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Perspektivwechsel beim Völklinger Kreis e.V. 

Foto v.l.: Marc Kirch, Matthias Weber mit Partner Hugo, Kurt Siering mit Partner Frank Fotograf: Marcello Papa

Im L!VE-Perspektivwechsel betrachten wir aktuelle Themen und Fragestellungen aus dem Blickwinkel queerer Menschen. Dazu spricht unser freier Autor Marc Kirch mit Personen des des öffentlichen Lebens aus Kultur, Politik, Wirtschaft, Sport und Gesellschaft. 

Bei dem Berufsverband Völklinger Kreis e.V. wurde bei der Mitgliederversammlung am 8. Oktober 2022 ein neuer Vorstand gewählt. 

Dazu trifft Marc Kirch den bisherigen Vorstandsvorsitzenden Matthias Weber und den neuen Kurt Siering zum persönlichen Gespräch in Düsseldorf. 

Anlässlich der Staffelstabsübergabe sprechen sie über Entstehung, Entwicklung und Mission des Berufsverbands sowie zukünftige Schwerpunktthemen und Positionierung. 

Dabei entwickelt sich ein sehr persönlicher Austausch, bei dem Kurt Siering und Matthias Weber auch offen über deren sehr unterschiedlich erlebte Coming Outs in der Arbeitswelt erzählen. 

Hier gehts zum Videointerview: 

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In Fesseln

Hallo Mikrokosmonauten: Schluss mit den Erziehungsmaßnahmen!

Es ist wie ein Fluch: Wann immer ich meine Smart Watch brauche, sei es, um meinen Schlaf aufzuzeichnen oder wenn ich kurz vor einem kleinen Feierabend-Säufchen.. äh Läufchen bin, zeigt sie mir an, dass der Akku bald leer ist und ich es gefälligst aufladen soll. Wozu gibt mir dieses Teil überhaupt noch Lebenszeichen, wenn es doch eigentlich immer schwächelt? Warum bleibt sie nicht einfach ganzjährlich ausgeschaltet, dann wüsste ich wenigstens, dass man sich zumindest in dieser Sache auf sie verlassen kann! Das Smartphone kann man inzwischen überall aufladen, aber diese blöde Uhr…ich frage mich, warum ich nicht beim konventionellen Chronometer geblieben bin. Und wozu ich überhaupt eine solche Uhr benötige? Eine Uhr, die einem vorgibt, wie viele Schritte man schon gegangen ist und wie viele man noch gehen muss, ist ohnehin ziemlich dreist, oder? Mischt sie sich schließlich in Dinge ein, die einem doch bitte selbst überlassen bleiben sollten! Auf der anderen Seite brauche ich sie aber irgendwie. Schon alleine deswegen, weil es nun mal solche Uhren gibt.

Und schlimmer noch: Ob Smartphone, Computer, Telefon und was-weiß-ich: Allesamt leuchten sie rot, geben komische Geräusche von sich, senden fordernde Signale, wenn sie uns mal wieder zum Gehorsam nötigen. Lade uns auf! Beweg‘ dich mehr!  Ruf zurück! Starte mich neu! Mach ein Update! Ich könnte ewig so weitermachen und komme nicht umhin, mich zu fragen:

„Seit wann lassen wir uns von Technik bevormunden?“

Nun, zumindest meine Bank ist von diesem Scorsese-roten Sollkontostand abgekommen und zeigt meine Miesen jetzt in neutralem schwarz an, was allerdings zur Folge hat, dass ich neulich dachte, ein anonymer Spender hätte meine Stoßgebete in Hinblick auf meinen Kontostand erhört und mir Geld überwiesen. War aber nicht so. Schlimmer trifft es mich jedes Mal, wenn mein Tank auf Reserve umswitcht. Da piepst es regelmäßig aus den Tiefen der Elektrik, als wäre mein Auto Protagonist in Super Mario Kart. Wenn es dann zeitgleich unter 3 Grad Außentemperatur hat, warte ich nur noch auf die Durchsage: “Dieses Fahrzeug zerstört sich in 20 Sekunden von selbst!”.  Oder verlangt es am Ende nur nach Mütze und Schal? Ich kann es nicht richtig deuten, aber was ich kapiere ist, dass ich gegängelt werde und man mich ziemlich unsanft unter Druck setzt. Geh tanken! Mach gefälligst langsam! Mein Auto, der Diktator!

Auf Anraten meines Vaters habe ich mir neulich einen Tracker in mein Auto einbauen lassen, der über eine App mit meinem Handy verbunden ist und mein Fahrverhalten analysieren soll. Je angepasster ich fahre, desto höher fällt am Ende des Jahres mein Bonus bei meiner Autoversicherung aus. Jetzt ist es aber so, dass ich das Ding weder ausschalten noch anderweitig loswerden kann. Es pappt so dermaßen fest an meiner Windschutzscheibe und lässt sich einfach nicht mehr entfernen. Diese App verfolgt jeden meiner Kilometer und meckert natürlich entsprechend, wenn mein Fahrtrend irgendwie von der ihr festgelegten Norm abweicht. Es kam also wie es kommen musste: Auf einer meiner jüngsten Fahrten über die ganzjährlich im Sanierungszustand befindlichen saarländischen Autobahnen verlor ich so dermaßen die Geduld, dass ich das Gaspedal einfach durchtrat. Ich ertrug diese ewige Ermahnung Seitens der App nicht mehr. “Achtung, Sie sind zu schnell unterwegs!”, und “Achtung, ihr Bonus wird weniger, wenn ihr Fahrtrend abweicht!”. Darüber hinaus sind unsere Autobahnen entsetzlich. Ich wollte nur kurzzeitig frei sein! Und da kam es aus dem Nichts: Ein durchdringendes Signal, diesmal rein visuell und knallig rot meine Augen blendend! Im Baustellenbereich geblitzt zu werden ist nicht gut. Diese Tatsache beinhaltet gleich mehrere Erziehungsmaßnahmen. Erstens: Du darfst nicht einfach so fahren, wie es dir passt. Zweitens: Du musst dafür bezahlen! Und last but not least: Schau gefälligst etwas freundlicher während einer Autofahrt. Du siehst viel älter aus als du bist! 

Ich bin es leid! Und ich frage mich: „Bin ich schlecht erzogen?”

Ich brüllte dann neulich einfach mein Smartphone an, als es mir wie so oft zu verstehen gab, dass sein Akku schwächelt. “Meiner auch!”. Allerdings wurde mir schlagartig bewusst, dass etwas nicht stimmte. Denn da saß ich nun mit meinem Telefon in der einen Hand und der Smartwatch in der anderen, hinter mir Alexa, die mir Ratschläge erteilte und vor mir der Fernseher mit Tipps zum Stromsparen. Und plötzlich wurde mir bewusst, dass ich um eben diese Erziehungsmaßnahmen regelrecht bettelte. Ich wollte gegängelt werden! Ich brauchte den Input von sämtlichen Gerätschaften in meinem Umfeld, um halbwegs geradeaus zu laufen. Mein Handy und all die schönen bunten Apps waren im Grunde mein eigenes Ich, komprimiert in unzählige Bits und Bytes. Und plötzlich wusste ich auch wieder, warum ich keine herkömmliche Uhr besaß. Niemals könnte dieser Zeitmesser die Rüpelhaftigkeit einer Smartwatch besitzen. Eine klassische Armbanduhr würde sich niemals erdreisten, mich zu erziehen oder gar zu tadeln für das, was ich bin. Schlussfolgernd wäre diese Uhr viel zu liberal und freigeistig für eine offensichtlich liebend gerne in Fesseln liegende Gestalt wie mich!

Seien wir doch mal ehrlich: Konnten wir es früher kaum erwarten, endlich erwachsen zu werden und dem ständigen “Du darfst dies nicht, du darfst das nicht!” der eigenen Eltern zu entkommen, so hat sich im Erwachsenenleben im Grunde nicht viel geändert. Wir lassen uns die Dinge jetzt halt nur anderweitig vordiktieren. Und wann immer wir uns einer nicht tolerierbaren Grenze nähern, piepst, blitzt oder vibriert es. Im schlimmsten Falle stürzen wir ab und müssen das komplette Level wiederholen. So lange, bis wir es kapieren.

Wann waren wir denn das letzte Mal so richtig frei?

Ich kann mich nicht erinnern, denn überall auf der Welt ist im Grunde Maßregelvollzug. In Maßen zumindest. Selbst wenn ich morgen meinen Rucksack packe und mein restliches Leben campierend durch die Lande ziehen würde, gäbe es Regeln, wo ich mein Zelt aufschlagen darf und wo nicht. Irgendwem gehört schließlich auch der Wald. Und der wiederum macht seine Regeln. Wenngleich die romantische Vorstellung des Wildcampens in Einklang mit der Natur wunderbar erscheint, möchte ich mir nicht ausmalen, wie es da draußen aussehen würde, wäre es allen und jedem gestattet. Ergo braucht es vielleicht doch eine gewisse Erziehung und Regeln? Ich meine, der Mensch handelt seit jeher instinktiv und seiner Natur entsprechend und befolgt er dabei nicht die ein oder andere Verhaltensregel, endet das ganz schnell in Sodom und Gomorrha.

