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Wenn plötzlich alles anders ist …

Die Diagnose „Krebs“ verändert den Alltag. Ängste und Unsicherheiten belasten die Betroffenen und ihr Umfeld. Angehörige fühlen sich überfordert, Freunde und Bekannte sind verunsichert. Gegen Krebs braucht es Medizin, aber auch einfühlsamen Rat, Informationen und so viel Unterstützung wie möglich.

Allein im Saarland erkranken jährlich rund 8.500 Menschen erstmalig an Krebs, insgesamt betroffen sind über 50.000 Saarländerinnen und Saarländer. Die Saarländische Krebgesellschaft e.V., gegründet im Jahre 1958, ist seit über 60 Jahren für das Wohl dieser Menschen im Saarland tätig und steht Betroffenen und Angehörigen zur Seite. Die Betroffenen im Saarland finden Hilfe in den acht ambulanten Krebsberatungsstellen der Saarländischen Krebsgesellschaft. Sie bieten psychoonkologische und psychosoziale Unterstützung für Krebskranke und Ihre Angehörigen.

Die Berater unterstützen vor, während und nach der stationären Behandlung, bei belastenden Therapien, beim Ausfüllen von Formularen sowie bei der Beantragung von Leistungen. Geboten werden Gespräche zum Umgang mit körperlichen und seelischen Belastungen, z. B. Ängsten, zur Neuorientierung, zu Auswirkungen auf Ehe, Partnerschaft, Familie und Bekanntenkreis, aber auch zu Veränderung und Folgen der Erkrankung. Vermittelt wird an weiterführende Hilfsangebote, wie Integrationsfachdienste, Selbsthilfegruppen oder Hospizdienste etc. Einen wichtigen Stellenwert haben auch Informationen über Anschlussbehandlungen und Nachsorgekuren, Schwerbehindertenausweise, Krankschreibung und oder Berentung, berufliche Umschulungs- und Eingliederungsmaßnahmen, finanzielle Hilfsmöglichkeiten in Notlagen, Sozialgeld, Pflegegeld, Krankenkassenleistungen sowie häusliche Pflege und Ernährung.

Die Organisation kümmert sich inzwischen flächendeckend im ganzen Saarland um Menschen mit Krebs und ihre Familien. Das Netz an Beratungsstellen wird ständig weiter ausgebaut, so dass qualifiziertes Fachpersonal ortsnah in allen Regionen des Saarlandes zur Verfügung steht. Aktuell gibt es Beratungsstellen in Saarbrücken, Homburg, Lebach, Saarlouis, Neunkirchen und ganz neu auch in St. Ingbert. Alle Angebote sind für die Ratsuchenden kostenfrei. Die Beratung geschieht qualitätsgesichert durch Fachkräfte mit zusätzlicher psychoonkologischer Qualifikation. Alle Mitarbeiter unterliegen der Schweigepflicht.

Über die Einzelberatungen hinaus bietet die Saarländische Krebsgesellschaft ein vielfältiges Kurs- und Veranstaltungsprogramm für Betroffen und Angehörige. Denn Experten sind sich einig, dass Betroffene in fast jeder Krankheitssituation davon profitieren, aktiv zu sein oder sich sportlich oder auch kreativ zu betätigen. Eine weitere Säule der Arbeit des gemeinnützigen Vereins ist die Aufklärung und Krebsvorsorge. Mit regelmäßigen Informationsveranstaltungen, Vorträgen, Infoständen bei öffentlichen Events sowie dem Kinder-Sonnenschutzprojekt „SunPass“ leistet die Saarländische Krebsgesellschaft e.V. hier einen wichtigen Beitrag. Die Geschäftsführerin der Saarländischen Krebsgesellschaft Sabine Rubai, erklärt: „Die Beratung bei uns läuft ganz unkompliziert und unbürokratisch ab, Termine können auch kurzfristig vereinbart werden. In unseren Räumen herrscht eine gemütliche, familiäre Atmosphäre. Denn genau das ist es, was Menschen und dieser Situation brauchen und was unsere Patientinnen und Patienten hier so sehr schätzen. Wir geben Halt. Bei uns ist Raum zum Reden, zum Lachen und auch zum Weinen. Und es tut oft einfach unglaublich gut, das mit jemandem tun zu können, der nicht selbst in der schlimmen Situation mit drinsteckt. Uns erreichen fast täglich liebe und rührende Rückmeldungen von Menschen, die wir begleiten dürfen. Es ist schön zu sehen, dass wir schwere Wege ein Stück leichter machen können.“

