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Dackelblick

Letztens wurde ich gefragt, als was ich wiedergeboren werden möchte. Als Basketballspieler dachte ich zunächst, schließlich habe ich in diesem Leben viele Erfahrungen mit Körben gesammelt. Dann kam mir in den Sinn, wer es in diesem Leben von allen am besten hat. Nicht etwa Stars, Millionäre oder Könige, sondern Tiere! Hätte man vor einigen Millionen Jahren an der Supermarktkasse vor einem Dinosaurier gestanden, man hätte ihn vorgelassen, denn Dinosaurier regierten damals die Welt. Auch wenn die Riesenechsen mittlerweile ausgestorben sind, hat sich nichts daran geändert, dass Tiere die wahren Herrscher unseres Planeten sind. Die Mächtigsten unter ihnen sind dabei nicht etwa gefährliche Raubkatzen, sondern diejenigen, die am harmlosesten erscheinen: Haustiere…

Wer der irrigen Meinung ist, wir Menschen hätten Macht über Tiere, nur weil wir gelegentlich eines von ihnen überfahren, auf den Grill werfen oder als Jacke tragen, der verkennt, dass Katze, Hund und Co. nicht deswegen den ganzen Tag faul in einer Ecke liegen, weil sie von der Evolution benachteiligt wurden, sondern weil sie es können! Ihnen ist bewusst, dass stets etwas im Fressnapf ist, ohne dass sie dafür eine Pfote krumm machen müssen. Da sollte man sich als Mensch die Frage stellen, wer sich durch Domestizierung nun wen oder wem unterworfen hat und ob Vierbeiner Zweibeinern gehorchen, weil sie Leckerlis geben, oder Zweibeiner Vierbeinern, weil sie Leckerlis möchten…

Haustiere leben den Traum eines jeden Mannes: Schlafen, Saufen, Fressen und den pelzigen Bauch gestreichelt bekommen. Anders als bei ihrem menschlichen Gefährten stört es Frauen bei ihrem tierischen Gefährten nicht, wenn er aus dem Hals riecht oder dauernd auf dem Sofa liegt, um sich mit seinen Genitalien zu beschäftigen. Es ist nicht tragisch, wenn ein Hund auf die Terrasse pinkelt, eine Katze Haare im Bad hinterlässt oder einem Hamster das Essen nicht schmeckt. Als Mann hängt nach so etwas stets der Haussegen schief. Wird ein Kater mit einer gerade aufgerissenen Maus im Bett erwischt, bekommt er von Frauchen Liebe mit Lob statt wie ein Mann Hiebe mit dem Mopp…

Tiere dürfen alles, was wir Männer nicht dürfen. Auch an fremden Weibchen schnüffeln und im Stehen pinkeln. Keiner verlangt von Tieren, eine Hose zu tragen, wenn die Großeltern zu Besuch kommen oder nur im Freien zu pupsen. Um mit all dem durchzukommen, tun Haustiere das ganze Jahr nichts anderes als wir Männer am Valentinstag, nur mit mehr Erfolg: Sie heucheln ihrem Frauchen Liebe vor und hoffen, nicht an der kurzen Leine gehalten zu werden. Während Frauen derartige Zutraulichkeit bei Männern direkt als miese Masche entlarven, werten sie sie bei Tieren als Zeichen der Liebe. Ein fataler Fehler! Haustiere manipulieren Frauen wie wir Männer es uns nur erträumen können…

Vor allem der Hund als liebstes Haustier des Deutschen nach dem Silberfisch hat sich die Frau perfekt abgerichtet. Hat Bello nachts Durst, streunt er so lange ums Bett bis Frauchen ihm Wasser gibt. Als Mann könnte man nachts röchelnd verdursten, die Bettnachbarin würde nicht einmal wachwerden, geschweige denn aufstehen. Will ein Hund spielen während Frauchen schläft, wedelt er einfach mit seinem Schwanz und leckt ihr durchs Gesicht. Damit hat er garantierten Erfolg. Anders als ein Mann, der Gleiches tut und danach für die nächsten 14 Tage auf der Wohnzimmercouch schlafen darf. Für uns Männer ist es manchmal schon ein Hundeleben…

