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Du Glückspilz!

Hallo Mikrokosmonauten: Sind Glückspilze eigentlich giftig?

Letztendlich erschien es mir glasklar. Ich nippte an meinem Kaffee, blickte in die Ferne und atmete dann tief ein- und aus. Ich konnte es nahezu riechen – ungetrübt und klar: Das Glück in seiner reinsten Form. Es riecht ein bisschen nach Erdbeere. Und Benzin. Fakt ist, dass Glück es immer schafft, dass sich die Gesichtsmuskulatur vollends entspannt und man zu einem Lächeln neigt, statt die Stirn zu runzeln. Das Bewusstsein, dass man gerade glücklich ist, geht einfach. Die Einsicht, dass man vom Glück gesegnet ist, dauert hingegen oft etwas länger.

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Von der Sonne geküsst

Grundsätzlich bin ich ja etwas verlegen, wenn es darum geht, mein Glück in die Welt zu posaunen. Zu groß ist meine Sorge, man könnte es mir übel nehmen. Wie kann man nur? Wir haben schließlich Inflation, Krieg und Unruhe auf der Welt. Außerdem ist alles zu teuer, zu unbeständig, zu gefährlich. Beklommen sollte ich sein, unsicher und voller Zweifel. Wie in der Fabel von der Grille und der Ameise sollte ich eher wie die Ameise für Notzeiten vorsorgen, arbeiten, sparen und alles in meinem Bau vorbereitet haben, wenn der Winter oder der Weltuntergang kommt. Natürlich soll uns die Fabel eine Mahnung sein, denn die sorglose Grille, die lieber in den Tag hinein lebt, glücklich und frei ist und nicht an Morgen denkt, wird den Winter schlussendlich nicht überleben, während die Ameise in ihrer warmen Stube sitzt. Eine Lehre sollte es uns sein, wenn wir einfach das tun, wonach uns der Sinn steht. Böse und verwerflich ist es, wenn ich wir fordern:

„Wir möchten HEUTE glücklich sein!“

Denkt ihr nicht genauso? Und schaut ihr nicht jeden Morgen in den Spiegel und sagt zu euch: „Verdammt, hab ich ein Glück, es so weit geschafft zu haben!“. Ich gebe zu, dass ich nicht gerade jeden Tag in einen Freudentaumel falle, wenn ich in den Spiegel schaue und dass es mir auch nicht immer gleich bewusst wird, wie viel ich in meinem Leben bereits erreicht habe. Aber genau das sollte ich mir viel öfter vor Augen führen. Und ihr auch!

Dass ich ein Glückspilz bin, war bereits früh klar. Sobald ich krabbeln konnte, stürzte ich eine Treppe hinunter, ohne, dass ich auch nur einen Kratzer davongetragen hätte. Einige Jahre später stritt ich mich mit meinem Cousin und in brüllendem Feuereifer warf er mir einen riesigen Sandstein-Brocken hinterher, der mit einem lauten Bums nur wenige Zentimeter neben meinem Kopf gegen die Tür flog und in tausend Teile zerbrach. Soweit ich mich erinnern kann, wäre in meinem bisherigen Leben zwar vieles um ein Haar ins Auge gegangen, aber eine unsichtbare Macht steuerte mich nie blindlings in die totale Katastrophe. Es ging am Ende immer wieder alles gut. Und manchmal sitze ich in meinen bescheuerten selbst kreierten Problemen und könnte mich ohrfeigen, wie dämlich das eigentlich ist. Im Vergleich zum großen Ganzen erscheinen die nämlich völlig nichtig.

Wir sind Glückskinder. Warum? Weil wir es bis hierhin geschafft haben! Ganz ehrlich, wie oft sagen wir uns, dass wir glücklich sind? Und wie oft meinen wir das auch so? Bis jetzt noch gar nicht? Na, dann wird es aber Zeit!

Vor einiger Zeit schickte mir ein Bekannter das Buch “Glückskinder” von Hermann Scherer. Ich fand das total originell, weil man heutzutage immer seltener ein Buch in die Hand nimmt, geschweige denn etwas in Papierform liest. Zu sehr hat uns das Internet im Griff und “etwas lesen” bedeutet heutzutage, das Smartphone in Schallgeschwindigkeit durchzuscrollen oder sich die Zeit für L!VE zu nehmen. Wie dem auch sei. Das Buch gab mir ein unglaublich gutes Gefühl, denn es befasst sich mit Chancen, die darauf warten, genutzt zu werden. Und überhaupt und sowieso mit Glück und dem Zustand des Glücklichseins. “Die Sorte Glück, die ich meine, wenn ich von Glückskindern spreche, ist der Zustand des Glücklichseins, der nicht durch einen zufälligen Glückstreffer hervorgerufen wird, sondern durch eine Art zu leben, die einem ermöglicht, dauerhaft Chancen zu entdecken und zu nutzen.”, schreibt Scherer und genau so würde ich es unterschreiben. Ich sitze zum Beispiel gerade im heimischen Garten, es kühlt allmählich ein wenig ab, wenn man denn von Abkühlung von 30 auf 26 Grad überhaupt sprechen kann. Meine Nase ziert ein fescher Sonnenbrand und zu meiner Rechten steht ein kühles Bier, nach welchem ich mich in ebendiesen ersten Sommertagen ganz besonders sehne. Ich habe heute gleich mehrere Chancen genutzt. Die erste gleich heute Morgen als ich aufstand. Ich stand einfach auf. Punkt.

Banale Chancen bergen oft maximales Glück

Leute, es geht nicht darum, einen Trip zum Mount Everest zu planen, so lange Lotto zu spielen, bis man gewinnt oder sich zum Ruhm zu peitschen, um sich als Glückspilz zu definieren. Die einfachsten Mittel und Wege sind nämlich prädestiniert dafür, uns Glück zu bescheren und uns vor Augen zu führen, welch enormes Glück wir haben. An einem Samstagmorgen durch den Wald zu spazieren und den Vögeln zu lauschen zum Beispiel. Oder sich auf sein Bike zu setzen und neue Gegenden zu erkunden. Einen Ausflug zum See machen und einfach per Arschbombe ins Wasser springen. Kurz Innehalten und die Augen schließen und einfach nur Lauschen. Hört ihr was? Ich glaube, man will euch was sagen:

Schön ist es auf der Welt zu sein!

Und einfach so habe ich seit Neuestem ein Ritual. Ich gehe jeden Tag, vorzugsweise in meiner Mittagspause, eine Runde spazieren. Ich setze ganz banal einen Fuß vor den anderen und bin an der frischen Luft. Man sagt, dass man jeden Tag zwanzig Minuten in der Natur verbringen sollte. Und wenn man sehr beschäftigt ist, sollte man eine ganze Stunde in der Natur sein. Ich nehme mir diese Zeit einfach, also bitte kein Neid. Ihr könnt das nämlich genauso tun. Auf einem meiner Streifzüge durch den Wald entdeckte ich neulich übrigens einen Fliegenpilz und stellte mir die Frage, warum man gerade diese Pilze mit Glück in Verbindung bringt? Vielleicht, weil man enormes Glück hat, wenn man unliebsamen Mitmenschen einen solchen ins Risotto mischt? Historisch betrachtet wurden Menschen, die viel Glück hatten früher voller Argwohn betrachtet. So etwas konnte ja nicht sein, besonders nicht im dunklen Mittelalter, als Seuchen grassierten und man überall Scheiterhaufen lodern sah. Entkam man Pest und Inquisition, konnte ja etwas nicht mit rechten Dingen zugehen und so wählte man den schönen, auffälligen Fliegenpilz als Symbol des vermeintlich trügerischen Glücks. Quasi eine gemeine Stinkmorchel im Fliegenpelz.

Am Ende ist es doch so: Fliegenpilze sind wunderschön anzusehen und wer ihn als Glückssymbol nicht mag, kann auch Hufeisen, Schornsteinfeger oder Marienkäfer nehmen. Letztere beobachte ich im Moment übrigens wieder häufiger. Eine Zeitlang hieß es ja, sie wären vom Aussterben bedroht. Kann aber nicht sein. Ein  Glückssymbol kann doch nicht vom Pech verfolgt werden, oder etwa doch? Wie dem auch sei: Vielleicht sind sie Vorboten für weitere Glücksmomente in meinem Leben.

Glück stirbt nämlich nicht aus.