Projekt Regenbogen

Neben vielen anderen Angeboten, Kursen und Veranstaltungen liegt ein besonderer Focus auch auf dem „Projekt Regenbogen“. Wenn ein Elternteil an Krebs erkrankt, leiden die Kinder mit. Ihr Kummer äußert sich jedoch anders als bei Erwachsenen. Kleinere Kinder können ihre Sorgen und Ängste meist noch nicht in Worte fassen. Und auch Jugendlichen fallt es manchmal schwer, ihre Gefühle auszudrücken. Es ist deshalb wichtig, Kinder krebskranker Eltern gezielt zu unterstützen. Mit dem Projekt „Regenbogen“ bietet die Saarländische Krebsgesellschaft e.V. ein spezielles Programm für Kinder krebskranker Eltern. Dabei erhalten die Eltern in Einzelberatungen viele hilfreiche Tipps, wie sie altersgerecht mit ihren Kindern über die Erkrankung sprechen können. Außerdem spielen auch ganz praktische Themen wie Fragen zu Kinderbetreuung, Haushaltshilfe oder Reha-Maßnahmen eine große Rolle. Kinder und Jugendliche können in „ihrer“ Sprechstunde ganz offen mit einem Psychoonkologen über aufkommende Fragen, Sorgen, Probleme und Ängste zu sprechen. Wichtig ist hierbei insbesondere ein kindgerechter Kommunikationsstil und Einsatz altersadäquater Materialien. Außerdem gibt es erlebnispädagogischen Gruppenangebote und Ausflüge, die das Ziel haben, den Familien unbeschwerte Zeit und positive Erlebnisse zu ermöglichen. Kinder und Eltern können gemeinsam etwas Schönes erleben, den Sorgen entfliehen und einfach mal abschalten. Dabei sehen die Familien auch, dass sie nicht alleine sind. So können Sie gestärkt in ihren Alltag zurückkehren. Ein positiver Nebeneffekt ist zudem, dass die Eltern in ungezwungener Atmosphäre leicht in Austausch kommen und sich über den Umgang mit ihren Kindern und der Krankheit unterhalten können. Alle Angebote und Aktivitäten im Rahmen des Projekts Regenbogen für die Familien sind kostenfrei und werden von Psychoonkologen begleitet. Sabine Rubai denkt gern an die gemeinsamen Ausflüge mit betroffenen Familien: „Die strahlenden Kinderaugen und glücklichen Eltern sind der beste Beweis, dass wir mit dem Projekt Regenbogen den richtigen Schritt getan haben“, erzählt sie. „Wir schenken gemeinsame Zeit, Erlebnisse und schöne Erinnerungen, aus denen alle wieder Kraft schöpfen können.“ „Es ist einfach Segen für uns“ lautete beispielsweise eine Nachricht, die Sabine Rubai nach einem Tag auf dem Bauernhof per WhatsApp erhielt „Ich wollte euch nur sagen, dass es ganz, ganz toll war. Er hat super gutgetan, es war seit sehr langer Zeit ein richtig guter Tag mit kaum Schmerzen und schöner Gesellschaft. Danke für den schönen Tag!“

Unterstützung aus dem Saarland für das Saarland

Alle Angebote der Saarländischen Krebsgesellschaft e.V. sind kostenfrei, die Projekte finanzieren sich über Spenden und freiwillige Zuschüsse. Um Betroffenen und Angehörigen weiterhin auf vielfältige Art und Weise zur Seite stehen zu können, benötigen der gemeinnützige Verein Spenden und Unterstützung: aus dem Saarland für das Saarland. Sabine Rubai ergänzt: „Uns ist es ein großes Anliegen, unsere Arbeit bekannter zu machen, so dass jeder, der der Diagnose Krebs gegenübersteht oder jemanden kennt der davon betroffen ist, weiß, dass es bei uns Hilfe und Begleitung in dieser schweren Zeit gibt. Neben finanzieller Unterstützung sind wir daher auch sehr dankbar für jegliche Art der Öffentlichkeitsarbeit und freuen uns über jede Kontaktaufnahme und kreative Ideen.“