Die meisten Frauen mögen Männer, lieben aber Tiere. Das kommt daher, dass Tiere bei sexueller Erregung meist schon mit einem Hosenbein zufrieden sind. Außerdem sind sie nie schlecht gelaunt, wenn Frauchen wieder Unmengen für Schuhe ausgegeben hat. Anders als bei Männern akzeptieren Frauen bei Haustieren ohne zickig zu werden, wenn diese keine Lust auf Streicheleinheiten haben und lieber um die Häuser ziehen. Tiere müssen nie an Jahrestage denken oder den Müll rausbringen und dürfen bei Liebesfilmen einschlafen. Kommt eine Katze nach einer Balgerei mit Blessuren nach Hause, kümmert sich Frauchen liebevoll. Ein Mann bekommt noch eins mit dem Nudelholz über…

Wir Männer müssen uns damit abfinden, dass wir in der Rudelhierarchie erst hinter Josie, der Katze, Sam, dem Mops und Schnitzel, dem Ferkel kommen. Jeder Mann, dessen Freundin ein Pferd hat, wird bestätigen, dass er weit seltener geritten wird als sein Konkurrent mit den Hufen. Es kann auch schon mal sein, dass nach all der teuren Fellpflege und all dem Premium-Futter für den Vierbeiner am Monatsende für den Zweibeiner nur noch Kernseife und Dosenravioli übrig bleiben. Mann sollte dennoch gar nicht erst versuchen, mit Tieren mithalten zu wollen und demütig akzeptieren, wenn bei Doggy-Style statt einer feuchten Muschi nur ein nasser Hund im Bett wartet…

Frauen kraulen Fell eben nur dann gerne, wenn es zu einem Rüden und nicht zu einem Rüdiger gehört. Affen sind so lange niedlich, so lange man sie im Zoo sieht und nicht in der Sauna. Frauen stört es zwar nicht, wenn sich beim Familienausflug in den Tierpark ein Gorilla vor Publikum an seinem Gemächt kratzt, seltsamer Weise aber, wenn der Playboy des Partners beim Besuch ihrer Eltern noch im Bad liegt. Was für uns Männer jedoch am wenigsten nachvollziehbar ist: Wieso finden Frauen Gefallen daran, Katzen mit einem Wollschnürchen zu beschäftigen? Als Mann hat man da eher schlechte Erfahrungen gemacht, was Pussies und Schnürchen angeht…

Bei vielen Frauen sind Tiere Kinderersatz. Nervige Vierbeiner haben dabei den Vorteil, einfacher an der Autobahn ausgesetzt werden zu können als nervige Zweibeiner. Auch ruft niemand die Polizei, wenn man Bello statt Benno mit dem Teppichklopfer durchs Haus drischt. Man ist zudem gelassener, wenn einem bewusst ist, dass im Alter, in dem Kinder in die Pubertät kommen, Wuffi weiter unterm Tisch liegt und nicht auf die Idee kommt, sich sein Fell bunt färben und seine Schnauze piercen zu lassen. Außerdem braucht man mit Tier statt Kind das Ersparte nicht für irgendwelche Erben zusammen zu halten. Schließlich überlebt man sein Haustier. Es sei denn, es ist eine Schildkröte…

Tiere merken übrigens, wenn Männer es auf ihr Frauchen abgesehen haben. Ihnen ist bewusst, dass Mann bei Frau nur landen kann, wenn er ihre Tiere mag. Daher lassen sie, sobald der menschliche Widersacher sie auf dem Arm hält, den Dingen gerne einmal ihren Lauf. So wird dem Konkurrenten schneller warm ums Herz als ihm lieb ist. Ein feuchtfröhliches Date stellt Mann sich anders vor. In seltenen Momenten, in denen Frauen doch einmal uns Männer den Tieren vorziehen, reagieren Tiere meist eifersüchtig. Romantik wird dann schwierig, wenn der Wellensittich just dann aus dem Käfig ausbricht, wenn Frauchen sich gerade anderweitig mit Vögeln beschäftigen will…

Es ist wie es ist. Wir Männern müssen akzeptieren, dass wir in diesem Leben nie so süß sein werden wie Haustiere. Aber vielleicht dafür im Nächsten. Bis dahin können wir ihn ja schon einmal üben, den Dackelblick… gruenetomaten@live-magazin.de.

Patrik Wolf

P.S. Warum gibt es eigentlich kein Katzenfutter mit Mausgeschmack?