Am Ende ist es doch so: Regeln bestimmen unser Leben. Es liegt aber an uns, wie viel zusätzliche Unterweisung wir benötigen. Es mag Menschen geben, die nur mit Leitfaden existieren können. Die regelrecht darum flehen, dass man sie mit Pflichten belegt. Ein Automatismus entsteht. Ohne geht irgendwann nicht mehr. Ich für meinen Teil brauche auch Regeln, sonst wäre ich wahrscheinlich längst nicht mehr am Leben. Aber ich versuche, den Teil nicht zu verpassen, an dem der Automatismus das Denken ablöst. Ein bisschen Autonomie hat noch keinem geschadet. Deshalb lasse ich die blöde Smartwatch zukünftig einfach zuhause.

Ja? Nein? Jein!

Letztens zauberte die Boulevard-Presse im üblichen Sommerloch wieder einmal eine obskure Sekte aus dem Hut, die zum Jahresende den Weltuntergang prophezeit. Nie war man näher daran zu glauben, dass an solch einer Meldung etwas dran sein könnte als in heutiger Zeit. Hier der dritte weltweite Pandemie-Herbst, dort der erste russisch-ukrainische Krieg und dazwischen das Zweite Deutsche Fernsehen mit einem Helene-Fischer-Konzert, das den Namen „Wenn alles durchdreht“ trägt und in dem die gute Helene uns wissen lässt: „Die Hölle morgen früh ist mir egal“…

Als wäre das nicht schon Anlass genug, sich Gedanken über das Leben, das Universum und den ganzen Rest zu machen, flatterte mir mit der Ankündigung des Weltuntergangs auch noch die Ankündigung einer Hochzeit ins Haus. Glücklicherweise nicht für meine eigene, dennoch kaum weniger erfreulich. Heiraten, das ist wie das Geschlecht wechseln oder Veganer werden eine Entscheidung, nach der das Leben nie mehr sein wird, wie es vorher war. Es mag Zufall sein, dass mich die Bekanntgabe beider Apokalypsen – Weltuntergang und Hochzeit – gleichzeitig erreichten. Aber ich glaube nun einmal zufällig nicht an Zufälle…

Wenn die Apokalypse schon so nah zu sein scheint wie nie zuvor, warum muss ein Mann sich dann kurz vorher noch durch eine Heirat in den Suizid stürzen? Der Teufel wird einem die Hölle noch früh genug heiß machen. Da braucht es vorher nicht noch eine Ehefrau, die das tut. Andererseits wird eine Ehe geschlossen, bis der Tod sie scheidet. Und da man den Weltuntergang kaum überleben dürfte – zumal wenn man statt Geld stets Einkaufswagen-Chips in die Kirchenkollekte geworfen hat – ist das „Ja“ kurz vor der Apokalypse für einen Mann wohl die einzige Möglichkeit, eine Ehe bis zum Ende genießen zu können…

Kein Mann möchte in Sachen Beziehung auf dem Abstellgleis landen, wenn seine Freunde ihn in Richtung Familie überholen. Aber unausweichlich mit Volldampf auf einer Strecke mit letztem Haltepunkt Ehe auf den Abgrund zurasen? Das Traurige an einer Heirat ist nicht einmal das Männerschicksal, dass aus den Eheringen von heute die Handschellen von morgen werden, und dass mit dem „Ja, ich will“ ein einstiger Puma kastriert und zum Schmusekater dressiert wird. Das Schlimmste – zumindest für mich als Freund des Bräutigams – ist der Junggesellenabschied, von dem man als alter Freund leider nicht fernbleiben kann…

Nüchtern betrachtet hat niemand Lust, eines seiner wenigen freien Wochenenden mit einem Haufen Typen zu verbringen, die er entweder nicht kennt oder am liebsten nicht kennen würde. Nur um einem Freund die letzte Ehre zu erweisen und vorzugaukeln, dass sich an seiner Freiheit und an der Männerfreundschaft nach der Heirat nichts ändern wird. Genauer betrachtet sind vermeintlich lustige Junggesellenabschiede nichts anderes als Trauerspiele ohne Happyend. Als würde man mit einem zum Tode durch den Strang Verurteilten bei dessen Henkersmalzeit ausmachen, auch zukünftig weiter gemeinsam abzuhängen…

Was Männerfreundschaften angeht, ist eine feste Beziehung bis zur Hochzeit noch wie offener Vollzug, bei dem Mann bei guter Führung zweimal im Jahr mit anderen Inhaftierten bis Mitternacht Freigang bekommt. Mit dem Verlassen des Standesamtes wird daraus Einzelhaft mit Sicherheitsverwahrung in einem Beziehungsverlies, in dem es keine Möglichkeit mehr gibt, auf Anrufe oder Nachrichten von Kumpels zu reagieren. Kronzeugen, die gegen die Mafia ausgesagt und eine neue Identität bekommen haben, dürfen mehr Kontakt zu alten Freunden haben als ein Mann, der die Steuerklasse 1 verlassen hat…

Dass sich mit einer Ehe etwas ändert, sehen die anderen aus der Männergruppe, mit der ich mich einige Wochen nach der Hochzeitsankündigung auf dem Junggesellenabschied befinde, nicht so. Was wohl daran liegen mag, dass auch sie bereits zum Ja-Wort genötigt wurden. Sie bestehen darauf, dem scheidenden Junggesellen einen würdigen Abschied mit Alkohol und Strapsibar zu bescheren. Denn für Verheiratete wie sie sind Junggesellenabschiede die einzige Möglichkeit, noch einmal den stehend pinkelnden Hengst von früher raus und den Wallach von heute zuhause zu lassen, der nur noch feuchtes Toilettenpapier benutzt…

Um nicht Gefahr zu laufen, im Suff statt heißer Miezen unterkühlte Kühe anzuflirten, die die Braut kennen, steigen Junggesellenabschiede zumeist fern der Heimat in Köln, Düsseldorf oder einer anderen Stadt, in der Mann auf Frauengruppen hofft, die gleichgesinnt um die Häuser ziehen, um sich das andere Geschlecht schön zu saufen und ihr Alltagsleben zu verdrängen. Auf der Bummelbahnfahrt dorthin, auf der man jeden Dorfbahnhof der Eifel kennenlernt, bleibt einem als Mitfahrer genug Zeit sich zu fragen, wie viel Alkohol es wohl brauchen wird, damit man sich am Folgetag an nichts mehr erinnern muss…

Aus Fernsehdokumentationen kennt man Wolfsrudel auf der Jagd. Diese sind nichts im Vergleich zu der Männergruppe, mit der ich an diesem Tag durch die Kölner Altstadt ziehen muss. Mein Alkoholpegel ist irgendwann zwar so hoch, dass ich mich nicht mehr fremdschäme, aber leider nicht so hoch, dass es lustig wäre. Wie Bluthunde ziehen die Familienväter um mich herum durch Kneipen auf der Suche nach Beute. Seit Überziehen des gemeinsamen Partyshirts ist jeder Anstand vergessen und das Hirn auf Standby. Und mit jedem Glas geht die Verwandlung vom leidigen Ehemann zum ledigen Supermann voran…

Egal was an einem solchen Abend passiert, der Ehrenkodex besagt, dass Stillschweigen bewahrt wird. Was vielen wegen ihres Filmrisses nicht schwer fällt. Ich fühle mich derweil wie in der Zombie-Apokalypse und überlege, alle um mich herum zu töten oder zumindest früher ins Hotel zu gehen. Ich habe Angst vor dem Moment, an dem auch mein Alkoholpegel so hoch ist, dass ich die MILFs auf der Tanzfläche attraktiv finde und mich am Morgen danach nicht wegen der vielen Schnäpse übergeben muss, sondern wegen der vielen Selfies mit der weiblichen B-Ware. Glück für denjenigen, der im Suff sein Smartphone verliert…

Ratsam ist es, bei Junggesellentouren seine Mitfahrer zu kennen. Im Mittelpunkt steht natürlich der baldige Göttergatte. Er ist der, dessen Ehe nie zustande kommen wird, wenn Details über den Abend bekannt werden. Er steht so lange im Mittelpunkt bis jeder der Mitfahrer eine weibliche Bekanntschaft gefunden hat und trägt nicht selten ein Kostüm, das ihn wie einen Riesenpenis aussehen lässt. Wegen seiner Aufregung hat er schon früh einiges intus, was dazu führt, dass er später nur aus sozialen Netzwerken erfahren wird, dass ihm in aller Öffentlichkeit seine Beine enthaart, Nägel lackiert und Nippel gepierct wurden…

Schuld an der ganzen Misere ist der Trauzeuge. Er ist der Tour-Organisator und verantwortlich dafür, dass der Bräutigam nicht schlafend auf der Diskotoilette vergessen wird. Er konnte die Heirat bislang nicht verhindern und sieht die Junggesellenfeier als letzte Chance. Er spricht Frauen an, die er nach eigenem Ermessen zum Küsschenverteilen an den Bräutigam weiter gibt oder selbst behält. Von den Frauen der JGA-Teilnehmer wird er später völlig unberechtigt für den einzigen der Gruppe gehalten, der anständig geblieben ist. Seine Erzählungen gelten zuhause – auch wenn sie frei erfunden sind – als die Wahrheit…

