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Mel´s Mikrokosmos

Kein Sturm zieht auf

Hallo Mikrokosmonauten: Windstill liebt es sich angenehmer: Kennt ihr diese Situationen im Leben, in denen plötzlich alles auf den Kopf gestellt wird? Im schlimmsten Fall ist das beispielsweise dem Zerbrechen einer vermeintlich großen Liebe geschuldet, einer unerwarteten Job-Kündigung oder einem gebrochenen Bein oder gar Herz. Im weniger schlimmen Fall geht es lediglich um das Entdecken eines Pickels kurz vor dem ersten Date. Wobei das Auslegungssache ist. Für manche von uns ist die Pickel-Sache der worst case. Manchmal gibt es  aber auch Situationen, die unser Leben im positiven Sinne aus den Fugen geraten lassen und von denen wir überzeugt sind, sie ebnen uns den Weg für das schönste Kapitel ever: Die Begegnung mit Mister Right! Dass es sich in den seltensten Fällen tatsächlich um Mister Right handelt, wissen wir zu Beginn allerdings nicht. Wäre ja auch noch schöner. Vorausschauendes Verlieben. Es würde uns vieles ersparen. Andererseits ist es so, dass unser Leben wesentlich langweiliger wäre, gäbe es da nicht jene größeren und kleineren Lieben, die unsere Herzen schneller schlagen lassen, während sie unsere Kopfkissen in Tränen tauchen. Diese Begegnungen, die uns in die Alkohol- und Tablettensucht treiben und die uns dazu bringen, tiefgründige Gedichte zu schreiben, während wir auf dem Balkonsims sitzen und darüber nachdenken, sich nach  dem Verfassen des letzten Vers einfach in die Tiefe zu stürzen. „Sie verfasste ihr berühmtestes und millionenfach verkauftes Werk kurz vor ihrem Ableben. Man munkelt, ihr gebrochenes Herz trieb sie in den Freitod.“. Hach, wie überaus dramatisch! So schön und doch so grausam.

Aber im Ernst: In meinem Leben gab es viele Ups and Downs. Und die Downs trieben mich regelmäßig in ein echtes Gefühlswirrwarr. Verursacht wurden diese überaus theatralischen Zeiten durch schicksalhafte Begegnungen. Natürlich in Form von unflätigen Männlein in ansprechender Kostümierung. Die einen kamen als Gentleman und gingen jedoch als Staatsfeind. Die anderen erschienen mir in glänzender Rüstung und flüchteten in Lumpen. Aber eines hatten sie alle gemeinsam: Sie verursachten ganze Sturmfluten in meinem Meer aus Gefühlen. Heute allerdings frage ich mich: „War es am Ende nur der berühmt-berüchtigte Sturm im Wasserglas?“

Die große Liebe, sagt man, kommt auf leisen Sohlen daher. Nicht laut. Nicht polternd. Kein Feuerwerk. Keine Explosion. Echte Liebe ist sanftmütig. Hätte man mir das vor ein paar Jahren gesagt, hätte ich lachend den Kopf geschüttelt und wäre lebensmüde ins nächste kräftezehrende Liebes-Abenteuer gehüpft, in der Überzeugung, in diesem die einzig wahre Liebe gefunden zu haben. Ich war immer der felsenfesten Überzeugung, dass genau jene vermeintlichen Lieben, die das Letzte von mir abverlangten, mir irgendwann ewiges Glück, eine Hochzeit und fünfzig Kinder bescheren würden. Weit gefehlt! Ich kann mich erinnern, dass ich mich regelmäßig zum Deppen gemacht habe. Ich bin Männern nachgelaufen, habe mein Herz leichtfertig verschenkt, schwor dahergelaufenen Disko-Bekanntschaften ewige Liebe, obwohl ich sie erst zwei Tage kannte. Heute frage mich:

