• Termine, News und Wissenswertes aus Saarbrücken, dem Saarland und der Welt:

Perspektivwechsel beim Völklinger Kreis e.V. 

Foto v.l.: Marc Kirch, Matthias Weber mit Partner Hugo, Kurt Siering mit Partner Frank Fotograf: Marcello Papa

Im L!VE-Perspektivwechsel betrachten wir aktuelle Themen und Fragestellungen aus dem Blickwinkel queerer Menschen. Dazu spricht unser freier Autor Marc Kirch mit Personen des des öffentlichen Lebens aus Kultur, Politik, Wirtschaft, Sport und Gesellschaft. 

Bei dem Berufsverband Völklinger Kreis e.V. wurde bei der Mitgliederversammlung am 8. Oktober 2022 ein neuer Vorstand gewählt. 

Dazu trifft Marc Kirch den bisherigen Vorstandsvorsitzenden Matthias Weber und den neuen Kurt Siering zum persönlichen Gespräch in Düsseldorf. 

Anlässlich der Staffelstabsübergabe sprechen sie über Entstehung, Entwicklung und Mission des Berufsverbands sowie zukünftige Schwerpunktthemen und Positionierung. 

Dabei entwickelt sich ein sehr persönlicher Austausch, bei dem Kurt Siering und Matthias Weber auch offen über deren sehr unterschiedlich erlebte Coming Outs in der Arbeitswelt erzählen. 

Hier gehts zum Videointerview: 

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Wie sieht es denn mit queerem Deutschrap aus?

Im „L❗️V E – Perspektivwechsel“ bespricht unser freier Redakteur Marc Kirch regelmäßig LGBTQ-relevante Themen mit Interviewparter*innen aus Politik, Kultur und Wirtschaft.

🏳️‍🌈🏳️‍⚧️In diesem Monat stellt er die Frage: „wie sieht es denn mit queerem Deutschrap aus?“

Der anerkannte Musikjournalist Falk-Schacht

gibt in seiner Audiopodcast-Reihe darauf ausführliche Antworten und Einblicke.🏳️‍⚧️🏳️‍🌈

QUEERER DEUTSCHRAP mit Falk Schacht auf Spotify: https://open.spotify.com/show/2jY2upURAphix8Pen577Z6

Klare Empfehlung: Reinhören! 🔊🎧

Grußwort von Oberbürgermeister Uwe Conradt

Grußwort von Oberbürgermeister Uwe Conradt zum ‚Christopher Street Day SaarLorLux 2022‘ am 11. und 12. Juni in unserer Landeshauptstadt Saarbrücken. Unter dem Credo „Friede, Love & Liberté“ findet in diesem Jahr die schrille Parade durch die Saarbrücker City und das bunte Live-Programm auf der Straßenfest-Bühne sowie die politische Podiums-Diskussion in der oberen Mainzer Straße statt. 

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Hier gehts zum L!VE-Perspektivwechsel mit Uwe Conradt: https://fb.watch/dviVxN1nya/

L!VE-Perspektivwechsel mit Falko Droßmann

L!VE-Perspektivwechsel mit Falko Droßmann, queerpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag sowie Oberstleutnant der Luftwaffe bei der Bundeswehr. Im Pride-Month Juni und zum CSD SaarLorLux 2022 spricht Marc Kirch mit ihm über die Bedeutung und die aktuellen Herausforderungen in seinem Amt. Beide tauschen sich auch offen über Falko Droßmanns persönliche Erfahrungen bei Bundeswehr und Polizei aus. 

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Anke Rehlinger

„Älter werden ist gut, weniger werden dagegen ist doof“

Die Landtagswahl im Saarland geht in die heiße Phase. Genau der richtige Zeitpunkt die Saar-SPD-Vorsitzende Anke Rehlinger zu den Inhalten ihres Wahlprogramms und über queerpolitische Themen zu befragen. Unser Autor Marc Kirch hat die aussichtsreichste Kandidatin auf den Job des nächsten Ministerpräsidenten in ihrer Saarbrücker Parteizentrale getroffen. Das vollständige Video-Interview gibt es hier:

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MK: Frau Rehlinger, Sie sind jüngst von Ihrer Partei auf Bundesebene mit überwältigender Mehrheit zur stellvertretenden Parteichefin gewählt worden. Im Ampelkoalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP sind konkrete Punkte definiert, welche Gleichberechtigung von LSBTI (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und intergeschlechtliche Menschen) in unserer Gesellschaft fördern sollen. Was sind denn die Hauptziele in dieser Legislaturperiode? 
AR: In der Tat hat sich die Fortschrittskoalition auch gesellschaftlichen Fortschritt auf die Fahnen geschrieben. Diese Punkte waren in den Koalitionsverhandlungen auch mit am einfachsten auszuverhandeln, was sehr schön ist. Denn viele diesbezügliche Erfolge der Vergangenheit, wie z.B. „die Ehe für alle“ waren ja hart erkämpfte Punkte mit dem damaligen Koalitionspartner. Jetzt geht das hier offensichtlich in besserer Übereinstimmung. So finde ich ist das Selbstbestimmungsrecht ist ein ganz wichtiger Punkt, auch die Frage wie wir Lebenspartnerschaften und Verantwortungsgemeinschaften definieren. Das ist ein Punkt mit dem der Bundesjustizminister sehr früh an die Öffentlichkeit gegangen ist. Ich glaube alles sind Punkte, die mit dazu beitragen, dass die rechtliche Situation nicht länger einer gesellschaftlichen Situation hinterherläuft. Dafür finde ich ist es jetzt allerdings höchste Zeit und dafür gibt es jetzt gute Signale. 

MK: Die von Ihnen erwähnte sexuelle und geschlechtliche Selbstbestimmung durch Erweiterung Artikel 3 des Grundgesetzes ist ja jüngst, nicht zuletzt durch die Enthaltung des Saarlandes bei der diesbezüglichen Abstimmung, auf Bundesebene gescheitert. Können Sie der LGBTQ-Community denn heute einen Ausblick geben, wie lange das voraussichtlich noch dauern wird, bis da ein Erfolg zu erwarten ist? 
AR: Na ja, in der Tat habe ich es bedauert, dass wir uns als Saarland enthalten mussten. Ich hätte dem Antrag bei der letzten Abstimmung bereits sehr gerne zugestimmt. Den exakten Zeitplan muss ich jedoch leider schuldig bleiben. Es gibt momentan noch kein veröffentlichtes Arbeitsprogramm. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass das einer der frühen Punkte ist, die man aufgreift. Es gibt eine große Einigkeit innerhalb der Koalition. So wichtig und so groß der Schritt auch ist, den man damit geht und die Aussage die damit verbunden ist, so rechtlich kompliziert scheint es mir nicht zu sein. Deshalb könnte man es jetzt auch relativ früh anpacken! Also ich wäre auf jeden Fall gerne dabei. 