Nervig für alle ist der Miesepeter, ein alter Freund des Bräutigams, den man nicht zuhause lassen durfte. Er passt nicht zur Gruppe und will das auch nicht. Entweder weil er den Ort, die Musik oder sich selbst nicht mag. Er trägt als einziger kein Partyshirt und hat an allem etwas auszusetzen. Er ist derjenige, von dem alle froh wären, man würde ihn im Gedränge verlieren. Er verschwindet im Laufe des Abends meist irgendwann von selbst ohne Bescheid zu geben, taucht aber zum Frühstück leider wieder auf. Alle sind sich einig, dass er zuhause bleibt, wenn der Bräutigam noch einmal einen Junggesellenabschied brauchen sollte…

Besonders gefährlich ist jedoch der Stille. Es ist mit Braut oder Bräutigam verwandt, weswegen auch er mitgenommen werden musste. Er ist schüchtern und spricht noch weniger als er trinkt. Er macht Fotos, die auf der Tour niemand sehen darf, später aber in einer Videopräsentation für die Hochzeitsgesellschaft auftauchen. Bräutigam und Trauzeuge haben am Morgen danach meist arge Probleme zu verhindern, dass er von der Gruppe gelyncht wird, da er sich als einziger an jede Peinlichkeit erinnern kann und bereits aussagekräftige Fotos an die Braut gesendet hat, bevor alle aus dem Koma erwacht sind…

Ebendiese Mischung an Typen macht Junggesellenabschiede unerträglich. Und das Kopfweh am Tag danach. Ach wäre die Welt bloß schon vor dem letzten Bier untergegangen. Bis dass der Tod euch scheidet. Ja? Nein? Jein! … gruenetomaten@live-magazin.de.

Patrik Wolf

P.S. Das einzig gesetzlich nicht streng überwachte Glücksspiel ist die Ehe.

Same same but different

Jess Giata und James Boyle: so verschieden und doch auch so gleich. Beide sind echte Hingucker, kommen aus unserer Region, leben für ihre Musik – und mindestens halb Deutschland kennt sie aus dem Fernsehen.

Das Wichtigste aber, hat schon einer der ersten Kommentare auf den Punkt gebracht, den James nach seinem ersten Prime-Time Auftritt im bundesweiten Fernsehen bei Günter Jauch lesen durfte: „Endlich mal ein Saarländer im Fernsehen, der nicht peinlich ist!“  Diese Tatsache lässt sich eins zu eins auf seine Teilnahme bei der aktuellen Ausgabe von „The Voice of Germany“ übertragen, wie auf Jess Giatas Abstecher in die letzte Staffel von „Love Island“ übertragen, weil sie gleichermaßen keinerlei Anlass zum Fremdschämen gab. Das Geheimnis dahinter? Ganz einfach, beide sind sich selbst treu geblieben, waren authentisch und haben sich null verstellt.

Doch damit haben die Gemeinsamkeiten scheinbar erstmal ein Ende, zu unterschiedlich Alter, Geschlecht, Herkunft, Größe, Musikgeschmack und und und … Jess ist ganz klar die angesagteste DJane für Black- und Clubsounds in unserer Region und studiert „im normalen Leben“ in Mannheim Naturheilkunde. James hingegen ist der wohl bekannteste Piercer unserer Region und mit seiner Blues Rock Formation „Honey Creek“ der gefeierte, sprichwörtliche bunte Hund auf den Bühnen zahlloser Konzerte und Festivals. Selbst ihre bemerkenswerte Bildschirmpräsenz fußt auf denkbar unterschiedlichen TV-Genres. Während die 24-jährige, albanisch-stämmige Jess vielen aus einem Dating- und Reality-Format bekannt sein dürfte, kommt der in Los Angeles geborene James mit seinen 54 Jährchen und der Teilnahme an Quiz- und Casting-Show ein gutes Stück weit traditioneller daher. Doch bei allem Unterschiedlichkeiten habe beide ganz ähnliche, interessante Erfahrungen gemacht und da macht es natürlich Sinn, bei einem kleinen Gedankenaustausch darüber ein paar Fragen loszuwerden. Die erste Überraschung gab es dann schon beim ersten Treffen, denn die zwei kannten sich tatsächlich nicht. Das ist allein schon deswegen bemerkenswert, weil sich beide ja auch losgelöst vom Fernsehen in unserer Region einer ansehnlichen Popularität erfreuen

Da ihr euch bis jetzt überraschenderweise gänzlich unbekannt wart, liegt eine Frage sofort auf der Hand: Schaut ihr selbst denn gar kein Fernsehen?

Jess: „Das Ding ist, ich habe tatsächlich eigentlich gar kein Fernsehen geschaut. Erst seitdem ich da selbst dabei war schaue ich schon viel, aber eben nur Trash-Formate.“

James: „Doch schon, aber eher Filme und es kommt immer drauf an, was wann wo läuft, denn bei uns ist das so ein bisschen wie Radio. Wenn zufällig ein Film kommt, der mir gut gefällt, dann finde ich das cooler, als gezielt irgendwo was auszuwählen. So kommt man halt zu Sachen, die man gar nicht mehr auf dem Schirm hatte, was nicht passiert, wenn man selbst auswählt.“

Wie hat euer privates Umfeld reagiert als ihr von euren Fernsehplänen berichtet habt? Bei Dir, James, war ja Deine Tochter durchaus ein bisschen die treibende Kraft zur Teilnahme an „The Voice“?

James „Ja, die wollte unbedingt, dass ich ins Team von Nico Santos gehe, aber der war ja bei dieser Staffel gar nicht dabei. Aber blöderweise war der dann genau an dem Tag, als wir zum Dreh in Berlin waren, zu einem Konzert in Luxemburg, wo eine Freundin von mir, easy eine Meet & Greet für uns hätte klarmachen können. Dafür darf meine Tochter mich jetzt zum Finale von „The Voice begleiten.“

Deine Familie, Jess, war ja eher ein bisschen skeptisch, oder?

Jess: „Anfangs, nach dem ich meiner Mutter und meiner Schwester erzählt hatte, dass ich angeschrieben worden bin, ob ich mir eine Teilnahme vorstellen könnte, wussten die erstmal echt nicht, was sie davon halten sollten. Die waren nicht wirklich sicher, ob das bei „Love Island“ auch wirklich alles so seriös ist, aber ich konnte sie schnell davon überzeugen, dass da alles cool ist und auf jeden Fall die Erfahrung wert. Mir war auch wichtig, dass ich mich nicht verstellen musste oder mich als etwas präsentieren, was ich gar nicht bin. Schließlich haben die dann gesagt, komm, wenn Du es unbedingt machen willst, dann go for it.““

Ihr seid Beide gewohnt vor, Publikum zu agieren, hat das den Umgang mit den Kameras erleichtert?

Jess: „Zu Beginn der Dreharbeiten sind alle schon sehr bewusst damit umgegangen und man versucht sich in seiner Ausdrucksweise zurückzuhalten. Das Ding war, bei uns hingen ja wirklich überall im Haus Kameras, plus vier große Kameras draußen im Garten. Anfangs achtest Du schon darauf und siehst, hier ist eine Kamera, da ist eine Kamera, und wenn Du läufst, verfolgen sie Dich. Da denkst Du Dir schon wie krass das ist, denn selbst auf der Toilette waren ja welche. Da wurde uns zwar gesagt, dass die nichts übertragen würden, bzw. erst nach zehn Minuten mal geschaut wird, ob es uns gut geht, auch wegen möglicher Kreislaufprobleme, da es während der Dreharbeiten ja sehr heiß war. Allerdings gab es auch Szenen zu sehen, wo ich auf der Toilette geweint habe, und da war ich bestimmt noch keine zehn Minuten drin. Da haben die Kameras direkt aufgezeichnet, als ich reingerannt bin. Aber irgendwann ist man vertraut mit der Situation, wird lockerer, und hat sich an Kameras und Mikrofone gewöhnt, ohne sie wirklich zu vergessen. Die Tatsache, dass man 24/7 gefilmt wird, tritt dann schon in den Hintergrund.“

Bei Dir, James, hatte man keine Sekunde den Eindruck, dass Dich die Kameras beeinflussen?

James: „Wenn ich mich tatsächlich mal anders verhalten haben sollte, dann lag das nur daran, das es mir stellenweise in bisschen peinlich war, dass ich kein Hochdeutsch kann. Das war der Grund, warum ich beim Jauch für meine Verhältnisse sehr wenig geredet habe, weil ich deswegen schon nervös war. Jetzt bei „The Voice“ war alles easy peasy, was das angeht. Ich hatte durch die Erfahrungen vorher gelernt, lockerer zu sein, was das angeht.“

War bei der Produktion irgendetwas ganz anders als ihr es erwartet hattet?

Jess: „Ich hatte nicht damit gerechnet, dass das alles ziemlich live ausgestrahlt wurde, also nur einen Tag versetzt. Deswegen wurde uns auch die Handys abgenommen und so mussten zum Beispiel meine Schwester in der Zeit auch alle meine Social Media Accounts managen.“

James: „Ich war positiv überrascht, dass es von Anfang an ganz bewusst hieß, kein Fremdschämen. Uns wurde gleich im ersten Briefing erklärt, wenn sich bei den Blind Auditions keiner umdreht und das euch peinlich ist, dann sagt Bescheid, dann stahlen wir das nicht aus. Es wurden ja auch alle Talents von Psychologen begleitet.“

Gab es auch Moment oder Erfahrungen, die nicht ganz so prickelnd waren?