Aprilwetter

Alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christuskind, sondern auch der April und mit ihm die Zeit, in der das Wetter unberechenbarer ist als ein russisches Staatsoberhaupt. Beschränkt der Mensch seine üblen Späße im April für gewöhnlich auf den Monatsersten, präsentiert das Wetter seine Aprilscherze nicht selten den ganzen Monat lang. Da ist es schon einmal möglich, dass man bei zwanzig Grad und blauem Himmel mit dem Auto in die Waschstraße fährt und diese bei zwei Grad und Schneeregen wieder verlässt. Die lang ersehnte erste Cabriofahrt des Jahres kann einem im April schon einmal vermiest werden, wenn man blauäugig dem Wetterbericht vertraut und Sonne erwartet, dann jedoch mit offenem Verdeck auf der Autobahn eines Besseren belehrt wird und bis zur nächsten Haltemöglichkeit das Wasser schön knöchelhoch im Fußraum hat…

Früher machte Petrus das Wetter, später dann Jörg Kachelmann. Mittlerweile präsentieren unzählige Internetseiten und Smartphone-Apps für den gleichen Ort zur gleichen Zeit völlig unterschiedliche Wetterprognosen, die alle nur darin übereinstimmen, dass keine von ihnen richtig ist. Darüber sehen viele Nutzer jedoch großzügig hinweg, solange zumindest die neben den bunten Wettersymbolen eingeblendeten noch bunteren Werbeanzeigen für Schuh- oder Viagra-Schnäppchen der Wahrheit entsprechen. Früher hielten sich die Wettervorhersagen gerade im April mit klaren Aussagen bewusst zurück und kündigten stets nur „heiter bis wolkig, zeitweise Regen“ an. Keiner traute sich damals mehr Verbindlichkeit zu. Heute liefern Internet und Apps bereits Monate im Voraus zielsicher Temperatur- und Luftdruckangaben auf die zweite Nachkommastelle genau für jede Hausnummer…

Allen Wetterdiensten und Wetterregeln zum Trotz ist zu Beginn des Frühjahrs niemand wirklich in der Lage, verlässlich vorherzusagen, was sich in der Atmosphäre tut. Egal ob über Deutschland oder der Ukraine. Selbst Siri und Alexa wissen morgens noch nicht, ob man mittags besser Flipflops oder Gummistiefel tragen sollte. Das Wetter im April verhält sich wie ein Teenager mit Frühlingsgefühlen, dessen Stimmungsschwankungen einem den Tag verhageln können. Auch wenn kein Wetterfrosch es zugeben würde, übersteigt die Prognosegenauigkeit der Wettermodelle am Frühlingsanfang kaum die Trefferquote einer Jahrmarktswahrsagerin. Eher findet man die richtigen Lottozahlen in einer Buchstabensuppe als die richtigen Temperaturen im Wetterbericht. Irgendwie passen die Vorhersagen nicht zum Wetter oder – wie der Meteorologe sagen würde – das Wetter nicht zu den Vorhersagen…

Wenn zur Eröffnung der Grillsaison bei angekündigten frühsommerlichen Temperaturen erst einmal der Grill vom Schnee befreit werden muss, wird von Wetterexperten die Schuld nachträglich wieder auf ein Tief geschoben, das irgendwie nicht hoch kam und sich lange nicht entscheiden konnte, ob es nun über Island schlummern oder sich bei uns austoben will. Man muss sich ja auch nicht wundern, dass das Wetter nie zur angekündigten Zeit am angekündigten Ort ist: Bei dem Gewirr aus Linien, Zahlen und Farben ist es mit Wetterkarten nicht anders als mit Autofaltkarten von früher. Die halfen auch nie dabei, ans richtige Ziel zu kommen und ließen mehr als nur einen Urlaub ins Wasser fallen. Vor allem wenn Vati erst nach Stunden auffiel, dass Mutti die Karte falsch herum hält und man den anstehenden Mittelmeerurlaub deshalb an der Nordsee verbringen durfte…

In Wetterberichten von früher war stets der Golf von Biskaya der Ursprung allen Übels. Als Kind lernte man damals, dass schlechte Menschen aus Russland, schlechte Angewohnheiten vom vielen Fernsehen und schlechtes Wetter aus dem Golf kommt, von dem niemand wusste, wo er liegt. Irgendwann hat es sich die Biskaya dann wohl mit dem Deutschen Wetterdienst verscherzt. Seitdem hört man vielmehr von Funtensee, dem deutschen Kältepol bei Berchtesgaden. Ankündigungen von Fronten und Stürmen aus Berchtesgaden sind dem deutschen Volk ja vertraut. Dort wusste man schließlich schon vor achtzig Jahren, ob man Bombenwetter oder Blitz kriegt. Hätte man damals zeitig erkannt, dass die angekündigten Hochs eigentlich Tiefs waren, man hätte sich für den Ausflug nach Stalingrad noch ein Paar Socken mehr einpacken können…