Infos und Kontakt für Betroffene: Saarländische Krebsgesellschaft e.V., Tel: 0681-30988-100, info@krebsgesellschaft-saar.de, www.krebsgesellschaft-saar.de, Spendenkonto: Saarländische Krebsgesellschaft e.V., IBAN: DE 8959 2510 2001 2011 6801

Alles nur Theater

Im September beginnt die neue Spielzeit, rechtzeitig zum möglichen Ende der Pandemie, und die saarländischen Bühnen sehen sich neuen Herausforderungen gegenüber.

Lange waren die Bühnen verstummt oder ins Netz gebannt, doch jetzt starten die Theater in die neue Spielzeit. Hinter den Fassaden wurde kräftig geplant und vorbereitet. Und manche Spielpläne muten an, als hätte es Corona nie gegeben. Rausgehauen wird, was längst geplant und geprobt war – in der Hoffnung, es möge nicht wieder schlimmer kommen.  Weiter wie zuvor: Ist das das Motto? Hat die Krise die Häuser nicht verändert? Was liegt da näher als saarländische Theatermacher nach ihren persönlichen Erfahrungen und Erwartungen zu fragen.

Wir haben mit verschiedenen Beteiligten gesprochen, deren persönliche Eindrücke und Gedanken einen breiten Querschnitt der Szene abbilden. Da wäre Gaetano Franzese, der ursprünglich 1989 als Tänzer für ein viermonatiges Gast-Engagement ans Saarbrücker Staatstheater kam. Daraus sind inzwischen 32 Jahre geworden und er ist mittlerweile von der Bühne als Regieassistent vor die Bühne gewechselt und inszenierte mittlerweile auch schon selbst. Barbara Bruhn und Frank Lion sind für die Geschicke der Maria-Helena verantwortlich, das seit 2007 das einzige fahrende Theaterschiff Deutschlands ist und als feste aber mobile Spielstätte dient, die jede Theatervorstellung zu einem ganz besonderen Erlebnis macht. Petra Lamy und Nancy Fischer von der privaten Schauspielschule Acting and Arts kennen insbesondere die Perspektive aus Sicht der Schauspieler, während Julia Hennings als Leiterin des Kulturamts in Saarlouis auch Hausherrin des Theaters am Ring ist.

Wo also steht das Theater nach zwei Lockdowns und vielleicht mit dem Ende der Pandemie in Sicht?

Gaetano Franzese schildert seine Corona-Zeit: „Wir haben in der ganzen Zeit im Staatstheater weitergearbeitet. Auch wenn es immer wieder Zeitspannen gab, in denen keine Vorstellungen möglich waren, haben wir doch hinter den Kulissen corona-konforme Inszenierungen entwickelt und neue Premieren vorbereitet. Unsere „Rheingold“ Produktion ist beispielsweise in der Zeit bis kurz vor die Orchesterproben gediehen. Sobald es wieder möglich ist, können wir also sofort loslegen. Die erste Premiere jetzt im September wird „Ariadne auf Naxos“ sein, auch bereits bestens vorbereitet, da fehlen nur noch zwei Wochen Probe und dann bringen wir das auf die Bühne – vor Zuschauern. Wie viele müssen wir sehen, bei „Macbeth Underworld“ am Ende der letzten Spielzeit konnten wir von über 900 Plätzen nur 250 besetzen. Und selbst die waren nicht immer alle besetzt, weil die Leute nachvollziehbarerweise sehr vorsichtig waren und auch Angst hatten.“

