Der Yoga-Hype ist längst auch im Saarland angekommen und entwickelt sich auch im schönsten Bundesland der Welt zu einer festen Größe im Freizeit- und Gesundheitsbereich. Die Szene ist bunt, vielfältig und verbindet klassische Praxis mit modernen Formaten – von professionellen Studios über Festivals bis hin zu kostenlosen Outdoor-Angeboten.

Yoga boomt weltweit – und zwar in allen Formen, von klassischem Hatha bis zu modernen Online-Flows. Die Praxis hat sich längst von einer Nische zu einem globalen Kulturphänomen entwickelt. Millionen Menschen rollen regelmäßig ihre Matte aus – ob im Studio, im Park oder via Streaming-App – und entdecken dabei nicht nur körperliche Fitness, sondern auch mentale Balance. Auch die Yoga-Szene im Saarland wächst und diversifiziert sich. Zwischen professionellen Studios, Festivals und offenen Outdoor-Angeboten entsteht ein Netzwerk, das Gemeinschaft, Gesundheit und Kultur

Was Yoga heute so populär macht, ist seine enorme Vielfalt. Klassische Stile wie Hatha, Iyengar oder Kundalini existieren neben modernen Varianten wie Power Yoga, Hot Yoga oder Vinyasa Flow. Dazu kommen Mischformen: SUP-Yoga auf dem Wasser, Acro-Yoga mit Partnerakrobatik oder Yin Yoga, das auf lange Dehnungen und Entspannung setzt. Selbst im digitalen Raum hat Yoga neue Ausformungen gefunden – von Zoom-Klassen über Apps bis hin zu Social-Media-Challenges. Diese Flexibilität erlaubt es, dass jede Altersgruppe und jedes Fitnesslevel einen Zugang findet.

Heute existiert eine hybride Landschaft: Präsenzkurse mit Gemeinschaftsgefühl und digitale Formate für Flexibilität. Besonders junge Menschen nutzen Apps wie Down Dog oder Plattformen wie YouTube, während ältere Generationen eher die persönliche Betreuung im Studio schätzen. Das Ergebnis: Yoga ist überall verfügbar – und dadurch noch populärer geworden. In den sozialen Medien ist Yoga omnipräsent: Hashtags wie #yogalife oder #morningflow verbinden Millionen Menschen weltweit. Ganz im hier und jetzt überzeugt auch Yogalehrerin Tatjana Weber-Ampofo mit ihrem teilweise multimedialem Angebot. Nicht umsonst kann sich die Vollblut-Businessfrau und diplomierte Betriebswirtin über zigtausend Follower und Abonnenten auf Facebook und bei YouTube freuen und über eine aktuelle Zuwachsrate von 100%. Kein Wunder, dass bei fast nur ausgebuchten Kursen und Wartelisten für nächstes Jahr die Erweiterung ihres „Janardana“ Yoga um eine 110 qm Yogahalle geplant ist. Dies alles geschuldet ihrem ganz besonderen Konzept.

 

L!VE: Wie bist Du zum Yoga gekommen?

Tatjana Weber-Ampofo: Ich war dem Sport schon immer sehr zugetan, hab Ballett gemacht, bin auf Turnierniveau geritten. Mit Ende 20 habe ich Beschwerden bekommen, die man eigentlich in dem Alter noch nicht hätte haben sollen. Und so habe ich mich mit dem Thema Yoga auseinandergesetzt. Jetzt war mir aber nur rumsitzen, viel zu wenig, ich wollte mich ja auspowern. Und so bin ich dann zu Ashtanga-Yoga gekommen, der Königsdisziplin des Yoga, weil das zum einen meinen Körper voll auslastet und zum anderen auch meinen Geist fordert. Du musst diese Übungssequenzen, diese Choreographien auswendig merken. Das ist im Ashtanga-Yoga ganz besonders. Ich habe dann eine vierjährige Ausbildung absolviert, denn diese Kombination aus Körper und Geist, das war für mich die perfekte Möglichkeit Sport zu machen und gleichzeitig meinen Kopf zu fordern. Dass das sehr akrobatisch und kraftvoll ist, erkennt man auch auf meinem Insta- oder meinem YouTube-Channel, der mittlerweile ebenso wundervoll wächst. Mittlerweile habe ich eine Krankenkassenzulassung und mache zum Beispiel auch Schmerztherapie mit den Menschen. Ich habe allein drei Kurse in der Woche, die nur für die Prävention gedacht sind und die sind mittlerweile auch schon überbucht. Zudem biete ich noch, ich nenne sie jetzt mal für den Laien „sportlichen“ Yoga-Kurse. Das sind die zwei Felder auf denen ich arbeite. Ich habe jetzt noch eine Mitarbeiterin dazu genommen, die deckt dann eher so ein bisschen das Sanfte, das Spirituelle ab, während ich mich lieber auf Körper und Geist in gesunder ausgeglichener Balance fokussiere.“

 

L!VE: Deine teils sehr moderne Ausrichtung widerspricht nicht Deinem traditionellen Ansatz?