Wer den Wetterbericht im Fernsehen verfolgt, dem stellen sich unweigerlich Fragen: 1.) Nach welchem Prinzip werden eigentlich die Städte ausgewählt, die auf den Wetterkarten abgebildet sind? 2.) Sind die Ratiopharm-Zwillinge und der Grippostad-Pinguin überhaupt daran interessiert, dass es gutes Wetter gibt? Und 3.) Woher kommen die vermeintlich seriösen Wetterfeen, die keine Schwierigkeiten hätten, bei Heidi Klum einen Vertrag zu bekommen, es aber vorziehen, im Nachmittagsprogramm über Kaltluft im Hunsrück zu berichten? Geht man von der üblichen Meteorologie-Studentin aus, die selbst nackt aussieht als würde sie einen Norwegerpulli tragen, vollbringt Fernsehschminke entweder wahre Wunder oder aber die Modelmiezen, die tief dekolletiert über das Wetter am Jadebusen berichten, haben keine Ahnung von dem, was sie ablesen und halten einen Zyklon für eine einäugige Sagengestalt und Graupel für den Körnerkram in Omas Suppe…

Und so warte ich in diesen Tagen wieder jeden Abend gespannt vor dem Fernseher auf eine neue Wettermärchenstunde, während ich mich mit Wolldecke und Tee von dem am Vortag angekündigten „ersten herrlichen Frühlingstag“ erhole, der mich mittags beinahe weggeblasen hätte, wäre ich nicht vorher schon weggespült geworden. Während im Fernsehen etwas von einer gestern noch nicht absehbaren Verzögerung des Hochs und garantiert blauem Himmel morgen berichtet wird, beginnen meine Terrassenmöbel über den überfluteten Balkon zu schwimmen, während seltsam weißes Zeug vom Himmel fällt. Aber was will man auch von einem Hoch erwarten, das Kevin heißt? Aprilwetter… gruenetomaten@live-magazin.de.

Patrik Wolf

P.S. Satte 299 Euro plus Mehrwertsteuer kostet die Namenspatenschaft für ein Hochdruckgebiet. Dafür kann man nun wirklich gutes Wetter erwarten.

Endlich wieder Urlaub

Wenn jemand eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Christoph Columbus zum Beispiel wusste was zu erzählen, nachdem er auf der Suche nach einem Seeweg nach Indien irgendwo im Atlantik falsch abbog und Amerika entdeckte. Was ihm bis heute niemand verziehen hat. Ebenso Marco Polo, der alle übrigen Länder der Welt entdeckte und seine Erlebnisse in kleinen Reiseführern mit Insider-Tipps niederschrieb. Selbst meine Ex-Freundin weiß stets von ihren Reisen zu erzählen. Wenn auch nur, dass sie in der Karibik nicht nur Rum mochte, sondern auch rum machte. Was ihr einen unvergesslichen Trip, vor allem aber auch einen noch unvergesslicheren Tripper bescherte…

Reisen dienen seit jeher dazu, fremde Kulturen und Arten zu erleben. Egal ob im tiefsten Südamerika, Senegal oder Sachsen. Noch besser geeignet sind Reisen jedoch dazu, bereits bekannte Kulturen und Unarten zu erleben. Noch lehrreicher als einen Vierbeiner des Nachbarkontinents im Zoo zu beobachten, ist es, einen Zweibeiner des Nachbartischs im Urlaub zu beobachten. Ganz ohne Zaun oder Gitter kann man da Verhaltensweisen studieren, die man sonst nur aus Tierreportagen im Fernsehen kennt: Futterneid, Revierkämpfe und Balzrituale. Der Urwald auf Madagaskar ist nichts gegen den Urlaub auf Mallorca. Das hätte man nach zwei Jahren Pandemie fast schon vergessen…

Im Vergleich zu Menschen in einem Pauschalurlaub verhalten sich Tiere in freier Wildbahn geradezu menschlich. Beobachtet man das Gedränge und Geschiebe am Büffet eines Pauschalurlauber-Hotels, gewinnt man den Eindruck, es ginge um Leben oder Tod und nicht bloß um Fleisch oder Fisch. Als stünde ein Krieg bevor, kennen hungrige All-Inclusive-Urlauber keine Gnade, wenn es um die größten Portionen geht. Ob das, was da im Affekt handbreit auf dem Teller übereinander gestapelt wird, überhaupt zusammenpasst oder ob man da nicht doch gerade Eierlikörsoße über den Blumenkohl gießt, ist erst einmal Nebensache. Liegenlassen kann man es ja schließlich immer noch…