MK: Weiterer Punkt ist das Blutspendeverbot für homosexuelle Männer. Die jüngste Verbesserung, dass homosexuelle Männer nun nur 4 Monate enthaltsam leben müssen, wohingegen es vorher noch nachweislich mindestens 12 Monate sein mussten, ist „nur„ eine „Aufweichung“. Den Umstand der diesbezüglichen „institutionalisierten Diskriminierung“ homosexueller Männer schafft diese „Verbesserung“ jedoch nicht ab. Ist das auch ein Punkt, den wir als lösbar im Rahmen der aktuellen Ampelkoalition erwarten dürfen? 
AR: Ich glaube der Punkt muss lösbar sein, denn ich finde das ist ein Unding! Ich war gerade bei der Blutspende und habe auch dafür geworben, dass das viele andere auch tun. Dann muss man ja immer diesen Zettel ausfüllen bezüglich der Verwendung und der diesbezüglichen Zustimmung. Dann stehen dort die Gründe, in welchen Fällen das gespendete Blut nicht verwendet werden darf und weshalb man dann „nein“ sagen soll. Ich schaue da jedes Mal völlig erschüttert auf diesen Zettel und denke mir immer: ´Mein Gott, das ist einfach Diskriminierung pur!´Deshalb, ich finde: ´je schneller desto besser! Ich hoffe dass wir das jetzt wirklich gelöst bekommen. Diese Regelung ist einfach von vor vor vorgestern – und selbst da war es nie aktuell und angemessen! 

MK: Gibt es denn schon weitere im Ampelkoalitionsvertrag verankerte Punkte, die schon jetzt Auswirkungen auf die saarländische Landespolitik haben, welche die Förderung von Gleichberechtigung zum Inhalt haben und welche die Ent-Diskriminierung von LSBTI betrifft? 
AR: Meines Erachtens durchaus die Frage, wie wir jetzt mit dem Thema von Verantwortungsgemeinschaften umgehen. Das hat nochmals unmittelbare Rückwirkungen. Wichtig ist aber auch, dass wir als Land nicht nur nach Berlin schauen. Ganz viel wird ganz grundsätzlich dort geregelt, das stimmt wohl. Ganz viel haben wir aber auch selbst in der Hand. Wir haben das jetzt erlebt mit dem saarländischen Landesaktionsplan, der endlich gekommen ist. Wie ich glaube ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Man hätte ihn etwas früher gehen können, das tut jedoch der Qualität dieses Schritts zunächst einmal keinen Abbruch. Jetzt gehts darum, was wird davon konkret, wie schnell und wie beherzt angegangen. Auch wesentlich: „was kann man als saarländische Landesregierung noch darüber hinaus tun, in einer nächsten Legislaturperiode?“ Ich persönlich finde, dass die Bekämpfung von trans- und homophober Gewalt ein weiterer wichtiger Punkt ist! Das beginnt bereits bei der Sichtbarmachung, dass diese in einer relevanten Größenordnung existieren. Das gelingt einem natürlich am besten, wenn man diese begangenen Straftaten tatsächlich auch in einer Kriminalstatistik ausweist und damit gleichzeitig auch Gefahren aufzeigt. Darüber hinaus sollte dafür eine Anlaufstelle geschaffen werden, möglicherweise bei der Polizei. 

MK: In der Polizeigewerkschaft bzw. der Landespolizei einiger anderer Bundesländer gibt es bereits LGBTIQ-Beauftagte. Auf bundespolitischer Ebene ist Sven Lehmann von den Grünen in ein neu geschaffenes Amt des offiziellen „Queer-Beauftragten der Bundesregierung“ berufen worden. Wenn wir nach der bevorstehenden Landtagswahl als neuen Ministerpräsidentin des Saarlandes beglückwünschen dürfen, wären dann auch solche Ämter einer bzw. eines Queerbeauftragten auf Landesebene und/oder bei der Polizei konkret geplant? 
AR: Darüber kann man auf jeden Fall reden. Wenn man deren/dessen Aufgaben beschreibt, gilt es zu klären und wo diese/r angesiedelt sein sollte, damit sie/er auch angesprochen wird/werden von Betroffenen. Das ist denke ich ein sehr sensibler Punkt. Denn nur durch die konkrete Ansprache und Benennung von Fällen, können diese einer Lösung zugeführt werden und man kann ggf. auch dort wo die Dinge nicht in Ordnung sind ein Schlaglicht darauf werfen. Dadurch erreichen wir auch die erhoffte Sichtbarkeit dieser Delikte. Das ist sicherlich ein Punkt der in der nächsten Legislaturperiode angegangen werden kann. 

MK: Der von Ihnen angesprochene saarländische Landesaktionsplan „Vielfalt sexueller und geschlechtlicher Identität akzeptieren – gegen Homo- und Transfeindlichkeit“ definiert konkrete Handlungen und Maßnahmen in allen Lebensbereichen, um diskriminierungs- und gewaltfreie Lebensbedingungen zu schaffen und die Akzeptanz von Vielfalt mit allen Kräften ministerienübergreifend zu fördern.    Wie sehen Sie die Relevanz dieses Landesaktionsplans, wenn der aktuelle Ampelkoalitionsvertrag der Bundesregierung bereits viele dieser Punkte übergeordnet regelt? Wird dieser deshalb obsolet oder für das Saarland sogar noch wichtiger? 
AR: Ich finde der Rechtsrahmen ist immer das eine, aber wie der Name schon sagt: Ein „LandesAKTIONsplan“ sollte ja bestenfalls dann auch zu AKTIONEN führen, in einem dann besseren Rechtsrahmen. In einem Rechtsrahmen der ausgeweitet ist, der präziser ist, der den Anliegen mehr Rechnung trägt. Insofern finde ich erst recht, dass dieser Landesaktionsplan eine gute Arbeitsgrundlage dafür bietet, zu definieren was denn jetzt der jeweils nächste Schritt ist, wie wir diesen angehen und was wo dazu erledigt werden muss. Insofern finde ich, wenn uns rechtlich mehr Möglichkeiten gegeben werden, wird der Landesaktionsplan für mich umso wichtiger. So gilt es ihn auch zu aktualisieren und fortzuschreiben. 