James: „Da wurde schon auch versucht bei Interviews so manche Dinge rauszulocken, bei denen ich nicht bereit war zu antworten. Vor den Battles, in meinem Fall ja gegen 20jährige Zwillingsmädels, kann die Frage, was ich denke, wer gewinnen wird? Ich hab‘ dann nur gesagt, dass mir das egal sei. Wir drei hatten auch schon vorher drüber gesprochen, dass wir uns gegenseitig unterstützen und pushen wollen. Uns war klar, dass, wenn ich gewinne, liegt das an meiner Erfahrung, und bei ihnen daran, dass sie niedlich waren und schön singen konnten.“

Jess: „Was ich ein bisschen unangenehm empfand, war, wenn man zum Beispiel geheult hatte, man gleich zum Interview gerufen wurde und das dann noch voll unter den Emotionen halten musste. Klar, die müssen gerade sowas liefern, aber das war schon nicht so toll, wenn man geheut hat oder wegen irgendwas noch voll sauer war. Da muss man schon aufpassen, was man sagt und wie man sich ausdrückt.“

James: „Bedeutet das, wenn man nie heult, wird auch nie zum Interview gerufen?

Jess: „Doch schon. Das war ja auch, wenn man Drama macht oder jemand offensichtlich voll gut findet oder um zu fragen, wie man irgendwelche Spiele gefunden hat. Die haben schon versucht, emotionalere Situationen auszunutzen, um Sachen aus Dir herauszulocken.“

James: „Das klingt ja total extrem, denn eigentlich seid ihr ja in einem richtig gechillten Umfeld gewesen, so in einer Villa auf einer Mittelmeerinsel. Konntet ihr überhaupt mal für einen Moment entspannen und die Zeit genießen?“

Jess: „Nicht so wirklich, weil Du ja schon 24 Stunden mit den Leuten da drinnen zusammen bist. Dazu kommt der fehlende Kontakt zu Freunden und Familie – und letzten Endes auch der Verzicht auf Handy, Social Media und so weiter. Halt null Kontakt zur Außenwelt.“

Gab es mittlerweile neue Anfragen oder seid ihr sogar schon zu Wiederholungstätern geworden?

James: „Ich hab‘ inzwischen auch noch an einer weiteren RTL-Show teilgenommen, „The Wheel – Promis drehen am Rad“ mit Chris Tal als Moderator. Ich bin Kandidat in der vierten Folge gewesen, aber leider wurde die Ausstrahlung der Show nach drei Ausgaben abgesetzt.“

Jess: „Ich wurde inzwischen schon wieder angefragt, aber das habe ich abgelehnt, weil ich das Format für mich nicht so wirklich ansprechend fand. Mir war das ein Stück weit too much, weil klar war, dass es da um exzessiven Saufen und Feiern gehen würde und so habe ich dankend abgelehnt. Aber prinzipiell würde ich es auf jeden Fall gerne nochmal machen.“

James: „Bei mir ganz ähnlich, kommt halt immer drauf an, was kommt. Im Augenblick hat für mich die Band Vorrang, weil wir im Gespräch für eine größere Arena-Tour im nächsten Sommer sind, im Vorprogramm einer sehr bekannten Band. Aber sonst bin ich nicht abgeneigt. Vielleicht noch mal eine Quiz, wo man ein bisschen Kohle gewinnen kann (lacht). Von dem Gewinn bei Günter Jauch konnte ich mir ja endlich eine Brille kaufen! Aber natürlich will ich auch Aufmerksamkeit, ich bin immerhin Frontmann in einer Band und auf der Bühne eine kleine Rampensau und nicht unbedingt schüchtern. Also will ich natürlich auch die Publicity, um meine Sachen zu pushen.“

Die Medienpräsenz hat Dir karrieretechnisch auch nicht wirklich geschadet, oder Jess?

Jess: „Auf jeden Fall ist es für mich als DJane ein großen Plus gewesen und es sind bestimmt in der Folge auch einige Bookings wegen „Love Island“ entstanden. Ich war zuerst ja nur hier in der Region bekannter, das hat sich dann schon deutlich geändert.“

Du hast ja im Oktober schon wieder ein Konzert mit Honey Creek gespielt. War da irgendwas anders?

James: „Wenn überhaupt, dann war das gefühlt nur eine Handvoll Leute, die wegen „The Voice“ da gewesen sind. Die meisten waren wegen der Band da und weil sie die kannten und schätzten. Aber dafür haben jetzt alle verstanden, worum es ging, wenn ich zwischendurch so die ein oder andere Anekdote erzählt habe. Die wussten schon, worum es ging. Und das ist dann schon eher mein Punkt: ich bin zu alt, um noch Rockstar zu werden, aber ich kann noch tolle Geschichten fürs Altersheim sammeln.“

Sind aus dieser besonderen Situation heraus auch Freundschaften über den Dreh hinaus entstanden?

Jess: „Definitiv. Trotz allem, was in der Villa passiert ist, irgendwie ist man dann doch Freundschaften geschlossen und ist bis heute in Kontakt. Die Zeit war zwar recht kurz, aber doch sehr intensiv. Mit einem der Mädchen war ich sogar zusammen im Urlaub in Dubai.“

James: „Ja klar, bei meinen Mädels war ich ja fast schon sowas wie der Papa und hab‘ die tatsächlich auch gecoacht. Ihr Part war halt wirklich undankbar und da habe ich ihnen geraten, macht das doch so und so. Vorher hatte ich gedacht, ich komm‘ da an und bin umgeben von hunderten Diven, die ich nicht ausstehen kann, und das war zum Glück nicht so. Klar waren da schon ein paar dabei, die ich jetzt nicht mehr treffen muss, aber die waren eher die Ausnahme. Witzigerweise habe ich gerade erst ein neues Video gepostet und hab‘ gleich aus „meiner“ Gruppe eine WhatsApp bekommen: Hey, lass uns das zusammen machen. Schick‘ mir mal den Text. Es sind auch Veranstaltungen von ehemaligen „Talents“ geplant, bei denen andere mit von der Partie sein werden!“

Wie hat euer Umfeld euch hinterher aufgenommen?

Jess: „Ich bin rausgekommen und hab‘ wirklich nur positive Nachrichten erhalten. Familie und Freunde waren auch sehr stolz und haben gesagt, dass ich mir treu geblieben bin. Nur drei weniger nette Nachrichten waren dabei, aber ich weiß wer die sind. Zwei aus dem Saarland und einer aus Kaiserslautern, die mich eh‘ auf dem Kicker hatten, aber ansonsten alles wie gesagt sehr positiv.“

James: „Bei mir war’s wie erwartet, weil ich ja ganz viele Leute aus der Alternativ- und Künstler-Szene habe. Die haben mich dann schon gefragt: Wie kannst Du nur so einen Scheiß machen? Aber damit hatte ich schon gerechnet, als ich gesagt hatte, ich bin dabei. Doch als dann ein, zwei Ausstrahlungen gelaufen waren, waren die voll dabei. Es gab zwar kein „Ich hab‘ mich geirrt“, aber dafür „Du machst das super“, als die geschnallt haben, dass ich mich nicht verstellt habe und einfach ich geblieben bin. Wenn dann überhaupt noch was Kritisches kam, war das wegen meines Aussehens bzw. meines Outfits, aber das war auch beim Jauch schon so.“

Gibt es irgendwas, was ihr Leuten mitgeben würdet, die auch mit dem Gedanken spielen, im TV dabei zu sein?

James: „Wenn jemand Bock darauf hat, sage ich: mach’s! Es ist zwar anstrengender als es im Fernsehen aussieht, aber gerade bei den Formaten, wo ich dabei war, gilt, die wollen keinen linken oder über den Tisch ziehen.“

Jess: „Für ein albanisches Girl ist es halt nicht so üblich ins TV zu gehen, deswegen ist, was ich den Leuten mit auf den Weg geben will, ruhig mal aus der eigenen Comfort-Zone rauszugehen und sich einfach mal Sachen zu trauen und den eigenen Weg zu gehen. Ich habe auch diesbezüglich positive Kommentare bekommen, dass die Leute meinten, dass sei voll krass, als Mädchen mit albanischer Herkunft da reinzugehen und mich traue, das zu machen. Die würden das auch gerne machen, aber deren Familien würden das niemals akzeptieren. Deswegen bin ja ich auch so froh, dass meine eigene Familie da so open minded ist.“

James: „Meine Familie war schlimmer. Das begann damit, dass mein Vater drei Jahre kein Wort mehr mit mir geredet hat wegen ein paar Ohrringen, einem Nasenring und bunten Haaren. Meine Mutter war Baptistin und mein Vater erzkatholisch, da ging’s schon los. Viele nehmen gerne die muslimische Kultur wegen sowas ins Visier, aber das gibt’s genauso in anderen Kulturen. Mich persönlich hat dann Yvonne Craig, das erste Batgirl, gerettet. Die hat bei uns in der Nachbarschaft gewohnt, war mit uns befreundet, und ihr Sohn hatte lange Haare und auch einen Ohrring. Sie hat dann mal auf einem Familienfest mal drei Stunden intensiv mit meiner Mutter geredet, was genau weiß ich nicht. Aber scheinbar hat Batgirl meine Mutter überredet, mich in Ruhe zu lassen und die hat dann tatsächlich nie wieder ein Wort über mein Aussehen verloren.“

Wäre für euch auch das Genre des anderen in Frage gekommen, also James in der Dating Show und eine singende Jess?

