Der Berufsverband VK als Sprachrohr und Netzwerk für queere Fach- und Führungskräfte
Was vor über 30 Jahren als kleiner Kreis mutiger Männer in Völklingen Regionalverband Saarbrücken begann, ist heute ein bundesweit agierendes Netzwerk mit klarer Mission: Der Berufsverband VK – „Netzwerk für Vielfalt und Karriere“ – bietet queeren Menschen im Berufsleben eine Plattform für Austausch, Sichtbarkeit und Weiterentwicklung. Im Gespräch mit unserem freien Redakteur Marc Kirch erzählt der Vorstandsvorsitzende Kurt Siering von den Wurzeln des Verbands, der gesellschaftlichen Notwendigkeit queerer Interessenvertretung – und einem klaren Zukunftsauftrag.
„Es geht uns darum, Erfahrungen zu teilen, voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu stärken“, beschreibt Kurt Siering das Herzstück des VK im L!VE Perspektivwechsel. Dabei sei der Verband weder auf eine Branche noch auf eine bestimmte Berufsgruppe beschränkt – willkommen sind alle, die die Ziele des VK teilen: Vielfalt leben, Karriere fördern, Sichtbarkeit schaffen.
Der Verband, der ursprünglich als „Völklinger Kreis“ gegründet wurde, hat in den letzten Jahren einen umfassenden Modernisierungsprozess durchlaufen – nicht zuletzt durch eine bewusste Namensänderung. „Völklinger Kreis – das klang für manche wie ‘völkischer Kreis’. Das wollten wir nicht und das sind wir nicht“, erklärt Kurt Siering. Auch die einseitige Ausrichtung auf „schwule Führungskräfte“ wurde hinterfragt. Heute steht der VK offen für alle queeren Menschen – unabhängig von sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität oder beruflicher Position.
Queere Perspektiven ins Zentrum rücken
Dass es solche Netzwerke weiterhin braucht, zeigt nicht nur die gesellschaftliche Entwicklung der letzten Jahre, sondern auch aktuelle politische Diskussionen. Der Umgang mit der Regenbogenflagge im Bundestag, das internationale Erstarken anti-queerer Tendenzen oder Unternehmen, die aus Angst vor „Diversity-Backlash“ Förderprogramme zurückfahren – all das sind Signale, die laut Siering deutlich machen: „Wir müssen nicht nur für neue Rechte kämpfen, sondern auch dafür, bereits Erreichtes zu bewahren.“
Zentrales Anliegen des VK ist es, queere Lebensrealitäten im Berufsalltag sichtbar zu machen – nicht als Selbstzweck, sondern als Beitrag zu mehr Authentizität und Offenheit. „Sexualität ist Teil der Persönlichkeit“, sagt Siering. „Menschen sind keine Output-Maschinen. Wer seine Identität verstecken muss, verschwendet Energie, die anderswo viel besser investiert wäre.“
Solidarität statt Schubladendenken
Ein weiterer wichtiger Schritt war die Öffnung des Verbands für Frauen und nicht-binäre Menschen – ein Beschluss, der intern nicht nur auf Zustimmung stieß. „Es gab kritische Stimmen. Aber für mich ist klar: Solidarität darf nicht an der eigenen Identität enden. Nur gemeinsam sind wir stark – das gilt für Schwule, Lesben, Trans- und intergeschlechtliche Menschen gleichermaßen.“
Mit Mentoringprogrammen für Young Professionals, internationalen Austauschprojekten und dem renommierten Max-Spohr-Preis für Diversity im Berufsleben bietet der Berufsverband VK handfeste Angebote, um queere Karrierechancen aktiv zu gestalten. Dabei wird nicht nur Empowerment großgeschrieben – auch Unternehmen profitieren vom Dialog: „Der Preis ist Anerkennung und Verpflichtung zugleich“, betont Siering. „Wir ehren nicht nur, was war – wir fordern auch, dass es weitergeht.“
Ein Verband mit Haltung und Herz
Ob politisch, wirtschaftlich oder gesellschaftlich – der VK versteht sich als Schnittstelle zwischen queerer Community und Arbeitswelt. Dabei setzt der Verband auf Dialog, Beteiligung und stetige Weiterentwicklung. „Stillstand ist keine Option“, so Siering. „Wir müssen jungen Menschen ein attraktives Netzwerk bieten, in dem sie sich entfalten können – beruflich wie persönlich.“
Und auch wenn es noch viele Baustellen gibt – vom Paragraphen 3 im Grundgesetz bis zur echten Gleichstellung im Arbeitsalltag – bleibt die Haltung des VK klar: sichtbar, vernetzt, solidarisch.