MK: Sie kandidieren als SPD-Spitzenkandidatin Ihrer Partei bei der am 27. März bevorstehenden Landtagswahl. Wenn Sie zur nächsten Ministerpräsidentin des Saarlandes gewählt werden, was sind dann ihre Hauptanliegen und was liegt ihnen dann am meisten am Herzen? 
AR: Bezüglich unserer heutigen Kernthemen wie wir mit Gleichberechtigung und mit Selbstbestimmung umgehen, ist es mir ein absolutes Kernanliegen dafür zu sorgen, dass es hier bei uns im Saarland ein dafür förderliches Klima gibt. Klimaschutz wird ja momentan in einem völlig anderen Zusammenhang diskutiert. Ich finde ein gutes Klima in einem Land zu haben, heißt nicht nur auf die CO2-Werte zu blicken, sondern auch auf die Fragen des Miteinanders, des Respekts, des zwischenmenschlichen Umgangs. Da kann man natürlich auch auf die Frage, wie man Dinge miteinander bespricht, wie man in der Öffentlichkeit über bestimmte Fragestellungen redet, dazu beitragen dass sich das Thema positiv entwickelt. Ich bin sehr dafür, dass wir einen respektvollen und toleranten Umgang miteinander pflegen. Das ist immer auch eine Aufgabe die von der Spitze genau so wahrgenommen werden muss. Dies ist mir ein sehr wichtiges Anliegen. Gleichzeitig sage ich: Der gute Umgang miteinander ist das eine. Frei sein von existenziellen Ängsten und Nöten ist das andere -völlig unabhängig von sexueller Orientierung, Geschlecht oder Herkunft, spielt das für alle gleichermaßen ebenfalls eine wichtige Rolle. Deshalb ist für mich auch die Frage von Arbeitsplätzen für unser Land Kernthema. Meine Kernanliegen sind der Erhalt von bestehenden Arbeitsplätzen, das Schaffen neuer Arbeitsplätze in einer extrem herausfordernden Zeit. Das würde ich gerne, so wie ich es als Wirtschaftsministerin bereits getan habe, dann als Ministerpräsidentin zur Chefinnensache machen. Ich finde wir sollten im Saarland da auch gar nicht ambitionslos sein und uns wirklich etwas zutrauen. 400.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze, das sollte ein Punkt sein, den wir uns ambitioniert vornehmen! Trotz aller Schwierigkeiten oder vielleicht gerade angesichts der bestehenden Herausforderungen, die uns die Möglichkeit geben die Dinge nochmal neu zu gestalteten und dabei neue Kräfte zu entfalten. Das ist mir ein sehr wichtiger Punkt, zusammen mit der Fragestellung: „Wie kann Klimaschutz dazu beitragen, dass wir neue Geschäftsmodelle entwickeln und dabei neue zukunftsfähige Arbeitsplätze in diesem Land entstehen?“. Das wird uns auch nur gelingen, wenn wir neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben und gewinnen, die mit den neuen Technologien umgehen können. Folglich sind Weiterbildung und Qualifizierung wichtige Themen. Bereits angefangen beim Beginn der Bildungskette in Kitas und Schulen, gilt es Investitionen in Bildung als wirkliche Zukunftsinvestitionen in unser Land zu verstehen. Das sind alles ein paar wenige, aber sehr bedeutsame Punkte, von denen ich denke dass wir dort richtig rangehen müssen! 

MK: Wenn wir bei diesen wesentlichen Punkten nochmals die Brücke zum Landesaktionsplan schlagen. In ihrer aktuellen Position als Ministerin für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr haben sie die diesbezüglichen Handlungsfelder und Maßnahemen des Landesaktionsplans federführend mit gestaltet. Welche Rolle und Relevanz kommt denn der Förderung von Vielfalt und gleichberechtigender Akzeptanz für LGBTQ zu, bei den von ihnen genannten Schwerpunktthemen Arbeitsplätze und Bildung?  
AR: Ganz klar: Vielfalt ist der Schlüssel zum Erfolg eines Unternehmens! Das ist jetzt auch nicht nur nett daher gesagt. Sondern das ist mittlerweile auch anhand zahlreicher Studien und Statistiken handfest nachgewiesen: Unternehmen die vielfältig aufgestellt sind, die sich offen zeigen – gegenüber Familien traditioneller Art, gegenüber LSBTIQ, gegenüber Migration etc., gegenüber allem was Vielfalt ausmacht – diese Unternehmen sind schlicht und ergreifend erfolgreicher. Weil es anscheinend ein gutes Miteinander gibt, eine gute Kooperation gibt. Wenn es einen respektvollen Umgang miteinander gibt, dann ist das ein Ort an dem man sich wohlfühlt, an dem es auch um Kreativität geht. Also kein Ort an dem die Motivation leidet, weil man ausgegrenzt wird. Sondern im Gegenteil, weil man sich als Teil eines erfolgreichen gemeinsamen Projekts versteht. In diesem Sinne geht es wirklich darum, den Unternehmen, die das vielleicht noch nicht verstehen und diese Chance für sich noch nicht erkannt haben, diesen Weg aufzuzeigen und dafür zu werben. Man kann innere Haltung schlecht verordnen, insofern geht es dabei um überzeugen, lenken und leiten sowie das Fördern dieser Selbsterkenntnis was die jeweilige Unternehmensführung auch angeht. Das halte ich für eine ganz ganz wichtige Aufgabe, gerade für ein Bundesland, das die Herausforderung einer negativen demokratischen Entwicklung hat. Wir werden im Saarland leider weniger und wir werden älter. Älter werden ist gut, weniger werden hingegen ist doof. Wir müssen also dafür sorgen, dass die jungen Leute hier bleiben, dass sie gar nicht erst weggehen, weil sie sich hier wohlfühlen. Gleichzeitig sollten andere ein Blick auf dieses Land haben und erkennen welch schöner Ort das hier ist und spüren dass sie hier willkommen sind. Direkt neben „willkommen“ liegt dann auch „will bleiben“. Das hilft dann auch unserem Wirtschaftsstandort Saarland. Und das fällt hier auch auf einen fruchtbaren Boden, denn Saarländerinnen und Saarländer sind zumindest nach meiner Einschätzung bodenständig und gleichzeitig weltoffen. Das wird uns auch so zugeschrieben und hat sicher mit unserer Geschichte und unserer geografischen Lage zu tun. Daraus können wir gemeinsam etwas machen! Denn wir erleben es ja auch gerade in anderen Bundesländern, die gerade in diesen Fragen mit einem Negativimage kämpfen. Ich prophezeie, dass diese Länder auch wirtschaftlich abgehängt werden! Ich möchte natürlich solche Grundhaltungsfragen und Fragen des Respekts sowie der Würde des Menschen nicht wirtschaftlich taxieren, wenn es allerdings gleichzeitig zusätzliche Argumente dafür sind, dann ist es legitim diese auch dafür anzuwenden. 

MK: Dafür gibt es auch Förderprogramme, die dieses von Ihnen angesprochene unternehmerische Bewusstsein dafür auch schärfen sollen und eine solche Unternehmenskultur – bei Bedarf auch wandelnd – harmonisch zu integrieren. Welche Fördermöglichkeiten sind das? 