Wie wir alle spätestens seit Corona wissen dürften: Der Mensch kann einfach nicht das intelligenteste Lebewesen auf diesem Planeten sein. Ameisen schaffen es zu Abertausenden, sich zu organisieren und aus dem Weg zu gehen. Wir Menschen dagegen sind nicht einmal im Dutzend in der Lage, zu begreifen, an welcher Seite einer Büffetschlange man sich anstellen muss. Dabei sind es keineswegs nur die an Linksverkehr gewöhnten Engländer, die einem am Büffet als Geisterfahrer mit Teller und Besteck entgegenkommen. Wahrscheinlich würde es eine mittelbegabte Ameise auch eher schaffen, eine FFP2-Maske richtig über ihrer Nase zu tragen, wenn sie denn eine Maske und eine Nase hätte…

Wenn es um Essen geht, muss Corona kurz warten. Was das Einhalten von Abständen betrifft, sollte man gerade mit uns Männern Nachsicht haben. Seit der Pubertät haben wir nachweislich Probleme damit, Längen richtig abzuschätzen. Beim wem 30 Zentimeter gerade einmal so lange sind wie ein Finger, ist 1,50 Meter Abstand zum Vordermann eben auch nicht mehr als eine Tellerbreite. Gerade für viele männliche Ü20er ist aufgrund der Corona-Beschränkungen in Bars und Diskotheken das Hotelbüffet noch die einzige Möglichkeit, beim Malle-Urlaub dem anderen Geschlecht ungefragt näher zu kommen und ihm das Sommerkleid zu versauen…

Im Gegensatz zum Verhalten vieler Hotelurlauber beim Essen wirkt es geradezu friedfertig, wenn ein ausgehungerter Löwe ein Gnu bei lebendigem Leibe zerfetzt. Die Tischsitten in Urlaubshotels erinnern weniger an das Essverhalten von Homo sapiens als an das von Würgeschlangen, die Beute am Stück herunterschlingen. Die lange Zeit im Home-Office in der Pandemie hat auch hier Spuren hinterlassen. Viele haben hörbar vergessen, dass Rülpsen und Furzen ursprünglich keine üblichen Tischgespräche waren. Es ist faszinierend wie erschreckend zugleich, wie manche Menschen ein weichgekochtes Ei essen und es schaffen, dass danach der Tisch aussieht, als wäre ein ganzes Huhn explodiert…

Die Geräuschkulisse in All-In-Hotelrestaurants erinnert an das Geschmatze einer Ferkelherde. Von fressenden Schweinen sind essende Hotelgäste oft nur durch die teilweise Bedeckung ihres Specks zu unterscheiden. Sofern Muskelshirts bei Ihm und Wickeltücher bei Ihr als Kleidung zählen und nicht bereits als Zumutung. Da kann im Hotelprospekt zigmal stehen, dass Abendgarderobe erwünscht ist. Wenn Papi Shorts, Sandalen und Socken tragen möchte und Mutti ein zu knappes, durchsichtiges Strandkleid, dann tun sie es. Der Gast ist schließlich König. Ich bin für solche Anblicke eigentlich immer dankbar, mindern sie als natürliche Appetitzügler doch die Gefahr, im Urlaub zuzunehmen…

Es ist beeindruckend wie befremdlich zugleich, die Hast und Aggression vieler Erholungssuchender zu sehen, die im Urlaub mehr Stress haben als zuhause. Daher sind viele nach zwei Wochen auch froh, wenn es wieder heimwärts geht, wo alles seine gewohnte Ordnung hat und es sonntags Rinderrouladen gibt. Schließlich ist Erholen gar nicht so einfach, wenn man sich andauernd Gedanken machen muss, ob noch genügend Nachtisch und freie Plätze am Pool vorhanden sind. Vor allem bei uns Deutschen gilt: Was inklusive ist, wird auch genutzt! Das gilt für Snacks am Mittag ebenso wie für Shows am Abend. Egal ob man Lust auf sie hat oder nicht. Bezahlt ist schließlich bezahlt…

Auch wenn er gar nicht vorhat, sich an den Pool zu legen, markiert der anständige Deutsche in aller Herrgottsfrühe mit seinem Handtuch oder jetzt noch wirksamer mit seiner Mund-Nasen-Maske sein Territorium am Becken. Auch wenn er die Liege eigentlich gar nicht braucht, heißt das nicht, dass er sie jemand anderem gönnt. Dabei ist der Pool eigentlich nichts für Deutsche mittleren Alters. Sammeln sich im Wasser doch immer nur Keime und Kinder. Und beide möchte man sich im Urlaub vom Leibe halten. Außerdem ist da ja eh wieder kein Hotelpersonal, das überwacht, dass niemand vom Beckenrand springt. Da könnte man sich ja nicht mal erholen, wenn man sich erholen könnte…