Boarding completed

Seit dem vermeintlichen Ende der Pandemie bzw. ihrer Sommerpause, durch die sich jeder – wie bei Mon-Chéri – schon jetzt auf den Herbst freuen kann, strömen wieder Woche für Woche Eltern in Zoos, um ihrem Nachwuchs diejenigen Geschöpfe näher zu bringen, die mit uns diesen Planeten bevölkern und die man sonst nur im Fernsehen oder auf dem Teller sieht. Marlon, Mira & Co. sollen neben den Läusen aus dem Kindergarten und den Silberfischen aus dem heimischen Bad eben auch einmal die Tiere in echt zu Gesicht bekommen, die sie von Mamis und Papis miesen Tätowierungen kennen…

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Erst beim Bestaunen eines lebensgroßen Elefanten wird dem Nachwuchs nämlich bewusst, welche Arbeit Uropa Reimer damals hatte, als er aus dem Bein eines der Dickhäuter den Schirmständer bastelte, der immer noch in der Diele steht. Begegnungen mit Wildschweinen bei Sonnenlicht am Tag bleiben zudem ganz anders in Erinnerung als bei Scheinwerferlicht in der Nacht, wenn einen plötzlich ein Gitter aus Metall statt nur eines Kühlergrills aus Plastik voneinander trennt. Auch Delfine sehen als Blickfang im Fischbecken irgendwie anders aus als als Beifang in der Fischdose…

Spannender als alle Arten von Vierbeinern sind jedoch alle Abarten von Zweibeinern, die aufgrund ihrer Fähigkeit, eine Digitaluhr ablesen zu können, zu den Menschen gezählt werden. Von allen Lebewesen auf der Erde mögen Eichhörnchen zu den drolligsten, Kobras zu den gefährlichsten und Pinguine zu den bestangezogensten gehören. Wenn es jedoch darum geht, welche Art mit Abstand die seltsamste ist, da ihr Aussehen nicht selten skurriler als das eines Nacktmulls und ihr Verhalten unberechenbarer als das eines Krokodils ist, dann steht der Mensch ganz oben auf der Liste…

Anders als Tiere können Menschen zwar nicht in Zoos, sondern allenfalls in Gefängnissen in Käfigen bestaunt werden, jedoch besteht beim Homo sapiens wie bei keinem anderen Primaten die Möglichkeit, ihn in freier Wildbahn zu studieren. Ein aufregendes wie gleichsam furchterregendes Ereignis zu sehen, welche unterschiedlichen Geschöpfe als Menschen durchgehen. Ohne Zweifel ist hier und da etwas gehörig schief gelaufen, als in prähistorischer Urzeit die Entscheidung fiel, aus welchen Einzellern sich Menschen und aus welchen sich Couchtische entwickeln sollten…

Faszinierender als Paviane, die in der Öffentlichkeit ihren Hintern präsentieren, sind Menschen, die sich in der Öffentlichkeit als Arsch präsentieren. Zwei Jahre Tragen von Corona-Schutzmasken mit mehr als zuvor üblich reaspirierter eigener Atemluft haben dem ein oder anderen menschlichen Gehirn, das zuvor bereits nur auf Sparflamme arbeitete, offenkundig den Rest gegeben. Zumindest die Hirnareale, die für Sozialkompetenz und Empathie verantwortlich sind, scheinen sich in der Pandemie rückgebildet zu haben und nicht mehr zu sein als ein Pfälzer Saumagen…

Besonders gut ist dies u.a. bei den derzeit wiederauflebenden Flugreisen zu beobachten. Ein Langstreckenflug in der Economy Class mit hunderten Menschen unterschiedlichster Herkunft und Einstellung zu Knoblauch lässt erahnen, wie es in Noahs Arche wohl zuging, als die Waschbären neben den Stinktieren Platz nehmen mussten. Bestand damals zumindest die Hoffnung, dass der übelriechende Nebenmann durch die Sintflut dem dringend nötigen Wasserkontakt ausgesetzt wird, kann man in einem Flugzeug nur hoffen, dass es im Bordverkauf günstiges Parfüm gibt…

Was für den Tierbeobachter die Vielfalt flugfähiger Vogelarten ist, ist für den Menschenbeobachter die Vielfalt flugwilliger Menschenarten. In 10.000 Metern Höhe hält sich intelligentes Leben außerhalb wie innerhalb der Kabine arg in Grenzen. Durch den geringen Druck scheint sich Dummheit auszudehnen wie Luft unter dem Joghurtdeckel. So ist das Beobachten afrikanischer Tiere in einem Safaribus nicht annähernd so interessant wie das asiatischer Menschen in einem Airbus. Auch wenn man dort seine Fluchtinstinkte kontrollieren muss, die dazu verleiten, durch die Kabinentür ins Freie zu fliehen…

Bei Mitreisenden wie bei Fluglinien besonders beliebt sind Deutsche mittleren Alters, die schon eine Stunde vor dem Boarding am Abflugschalter Schlange stehen. Sie sind stets an ihren neuen Outdoor-Jacken zu erkennen. Durchsagen, die bestimmte Sitzreihen aufrufen, ignorieren sie grundsätzlich. Sie müssen als Erstes in der Maschine sein, um Auswahl bei den Zeitschriften zu haben und das Handgepäck im Wunschfach verstauen zu können. Kaum am Platz, legen sie ihre Arme breitflächig auf die Lehnen und kippen den Sitz nach hinten, um ihre Gebietsansprüche deutlich zu machen…

Nach dem Start lässt der typische Deutsche jeden gerne wissen, dass er den Vogel sanfter in die Luft gebracht hätte. Er bestellt Whiskey, der ohne Eis zu warm und mit Eis zu kalt ist, und fühlt sich von allem und jedem gestört. Was er dem Bordpersonal durch dauerndes Betätigen der Ruftaste und in Amtsdeutsch auch zu verstehen gibt. Anschnallzeichen gelten für ihn nicht, da er ein Attest vorweist, dass ihn der Gurt einengt. Wenn das gewünschte Essen bereits aus sein sollte, ist eine schriftliche Beschwerde unabwendbar. Da lobt man sich Nationalitäten, die sich nicht verhalten wie der Führer…

Südamerikaner zum Beispiel. Sie erkennt man meist am Rollkragenpullover, der aus ihrem Ausschnitt wächst. Sie sind eher ruhig und können schön einmal mit Alpakas verwechselt werden. Nicht jedoch mit Südeuropäern wie z.B. Italienern, da ihnen die Goldkette und das lichte Kopfhaar fehlt. Einfach zu erkennen sind Schweizer, die auf jedem Gepäck- und Kleidungsstück ihre Landesflagge haben und sich wegen ihrer Neutralität für kein Getränk entscheiden können. Holländer sehen außerhalb ihrer Wohnwägen fast aus wie Deutsche, hören sich nüchtern aber so an wie unsereins sturzbesoffen…

Für das besondere Flugambiente sorgen jedoch Asiaten. Beeindruckend, dass ihr Geld stets für das neuste Tablet, nie jedoch für ein Taschentuch reicht. Dank des Corona-Mundschutzes braucht man zumindest derzeit ihre ständig oszillierenden Rotzfahnen nicht mit anzusehen. Die Pandemie hat(te) also durchaus auch etwas Gutes. Das Schlürfen und Schmatzen asiatischer Sitznachbarn beim Verzehr eines einzelnen Stückchens Obst bekäme man übrigens selbst nicht einmal hin, wenn man mit dem ganzen Kopf in einer Wassermelone stecken würde…

Unabhängig von ihrer Herkunft ist der Drang vieler Passagiere, direkt nach der Landung an die Staufächer zu hechten, als ginge es um Leben und Tod. Auch das Einschalten des Handys kann unmöglich warten, bis man die Maschine verlassen hat. Schließlich will jeder zuhause wissen, dass man gerade zwischen Notausgang und Bordtoilette im Flugzeuggang steckt und die Decke mit dem Airline-Logo ins Handgepäck gepackt hat. Boarding completed… gruenetomaten@live-magazin.de.

Patrik Wolf

P.S. Tomatensaft im Flugzeug schmeckt am besten, wenn man ihn kurz vor dem Trinken gegen einen Gin-Tonic austauscht.

Sitzen ist das neue Rauchen

Bewegung ist eine feine Sache! Tanzen, essen, sich fortpflanzen sind nur einige Beispiele für den Spassfaktor an der körperlichen Betätigung. Aber muss es denn unbedingt auch Laufen sein? Wir haben mit Betroffenen gesucht und schnell mit ihnen gesprochen, bevor sie wieder losgelaufen sind. 

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Überall und zu jeder Tageszeit begegnen einem Laufende – und es scheinen immer mehr zu werden. Da kommt nicht zu Unrecht die Frage auf, ob da was dran ist an der Rennerei oder ob es sich bei den Betroffenen nur um Leugner der Evolution oder Weltgeschichte handelt. Man könnte ja glattweg behaupten, wenn Mutter Natur gewollt hätte, dass der Mensch läuft, hätte er immer noch vier oder mehr Beine. Und auch der Umstand, dass die bedeutendsten Erfindungen der Menschheitsgeschichte wie Rad, Auto, Fernseher und Flugzeug dem Streben nach Bewegungsvermeidung entsprungen sind, lässt sich bestimmt irgendwie wegschwurbeln. Blöd ist nur, dass die Jungs & Mädels mit den schicken Sportschuhen so gar nichts von gemeinen Querdenkern haben, sondern im Gegenteil eher vernünftig und dazu noch beneidenswert gesund rüberkommen.

Vielleicht ist es einen Art Gen-Defekt, der erst ab einem gewissen Alter seinen verhängnisvollen Einfluss geltend macht? Denn während junge Erwachsene zwischen 20 und 30 ihren Bewegungsdrang üblicherweise auf Partys, in Clubs und bei zwischenmenschlichen Interaktionen ausleben, scheint alles das, was körperlichen Spaß macht, nach Vollendung des dritten Lebensjahrzehnts vergessen und verdammt zu sein. Stattdessen rennt die Generation Ü30 zunehmend scheinbar ziel- und sinnlos durch Parks, Straßen und Wälder und das zumeist auch alleine, gerade so als würde das Laufen in Gruppen Erinnerungen daran wieder hervorrufen, was man mit anderen Menschen so alles anstellen könnte. Aber ist das wirklich die alles erklärende Lösung für den Lauf-Hype der letzten Jahre? Ist da am Ende doch mehr dran?