AR: Ja in der Tat gibt es über saaris (saarland.innovation&standort e.V.) bestimmte Beratungsprogramme bei denen es auch darum geht Fachkräftesicherung in Unternehmen zu betreiben und zu überprüfen, wie bin aufgestellt, was heißt das für das Thema Gesundheit in meinem Unternehmen, Gesundheit am Arbeitsplatz, Familienfreundlichkeit, Diversity und wie viel Vielfalt lasse ich tatsächlich zu? Da ist das also einer der wesentlichen Punkte unter der großen Überschrift „Arbeitgeberattraktivität als Schlüssel zur Fachkräftesicherung“. Hier wollen wir aktiv unterstützen und beraten. Dazu einfach auf den Webseiten des Wirtschaftsministeriums oder bei saaris vorbeischauen und sich über die aktuellen Hinweise und Möglichkeiten informieren. 

MK: Im Kontext der bereits angesprochenen Themen Wertschätzung und Respekt in Unternehmen und in unserer Gesellschaft, sind auch so genannte „Schutzräume“ für LGBTQ ein damit eng verwobenes Thema. Diese „Schutzräume“ sind ein vom LSVD (Lesben- und Schwulenverband in Deutschland) und der Community selbst oft angesprochenes Thema in Corona-Zeiten. Die große Sorge ist es, dass es durch die Pandemie-bedingte wirtschaftlich sehr herausfordernde Lage, die letzten saarländischen Schutzräume – wie zum Beispiel das History, der Einraum 2.0 oder die Finally-Party – diese Zeit nicht überstehen werden. Die große Sorge ist es, dass diese letzten noch vorhandenen Schutzräume dauerhaft schließen müssen. Gibt es hier mit Ausblick auf die kommende Legislaturperiode Möglichkeiten diese „Schutzräume“ zu „schützen“ bzw. deren Erhalt zu unterstützen? 
AR: Wir haben natürlich allgemein die Situation, dass Corona sehr sehr viele belastet, insbesondere die Gastronomie und die Veranstaltungswirtschaft. Wir versuchen hier grundsätzlich den Branchen generell so gut es geht zu helfen. So greifen in diesen genannten Fällen natürlich die allgemeinen Unterstützungselemente, die wir zur Verfügung stellen. Ich verstehe die in dem genannten Zusammenhang die besondere Problematik und Relevanz, dass der Erhalt dieser noch wenigen vorhandenen „Schutzräume“ für die Community besonders wichtig ist. Hier müssen wir vielleicht auch gar nicht die letzte Legislaturperiode abwarten, denn die Probleme sind ja bereits jetzt schon da. Ich biete dafür deshalb schon jetzt sehr gerne das konkrete Hilfs- und Unterstützungsangebot an, mit allen die einen solchen LGBTQ-Schutzraum betreiben und erhalten möchten, zusammenzukommen und gemeinsam nochmal drüberzuschauen, ob alle Hilfen bereits beantragt sowie ausgeschöpft sind und was wir ggf. noch tun können, um einen dauerhaftes Fortbestehen zu gewährleisten. Wenn das gewünscht ist, machen wir da eine Runde mit allen Betreibern bzw. Veranstaltern von LGBTQ-Schutzräumen. So etwas ist im Saarland immer schnell und gut möglich, dafür stehe ich sehr gerne zur Verfügung. 

MK: Vielen Dank für dieses konkrete Angebot. Sehr können sich die Betroffenen auch bei uns zum Stichwort „L!VE Magazin Perspektivwechsel“ melden. Wir koordinieren dann sehr gerne diese gemeinsame Runde. 

Vom Saulus zum Paulus

Armin König ist seit 1996 Bürgermeister von Illingen und damit dienstältester Bürgermeister des
Saarlandes. Er ist Mitglied im Beirat des saarländischen Staatstheaters und gilt als sehr
kulturinteressiert. Seit seinem Parteiaustritt engagiert er sich in einer Wählervereinigung. Im Interview
mit L!VE verrät er wie es dazu kam und warum er einen Sinneswandel beim Thema „Ehe für alle“
vollzog. Das Interview führte unser freie Autor Marc Kirch.

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(Armin König und Marc Kirch, vorm Interview geimpft und getestet) 

L!VE: Wie kam es zu dem Austritt aus der CDU? 
Es gibt ein ganzes Bündel von Gründen. Nicht zuletzt die Missachtung der Kultur in der Pandemie. In
den letzten 10 Jahren habe ich als Bürgermeister und als Kulturamtsleiter die Kulturpolitik meiner
Gemeinde Illingen mitverantwortet und mache selbst Musik, spiele Klavier. Mitzuerleben, dass Kultur
und Gastronomie als wesentliche Bestandteile unserer Gesellschaft kaum Beachtung finden, hat mich
schockiert. Ein weiterer Grund ist auch die Übernahme des CDU-Vorsitzes durch Friedrich Merz.
Unter ihm wollte ich nicht mehr in der CDU sein. Ich bin da anders positioniert, immer eher links von
der Mitte. Ein weiterer Grund ist die Grubenflutung im Saarland: die Genehmigung die Gruben
absaufen zu lassen, mit all den damit verbundenen Gefahren, wenn giftiges Grubenwasser aufsteigt.
Ich hatte bereits vor drei Jahren eine Volksinitiative dagegen gegründet, mit Freunden 5.000
Unterschriften gesammelt und „Pro H2O Saar e.V.“ gegründet. Das führte irgendwann zur totalen
Entfremdung und es fehlte schlussendlich nur noch ein Tropfen für mich, um zu sagen „tschüss, ich
gehe jetzt!“. Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, war der Umgang der saarländischen
Landesregierung mit der Corona-Pandemie. Dieses „Hü und Hott“. Ich hatte auch den Eindruck, dass
ich irgendwann als lästig empfunden wurde. Ich habe meine Positionen schon immer sehr offensiv
vertreten – nicht um mich selbst zu profilieren, sondern weil es Themen gibt, die die Menschen
bewegen und berühren. Ich bin schon seit 26 Jahren Bürgermeister und bin mitten unter den Leuten,
die einem sagen, wo es weh tut und wo es unter den Nägeln brennt. Das war für mich dann der
letztendlich auslösende Punkt meine Mitgliedschaft in der CDU zu beenden, nach verschiedenen
Entfremdungsprozessen von der Partei.  

L!VE: Jetzt engagierst du dich für die Wählervereinigung „bunt.saar“ und trittst zur Landtagswahl an.
Allein der Name „bunt.Saar“ suggeriert ein Wahlprogramm und eine Überzeugung, welche
Wertschätzung von Vielfalt in unserer Gesellschaft fördert und fordert. Ist dem so? 

