mit Orchester und allem Drum und Dran, habe dann aber mit 18 aufgehört.“

L!VE: Erleichtert diese musikalische Vorbildung das DJ-Dasein?

D.K.: „Auf jeden Fall! Ich bin zwar bestimmt kein DJ bei dem alle Tracks mixed in key (in einer Tonart – Anmerkung der Red.) sein müssen, aber ich glaube so ein bisschen sollte man schon darauf achten. Man kann halt viel rumspielen als DJ. Ich zum Beispiel nutze gerne A Capellas, setze einen Loop und lasse einen zweiten Track laufen. Wenn der dann in einer komplett anderen Tonalität sein sollte, dann merkt das im Club auch einer mit 3,0 Promille.

L!VE: Zurück in die Gegenwart. Wie kommt ein talentierter Badenser ins Saarland?

D.K.: „Das hatte sich ganz lustig ergeben. Ich war ja damals schon mit meinen Live-Streams online und die kamen ja auch ganz gut an. Als ich mir dann mal die Kommentare hinterher angesehen habe, entdeckte ich eine Nachricht, ob ich nicht Lust hätte bei einer Veranstaltung der Karlsberg Brauerei in Homburg dabei zu sein. Bei diesem Influencer Stammtisch habe ich dann auch aufgelegt und bin dabei eben mit meinem jetzigen Ausbilder ins Gespräch gekommen. Nach dem Abitur war ich unsicher, was genau ich machen wollte, fand aber den Gedanken cool, eine neue Stadt kennenzulernen und habe mich dann auf Saarbrücken für meine Ausbildung zum Kaufmann für Marketing und Kommunikation eingelassen. Marketing ist für einen DJ ohnehin ganz interessant und wegen meines Abiturs konnte ich die Ausbildung ja auf zwei Jahre verkürzen und werde dann jetzt im Sommer fertig.

L!VE: Was genau hat Dich getriggert nicht nur als DJ zu performen, sondern damit auch viral zu gehen?

D.K.: „Ich glaube, das war Neugierde und vielleicht auch ein bisschen Langeweile. Über einen Freund, DJ Olde, der ja auch schon hier in der Alten Schmelz aufgelegt hat, bin ich an ein paar Clubs und meine ersten Warm-Up Gigs gekommen. 2017 hatte ich mit dem Auflegen begonnen, was von Anfang an großen Spaß gemacht hat, auch wenn ich damals noch nicht wirklich 18 war. Als dann der Lockdown kam, haben recht schnell viele Deejays damit begonnen, zum Beispiel auf YouTube live zu streamen. Das fand ich schon cool, wollte da auch was machen, aber auf jeden Fall mein individuelles Ding mit etwas ganz Neuem. Das war dann TikTok, wo zu dem Zeitpunkt nicht ein einziger DJ was gemacht hat. Damals hatte TikTok aber eine Sperre, die verhinderte, dass man live streamen konnte, bevor man nicht wenigstens 1.000 Follower hat. Das hieß für mich im ersten Schritt, Videos hochzuladen, um auf diese Zahl zu kommen. Das mit den Videos hat sich dann so krass entwickelt, dass ich es weiter gemacht habe, auch als ich längst streamen konnte, einfach auch um meine Live-Streams zu pushen. Denn damals war es so, dass die Streams nur so erreicht werden konnten, indem eine Person dir folgte und benachrichtigt wurde oder wenn du mit einem Video auf der „For you“ Page erscheint und du genau in dem Augenblick auch live bist. Deswegen hatte ich das dann damals genau durchgeplant. Ich habe meine Videos immer um Punkt 19.30 Uhr hochgeladen, weil ich herausbekommen hatte, dass der Algorithmus ungefähr eine halbe Stunde brauchen wird, bis er bewertet, ob das Video viral gehen wird oder nicht. Wenn das Video dann nach 30 Minuten schon zehn- oder zwanzigtausend Aufrufe hatte, dann geht es noch wesentlich höher. So bin ich dann immer genau nach dieser halben Stunde „live“ gegangen, weil das dann genau der Zeitpunkt war, wo es komplett ausgestrahlt wurde. Und weil die Leute dann das Video auf ihrer „For You“ Page hatten, gelangten sie entsprechend auch zum Live-Stream. Und man muss natürlich zusehen, dass man die Leute bei der Stange hält. Da kommt dann auch der Bademantel ins Spiel, auch wenn das Anfang schon ein bisschen skurril war. Aber es catcht die Leute einfach und so habe ich die Leute auch ein bisschen gereizt, indem ich am Anfang gesagt habe, bei 200 Zuschauern kommt der Bademantel. Anfangs hatte ich ganz normal aufgelegt, aber wenn dann die Zahlen stimmten und ich im Bademantel aufgelegt habe, kam es halt auch vor, dass neue Leute dachten „Ach wie irre, da gibt es einen DJ auf TikTok und der legt auch noch im Bademantel auf!“. Mit den Videos ist es so, dass ich mir sage, ich möchte den Leuten einfach nur für eine Minute ein gutes Gefühl geben und sie sich unterhalten fühlen. Das ist natürlich leichter, wenn man von den Songs immer nur kurze Ausschnitte nutzt und langweilige Intros weglässt. So wird dann richtig viel Dopamin ausgeschüttet. Das ist halt die Gefahr bei TikTok, weil es so rasend schnell von einem Video zum nächsten geht, da man ja nur mit einem Fingern scrollen muss.