Willkommen, Bienvenue, Welcome

Die Schauspielschule von Petra Lamy ist gleichzeitig auch Spielort: „Wir sind ja nicht nur Schule, sondern haben aufgrund unserer großzügigen räumlichen Situation auch die Möglichkeit, hier Aufführungen durchzuführen. Wir hatten ein grandioses Hygienekonzept umgesetzt, neue Sitzmöglichkeiten fürs Publikum geschaffen und vieles mehr. Der Aufwand war extrem und ungeachtet aller Hilfen und Unterstützungen mussten wir das erstmal stemmen. Das allerschlimmste war der Verordnungswirrwarr, der sich noch dazu gefühlt alle zwei Wochen geändert hat. Dennoch haben wir in der Zeit sechs öffentliche Produktionen auf die Beine stellen können. Natürlich ist das nur ein kleiner Teil dessen, was wir unter „normalen“ Umständen realisiert hätten.“

Das Theaterschiff von Frank Lon und Barbara Bruhn sorgte erst kürzlich als Spielstätte des „Encore“ Festivals für größtmöglichen Publikumszuspruch am Ufer der Saar. „Die Resonanz auf das Festival war gigantisch.“, berichtet Frank Lion. „Wir haben zum Glück viel Platz hier draußen, so dass wir problemlos auf Abstand achten konnten. Es herrschte eine super Atmosphäre und alle waren glücklich. Wir planen im Monent noch nicht für innen und haben uns entschieden, erstmal nach draußen zu gehen. Ich will im Oktober nicht die neue Spielzeit eröffnen und dann wegen der vierten Welle gar nicht spielen zu können.“ Barbara Bruhn ergänzt: „Ich denke schon, dass Theater wieder mehr wertgeschätzt wird, weil die Leute es einfach vermisst haben. Das merkten wir ja schon bei den Außenveranstaltungen, dass sie wirklich alle wieder ganz, ganz froh sind, dass wieder was passiert.“

Diese Wertschätzung erlebt auch Petra Lamy: „Ich glaube, durch die wiedergekehrte Präsenz hat die Wertschätzung auch für Schauspiel und Schauspielunterricht genauso zugenommen. Wer hätte denn zuvor jemals gedacht, dass sich Schüler wünschen wieder in die Schule gehen zu können. Da hat sich ja auch was verändert, insbesondere menschlich.“ Dozentin Nancy Fischer sieht auch die ganz persönliche Seite: „Ich habe das Gefühl, dass die Hemmungen einfach viel größer geworden sind. Schauspiel hat ja sehr viel damit zu tun, sich zu öffnen. Dieser Gedanke ist in Pandemiezeiten einfach viel, viel schwieriger umzusetzen.“

Doch wie kann ein Neustart aussehen? Die durch Covid ausgelöste Krise ist ein gnadenloses Brennglas. Bleibt die Bühne leer, rücken veraltete Strukturen und Hierarchien ins Rampenlicht. Werden die Theater diese Chancen nutzen, um sich neu auszurichten – und wenn ja, in welche Richtung? Manch ein Verantwortlicher scheint die Sehnsucht des Publikums nach Ablenkung, nach leichter Kost, gut zu verstehen. Doch Belanglosigkeit kann nicht das Gebot der Stunde sein, oder? Frank Lion hat eine klare Meinung: „Wir haben schon immer auf gute und anspruchsvolle Unterhaltung gesetzt, die nichts mit Krawall oder Klamauk Theater zu tun hat – und das werden wir auch weiter machen. Ich bin mir sicher, dass das Publikum sich aktuell oder nach der Krise nochmal in epischer Breite mit dem Thema Corona auseinandersetzen will. Keine Frage, dass es ab und an sinnvoll sein kann, das Thema aufzugreifen, aber ich glaube, das muss man dann sehr gut durchdacht angehen.“

Theater ist nicht Fernsehen

Notgedrungen entdeckten da viele Theater die digitalen Medien. Es entstanden neue Formen und Formate, mit dem viele Häuser versuchten, ihre schon vor der Pandemie schwindenden Publikumszahlen zu kompensieren. Streaming sollte das möglich machen. Als wegen des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 keine Besucher mehr kommen konnten, wurde die Kultur digital. Nun, da viele Häuser wieder öffnen, stellt sich allerdings die Frage: Was wird bleiben von der schönen neuen Streamingwelt?

