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Tête-à-Tee

Er gilt seit jeher als bester Freund der Briten und stand zur Kolonialzeit in Boston im Mittelpunkt einer ausladenden Hafenparty. Ein Mitglied des legendären A-Teams benannte sich nach ihm und sogar ein Buchstabe und ein Shirt tragen seinen Namen. Neben Roberto Blanco ist er der einzige Schwarze, der jedem von uns ein Begriff ist und für den es bei Oma stets ein Plätzchen am Tisch gab. Er symbolisiert Ruhe, selbst wenn er manchmal unter Dampf steht und gelegentlich überkocht. Bleibt er unbeachtet, reagiert er gelassen mit Kälte. Sauer wird er fast nie; außer mit Zitrone. Dennoch spaltet er die Gesellschaft wie niemand sonst: Die einen mögen Kaffee, die anderen lieben ihn: Tee…

Während Kaffee sein Schattendasein längst hinter sich gelassen hat – als bitterer Filterkaffee noch Inbegriff langweiliger Kaffeekränzchen war – und dank den ebenso gut schmeckenden wie klingenden Variationen Latte Macchiato, Cappuccino und French Press längst Heißgetränk Nr. 1 ist, konnte Tee seinen Ruf, altmodisch und fade zu sein, lange Zeit nicht loswerden. Früher trank niemand in der Öffentlichkeit freiwillig Tee. Es sei denn, er hatte kalte Hände oder eine Erkältung. Außer pensionierte Oberstudienräte und Heilpraktiker vielleicht. Die aber glauben auch, Sandalen wären Schuhe, in denen man Socken trägt, und Globuli dazu geeignet, Impfungen zu ersetzen…

Früher tranken zumindest Umweltbewusste und Weltverbesserer Tee. Heutzutage fühlen sich selbst diejenigen, die in veganem Einklang mit sich und ihrer Verdauung leben, dank fair gehandeltem Öko-Arabica aus nachhaltigem, regenwaldschützendem Anbau und glutenfreier Soja-Hafer-Milch gut mit Kaffee aufgehoben. Kaffee ist mittlerweile hipp wie sonst nur Babynahrung. Wer bei einem Date einen Doppio-Espresso-Macchiato trinkt, wirkt eben interessanter als jemand, der Hagebuttentee bestellt. Das ist nun einmal so. Als Kind war Tee immer nur die lauwarme Notlösung, wenn es nichts anderes gab oder man Durchfall hatte. Alles nichts, was man mit einem Date in Verbindung bringen möchte…

Einfacher Tee ist nicht cool. Das mag damit zusammenhängen, dass man ihn aus Kindertagen noch als die Plörre in Erinnerung hat, die es im Schullandheim gab und von einer schrulligen Küchenhilfe mit der Schöpfkelle verteilt wurde. Zwei Beutel auf zwanzig Liter Wasser versprachen damals einen Genuss, der an Badewasser erinnerte: Geschmacklich nicht überzeugend und mit undefinierbarem Geschwemmsel darin. Tee und Badewasser unterschieden sich nur durch den Schaum und dadurch, dass das eine in der Kanne und das andere in der Wanne war. Bei uns in der Familie schwor nur Onkel Reimer auf Tee, wohl aber deshalb, weil er ihn mit Rum statt mit Wasser aufbrühte…

Dass echte Teetrinker kaum noch zu finden sind, mag auch daran liegen, dass sich Restaurants zwar mit den besten Kaffeevollautomaten und Bohnensorten brüsten, sich ihr Teesortiment jedoch meist auf die übliche Discounterauswahl beschränkt. Und wer schon Unmengen an Geld für ein Heißgetränk investieren muss, dessen Literpreis irgendwo zwischen Chardonnay und Blutplasma liegt, der möchte kein lauwarmes Glas Leitungswasser mit einem Beutel billigem Grünschnitt darin, sondern eine Tasse frisch gemahlener Edelbohnen, für die Kinder in Südamerika durch Kaffeeplantagen kriechen. Und zwar aus einer italienischen Profi-Barista-Maschine, die mehr kostet als ein italienischer Kleinwagen…

Auch wenn Supermärkte mittlerweile mehr als nur die wenigen Teesorten zu bieten haben, die man als Kind kannte, ist in vielen Köpfen weiterhin mit Schwarz-, Früchte-, Kamillen- und Pfefferminztee das Ende des geistigen Teesortiments erreicht. Wer darüber hinaus noch Rooibos- und Grüntee kennt oder zugibt, Tee lose in einem Fachgeschäft zu kaufen, der läuft Gefahr, von seinen Mitmenschen aus der Espressobar gejagt zu werden. Schnell gilt man da als Ökofritze, der seine Nieren für notleidende Wale spenden würde. Wer zwischen „First Flush“ und „Second Flush“ differenzieren kann, kennt sicher auch den Unterschied zwischen „Schwarzem Afghanen“ und „Hellem Türken“…

Es sah lange nicht gut aus für „Earl Grey“, „Pu Erh“ und „Dong Ding Oolong Cha“. Außer in Friesland, aber dort finden sie ja auch gelbe Regenmäntel modisch. Die Wende von Tee als „No go“ zum „Must have“ schien gekommen, als mit der grellbunten Manga-Comic-Welle ebenso grellbunte Teegetränke aus Fernost zu uns herüberschwappten. Geschmacklich eher fragwürdig, dafür jedoch kreativ, eroberte „Bubble Tea“ damals die Herzen und Blutzuckerspiegel all derer, die für ein Wiener Kaffeehaus noch zu jung und für Capri-Sun schon zu alt waren. Ähnlich schnell wie der Blutzucker sackte jedoch auch das Interesse am Blasentee in den Keller und die Teatime war wieder zu Ende…

Was blieb, sind Bubble Teas, die man ihres Namens und ihrer Geleekugeln entledigte, um sie fortan noch hochpreisiger als handgemachte „Fresh Teas“ statt in bösen Plastikbechern nun in nachhaltigen Henkelgläsern mit Schraubgewinde zu verkaufen. Aus dem grellen Plastik-Getränk für die Gen-Z wurde so ein in Grün- und Erdtönen gehaltenes Lifestyle-Getränk auch für die Generation Ü30. Dieses Marketing traf ins Schwarze statt nur ins Bunte. Waren Infusionen lange Zeit auf Krankenhäuser beschränkt, findet man mittlerweile überall trendige Läden, die Tee-Infusionen anbieten, bei denen statt der Adern nur das Herz blutet; und zwar beim Bezahlen. Ganz schön abgebrüht…

Es liegt im Trend, dass vermeintlich Besonderes mehr kosten darf. Auch wenn es nichts anderes ist als etwas, was jeder zuhause hat. Das gilt für Salz aus dem Himalaya und Wasser aus Fidschi ebenso wie für Tees aus Organic Tea Bars. Vor den Augen der Hipster-Kunden werden aufwändig beworbene Lose-Tee-Mischungen mit Gerüchen von Duftkerze bis Toilettenstein und Namen, die man aus Seifenläden oder RTL2-Geburtsreportagen kennt, in Zeremonien aufgegossen, wie es sie sonst nur in der Sauna gibt. Tee ist so vom langweilig braunen Standard-Heißgetränk zum faszinierend bunten Exklusiv-Kaltgetränk geworden, das die Seele erfrischt statt die Zunge zu verbrennen…

Mittlerweile gibt es Teesorten passend zu jeder Gemütslage, die helfen sollen, dass man sich gut fühlt. Woran wohl aber weniger ein nachhaltiger Anbau des Tees als eher ein lang anhaltender Abbau von Zucker schuld ist. Manchmal fühlt man sich eben eher nach coolem „Awesome Blueberry Icetea“ statt nach lauwarmen Fenchel-Anis-Kümmel-Sud. Durch allerlei Blattwerk und Beeren in und am Glas wird den Fresh Teas zudem ein ökologisch einwandfreies und gesundes Image attestiert. Minzblätter lügen bekanntlich nicht! Fresh Teas bleiben dennoch irgendwie wie LEGO-Steine: bunt, in verschiedenen Größen erhältlich und miteinander kombinierbar, aber ohne besonderen Geschmack…

Der Werbung nach sollen Fresh Teas nach Sommer im Süden schmecken, auch wenn sie zumeist eher an Skandinavien im Herbst erinnern: Teuer, wässrig und wenn man Pech hat, voller Eis und Mücken. Wer es übrigens weniger süß mag, kann dies bei der Teebestellung in der Tea Bar angeben und wird dann statt von einer hübschen Blonden von einem pickligen Typen bedient. Tête-à-Tee… gruenetomaten@live-magazin.de.

Patrik Wolf

P.S. Wenn ein Tee so schlecht wie Badewasser schmeckt, ist es dann ein „Bad Tea“?

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Mogli meets Mozart

Das musikalische Ausnahmetalent von Phil Wright versetzt in letzter Zeit ein immer größer werdendes Publikum in Staunen und Begeisterung. Derart virtuoses Gitarrenspiel – und das in so jungen Jahren – ist mehr als rar gesät und wenn er noch jünger wäre würden alle unausweichlich vom Wunderkind reden. Mit seinen eigenen Bands JungleTrack, Phil Wright Blues Band und als Gitarrist von Tiavo beeindruckt er inzwischen auch überregional – und sieht dabei auch noch umwerfend aus.

Der junge Mann, in dessen Pass noch Philipp Hinsberger steht, kommt ursprünglich aus dem schönen Dirmingen bei Eppelborn. Dort ist der 21jährige ganz normal aufgewachsen, in den Kindergarten und zur Schule gegangen und war zumindest bis zum sechsten Lebensjahr Jahr nicht weiter verhaltensauffällig – dann bekam er seine erste richtige Gitarre geschenkt. Ein Freund seiner Eltern, die saarländische Musikerlegende Gerd Schneider, setzte diese Initialzündung, denn vom Vater hätte es eher ein Blasinstrument gegeben. Schließlich hatte der sich lange vor Phils Geburt im örtlichen Musikverein an der Trompete abgearbeitet, was glücklicherweise ohne Einfluss auf den Jungen fehl blieb. Auch ansonsten konnten die Eltern in Sachen Musikalität nicht viel beisteuern, dafür verdankt er seiner Mutter ganz offensichtlich sein blendendes Aussehen. Die hat sein Vater nämlich dereinst in Bali kennengelernt und im zweiten Anlauf mit ins Saarland gebracht.

Nicht ganz so exotisch ist seine Musikvorliebe, denn sein Herz und sein Talent gehören ganz eindeutig dem Rock, genauer gesagt dem Bluesrock, gerne auch etwas progressiver. Allein das ist in seinem Alter schon bemerkenswert, denn dieses Genre wird bevorzugt von Menschen gefeiert, die meistenteils ihre Berufstätigkeit schon hinter sich gelassen haben. Auch die zunehmende Annäherung an den Jazz verspricht hier keine Besserung, einzig der Umstand, dass er seit Ende 2023 auch in der Crossover Band Tiavo für den guten Saitenklang zuständig ist, könnt ihr ihm bei Gleichaltrigen ein paar Probs einbringen. Die sammelt er aber garantiert auch als Gitarren-Lehrer, denn seit letztem Jahr schauen ihm in der Homburger Learn To Rock Musicschool ein knappes Dutzend Schüler auf die hochbegabten Fingerchen.