Jess: „Ich kann tatsächlich singen, war auch mal im Kirchenchor und „The Voice“ fand ich schon früher richtig cool, aber ich glaube meine Stimme reicht da vielleicht doch nicht ganz.“

James: “Also, wenn ich Single wäre: Nö! Ich such‘ schon gern meine Partner selbst aus und brauche sowas auch nicht, um meine Schüchternheit zu überwinden.“

Wer DJane Jess Giata einmal live erleben möchte, hat dazu jeden Freitag aufs Neue im Saarbrücker „Seven“ die Gelegenheit und darüber hinaus in Clubs in ganz Deutschland. Honey Creek mit Frontmann James Boyle stehen dieses Jahr nur noch einmal auf der Bühne, dafür aber bei einer ganz besonderen Veranstaltung, einem Benefizkonzert in Illingen am 16. November. Zum Schluss bleibt nur noch: Jess und James, vielen Dank für eure Zeit und ein interessantes Gespräch!

Clubzone November 2022

Achtung, aufgepasst und mitgeschrieben! Das Saarbrücker Nachtleben erreichte in den letzten Wochen ein save rekordverdächtiges Feierlevel. Tatsächlich ging mit dem Oktober und dem jetzt begonnenen letzten Quartal dieses Jahres das nächtliche Unwesen mit extra Schwung in die letzte Runde. Gleich vorneweg kann nicht unerwähnt bleiben, dass insbesondere die Neu- und Wieder-Eröffnungen, allen voran das SEVEN in Saarbrücken, die gesamte Clubzone massiv beschleunigt haben. Aber der Reihe nach, beginnen wir erstmal mit A wie APARTMENT

   Also kopfüber rein ins prächtige, nächtliche rund um die Tanzflächen des besten Bundeslandes der Welt – und am besten gleich dahin, wo traditionell selten langweilig war, ins APARTMENT. Hier hat Party-Eskalation eben eine lange Tradition und entsprechen kurzweilig die Partys im Kultclub im ersten Stock auch in den letzten Wochen. Highlights waren unter anderem die BLACK VIBES und die BEST OF APARTMENT Nächte die freitags an den Start gingen, während samstags mit BACK TO BLACK, CONNECT und MEMORIES insbesondere Mixed Music Konzepte die anwesende Feiermeute überzeugte.

Nebst viel Konfetti und (standesgemäß) total durchgeknallter Deko, trafen sich hier auch im Oktober altbekannte Apartment-Gänger und viele neugierige Frischlinge.

   Ganz weit vorne waren auch im Oktober die Partys an den Hot Spots der Landeshauptstadt, wie zum Beispiel das EGO in der Trierer Straße mit richtig viel zu sehen und zu feiern. Los gings gleich mit Vollgas und der Dancehall, Reggaeton & Hip Hop Party FAVELA x BLACK -LATIN mit unglaublicher Dekoration und jeder Menge Special Effects. Was da jedes Mal an Aufwand betrieben wird, ist absolut sehenswert und verdient jeden Respekt. Auch bei der SAARBROOKLYN Best of Black Nacht wurden praktisch ohne Unterlass wurden Co2-Jets, Konfettikanonen und Nebelmaschinen gezündet und obendrauf gab’s noch DJ Abuze aus Berlin. EGO SATURDAY, CIRCUS und dieStudenten und Abi Party NACHT SEMESTER begeisterten an den folgendene Wochenenden mit Mixed Music, 90er bis heute Hits und den besten Beats von Hip-Hop / House / Deutsch-Rap / Charts, einfach alles wurde gespielt.Selbstredend waren auch wieder jede Menge Gogos am Start und der extracoolen Lounges waren wieder mal extrem begehrt. Bei der etwas anderen Ladys Night WOMANIZED – VICTORIA SECRET EDITION gab es diesmal sogar echte Victoria’s Scret Dessous zu gewinnen. Den vorläufigen Abschluss bildete dann die MOULAGA mit feinsten Dancehall, Afro & Black Beats.

   Die wahrscheinlich spektakulärste Nachtdieses Monats hat das neu wiedereröffnete SEVEN abgeliefert.Absolut geisteskrank, was sich da beim Gastspielvon DJ Jeezy abspielte. Schon vor der Tür herrschte die ganze Nacht Ausnahmezustand, aber das SEVEN nutze die Gelegenheit auch hier seine Ausnahmestellung unter Beweis zu stellen. Denn für die Massen der Wartenden und zu spät gekommenen war extra ein mobiler Pizza-Food Truck organisiert worden, der die Menschenmenge, die bis in den frühen Morgen einfach nicht kleiner werden wollte, wenigstens mit leckersten Spezialitäten des Restaurants LA TROPEA am Schanzenberg versorgte. Das war wirklich echter Dienst am Kunden mit drei Sternen! Aber natürlich fand der eigentliche Abriss drinnen statt. Falls jemand echt nicht gewusst haben sollte, warum Jeezy als der beste Black DJ der Stunde gilt, wurde der im gnadenlosen Turnup im Handumdrehen aufgeklärt. Die ganze Nacht eine einzige Eskalation! Absoluter Spitzenwert! Überhaupt hat sich das SEVEN in Nullkommanix an die Spitze des Nachtlebens gespielt und man muss dem neuen Team neidlos zugestehen: alles richtig gemacht! Das gilt natürlich auch für die anderen neuen Konzept, die hier in den letzten Wochen an den Start gebracht wurden und mit Residents wie DJane Jess G, Greg 51 und Kasimir ist definitiv für den richtigen Sound für die nächsten Abfahrten gesorgt. Die nächste Ausnahmefeierei ist auch schon in Sichtweite, GIRLS WANT GIRLS am 19.11., das kann ja heiter werden!

   Der SOHO Club Saarbrücken beendete den Monat Oktober mit einer neuen Ausgabe der WYLD Party und vorallem der Halloween-Sause SOHO GEISTERHAUS. Details dazu gibt’s hier aber wegen unseres Redaktionsschluss erst nächsten Monat. Wir können aber jetzt schon verraten, dass die Leute  immer alles, was das Clubber-Herz begehrt, schwungvoll serviert bekamen. Specials und viele Überraschungen komplettierten jede der exzessive Partys. Aber der Feieramok hatte in der Kaiserstraße ja schon zu Monatsanfang begonnen. Den Anfang machte die SOHO BLAULICHTPARTY. Nicht nur die Blaulichtarbeiter, sondern auch alle Freunde und natürlich die SOHO-Stammgäste feierten als gäbe es kein Morgen. Es war ein legendärer Abend, der hoffentlich schon bald in seine nächste Runde geht. SOHO FRIDAYS und COLLEGE CLUB die Studentenparty in Saarbrücken lockten Freitags genauso Unmengen an Studenten ins SOHO wie die Sing-Along Party BREAKING FREE. Studentische Getränke und Eintrittspreise sorgten Woche für Woche für eine ausgelassene Stimmung und das SOHO DJ Team ließ die feiernde Meute auf der Tanzfläche richtig abgehen. Unbedingt selbst vorbeikommen, denn es ist wirklich schwer, diese Eskalation in Worte zu fassen.

   Die GARAGE ist ja seit Jahrzehnten ein Stückweit ein echtes Unikum im saarländischen Nachtleben. Unbeeinflusst vom ganzen Tohuwabohu von anderen Clubs im Bestreben ständig den Zeitgeist zu überholen, wird hier ganz entspannt Geschichte geschrieben. Das gilt natürlich für zahllose, legendäre Konzerte, die hier über die Bühne gingen, aber eben auch für Ausnahme-Partykonzepte die hier realisiert wurden, wie die WARMEN NÄCHTE, um nur ein Beispiel zu nennen. Jetzt ist dem GARAGE-Team ein neuer Geniestreich gelungen die ROLLER DISCO, ganz aktuell im Oktober die Halloween-Edition mit DJ Nick Dave & The Bad Beats an den Reglern. Die Party war ganz klar, genau schon wie die Premierenausgabe im September, ein absolutes Muss für alle, die sich am liebsten auf Rollen unter den Füßen fortbewegen. Endlich hatte nämlich die lange vermisste aber niemals vergessene Rollschuhdisco endlich wieder ein Zuhause Saarbrücken gefunden. Das Publikum war eine absolut hinreißende Mischung aus Kindern der 80er und „Stranger Things“ Fans. Dabei hat es überhaupt keine Rolle gespielt, egal ob man zum ersten Mal auf Rollen stand oder absolute Jam Skate Profis am Start waren. Die nächste Gelegenheit bei Ausgabe Nr. 3 gibt es übrigens schon am letzten November-Freitag, als rein in die Special-Outfits Outfits und bei toller Musik eintauchen toller Musik in echte Rollerdisco-Atmosphäre. Die Gelegenheit ein vielleicht neues oder alt vergessenes Hobby zu entdecken!