Es wird nicht nur suggeriert, es steht im Programm! Wir haben uns explizit die Vielfalt auf die Fahnen
geschrieben; das betrifft jede Facette der Gesellschaft. Das betrifft übrigens auch das Thema
Inklusion, Menschen mit Behinderung, auch das Thema Zuwanderung. Der Name „bunt.saar“ wurde
bereits gewählt, bevor ich gekommen bin, er hat mir gefallen. Dieses politische Start-up, das sich zum
Ziel gesetzt hat, die Gesellschaft zu verändern, hat für mich ganz großen Reiz. Denn ich glaube, wir
müssen ganz viel in unserer Gesellschaft verändern! Das betrifft Klimawandel, gesellschaftlichen
Wandel und Strukturwandel. Wenn man sich zu diesen Themen die Frage stellt: Wie sieht es denn
hierzu mit Fairness und Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft aus? Ich finde hier haben wir sehr viel
zu leisten und müssen mit den Menschen auch ganz offen darüber sprechen. Wir wollen eine
Gesellschaft die fairer wird, eine Gesellschaft, die das Thema Ökologie viel stärker in den Mittelpunkt
rückt, wir wollen eine gesellschaftliche Veränderung. 


L!VE: Betrifft diese angestrebte gesellschaftliche Veränderung auch LGBTQ (Lesben, Schwule,
Bisexuelle, Transgender, Queer)?  
Selbstverständlich betrifft das auch LGBTQ! Das gehört zum Selbstverständnis der Mitglieder von
bunt.saar. Auch hier sind wir bunt aufgestellt und vor diesem Hintergrund passt das natürlich auch.
Aber es ist jetzt nicht der entscheidende Punkt für die Namensgebung „bunt.saar“ gewesen, das wäre
zu vordergründig. LGBTQ gehören zu unserem Selbstverständnis.  

L!VE: Jüngst kursierten Meldungen, dass „bunt.saar“ ihre Teilnahme an der Landtagswahl im März
diesen Jahres zurückzieht. Ist da was dran bzw. kann das noch passieren?
Das ist völliger Quatsch. Im Wahlkampfzeiten muss man immer auch mit „Fake-News“ rechnen. Wir
haben in allen drei Wahlkreisen Unterschriften gesammelt. Wir mussten jeweils 150 Unterschriften
sammeln. In Neunkirchen haben wir 250 Unterschriften abgegeben, in Saarbrücken und in Saarlouis
waren es jeweils 300. Das haben wir also mühelos geschafft. Und die Menschen, die für uns
unterschrieben haben, die erwarten auch etwas von uns. Wir sind nicht gegründet worden, weil
andere Schwierigkeiten haben, sondern wir haben eine dezidiert eigene Position. Wir haben ein
Programm, das auch für den „Wahl-O-Mat“ geeignet ist. Wer sich zum Beispiel über den Wahl-O-Mat
mit unserem Programm auseinandersetzt, wird feststellen, dass wir in bestimmten Bereichen sehr
besondere Positionen vertreten. Warum sollten wir also zur Landtagswahl nicht antreten? Wir wollen
die Politik verändern. Wir wollen zeigen, dass man im Saarland auch andere Politik machen kann. Wir
wollen den Mund aufmachen und sind dabei 100% parteifrei. Wir sind von keiner Bundespartei
abhängig, uns kann niemand reinreden. 

L!VE: Wie geht es für dich im Erfolgsfall und wie im Misserfolgsfall bei der Landtagswahl weiter? 
Ich kandidiere als Spitzenkandidat und um zu gewinnen. Ich bin da optimistisch und mit uns muss
man rechnen. Es gibt viele Menschen, die mit den Parteien nichts mehr anfangen können. Wenn ich
es also in den Landtag schaffe, werde ich dafür sorgen, dass Stimmen von Bürger*innen dort zum Zug
kommen, auch zu Spezialthemen wie zum Beispiel zu Grubenflutung oder SVolt. Ich werde im
Landtag Position beziehen und dafür sorgen, dass die Politik anders kommuniziert wird. Wenn ich
nicht in den Landtag komme, bin ich weiterhin Bürgermeister von Illingen und entscheide dann, wie
lange ich das bleiben möchte. Gewählt bin ich bis 2025. Ich bin voller Energie und werde in jedem Fall
versuchen, vieles für die Menschen zu erreichen. 

L!VE: Wenn ihr in den Landtag gewählt werdet, welche konkreten politischen Maßnahmen und
Handlungen darf man von euch erwarten, die die Gleichberechtigung und gelebte
Selbstverständlichkeit in Akzeptanz und Umgang mit LGBTQ in unserer Gesellschaft fördern? 

Es gibt noch immer Diskriminierung. Diese muss weg, das sehe ich als Querschnittsaufgabe. Ich sehe
es als Aufgabe Reformbündnisse auf den Weg zu bringen, die dafür sorgen, dass Diskriminierungen
in jedem Fall abgebaut werden. 

L!VE: Sagen kann man viel, der Wert bemisst sich an den Taten… Wie bzw. durch was hast du
dieser geänderten Auffassung auf dem Weg, sozusagen „vom Saulus zum Paulus“, bereits Ausdruck
verliehen? 
Ich habe 2001 einen riesigen Fehler gemacht! Es war der Anfang einer Bewegung, zu der es die
ersten Trauungen gleichgeschlechtlicher Paare gab und ich aus einer Kirmeslaune heraus völlig
idiotische Dinge gesagt hatte. Es gab dazu eine sehr heftige Debatte in der Öffentlichkeit und in
meiner Familie darüber. Insbesondere meine Schwester hatte mich deshalb „sehr hart
rangenommen“, aber auch gute Freunde. Ich habe in der Folge meine Positionierung zu dem Thema
um 180 Grad verändert. In der Zwischenzeit habe ich als Standesbeamter eine ganze Reihe
wunderbarer Trauungen – auch gleichgeschlechtlicher Paare – gemacht, mit Klavier und Gedichten,
worauf ich sehr stolz bin. 