Wer glaubt, entsprechenden Exemplaren der eigenen Spezies aus dem Weg gehen zu können, indem er sich ein Urlaubsziel sucht, das nicht jeder kennt, der muss leider eines Besseren belehrt werden oder in die Antarktis reisen. Egal ob Mallorca, Malta oder Madeira, Pauschalurlauber gibt es wie Corona überall. Und beide nerven ähnlich. Weltreisen, die Columbus und Polo noch Ewigkeiten im Voraus planen mussten, können heute last-minute beim Discounter gebucht werden. Was Herpesviren für den Menschen, sind Pauschaltouristen für Urlaubsorte: Jeder hat sie, es ist nur die Frage, wann sie unangenehm in Erscheinung treten und einem die Laune vermiesen…

Warum ich selbst trotz allem ab und an Pauschalurlaub mache? Weil ich gerne Bücher auf blockierten Poolliegen vertausche und es mag, mir am Büffet ausgiebig Zeit zum Studieren der Essensschilder zu nehmen. Das entspannt ungemein, zumindest mich. Das Gute am Pauschalurlaub während der Pandemie ist übrigens, dass man sich dank hoher Inzidenzwerte und überfülltem Charterflug keine Gedanken mehr zu machen braucht, was man den Lieben zuhause mitbringt. Und was ist nach einer Woche Urlaub im Süden schöner als noch eine Woche Urlaub zuhause hinterher? Manches muss man eben einfach positiv sehen. Endlich wieder Urlaub… gruenetomaten@live-magazin.de.

Patrik Wolf

P.S. Geschichten, Hotelhandtücher oder Corona – Mitbringsel gehören zu jedem Urlaub.

Fast furios

Während heutzutage schon derjenige als Draufgänger gilt, der sich nicht nach jedem Essen die Zähne putzt, seinen leeren Joghurtbecher ungespült in die gelben Tonne wirft oder die FFP2-Maske nicht täglich wechselt, gab es früher noch richtige Gesetzlose, die das wirkliche Abenteuer suchten. An ihrer Seite nicht mehr als ein treues Pferd, ein Säckchen Gold und ein Revolver. Nur eine kleine, um die Welt verstreute Gruppe Menschen hat sich diese Freiheit bis heute bewahrt. Sie wissen nicht, wohin ihr Schicksal sie führen und welche Aufgabe ihre nächste sein wird. Sie sind die Outlaws unserer Zeit und leben auf der Straße, wo jeder sie fürchtet. Sie sind Taxifahrer…

Taxifahrer sind die Cowboys unserer Städte. Ihr treues Pferd ist ein Mercedes Diesel, ihr Säckchen Gold ein Beutel Wechselgeld und ihr Revolver ein Elektroschocker in der Türablage. Sie sind die Wildwesthelden von heute. Sie leben aus, wovon andere träumen: Unabhängigkeit, Ungebundenheit und Fahren auf der Busspur. Keine Ampel ist ihnen zu rot, keine Lücke zu eng, kein Auffahren zu dicht. Nur Taxifahrer wagen es, den Verkehrsregeln vor den Augen der Polizei zu trotzen und sich Straßenbahnen in den Weg zu stellen. Taxi bedeutet Vorfahrt. Hand an der Hupe, Fuß auf dem Gas, das ist ihr Leben. Dazu ihr Ehrenkodex: Keine Zeit verschenken und erst recht keinen Euro…

Völlig zu Unrecht werden Taxifahrer von vielen als arbeitslose Lehrer oder Langzeitstudenten abgestempelt und ihnen nachgesagt, sie seien raubeinige Straßenrassisten mit Lederjacke und Ellbogen im geöffneten Seitenfenster, die Worte wie Deo und Freundlichkeit nur aus dem Kreuzworträtselbuch auf dem Armaturenbrett kennen. Ja, viele Taxifahrer schnallen sich nicht an und biegen ab, ohne zu blinken. Ja, die meisten Taxifahrer kümmern Geschwindigkeitsbegrenzungen wenig. Ja, Taxifahrer nutzen ihren Mittelfinger zum Grüßen anderer Verkehrsteilnehmer. Alles richtig, aber das Leben auf der Straße ist eben nicht, wie es einem in der Fahrschule vorgegaukelt wird…