  Fast genauso viele Partynächte hat eindeutig das BLAU auf dem Buckel, das damit zu den dienstältesten Locations in unserer kleinen Metropole gehört. Fast 23 Jahre ist der Schwitzekeller jetzt am Start, ohne dass der allwöchentliche Wahnsinn auch nur ansatzweise nachzulassen scheint. Okay, die Specials am Tresen spielen natürlich auch eine Rolle, aber wer einmal im BLAU mitgefeiert hat, weiß dass es einfach die Mischung macht. Und mit Partys wie dem unkaputtbaren DER DONNERSTAG IST BLAU, dem MISCHMASCHCLUB oder dem UTOPISCHEN DEUTSCHRAP TURNUP war auch jetzt im Oktober für jeden Geschmack was dabei und es steht glücklicherweise zu befürchten, dass sich das auch die nächsten 23 Jahre nicht ändert!

In diesem Sinne, take care  

J.K.T

Wie sieht es denn mit queerem Deutschrap aus?

Im „L❗️V E – Perspektivwechsel“ bespricht unser freier Redakteur Marc Kirch regelmäßig LGBTQ-relevante Themen mit Interviewparter*innen aus Politik, Kultur und Wirtschaft.

🏳️‍🌈🏳️‍⚧️In diesem Monat stellt er die Frage: „wie sieht es denn mit queerem Deutschrap aus?“

Der anerkannte Musikjournalist Falk-Schacht

gibt in seiner Audiopodcast-Reihe darauf ausführliche Antworten und Einblicke.🏳️‍⚧️🏳️‍🌈

QUEERER DEUTSCHRAP mit Falk Schacht auf Spotify: https://open.spotify.com/show/2jY2upURAphix8Pen577Z6

Klare Empfehlung: Reinhören! 🔊🎧

Gesicht des Monats – James Boyle

Gesicht des Monats – James Boyle

Ganz egal, wer am Schluss die aktuelle Staffel von The Voice of Germany gewinnen wird, für uns ist der Wahl-Saarbrücker James Boyle jetzt schon ganz klar der Sieger der Herzen – und natürlich unser „Gesicht des Monats“. Allein schon, dass er auf die Frage, wo er denn herkäme, nicht Bezug auf seine amerikanische Heimat genommen hat, sondern einfach „aus Saarbrücken“ geantwortet hat, macht ihn zu unserem Helden! Der unverwechselbare Piercer mit dem langen Bart und den riesigen Ohrläppchen gehört schon lange zu den bekanntesten und sympathischsten Saarländern und das auch losgelöst von seiner kleinen TV Karriere in Günther Jauchs „Wer wird Millionär“ und jetzt eben bei „The Voice“. Dies liegt nicht zuletzt an seinen Aktivitäten in der Musik- und Bandszene an der Saar von Sly & Boyle bis Honey Creek. Dort hat er, genau wie jetzt im Fernsehen, ungezählte Male seine packende Bühnenpräsenz eindrucksvoll unter Beweis gestellt und Publikum begeistert. Das tut er jetzt nach überstandener erster Runde im Team Mark Forster auf seine eigene, unverwechselbare Art und da spielt es auch keine Rolle, ob er die Battles oder Sing-Offs übersteht.

Clubzone Oktober 2022

OMG, was war das für ein grandioser Spätsommer in Sachen Feierei und Ringelpietz! Vollkommen egal, ob es an dem über weite Strecken fantastischen Wetterchen lag (das Septemberende lassen wir mal außen vor) oder ob einfach alle nur so mehr Spaß hatten, die letzten Wochen waren echt wieder granatenstark. Ohne Rücksicht auf Verluste wurde in den Clubs und Discotheken genau so heftig zu Werke gegangen wie in den Off-Locations im hippen Osten der Stadt. So langsam hat das Partytreiben in unserer kleinen Metropole trotz nasskalter Witterung aber so richtig an Fahrt aufgenommen. Auch ganz ohne Festivals und andere sommerliche Zusatzbespassungen verging kaum ein Tag ohne Extraspaß. Mit dem September ging es auf in die alljährliche Hochsaison der nächtlichen Feierei eines Partyjahres, das wahrlich nicht arm an abgefahrenen Exzessen war und natürlich machten auch die letzten Wochen keine Ausnahme. Nur allzu gerne würden wir hier jetzt noch über die ersten der zahlreichen saarländischen Oktoberfeste lästern und ausschweifend der üblen Nachrede frönen, aber obwohl es mit Sicherheit jede Menge eindeutig zweideutiges und pikantes Material gäbe, müssen wir leider passen. Mit Müh’ und Not können wir uns gerade noch daran erinnern, dass das OKTOBERFEST in St. Ingbert vom ersten Moment wieder der absolute Hammer war, danach ist allerdings Fehlanzeige was das redaktionelle Partygedächtnis angeht. Von daher beginnen wir lieber mit Feiereien, die unvergesslich waren – zumindest soweit wir uns erinnern können.

Der SOHO Club startete im September mit seinem REOPENING Wochenende so richtig durch. Dort bekamen die zahlreichen Gäste komplett auf ihre Kosten. Specials wie Welcome Shots, Konfetti, und viele weitere Überraschungen komplettierten diese exzessive Nacht. Am REOPENING-ALL IN ONE Samstag wurde noch einer draufgelegt, denn nach über zehn Jahren haben sich das SOHO Team entschieden, die ALL IN ONE Partys für Jedermann & Jederfrau zugänglich zu machen. Der Austausch unter Generationen verband das Beste der Geburtsjahre. Eine Party, die Vortrinken, die Vorfreude auf Freunde treffen, neue Bekanntschaften machen, wilde Tanzorgien, lautes Mitsingen und die Afterhour vereint. So wurde gemeinsam ein Meilenstein in der Eventlandschaft der Saarmetropole gelegt. Dem standen dann auch die BREAKING FREE Party und die SPÄTSCHICHT nur eine Woche später in nichts nach. Aber der Feieramok kannte in der Kaiserstraße den ganzen Monat über keine Gnade. Die mega Abfahrten DRIP & TRAP, WYLD und MALLORCA CLOISING machten sofort klar, dass hier mit dem Spaß Ernst gemacht wird! SOHO FRIDAYS, die Studentenparty in Saarbrücken lockte natürlich auch wieder Freitag für Freitag Unmengen an Studenten ins SOHO. Studentische Getränke und Eintrittspreise sorgten Woche für Woche für eine ausgelassene Stimmung und das SOHO DJ Team ließ die feiernde Meute auf der Tanzfläche richtig abgehen.

   Einen noch massiveren Neustart legte SEVEN, das ehemalige ONE-ELEVEN, hin. Komplett überraschend hatte sich der Laden nämlich Anfang September mit der Monster-Abschiedsausgabe des MÄDELSABEND verabschiedet und sich mit dieser Ausnahme-Feierei bei seinen Gästen bedankt. Gleichzeitig wurde aber bei der Gelegenheit auch bekannt gegeben, dass nach Betreiberwechsel und aufwändigem Make-Over noch Ende des Monats wiedereröffnet wurde, dann allerdings mit neuem, altem Namen – das SEVEN ist nämlich wieder da. Schon die Premierennacht mit einer neuen TRAPSOUL Ausgabe machte klar wo der Partyfrosch künftig die Locken hat! Auch der Längste-Schlange-Rekord ging eindeutig an SEVEN. So konnten sich die Saarbrücker Feiergemeinde gleich in Massen davon überzeugen, was hier in Rekordzeit auf die Beine gestellt wurde. Komplett neues Layout bis hin zu sehr cleveren Details zeichnen den Laden fortan aus, der technisch ohnehin schon zur ersten Liga im Saarland gehört hat.

   Im EGO war auch in den letzten Wochen wieder Ausnahmezustand angesagt. Mit massiv befeierten und vielfältigen Partykonzepten wurde die Latte noch ein bisschen höher gelegt. Bei viel Konfetti und immer wieder neuen Dekoideen, trafen zahllose EGO-Stammgäste auf immer mehr neue Freunde. Ein besonderes Highlight im September war die neue Ausgabe der LEVEL Part, diesmal mit DJ Flash aus Belgien als Headliner. Aber auch in anderen Nächten wie EGO SATURDAY oder WOMANIZED rissen die besten DJs rissen die legendäre Location in der Trierer Straße komplett auseinander und ließen die Gäste mal so richtig ausrasten zu den fettesten Hits. Abgesehen von diesen Special Events haben die EGO Macher Jungs auch sonst nicht vergessen, welcher Drink am meisten gefeiert wird – und diesen bei der SUNGLASSES Nacht powered by JÄGERMEISTER entsprechend gewürdigt. Und als Bonus gab es für die ersten 100 Gäste eine eigene Sonnenbrille zum Selbstbeschriften und einen Jägermeister Shot for free. Natürlich gehörten beste Beats von der ersten Riege Saarbrücker Tonkünstler den ganzen Monat zum Pflichtprogramm und die DJs sorgten je nach Motto und Konzept mit einer Mischung aus allerlei Tanzbarem für die richtige Stimmung. Damit hat das EGO seinen festen Platz ganz vorne im Saarbrücker Partykalender immer wieder aufs Neue erobert. Das kann ja heiter werden im Oktober!