Ganz offensichtlich ein junger Mensch mit vielen Talenten, wobei das Autofahren wohl nicht so ganz dazugehört. Immerhin hat er die theoretische Prüfung seines Führerscheins längst bestanden, nur praktisch wollte ihm das bis jetzt noch nicht gelingen. Blöderweise ist ihm dann auch noch das Geld ausgegangen, um es gleich nochmal zu versuchen. Aber da seine Musikerkarriere jetzt ja richtig durch die Decke geht, dürfte das kein Problem mehr sein, eher schon die fehlende Zeit. Also decken wir den Mantel des Schweigens über dieses heikle Thema und fragen erst mal ganz unschuldig was Musikalisches.

L!VE: Wie war das mit der ersten Gitarre?

Phil Wright: Die hatte ich mir zu Weihnachten 2009 gewünscht. Ich hatte tatsächlich vorher mit vier Jahren auch schon eine, die hatte mir Gerd Schneider, ein Freund meiner Eltern, geschenkt. Das war aber nur so eine kleine mit Nylon Saiten, mit der ich noch nicht viel anzufangen wusste. Ich fand es dann cooler, an den Stimmwirbeln so lange zu drehen, bis die Saite gerissen ist. Da habe ich noch gar nichts gespielt. Das hat sich dann mit der ersten richtigen, einer akustischen mit Stahlsaiten geändert. 2010, ich war noch nicht ganz sieben, da habe ich meinen ersten Unterricht in Eppelborn. Aber nebenbei habe ich mir immer wieder was beim Gerd Schneider abgeguckt.

Der Kontakt zu Gerd Schneider scheint richtungsweisend gewesen zu sein.

PW: Auf jeden Fall. Die Einflussnahme von Gerhard Schneider begann eigentlich schon, als ich zwei Jahre alt war. Der hat mich und bei meinem ganzen musikalischen Werdegang begleitet hat, bis er 2018 verstorben ist.

Wann wurde es elektrisch?

PW: 2011, als ich acht Jahre alt wurde, da kam dann die erste elektrische Gitarre. Das war so eine Stratocaster SX, noch keine Fender, soweit war es auch noch nicht. Mit der hatte ich sogar nach kurzer Zeit die ersten Special Guest Auftritte in der ein oder anderen Kneipe, wo ich ein paar Songs mitgespielt habe. Immerhin war ich gut genug, um die Rhythmusgitarre mitzuspielen.

Was waren dann die ersten Bands?

PW: Ich war in diversen Konstellationen unterwegs und kann sie gar nicht mehr alle nennen. Eine hatte so einen sehr speziellen Namen, Muschi Bande haben sie sich genannt, das weiß ich noch. Das ging eher so in Richtung Punk. Dann gab es da unter anderem noch Voodoo Jack, ein Cover Projekt mit Patrick Horn, den kannte ich aus frühester Kindheit, und einige mehr. Alles Bands, wo ich dann immer wieder mal dabei, aber nie so wirklich richtig drin, war. Eben immer nur so als Gast. Meine erste wirklich eigene Band, die ich selber gegründet habe,  war 2018 The Gypsies, die ich mit dem Drummer Patrick Horn und der Bassistin Vanessa Klinkner startete. Wir hatten uns über diverse Musikschulprojekte kennengelernt. Die Gypsies sind dann entstanden unter dem Vorwand, Hendrix Sachen so zu spielen, dass sie sich einigermaßen passabel anhören. Ich fand nämlich die meisten anderen Cover-Konstellationen, die das in Angriff genommen hatten, nur so semi-gut.

It’s all about the girls

Und wie entstand dann die Phil Wright Blues Band

PW: Die Phil Wright Blues Band entstand, als das mit The Gypsies nicht mehr lief. Bei mir ist alles irgendwie mit allem verbunden, das ist das Coole. Also, der Reihe nach: ich kam irgendwann mit unserer Bassistin Vanessa zusammen. Das hat dann aber doch nicht so gut funktioniert und irgendwann war Vanessa dann raus und Jan Weyhrich übernahm am Bass. 2019 hatten wir einen Auftritt auf einem Festival als sich herausgestellt hat, dass Patrick Horn ein bisschen unzuverlässig war und so kam Tim Korycki ans Schlagzeug, der bis heute an meiner Seite spielt. 2021 hatten wir das Experiment gewagt einen Saxophonisten, Pedro Panesso von der Musikhochschule Saar dazu zu nehmen, weil wir ein bisschen progressiver sein wollten. Dann verließ uns der Bassist wegen „kreativer Differenzen“ und auch der Saxophonist hatte keine Lust mehr. Da waren es nur noch Tim und ich und das war dann der Moment als Klaus Blindle als Bassist zu uns stieß. Fertig war die Phil Wright Blues Band. Die Connections von Klaus und sein kaufmännisches Geschick haben uns, neben aller Musikalität,  dann echt genutzt. Den ersten Gig hatte ich noch selbst klar gemacht, aber durch Klaus sind wir dann viel rumgekommen, was auch finanziell nicht schlecht war. Da bin ich dem Klaus dankbar, dass er das irgendwann übernommen hat.

Wie kam es zu dem Namen?

PW: Phil Wright ist einfach entstanden, weil er gut klingt und weil ich einen Nachnamen gesucht hat, der besser zu meinem Vornamen passt. Und da dachte ich an Leute wie Richard Wright von Pink Floyd oder Eugene Wright, der Bassist von Dave Brubeck. Und ich fand den Nachnamen einfach cool.

Du studierst mittlerweile an der Musikhochschule. Ab wann war Dir klar, dass Musik auch beruflich Dein Leben bestimmen wird ?

PW: Als ich abends nach meinem Praktikum bei einem Baustoffhändler nach Hause kam und gemerkt habe, dass ich gar keinen Bock mehr habe, die Gitarre in die Hand zu nehmen. Ich dachte mir, wenn ich nach so einem Arbeitstag keinen Bock mehr habe, Gitarre zu spielen, dann muss ich was ändern. Dann muss das Instrument mein Hauptding werden, denn bevor ich das vernachlässige, wegen irgendeines 08/15-Jobs, werde ich lieber Musiker.

Und im Fokus dieses Musikers liegt aktuell ganz eindeutig die Band JungleTrack?

PW: Ja, klar, und Tiavo. Aber Jungle Track war schon mein Hauptding, weil wir da eigenes Material spielen. Also wenn wir Cover spielen, dann um live unser Set zu füllen, wie jetzt zum Beispiel beim Stadtfest in Kusel. Aber im Grunde haben wir schon für eine Stunde Material an eigenen Songs.

Stimmt, Du gehörst ja jetzt auch zu Tiavo?

PW: Und nicht nur ich. Xaver, der Producer, den kannte ich durch eine Jazz Session, hat mich gefragt, ob ich ins Studio kommen will. Das hab‘ ich dann auch gemacht, muss aber gestehen, dass mir zu dem Zeitpunkt nicht wirklich der Stellenwert von Tiavo klar war. Ich hätte mir nicht denken können, dass die damals die Kufa ausverkauft hatten. Ich ging also zum ersten Treffen ins Studio, mir ein paar Sachen anhören und so. Hab‘ dann aber schon bei diesem ersten Treffen gleich Sachen eingespielt. Und dann kamen Stück für Stück der Tim dazu und später auch Gabriel, beide von JungleTrack dazu. Und ehe man sich versah, war meine komplette Band die Liveband von Tiavo.

Apropos live, wie wichtig sind Deine Live-Auftritte für Dich?

PW: Auf jeden Fall sehr, sehr wichtig. Also vom Geschäftlichen her ist natürlich Social Media und Studioarbeit auch wichtig. Ich war und bin auch immer noch der Meinung, werde es auch immer sein, dass ein guter Musiker sich daran zu erkennen ist, dass er live besser ist als im Studio. Und deswegen wird live für mich immer das Wichtigste bleiben, weil du kaum besseres Feedback bekommen wirst, als wenn du live vor ich weiß nicht wie viel Leuten spielst. Es muss sich live auf jeden Fall anders bzw. besser anhören als im Studio. Dadurch, dass man halt diese Atmosphäre hat und wenn man wirklich ein guter Musiker ist, wird sich das dann auch besser anhören.

Alle Deine eigenen Projekte kommen aus dem Bereich Rock, bzw. Blues-Rock, mal mehr mal weniger progressiv. Wie kam es dann jetzt zusätzlich auch noch zur Hinwendung zum Jazz?

PW: Irgendwo muss man ja musikalisch weitermachen. Also ich stell mir das wie so eine Weggabelung vor, wo ich mich entscheiden könnte, ob ich jetzt einen auf Prog-Metaller machen will, der viel fudelt, oder ob ich in die jazzige Richtung möchte. Durch Musiker wie Frank Zappa begann ich mich auch für Jazz-Fusion zu interessieren. Letztendlich wollte ich ja, dass mein musikalischer Werdegang nicht nach der Schule aufhört und damit ich das weiterhin so ausleben kann, wie ich das bisher gemacht habe, habe ich das Studium angefangen.

Glaubst Du da man in Deinen anderen Konstellationen den Jazz-Einfluss raushören kann?

PW: Es kommt drauf an, wie man es macht. Wenn man es so macht, wie ich das mache, dann ist es das ein und selbe Ding. Und wenn man es macht wie jemand, der sehr, sehr traditionell spielen will, dann ist es natürlich was anderes. Wahrscheinlich werde ich ein paar Kompositionen etwas traditioneller spielen, aber letztendlich, es ist ja alles Musik. Aber es wird schon noch was kommen, besonders ein Song, wo es mehr „jazzig“ ist. Dazu kann ich aber jetzt noch nicht mehr verraten.

L!VE: Spielst Du da etwa auf das kommende JungleTrack-Album an. Wie weit seid ihr da?

PW: Wir sind schon längst fertig. Das Album kommt auf jeden Fall dieses Jahr, wahrscheinlich sogar noch vor der Tiavo-Tour. Wir haben ja auch schon einzelne Tracks raus gebracht, allerdings ohne explizit darauf hinzuweisen, dass die vom Album sind, aber man wird es beim Release wieder erkennen. Das Ding ist, die vier Singles, die bis jetzt veröffentlicht sind, die sind alle in dem Album drin, aber die Albumversionen unterscheiden sich schon, beispielsweise ist hier oder da ein Solo länger.

Das klingt doch spannend. Einstweilen besten Dank für Deine Zeit und viel Glück beim Führerschein.

Phil Wright im Internet: @_phil_wright_  @_jungletrack_  @tiavo66  @phil_wright_blues_band

Die nächsten Konzert-Termine mit Phil Wright:

01.06. Phil Wright Blues Band – Jochems Kneipe, Riegelsberg

08.06. JungleTrack – Stadtfest Kusel

ab 04.09. Tiavo – Absolute Gewinner Tour

Bauernopfer

Hallo Mikrokosmonauten: Lasst Euch nichts gefallen!

Neulich hatte ich eine heftige Kollision mit einer anderen Radfahrerin. Sie krachte frontal in mich rein. Zum Glück landete ich in der Wiese, während sie den weniger komfortablen Asphalt wählte. Und während ich wie in Zeitlupe durch die Luft flog, wurde mir wieder bewusst, dass ich ein Glückskind und Idiot zugleich bin. Ich wusste, dass ich halbwegs weich fallen würde, aber auch, dass ich weder Adressen tauschen noch auf Schmerzensgeld klagen würde. Ganz einfach, weil ich nicht clever genug bin. Oder sagen wir mal: In den entscheidenden Momenten meines Lebens einfach nicht zu meinen Gunsten entscheiden kann. Dieser Wesenszug ist bei mir offensichtlich nicht angelegt.

Jetzt sitze ich hier mit blauen Flecken und geprelltem Arm und frage mich, ob ich eigentlich jemals richtig klug war, wenn es darum geht, mich zu wehren und für mein Recht einzustehen?