Im letzten Jahr ging grob ein Drittel aller Deutschen ab 14 Jahren mehr oder weniger regelmäßig laufen oder joggen. Der Grund dafür waren weder fehlende fahrbare Untersätze noch der schlecht ausgebaute ÖPNV, sondern tatsächlich die Lust an der Bewegung und die Erfahrung echte Qualitätszeit für sich selbst zu erleben. Laufen ist eben eine ganzheitliche Sportart, die Körper, Geist und Seele in Einklang bringt und dabei nicht nur ein idealer Sport, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen oder ein wesentlicher therapeutischer Baustein bei Erkrankungen wie Diabetes, nach einem Burnout, bei Depressionen oder Angststörungen, sondern nicht zu unterschätzenderweise auch unglaublich günstig. Wer allerdings mit der Gesamtsituation auf unserem Erdenrund nicht wirklich zufrieden ist, sollte sich das mit dem Laufen vielleicht noch mal überlegen, denn regelmäßiges Laufen erhöht die Lebenserwartung, verlängert also das Elend auch noch. Frauen leben etwa fünfeinhalb Jahre länger, Männer werden sogar im Schnitt durchschnittlich knapp über sechs Jahre älter. Dieser Effekt tritt schon ein, wenn man mindestens eine halbe Stunde pro Tag moderat läuft, das heißt, laufen ohne zu schnaufen. Diejenigen unter uns, die sich schon länger nur zwischen Couch und Kühlschrank bewegt haben oder über 35 Jahre sind, sollten beim Einstieg in den Laufsport Vorsicht walten lassen. Ein Besuch beim Hausarzt und Orthopäden sollte sicherstellen, dass Herz und Kreislauf der ungewohnten Aufgabe gewachsen sind und die Gelenke in entsprechender Verfassung sind. Ebenso nicht ganz unwichtig, die ehrliche Erkenntnis in welcher Gewichtsklasse man mit dem Laufen beginnen sollte. Von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist dabei natürlich die Ausrüstung, wie der saarländische „Lauf-Papst“ und Ausrüstungs-Spezialist Henning Jochum erklärt, der selber sein Hobby zum Beruf gemacht hat, in der Woche in Abhängigkeit von seinem Trainingsplan auch mal bis zu 60 km zurücklegt:

„Das Wichtigste überhaupt ist natürlich der Schuh. Der muss individuell auf die Anatomie und den ganzen Menschen passen. Ein typischer Anfängerfehler, den man tunlichst vermeiden sollte, ist zum Beispiel das Benutzen irgendwelcher alter Schuhe und mit denen einfach mal loszulegen. Dabei sollte man bedenken, dass so ein Schuh, selbst wenn man nicht damit läuft, maximal eine Haltbarkeit von etwa zwei Jahren hat, dann fängt er an auszuhärten. Mitunter ist es schon witzig zu sehen, dass Leute hier mit zehn oder fünfzehn Jahren alten Schuhen in den Laden kommen und sich wundern, dass irgendwie nix mehr geht. Eine Faustregel lautet, dass ein Laufschuh 800 bis 1000km hält. Die der Entscheidung für einen Laufschuh zugrunde liegende Analyse sollte entsprechend regelmäßig wiederholt werden, dass sich Schuhe, aber auch der Laufstil ändern. Deswegen einfach beim nächsten Schuhkauf beim kompetenten Fachhändler kurz aufs Laufband zum Check. Man muss unbedingt darauf achten, wie ein Mensch sich bewegt und dass sich der Schuh genau dieser Bewegung anpasst. Man muss sich einfach vorstellen, dass das Laufen ja immer eine Flugphase besitzt und selbst wenn man langsam läuft, ist die Belastung auf Füßen, Hüfte und Gelenken bei jedem Schritt ungefähr so, als ob ich von einem 20 – 25 cm, hohen Kasten springe. Bei einem Lauf von 5 km macht man etwa 5000 Schritte, d.h. 5000 Sprünge und Landungen. Das gibt einem eine ganz gute Vorstellung, was das für eine Belastung für Fußgelenke und Knie bedeutet. Deswegen sollte da schon der richtige Schuh am Start sein, der damit umgehen kann. Deswegen auf keinen Fall bei den Schuhen sparen! Laufen ist auf die Zeit gesehen ein unheimlich günstiger Sport, auch wenn ein guter Schuh seinen Preis hat. Trotzdem wird halt leider oft am falschen Ende gespart und dann kommen die Verletzungen. Und natürlich gehört zum Schuhkauf immer die sachkundige Beratung im Fachgeschäft, inklusive einer gründlichen und kompetenten Analyse auf dem Laufband. Bei der übrigen Bekleidung kommt es auf Zweierlei an. Einmal ein Baumwollunterhemd, dass halt wirklich die Feuchtigkeit von der Haut wegtransportieren kann und eine gute Jacke für Herbst und Winter, die nach außen absperrt. Sowas hält dann auch zig Jahre. Ich hab‘ eine zwanzig Jahre alte Gore-Jacke, die funktioniert immer noch.“

Prahlen mit Zahlen

Ist das alles abgeklärt, sollte eher zurückhaltend ins Laufgeschäft eingestiegen werden. Am besten ist es, erstmal nur zwei bis drei Minuten zu laufen und dann eine ebenso lange Geh-Phase einzulegen. Die Lauf-Phasen sollte man fünf Mal wiederholen und dieses Pensum dann langsam steigern. Ideal ist es, drei Mal die Woche eine halbe Stunde zu laufen. Bei einem solchen sanften Start und konsequenter Steigerung der Laufeinheiten, werden sich schon innerhalb von vier Wochen Ausdauer und Leistung merkbar verbessern, was natürlich auch für neuerliche Motivation sorgt. Henning Jochum ergänzt:

„Nicht zu übertreiben ist ungemein wichtig. Nicht zu viel zu trainieren und nicht nur das Laufen sehen, sondern zum Beispiel auch Krafttraining und das Dehnen nicht zu vernachlässigen. Also nicht nur rennen, sondern auch ein bisschen rechts und links gucken. Die Abwechslung macht’s und der Muskulatur immer wieder andere Impulse setzen.“

Auch Mirko Stublic, dank Facebook und Instagram vielleicht einer der bekanntesten Läufer an der Saar hat einen guten Ratschlag für Frischlinge:

„Jeder der anfangen will, sollte das einfach mal ein paar Wochen probieren, das aber konsequent. Strecke egal, Tempo egal, Wetter egal. Ich bin halt recht schnell zum Glück und laufe wie gesagt mindestens 10 km, aber ich ziehe vor jedem den Hut, der dreimal in der Woche 5km läuft. Dranbleiben, auf gutes Equipment achten und los geht’s!“

Es gilt achtsam und aufmerksam mit sich umzugehen. Gerne wird zu viel in zu kurzer Zeit und Fehler gewollt oder erzwungen und Fehler schleichen sich ein, die den Körper eher belasten als ihm gutzutun. Die Motivation geht flöten und im worst case kommt es sogar zu Verletzungen. Eigentlich sagt der Körper einem, ob ihm gerade Gutes getan oder ob übertrieben wird, man muss nur darauf hören. Bei starken Schmerzen, Atemnot oder anhaltendem Schwindel, sollte unbedingt eine Pause eingelegt werden. Der Kreislauf macht meist schlapp, wenn der Trainingszustand noch nicht besonders gut ist und die Laufintensität oder die Laufdauer zu hoch gewählt wurden. Wenn das anhält, kann ein neuerlicher Besuch beim Arzt nicht schaden – im Gegenteil! Durch eine Überlastung des Knorpels an der Kniescheibe oder im Kniegelenk selbst, oftmals verursacht durch nicht passendes Schuhwerk oder eine falsche Lauftechnik kann es zu zunehmenden Schmerzen beim Laufen kommen. In jedem Fall sollte das Laufen unterbrochen werden und bei wiederkehrenden Knieproblemen unbedingt frühzeitig zur Abklärung zum Sportarzt. Bei Muskelkater und Seitenstechen gilt: Pausieren und dem Körper Ruhe gönnen. Seitenstechen betrifft auch eher Untrainierte, deren Atemsystem sich erst an die sportliche Belastung gewöhnen muss. In diesem Fall sollte man das Lauftempo reduzieren, tief durchatmen und gegebenenfalls Zeigefinger und Daumen locker aneinander reiben (klingt komisch, hilft aber wirklich).

Wer dies alles beachtet, ist ohnehin auf dem richtigen Weg, doch gerade jetzt im Sommer, gibt es Weiteres zu beherzigen, wie Dr. Peter Kessler rät:

„Wenn der Dermatologe ans Laufen denkt, fallen ihm generell sofort zwei Sachen ein: oben und unten! Mit „oben“ sind der Kopf und das Gesicht gemeint, bei Glatzenträgern auch die hohe Stirn. Sonne droht hier – insbesondere um die Mittagszeit – Schäden zu setzen, insbesondere Sonnenbrand und Hitzschlag. Daher immer gut eincremen (gilt natürlich auch für alle anderen ungeschützten Körperstellen), Mütze nicht vergessen und im Schatten laufen. Mit „unten“ sind die Füße gemeint. Gut passendes Schuhwerk schützt vor Schwielen und Hühneraugen, regelmäßiges Lüften der Schuhe und konsequente Fußhygiene ist das A und O in der Vorbeugung des Fußpilzes. Und generell gilt: Trinken nicht vergessen – wie immer!“

Und als ob das alles nicht genug wäre, nutzen die allermeisten Getriebenen gnadenlos alles, was modernste Technik und die sozialen Medien zu bieten haben, um ihre Mitmenschen über alles mögliche Zahlenmaterial auf dem „Laufenden“ zu halten. Läufer sind scheinbar echte Statistik-Nerds: Geschwindigkeiten, Kilometer, Höhenmeter, gelaufene Zeit, Herz-, Schritt- und Atemfrequenz. Wer es ganz genau wissen will, analysiert noch seine vertikale Bewegung, die Bodenkontaktzeit und die eigene Schrittlänge. Natürlich alles in Abhängigkeit zur Laufgeschwindigkeit, dem eigenen Wohlbefinden und den vorherrschenden Wetterverhältnissen. Aber mal ehrlich, dieses Prahlen mit Zahlen und sich mit seinenLaufergebnissen zu rühmen gehört wohl eindeutig zu den Schattenseiten des Laufsports. Keine Frage, wer einen Wettkampf gelaufen, egal ob gegen andere oder nur gegen den inneren Schweinehund, hat – unabhängig, ob 5, 10, 21 oder 42 Kilometer –, jeden Respekt verdient. Das dabei gewonnene Zahlen- und Datenmaterial ist letzten Endes für alle anderen außer einem selbst völlig irrelevant und grenzt an digitale Umweltverschmutzung. Nicht wirklich anders verhält es sich übrigens mit den gerne geposteten „nachher“ Fotos, die den Betrachter oftmals mit dem Gedanken spielen lassen, Rettungskräfte oder zumindest Sauerstoffzelt-Verleiher auf den Plan zu rufen.