      „Wo sind die Hände?“ So würde APARTMENT Gründer und Legende des saarländischen Nachtlebens DJ Thomas den September in seinem Stadtwohnzimmer beschreiben. Nicht nur, waren es extrem geile Partys, sondern vielleicht auch das abgefahrenste Publikum des Landes! Die letzten Wochen ließen kein T-Shirt trocken! Doch nochmal zurück zu Thomas selbst, der hat nämlich so manch einen DJ-Jüngling in die Ecke spielt. Denn wer schon so lange dabei ist wie er, muss sich DJ-technisch hinter niemandem verstecken! Außer ihm gab es aber auch noch jede Menge andere Dinge, die im SEPTEMBER im Apartment richtig zur Sache gingen. Die BLACK VIBES zum Beispiel ging richtig steil an die Decke, genauso wie die neue Partyreihe HEAT richtig fett abräumte. Alle Abende waren natürlich speziell dekoriert und die ganzen Räumlichkeiten des APARTMENT umgestaltet. Und es wurde freitags sowie samstags zügellos getanzt, angeschaut, verliebt, geknutscht, gestritten, getrennt, wiedergefunden und zu guter Letzt auf ein Neues verliebt. Im APARTMENT wird das ein heißer Herbst!

   Die Ü30 WHITE NIGHT in der ALTE SCHMELZ hat sich längst seinen festen Platz im saarländischen Nachtleben erfeiert. Das galt natürlich auch für die Septemberausgabe mit DJ Foggy und Schotti Karotti Und alle Erwartungen wurden erfüllt: Volle Hütte, grandiose Musik, leckerste Getränke und die allseits bekannte, ausschweifende Ü30 PARTY Stimmung à la ALTE SCHMELZ machten den Abend zu einem vollen Erfolg. Getanzt wurde dabei natürlich wieder auf zwei Floors: Während auf dem Mainfloor aktuelle Clubsounds die Massen eskalieren ließen, sorgte auf dem kleinen Floor Kult-DJ Günni mit seinem beliebten Partymix aus Disco Fox, Rock’n’Roll, Latino und Freestyle für Megastimmung bei der tanzenden Meute sorgte. Das nächste Highlight gibt‘s dann gleich am ersten Oktoberwochenende Ende Oktober mit den TECHNO CLASSICS in der Ü30 PARTY Version. Und auch da wird sich sicher keiner über zu wenig Hits beklagen können – im Gegenteil!

   Aber nicht nur in Saarbrücken und St. Ingbert wussten sie, wie man die Nacht mit Nachdruck zum Tage macht. Jetzt kann die Gemeinde Riegelsberg zwar nicht unbedingt mit einer lebendigen Clubszene aufwarten, um es vorsichtig zu umschreiben, aber dafür haben die Einwohner von Bar Hill City das RIEGELSBERGER MARKTFEST. Denn das ist jedes Jahr ein mehr als adäquater Ausgleich und strotzt vor brutaler Partypower. Das fängt schon mal mit den Ständen an, die nicht von irgendwelchen anonymen, fahrenden Händlern betrieben werden, sondern von lokalen Vereinen und Geschäftsleuten. Von der Stimmung, die so Jahr für Jahr mit Leichtigkeit generiert wird, sollten sich so manche Altstadtfeste in wesentlich größeren Ortschaften ruhig mal eine Scheibe abschneiden. Allein die oberfette Bühne mit Monsteranlage, die da regelmäßig hingestellt wird, sind schon fast beispiellos und wahrscheinlich sind die Band am Freitag oder der DJ am Samstag noch bis weit hinter Heusweiler zu hören. So geht Stadtfest und wir freuen uns jetzt schon auf nächstes Jahr!

In diesem Sinne, take care    J.K.T

Von der Angst vorm Verlust

Hallo Mikrokosmonauten: King Charles wäre auch lieber Kind Charles

Die Queen ist tot. Und mit ihr geht gleichzeitig eine Mutter, Großmutter und Urgroßmutter. Unabhängig davon, wie sich Charles jetzt als König fühlen mag, möchte ich gar nicht wissen, wie verloren er sich als Sohn fühlen muss. Man sagt: „Sobald die Eltern gegangen sind, ist man kein Kind mehr.“. Egal, ob du zwanzig, dreißig oder siebzig bist: Solange du noch Mutter oder Vater hast, bist du noch „das Kind von…“. Wie schwer es wird, wenn dies nicht mehr so ist, kann ich mir kaum vorstellen, denn in meinem Leben hat eine Abnabelung von den Eltern nie so ganz stattgefunden. Die Verbindung ist sogar so stark, dass ich meine Wohnung im elterlichen Heim nie aufgegeben habe und immer wieder dorthin zurückkehre, egal, wo ich mich zuvor herumgetrieben habe. Meine Eltern, mag ich sie noch so oft in meinem Leben verflucht haben, sind mir das Wichtigste in meinem Leben.

Es könnte alles so schön sein, wäre da nicht diese Verlustangst, die mich seit einiger Zeit plagt. Wir werden älter und die Zeit bleibt nicht stehen. Und Jahr um Jahr vergehen und das Altern geht an Niemandem vorbei. Ich akzeptiere das nicht! Ich möchte am liebsten, dass alles immer so bleibt, wie es ist. Bloß keine Veränderung, zumindest im inneren Zirkel meines flauschigen Familienclubs. Keiner soll mehr altern. Und keiner soll sterben. Manchmal bete ich es wie ein Mantra vor mich hin: „Lass bitte alle gesund bleiben!“.

Bis jetzt hatte ich Glück. Großes Glück sogar. Niemand in meinem unmittelbaren Umfeld hat es in den letzten Jahren erwischt. Mit Ausnahme meiner Katze um die wir ausgiebig trauern konnten, denn trauern will ja auch gelernt sein. Aber alles in allem bin ich unglaublich dankbar, dass wir alle gesund sind, noch viel lachen und noch viel mehr streiten können. Für diese Dinge braucht man Kraft und Leidenschaft und solange man das noch hat, ist man auch gesund und vor allem noch nicht tot! Und dennoch überlege ich ständig, wie man diese blöde Vergänglichkeit einfach eliminieren kann. Wurde dafür eigentlich schon ein Gerät erfunden? Eine Medizin? Eine Formel? Und wieder einmal wird mir klar: Ich bin gefangen zwischen Dankbarkeit und Angst.

Mein Leben ist schön. Schöner wäre es nur noch mit ein paar Millionen auf dem Konto und ewiger Jugend für mich und meine Lieben. Ich mag dieses Leben unbedingt weiterleben, aber doch nicht unter diesen Voraussetzungen, die die Natur geschaffen hat. Alter, Krankheit, Tod – das ist doch alles scheiße! Wer will so etwas denn?  Meine Familie ist das, was ich bin und ich mag kein Ende und keine Verabschiedung. Und vor allem mag ich mich nicht von meinem Titel als „Kind“ verabschieden.

Charles ist jetzt König, aber dass er den Titel „Kind“ verliert, muss ihn doch bestimmt hart treffen! Ab jetzt ist er erwachsen. Endgültig. Mit über siebzig zwar, aber diese Tatsache schmerzt ungemein, da bin ich mir sicher. Und es geht nicht darum, dass Mama dich ab jetzt nicht mehr tadelt, wenn du dein Zimmer nicht aufgeräumt hast. Oder dir mit ihrem Spucke-getränkten Taschentuch den Dreck von der Wange wischt. Wobei ich mir bei Lisbeth schwer vorstellen kann, dass sie das bei Charles jemals gemacht hat. Generell geht es um viel mehr! Es geht darum, dass man ab jetzt definitiv ohne elterlichen Beistand durch die Welt gehen muss. Oder um es unverblümt auszudrücken: Du rückst jetzt nach und wirst als nächstes gehen! Wie erschreckend!

Deshalb habe ich Angst

Ich habe Angst, dass andere gehen müssen, und dass ich dann irgendwann gehe. Aber zuallererst habe ich Angst, dass ich meinen sicheren Hafen verlieren könnte, die Eltern, die Katzen oder den Partner. Wie einen Geist soll man, so habe ich gehört, die Anwesenheit der Angst anerkennen und mit ihr kommunizieren lernen. Ignorieren wäre auch falsch, weil Geister ebenso wie Angst sich nicht einfach so vertreiben lassen. Im Grunde sind beide recht nervige Zeitgenossen. So nervig, dass ich mir neuerdings „Grübelstunden“ in den Tag einbaue. Ab einer gewissen Uhrzeit setze ich mich hin und denke nach. Ich versuche es zumindest, denn Angst, muss man wissen, hält sich nicht unbedingt an Zeiten. Eigentlich kommt Angst immer zu früh oder zu spät und ist eigentlich nie zur rechten Zeit am rechten Ort. Oft kommt sie sogar mitten in der Nacht, wenn man eigentlich schlafen will. Da ich das so nicht mehr hinnehmen kann, rufe ich die Angst in meinen Grübelstunden und hoffe, dass sie kommt. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich von Natur aus ziemlich neurotisch bin und diese Vorgehensweise wohl nur Menschen verstehen, die mindestens genauso drauf sind. Also zurück zur Grübelstunde. Ich schreibe dann all meine Ängste auf. Wenn man Dinge aufschreibt, ist das manchmal so, als würde man sie ordnen. Man ordnet sie, steckt sie in Schubladen und schließt diese. Somit hat man sich mit der Angst auseinandergesetzt, ihr die nötige Aufmerksamkeit geschenkt, die sie einfordert und sich von ihr verabschiedet. Fürs erste zumindest.