Tatsächlich bin ich eher ziemlich naiv und leichtgläubig auf die Welt gekommen. Im Alltag bedeutet es, dass ich weiß, dazu prädestiniert zu sein, ständig Scheiße zu bauen, mich aber nicht dagegen wehren kann, oft den kürzeren zu ziehen. Ein ständiger Kreislauf. Bis vor kurzem ist es sogar noch vorgekommen, dass ich mich dafür bedankte, wenn man mich erniedrigt hat. Wäre ich eine Abwehrspielerin im Fußball – man würde mich wahrscheinlich ständig vom Platz nehmen!

Widerstand zwecklos!

Stellt euch vor, ich läge im Krankenhaus, bekäme versehentlich das falsche Medikament und man würde mir eröffnen, ich hätte jetzt nur noch 12 Stunden zu leben. Ich wäre noch so doof und würde antworten: „Ach, macht doch nix, sowas kann ja mal vorkommen!“.

Ich stelle mir die Frage: Gibt es da draußen noch andere, außer Masochisten in SM-Studios, die liebend gerne die andere Wange hinhalten möchten, wenn man sie ungerecht behandelt? Oder einfacher gesagt: Die es schlichtweg versäumen, für sich einzustehen, wenn’s drauf ankommt?

Warum gehen wir mit uns selbst am schlechtesten um?

Das schlimme ist, dass ich ja gar nicht so sein will. Und so krass ist es ja auch nicht. Ich kann mich durchaus zur Wehr setzen. Ich führe liebend gerne hitzige Diskussionen, teile gerne aus, und ich kann wüten und toben wie keine andere. Aber kommt etwas unverhofft und knallt voll rein, werde ich plötzlich ganz klein mit Hut und gehe mit fast allem konform: „Frau Hartmann, sind Sie mit der Guillotine einverstanden?“ „Oh natürlich. Wie nett, dass Sie fragen.“

Dabei hat fehlende Cleverness offensichtlich nichts mit mangelnder Intelligenz zu tun. Bei meinen Recherchen bin ich sogar auf recht beruhigende Nachrichten gestoßen, die mir weismachen wollen, dass ich sogar schlauer bin als der Durchschnitt. Bestätigen würden mir das meine Freunde jedoch nicht. Wie es sich für mich gehört, lache ich also mal wieder schallend über mich selbst, frage mich aber gleichzeitig:

„Lasse ich mir zu viel gefallen?“

Offensichtlich schon.

Aber dann passiert es plötzlich und unvermittelt, dass ich mit allem was ich habe, zurückschlage. Auf einer weiteren Radtour, einige Tage später, wurde ich von einem betrunkenen, rundlichen, rotwangigen Jugendlichen mit nur einem Schuh angepöbelt, ich solle doch gefälligst nicht so laut Radfahren. Was für eine völlig doofe Äußerung seinerseits. „Der sucht wohl Stress!“, dachte ich mir und stieg unverzüglich in die Eisen. „Was hast du gerade gesagt?“ schnaubte ich, woraufhin er in einem hochfrequentierten Kreischton erwiderte: „Was?“ und ich daraufhin in einem noch ohrenbetäubenderen „Waaas?“ antwortete. Wahrscheinlich würden wir uns noch heute mit „Was-Tiraden“ bombardieren, wenn ich nicht plötzlich rausgehauen hätte: „Ich komm dir Pupsgesicht gleich mal rüber!“ Mittlerweile waren sogar Leute auf die sinnbefreite Grölerei aufmerksam geworden, aber davon ließ ich mich nicht einschüchtern. Pupsgesicht jedenfalls war es, der sich nun protzend auf der sich neben ihm befindlichen Parkbank niederließ. Sollte es das etwa schon gewesen sein? Ich kam schließlich gerade erst in Fahrt. Und dann wurde mir bewusst: Er hatte schlichtweg nicht damit gerechnet, dass jemand wie ich ihm Paroli bieten könnte.

Warum treffe ich eigentlich immer wieder auf Günther Jauch?

Und immer, wenn ich gerade mal wieder mit mir hadere und ich etwas über mich herauszufinden versuche, treffe ich auf Herrn Jauch. Als ich ihn das erste Mal traf – es war eine seiner Wein-Präsentationen- befand ich mich gerade in einer Liebeskrise und es war sein Rebensaft, der mir an jenem Tag Klarheit verschaffte. Das zweite Mal plagten mich Existenzängste und ich wusste an diesem Punkt meines Lebens nicht, in welche Richtung ich mich beruflich entwickeln könnte. Tja, und beim neuesten Zusammentreffen wollte ich einfach nur wissen, wie es sich anfühlt, ich selbst zu sein. Wahrscheinlich ist es ihm nicht bewusst, aber ein Besuch in seinem Studio bedeutet für mich auch immer eine Art Katharsis. Meist besinne ich mich dann drauf, was ich eigentlich am besten kann, nämlich vor einer Kamera stehen und mich selbst nicht so ernst nehmen.

Zeitgleich konnte ich übrigens meinen Kolumnendieb Adrian unverhofft auf den Stuhl bei „Wer wird Millionär“ katapultieren, was eine kleine Racheaktion meinerseits war. Über ein Jahr hatte er mich wegen meines damaligen Auftritts auf dem Ratethron denunziert und darüber gescherzt, dass ich nicht mal die Flagge meines eigenen Landes kenne. Und so kommt es nun, dass ich zwar als Abwehrspielerin nutzlos wäre, aber als kläffender Terrier durchaus Talent habe. Denn bellen kann ich zuweilen ziemlich laut, besonders dann, wenn ich mir nahestehende Menschen eins auswischen möchte.  

Am Ende ist es doch so: Ich werde in den entscheidenden Momenten immer wieder verzagen. Ich glaube sogar, die Fahrradfahrerin von neulich feiert es immer noch, dass ich mich nach dem Crash kurz schüttelte und dann einfach einen schönen Tag wünschte und weiterfuhr. Aber egal, Günther Jauch versteht mich. Er weiß meine wahren Talente zu schätzen. Ganz bestimmt!

Und einfach so bleibe ich zwar ein Bauernopfer, aber ein ziemlich bissiges!

Clubzone Juni 2024

Eigentlich sollten hier diesen Monat die Berichte über die ersten tollen Freiluft-Feiereien stehen. Aber der Klimawandel lässt dieses Jahr ein wenig zu wünschen übrig oder der liebe Wettergott hat uns durch diese Rechnung vorläufig noch einen Strich gemacht, zumindest bei den meisten Partys. Dafür gab es aber das ein oder andere Highlight an eher ungewohnter Stelle wie beispielsweise einer Flugzeughalle auf dem Ensheimer Flugplatz, wo die Band der Stunde MEUTE mit satten Clubsounds beeindruckten – und das als Blaskapelle! Das war schon eine wahre Pracht mitanzusehen, wie Tausende Saarländer mit den Händen in der Luft abgehen können, auch wenn der Bass aus Tuba und Susaphon kommt. Da wurde der Hangar zum Club, auch wenn das Konzert vielleicht ein bisschen früh, weil es draußen ja noch hell war. Auf jeden Fall ein riesengroßer Spaß, der so in der Innenstadt in den etablierten Locations nicht immer erreicht wurde. Mag auch daran gelegen haben, dass die Wassermassen Mitte Mai dem ein oder anderen nachhaltig den Spaß verdorben hatten. Zum Glück hielten sich die Schäden zumindest in den Innenstädten in Grenzen, so dass sich mittlerweile die üblich verdächtigen, sommerlichen Locations von THONET und ANNA in der neuen Fußgängerzone  oder dem Innenhof des ZAPATA bis zur Fensterbank des JULES VERNE vehement zurückgemeldet, nur dass dann wie gesagt leider das Wetter nicht mehr so wirklich doll war.  Aber genug gejammert und auf ins dann doch eine oder andere Art irgendwie feuchtfröhliche Nachtleben …

Das SILO und das ganze Geländeum den Osthafen entwickelt sich weiter einfach prächtig. Tatsächlich wird hier in schöner Regelmäßigkeit derart nachhaltig gefeiert, wie kaum an einem zweiten Ort in Saarbrücken. Sobald das Wetter dies zulässt natürlich auch draußen. Aber gleich ob Open Air oder im ehemaligen Puff, hier weiß man wie feiern geht gleich ob der FEIERTAGSRABATZ, GROOVE TORNADO oder der Club des FESTIVAL PERSPECTIVES, ein Abstecher ins Ostviertel hat sich auch im Mai eigentlich immer gelohnt. Eins ist klar: hier hat sich eine wunderbare und vorallem entschleunigte Alternative zu Nauwieser Viertel, St. Johanner Markt und Mainzer Straße etabliert. Wer also eine mitreißende Startrampe in eine rauschende Ballnacht sucht, ist hier garantiert richtig. Da spielte es dann tatsächlich auch in den letzten Wochen keine Rolle, was für eine Party angesagt war, denn bei Lichte betrachtet hat hier wirklich alles seine ganz eigene Klasse und alle Zweifler sind herzlich eingeladen, es doch einfach mal selbst auszuprobieren. Daran ändert sich auch jetzt im Jui nichts ändern. Also hingehen, mitfeiern!

Die zweite Location, die für massive Feierei sorgte, war ebenfalls wenig überraschend der EGO Club Saarbrücken. Gleich zum Monatsanfang die LEVEL Party war wieder Eskalation mit Ansage. Kaum hatten sich dann die Türen geöffnet nahm eine Nacht ihren Lauf die zu Recht in die Annalen des Partytempels eingehen dürfte – und das heißt hier schon Einiges. Denn auch mit dem EGO SATURDAY und der LA FAVELA und dem PINK FRIDAY Ende des Monats gingen noch weitere Partymonster an den Start. Alles das ist nicht nur Beleg für herausragende Partynächte, sondern insbesondere auch dafür, dass es gelungen ist, den Traditionsclub weiterhin mit Schmackes im 21. Jahrhundert zu feiern.

Auch den Machern des SEVEN ist es wieder mal eindrucksvoll gelungen zu punkten. Gleich richtig fett hat der Mai hier mit der abgefahrenen TANZ IN DEN MAI Party begonnen, wobei die Gäste mit einem ernuuten Umbau überrascht wurden, der sich wirklich mehr als sehen lassen konnte. Das superpositive Feedback der Gästemassen war nur Bestätigung, dass hier geklotzt und nicht gekleckert wurde. Nur eine Woche später wurde mit CREMA LATINA massiv nachgelegt und das Ganze wurde zu einem unglaublichen Debut, das jedes Frauen Herz höher schlagen ließ. Weiter ging es mit PRADA, einem Mädelsabend der extra Klasse. Für die korrekte Musik sorgte DJane Lydia Tsoga aus London, die ansonsten international am Start ist. Mit der grandiosen FAVORITES, der Nacht die besten Hits aus jedem Genre, ging der Monat zu Ende. Einfach legendär was da abging! es fällt wirklich schwer diese kontinuierliche Eskalation von Monat zu Monat in ihrer Besonderheit zu beschreiben. Wir appellieren an das gesamte Partyvolk vorbei zu kommen und selbst zu erleben, welche unfassbare Stimmung hier herrscht…

   Jubel, Trubel, Heiterkeit ist im APARTMENT auf jeden Fall immer angesagt. Das absolute Erfolgskonzept machte den Club an der Ecke Dudweiler- und Bahnhofstraße auch in den letzten Wochen zur amtlichen Partyarena. Soweit nichts Neues, aber trotzdem haben es die Clubmacher geschafft noch einen drauf zu setzen. Eines der Highlights im APARTMENT war jedoch ganz klar wieder die 2090 DAS BESTE DER 90er UND 2000er und die war genau dass, was der Name der Veranstaltung verrät. Die Party ging so ab, dass man zeitweilig das Gefühl hatte, man wäre in einer Zeitmaschine. Da konnte es schon mal passieren, dass nicht mehr getanzt, sondern nur noch gesprungen wurde, beim Drop einige Liter Getränk durch die Luft flogen. Ganz ähnliche Zustände wurden auch bei der CLUB LATINO erreicht, nach wie vor eine Latin-Party der Ausnahmeklasse, was ja auch anders kaum vorzustellen war, denn immerhin kommt DJ Thomas ja genau von da. Wenn also einer wusste, wie das richtig geht, dann er! Den Abschluss machten dann die FLAWESS und die heimliche Königin der APARTMENT Nächte, die MEMORIES Party. Wo soll das nur noch hinführen? Aber APARTMENT Oberheld DJ Thomas hat ja schon ganz andere Projekte erfolgreich gestemmt.