Überaus positive Erfahrungen mit dem Streamen hat Julia Hennings, die Leiterin des Theaters am Ring in Saarlouis, gemacht: „Wir haben verschiedenste Veranstaltungen gestreamt und das wurde vom Publikum begeistert angenommen. Tatsächlich können wir uns vorstellen, dieses Medium auch künftig zu ausgesuchten Gelegenheiten weiterhin zu nutzen.“ Eher kritisch sieht das Gaetano Franzeses: „Für mich sind Live Streams keine Sache. Theater ist kein Fernsehen! Natürlich lassen sich Theater-Aufführungen auch aufnehmen, aber das geht entweder nur aus der Zuschauerperspektive, dann wird dem Betrachter quasi sein Blick vorgegeben, oder mit richtig viele Aufwand und zig Kameras auf der Bühne, im Orchestergraben, in den Kulissen, wobei das dann allerdings eher eine Fernsehspiel-Inszenierung ist und der eigentliche Theater-Charakter verloren geht. Theater lebt vom Publikum und der Live-Atomsphäre.“

Frank Lion sieht das ganz ähnlich: „Live Streams kamen für uns von Anfang an überhaupt nicht in Frage. Theater ist Theater und Fernsehen ist Fernsehen. Wenn ich selbst bei Lars Eidingers Richard III schon nach einer halben Stunde vor dem Bildschirm Ermüdungserscheinungen bekomme, obwohl das eigentlich richtig toll ist, dann denke ich, dass müssen wir echt nicht machen. Das ist für uns kein sinnvolles Angebot.“ Und Barbara Bruhn ergänzt: „Außerdem hatten wir ja auch gar nicht die technischen Kapazitäten und Kompetenzen das zu realisieren, das kommt noch dazu. Aber es wäre auch wirklich nicht unseres gewesen.“ Schauspielschuldozentin und Schauspielerin Nancy Fischer kann sich ebenso nicht wirklich mit den Streams anfreunden: „Für das menschliche Auge ist es immer noch ein großer Unterschied, ob es etwas in 2D oder 3D wahrnehmen kann, ob man auch die leisesten Sachen hört und spürt oder ob ich den Geruch des Raumes mitbekomme, den keine Kamera transportieren kann.“

Losgelöst von der technischen Umsetzung, stellt sich die Frage, ob Theater den aktuellen Geschehnissen von Querdenken bis Afghanistan geschuldet, nicht deutlich Stellung beziehen muss und wieder politischer werden sollte? „Theater ist immer Politik“ ist sich Gaetano Franzee sicher. „Theater bietet immer ein Spektrum von sich amüsieren und die Außenwelt hinter sich zu lassen, bis zur Anregung zum Nachdenken und der Auseinandersetzung mit unterschiedlichsten gesellschaftlichen Problemstellungen. Entscheidend ist, wie ein Thema aufbereitet wird. Ein Stück kann auf der Bühne die Realität „draußen“ widerspiegeln oder hinterfragen. Theater muss bewegen, kann aber gleichzeitig auch unterhalten. Das muss kein Widerspruch sein.“ Petra Lamy spürt zudem die Notwendigkeit einer Neuorientierung: „Jetzt fühlt es sich für mich so an, dass ganz viele den Sinn dafür verloren haben, welches Thema es überhaupt noch wert ist, jetzt erzählt zu werden. Rückzug? Isolation? Ein Stück über die Pandemie? Ein Stück über Isolation haben wir schon vor Corona gehabt. Sollen wir das jetzt nochmal machen, nur mit einer anderen Konnotation? Vielleicht also eher kein Stück über die Pandemie, sondern darüber, was sie mit den Menschen gemacht hat.“

Zugabe

Alle Maßnahmen, alle Förder- und Überbrückungstöpfe nehmen den Sonderfall an, nach dem man baldmöglichst zu den Verhältnissen vor der Pandemie zurückkehrt. Setzen Kunst und Kultur in Zeiten niedriger Inzidenzen komplett auf den Präsenzbesuch? Und was passiert, wenn doch der nächste Lockdown droht?