Ein Leben als Taxifahrer ist ein Leben auf der Überholspur. An manchen Tagen hat man dabei mehr nach Alkohol stinkende Typen bei sich drinnen als eine gut besuchte Prostituierte. Hier wie dort geht es um schnelles Geld und darum, rasch zum Ziel und danach an den nächsten Kunden zu kommen. Die Konversation beschränkt sich derweil nur auf das Notwendigste. Man sollte sich über Taxifahrer jedoch nicht beschweren, sondern stattdessen diesen Helden des Alltags lieber Tribut zollen. Da sie Tag für Tag rund um die Uhr auf Abruf zu Diensten stehen, um uns nach dem Verlust von Muttersprache und Gleichgewicht von der Kneipe sicher zu unserem eigenen Auto zu fahren…

Man muss kein Uber-Flieger sein, um als Taxifahrer Erfolg zu haben, jedoch wissen, wo die eigenen Grenzen sind und wann man an den Bahngleisen dem heraneilenden Schnellzug den Vorrang lässt. Der Kunde ist im Taxi König, zumindest so lange er nicht auf den Rücksitz kotzt und Trinkgeld zahlt. Was Taxifahrer auszeichnet, ist mehr als ihr Wissen, was auf der Titelseite der aktuellen Bildzeitung steht, und die Kenntnis, wo die besten Strapsibars der Stadt sind. Es ist vor allem ihre Gelassenheit, wenn sie tiefenentspannt mit 80 Sachen durch verkehrsberuhigte Zonen cruisen und Rentner mit Rollatoren mittels Lichthupe dazu anspornen, schneller zur Seite zu gehen…

Es ist schon erstaunlich, wie Taxifahrer es schaffen, ihre elfenbeinfarbenen Boliden mit einer Hand am Lenkrad und der anderen Hand im Schritt durch spielende Kinder zu manövrieren, ohne dabei freie Kindergartenplätze zu schaffen. Der Fahrgast im vollklimatisierten Fond der Limousine bekommt derweil vom Gekreische heraneilender Waldorfkindergarten-Mütter nichts mit und genießt das Gefühl der Geborgenheit, das ihm Seitenaufprallschutz und Airbags vermitteln. Nie fühlte man sich sicherer in einem Auto, das eine knappe Million Kilometer auf dem Tacho hat und von jemandem gefahren wird, der im Monat mehr Punkte in Flensburg sammelt als man selbst in einem Jahr im Supermarkt…

Taxifahrer, das ist eine Mischung aus Psychologen und Psychopaten. Wie keine andere Berufsgruppe des Personenbeförderungsgewerbes verstehen sie es, aus einer einfachen Stadtfahrt eine Reise per Anhalter durch die Galaxis zu machen. In einer Viertelstunde prasseln auf den Fahrgast Eindrücke nieder, die sich außerhalb des Taxenkosmos nur in Jahren der Kriegsgefangenschaft ansammeln. Anders als Busfahrer oder Polizisten, die einen sonst heim bringen, baut sich zwischen Taxifahrer und Fahrgast in wenigen Minuten ein Verhältnis auf, das jeden Fahrgast dazu bewegt, seine Probleme jemand Wildfremdem anzuvertrauen, dem er sonst nicht einmal freiwillig die Uhrzeit sagen würde…

Eine Taxifahrt bleibt meist unvergesslich. Ob nun wegen des Kettenrauchers hinter dem Steuer, der beim Einsteigen des Gastes auf das Rauchen-Verboten-Schild am Handschuhfach deutet, oder wegen der Fahrtroute, die an das Einkreisen von Wild bei der Treibjagd erinnert. Aber wer will schon morgens um vier den kürzesten Weg nach Hause, wenn er für ein paar Euro mehr einen pittoresken Ausflug durch die schönsten Gewerbegebiete der Umgebung bekommt? Dank moderner Computer kann man verlässlich das Wetter der nächsten drei Wochen voraussagen, jedoch nicht die Fahrtroute eines Taxis in den nächsten drei Minuten. Ideal für Menschen mit Verfolgungswahn…

Wie bei einem Blinddate weiß man auch bei einer Taxifahrt vorher nie, was einen erwartet. Die Zahl unterschiedlicher Taxis ist so groß wie die Zahl unterschiedlicher Routen zum gleichen Ziel. Vom akkuraten deutschen Taxi mit gehäkelten Sitzüberzügen, das am liebsten rechts abbiegt, bis hin zum fahrenden indischen Gemischtwarenladen mit eigenem E-Bay-Shop ist alles möglich. Wartet am Steuer nun ein Osteuropäer mit dem mimiklosen Gesicht eines Profikillers, der seinen Auftrag ohne Fragen erledigt, oder doch ein Südländer, der wasserfallartig von seiner Großfamilie berichtet und Fotos zeigt, auf denen alle seine Verwandten unabhängig vom Geschlecht einen Bart tragen…