L!VE: Wie wichtig ist es, die TikTok zugrunde liegenden Mechanismen zu verstehen und sich zu eigen zu machen?

D.K.: „Die ersten Posts Ende 2019 waren nur so ein Ausprobieren. So richtig los ging das dann mit dem ersten Lockdown im Februar 2020. Da hatte ich ein virales Video gehabt, ein Mashup von Kazim Akbogas „Is mir egal“ mit Michael Wendlers „Egal“, dass wirklich durch die Decke ging und total im Trend lag. Ich hatte das ohne großartige Hintergedanken oder Erwartungen hochgeladen und am nächsten Morgen hatte das Teil Hunderttausende Aufrufe. Das war schon irgendwie irre, wie schnell das welche Ausmaße angenommen hat. Den einen Augenblick sitzt man noch in der Schule und am nächsten Tag fast einen halbe Million Views mit Tausenden von Kommentaren. Das war die unglaubliche Chance, die TikTok damals geboten hat und die das Medium auch zum damaligen Zeitpunkt einmalig machte. Das wäre auf keiner anderen Plattform möglich gewesen, in so kurzer Zeit so stark organische Reichweite zu generieren. Der TikTok Algorithmus hatte so stark darauf basiert, dass zur Beurteilung des Contents immer genau drauf geschaut wurde, wie die Leute, die sich das angeschaut hatten, darauf reagierten. Umso positiver die Reaktion, an umso mehr Nutzer wurde das Video dann ausgestrahlt. Auf diese Weise hat sich halt „guter“ Content mit Qualität durchgesetzt. Das hat sich inzwischen geändert, da TikTok die Beiträge eher in verschieden Gruppen kanalisiert. Trotzdem mache ich gerne da weiter meine Videos, einfach um die Leute zu unterhalten, während ich zum Beispiel auf Instagram den Fokus darauflege, meine Gigs und Termine zu promoten.

L!VE: Hat Dein „virtueller“ Fame Deine Art aufzulegen verändert, jetzt wo die Clubs wieder da sind?

D.K.: „Das hat natürlich meine Performance komplett beeinflusst, sowohl vom musikalischen Genre her wie auch beim Auftritt. Wenn ich früher in den Clubs aufgelegt habe, hatte ich schon immer wieder versucht ein bisschen Ironie oder lustige Momente einzubringen. Ich mag es mit kurzen Memes den Leuten ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern und dann kommt ein geiler Drop, das liebe ich! Oder ich spiele manchmal auch einen „Heidi“ Remix, wenn der so richtig ballert, das ist für die Leute schon extrem lustig, genau wie ein „Barbie Girl“ Remix von mir. Sowas habe ich schon aufgelegt, bevor ich TikTok gemacht habe, aber mein Auftritt an sich hat sich jetzt schon massiv verändert. Früher habe ich in den Clubs ja viele Stunden am Stück aufgelegt, inzwischen spiele ich ja nur noch 90 Minuten-Sets. Die sind professionell aufgebaut und vorbereitet. Und wenn ich dann zur Peaktime, vom Warm-Up-Deejay angekündigt und mit Einspieltrack direkt im Bademantel auftrete, stehen sie alle schon da mit Handylampen und-kameras und filmen und machen Fotos. Das kann man wirklich nicht mehr mit früher vergleichen. Als ich beispielsweise im Secret Club in Trier aufgelegt habe, hat der Besitzer mir vorher schon mal den Club gezeigt und obwohl ich noch „normale“ Kleidung anhatte, wurde ich schon viermal auf Fotos angesprochen. Nach meinem Set haben die Leute dann nochmal mit mir im Bademantel noch mehr als eine halbe Stunde Fotos und Selfies gemacht. Das ist dann schon ein ganz besonderes Gefühl, eine ganz andere Wirkung, wenn man die Popularität so hautnah erfährt. Die Zahlen auf Social Media sind ja irgendwie irreal, was sind 450.000 Follower? Wie viel das aber in Wirklichkeit ist, erfährt man dann eben auch runterskaliert im Club. Das war so der erste Moment, wie viele das in Wirklichkeit sind. Das ist schon sehr beeindruckend!“

L!VE: Wie wichtig ist das Ziel, davon leben zu können?