Richtig heiß, wenn auch nicht unter freiem Himmel, startete das LOOSE mit der POLSKA NOC gewohnt eskalativ in den Wonnemonat. Und schon tags drauf, gab’s einen weiteren Höhepunkt mit dem GIRLS CLUB. Die ultra abgefahrene Mädeslsause gab wieder so richtig Dauergas und es steht zu befürchten, die sind noch lange nicht fertig mit uns. Aber auch sonst gibt es von Woche zu Woche neue Specials, um die Abwechslung zu bieten, die das eskaltive Partyvolk benötigt. Auch an den restlichen Wochenenden wurde gefeiert als gäbe es kein Morgen mehr! Das ist zwar zur Gewohnheit geworden, aber längst keine Selbstverständlichkeit! Samstag für Samstag gab‘s nämlich neue Mottos, sodass für jeden Geschmack etwas dabei war. Von der CLASSIC Night über die 90er PARTY bis zur UKRAINE NIGHT war ein echt abgefahrener Partymix angesagt. Am besten, im Juni selbst anschauen und steil gehen. Wir versprechen garantiert nicht zu viel.

Die mit Nachdruck und Riesenbegeisterung beim Publikum wiederbelebte KUFA ist mit der OLD SCHOOL VIBES in den Mai gestartet, einer Party bei der sich jeder wohl fühlt, auch wie sie nicht so oft stattfindet und die dadurch immer ein echtes Highlight bleibt. Das war natürlich auch die atemberaubende Monster-Live-Show von Nimo. Nicht nur die Gäste werden den Abend so schnell nicht vergessen, sondern auch Nimo selbst konnte hinterher kaum mit dem Schwärmen aufhören. Der Platinrapper performte sage und schreibe 60 Minuten und man hatte das Gefühl am liebsten wäre er gar nicht mehr von der Bühne gegangen. Die haben da halt alles richtig gemacht in der KUFA! Richtig fett geht’s dann auch im Juni weiter, wenn der legendäre HIP HOP SATURDAY sein heiß erwartetes Comeback zelebriert. Das wird echt Extraklasse!

Na, wer war im Mai mit dabei, als bei der neuen SALTARE Party gleich Anfang Mai im STUDIO 30 der Gothic, Mittelalter und Metal Musik gehuldigt wurde? Bei der MIXTAPES Nacht wurde mit Gönz zu den Hits der 80er/90er/2000er getanzt wurde und bei den restlos ausverkauften Konzerten von Clowns und Hi! Spencer hat das STUDIO 30 seinem Namen als Konzert-Club alle Ehre gemacht hat. Wer das alles verpasst hat kann im Juni bei HERTZBLUT zu düsteren EBM-Klängen, sentimentalem Synthie-Po, treibendem Techno und knirschenden Industrial-Sounds feiern. Alles in allem, war das wieder ein Spitzenmonat in der Mainzer Straße 30!

Und ganz zum Schluss wollen wir mal nicht vergessen, dass das Nachtleben – egal ob in Saarlouis, Merzig, St Ingbert, Saarbrücken oder sonstwo – nicht nur von den Locations lebt, sondern in allererster Linie von den Persönlichkeiten. Eine ganz besondere Persönlichkeit wurde in den letzten Wochen immer populärer, sein Instagram-Account verzeichnet mittlerweile Zugriffe im siebenstelligen Bereich und er ist längst sowas wie ein bunterHund – und irgendwie sieht er auch so ähnlich aus. Die Rede ist natürlich von keinem anderen als von Popeye, dem Saarbrücker Original der irgendwo zwischen Staden, dem Edeka in der Mainzer Straße und dem Silodom im Osthafen zu Hause ist (wenn er nicht gerdae in Kuba verhaftet wird). Er ist ein Musterbeispiel für jene Gesichter und Gestalten, die auch das Saarbrücker Nachtleben zu etwas Besonderem machen und auszeichnen. Deshalb einfach so an dieser Stelle: vielen Dank, dass es dich gibt Popeye! Mach‘ weiter so …

In diesem Sinne, take care!

Mels Mikrokrise

Hallo Mikrokosmonauten: Zwischenlandung auf dem Planeten Krise 40 Plus!

Es gibt Momente im Leben, da bedarf es einfach mehr, als Schokolade und Netflix. In meinem Falle ist das der Moment, in dem ich erkenne, dass ich nicht mehr weiß, über was ich eigentlich schreiben soll. Sämtliche Skandale und Eskapaden sind inzwischen auf Papier gebracht und es kommen irgendwie keine neuen mehr nach. Klar kann ich euch zum x-ten Mal erzählen, dass ich unzufrieden mit meiner Figur bin, mich mal wieder mit meinem Freund gestritten habe oder ein Problem mit Autoritäten habe. Aber das ist nichts Neues, das kennt man von mir. Dass ich eigentlich recht wenig von mir halte und Angst vorm Älterwerden habe, ist ebenfalls schon unzählige Male meinerseits thematisiert worden. Ich könnte natürlich über Nächstenliebe und Menschlichkeit schreiben, aber damit kenne ich mich nicht aus. Sorry! Ausgenommen ist hier natürlich die Tierliebe!

Ferner könnte es in meiner Kolumne aber auch mal um Neurosen gehen, aber ich meine mich zu erinnern, dass ihr bereits wisst, dass ich es hasse, wenn man mich anstarrt – also die sogenannte Gaffer-Neurose – oder wenn jemand in  meiner Nähe isst. Wenn ich mit jemandem esse, muss mindestens ein Radio als akustische Ablenkung laufen, sonst drehe ich durch. Phonophobie nennt man das übrigens. Also die Angst vor bestimmten Geräuschen. Dann fiel mir neulich ein, dass ich über das  „Restless-Legs-Syndrom“ schreiben könnte. Darunter leide ich seit Jahren. Unter dem Restless-Legs-Syndrom, kurz RLS, versteht man das Symptom der unruhigen Beine. Quasi wird man in Phasen dieser Nervenkrankheit gerade in Ruhephasen dazu genötigt, sich zu bewegen. Eine ziemlich anstrengende Krankheit, aber die Frage drängt sich mir gerade auf, ob es da draußen Menschen gibt, die sich für ein derartiges Syndrom überhaupt interessieren.

Also ich weiß manchmal wirklich nicht mehr, wo mir der Kopf steht. Natürlich mache ich Brainstorming und alles. Aber ich schreibe seit über einem Jahrzehnt Kolumnen, ich habe scheinbar alles aufgedeckt, erforscht und erläutert. So wie es keine weißen Flecken mehr auf unseren Landkarten gibt, gibt es, so kommt es mir zumindest vor, keine Themen mehr, die ich aufgreifen könnte.

Aufhören ist keine Option!

Ich darf mir nichts vormachen: Ich befinde mich derzeit in einer Mikrokrise und  weniger in  einem  Mikrokosmos. Und wenngleich ich ganz selten die Flinte ins Korn werfe, denn dazu bin ich nicht der Typ, wurde mir neulich bewusst, woran meine kleine Flaute liegen könnte. Natürlich kann ich nur mutmaßen, aber ich befürchte, dass ich mich in der Prämenopause befinde. Mein Mikrokosmos fängt also allmählich an zu welken.

Ja, vielleicht übertreibe ich mal wieder maßlos, aber ganz so abwegig erscheint es nicht, dass mein Schiff allmählich Richtung Trockendock steuert.

Wirklich? Ernsthaft? Bin ich überhaupt schon bereit dazu?

Das Problem ist, dass die zu Beginn genannte Netflix und Schokoladen-Flucht ab 40 fatale Folgen haben könnte. Ihr könnt es mir ruhig glauben und an alle Frauen in ihren Zwanzigern oder Dreißigern die Info: Esst und chillt so hart ihr könnt, denn ab 40 bedarf es danach mindestens fünf Ausdauer-Sporteinheiten extra!

In einer Krise Lösungen finden und keinen Schuldigen!

Es ist immer noch ein weit verbreitetes Phänomen, dass viele in einer waschechten Lebens- oder Sinnkrise nach Schuldigen suchen. Macht euch bewusst: Das tun in der Regel nur Idioten! Eine Lebens- oder Sinnkrise kann jeden von uns treffen, sei es durch den Verlust eines geliebten Menschen oder des Jobs oder der generellen Veränderung des Lebens und des eigenen Ichs. Dabei macht man es sich oft ziemlich einfach, wenn man sagt, dass man eine schwere Kindheit hatte, die Eltern leider keine reichen Ölmagnaten waren, denn mit Geld wäre das alles ja nicht passiert, oder man wegen seiner großen Nase in der Schule gemobbt wurde. Vielmehr sollten wir einsehen, dass wir jeden verdammten Tag die Chance bekommen, das Beste aus unserem Leben zu machen.

Hört sich gut an, oder? Im Grunde müsste ich all die positiven Lifehacks, die ich so verbreite nur mal an mir selbst anwenden, dann wäre mein hormoneller Ausnahmezustand auch erträglicher. Ich weiß ja nicht, wie es euch gerade geht, ob ihr glücklich seid oder nicht. Aber sofern ihr euch in einer Krise befindet, so wie ich, dann drücke ich euch jetzt ganz fest im Geiste. Mein Nervenkostüm hängt gerade in Fetzen, ich neige zu aggressivem Verhalten und möchte manchmal einfach nur ein Hotelzimmer demolieren.

Ähnliches passierte neulich im Wellnessurlaub mit meiner besseren Hälfte. Es war mein Geburtstag und an der gedeckten Frühstückstafel hatten wir neugierige Mithörer am Tisch neben uns. Ich mag es nicht nur überhaupt nicht, wenn man mich anstarrt, nein, ich hasse es auch, wenn Menschen in meiner Gegenwart einfach nur schweigen und dies gegebenenfalls tun, um meinen Gesprächen mit jeweils anderen Menschen zu lauschen. Ich finde das nicht nur dreist, ich kann es noch dazu überhaupt nicht begreifen. Hat man denn keine eigenen Themen, über die man sich beim Essen unterhalten kann? Noch dazu kamen diese unerträglichen Essgeräusche dieser impertinenten Personen, denn die musikalische Berieselung im Hotel war viel zu leise. Es war, denke ich, die Kombination aus allem, was mich schlussendlich dazu brachte, plötzlich einfach aufzustehen, meinen Freund sitzenzulassen und aufs Zimmer zu stürzen. Und dort brach alles aus mir heraus. Ich heulte, schrie und zerlegte die niedliche Rattan-Tasche, in denen sich noch niedlichere Bademäntelchen und Schlappen befanden. Da saß ich nun, verheult und innerlich brodelnd mit meinen 40 plus, mitten in der Prämenopause und dachte daran, dass Prämeno irgendwie nach Dinosaurier klingt.