Gaetano Franzese sieht das Staatstheater bestens präpariert: „Unsere Leitung, also Intendant Bodo Busse und der kaufmännischer Direktor Prof. Dr. Matthias Almstedt, haben einen sehr guten Plan A, aber auch B und C und so weiter. Wir sind bestens vorbereitet, wenn es irgendwann nochmal zu strengeren Reglementierungen und Einschränkungen kommen sollte. Wie gesagt, unser Programm steht, mindestens die erste Hälfte der Spielzeit ist fertig. Nur wie genau das Publikum eingebunden werden kann, das müssen wir sehen, aber wir können flexibel reagieren.“ Auch das Theaterschiff ist nicht ganz unvorbereitet, weiß Barbara Bruhn: „Wir haben einen kleinen Plan in der Schublade, ein Kinderstück mit nur einer Person, was deswegen ja auch funktionieren könnte hinsichtlich der Abstände auf der Bühne. Ansonsten sind wir aber auch ganz gut darin, sehr flexibel und schnell zu handeln.“ Auch Frank Lion ist nicht ohne Hoffnung: „Die positive Seite der Pandemie könnte zweifellos sein, dass Dinge passiert sind, die ohne sie nie in Bewegung geraten wären. Kooperationen und Menschen, die sich zusammengetan haben. Da ist wirklich in dieser Zeit viel passiert und das lässt auch für die Zukunft hoffen!“

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PLEASURE – Made in Saarland

Meerora ist Sabrina Kleinas und Sabrina Kleinas ist Meerora – und dennoch ist beides nicht dasselbe.

Die Saarbrücker Künstlerin Sabrina Kleinas ist von Mutter Natur reicht beschenkt worden. Sie hat nicht nur ein ungemein attraktives Äußeres, sondern ist auch mit vielen, unterschiedlichen Talente gesegnet. Ihre Karriere begann sie mit einer eher unspektakulären Ausbildung zur Bürokauffrau, startete dann als Model und Fotografin durch und pendelt seither zwischen Saarbrücken, Paris und anderen Metropolen hin und her. Mit ihrer Reihe „Women in Explosion“, die Frauen während des Orgasmus‘ unter Wasser zeigt, erreichte sie vor drei Jahren einen beachtlichen Bekanntheitsgrad, arbeitet aber längst an neuen Projekten. Jetzt präsentiert das Multitalent zusätzlich ihre musikalische Begabung in Form ihres Alter Ego „Meerora“, einer Fusion aus den Worten „Meer“ und „Ora“, dem hebräischen Begriff für Licht, das für sie eine wichtige Rolle spielt. Dieser Charakter ist eigentlich nur die stimmige Weiterentwicklung ihres künstlerischen Kosmos rund um die Werte, für die sie bereits mit ihren fotografischen Arbeiten steht. Jetzt hat sie ihren ersten Titel „Pleasure“ veröffentlicht. Der Release des höchst sehenswertem Videos war bereits Anfang Juli, und lässt nur einen Schluss zu: Wer kann, der soll!

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Einfach Emma

Manchmal ist normal, nicht ganz so normal. Dabei sollte das Ausleben der selbstgewählten Identität, das natürlichste und normalste auf der Welt sein.

Eigentlich ist Emma Lesch eine ganz normale, junge Frau. Die 25jährige hatte eine ganz normale Kindheit und Schulzeit, hat jetzt einen ganz normalen Beruf, ganz normale Hobbys und höchstens die roten Haare stechen etwas heraus. Sie lebt einfach ein ganz normales Leben, fernab aller Extravaganzen und ganz bestimmt nicht so abgefahren wie schrille Drag- und Drama-Queens. Trotzdem wird sie aber immer wieder mit denen in einen Topf geschmissen, nur weil vor langer Zeit Emma einmal Eric war.

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Die Saarland Connection

Wenn enner enner kennt, der enner kennt … Saarländer trifft man wirklich überall auf der ganzen Welt. Und da im tollsten Bundesland der Welt ja jeder jeden kennt, entstehen so rund um den Globus geschäftlich nutzbare Netzwerke im Zeichen von Dibbelabbes, Lyoner und UrPils.

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Augen auf und durch!

Komaglotzen, Serienmarathon, Binge-Watching – was vor Jahren harmlos als Netflix & Chill begann, versammelt aktuell mehr und mehr Serienjunkies vor der Glotze. Immer öfter, immer länger, Corona sei Dank.