D.K.: „Es ist auf jeden Fall ein Traum. Damit meine ich noch nicht mal unbedingt das Geld, sondern vor allem auch die Möglichkeit, die Welt zu bereisen, am Wochenende aufzulegen und davon eben leben zu können. Als Grundlage dafür muss man aber die Interessenlage möglicher Kooperationspartner verstehen. Die schauen nicht mehr nur stur nach Reichweite, sondern nach Qualtität und der Möglichkeit Markenidentitäten zu realisieren. Wenn irgendein Influencer zwar momentan viele Follower hat, da aber kein wirklicher Markenkern dahintersteckt, dann ist das für die Firmen nicht attraktiv sich zu engagieren. Sie würden zwar eine Menge Leute erreichen, aber nicht wirklich was, um ihre Marke auszubauen. Was das angeht, bin ich in dieser Hinsicht attraktiver, weil ich stabile Alleinstellungsmerkmale biete. Aber natürlich achte ich darauf, mir auch andere Standbeine aufzubauen, verlasse mich auf keinen Fall nur aufs Djing. Ich weiß auch wie schnell es in den Sozialen Medien rauf und runter gehen kann und versuche mich deswegen breiter aufzustellen.

L!VE: Das bedeutet doch nicht etwa ein mögliches Ende des Bademantels?

D.K.: „Da lege ich mich nicht fest. Als ich jetzt mit einem Designer aus England zusammengearbeitet, der mein Logo umgesetzt hat, war es mir wichtig, dass der Bademantel nicht Bestandteil des Logos ist, einfach um auch in dieser Beziehung unabhängig zu sein. Aber der Bademantel hat schon einen enormen Wiedererkennungswert, weswegen ich ganz aktuell keinen Grund sehe mich von ihm zu trennen.

Die nächste Gelegenheit sich von den wirklich herausragenden Skills von DJ D.Clinemusic beeindrucken zu lassen, bietet sich am 28. Mai bei der InfluencAreLovers in der KUFA mit Top-Influencern aus ganz Deutschland, darunter DJ Elias Everest aus Hamburg und natürlich legt der Meister im Bademantel auch selbst Hand an. Immerhin feiert er bei der Gelegenheit in seinen Geburtstag rein, den Zwanzigsten.

Die Fotoprinzessin

Take a closer look, there is so much more

Genau hingucken lohnt sich auf jeden Fall, nicht nur bei der ungemein attraktiven Fotografin Jennifer Prinz selbst, sondern insbesondere bei ihren Fotografien. Kaum zu glauben, dass sie erst seit knapp zwei Jahren „ernsthaft“ durch den Sucher schaut. Umso mehr ein wirklich guter Grund hier mal einen ganz aufmerksamen Blick zu riskieren – oder zwei!

Ganz viele junge Menschen träumen von einem Job als Fotograf, genau das wäre aber für die gebürtige Püttlingerin das exakte Gegenteil ihres Wunschtraums. Für Jennifer Prinz steht der Spaß an erster Stelle und für den braucht sie vor allem künstlerische Freiheit, die sie durch die Zwänge eines Broterwerbs mehr als gefährdet sehen würde. Ihre Fotografie soll auf gar keinen Fall in Stress ausarten und unbedingt immer noch Spaß bleiben. Gelernt hat sie mal Hotelkauffrau in einem durchaus renommierten Haus in Saarbrücken, betreibt aber mittlerweile gemeinsam mit ihrer Mutter eine kleine Kette von Dampfläden und bietet dort alles rund um E-Zigaretten, Dampfen und e-Liquids.

Ihre „Fotokarriere“ war von Beginn an ein Selbstläufer und ein Schritt ergab sich immer aus dem vorherigen, ohne dass sie viel dafür tun musste. Angefixt vom Vater ihres Verlobten, der ihr erste Tipps gab, hatte sie angefangen mit Makroaufnahmen, die es ihr schon immer angetan hatten, genau wie Landschaftaufnahmen. Beides nicht unbedingt typische Themen für viele junge Fotokünstler, aber eben genau ihr Ding. Dann kamen schnell die Leute auf sie zu und fragten nach Portraits, dann nach Hochzeitsbildern und so kam eins zum anderen. Für sie in jedem Fall wichtig, ist immer die Stimmung, aus der heraus ihre Aufnahmen entstehen. Gerne ist Jennifer Prinz auch mit einer Gruppe Gleichgesinnter unterwegs und mit denen sitzt dann auch mal stundenlang in der Gegend rum und wartet auf einen Sonnenaufgang.