Als Bürgermeister war ich vor zwei Jahren richtig gefordert, als im Rahmen unserer Partnergemeinde
Tuchów in Polen, dort erzkonservative Positionen der PiS-Partei gegen LGBTQ bezogen wurden. So
war auch in Tuchów u.a. die Einrichtung LGBTQ-freier Zonen im Gespräch. Das ist unerträglich und
meines Erachtens fast schon ein Aufruf zu Übergriffen! Wir haben zahlreiche Schwule und Lesben in
unseren Communities, die auch im Rahmen unserer Städtepartnerschaft Tuchow bereist haben.
Deren Sicherheit war in Gefahr, ganz zu schweigen von den betroffenen Polinnen und Polen, die dort
leben und weder frei noch sicher sind. Als ich dazu angeschrieben wurde, ob ich mich hier einsetzen
kann, war klar, dass wir hier zwingend Position beziehen müssen. Das habe ich getan und mit dem
Gemeinderat unsere klare Positionierung beschlossen: Es wird nach 20 Jahren keine offizielle
Städtepartnerschaft mit Illingen mehr geben und auch keine Städtebesuche, wenn Tuchow bei der
offiziellen Position deren Stadtrates bleibt. Ich habe diese klare Haltung auch in einem Brief an den
Stadtrat eindeutig und scharf formuliert. Dieser Brief wurde nie direkt beantwortet, aber Ende des
letzten Jahres kam dann die positive Nachricht der Bürgermeisterin von Tuchow – mit der ich immer
den informellen Kontakt hielt -, dass der Stadtrat nach heftigen Diskussionen von seiner
Positionierung abrückt. Ich bin froh, dass wir das so erreicht haben und es zeigt sich auch die

Wichtigkeit einer klaren Positionierung, dass Diskriminierung unter gar keinen Umständen zulässig ist
und man da nicht nachgeben darf. Wir müssen in Europa auch diese Positionierungen dort vertreten,
wo es nicht nur um Deutschland geht. 

L!VE: Nach 47 Jahren Mitgliedschaft bist du aus der Partei CDU ausgetreten. Du warst damals auch sehr engagierter Wahlkämpfer für deine damalige Parteikollegin Annegret Kramp-Karrenbauer. Sie hat ihre eindeutige persönliche Ablehnung der „Ehe für alle“ bis heute nicht revidiert. Ihres Erachtens fördere das Erlauben der leichgeschlechtlichen Ehe, in der Folge auch die Heirat zwischen engen Verwandten oder eine Heirat zwischen mehr als zwei Menschen. Das sind die Grundlagen zweier Strafrechtsbestände „Inzest“ und „Vielehe“. Diese klare persönliche Haltung hatte AKK zuletzt 2019 bei Sandra Maischberger und Bettina Böttinger erneut bekräftigt und auch nie revidiert.
Solche Äußerungen sind meines Erachtens völlig absurd und ich war auch entsetzt als ich diese
gesehen und gehört habe. Ich verstehe gar nicht wie man solche Gedanken äußern kann. Für mich ist
das völlig abwegig.

L!VE: Als ehemaliger enger innerparteilicher Förderer von AKK war deine Haltung zumindest ähnlich.
Im Jahr 2001 sagtest du: „Trauungszeremonien wird es für Schwule und Lesben in Illingen nicht
geben. Wer schwule Folklore will, soll nach Saarbrücken gehen.“ 
Ja, das war von mir eine schwere Fehlleistung und von mir völlig idiotisch das zu sagen. Wie erwähnt
war das eine Äußerung in einer Kirmesstimmung und manchmal ist es besser länger nachzudenken
bevor man sich äußert. Es war damals zugegebenermaßen auf einer Schiene, bei der ich gestehen
muss, ich habe mir da nicht viel dabei gedacht. Es war für eine wohlfeile Schlagzeile in einer Art und
Weise formuliert, zu der ich heute sage „völlig irre so etwas zu tun. Es war ein schwerer Fehler, für
den ich mich entschuldige und bereits entschuldigt habe.“ Es gab heftige Diskussionen im
Gemeinderat, in der lokalen Presse. Ich habe mit vielen Lesben- und Schwulen darüber geredet, auch
in meinem direkten Umfeld. Inzwischen habe ich viele gute lesbische und schwule Freundinnen und
Freunde. Heute schäme ich mich dafür und frage ich mich selbst: „wie konnte ich das tun?“ Aber ich
habe es getan und kann ja nicht meine eigene Geschichte leugnen. Aber jeder Mensch macht – denke
ich – auch Fehler. Diesen habe ich tief bereut, gleichzeitig hat er mir auch geholfen, weil er mich
sensibilisiert hat. Er hat auch viele Illinger Bürgerinnen und Bürger sensibilisiert, weil daraufhin das
Thema öffentlich sehr präsent ausdiskutiert wurde. Ich denke das hat nicht nur mich persönlich,
sondern auch unsere gesamte Gemeinde weitergebracht. Und das vor 20 Jahren! 

L!VE: Welche abschließenden Worte möchtest du an unsere Leser, Zuseher, Zuhörer aus der
LGBTQ-Community richten? 
Diversity und Vielfalt selbstverständlich zu leben ist für mich ein Schlüsselerlebnis und Anliegen. Ihr
habt mit „bunt.saar“ eine der stärksten FürsprecherInnen alle Diskriminierungen und Vorurteile
gegenüber LGBTQ gänzlich abzubauen.

Ministerpräsident mit Mission

Covid scheint alle anderen wichtigen Themen in den Hintergrund zu drängen. Dabei gibt es auch abseits der Pandemie Problemstellungen, die nicht aus den Augen verloren werden dürfen. Diesen Monat trifft unser Autor Marc Kirch den saarländischen Ministerpräsidenten Tobias Hans in der Staatskanzlei des Saarlandes. Im Perspektivwechsel Gespräch tauschen sich beide über das Thema Vielfalt, Gleichberechtigung und aktuelle Entwicklungen aus.

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L!VE: Der Landesaktionsplan „Vielfalt sexueller und geschlechtlicher Identität akzeptieren – gegen Homo- und Transfeindlichkeit“ definiert Handlungsziele und Maßnahmenplanungen unter Federführung des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Familie. Frau Ministerin Bachmann hat eine interministerielle Arbeitsgruppe zum Statusabgleich und zur Umsetzung der definierten Maßnahmen angekündigt. Gibt es die Arbeitsgruppe schon oder wie ist der aktuelle Status? 

Tobias Hans: Gerade die an der Arbeitsgruppe beteiligten Ministerien sind auch die durch die Pandemie am stärksten belasteten. Daher ist es den Corona-Umständen geschuldet, dass dies noch nicht stattgefunden hat. Wir gehen allerdings davon aus, dass das noch in diesem Jahr erfolgen wird. Dazu wurden die im Landesaktionsplan behandelten Felder bereits ergänzt um die Themen Pflege und Sport. Hierzu hat der LSVD (Lesben- und Schwulenverband) bereits ergänzend zugeliefert und Vorstellungen eingebracht. Die Verzögerungen sind natürlich bedauerlich, aber angesichts der Umstände auch nachvollziehbar. Wichtig und positiv ist aber, dass durch die zwischenzeitlichen Ergänzungen, der Landesaktionsplan auch noch ein bisschen besser wird. Ich bin hier sehr zuversichtlich, dass diese interministerielle Arbeitsgruppe noch in diesem Jahr zusammenfinden kann. Das hat mir Frau Ministerin Bachmann auch zugesagt. 