Am Ende ist es doch so: Wenn ich schon nicht kochen kann, so sind wenigstens meine Krisen hausgemacht. Und somit bin ich dankbar, dass ich wenigstens über diese Krisen schreiben kann. Und Mels Mikrokosmos ist mein Krisenkochbuch! Hier gibt es Rezepte für alle Lebenslagen.

Ich habe es mir neuerdings während meiner Restless-Legs-Nächten zur Aufgabe gemacht, mir selbst Mut zuzusprechen. Das ist das Leben. Die Wehwehchen werden nicht weniger, das Leben ist endlich, der Aperol auch. Und deswegen genehmige ich mir jetzt auch einen. Auf das Leben! Auf die Krisen!

Prost!

Heiße Zeiten

Lernte man früher in der Schule oder zumindest von der Pizzakarte, dass es vier Jahreszeiten gibt, ist das Trennen von Frühling, Sommer, Herbst und Winter mittlerweile Schnee von gestern. Es ist zwar noch am Kalender, längst aber nicht mehr am Wetter zu erkennen, in welcher Zeit des Jahres man sich gerade befindet. So wie die Menschheit nicht mehr länger mit nur zwei Geschlechtern auskommt, kommt Mitteleuropa nicht mehr länger mit nur vier Jahreszeiten aus. War es früher nur der April, der machte was er will, tun es ihm inzwischen seine elf Geschwister gleich. So dass es mittlerweile einfacher ist, die Lottozahlen der Folgewoche vorauszusagen als das Wetter vom Folgetag…

Im hippen Heute ist nicht nur Vierzig das neue Dreißig und Dreißig das neue Zwanzig, sondern auch Winter der neue Sommer. Als wäre es nicht schon genug, dass Onkel Thomas im Herbst seines Lebens den zweiten Frühling auslebt und frische Knospen erwartet, wo eher welkes Laub passt, muss es ihm das Wetter doch nicht unbedingt gleich tun. Wer das ganze Jahr Lebkuchen, Erdbeeren und bunte Eier im Supermarkt erwartet, der sollte sich nicht beschweren, wenn auch Petrus sich unseren irdischen Gewohnheiten anpasst und das ganze Jahr alle Wetterlagen bereit hält. Selbst schuld, wer nicht flexibel genug ist, im Urlaub sein Snowboard als Surfbrett zu nutzen; oder eben umgekehrt…

Wegen des Klimawandels dürfen wir uns darauf einstellen, dass Grillgemüse zukünftig unmittelbar am Strauch wächst und gebrannte Mandeln direkt vom Baum gepflückt werden können. Eine schonende Kaffeeröstung ist zwar magenfreundlicher, muss jedoch nicht unbedingt direkt an der Pflanze erfolgen. Ebenso kann man darauf verzichten, dass sich Tee durch zu viel zu warme Niederschläge auf der Plantage gleich selbst aufbrüht. Es heißt also Ärmel umkrempeln, solange es noch Temperaturen gibt, die Ärmel zulassen! Denn wenn wir nicht etwas tun und weiter fast untätig warten, wird es bald mehr als nur ein Sprichwort sein, dass einem die gebratenen Tauben in den Mund fliegen…

Das hätte Opa damals vor Stalingrad auch nicht gedacht, dass man nur wenige Generationen später das deutsche Weltreich ebenso wie bibbernde Kälte und gemäßigte Sommer nur noch aus Geschichtsbüchern kennt. Dank der globalen Erwärmung sind die Zeiten vorbei, in denen man noch zu Silvester auf dem Gletscher hinterm Haus rodeln konnte. Wo früher an Ostern der Schneemann vor der Tür stand, wartet heute bereits der Eismann. Hatte man einst als Kind noch gehofft, irgendwann die Wäscheleine in Omas Garten zum Skilift umfunktionieren zu können, hat es heutzutage um den Jahreswechsel nicht mal mehr genug Frost, um solch eine Idee auf Eis zu legen…

Die Zeiten haben sich geändert. Stand in meiner Kindheit jemand Unförmiges nackt vorm Haus und grinste dümmlich durchs Fenster, war es nicht der exhibitionistische Nachbar von nebenan, sondern schlichtweg ein Schneemann, der sich dank jahreszeitengemäßen Wetters von November bis Februar wacker im Garten hielt. Und damit aus heutiger Sicht länger als die meisten Influencer-Beziehungen. Damals konnte man im Sommer gefühlt noch 14 Tage ohne Sonnenschutz am Strand liegen, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen. Heutzutage ist man bereits krebsrot, wenn man sich ohne Lichtschutzfaktor 50 im Gesicht nur bis zum Mulleimer vorm Haus traut…

Noch keine fünf Milliarden Jahre alt, scheint unser Planet in den Wechseljahren zu sein und an Hitzewallungen zu leiden. Mittelmeerklima zwischen Maas und Memel, Südseefeeling von der Etsch bis an den Belt. Längst sind in vielen Teilen Ostdeutschlands gemäßigte Verhältnisse den Extremen gewichen. Was nicht nur dort zu hitzigen Debatten führt. Schuld ist das Abschmelzen der Polkappen. Und welche Schwierigkeiten man mit Polen haben kann, weiß jeder seit dem letzten Weltkrieg. Jahr und Jahr verschiebt sich der Klimagürtel der Erde wie der eigene Hosengürtel nach dem Weihnachtsessen. Beides kann auf Dauer nicht gesund sein…

In einigen Jahren wird man selbst in der Arktis Eis nur noch in den Geschmacksrichtungen Schoko und Vanille kennen. Als Kind beschränkten sich für mich die wahrnehmbaren Treibhausfolgen noch auf Streitereien zwischen meiner Mutter und meinem Vater und eine ziemlich unterkühlte Stimmung danach. Heutzutage sind die Stimmungsschwankungen des Wetters größer als die einer Frau alle 28 Tage. Da kann es passieren, dass man bei 25 Grad und Sonne in den Aufzug ein- und bei 5 Grad und Graupel wieder aussteigt. Kein Wunder, dass niemand mehr weiß, wann er Sommer- gegen Wintersachen tauschen soll und irgendwann in Skijacke und Flipflops im Regen steht…

Klettern die Temperaturen so weiter, werden Pinguine ihren Frack bald gegen einen Badeanzug eintauschen und Eisbären sich beim Waxing vom Pelz befreien müssen. Prognosen zufolge wird es Winter bald nur noch in Schneekugeln und zwischen Russland und dem Rest der Welt geben. In einigen Jahrzehnten werden Kinder Schneegestöber lediglich noch aus Erzählungen kennen als etwas, das so ausgesehen haben muss wie das, was Onkel Ede aus den Haaren rieselt. Vielleicht werden wir unseren Urenkeln einmal von Schneeballschlachten erzählen wie unsere Urgroßväter uns von Panzerschlachten. Mit dem Unterschied, dass wir dann keine Splitternarben als Beweis haben…

Schneemänner werden die Dinosaurier von morgen, die nur noch in Schulbüchern, Stickeralben und als Monster in Hollywoodfilmen auftauchen. Generationen nach uns werden staunend in Museen vor Vitrinen mit Holzkohlenstücken, Karotten und Zylindern stehen wie wir heute vor Resten eines T-Rex. Werden die letzten Iglus in Grönland einmal Touristenmagneten wie die Pyramiden in Ägypten? Vielleicht wird ja die nächste Ausstellung im Praehistorium „Gondwana“ die authentische Nachbildung eines verschneiten Hunsrückdorfs der 1970er. Schon heute kennen viele unter Dreißig Schnee nur noch aus Nobeldiskotheken. Und dort haben sie von der weißen Pracht meist schnell die Nase voll…

Andererseits ist es vielleicht aber sogar ganz gut, dass die Temperaturen steigen. Biergartenzeit von Januar bis Dezember, Weihnachtsmenü vom Grill und endlich einmal Silvester in Unterhemd und Badelatschen ohne eine Unterkühlung zu bekommen. Keine nervigen Schals und Handschuhe, die man andauernd irgendwo liegen lässt. Kein Eiskratzen, kein Schneeschippen und kein Ärger über nicht gestreute Gehwege. Außerdem umgeht man, dank freien Oberkörpers, beim Silvesterfeuerwerk ärgerliche Brandflecken in der neuen Winterjacke. Und ob man nun den billigen Roten warm als Glühwein oder kalt als Bowle trinkt, ist für den Kater am nächsten Morgen auch egal…

Die kalte Jahreszeit hat jedoch auch viel für sich. Ohne strengen Frost steigen die Mengen an Stechmücken ins Unermessliche. Ebenso wie die Mengen an holländischen Wohnwägen. Außerdem ist Frost gut für die Augen. Nimmt bei Temperaturen unter Null doch die Zahl derer rapide ab, die ihren viel zu dicken Körper in viel zu dünne Kleidung pressen. Lasst uns also gemeinsam etwas gegen die Klimaerwärmung tun. Öffnen wir am nächsten Samstag alle für eine Stunde die Tiefkühltruhen. Das wird sicher cool. Heiße Zeiten… gruenetomaten@live-magazin.de.

Patrik Wolf

P.S. Desertifikation hat nichts mit Nachspeisen zu tun.

WAS FÜR EIN THEATER

Perspectives 2024 – ein ganz besonderer Jahrgang

Das Festival Perspectives gehört ohne jede Frage zu den interessantesten kulturellen Errungenschaften unserer Region. Das gilt selbstverständlich auch für die diesjährige Ausgabe, die unter denkbar widrigen Umständen an den Start gehen wird. Die frühere Festivalleiterin Sylvie Hamard trat vor schon vor rund einem Jahr zurück und im Herbst verließen mit Marion Touze und Martha Kaiser auch die beiden Stellvertreter die Perspektives. Die 45. Ausgabe muss daher erstmals ohne Leitung auskommen. Dass dennoch ein Event auf dem Niveau seiner Vorgänger realisiert werden konnte, ist vor allem zweierlei Umständen zu verdanken: dem Einsatz – und auch der Leidensfähigkeit – des aktuellen Rumpfteams und der ausgezeichneten Vorarbeit der alten Leitung bis zu deren Abgang. Das wirft einige Fragen auf, die wir der neuen Pressereferentin Frieda Maas stellen konnten.

L!VE: Hätten Sie sich träumen lassen, was in Ihrem ersten Jahr auf Sie zukommt?

Frieda Maas: Na ja, nicht ganz. Als gebürtige Saarbrückerin kannte ich das Festival natürlich. Ich habe auch schon in verschiedensten Funktionen gearbeitet, bin aber erst jetzt als vollwertige Referentin im Amt. Letztes Jahr war dieser große Umbruch, als mit Sylvie und dann Martha und Marion, praktisch alle Köpfe das Festival verlassen haben. Dass ich dann eingesprungen bin, war Zufall. Ich befinde mich eigentlich im Endspurt meines Studiums, mir fehlt praktisch nur noch die Abschlussarbeit, aber die habe ich jetzt kurzerhand in den Winter geschoben, einfach weil ich ein großer Fan des Festivals bin und mir dachte, tolles Angebot und noch mehr, eine super Chance!

L!VE: Abgesehen von den drei angesprochenen, wesentlichen Eckpfeilern, ist das Team unverändert geblieben?