L!VE: Seit wann machst du „ernsthaft“ Fotos?

Jennifer Prinz: „Ich habe schon immer gerne fotografiert, allerdings vor ein paar Jahren einfach so, mit wenig Ahnung und ‘nem alten Handy, so richtig ernsthaft fotografiere ich seit Herbst/ Winter 2020.“

L!VE: Wie kam es dazu?

J. P.: „Meine künstlerische Ader habe ich auf jeden Fall von meiner Mutter geerbt, die, seit ich denken kann, alles bemalt und dekoriert, was ihr in die Finger kommt. Jedoch war mein Schwiegervater in spe schuld am Kauf meiner ersten richtigen Kamera. Er hat früher häufiger für Online- Magazine fotografiert und als ich das erste Mal seine Kamera in Händen hielt, war es um mich geschehen!“

L!VE: Hast Du einfach losgelegt und Dir Deine Skills selber beigebracht?

J. P.: „Mein Schwiegervater in spe hat mir alle wichtigen Basics, um eine Kamera überhaupt manuell bedienen zu können, beigebracht. Meine beste Freundin hat sich dann Gott sei Dank auch häufig als Model zur Verfügung gestellt. Der Rest kam dann von allein, Stück für Stück.“

L!VE: Welche Kamera war Dein Einstieg und womit fotografierst Du aktuell am liebsten?

J. P.: „Meine erste Kamera war eine Panasonic Lumix GX80, dann kam die Lumix G9, die ich heute noch für meine Makroaufnahmen benutze. Aktuell fotografiere ich hauptsächlich mit der FUJIFILM X-T4. Ziemlich retro, mit vielen kleinen Rädchen und Knöpfchen und eigenem Kopf. Die liebe ich so sehr, dass ich sie jetzt als Tätowierung auf meinem Oberschenkel trage.“

L!VE: Welche Einflüsse sind wichtig für Dein heutiges Arbeiten?

J. P.: „Schwer zu sagen, es gibt viele Künstlerinnen auf Instagram und Co., die ich sehr beeindruckend finde. Am wertvollsten und lehrreichsten sind für aber immer noch die Fototouren mit Freunden, bei denen wir uns austauschen und einfach irgendwo an Spots rumsitzen, mit einem kühlen Bier in der Hand, um dann auf den „perfekten“ Sonnenuntergang zu warten.“

L!VE: Hast Du eine spezielle Motivation?

J. P.: „Alles geht in der heutigen Zeit so schnell, Bilder werden in Sekundenschnelle konsumiert und ich möchte, dass Leute bei meinen Fotos vielleicht kurz im „Scrollrausch“ innehalten und die eingefangene Stimmung auf sich wirken lassen.“

L!VE: Hast Du irgendwelche bevorzugten Stilrichtungen oder Lieblingsmotive?

J. P.: „Da bin ich ganz frei. Ich liebe Naturaufnahmen, Makros, Portraits, Familienshootings und Hochzeiten. Am wichtigsten ist es für mich, echte Momente festzuhalten. Wenn die Mutter des Bräutigams während der Zeremonie ein paar Tränchen vergießt, wird eben draufgehalten, komme was wolle!“

L!VE: Noch kurz zur Technik die Gretchenfrage: digital oder analog?

J. P.: „Digital! Ich mag den analogen Look zwar sehr, aber die Möglichkeiten in der schnellen Nachbearbeitung, direkt nach dem Shooting sind für mich einfach essenziell.“

L!VE: Was nimmst du für die Nachbearbeitung?  

J. P.: „Ich nutze fast ausschließlich Lightroom. Die Nachbearbeitung spielt schon eine große Rolle, ich verändere meine Bilder nie grundlegend, aber ein bisschen Sättigung hier und ein bisschen mehr Schärfe da, können schon einiges bewirken. Das Ganze auch mal gerne in der abgespeckten Version auf dem iPad, einfach weil das Arbeiten mit einem Stift schon richtig cool ist.“

L!VE: Welche Rolle spielt Social Media bei der Veröffentlichung Deiner Bilder für Dich?

J. P.: „Ich poste meine Bilder seitdem ich ernsthaft fotografiere, sowohl auf Facebook als auch auf Instagram. Beides dient mir als Portfolio und ich mag es die Leute auf meiner fotografischen Reise mitzunehmen und zu schauen wie die Reaktionen sind.“

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