L!VE: In unserem letzten Interview sagten Sie „Vielfalt wertschätzen und sie als Bereicherung des Lebens sehen – das ist das übergeordnete Ziel des Landesaktionsplans und auch der Arbeitsgruppe. Ist das auch Teil Ihrer neuen Initiative „Mission Saarland“? Was hat es damit konkret auf sich? 

T.H.: Die Mission Saarland ist eine Initiative die ich nicht als Ministerpräsident gestartet habe, sondern als Tobias Hans. Hierbei werde ich auch unterstützt von vielen Mitstreitern aus meiner Partei der CDU. Und ja, „Vielfalt wertschätzen“ spielt auch dabei eine Rolle, weil ich auch konkret wissen will, wo den Saarländerinnen und Saarländern wirklich der „Schuh drückt“. Dabei sammele ich auch Ideen, wie sich unser Land weiterentwickeln kann. Die Botschaft ist, jede Meinung und jede Idee werden gehört. Ich werde diese in meinem Team zusammen auch alle auswerten und schauen, wie wir das in konkrete Politik münzen können. Denn mein Ziel ist es, das Saarland voranzubringen und daran will ich die Bürgerinnen und Bürger beteiligen. Die ersten Rückmeldungen zeigen mir, dass das Thema Vielfalt hier eine große Rolle spielt. Da bin ich wirklich froh und lade alle ein mitzumachen bei der Mission Saarland.

Vielfalt fördern

L!VE: Im Kontext „Vielfalt fördern“: Sind Sie auch persönlich Befürworter der „Ehe für alle“? 

T.H.: Ja, absolut! Ich finde das gut, dass es die Ehe für alle gibt. Denn mir ist es auch wichtig in meiner Politik nicht auszugrenzen, sondern ganz im Gegenteil. Wenn zwei Menschen Verantwortung füreinander übernehmen, etwa für ein Kind, das da ist in der Lebenssituationen Alleinerziehender, in eingetragenen Lebenspartnerschaften, in Patchwork-Familien oder eben auch in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und Ehen. All das sind solche Wertegemeinschaften in denen Verantwortung füreinander übernommen wird. Deshalb unterstütze ich das von ganzem Herzen. 

L!VE: Ein durchaus heikles Thema ist in diesem Zusammenhang die Erweiterung zu Artikel 3 des Grundgesetzes um die „sexuelle und geschlechtliche Identität“. Bei der letzten Abstimmung im Bundesrat diesen Gesetzesentwurf in den Bundestag einzubringen, enthielt sich das Saarland. Das obwohl der saarländische Landtag zuvor einstimmig, also ohne Gegenstimme, beschloss, sich für eine Erweiterung des Artikel 3 um den Begriff „sexuelle Identität“ einzusetzen. Das hat viele Irritationen ausgelöst, insbesondere der LSVD zeigte sich hier enttäuscht und schockiert. Wie stehen Sie persönlich dazu? Sind Sie Befürworter die „sexuelle und geschlechtliche Identität“ durch die Erweiterung unter den Schutz des Grundgesetzes zu stellen? 

T.H.: Wir haben das ja nicht ohne Grund in die saarländische Landesverfassung aufgenommen, weil wir der Meinung waren, dass das ein wichtiges Signal und Botschaft ist. Gleichzeitig muss man natürlich mit Verfassungsänderungen – mit der Änderung des Grundgesetzes auf bundespolitischer Ebene – auch sehr vorsichtig umgehen. Das bedarf einer breit angelegten Diskussion. Uns war es ja im Saarland tatsächlich gelungen, das so breit aufzustellen, dass der gesamte saarländische Landtag das unterstützen konnte. Das ist mir auch weiterhin wichtig. Wir brauchen hier einen Prozess, eine Diskussion, die am Ende dahinführt, dass eine Verfassungsänderung auch in aller Breite mitgetragen wird. Das war bei der von Ihnen angesprochenen Initiative so nicht der Fall. Da gab es in Einzelpunkten noch Diskussionsbedarf und manchmal sind solche Bundesratsinitiativen dann auch Schnellschüsse. Ich glaube das ist ein so wichtiges Thema und eine Veränderung der Verfassung eine breiter angelegte Diskussion braucht. Da wird sich das Saarland auch nicht verschließen, denn – wie Sie eben zu Recht gesagt haben – wir haben bereits vorgelegt und wenn das in diese Richtung debattiert wird, sind wir da sicher auch dabei.  

L!VE: Sie haben erklärt: „Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der kein Mensch aufgrund der sexuellen Identität benachteiligt oder gar ausgegrenzt wird.“ Am 27. März sind Landtagswahlen im Saarland mit Ihnen als Spitzenkandidat der CDU. Wie würden Sie persönlich in einer weiteren Legislaturperiode als Ministerpräsident diesen Wunsch fördern? 

T.H.: Erstmal ist es mir wichtig, die Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen. Wenn ich nach deren Entscheid die Landesregierung nochmal anführen darf, dann werde ich auch einen breit angelegten Dialogprozess starten, weil Bürgerbeteiligung nicht nur vor Wahlen wichtig ist, sondern auch danach. Wir werden dann auch dafür sorgen, dass der Zusammenhalt im Saarland erhalten werden kann. Dieser Zusammenhalt kann nur erhalten bleiben, wenn wir darauf Wert legen, dass Vielfalt und Gleichberechtigung gegeben werden. Das ist mir ein wichtiges Anliegen hier alle mitzunehmen, um auch in Zukunft unseren Zusammenhalt in Vielfalt zu erhalten.  

Mission Saarland

L!VE: Leider ist es immer noch nicht so, dass man im Arbeitsumfeld uni sono selbstverständlich zu seiner Homosexualität steht. Im Spitzensport ist das sogar in manchen Sportarten gar nicht der Fall. Im deutschen Profifußball beispielsweise gibt es bei den Männern innerhalb der ersten drei Ligen bis heute keinen aktiven Fußballspieler, der homosexuell ist. Rein statistisch ist es ausgeschlossen, dass es keinen homosexuellen Spitzenfußballer in den Bundesligen gibt. Jüngst hat sich der Australier Josh Cavallo weltweit als erster aktiver Erstligaprofi öffentlich als homosexuell „geoutet“. Wenn Josh Cavallo nun in den australischen WM-Kader berufen wird, reist er zur Weltmeisterschaft nach Katar, wo Homosexualität strafrechtlich verfolgt und mit bis zu 5 Jahren Haft sowie Peitschenschlägen geahndet wird. Welche Gedanken gehen Ihnen angesichts all dieser Fakten durch den Kopf? 