FM: Das Team wechselt sowieso jedes Jahr ein bisschen durch. Es gab und gibt neben Marion und Martha nur ein paar Festangestellte, also zum Beispiel Célia Galiny, die jetzt für die Koordination zuständig ist und kommissarisch eben Marthas Stelle mit übernommen hat. Dann haben wir noch ein paar andere feste Köpfe in der Verwaltung und jedes Jahr viele Praktikanten in allen Bereichen. Dennoch insgesamt ein sehr kleines Team, auch wenn jedes Jahr ein, zwei neue Köpfe dazugekommen, wie jetzt beispielsweis Anna, die letztes Mal schon im Vorverkauf mitgearbeitet hat und den dieses Jahr leitet. Also, man findet sich immer wieder.

L!VE: Trotzdem war dieses Mal doch alles anders. Gab es da manchmal Zweifel, ob das unter diesen Umständen überhaupt zu stemmen ist?

FM: Viele der Produktionen, die wir einladen, muss man schon Jahre im Voraus anfragen und buchen. Das heißt, bis auf ein, zwei Programmpunkte und Teile des Musikprogramms war alles schon vorbereitet. Das geht auf Martha und die Leitung unter Sylvie zurück. Um ein paar kleinere Programmpunkte hat sich die Célia dann gekümmert. Das mit den Zweifeln ist dann immer so die Sache. Wir sind halt ein sehr kleines Team wie jedes Jahr. Das war ja auch das, was Martha und Marion zu Recht bemängelt und angemahnt hatten. Daran hat sich jetzt nach deren Weggang nicht viel verändert.

L!VE: Losgelöst von unglücklichen Bezeichnung „Interimsausgabe“ ist die Tatsache ohne echte Leitung agieren zu müssen, vielleicht auch eine Chance zu sagen, jetzt erst recht. Jetzt zeigen wir, was wir können?

FM: Anders wird es ab nächstem Jahr unter der neuen Leitung sowieso. Von daher haben wir dieses Jahr nichts zeigen müssen, da das Programm in wesentlichen Teilen nicht von uns gestemmt wurde, sondern wirklich auf das alte Team unter Martha und Sylvie zurückgeht.

L!VE: Zurück ins Theater. Auch dieses Jahr gibt es wieder neue, spannende Spielorte. Wie finden eigentlich Produktion und Location zueinander?

FM: Es kommt immer ganz darauf an, wie wie das Bühnenbild aussieht, welcher Platz benötigt wird und wie viel technisches Equipment. Das hängt von dem jeweiligen Stück ab, welcher Spielort sich am besten eignet. Zum Beispiel manche Stücke, wie das kleine Objekt-Theaterstück „Star Show“ der Compagnie Bakélite, das würde in einem großen Haus wie dem Staatstheater nie funktionieren, weil das Bühnenbild zu klein ist. Außerdem ist der Zeitpunkt mit entscheidend, also wie früh wir wissen, wann die Kompanien Zeit haben oder wann wir tatsächlich die Zusage von den Künstlergruppen bekommen? Und dann wiederum zählt die Frage, welche Spielorte sind überhaupt noch frei? Wir haben ja manche Kooperationspartner wie das Saarländische Staatstheater oder auch das Le Carreau in Forbach. Die haben ihre eigene Saison. Das bedeutet, wir müssen uns dann natürlich immer ein bisschen anpassen, was frei ist und eben auch, was das Stück hergibt. Das alles gilt natürlich auch für unsere drei neuen Spielorte, darunter die Kirche St. Jakob in Alt-Saarbrücken, die ein besonderes Highlight beherbergen wird.

L!VE: In jüngster Zeit kam immer wieder die Frage auf, ob die Perspectives 2024 zu unpolitisch seien…  

FM: Ja, das ist tatsächlich eine Kritik, die jetzt seit unserer Pressekonferenz des Öfteren kam, dass wir sehr zirkuslastig wären dieses Jahr, dass wir weniger Theater hätten. Ich habe mir das nochmal angesehen, weil ich der Meinung bin, das stimmt so nicht. Wir haben nämlich einmal das Eröffnungsstück. Das ist natürlich an sich Zirkusakrobatik, aber das hat auch sehr viele echte theatrale Elemente. Andererseits haben wir aber auch reines Sprechtheater, wie „Elles vivent“ das wir am letzten Tag zeigen. Dann haben wir noch „The Making of Berlin“ von Berlin, die ja schon mit „True Copy“ bei uns waren. Und schließlich noch „Hokuspokus“ das Masken-Theaterstück der Familie Flöz und das Objekt-Theaterstück „Star Show“ der Compagnie Bakélite, das ich gerade schon angesprochen habe. Das alles ergibt ein wie ich finde sehr ausgewogenes Programm. Es ist ja immer Auslegungssache, da viele von den Stücken ja sehr spartenübergreifend sind, sich nicht eindeutig kategorisieren lassen.

L!VE: Dass mit Berlin und der Familie Flöz gleich zwei Wiederholungstäter am Start sind, ist aber keine risikoscheue Entscheidung der Umstände halber?

FM: Nein, das würde ich so absolut nicht behaupten. Martha und Sylvie, haben immer so ein bisschen die Linie verfolgt, zu schauen, wie sich die Künstlergruppen mit den Jahren weiter verändern, um auch die natürliche Entwicklung, die diese Künstlergruppen mit ihren verschiedenen Werken durchleben, zu zeigen. Und gerade die Familie Flöz, die zugegebenermaßen schon sehr oft bei uns waren, hat das Publikum jedes Mal begeistert. Ja, wieso sollte man solche Publikumslieblinge also nicht mehr einladen?

L!VE: Für viele ist das Gastspiel von Meute das größte Ausrufezeichen im Programm. Diese Kooperation mit den Musikfestspielen Saar ist schon außergewöhnlich.

FM: Ja sicher, aber ich finde, das passt sehr gut in unser Programm. Wir haben ja oft sehr viel alternative, junge französische Künstler zu unserem Musikprogramm eingeladen. Und bei Meute ist es wirklich ein bisschen zielgruppenübergreifend, denn die bedienen ja wirklich Leute von bis. Wir sind wirklich froh, dass wir mit den Musikfestspielen kooperieren können, da die Zielgruppen mit unseren in etwa übereinstimmen. Es war praktisch ein Perfect Match, da zusammenzuarbeiten.

L!VE: So turbulent wie die vergangenen Monate waren, setzt mit dem Start des Vorverkaufs jetzt eine gewisse Erleichterung ein?

FM: Ja klar. Mit der der Veröffentlichung des Programms ist uns der erste Stein vom Herzen gefallen. Allerdings ist es so, dass unser Vorverkauf dieses Jahr ein bisschen speziell ist. Wir hatten sonst immer am St. Johanner am Markt ein Ladenlokal für die die Festivalsaison angemietet, wo immer drei Personen an sechs Tagen die Woche vor Ort für die Leute da waren. Wir haben damit supergute Erfahrungen gemacht und hätten wir das gerne beibehalten, aber auch das geht dieses Jahr einfach aus Personalmangel nicht. Wir haben eine Telefonhotline und Infostände, also für die Programmberatung, unter anderem im Kulturpoint neben dem Kulturcafé, aber eben keine Verkaufsstelle mehr. Das muss jetzt der Webshop übernehmen.

L!VE: Ab nächstes Jahr leitet Kira Kirsch das Festival. Was hältst du davon?

FM: Im Endeffekt war es eine politische Entscheidung, mit der wir als Team ja nichts zu tun hatten. Sie hatte bei ihrer Bewerbung ein Konzept vorgelegt, dass was wir im Nachgang auch angucken konnten. Alles sehr ambitioniert und tolle Ideen, die sie da einbringen will. Natürlich auch mit ihrer eigenen Handschrift, aber wer würde das schon machen und so ein Festival einfach so lassen, wie es ist. Aber in welche Richtung sich das bewegt bleibt vorerst offen. Die Spekulationen sind ja auf jeden Fall da. Sie hat ja viel mit der freien Szene gearbeitet und ist es gewohnt, ohne festen Spielort ein Programm zu konstruieren und auf die Beine zu stellen. Sie wird mit ihren eigenen Visionen da ran gehen, was klar ein Umbruch sein wird, aber das kann ganz spannend werden.

L!VE: Abschließend nochmal zurück zum diesjährigen Programm: was sind denn Ihre ganz persönlichen Favoriten?

FM: Mein persönliches Highlights von den Gastspielen sind „Hokuspokus“ und „Making of Berlin“. Und vielleicht auch „Armour“, eins von den drei Stücken, die in der Kirche St. Jakob spielen, was von der Thematik vielleicht ein bisschen gewagt ist, das in einer Kirche zu spielen. Ein tolles Stück voller Selbstironie. Aber unterm Strich bleibe ich bei „Hokuspokus“

L!VE: Vielen Dank für das Gespräch und starke Nerven für die nächsten Wochen!

Clubzone Mai 2024

Tja, der April macht wirklich was er will! Und was das Saarbrücker Club- und Partytreiben angeht, wollte er in erster Linie eins: feiern, feiern, feiern. Wenn es künftig so weitergeht, dann muss man mit Verlaub für den kommende Sommer mit jeder Menge ungebremster Feiereien rechnen. Scheinbar wurden über die dunkle Jahreszeit Kräfte und Energien erzeugt, die jetzt das Nachtleben so richtig tieferlegen. Das galt für die ohnehin etablierten Locations in der City, genauso wie für noch recht frische Läden vom Schlage eines LOOSE CLUB. Aber alles der Reihe nach. Wir starten unsere Zeitreise in die letzten Wochen – jetzt!

Bleiben wir doch gleich beim bereits angesprochenen LOOSE CLUB. Es ist uns schon fast peinlich immer wieder ganz Ähnliches zu berichten, aber der immer noch recht frische Club in der Kaiserstraße hat auch in den letzten Wochen die absolute Eskalation geliefert. Mit HIPHOP MEETS TECHNO begann die Partyeskalation und auch die BLAULICHTPARTY war  letzten Monat wieder der absolute Wahnsinn, insbesondere bei den neuen Ausgaben von GIRLS CLUB und der Mediziner Party ging alles! Wir müssen ehrlich sagen, damit hätten wir selbst nicht gerechnet, denn es kam zu Ausnahmezustände, die mit Worten nicht wirklich zu beschreiben sind. Daher versuchen wir es erst gar nicht. Garant für die Partyexzesse waren wohl nicht das großartige DJ-Team, nein, die gesamte Crew war mit unglaublichem Zusammenhalt und toller Stimmung bei der „Arbeit“. Komplettiert wurde das Ganze von der MUCHO LATINO und der REPRESENT, aber ausgelassen gefeiert wurde auch im April eigentlich an jedem Samstag. Mit stets wechselnden Mottos wurde hier genau die Abwechslung geboten, die es für legendäre Partynächte braucht.

   Der Wald hat gerufen, und die Leute sind gekommen! Liebe Leute, was bei HEARTBEATS in the forest in der Scheune im Forsthaus Neuhaus abging, lässt sich auch jetzt mit ein paar Tagen Abstand noch kaum in Worte fassen. Da haben die HEARTBEATS -Jungs Splash&Snow aber mal richtig einen rausgehauen. Viele sprechen jetzt schon von der Party des Jahres. Mega Stimmung, Mega Publikum, überall nur feiernde und lachende Gesichter. Lena und ihr FORSTHAUS Team sowie Jonas mit seiner rollenden HEART BAR sorgten dafür, dass auch alle durstigen Kehlen stets schnell versorgt wurden. Die Scheune selbst glich dank der genialen Licht- und Tontechnik einem Berliner Techno-Tempel – und man muss sich fragen, warum dort erst jetzt solch eine große Party stattfand. Und die Jungs hinterm Pult waren auch wieder der Wahnsinn: Frank S, Yannick Maurer, Splash & Snow ließen der Party-Meute kaum Luft zum Atmen – das war schon großes Kino. Wer hier nicht dabei war, hat wirklich was verpaßt! Aber keine Sorge, am Abend vor Christi Himmelfahrt gehts glücklicherweise mit MUSIC SOUNDS BETTER WITH US im APARTMENT genauso weiter.  Da sorgen dann gleich fünf Deejays für den absoluten Abriss. Unbedingt im Kalender eintragen!