 

Ansagen wie „Einer geht noch!“ und „Schlaf wird überschätzt“ erfreuen sich dieser Tage größter Beliebtheit. Was früher allerdings auf gesellige Besäufnisse oder exzessive Partynächte gemünzt war, meint heute eher Belustigungen im sehr überschaubaren Personenkreis, meistens sogar ganz alleine. Und vom „Trinkgelage“ ist nur das Gelage übriggeblieben, das heißt im Englischen „binge“ und wird benutzt, wenn etwas exzessiv betrieben wird, wie zum Beispiel „binge eating“ oder „binge drinking“, also exzessives Essen oder Trinken. „Binge-Watching“ steht also für gnadenlosen Konsum von ganzen Fernsehserien. Dabei handelt es sich um den gerade in Corona-Zeiten immer populärer werdenden Trend, nicht mehr nur ein oder zwei Episoden einer Serie anzuschauen, sondern eben eine ganze Staffel oder gleich die komplette Serie. Binge-Watching ist gerade in der Pandemie etwas ganz Normales geworden. So ein ganzer Tag auf dem Sofa mit der neuen Lieblingsserie hat ja schon was Schönes.

 

Ermöglicht wird dieser verlockende Zeitvertreib durch die omnipräsente Verfügbarkeit von Video-Material auf den einschlägigen Streaming-Plattformen, die wirklich süchtig machen. Im Gegensatz zum linearen Fernsehen, bei dem das Programm durch den Fernsehsender nur in homöopathischen Dosen freigegeben wird, können bei Video-on-Demand-Angeboten mehrere oder gleich alle Folgen in einem Rutsch angesehen werden. Zwar ist Binge-Watching praktisch schon seit der Erfindung der Videokassette und auch durch die Veröffentlichung kompletter Serienstaffeln auf DVD möglich, jedoch erst, nachdem vorher die einzelnen Episoden im Fernsehen gezeigt wurden. Spätestens seit fortlaufend neue komplexe Qualitätsserien auf dem Markt kommen, gewinnt das Phänomen zunehmend an Anhängern. An Dynamik zugelegt hat das Ganze, als Anbieter wie Netflix, Prime oder Sky alle Folgen einer Staffel gleichzeitig veröffentlichen und als dann letztes Jahr noch die Pandemie mit Lockdowns, Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperren die Leute praktisch zum Stubenarrest verdammte, brachen alle Dämme.

Valar Morgulis

 

Dass derlei Serienmarathons nicht nur faszinierend und angesagt sind, sondern auf Dauer auch ungesund, dürfte niemand ernsthaft überraschen. Das beginnt schon dort, wo die eigene Kontrolle über das Serienschauen aufhört. Denn Serien am Stück zu schauen, ist nicht immer eine freie Wahl, sondern kann ein suchtähnliches Verhalten darstellen. Aus „nur noch eine Folge“ wird dann meist „nur noch vier Folgen“. Doch was ist eigentlich am „Seriensuchten“ so schädlich? Paradoxerweise schaden gerade besonders gut gelungene Serien der Gesundheit, weil die einen eben lange Zeiträume vor dem Bildschirm fesseln. Der Grund liegt auf der Hand: die Neugierde der Binge-Watcher darüber, wie es mit der Handlung weitergehe, in Kombination mit der stets verfügbaren Erlösung – nur einen Klick entfernt.

 

Naheliegend ist, dass mit Binge-Watching ein Schlafentzug einhergeht. Das amerikanische Fachmagazin „Journal of Clinical Sleep Medicine“ veröffentlichte eine Studie mit 400 Probanden zwischen 18 und 25 Jahren, von denen sich 80 Prozent als „Binge Watcher“ bezeichneten, untersuchte. Das Ergebnis: Dauerserienschauer haben daraus resultierende Schlafstörungen und somit ein um 98 Prozent erhöhtes Risiko für schlechteren Schlaf. Klar, denn wer abends eine fesselnde, neue Serie beginnt, der hört nicht nach zwei, drei Folgen wieder auf, sondern schaut sie sich im Extremfall einfach ganz an. Ohne Rücksicht auf den eigenen Schlafrhythmus, mit nicht zu unterschätzenden Folgen für den gesamten Metabolismus.