„Warum war ich verdammt nochmal so bedürftig?“

Es ist absurd, aber wenn ich über mein Liebesleben nachdenke, gab es in der Vergangenheit immer ein ewig gleiches Muster. Schnelles Verlieben. Schmetterlinge. Himmelhochjauchzend. Zu Tode betrübt. In den schönsten Momenten erwachte ich morgens bereits mit einem Kribbeln im Bauch und musste nur ein Liebeslied hören, um den ganzen Tag auf Wolke 7 zu schweben. Regelmäßige SMS vom vermeintlichen Traumprinzen taten ihr Übriges dazu. Wurden Selbige weniger, gingen unvermittelt sämtliche Alarmglocken bei mir an. Und so kam es meist, wie es kommen musste. Anfängliche Euphorie wich großer Panik, es könnte alles nicht so kommen, wie ich es mir erhoffte. Und dann begann ich  zu drängeln, was bei einem Mann immer das Gegenteil von dem bewirkt, was man bei ihm erreichen möchte. Eine Achterbahnfahrt folgte der nächsten. Ich verhielt mich jedes Mal wie ein verdammter Teenager – okay, ein verdammter bipolarer Teenager – obwohl ich eine erwachsene Frau war, die es eigentlich nicht nötig hatte. Und irgendwie doch, denn ich glaubte so oft im Leben, dass es ohne Mann nicht geht. Dass ich irgendwie nicht vollständig bin. Bedingt stimmte das vielleicht, aber ich stellte mich jedes Mal dran, als ginge es um Leben und Tod. Und mein Beauty-Doc witterte mit entsetztem Blick auf meine Stirnfalten so ganz nebenbei das große Geschäft, denn seines Erachtens verursachen „zu viele Männer“ auch zu viele Sorgenfalten. Mein Traum von der großen Liebesgeschichte, wie sie die Welt noch nicht gesehen hatte, wurde jedenfalls immer wieder aufs Neue jäh zerstört. Und dann saß ich wieder auf meinem Balkonsims. Ich schrieb traurige Liebesgedichte oder überlegte, wie ich mich möglichst schnell und möglichst schmerzfrei von dieser Welt verabschieden könnte. Eigentlich ein Unding, angesichts der Typen, um die es ging. Die waren nämlich alles andere als Supermänner. Aber ich liebte sie. Alle. Das glaubte ich zumindest. Und zum Glück gibt es auch keine wirklich schmerzfreie Selbstmord-Variante.

Und dann wurde es plötzlich windstill.

„Liebe ist kein Rock n‘ roll. Sie ist leise.“. Bosse weiß das. Ich wusste es jahrelang nicht. Wie liederlich! Warum wusste ich es nicht? Keine Ahnung, aber als ich es erkannte, geriet mein Weltbild plötzlich aus den Fugen. Jedoch nicht so dramatisch, wie wenn ein Zug entgleist oder eine Bombe hochgeht. Als ich auf ihn traf, war alles anders. Es blieb einfach still. Weil es keinen Anlass für Sturm gab. Von Anfang an nicht. Wenn ich auf eine SMS hoffte, kam sie. Und sie wurden nicht weniger. Offen gestanden hatte ich auch nie Angst, sie könnten irgendwann aufhören. Natürlich gab es auch diese kopflose Verliebtheit. Aber sie wurde nie zum Spießrutenlauf. Und ich hatte nie auch nur einmal das Gefühl, sie würde nicht erwidert werden. Ich musste nicht zeigen, wie toll ich bin und was ich alles kann, um gemocht zu werden. Ich wurde es einfach. Egal, was ich tat. Natürlich hätte ich an dieser Stelle auch aufgeben können. Einfach deshalb, weil ich bis dahin immer geglaubt hatte, eine Liebe müsse krachen und kreischen: „Hier bin ich!!“. Und wahre Liebe müsse mich durchschütteln, leiden lassen und um den Verstand bringen. Aber ich hatte Glück. Ich nahm einen anderen Weg als sonst. Und es fühlte sich diesmal irgendwie so leicht an. Ich glaube, der Zustand, des konstanten „unter Strom Stehens“ wäre auf Dauer viel zu anstrengend für den Körper.

Am Ende ist es doch so: Er brachte die Ruhe in mein Leben. Ich habe mich als Mensch zwar nicht verändert, bin immer noch die alte, wilde, chaotische Frau mit dem Hang zum Drama, aber er gibt mir die Sicherheit, nicht abzustürzen oder gar wegzufliegen. Und wenn ich dann doch fallen könnte, ist er mein Netz und der doppelte Boden. Und wer weiß, vielleicht kam er ja selbst aus dem Sturm. Aber es kann jetzt auch egal sein, denn der Sturm hat sich endlich gelegt!

Wer aus dem Sturm heimkommt, der hat Erfahrung. – Isländische Weisheit-

 

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