   Apropos APARTMENT, der Laden hat auch im April wieder eine Auswahl an exzellentem Partyspaß geboten, der die Tanzfläche zum Beben gebracht hat und für jeden Partygänger das perfekte Event parat hatte. Jeden Freitag war es Zeit für abwechslungsreichen Feieralarm von WE ARE 2000 & 2010 über FLAWLESS bis GREATEST TIME Hier konnten die Gäste zu Mixed Club Music die ganze Nacht lang feiern. Diese Partyreihen sind immer ein Garant für gute Stimmung und eine vielfältige Auswahl an Musikgenres. Egal ob House, Techno, Hip-Hop oder Pop – hier kam jeder auf seine Kosten. Samstags ging es nicht weniger heftig zu Werke. THE GREAT 8090 war ein weiteres Highlights im April. Diese Party zeichnete sich genau wie die FESTA ITALIANA durch ihre besondere Atmosphäre aus, bei der das Clubambiente und die Lichteffekte die Gäste in eine andere Welt entführten. Die Musik sorgte für eine elektrisierende Stimmung, und die Gäste konnten die Nacht in vollen Zügen genießen. Bei MEMORIES schließlich konnten die Gäste in Erinnerungen schwelgen und zu den größten Hits der Vergangenheit tanzen. Es war eine Reise durch die Zeit, bei der die besten Songs vergangener Jahrzehnte wieder zum Leben erweckt wurden. Unbedingt weiter zu tratschenm, ist allerdings ein ganz besonderes Detail der OUR HOUSE Party, denn da stand auf einmal und unangekündigt eine neuer DJ an den Decks. Im Handumdrehen hatte der die feiernde Meute im Griff und holte mit einer gekonnten Auswahl an mitreissenden Clubtracks das Letzte aus der Crowd heraus, die dann so richtig durch die Decke gingen. Der Kanller dabei: der DJ war kein Geringerer als FCS Torwart Tim Schreiber! Der war eigentlich mit Team im APARTMENT um die satte neun Punkte Ausbeute aus nur einer Woche zu feiern. Da kann man ja ausnahmsweise mal ein bisschen steilgehen, auch in der Saison. Dass die Molschder Nr. 1 dann allerdings gleich noch das Ruder übernahm, damit konnte keiner rechnen – und erst recht nicht damit, wie bravourös der Tim das hinbekam. Hoffentlich gibt es davon nach der Saison eine Fortsetzung!

   Freunde des gepflegten Ausnahmezustands kamen auch im EGO in Saarbrücken voll auf ihre Kosten. Nach den besonders saftigen Events im Monat März ging es bei allen bei Veranstaltungen wie der regelmäßigen EGO Saturdays oder den Knallerfestivitäten LEVEL und FINESAAR & CIRCUS MAX massivdurch die Decke! Außerdem war selbstredend auch die FREAKY genau wie dieNacht mit LOREDANA wieder der Knaller. Einfach von allem das Beste! Wahnsinn was hier abging. Nicht nur erprobte Stammgäste, sondern auch neue Freunde feierten, als gäbe es kein Morgen. Alle unterschiedlichen Konzepte sorgten Woche für Woche für eine ausgelassene Stimmung und das EGO DJ Team ließ die feiernde Meute auf der Tanzfläche richtig abgehen. Unbedingt selber vorbeikommen, denn es ist wirklich schwer, diese Eskalation in Worte zu fassen.

   Eskalation ist seit mittlerweile über 24 Jahren das Motto im BLAU. Der legendäre Schwitzekeller zwischen Bahnhofstraße und Berliner Promenade hat schon ungezählte Partynächte erlebt und dennoch werden die Macher nicht müde immer wieder eine Schippe draufzulegen. Was da regelmäßig von einer kaum zu bremsenden Partymeute veranstaltet wird, ist an Partypotential kaum zu überbieten. Das war jetzt auch so bei der funkelniegelnagelneuen UNITY, deren Premiere super angenommen wurde. Für die Gehörgänge gab’s Afrobeats, dancehall und Hiphop. Dies war ein neues Terrain fürs BLAU, aber Altmeister Daniel Sentinel, Hakimo und Racegate haben den Abend unvergesslich gemacht. Die allseits beliebte LEMONADE war wieder ein großer Publikums-Magnet. Die Schlange reichte bis in die Bahnhofstraße und zeigte mal wieder dass sich früh kommen lohnt, also jetzt beim Clubbesuch und nicht was ihr gerade denkt. Auch die DISKO RAPID war bei ihrer dritten Folge Ziel von Hypertechno und Trance im Mashupstyle. Diesmal war sogar ein Gast-DJ aus Kiel am Start, über den sich alle freuten.Nicht wegzudenken aus der Partylandschaft, ist selbstredend der legendäre MISCHMASCH CLUB. Volles Haus und eine extatische Stimmung nicht nur im Theater, sondern auch in der Lounge wo Hazoum alles gab und die Meute mit seinem House-Set zum kochen brauchte. Er bewies damit: House lebt – und wie!

   Das STUDIO 30 steht für Konzerte und Partys abseits des Mainstreams. Bei der 6NULL3 DOSENBIER Party Mitte April war für alle Fans von Indie und Rockmusik etwas geboten. Stilecht mit Dosenbier. Auch die fantsatischen LINDFY HOP Veranstaltungen setzten mit den Livebands Lennox Avenue und Gajos Tanzorchester neue Akzente und boten die Möglichkeit beim Social Dance zu Swingmusik zu tanzen.  Auch die kommenden Wochen sorgten jetzt schon für reichlich Gesprächstoff unter anderem mit der Premiere der neuen Partyreihe SALTARE. Das Beste aus Gothic, Mittelalter & Metal für Fans der Dark-Szene sorgte jetzt schon für gesteigerte Vorfreude.

   Die aktuelle Entwicklung in der wieder auferstandenen KUFA sorgte allerorten für große Freude und Begeisterung. Für die unterschiedlichsten Partys konnten in den letzten Wochen bestens beleumundete Local Heroes für die Arbeit an den Decks gewonnen werden. Den Anfang machte  in letzten Wochen die zweite Geburtstagsparty vom FUCHS am Sankt-Johanner-Markt. Der platzt ja auch schon an so manch einem normalen Wochenende aus allen Nähten und so war klar, dass für das Jubiläum eine größere Location her musste– und was eignete sich da besser als die niegelnagelneue KUFA. Die Musikunterhalter für diesen besonderen Abend waren auch schnell gefunden und mit Frank.S & Kastel, Fräulein Else, DJ Moh, DJ Pi, Schmidt & Schmitz und Yves waren auch gleich die üblichen Verdächtigen am Start und haben den für diesen Anlaß nur minimal verkleinerten Laden gleich mal richtig auf den Kopf gestellt. Doch auch die anderen Events, besonders die Live-Gastspiele von Rocco Hunt, Jason Darulo oder Gzuz & Mortel haben die extra Klasse der Kultlocation immer wieder aufs Neue unter Beweis gestellt. Da wollen wir doch mal hoffen, dass es im Mai so weiter geht!

In diesem Sinne – Take care!

Aus dem Leben eines Außenseiters

Hallo Mikrokosmonauten: Wenn ein Underdog gewinnt, dann gewinnt er für alle!

Im Grunde bin ich wie der 1. FC Saarbrücken: An mich geglaubt haben immer nur wenige, wenngleich es die Exoten, Bordsteinschleifer und komischen Vögel waren, die sich schlussendlich immer in meinen Bann ziehen ließen. In der Welt der Profis, Gewinner und echten Champions blieb ich meist nur Zaungast. Nein, als Hauptakteurin konnte ich mich mitnichten betiteln, auch wenn ich es gerne gewesen wäre. Aber wie in jedem Leben kommt irgendwann der Zeitpunkt, aus diesem Schatten rauszutreten und sich zu beweisen.

Als gebürtige Saarbrückerin nahm ich natürlich zur Kenntnis, dass sich da in Richtung Ludwigspark etwas tut. Es war etwas, was ich zuerst überhaupt nicht richtig ernst nahm, darüber witzelte, dass im Fokus erstmal ein trauriger Rasen steht und weniger eine Fußballmannschaft, die auf ihm spielt. Dass aber ebenjene Mannschaft dann sowas von an Fahrt aufnahm und es aus dem Nichts „Bäm“ machte, erstaunte mich dann doch sehr.

Kennt ihr den Underdog-Effekt?

Topdog und Underdog – zwei Begriffe, die den Unterschied zwischen „Außenseiter“ und „beliebter Quarterback“ nicht besser betiteln könnten. Underdogs sind – wie der Name schon sagt – unterlegene Hunde. Diejenigen, von denen man nichts erwartet. Diejenigen, die in der sozialen Rangordnung nicht hoch angesiedelt sind. Während der Topdog der Mädchenschwarm der Schule ist. Eben derjenige, der alles hat und augenscheinlich immer gewinnt. Underdog und Topdog bieten seit jeher den besten Stoff für Hollywood. Rocky Balboa, Karate Kid, Braveheart: Sie alle haben vielleicht nicht die Stärke, die Klasse und die Intelligenz der Favoriten – aber sie haben Herz und Leidenschaft – und das sogar im doppelten Wortsinn, denn sie können leiden. Und das zieht alle in den Bann!

Bereits 1992 untersuchte Edward Hirt von der Indiana Universität den Underdog-Effekt und beobachtete dabei das Verhalten von männlichen Basketball-Fans. Gewann deren favorisierte Mannschaft, stieg deren Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein immens an. Verlor das Team aber, waren die Testpersonen am Boden zerstört, und irgendwo in einer Lache aus Bier, Tränen und Frust tropfte auch ihr Selbstwertgefühl in den Rinnstein. Ganz anders bei den Fans von Underdogs. Sie sahen von vornherein keinem triumphalen Moment entgegen, rechneten nicht wirklich mit einem Sieg oder gar einer Prämie in einer Sportwette. Ihr Selbstwertgefühl blieb immer konstant. Gab es aber einen Überraschungssieg, war die Freude umso gewaltiger. (Quelle: Karrierebibel)

Lohnt es sich, auf Außenseiter zu setzen? In Bezug auf ausgleichende Gerechtigkeit allemal!

So wie der 1.FC Saarbrücken lange genug auf diese Sternstunde warten musste, so sind es auch wir, die irgendwann realisieren, dass wir so viel mehr können und so viel mehr sind!

Es war 1994, als meine Sternstunde endlich kam. Und nein, in jenem Jahr entdeckte ich nicht die Prostitution für mich. Also bitte! Nein, es passierte während der Orchesterstunde in der Schule. Ich spielte auf meiner Blockflöte und ich zitterte. Ich zitterte nicht, weil mich die musikalische Performance pubertierender Siebtklässler ergriff, sondern ich zitterte vor Nervosität, weil sich in der letzten Bank der absolute Mädchenschwarm der Schule genervt durch die blonde Lockenpracht strich, weil er Nachsitzen musste und zeitgleich unseren schiefen Tönen ausgesetzt war. Und ich saß da, in meinem Blumenpullover, meiner etwas zu klobigen Brille und meinem pinken Haarreif, der sich ständig in meine Stirn schob, sobald ich zu flöten begann. Mein Herz pochte wie wild als sich unsere Blicke plötzlich trafen. Seine Reaktion, als er mich musterte, war eine Mischung aus Mitleid und Amüsement in Form eines etwas zerstreuten Grinsens. Spürte er etwa, dass zwischen uns mehr als nur ein C-Moll war? Wie dem auch sei, ich dachte in diesem Moment, im Erdboden zu versinken.