­­­­­­­­­­­­­­­­­­­Ich habe mit dem Laufen angefangen, damit ich mehr essen kann!“

Aber jetzt mal im Ernst und ohne jede Ironie, was sind das für Menschen und aus welchen Gründen strapazieren sie regelmäßig ihre Lungen, Beine und Füße. Tatsächlich haben wir gleich mehrere „Laufende“ getroffen, die nicht gleich vor unseren Fragen davongerannt sind und kamen nicht um die Erkenntnis herum, dass wohl doch mehr am Laufen dran ist, als wir faulerweise gemutmaßt hatten. Das zeigt sich schon bei den Gründen, aus denen mit der Lauferei begonnen wurde. Jenny Kriesche zum Beispiel, die mittlerweile alle paar Wochen an Wettkämpfen teilnimmt und für die Teilnahme an einem Marathon auch mal bis nach Hawaii fliegt, hat eine einfache und sehr nachvollziehbare Erklärung:

„Zum Laufen gekommen bin ich hauptsächlich durch meinen Papa, der auch Marathonläufer ist und mit dem ich gerne mal einen Marathon laufen wollte (bin ich den ersten 2016 gemeinsam mit ihm) und seitdem bin ich dabeigeblieben. Laufen ist für mich ein guter Sport, da man nicht viel dafür braucht und es von überall aus ausüben kann.“

Ein gutes Stück weit pragmatischer lief das beim ehemaligen Sneaker-Papst Mirko Stublic, der schon lange bevor er selber in Gang kam, seinen Kunden zumindest sehenswertes Schuhwerk näherbrachte:

„Nachdem ich nach Saarlouis gezogen war, musste ich erstmal neue Kontakte aufbauen und hab‘ die freie Zeit genutzt, um mit dem Laufen anzufangen und habe dann schnell festgestellt, dass mir das richtig Freude macht. Für mich ist die Triebfeder inzwischen ganz einfach, das ganze Jahr über, wenigstens dreimal die Woche raus an die frische Luft zu kommen.“

Wiederum etwas anders gelagert war die Anfangsmotivation bei der Miriam Bilke-Perkams. Sie ist insofern eine untypische Wiederholungstäterin, da nach einer verletzungsbedingten Pause wieder angefangen hat, vor allem, um den unausweichlichen Folgeerscheinungen ihres anderen Lieblingshobbys, Torten- und Kuchenbacken, entgegen zu wirken. Gelaufen ist sie schon immer, beziehungsweise hat Sportarten betrieben in denen laufen eine Rolle spielt, wie z.B. Crossfit.

„Nach einem Achilles-Sehnenriss 2014 bekam ich die Prognose: Sie können gerne weiter Sport machen, aber nichts mehr was mit Laufen zu tun hat. Da habe ich meinen Sport fast ganz zurückgefahren. Dann kam zu Beginn der Pandemie eine Freundin zu mir, die auch eine längere Pause eingelegt hatte, mit einem „Wiedereinsteiger“ 5 km Trainings-Plan zu mir kam. Der lag zwar dann erstmal ein paar Wochen bei mir rum, aber nachdem ich mir mit einer anderen Freundin ein ausgedehntes Torten-Battle auf Instagram geliefert hatte, dachte ich mir: Wenn ich so weitermache, sehe ich nach Corona aus wie ein Oger. Da habe ich in den Plan in die Hand genommen und mir gesagt: Okay, wenn ich weiter viel essen will, sollte ich jetzt wieder mit dem Laufen anfangen. Und da war dann auch schon der Ehrgeiz es dem Orthopäden zu zeigen, was dann auch nach viel Mühen und dank der Unterstützung meines ehemaligen Crossfit-Trainers geklappt hat.“

Auch sonst ist bei der Sulzbacherin mit Laufschuh-Größe 43-44 manches anders als bei der Durchschnittsläuferin:

„Ich bin halt mit 1,83m ein bisschen größer und schwerer und werde so auch im Bereich der Hobbysportler keine Bestzeiten erreichen. Ich bin eben langsamer und kann damit leben und ich laufe halt so, dass ich hinterher keinen Herzinfarkt bekomme. Entsprechend gering ist mein sportlicher Ehrgeiz angesiedelt, was den Vergleich mit anderen angeht oder gar die Hatz nach Rekorden. Was ich auch nicht mache, ist, auf bestimmte Ereignisse, wie zum Beispiel der Berlin-Marathon gezielt hinzutrainieren. Tatsächlich laufe ich, wenn ich überhaupt bei Wettbewerben mitmache, fast nur Spendenveranstaltungen. Nach entsprechenden Fällen in der Familie habe auch ich mich mit dem Thema Krebs beschäftigt und fand es einen sehr guten Gedanken, durch Laufen die Leute dazu zu bringen zu spenden. Ich fand es gerade während der Pandemie wichtig etwas dafür zu tun, dass das Thema Krebs nicht hinten runterfällt. Spendenläufe sind da eine gute Gelegenheit und dann mache ich das auch gerne!“

Mit dieser Einstellung ist sie nicht alleine, denn auch Jenny Kriesche engagiert sich durch und über das Laufen hinaus:

„Ich minijobbe als Lauftrainer bei der Laufschule Saarpfalz, da ich auch sehr gerne in Gruppen unterwegs bin und auch gerne andere beim Erreichen der sportlichen Ziele unterstütze, von Anfänger – bis Marathontraining. Zudem bin ich in dem Verein Miteinander gegen Krebs e.V., die jährlich den Spendenlauf Cross against Cancer in Homburg veranstalten, dessen Einnahmen gespendet werden um Krebspatienten zu unterstützen. Da ist es schön zu sehen, wie gut das Laufen auch der Psyche tut.“

Was beim nach eigenem Bekenntnis „Genussläufer“ Mirko Stublic auffällt, ist seine eher ungewöhnliche Zeiteinteilung. Denn während eine große Mehrheit das abendliche Training bevorzugt, entpuppt sich der passionierte Bart- und Mützenträger als Frühaufsteher:

„Ich laufe morgens, immer! Das macht zwar ehrlich gesagt auch nicht immer Spaß früh aufzustehen, erst recht nicht, wenn auch noch bescheidenes Wetter ist. Ich gucke höchstens mal auf der Wetter-App, ob sich das Wetter bald ändern wird und verschiebe dann nach hinten, wenn meine Zeit es zulässt. Und zur Not gibt’s ja noch Regenjacken. Als ich zur Arbeit noch nach SB musste bin ich manchmal um halb fünf früh laufen gegangen, wenn’s zeitlich nicht anders ging. Du musst Dir halt einfach die Zeit für Dich nehmen. Wichtig ist aber immer, dass es Dir Freude macht. Wenn man sich dauernd zwingen muss, dann macht das keiner lange. Bei mir ist es so, dass ich mich spätestens nach dem ersten Kilometer doch freue, dass ich losgelaufen bin.“

Und noch etwas hebt ihn aus der Masse der Rennmenschen hervor:

„Tatsächlich laufe ich wie Forrest Gump nur auf Asphalt, nur auf Straßen rum. Alle anderen ziehen ja beispielsweise Waldboden vor, aber ich habe das Glück, dass ich robust und bis jetzt verletzungsfrei bin, obwohl ich in den acht Jahren jetzt über 17.000 km gelaufen bin und dabei habe ich alles erreicht, was ich mir vorgenommen hatte, 5 km unter 20 min, 10 km unter 40 min und bin Halb- und Marathon gelaufen.“

Ganz offensichtlich hat das Laufen längst einen besonderen Stellenwert für unsere Probanden eingenommen. Jenny Kriesche betont:

„Laufen ist aus meinem Leben nicht wegzudenken, weil es einfach ein schönes Hobby ist, es Spaß macht und abwechslungsreich ist. Ich schätze neben dem sportlichen Aspekt auch sehr den sozialen Aspekt des Laufens und der Zusammenhalt der Läufergemeinschaft.“

Miriam Bilke-Perkams schätzt besonders mit dem Laufen verbundene Qualitäts-Zeit:

„Für mich ist Laufen „me“ Time, meine Zeit für mich. Andere machen Yoga und für mich ist es halt das Laufen. Das ist für mich neben dem Job auch ein Resilienzfaktor.“

Auch Mirko Stublic will nicht mehr wirklich ohne:

„Ich bedauere es tatsächlich schon, wenn ich wegen Terminen nicht laufen kann, hab‘ dann aber trotzdem meistens einen guten Tag. Was mir dann fehlt, ist die Kombination aus der Bewegung und der Zeit für mich.“

Und so ein bisschen schielt er auch auf seine Social-Media-Aktivitäten:

„Ich hab‘ immer Handy dabei, damit ich den Notarzt rufen kann, wenn ich umfalle – und natürlich für das Photo hinterher, Social Media sind ja so wichtig beim Laufen.“ (sagt’s und grinst). „Tatsächlich freut es mich wirklich und gibt mir Antrieb, wenn Leute zu mir kommen und sagen: ich hab‘ nur wegen Dir mit Laufen angefangen, wegen Deiner Posts!“

Damit wäre dann der Schuldige gefunden!