Verlust entwurzelt

Für jeden kommt irgendwann der Punkt, an dem er sich von jemandem verabschieden muss. Neulich hörte ich von einer Bekannten, deren Vater urplötzlich verstorben war. Sie hatten ein inniges Verhältnis gehabt und für sie war es ein unglaublicher Schock. Und kurioserweise auch ein Neubeginn. Ihr wurde auf einmal bewusst, dass ihr Vater immerzu gearbeitet hatte in seinem Leben. Er hatte geschuftet und sich krumm gelegt für ein einigermaßen annehmbares Dasein. Und dann starb er einfach so. Für sie war klar, dass sie niemals daran anknüpfen würde. Und dass sie etwas ändern musste, um sich ihr restliches Leben so angenehm wie möglich zu machen. Die Sichtweise auf manche Dinge änderte sich. Im Grunde hatte dieser Abschied sogar etwas Gutes, wenngleich der Mensch in größter Not das untrügliche Talent besitzt, oft noch etwas Positives rauszuziehen, als müsse er sich selbst beruhigen. Katzen schnurren nicht nur vor Wohlgefallen sondern auch, wenn sie Schmerzen haben, denn diese Geräusche wirken auf sie entspannend. Menschen beruhigen sich, indem sie anfangen, zu eruieren, zu relativieren und zu optimieren. Es könnte schließlich immer noch schlimmer sein. Und wenn es schon schlimm ist, warum sollte man dann nicht gleich alles ändern? Für meine Bekannte änderte sich ihr komplettes Leben. Bis zu diesem Zeitpunkt war ihr nie so klar gewesen, dass sie ein Messie war, zu viele Dinge in ihrer Wohnung hortete und Angst hatte, diese zu entsorgen. Nachdem sie sich von ihrem Vater verabschiedet hatte, sagte sie auch den meisten ihrer Sachen Adieu und lebte fortan minimalistisch.

Also eines steht fest: Ob Verlust des Wohlstands, der Kontrolle oder der persönlichen Habseligkeiten – Alles kann ich ertragen, aber meine Familie gehört zu mir und ich werde sie und vor allem meinen Titel mit allem verteidigen, was ich habe. Ich will das „Kind von“ bleiben! Und wenn diese scheiß Verlustangst irgendeinen Einwand hat, bekommt sie es mit mir zu tun!

Zuhause mit Zombies

Immer wieder wurde die Menschheit von Krankheiten heimgesucht. Früher waren es Pest und Cholera, heute sind es Corona und TikTok. Auch wenn nach und nach Mittel gegen die meisten von ihnen gefunden wurden, ist es bislang nicht gelungen, eine der größten Gottesgeißeln auszurotten. Die Rede ist nicht von Covid, AIDS oder einem anderen Virus, sondern von einer Pandemie, die seit Menschengedenken täglich unzählige Opfer fordert. Wir sind ihr hilflos ausgeliefert, denn Impfungen gibt es nicht. Einzige Hoffnung ist, immun zu werden, sollte man sie überstanden haben. Sie kommt über Nacht und verändert Körper und Geist. Nach ihr ist nichts mehr wie es war: die Pubertät…

Neben der Dummheit ist die Pubertät die am weitesten verbreitete Seuche auf Erden. Sie bewirkt, dass aus süßen Kindern, die mit einem Dino im Auto sitzen und Vögel gerne mögen, in kürzester Zeit verbitterte Teenager werden, die mit einem Dildo im Auto liegen und gerne Vögeln mögen. Es scheint, als wären alle Regeln und Sitten, die einem die Eltern über Jahre beigebracht haben, von jetzt auf gleich weggeblasen und durch das Gegenteil ersetzt. Mütter werden bestätigen, dass die Schmerzen der Geburt nichts gegen die Schmerzen sind, die es zu erleiden gilt, wenn der eigene Spross in der Pubertät steckt, die der Metamorphose einer Raupe zum Schmetterling gleicht; nur eben umgekehrt…

Alle Eltern sehen dem Tag mit Schrecken entgegen, an dem ihr Kind am Morgen das Haus mit einem Kaugummiautomatenring am Finger und einer Packung Tempos verlässt und es am Abend mit einem Metallring in der Nase und einer Packung Tampons wieder betritt. War der Streuselkuchen eben noch in der Pausenbrotbox des Nachwuchses, ist er plötzlich in dessen Gesicht. Bunte Kritzeleien auf den Armen von Sohnemann oder Töchterchen stammen auf einmal nicht mehr von Buntstiften, sondern vom Tätowierer. Gestern noch mit den Nachbarskindern auf der Wiese, heute schon mit ihnen auf Gras. Nur noch die Kinderfotos an der Wohnzimmerwand erinnern an glückliche Zeiten…

Wie Gremlins nach Kontakt mit Wasser verwandeln sich Menschen zwischen 13 und 15 über Nacht in Zombies. Was bei deren Eltern nicht selten die Frage aufwirft, ob ein Schwangerschaftsabbruch seiner Zeit nicht doch die bessere Alternative gewesen wäre. Mutter und Vater sind hilflos, wenn aus einem Traum von Kind von jetzt auf gleich ein Alptraum von Teenager wird. Man wünscht sich wie bei Dornröschen einen vergifteten Apfel, der das eigene Kind so lange schlafen lässt, bis es aus der Pubertät heraus ist. Wer täglich mit einem Clearasil-abhängigen Nachwuchstyrannen zu tun hat, versteht es, warum Jugendliche dieses Alters vor achtzig Jahren an die Front geschickt wurden…

Vergleicht man menschlichen Emo-Nachwuchs mit tierischem Emu-Nachwuchs, fällt auf, dass die Zahl australischer Laufvögel, die in jungen Jahren auf die Idee kommen, sich ihr Gefieder grell zu färben und Metallstifte durch den Schnabel jagen zu lassen, recht gering ist. Tätowierungen sind im Tierreich allenfalls bei jungen Katzen angesagt. Es überrascht, dass unsere Spezies es im Laufe der Evolution offenkundig nicht geschafft hat, den Übergang vom heranwachsenden zum ausgewachsenen Exemplar so zu gestalten, dass er für alle Beteiligten erträglich ist. Anders als Hundewelpen pinkeln pubertierende Teenager zwar nicht ins Wohnzimmer, dafür kotzen sie ins Bad…

Man kann dem pickeligen Nachwuchs jedoch keinen Vorwurf machen, dass er vom kuscheligen Welpen zum kratzbürstigen Werwolf wird. Schuld sind die Hormone, die ab der Pubertät unser Leben bestimmen. Sie machen aus elfengleichen Jungenstimmen etwas, was sich anhört wie eine gefrorene Katze unter der Kreissäge, und sorgen bei Mädchen dafür, dass die Entwicklung ihres Gehirns mit der ihrer sekundären Geschlechtsteile nicht mithalten kann. Fand man als Junge vor der Pubertät Mädchen doof, eingebildet und uninteressant, bewirken aufkochende Hormone, dass Jungs zwar nach wie vor Mädchen doof und eingebildet finden, aber plötzlich gerade deshalb interessant…

Der heimtückische Hormoncocktail versetzt Pubertierende in den Irrglauben, dass Gangster-Rapper ein veritabler Beruf sei. Es ist aber auch nicht einfach, tagsüber mit Konjugationen und nachts mit Ejakulationen zurecht zu kommen. Während Mädchen in der Pubertät ihren ersten BH bekommen, um fremde Blicke im Zaum zu halten, sind Jungen auf sich alleine gestellt, wenn sie im Sportunterricht mit der Latte zu kämpfen haben. Mit der Pubertät wird bei Mädchen ein Problem immer gewichtiger: ihr Körper. Es wird in ihrem weiteren Leben kein Tag mehr vergehen, an dem sie sich nicht darüber beklagen, dass Brüste oder Po entweder zu groß oder zu klein sind und nicht so wie bei Heidi Klum…

Waren damals im Kindergarten Ärztin oder Prinzessin noch angesagte Berufswünsche, sind pubertierende Mädchen überzeugt, Karriere als Instagram-Model machen zu müssen. Um entdeckt zu werden, posten sie nicht selten täglich neue Selfies, auf denen sie dank Muttis Schminke und dem richtigen Foto-Filter auszusehen glauben wie Mitte 20. Dabei erinnern ihr schräger Duck-Face-Blick und der vermeintliche Kussmund eher an einen Schlaganfall. Viele Eltern hoffen in dieser Phase, dass am Märchen vom hässlichen Entlein etwas dran ist, da die Modelkarriere der Tochter ohne digitale Fotobearbeitung allenfalls für eine Werbekampagne für Hundefutter ausreichen dürfte…

Doch was kann man nun wirklich tun bei der Diagnose Pubertät? Nichts. Man kann allenfalls frühzeitig überlegen, ob man sich statt Kindern vielleicht doch lieber einen Hund zulegt. Den kann man nach 12 bis 14 Jahren im Zweifelsfall einschläfern lassen oder an der Autobahn aussetzen, wenn er zu viel nervt. Außerdem lassen sich Hunde viel besser an die Leine legen und rufen nachts nicht an, wenn sie besoffen irgendwo aufgesammelt werden müssen. Und ständig das neuste Smartphone brauchen sie auch nicht. Zuhause mit Zombies… gruenetomaten@live-magazin.de.

Patrik Wolf

P.S. Die sicherste Verhütungsmethode bei den meisten pubertierenden Teenagern ist ihr Aussehen.