Heute weiß ich: Ich war sein Underdog. Und es gab zu dieser Zeit weibliche Topdogs en masse an unserer Schule, denen er hätte zulächeln können, soviel stand fest! Während ich also meine schiefen Blockflötentöne von mir gab, kritzelte er weiter in seinem Heft und am Ende der Stunde schnappte er sich seine grün-weiße Baseballjacke, die ich so an ihm liebte, warf sich seinen zerschlissenen Army-Rucksack über die Schulter und strich sich wieder so unendlich sexy durch seine blonden Locken, dass ich Mühe hatte, die Flöte unter Kontrolle zu halten und nicht in Ohnmacht zu fallen.

Er kam auf mich zu. Musste er auch, um nach draußen zu gelangen, aber er wurde langsamer, je näher er auf mich zukam. Es war wie in Zeitlupe. Ich festgetackert auf meinem Stuhl, meinen Blick durch die angelaufenen Brillengläser ihn fixierend, er locker lässig auf mich zukommend, die blauen Augen auf mich gerichtet, ein Lächeln seine Lippen umspielend, forsch und trotzdem cool. Und als er schließlich vor mir stehen blieb, reichte er mir einen Zettel und sagte: „Ruf doch mal an.“.

Und nein, es war nicht mein Talent, Flöte zu spielen, was ihn so herrlich an mir verzaubert hatte. Es war mehr. Denn viel später wurden wir eines dieser verhassten Liebespärchen auf dem Schulhof, aber zuvor riss ich mir noch diesen albernen Haarreif aus den Haaren, tauschte meinen Blumenpullover durch ein Metallica-Shirt, setzte die Brille ab und verbrannte meine Flöte. Mein Underdog-Dasein war ab diesem Tag beendet. Und das nur, weil jemand mehr in mir gesehen hatte, als eine Blockflöten-Brillenschlange.

Vom Unterdrückten zum Unterdrücker?

Rocky Balboa, Karate Kid und Braveheart. Sie alle sind Kino. Seifenschaum. Im echten Leben gewinnen Underdogs seltener. Aber wir wünschen uns zumindest, es wäre so. Weil wir vielleicht irgendwann auch mal der Außenseiter sind oder waren. Und weil wir alle das Bedürfnis nach Harmonie und ausgleichender Gerechtigkeit in uns tragen. Und um die Brücke zurück zum FC Saarbrücken zu schlagen: Es ist wie in der Geschichte zwischen David und Goliath. Irgendwann muss so ein Großmaul wie Goliath einfach mal eins aufs Maul bekommen. Das haben sie jetzt schon mehr als einmal bewiesen und genau deswegen kriegen wir uns alle nicht mehr ein. Zu Recht! Wir sollten jubeln, so lange es geht.

Am Ende ist es doch so: Es ist wie bei „Cool Runnings“, der ersten Bobmannschaft aus Jamaika:

Dabei sein ist alles!

Good luck an alle Outsider da draußen!

Obi et Orbi

Auf ewig bis ans Lebensende mit dem gleichen Mann ist für viele Frauen kein Problem. Aber mit ihm auch nur einmal samstags zusammen in den Baumarkt? Da hört die Liebe auf!

Jeder hat schon einmal vom Paradies gehört. Ob nun als Creme, Vogel oder Ort, an den all diejenigen kommen, die fleißig Kirchensteuer zahlen. Während Verkäufer im TV-Shopping die Ansicht vertreten, dass allein der Kauf eines Staubsaugers ausreicht, um den Himmel auf Erden oder zumindest den Teppich zu bringen, sind die meisten anderen der Meinung, Glückseligkeit warte erst, wenn man das Irdische hinter sich hat und dem hellen Licht entgegentritt. Wer schon einmal das Ende des Tunnels erblickt hat, sich dann aber doch noch einmal für den Rückweg entscheiden durfte, widerspricht dieser Erwartung: Am Ende des Tunnels warten nicht Adam und Eva, sondern lediglich Perl und Cattenom…

Das wahre Paradies jedoch findet sich gar nicht im Jenseits, sondern mitten unter uns im Diesseits. Das dürfte nun diejenigen enttäuschen, die sich für einen Suizid entschieden haben und vorher nur noch kurz diese Kolumne lesen wollten. Der Himmel ist nah, nicht aber die Apokalypse, wie es die Zeugen Jehovas prophezeien. Insofern besteht auch kein Grund, an der Haustüre in ein Abonnement für deren Erlöserzeitschrift zu investieren, die für Klopapier zu glatt und für einen wackeligen Tisch zu dünn ist. Statt Geld in bar in eine Sekte zu stecken, lohnt es sich vielmehr, Geld in einer Bar in Sekt zu stecken. So ist es später auch leichter zu verdauen, wenn Gott beim jüngsten Gericht kocht…

Der paradiesischste Ort auf Erden ist keine Kirche, dennoch aber ein Tempel gottgleichen Werkens. Während der Herr die Welt in sieben Tagen erschuf, kommen hier Jünger zusammen, die Ähnliches an nur einem Wochenende vollbringen wollen. Statt schnöder Holzkreuze gibt es hier Holzzuschnitt nach Maß. Anstelle harter Kirchenbänke findet man hier gepolsterte Terrassenliegen und statt kalter Taufbecken beheizbare Gartenpools. Dazu Werkzeuge für jeden Gebrauch, die sogar Jesus am Berg Golgatha gefallen hätten. Die Rede ist von der heiligen Stätte am Stadtrand, zu der Gleichgesinnte pilgern, um Inspiration zu finden und ihre Sorgen und Frauen hinter sich zu lassen: der Baumarkt…

Baumärkte sind für uns Männer das Paradies auf Erden. Hinter der Himmelspforte aus Glasschiebetüren warten göttliche Gaben aus der Bibel eines jeden Heimwerkers, dem wöchentlichen Werbungsfaltblatt. Was könnte für einen Mann nach einer Woche im Büro, in der sich die handwerkliche Betätigung auf Hosentaschenbillard beim Anblick der Praktikantin beschränkt hat, befriedigender sein als samstags den Blaumann anzuziehen und sich auf zum Baumarkt zu machen? Wer stolzer Besitzer eines Autoanhängers ist, führt diesen dabei stets mit sich, auch wenn er nur eine Schachtel Schrauben kaufen will. Denn mit Anhänger parkt man wie ein Heimwerkergott ganz vorne…

Schon seit der Bauecke im Kindergarten überkommt uns Männer regelmäßig der Drang, Dinge auf-, ab- oder umzubauen zu wollen. Da kann es schon einmal zum spontanen Einreißen einer tragenden Wand oder zum Einbau eines Dachfensters in der Kellerwohnung kommen. Nicht lange fackeln, sondern ran an den Bohrhammer und Fakten schaffen. Die Bretter, die die Welt bedeuten, sind für einen Mann zehn Millimeter dick und aus Holzfurnier. Seit jeher beschäftigen Männer sich lieber mit Werkzeugen als mit Kinderzeugen. Daher sollten Frauen auch akzeptieren, wenn es zum Valentinstag vom Liebsten statt roter Rosen einen pinkfarbenen Akkuschrauber gibt …

Neben Urinieren im Stehen gibt es kaum etwas Männlicheres als in die endlosen Weiten der Paletten und Hochregale eines Baumarkts abzutauchen und sich inmitten betörender Lösungsmitteldämpfe darüber zu informieren, welche Fortschritte die Welt der Kombizangen und Gipskartonplatten seit dem letzten Besuch vergangene Woche gemacht hat. Ein echter Handwerker würde eher auf seine Niere verzichten als auf seinen Werkzeugkasten. Wäre es erlaubt, Männer würden ihren Nachwuchs Makita oder Metabo nennen und ihnen zur Geburt statt eines Sparbuchs eine Kundenkarte für den Baumarkt besorgen. Stets in der Hoffnung, ihre späteren Ehepartner hießen mit Nachname Bosch oder Einhell…

Der Baumarkt ist ein Einkaufsparadies ganz nach Männergeschmack: mit einer Schuhabteilung ohne Sandälchen und Stiefeletten, dafür mit Sicherheitsschuhen und Gummistiefeln, sowie mit einer Kosmetikabteilung ohne Lidschatten und Lippenstift, dafür mit Acryllack und Rallyespray. Um Männerherzen höher schlagen zu lassen, braucht es keine Teelichter, Räucherstäbchen oder Meditationsmusik, sondern Halogenstrahler, Schmierölgeruch und den Klang einer neuen Kettensäge. Man könnte vor Glück heulen, wenn man nicht ein Mann wäre. Wie in jedem Paradies hat Mann auch in einem Baumarkt nur eines zu fürchten: Schlangen…

Bei aller männlichen Sentimentalität kann es schon einmal sein, dass selbst gestandene Heimwerker sich von ihren Gefühlen leiten lassen, wenn sie die passende Axt zu ihrem Holzfällerhemd finden oder sich die neuste Generation Arbeitshandschuhe toll anfühlt. Schnell verliebt Mann sich da auch einmal in einen fabrikneuen Aufsitzmäher mit Kehrfunktion, den man direkt gegen den alten Besen eintauschen würde, mit dem man verheiratet ist. Wenn die Partnerin schon glaubt, Anrecht auf einen Saugroboter zu haben, steht einem Mann doch erst recht ein Mähroboter zu. Selbst wenn das Zuhause statt eines Gartens nur vier Quadratmeter Balkon hat…

Um im Kaufrausch nicht die Kontrolle zu verlieren wie Frauen in Schuh- oder Drogerieläden, gelten für Männer in Baumärkten drei goldene Regeln: (1.) Es wird nur gekauft, was auch wirklich gebraucht wird. Und vielleicht noch das ein oder andere mehr, was irgendwann einmal gebraucht werden könnte. Auch wenn man noch nicht weiß, wann oder für was. (2.) Artikel im Sonderangebot oder solche, die weniger als 10 Euro kosten, werden doppelt gekauft. Denn so billig kommt man an diese sicherlich nie wieder dran. Zumindest nicht diese Woche. Und (3.) Messer, Klebeband und Kabelbinder kann Mann nie genug haben. Das hat man schließlich als Kind von MacGyver und dem A-Team gelernt…

Dennoch: Egal wie viele Werkzeuge und Eisenwaren man als Mann im heimischen Keller auch hat, sicher ist, dass beim Aufhängen eines Bildes nächsten Samstag wieder irgendein überlebenswichtiger Nagel fehlt. Und so wird es auch dann wieder heißen: „Schatz, ich fahr‘ mal kurz in den Baumarkt!“ und danach bis zur Sportschau dauern, bis Frau den Vermissten wiedersieht. Er gehe derweil mit Gottes Sägen oder wie der Lateiner sagt: Obi et Orbi… gruenetomaten@live-magazin.de.

Patrik Wolf

P.S. Warum gibt es in Baumärkten eigentlich Tiernahrung? Eine Zoohandlung führt doch auch keine Rasenmäher!

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Bildunterschrift: Auf ewig bis ans Lebensende mit dem gleichen Mann ist für viele Frauen kein Problem. Aber mit ihm auch nur einmal samstags zusammen in den Baumarkt? Da hört die Liebe auf!