 

Australische Forscher konnten unlängst belegen, dass Binge-Watching nicht ohne Einfluss auf das Gehirn bleibt. In erster Linie schadet es dem Gedächtnis, was damit zusammenhängt, dass Menschen schlechter lernen, wenn sie viele Informationen auf einmal verarbeiten müssen, anstatt diese auf kleine Häppchen zu verteilen. Die, die sich die Folgen mit gewissen Abständen anschauen, müssen sich jedes Mal wieder aktiv an vorherige Folgen erinnern – das trainiert die grauen Zellen. Hat man die Folge aber unmittelbar vorher gesehen, fällt dieser aktive Abrufeffekt aus. Das kann sich langfristig sogar auf die kognitive Leistungsfähigkeit auswirken. Ein weiterer bereits nachgewiesener neurologischer Effekt, wenn wir eine lange Zeit vor dem Bildschirm verbringen, ist eine reduzierte Myelin-Produktion, die Depressionen und Angstzustände begünstigt, denn Myelin schützt die Nervenzellen. Manche Studien vermuten auch sogar ein höheres Alzheimer-Risiko.

 

Homelander, Heisenberg und House

 

Außerdem wäre es wohl nicht die schlechteste Idee, weitere mögliche Folgen des Binge-Watching zumindest im Auge zu behalten, wie zum Beispiel ein weiter degenerierendes Sozialleben, das unter Corona-Bedingungen ohnehin schon massiv reduziert wird. Selbst beim gemeinsamen Suchten der Serien mit Partnern oder Familie, bleibt oft die Kommunikation auf der Strecke. Soziale Isolation und Einsamkeit lassen so nicht lange auf sich warten. Dazu kommt, dass notorische Binge-Watcher oft ihre Pflichten wie zum Beispiel den Haushalt aber auch die Arbeit oder die Familie vernachlässigen, um mehr Zeit auf der Couch verbringen zu können. Und gerade die lässt sich ja zusammen mit den Liebsten auch noch für Anderes nutzen. Das würde dann auch gleich noch einer weiteren Gefahr entgegenwirken, dem Mangel an ausreichender Bewegung. Bei einem Dauer-Fernsehkonsum von mehr als vier Stunden täglich zeigten Teilnehmer einer Studie ein doppelt erhöhtes Risiko eines vorzeitigen durch Herzkreislaufkrankheiten bedingten Todes. Da helfen dann auch weder Greg House noch Meredith Grey.

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Take me out!

Sobald ein Saarländer im bundesweiten TV auftritt, ist normalerweise sofort Fremdschämen angesagt. Die blitzgescheite und schlagfertige Dillingerin Olla Matusiewicz hat jetzt im RTL-Erfolgsformat „Take me out“ eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass das auch ganz anders geht. Weiterlesen

Der Hardcore Fotograf

Eigentlich hatte Marco Schmidt ganz andere Pläne, aber dann tauschte er Sicherheit und Chef gegen seinen langjährigen Traum und seine Freiheit. Der Mann aus dem Rock’n’Roll Business hat seinen Platz hinter der Kamera gefunden und schießt seither beeindruckende Bilder.

Als Booking Agent plant und begleitet Marco Schmidt alle denkbaren Veranstaltungen, am liebsten im Hardcore-Bereich. So war letzten Januar auch bei der Persistence Tour dabei, dem größten Event in Sachen HC und Metal. Da der Mann aber auch leidenschaftlich Musik macht, weiß er, wie dankbar man für das Einfangen bestimmter Momente und Emotionen auf der Bühne, hinter den Kulissen und auf den Fahrten im Tourbus ist. Dazu hat er als frischgebackener Papa im letzten Jahr erlebt, wie wichtig es ist, die vielen schönen Momente in der Familie zu verewigen. So kam Marco zu seinem zweiten Hobby, der Fotografie, das er dann gleich zu seinem zweiten Beruf machte. Seine Fotografien zeigen immer eine außergewöhnliche Bandbreite an Motiven und so durfte er jüngst auch das Duo „Glasperlenspiel“ fotografieren. Weiterlesen