Tatjana Weber-Ampofo: „Ich glaube, genau das ist die Besonderheit. Die Basisausbildung ist eine ganz fundierte, uralte traditionelle durch das Ashtanga-Yoga. Traditioneller kannst du nicht unterrichten, aber auch nicht körperlich herausfordernder. Dazu gehört zum Beispiel, dass ich Mantren singe, verschiedene Pranayama Atemtechniken mit einfließen lasse und in Sanskrit counte. Ich mache auch noch eine ganz besondere betreute Shavasana. Eine geführte Meditation, 15 Minuten lang komplett von mir besprochen. Das ist schon so eine ganz bewusst besondere Kombination, auch mit ganz viel Spontanität und ganz viel Spaß, die ihresgleichen sucht. Mein Yoga soll ein Erlebnis sein und zwar jede Stunde.“

Yoga wird längst nicht mehr nur als Sport gesehen. Studien zeigen, dass Praktizierende es vor allem wegen der Stressreduktion, besseren Schlafqualität und mentalen Ausgeglichenheit schätzen. Auch medizinische Einrichtungen integrieren Yoga zunehmend in Präventions- und Therapieprogramme. Von Rückenschulen bis zu Reha-Kliniken – die Matte ist zum festen Bestandteil moderner Gesundheitskonzepte geworden. Trotzdem ist die Rolle von Yoga in der Rehabilitation nicht zu unterschätzen. Doris Bollig aus Saarlouis kam durch die Folgen eines verheerenden Autounfalls, der ihren Körper salopp ausgedrückt in ein Puzzle verwandelt hatte, zu ihrer ganz eigenen Form des Yoga, fernab von überzogener Esotherik.

Doris Bollig: Ich könnte das heute gar nicht so weitergeben, wenn es mich nicht selber erwischt hätte. Damals lebte ich auf der Überholspur, mit eigener Disko und immer im Stress. Mit dem Unfall wurde ich jäh ausgebremst, denn dann hieß es auf einmal, das Einzige, was du neben dem ganzen medizinischen Programm noch tun kannst, ist Yoga. Ich habe dann eine Yoga Lehrerin gefunden. Bei der hatte ich zuerst Einzelunterricht, weil ich mich kaum bewegen konnte. Da hat mir Yoga gezeigt, dass Heilung möglich ist. Selbst nach Schmerzen und Rückschlägen kam die Stärke zurück. Und dann findest du so diesen Weg und das wollte ich einfach weitergeben. Du lernst dich wieder neu kennen und auch wieder Hoffnung zu haben. Damals hatte ich mit meinem Mann eine Boutique. Dort hatte ich in der oberen Etage, die praktisch ungenutzt war, den ganzen Tag Yogaübungen gemacht. Irgendwann haben Kunden, die das mitgekriegt haben, gefragt, ob sie mitmachen könnten. Das Ganze ist dann ein Selbstläufer geworden und von denen kommen einige noch heute zu mir ins Yoga.“

 

L!VE: Das klingt alles sehr sportlich, was ist mit der spirituellen Seite?“

Doris Bollig: „Mir ging es immer um die Kraft. Ich habe Yoga nie esoterisch oder spirituell gesehen, sondern immer eher sportiv. Bei mir ist der Atem und seine Wichtigkeit auch erst später dazu gekommen. Ich bin jetzt nicht so eine Yoga-Lehrerin, die sich hinsetzt und singt. Das bin ich einfach nicht, dafür bin ich zu aktiv und zu realistisch. Außerdem gelingt der Einstieg in die Meditation über Bewegung leicht als über reines Sitzen. Meine Leute kommen nicht wegen Kerzen zu mir, sondern weil sie keine Schmerzen haben wollen und wieder Kraft spüren wollen. Zu mir kommen Krebspatienten, Menschen mit Bandscheiben-Problemen oder Osteoporose oder welche, die waren nach Corona so fix und fertig, dass sie gar nicht mehr wissen, wo sie noch daheim sind.“

 

L!VE: Du bist allen möglichen Stilen gegenüber offen, oder?

Doris Bollig: „Ich will mich nicht festnageln lassen auf einen bestimmten Stil. Deswegen heißt mein Studio ja auch Yin Yang Yoga. Ich bin überzeugt von Anspannung und Loslassen. Ich bediene mich aus allem. Im Yogaloft sehe ich jeden Tag, wie wertvoll Yoga gerade für sportlich Aktive ist. Viele unterschätzen zunächst, wie sehr Yoga ihre Kraft, Beweglichkeit und Stabilität verbessert. Selbst im Spitzensport ist Yoga längst unverzichtbar, beugt Verletzungen vor, unterstützt die Regeneration und steigert die körperliche sowie mentale Performance. Wenn bestimmte Asanas plötzlich mehr sind als Bewegungen. Wenn sie helfen, wieder aufzustehen, den Körper neu zu spüren, Schmerzen zu lindern und Hoffnung zu schenken, dann wächst Yoga in etwas Größeres hinein.“