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Jenny Kriesche

Name: Jenny Kriesche

Alter: 35

Läuft seit: 8 Jahren

Wöchentl. Laufleistung: 30 – 50 km

Lieblingsdistanz: Halbmarathon

Ziele: London- und Honolulu-Marathon

Miriam Bilke-Perkams

Name: Miriam Bilke-Perkams

Alter: 47

Läuft: 2 Jahren

Wöchentl. Laufleistung: >30 km

Lieblingsdistanz: 10 km (mit Luft nach oben)

Ziele: Bis ins hohe Alter gesund laufen zu können

Mirko Stublic

[Foto: <live 07-2022 laufen-mirko stublic social>]

Name: Mirko 53

Läuft seit etwas über 8 Jahren

Wöchentl. Laufleistung: 40 – 70 km

Lieblingsdistanz: >10 bis 30 km

Ziele: Keine mehr, alles schon erreicht,

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Cross against Cancer

Acht laufbegeisterte Frauen gründeten 2015 in Homburg-Kirrberg den Verein
„Miteinander gegen Krebs e.V.“. Zielsetzung ist die Verhütung und Bekämpfung von Krebserkrankungen, insbesondere auch Maßnahmen & Hilfen für Krebserkrankte. Um die Vereinsziele zu realisieren, wird jährlich der Benefiz-Lauf „Cross against Cancer“ mit Spendenrunden, 5km Nordic Walking, 5, 10 & 17km rund um das Homburger Waldstadion organisiert, um auf die Thematik Krebs in der Bevölkerung aufmerksam zu machen und dazu beitragen, dass Berührungsängste gegenüber an Krebs erkrankten Menschen durch deren Integration abgebaut werden Der Erlös wird an eine Organisation oder Institution gespendet, die sich mit dem Thema Krebs beschäftigt.

Cross gegen Cancer – am Sonntag 11.09. um 10.00 Uhr im Homburger Waldstadion

Clubzone Juli 2022

Wie kaum anders zu erwarten, hielten die Partys und Clubnächte des gerade erst begonnen Sommers locker das, was der Bilderbuchfrühling in den Wochen zuvor versprach. Die Hochsaison der unterschiedlichsten endlich wieder möglichen Festivitäten, Konzerten und Festivals taten ihr Übriges dazu, dass in den letzten Wochen garantiert keine Feierpausen entstanden. Wenn dann noch der Wettergott so grandios mitspielt und uns mit Temperaturen wie am Mittelmeer den Alltag versüßt, dann darf man sich über die zusätzlichen Freiluftbespaßungen auch nicht beschweren, doch wer will das schon. Aber bevor wir uns erneut der Euphorie und der Macht der Nacht hingeben, beruhigen wir uns erstmal und rekapitulieren einen der spektakulärsten Julis in Ruhe und der Reihe nach.

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Größtes Highlight der letzten Wochen war natürlich der VORFEIERDOM im Osthafen. Die Party hatte nicht nur ein exzellentes LineUp mit u.a. den Junglekidz, Al-x, Björn del Togno und den Osthafen Allstars, sondern auch einen Mega-Extra-Ausnahmegrund für eine bombastische Feier-Eskalation: just an diesem Tag, hatte der Stadtrat sich nämlich für das Konzept von SEKTOR HEIMAT und GREENCELLS, was die Zukunft des Rhenania-Gebäudes und damit des Osthafens angeht, entschieden. Die Nacht war lauter, heißer, länger und noch stundenlang war der Himmel über dem Saarbrücker Osten von zahllosen Pyros derart erhellt, dass Fußball-Ultras von Elversberg bis Kaiserslautern vor Staunen einen gewissen Neid verspürt haben dürften. Getragen von dieser Energie waren auch die folgenden Wochen ein Fest voller Osthafen, Sommer, Sonne und Techno. Und im Juli wird es munter so weitergehen, u.a. mit dem niegelnagelneuen Weinfestival TRAUBE NIMMERSATT und natürlich dem OSTHAFENFEST: Wir freuen uns wie Bolle!

Dass am CSD SAAR-LOR-LUX 2022 Wochenende mit richtig Schmackes gefeiert wurde, stellte nun wirklich keine Überraschung dar. Unter dem Motto „Zurück auf die Straße für LGBTI*-Rechte“ wurde ein ganzes Wochenende gefeiert, als ob alle zwei Jahre hätten pausieren müssen. Höhepunkt neben der CSD Benefiz WARME NÄCHTE PRIDE EDITION in der GARAGE am Samstag war natürlich die CSD Parade am Sonntag, von der Congresshalle durch die Hafen-, Viktoria-, Bahnhof- in die Bleichstraße. Im Anschluss wurde auf der Festmeile in der oberen Mainzer Straße nach Kräften weitergefeiert. Das hat neben rekordverdächtig vielen Zuschauern natürlich auch reichlich Partypeople angelockt. Es war eine große Freude, endlich wieder eine große, bunte und diverse Menschenmasse nach allen Kräften feiern zu erleben. Schade, dass die Mainzer Straße nur einmal im Jahr für den Verkehr dichtgemacht wird.

Das BLAU ging trotz tropischer Temperaturen richtig steil, als ob das in den letzten 22 Jahren mal anders gewesen wäre. Der Hitze Abhilfe verschafften mehrere Runden Wassereis die ganze Nacht durch und etliche neue Ventilatoren. Wer nicht genug bekommen kann, kann sich tagsüber im neuen CAFÉ BLEU austoben. Dort wird es bald auch jazzige Veranstaltungen geben, aber dazu mehr in den kommenden Tagen. Im Keller waren derweil alle Partys brutal stark, wenn dann könnte man höchstens die EMPIRE STATE OF MIND erwähnen, allein schon, weil das der beste Greg von allen und Meister Kastel himself nochmal zusammen aufgelegt haben. Es gab reichlich „alten“ RnB und Hiphop aus den goldenen Zeiten der 90er & 2000er auf die Ohren, mit „Mitsinggarantie“ und endlich mal wieder was, wo sich auch etwas Ältere mal wieder von der Couch locken ließen. Ansonsten stecken die BLAUen Macher knöcheltief in den Planungen fürs Nauwieser Viertelfest, welches sie dieses Jahr endlich wieder veranstalten – und worauf wir uns wohl alle massiv freuen!

Mit einer der interessantesten, nachpandemischen Neuzugänge in der Saarbrücker Clublandschaft, das ONE ELEVEN im Birnengässchen, das sich ohne Zweifel anschickt, das Nachtleben unserer Gemeinde auf die Hinterbeine zu stellen. Vollkommen zu Recht hat sich auch im Juni der super aufwendig und echt geschmackvoll gestaltete Laden in den Räumen des ehemaligen SEVEN mit seiner brachialen Anlage mit atemberaubender Geschwindigkeit, in die Herzen der Deejays und Nachtschwärmer gespielt. Wer schon mal vor Ort war, wird auch schnell verstehen, wieso die Macher mit behaupten können. Tolles Beispiel für die gehobene Feierkultur, war zum Beispiel die 90vs2000er Nacht mit der absolut mitreißenden DJane Jess G und DJ Urgestein Kasimir, der damit zum ersten Mal an seine alte Wirkungsstätte zurückkehrte. Aber der Laden hat natürlich viel mehr zu bieten

Im Club der Superlative, dem APARTMENT, wiederum, war der Juni von jeder Menge Specials und tollen Veranstaltungen bestimmt! Der Monat war nicht nur der heißeste, sondern auch der heißeste Monat bis jetzt. Woche um Woche und vor allen Feiertagen wurde dort so eskaliert, dass nach diesem Monat ein Stück, der Rigipsdecke aus Metall nachgebaut werden muss. Die Partypeople hatten, auf den Bassboxen feiernd, nämlich die Decke komplett durchgetrommelt. „Wilder Turnup“, nennen die Jungspunde so was heutzutage. Das APARTMENT-Team antwortet prompt mit einer Neugestaltung der Decke inklusive Bus-Handschlaufen, damit sich künftig auch niemand beim Ausrasten verletzt. Ach so, einen neuen TikTok-Kanal hat das APARTMENT auch noch. Unter @apartment_club_sb kann man seit kurzem zum Beispiel deren neustes Video über Fundsachen im Club bestaunen. Und mit über 54K Aufrufen ist das schon mal ein guter Start in die neue Plattform. Insgesamt kann man gerade im APARTMENT deutlich spüren, es gibt ganz klar zwei Jahrgänge von jetzt 18jährigen, die durch die ewigen Club-Schließungen 2020 und 2021 immer noch ein extremes Manko an Feierei aufholen müssen. Kurz, das APARTMENT hat jedem auch in den letzten Wochen die perfekte Möglichkeit geboten, das Leben und die Liebe zu feiern!

Das EGO stand auch im Juni wieder für exzessive Partynächte und es ließ sich Woche für Woche bei gewohnt guter Musik stilecht abtanzen. Gespickt wurde das Ganze von Specials, die wöchentlich variieren. Wechselnde Getränkespecials, mottogerechte Deko und Special Acts sorgten für die beste Abwechslung, wie man sie sich wünscht. Ende Mai gab’s gleich das erste Ausrufezeichen mit Willy William live on Stage, doch auch die regelmäßigen Feiertermine wie NACHT SEMESTER und LEVEL standen in Sachen guter Laune dem in nichts nach! Trotz hohen Temperaturen haben die Massen es mal wieder geschafft den Laden noch mehr einzuheizen. Der Monat ging dann brutal feiermäßig mit echten Höhepunkten wie der BOMBA LATINA und der LA BELLA NOTTE ITALIANA weiter. Den vielbefeierten Abschluss machten dann die UNITED und die FAVELA mit Kevin Lyttle live on Stage. Also ein Partymonat, der keine Wünsche offenließ – und der Juli wird genau so weitergehen, zum Glück!