T.H.: Also, ich habe das „Coming-out“-Video von Josh Cavallo selbst gesehen und ich muss sagen, ich ziehe meinen Hut vor ihm – davor, dass er bereit war ein solches Zeichen zu setzen. Denn wie Sie sagen, kann es ja in den weltweiten Spitzenligen dieser Sportart nicht nur einen aktiven Profi geben, der homosexuell ist. Deswegen hatte ich da auch sehr gemischte Gefühle. Wie gehen wir damit um, dass es in unserer westlichen Welt eine Heldentat ist, wenn man sich als schwuler Mann outet und gleichzeitig Sorge haben muss, dass wenn man im Ausland unterwegs ist – egal ob das Katar ist oder ob das beispielsweise Polen ist, wo es auch LGBTQ-freie Zonen gibt – Opfer von Repressionen wird. Das ist etwas, das uns alle umtreiben muss. Durch den genauen Blick, den die Weltöffentlichkeit nun angesichts der stattfindenden Weltmeisterschaft auf ein Land wie Katar hat, erhoffe ich mir etwas. Nämlich, dass dadurch erstmal verhindert wird, dass Josh Cavallo oder anderen Strafen zuteilwerden, ohne dass sie Unrecht getan haben. Darüber hinaus, dass ein eindeutiges Signal an diese Staaten gesendet wird: „was ihr hier tut, ist nicht rechtens! Was ihr hier macht, ist nicht gut! Was ihr hier macht,  grenzt aus! Und die Gemeinschaft der freien Staaten und die Bürgerinnen und Bürger dieser Länder wollen das nicht!“ Ich glaube, dass so etwas ein Stück weit helfen kann. Und wir müssen als Politik, wenn wir Freiheit und Menschenrechte verteidigen wollen, auch immer nochmal anprangern, wo diese missachtet werden. Das bedeutet nicht, dass wir Polen stigmatisieren, aufgrund deren Erlasse im Land. Im Gegenteil, wir müssen wir die Freundschaft aufrechterhalten. Das ist ganz wichtig! Wir müssen den Staatsführungen dieser Länder ein deutliches Signal senden, dass das gegen unseren Wertekanon verstößt und wer sich so verhält, auch keine Freibriefe bei allen anderen Dingen hat. Da müssen wir ein starkes Signal senden. 

L!VE: Haben Sie auch eine Empfehlung an die Bürgerinnen und Bürger – auch zum Beispiel im Rahmen Ihrer Initiative „Mission Saarland“ – wie sie persönlich in ihrem Arbeitsumfeld, sportlichen bzw. Vereins-Umfeld mit diesen Themen umgehen sollten, um die gelebte Selbstverständlichkeit und Akzeptanz von Vielfalt pro aktiv zu fördern? 

T.H.: Ich glaube es fängt schon beim Umgang miteinander an. Dass wir zum Beispiel darauf achten, wie wir miteinander reden oder auch wie wir in kleinen Grüppchen miteinander sprechen. Dass wir dabei nicht stigmatisieren und dass es ein „no go“ ist, wenn man Witze macht über Homosexualität, wenn man abschätzig ist und wenn man „schwul“ als Schimpfwort verwendet, was leider immer noch auf Schulhöfen und manchen Sportplätzen der Fall ist. Das geht gar nicht! Macht das nicht! Und das muss man allen Bürgerinnen und Bürgern sagen und bewusst machen, dass sie damit gesellschaftlich einen Rahmen der Enge setzen. Dann werden dem Vorbild von Josh Cavallo keine weiteren folgen, auch nicht im kleinen Dorfverein und selbstverständlich sagen „Hey Leute, ich liebe als Mann einen Mann“ oder im Frauenfußball „ich liebe eine Frau“. In allen Gesellschaftsbereichen gibt es unterschiedliche Lebens- und Liebensweisen und da müssen wir alle gemeinsam einen Geist der Offenheit zeigen. Und wo, wenn nicht im Saarland? Denn ich glaube genau das ist im Saarland auch besonders ausgeprägt: dass wir tolerant sind, dass wir offenherzig sind und dass wir alle mitnehmen können. Und das ist meine Hoffnung, dass das auch deutlich wird. Aus den Zuschriften, die ich bisher bereits aus der Mission Saarland erhalten habe, merke ich auch, dass das für Viele auch ein Thema ist. Die Saarländerinnen und Saarländer wollen dieses offene kleine Völkchen sein in Deutschland. Vielleicht gelingt es uns ja, mit dieser Einstellung erneut das Credo zu beweisen: „Großes entsteht im Kleinen“! 

Interview mit Hasso Müller-Kittnau

Am 8. September wurde Hasso Müller-Kittnau das Bundesverdienstkreuz von Ministerpräsident Tobias Hans verliehen. Nach der Bürgermedaille der Landeshauptstadt, erhielt der Saarbrücker nun auch die höchste Auszeichnung der Bundesrepublik für sein Engagement in der Schwulen- und Lesbenbewegung.

In unserer Rubrik „Perspektivwechsel“ zieht unser freier Autor Marc Kirch mit Hasso Müller-Kittnau Bilanz über die Meilensteine des bisher Erreichten und den Ausblick was es noch zu erreichen gilt, insbesondere in der nächsten Legislaturperiode.

Seit 2016 ist Hasso Müller-Kittnau Mitglied im Rundfunkrat und im Programmbeirat des Saarländischen Rundfunks. Fast 30 Jahre war er sowohl im Vorstand des heutigen saarländischen Lesben- und Schwulenverbandes sowie im Bundesverband der Lesben und Schwulen (LSVD) ehrenamtlich tätig.

Zum kompletten Videointerview gehts hier:

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Over the Rainbow …

In unserer Rubrik Perspektivwechsel betrachten wir Themen und Fragestellungen aus dem Blickwinkel queerer Menschen. Die letzten beiden Monate waren gesellschaftlich stark geprägt von der Fußballeuropameisterschaft und dem internationale „Pride Month“ im Juni. So fand auch die „Sport Pride“ statt, mit dem Ziel Sichtbarkeit und Akzeptanz von LGBTQ (Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen) in Amateur- und Profisport zu fördern. Diesem Aufruf folgte unser Nationaltorwart Manuel Neuer und ging bei der Fußballeuropameisterschaft mit leuchtendem Beispiel voran, indem er mit seiner Regenbogen-Armbinde ein klares und unmissverständliches Zeichen dafür setzte.  Dieses klare Statement von Manuel Neuer war der Auftakt einer Reihe kontroverser, zum Teil entlarvender Diskussionen, rund um die (nicht) Haltung der UEFA (Union of European Football Associations).

Diesen Monat spricht unser Autor Marc Kirch über all diese Ereignisse mit Christian Rudolph, dem offiziellen Beauftragten für Vielfalt des DFB (Deutscher Fußball Bund) und LSVD-Vorstand:

Hier gehts zum Interview mit Christian Rudolph

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