Neben der gesundheitlichen Dimension ist Yoga heute nicht Sport, es ist auch ein Lifestyle und eine Kulturtechnik, die sich ständig neu erfindet. Von der traditionellen Praxis in Indien über urbane Studios in Berlin bis zu Online-Flows in New York: Yoga passt sich an, bleibt zugänglich und wächst weiter. Die steigende Popularität erklärt sich durch sein Vielseitigkeit, die Verbindung von Körper und Geist und die Fähigkeit, Menschen in einer hektischen Welt einen Moment der Ruhe zu schenken. Einen solchen Moment brauchte auch Natalie Haag-Dovi nach dem Tod einer engen Bezugsperson. Aus einem ersten Yoga Wochenende ging es für die Saarbrückerin nahtlos in eine erste Ausbildung zur Lehrerin über, der weitere folgten.

Natalie Haag-Dovi: „Rückblickend war die intensive Begegnung mit Yoga wie die berühmte Tür, die aufgegangen ist, nachdem eine andere zuging. Das Ganze fing einem intensiven Yoga-Wochenende an. Danach war der Funke entfacht und Yoga ließ mich nicht mehr los. Diese körperlichen Übungen haben mich fasziniert. Ich wollte sofort Lehrerin werden, obwohl die dazu nötigen 250 Unterrichtseinheiten für mich als voll Berufstätige eine ziemliche Herausforderung waren. In der Ausbildung habe ich verschiedene Stile kennengelernt, beispielsweise Anusara, aber, für mich war es immer ein bisschen mehr dieses Vinyasa. Was ich jetzt bei mir selbst merke ist, dass ich aber auch dieses Ruhigere mehr kann und mal was Meditatives oder auch mal ein Yoga Nidra ansage, also eine längere Meditation. Das wird eigentlich immer mehr, weil ich merke, dass es den Teilnehmern gut tut. Es macht mich glücklich, wenn ich nach Shavasana immer diese entspannten und glücklichen Gesichter sehe. Man sieht immer, das macht was mit den Leuten. Die kommen gestresst rein und gehen so ein bisschen glücklicher raus. Das ist das Tolle auch am Unterrichten. Für mich hat aber jede Yoga-Welt, seine eigene Note. Ich versuche die Leute dort abzuholen, wo sie stehen. Es muss auch jetzt nicht sein, dass jemand die tollste Asana macht, also die tollste Haltung. Jeder Körper ist anders und Yoga ist keine Challenge um Außenwirkung. Wichtiger als die äußere Form ist die innere Ausrichtung. Das ist so ein Lieblingssatz von mir. Ich glaub auch nicht, dass Yoga nur ein Trend ist. Gerade in unserer immer schneller werdenden Welt ist ein Anker wichtig. Yoga kann hier sehr erdend, entschleunigend sein und es fördert auch die eigene Resilienz. Und für mich wird Yoga auch nie langweilig, weil es immer was Neues zu entdecken gibt auf der Yogareise.“

Auffällig ist, dass Yoga auch im Saarland nicht nur junge, urbane Zielgruppen anspricht. Yoga ist hier längst mehr als ein Trend – es ist Teil des Alltags geworden und zeigt, wie stark globale Bewegungen auch lokal Wurzeln schlagen können. Natürlich gibt es auch kritische Stimmen. Manche sehen den „Yoga-Hype“ als oberflächliche Modeerscheinung, die den spirituellen Kern verwässert. Andere kritisieren die Kommerzialisierung – von teuren Retreats bis zu Designer-Matten. Doch selbst diese Diskussionen zeigen, wie stark Yoga im gesellschaftlichen Diskurs verankert ist.

Ob Yoga auch 2026 weiter an Popularität gewinnt oder von anderen Bewegungs- und Achtsamkeitstrends abgelöst wird, hängt weniger von modischen Impulsen ab als von seiner Fähigkeit zur Anpassung. Während neue Formate wie Breathwork, Mobility-Training oder „Silent Movement“ zunehmend Aufmerksamkeit erhalten, bleibt Yoga ein kultureller Evergreen – nicht zuletzt, weil es sich immer wieder neu erfindet. Hybridformate wie „Yoga & Sound“, „Office Yoga“ oder „Yoga für Männer 60+“ zeigen, wie flexibel die Praxis auf gesellschaftliche Bedürfnisse reagiert. Gleichzeitig wächst die Sehnsucht nach Tiefe: Viele Praktizierende suchen nicht nur körperliche Fitness, sondern auch spirituelle Orientierung, Gemeinschaft und innere Ruhe. Andere Trends mögen kommen und gehen, doch die Fähigkeit, Tradition und Zeitgeist zu verbinden, macht Yoga zu einem kulturellen Resonanzraum, der weit über die Matte hinaus wirkt. Es ist gut möglich, dass Yoga nicht nur bleibt, sondern sich weiter ausdifferenziert – als Praxis, als Haltung und als gesellschaftlicher Impulsgeber.

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