Zum guten Schluss ausnahmsweise ein klitzekleiner Blick in die Zukunft, aber das aus ganz besonderem Grunde. Ende dieses Monates wird zur großen Freude ungezählter Saarländer endlich nochmal das NAUWIESER VIERTELFEST stattfinden. Das allein wäre ja schon mehr als ausreichend für ungebremste Begeisterung, doch da gibt es noch ein Detail, dass eine ganz spezielle Bedeutung hat – und das nicht nur partytechnisch. An der gewohnten Stelle unweit der Ecke Cecilien- und Försterstraße wird wieder der MAGNET Stand Cocktails, Drinks, Bierchen und elektronische Tanzmusik zum Festgeschehen beisteuern. Dieses Kleinod des korrekten Technobass im Meer der Blues-Rock-Schwemme auf dem Restfest wurde einstmals vom unvergessenen Klaus Radvanowsky ins Leben gerufen und jetzt von seiner besseren Hälfte Andrea R. fortgeführt. Sie erklärt auf Facebook: „Ich hab‘ echt lange überlegt und bin zu dem einzig richtigen Entschluss gekommen: Ich mach das Ding! Es wird anders, keine Frage, aber es wird MAGNETBAR. Das hätte Klaus Radvanowsky save auch so gemacht, das weiß ich!“

In diesem Sinne, take care   J.K.T.

Der Grüne Macher

„Viele reden grün, ich lebe grün“. Dieses Credo zeichnet Hubert Pirrung aus, gerade weil man es nicht unbedingt von einem erfolgreichen Unternehmer und FDP Mitglied erwartet. Immerhin ist der Mann als eine der Führungspersönlichkeiten der deutschen Wirtschaft in den Rankings gelistet.

Hubert Pirrung ist Jahrgang 1962, gebürtiger Saarländer, hier aufgewachsen, zur Schule und zur Universität gegangen, versteht sich als „echtes Urgestein“ und lebt auch heute noch im Mandelbachtal. Studiert hat er Maschinenbau, was im ersten Augenblick vielleicht etwas überrascht, aber auch Sinn macht, wenn man seine ganze Geschichte kennt. Schon mit 15 begann er zu arbeiten, zuerst bei der St. Ingberter Brauerei Becker, dann bei einem Dachdecker, einem Maurer, beim Abwasserverband und beim Hager, hat Nachtschichten kennengelernt und Fließbandarbeit. Nach einem Abstecher in die Gastronomie mit Anfang 20 kommt er als Glasreiniger zur Firma Finestra und hat zwei Jahre später hat er seinen Gesellenbrief in der Tasche, wohlgemerkt parallel zu seinem Studium. Weitere zwei Jahre später, meldet er sich einfach selbst zur Meisterprüfung an, absolviert während eines 14tägigen Urlaubs einen einzigen Kurs – und besteht.

Da kommt Mitte der 90er das Thema Facility Management im Gesundheitswesen auf, in dem er sich mit einem Partner engagiert. Schon bei der ersten Präsentation wird er abgeworben und als geschäftsführender Direktor eingestellt, zum Aufbau des infrastrukturellen Managements beim Deutschen Orden. Auch diese Aufgabe meistert er erfolgreich, gründet daraus 1999 sein erstes eignes Unternehmen, die Pirrung Dienstleistungen GmbH. Kurz darauf wird er von einem ehemaligen Kollegen gefragt, ob er auch Küchen organisieren könnte. So entsteht im März 2000 die „mensa vitae GmbH“ als offizieller Startschuss für das Catering Unternehmen. Nachdem in der Folge weitere Kliniken und Einrichtungen hinzukamen, hat er 2010 das Thema Schulcatering ins Saarland gebracht und so den Schwerpunkt der Firmengruppe über die nächsten Jahre zunehmend vom Facilty Management ins Catering bzw. zur Gemeinschaftsverpflegung verlagert.

Ich wollte immer mal Direktor werden

Aktuell verköstigt die Pirrung Gruppe, die über das Saarland hinaus u.a. in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen Großküchen in Krankenhäusern, Kliniken und Seniorenheimen leitet und die Betriebsrestaurants betreibt, täglich bis zu 14.000 Menschen. Mit allen Bereichen von den Dienstleistungen über Catering bis zu Restaurant & Biomarkt übernimmt Hubert Pirrung gesellschaftliche Verantwortung über das übliche Maß hinaus und lebt, eingedenk des globalen Klimawandels und begrenzter Rohstoffressourcen, vorbildlich eine nachhaltige Denk- und Handlungsweise vor. Diese Nachhaltigkeit ist fest in seinem Leitbild verankert: qualitative Rohprodukte, zum Großteil frisch und direkt aus der Region. Dreh- und Angelpunkt ist der Firmensitz in St. Ingbert-Rohrbach mit den Küchen, in denen das Schul- und Kindergartencatering, das À la carte-Restaurant-Essen sowie das Feine-Feste-Eventcatering hergestellt wird. Auf dem Dach ist eine Photovoltaik-Anlage mit 200 kWp Leistung installiert, die das Unternehmen im Zusammenspiel mit dem großen Energiespeicher im Keller weitestgehend zum Selbstversorger macht.

Jetzt hat Hubert Pirrung mit dem „midi“ auch noch ein modernes und beispielhaft nachhaltiges Restaurant eröffnet, in das ein Biosphären-Mitnahmemarkt integriert ist.

L!VE: Woher kommt diese „grüne“ Einstellung?

Hubert Pirrung: „Schon im Reinigungsbereich waren und sind diese Fragen elementar. Es geht immer um Schnittstellen-Reduzierung, bei allem was ich tue. Ökologisch zu denken, damit bin ich einfach aufgewachsen. Es gibt also keinen Startpunkt, sondern das ist einfach ein Grundgedanke, auch beim Essen, beim Wein, bei allem und auch beim Auto. Ich bin schon ein Leistungsfreak, aber wenn ich eine hohe Leistung mit weniger Verbrauch bekommen kann, dann spricht mich das erst recht an. Das ist der Wirkungsgrad-Fanatiker in mir, das Maximale zu erreichen mit möglich geringem Aufwand.“

Gutes tun und darüber reden oder einfach ein Vorbild geben?

H.P.: Das kommt automatisch. Mal ganz ehrlich, grün zu leben, heißt ja auch zu wirtschaften und das ist ja das Interessante. Wir sind ein sehr stark stromverbrauchender Betrieb und seit ich im Dezember 2019 die Immobilie erwarb, hat sich der Strompreis verdoppelt. Ohne unsere Photovoltaik-Anlage hätten wir ein Problem. Mit den Anlagen decken wir 70 bis 80% unseres Bedarfs. Der Rest wird verkauft. Genauso unsere Energie-Rückgewinnungsanlage, da wir hier im Gebäude auch noch alte Technik haben, die mit Gas funktioniert. Diese Anlage macht ökologisch sogar dreifach Sinn, indem ich die abfließende Energie nutze, dabei Emissionen reduziere und auch noch massiv Geld spare. Klar spielen da für mich auch Marketingüberlegungen mit rein, aber in erster Linie ist das meine Überzeugung. Und das kann ja auch ruhig jeder wissen.

Wie kommt man auf die Idee einen Marktladen in ein Restaurant zu integrieren?

H.P.: Wir haben so tolle Produkte in der Biosphäre, aber es gab keinen einzigen Ort im ganzen Saarland, wo man alle Produkte der unterschiedlichen Erzeuger erwerben konnte. Und dann trat auch Corona auf den Plan und wir haben uns gedacht: Mensch, warum machen wir das nicht hier, wir haben doch so viel Platz. Die Räumlichkeiten sind viel zu groß, um sie nur zwei Stunden am Mittag zu nutzen. Und nur als Markt passt es auch nicht, denn um 260 Produkte zu verkaufen, braucht es ja nicht so viel Platz. Also war es sinnvoll, tagsüber den Markt und abends ein Restaurant zu betreiben. Wenn wir schon ein regionales Biosphären-Restaurant machen und die Produkte aus der Region verkochen, dann soll man die Produkte doch auch an Ort und Stelle kaufen können.

Aber musste es dann gleich Fine Dining sein?

H.P.: Da steht dann man eigener Qualitätsanspruch im Vordergrund, wobei ich nie gesagt habe, wir kochen hier jetzt einen Stern. Mein Ansatz war immer eine gehobene Küche, dazu kam der Nose-to-Tail Gedanke, also ganze Tiere zu verarbeiten, was wieder die Nachhaltigkeit ins Spiel bringt. Wenn ich dann überlege, wer als verantwortlicher Koch in dieses Konzept passt, dann musste das einer sein, der Kompetenz, Motivation und die Kreativität, mitbringt sowas umzusetzen und mit Peter Wirbel haben wir den ohne jeden Zweifel gefunden.

Irgendwie ist es schwer vorstellbar, dass so ein kreativer Geist nicht schon neue Pläne schmiedet?

H.P.: Mein Kopf ist – wenn ich meinem Umfeld glauben darf – glücklicherweise immer noch jugendlich bis kindlich. Doch was ich nach diesem gigantischen Projekt jetzt erst mal brauche ist Luft. Ich möchte nicht sagen, dass es nichts Neues geben wird, aber im Moment bin ich nur darauf bedacht, diesen Laden hier weiter am Laufen zu halten. Das soll aber nicht heißen, dass mir nicht doch demnächst wieder irgendein Furz quersitzt und ich sage, kommt, wir machen jetzt das und das. Aber ich bin ein klassischer, kleiner Mittelständler mit einer großen Verantwortung bei allem was ich tue, meinen Mitarbeitern gegenüber, meiner Familie und natürlich auch der Natur. Das kann ich doch nicht halb leben. Entweder mache ich was richtig oder ich lasse es.

Gesicht des Monats – Peter Wirbel

Unser Gesicht des Monats, Chefkoch Peter Wirbel, hat durch den Wechsel an seine neue Wirkungsstätte für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Schon seit Jahren ist er alles andere als ein unbeschriebenes Blatt in der saarländischen Restaurantszene und weit darüber hinaus. Nach seiner Zeit im Restaurant „Quack“ in der Villa Weissmüller ging er auf Erfahrungssammeltour in die renommiertesten saarländischen Küchen. Von 2008 bis 2016 erkochte er an der Seite von Jens Jakob, erst im „Le Noir“, später dann im „JJ – Das Restaurant“, wiederholt Michelin-Sterne. Auch als  Küchenchef im Tifliser Restaurant „Le Marais“ stellte er sein Können bei dessen Neukonzeption unter Beweis. 2018 dann bereicherte er zusammen mit Jens Jakob und David Christian mit dem „Le Comptoir“ erneut die saarländische Gastrolandschaft. Jetzt hat er den nächsten großen Schritt gemacht und als Chef de Cuisine die Küche des brandneuen Restaurants „midi“ in St. Ingbert-Rohrbach übernommen. „Ich erhoffe mir hier eine interessante Zusammenarbeit mit den saarländischen Bauern und Erzeugern. Des Weiteren ist es eine spannende Sache, sich hauptsächlich auf die Produkte der Biosphäre zu konzentrieren. Darüber hinaus habe ich jetzt die Möglichkeit mich komplett kreativ zu entfalten, mit einem jungen engagierten Team, von dem auch ich noch lernen und Ideen sammeln kann. Und wir sind noch am Anfang dieses wunderbaren Projekts, das sich stetig weiterentwickelt.“

Grußwort von Oberbürgermeister Uwe Conradt

Grußwort von Oberbürgermeister Uwe Conradt zum ‚Christopher Street Day SaarLorLux 2022‘ am 11. und 12. Juni in unserer Landeshauptstadt Saarbrücken. Unter dem Credo „Friede, Love & Liberté“ findet in diesem Jahr die schrille Parade durch die Saarbrücker City und das bunte Live-Programm auf der Straßenfest-Bühne sowie die politische Podiums-Diskussion in der oberen Mainzer Straße statt. 

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Hier gehts zum L!VE-Perspektivwechsel mit Uwe Conradt: https://fb.watch/dviVxN1nya/

L!VE-Perspektivwechsel mit Falko Droßmann

L!VE-Perspektivwechsel mit Falko Droßmann, queerpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag sowie Oberstleutnant der Luftwaffe bei der Bundeswehr. Im Pride-Month Juni und zum CSD SaarLorLux 2022 spricht Marc Kirch mit ihm über die Bedeutung und die aktuellen Herausforderungen in seinem Amt. Beide tauschen sich auch offen über Falko Droßmanns persönliche Erfahrungen bei Bundeswehr und Polizei aus. 

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Clubzone Juni 2022

Also klimatechnisch hat der Mai bei Sonne satt und Temperaturen bis an die 30 Grad ja kaum Wünsche offengelassen. Ausgelassenster Feierei bei hochsommerlichen Temperaturen standen hier und da klitzekleine, aber dafür massive Starkregenschauer entgege. Doch die haben niemand so wirklich gestört. Davon unbenommen haben sich mittlerweile die üblich verdächtigen, sommerlichen Locations vom ULANENPAVILLION am Staden und SILODOM bis zur Fensterbank des JULES VERNE oder zum Innenhof des ZAPATA vehement zurückgemeldet. Aber genug der Vorrede und auf ins Nachtleben …

Die TOP SECRET Partys von DJ Thomas und seinem Team sind zwar spärlich gesäet, aber wenn dann immer absolute Feier-Highlights. Allein schon die Auswahl der jeweiligen Location ist schon ein Happening an sich, denn dem Namen des Events gemäß bleibt die Frage nach dem Spielort der Partygranate bis gerade mal zwei, drei Tage vor Beginn absolut geheim. Entsprechend ausgefallen waren die Locations auch bis jetzt ausnahmslos, auch wenn es jetzt am letzten April-Samstag bereits zum zweiten in die  UT-KINOS ging. Das gesamte Kino war auf allen drei Etagen aufgehübscht und alle Floors mit fetten Sounsstems ausgestattet. Insgesamt sieben Deejays gingen zu Werke und gaben den Leuten kräftig was aus der Techno, 90er und 2000er, Reggaeton und Black Kiste auf die Ohren. Das ganze Haus hat gesteppt und es gab nur einen einzigen, minikleinen Minuspunkt: die Kinolüftung war schlichtweg überfordert und so hatte die Party hier und da en bisschen Pumakäfig „Flair“. Aber alles gut, wir freuen uns schon auf die nächste Geheimniskrämerei.

Die zweite Location, die für massive Feierei sorgte, war wenig überraschend der EGO Club in Saarbrücken. Gleich zum Monatsbeginn war die WOMANIZED Party wieder Eskalation mit Ansage. Kaum hatten sich dann die Türen geöffnet nahm eine Nacht ihren Lauf die zu Recht in die Annalen des Partytempels eingehen dürfte – und das heißt hier schon Einiges. Denn auch bei der SAARBROOKLYN – BEST OF BLACK MUSIC Mitte des Monats ging noch ein weiteres Partymonster an den Start. Alles das ist nicht nur Beleg für herausragende Partynächte, sondern insbesondere auch dafür, dass es gelungen ist, den Traditionsclub mit Schmackes ins 21. Jahrhundert zu schießen.

Ganz ähnliches ist den Machern des ONE ELEVEN, dem ehemaligen CLUB SEVEN, eindrucksvoll gelungen. Gleich richtig fett hat der Mai hier mit der abgefahrenen VINTAGE 90er Party begonnen – und nur einen Tag später wurde mit HOLA CHICA mmets LOCO ISLAND massiv nachgelegt und es wurde es noch bunter und genialer als sonst. Weiter ging es mit MÄDELSABEND und UNI MEETS ABI, bei denen von alten Klassikern bis hin zu den neusten Hits alles ging – es wurde auf alles eskaliert. Mit dem Black und Hip Hop Event THE CROWN und der gandenlosen 80ER VS 90ER ging der Monat zu Ende. Einfach legendär was da abging! Es fällt wirklich schwer diese kontinuierliche Eskalation von Monat zu Monat in ihrer Besonderheit zu beschreiben. Wir appellieren an das gesamte Partyvolk vorbei zu kommen und selbst zu erleben welche unfassbare Stimmung hier herrscht.

Jubel, Trubel, Heiterkeit ist bei der AFTER WORK PARTY im APARTMENT auf jeden Fall immer angesagt. Das absolute Erfolgskonzept machte den Club an der Ecke Dudweiler- und Bahnhofstraße auch am ersten Donnerstag im Mai zur amtlichen Partyarena. Soweit nichts Neues, aber trotzdem haben es die Clubmacher geschafft noch einen drauf zu setzen. Aus der Erfahrung, dass es zunehmend schwierigier wird, wenn draußen noch die Sonne vom Himmel strahlt, Menschen zum Feiern in den Club zu locken, wird die AFTER WORK PARTY so schnell wie möglich in eine Open-Air-Location verlegt. Echt eine Amok-Idee und es bleibt nur zu hoffen, dass der Übergang von der Inddor zur Frischluft-Veranstaltung ohne große Pause gelingt. Aber APARTMENT Oberheld DJ Thomas hat ja schon ganz andere Projekte erfolgreich gestemmt.

Richtig heiß, wenn auch nicht unter freiem Himmel, startete das SOHO mit dem HIP Hop Special mit Civo (live) gewohnt eskalativ in den Wonnemonat. Und schon am zweiten Wochenende, gab’s einen weiteren Höhepunkt mit DEINE ZEITREISE. Die ultra abgefahrene Studentensause gibt immer wieder so richtig Dauergas und es steht zu befürchten, die sind noch lange nicht fertig mit uns. Aber auch sonst gibt es von Woche zu Woche neue Specials, um die Abwechslung zu bieten, die das eskaltive Partyvolk benötigt. Auch an den restlichen Wochenenden wurde gefeiert als gäbe es kein Morgen mehr! Das ist zwar zur Gewohnheit geworden, aber längst keine Selbstverständlichkeit! Samstag für Samstag gab‘s nämlich neue Mottos, sodass für jeden Geschmack etwas dabei war. Von SOHO LOVES HEART über bis hin zur WYLD SATURDAY Party war ein echt abgefahrener Partymix angesagt. Am besten, im Juni selbst anschauen und steil gehen. Wir versprechen garantiert nicht zu viel.

Ordentlich nachgelegt hat natürlich erwartungsgemäß auch die ExKufa! Hier gehen inzwischen wieder mehrfach im Monat ausgesprochen spannende Events an den Start. Die Latte ganz, ganz hochgelegt hat gleich Anfang Mai die SPÄTSCHICHT FIRST INDOOR EDITION. Zum ersten Mal ging das bestens bekannte SPÄTSCHICHT FESTIVAL in geschlosssen Räumen an den Start. Auf 2.500 Quadratmetern wurden in der ExKUFA drei Floors installiert und alles eingebaut, was man für eine heiße Festivalnacht braucht. Satte 16 DJs aus ganz Deutschland, darunter M.Chainz, D.Cline, Jona und Smeerlap zerlegten Mainfloor, Techno-Tunnel und Drum&Bass Tunnel nach allen Regeln der Party Kunst und sorgten für einen legendäre Festivalnacht. Weiter so!

Bei allem Partyspaß müssen wir dann aber doch ab und zu unserer pädagogischen Verpflichtung nachkommen und vor den Gefahren des Nachtelebens warnen. Sonst geht es euch am Ende genauso, wie der jungen Dame, die nach einer wohl nicht alkoholarmen Partynacht, eines sehr frühen Samstagmorgens Mitte des Monats an der Frischetheke des Werksverkaufs eines bekannten saarländischen Fleischereiunternehmens, ein wenig randalierte. Die nach lautstarken eigenen Angaben aus Köln stammende Studentin, hatte zwar mit der Bestellung eines Fleischkäswecks eigentlich nix verkehrt gemacht, wollte dann aber allen Ernstes eine Portion Pommes Schranke dazu. Tatsächlich konnte sie sich gar nicht mehr beruhigen, als ihr die Mitarbeiten zuerst mit Engelszungen, dann etwas nachdrücklicher erklärten, dass Pommes nun nicht wirklich zum Angebot eines Fleischfachhandels morgens um halb sechs gehörten. Das wäre in Köln ganz normal dozierte sie und beschwerte sich dann auch noch darüber, wieso denn die Musik aus wäre. Was lernen wir daraus? Bitte nicht nachmachen!

In diesem Sinne, take care!

Hilfe, wir leben noch!

Hallo Mikrokosmonauten: Hier ist ja wieder Bombenstimmung!

Also ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich dachte kürzlich wirklich, dass es das jetzt war mit der Menschheit. Ich glaubte fest daran, dass sie jetzt gezündet wird: Die große Atombombe. Und dass sie uns alle auf einen Schlag auslöschen würde. Ohne Wenn und Aber. Erbarmungslos. Ich informierte mich sogar über den Ablauf eines möglichen Endzeit-Szenarios in Form eines Atomschlags. Ich berechnete den Radius des Epizentrums und die Entfernung, in der die Druckwelle noch zu spüren sein würde. Ich wusste, dass es schnell gehen würde. Ich hoffte, dass man wenigstens so gnädig sein würde, eine Art Countdown laufen zu lassen, dass man noch genügend Zeit hätte, sich von seinen Liebsten standesgemäß zu verabschieden. Meine Henkersmahlzeit zelebrierte ich ganze zwei Tage und stopfte alles in mich hinein, was sonst verboten ist. Ich genehmigte mir die doppelte Dosis Aperol-Spritz, die ich normalerweise vertrage und dachte sogar kurz daran, meine gesamten Ersparnisse im Casino auf rot zu setzen, aber ließ es dann bleiben, weil ich mich geärgert hätte, wenn ich den Einsatz verdoppelt hätte. Das Geld wäre ohnehin in den verseuchten Flammen der Apokalypse verbrannt.

Und dann passierte einfach nichts.

Versteht mich nicht falsch, ich liebe das Leben, die Welt und alles, was ich als Mensch auf ihr so treiben kann, jedoch ist es bekanntlich so, dass man sich etwas verloren fühlt, wenn etwas nicht passiert, mit dem man fest gerechnet hat. Jeder, der in seinem Leben schon mal schlechten Sex hatte, versteht, was ich meine…

Also was ich eigentlich sagen will ist, dass ich völlig desillusioniert war. Ich musste am nächsten Tag sogar wieder arbeiten. Und verkatert und vollgefressen wie ich nun war, machte ich sofort einen Termin bei meiner Psychologin. Notfallsitzung! Ehrlichgesagt wusste ich nun, wo das Leben weiterging, gar nicht mehr, was ich so tun sollte. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, war ich auch ab jetzt wieder den schlimmsten Nachrichten von Krieg und Tod ausgesetzt. Und Menschen. Menschen im Supermarkt, Menschen in Autos, Menschen überall! Sogar auf einsamen Feldwegen in der tiefsten Provinz. Sie waren überall! Ich hielt inne und begann mich zu fragen: Warum singt Christian Lindner eigentlich „Hurra, wir leben noch!“, wenn es „Hilfe, wir leben noch!“ heißen müsste?“

Es ist doch nun mal so. Das Leben geht ungetrübt weiter. Routine in Reinform. Morgenkaffee und Plaudern über dies und das, Mittagsspaziergänge, wenn das Wetter mitspielt, abends Netflix.

Morgens aufwachen ruiniert einen tollen Tag

Jawohl, „Schwarzer Kaffee“ drückt es richtig aus. Und ich sehe schon die Zeilen meines möglichen Bestsellers vor meinem geistigen Auge: „Nach einem nicht stattgefundenen Atomschlag durch Satan 2 finde ich mich zwischen aufgerissenen Chipstüten und aufgelegten Hyaluron Eye-Pads wieder und staune nicht schlecht, als mir dämmert, dass die Menschheit immer noch existiert.“.

Tags darauf war ich dann bei meiner Psychologin. Zwar sind diese Leute einiges gewöhnt, aber ich ziehe es vor, nicht mit all meinen skurrilen Gedanken rauszurücken, wenn es nicht zwingend erforderlich ist. Es reicht, dass ich ihr mal erzählt habe, dass ich mich schon einige Male in meinem Leben umbringen wollte, aber immer darauf bedacht war, dabei wenigstens ein schönes Outfit und ein bisschen Rouge zu tragen. Kurioserweise schien sie fast schon Verständnis dafür aufzubringen, dass ich mit dem Ende der Welt gerechnet hatte. Und dass ich Menschen um mich herum jetzt noch weniger gerne um mich herum mag. Vielmehr ging sie auf meine regelmäßigen Fressattacken ein und verwendete in diesem Zusammenhang sogar das böse Wort „binge“. Maßlos sei ich in verschiedenen Lebenssituationen, unabhängig, ob eine Apokalypse droht oder einfach nur das Wochenende vor der Türe steht. Und dass ich wie so oft in Extremen leben würde. „Hurra!“, dachte ich nur. Und dann wurde mir plötzlich bewusst, dass ich es gar nicht schlimm gefunden hätte, wenn das mit der Bombe passiert wäre. Denn dann wären all meine Probleme gelöst. All meine Kämpfe, die ich seit nunmehr vierzig Jahren mit mir ausfechte. All meine erfolglosen Versuche, herauszufinden, wer ich wirklich bin und was ich will. Irgendwie zog mich diese Erkenntnis runter. Ich ziehe die Atombombe meinem Leben vor. Was für eine Farce!  

Hurra, wir (über)leben noch!

Andererseits habe ich es bis hierhin geschafft. Ich glaube, bei Super Mario World wären das schon etwa fünf besiegte Endgegner. Ich überlegte. Wo heute das mögliche Ende der Welt ist, war früher ein Balkongeländer. Wo ich heute den großen Knall wittere, wollte ich früher springen. Das Leben beenden. Einfach so. Herrje, was ich alles verpasst hätte! Und was in den letzten Wochen schon wieder passiert ist, was nie passiert wäre, wenn die Welt in die Luft gegangen wäre: Deutschland letzter beim ESC (man, hab‘ ich gelacht!). Der Kauf eines aufblasbaren Wellness-Lounge-Sessel inklusive Getränkehalter für den Pool. Der mit Abstand leckerste Spargel in einem Lokal in Selbach, einem Ort, den ich zuvor noch nie besucht habe. Großartige frühsommerliche Wochenenden im Garten. Ein Spiegelbild, das mir sagt: „Du hast überlebt! Be proud!“.

Wir müssen überleben. Vorerst zumindest. Ich glaube zwar an Reinkarnation, aber wo und vor allem als was, werde ich denn wiedergeboren, wenn die Welt nicht mehr existiert? Da wäre dann ja nur noch Nichts. Und das will ich irgendwie auch nicht. Ich will mich mit all meinen Macken noch ein bisschen behalten. Was ich allerdings nicht gebrauchen kann, sind all diese Meldungen über Krieg und Tod und Gasembargos. Ich möchte auch nichts über Lebensmittelknappheit oder Blackouts hören, es sei denn ich weiß, woher diese Missstände rühren, nämlich wegen einem leergefutterten Kühlschrank oder als Folge von Alkoholmissbrauch. Machen wir uns nichts vor: Die Welt wird nicht anhalten, nur weil wir aussteigen möchten. Sie dreht sich weiter und weiter und wir müssen da irgendwie mitfahren, solange wir noch leben. Einfacher wird es nicht. Es wird wahrscheinlich sogar noch viel heftiger werden, als ohnehin schon. Aber wenn wir bis hierhin überlebt haben, überleben wir auch weiterhin. Ich meine, wie viele Krisen haben wir bereits überstanden? Finanzkrise, Flüchtlingskrise, Coronakrise und jetzt halt Weltkrise! Bei Takeshis Castle hätten wir nach so vielen gemeisterten Hürden wahrscheinlich längst gewonnen.

Vielleicht ist es fast schon normal, sich gelegentlich den Weltuntergang zu wünschen. Besonders, wenn alles zu heftig wird da draußen. Wie ein Pflaster, das man sich abreißt. Kurz und schmerzlos, statt langsam und qualvoll. Ein großer Knall und gut ist.

Aber wisst ihr was? Bevor es knallt, drehe ich jetzt erstmal ne‘ Runde mit meinem Wellness-Lounge-Sessel im Pool.