Vielleicht erwischt man aber auch ein heimisches Urgestein, das seit 50 Jahren „Kraftdroschke“ fährt und es schafft, in fünf Minuten sein gesamtes Lebens zu erzählen. Wobei er ohne Redepause den Spagat zwischen Wetter, Politik, Exfrau und seiner Vorliebe für thailändische Prostituierte schafft und nicht hinter dem Zaun hält, dass die Pandemie längst vorbei wäre, wenn jeder tun würde, was er sagt. Besonders beeindruckend sind auch Taxifahrer, die selbst keine zehn Worte Deutsch sprechen, es aber schaffen, den Röchellauten ihrer sturzbetrunkenen Fahrgäste das gewünschte Fahrziel richtig zu entnehmen. Dies bestätigt dann wohl, dass sich jede Sprache nach zwölf Bier gleich anhört…

Wer selten Taxi fährt, dem sei Folgendes als Tipp mit auf den Weg gegeben: 1.) Man ist kein Rassist, wenn man ein weißes Taxi mit ausgestrecktem Arm anhält. 2.) Die vermeintliche Stoppuhr, die vorne im Taxi mitläuft, zeigt nicht den Jackpot der nächsten Lotto-Ziehung an, sondern den Fahrpreis, der schneller steigt als die Zahl der Corona-Neuinfektionen. 3.) Stets in den letzten Wagen am Taxistand einsteigen und nie in eine der Taxen davor, die schon seit Stunden auf Kundschaft warten. – Wer nach der Fahrt zufrieden war, sollte 19,90 Euro ruhig mal gerade sein lassen und sich großzügig mit einem Zwanziger bedanken. Taxifahrer zu sein, ist: Fast furios… gruenetomaten@live-magazin.de

Patrik Wolf

P.S. Gegen den Typen am Taxifunk spricht René Mariks Maulwurf perfektes Deutsch.

Gehen wir heim?

Man braucht kein Hellseher zu sein oder mit einer Bibel unter dem Kopfkissen zu schlafen, um zu wissen, dass der Tag kommen wird, an dem die Menschheit vor ihrem Ende steht. Nie war das klarer als gerade jetzt. Nach fast zwei Jahren Pandemie wissen wir, dass unsere größten Probleme darin bestehen, nicht genug Toilettenpapier in der Lieblingsfarbe auf Vorrat zu haben und Sangria alleine aus Gläsern trinken zu müssen statt in Gruppen aus Eimern. Zählten wir Deutsche einst zu den schlausten Köpfen überhaupt, als wir Buchdruck, Automobil und Weltkrieg erfanden, schaffen wir es heute nicht einmal mehr ein Stück Stoff richtig über Mund und Nase zu tragen. Hätten wir alle doch gerade nur halb so viel Vertrauen in die Wissenschaft wie in Tupperware…

Obwohl wir uns bereits vor Corona am liebsten unser Essen beim Lieferservice, unsere Klamotten bei Amazon und unsere Freunde bei Instagram besorgt haben, fühlen wir uns nun eingeschränkt, da wir nicht mehr ohne Weiteres in die Restaurants, Kaufhäuser und Clubs dürfen, in denen wir eh schon seit Jahren nicht mehr waren. Weil es uns zu umständlich war, es für unseren realen Anblick keinen schönenden Weichfilter gab oder wir eine Hose hätten tragen müssen. Es ist so, als würden Nichtraucher sich plötzlich beschweren, dass sie im Linienbus nicht mehr rauchen dürfen. Obwohl sie noch nie eine Zigarette im Mund hatten, geschweige denn jemals mit dem ÖPNV gefahren sind. Wir sind derzeit alle so schnell erregt. Leider eben nur nicht auf die gute Art und Weise…

Viele Menschen haben es derzeit wirklich nicht leicht. Krankenhaus- und Pflegepersonal zum Beispiel oder Pärchen, die zur gleichen Zeit im Home-Office arbeiten. Und Gymnasiallehrer, die alles besser wissen, aber nichts ändern können und damit wie Oppositionspolitiker sind. Mit dem Unterschied, dass sie Cordhosen und Outdoor-Jacken tragen statt Anzüge und Sakkos und nicht wie Motten das Scheinwerferlicht der Presse suchen. Und ja, es gibt auch Menschen, die mit der Pandemie gute Geschäfte machen. Das ist nicht anders als mit Kriegen und Drogen. Des einen Leid ist des anderen Freud. Und mit Berufen während Corona ist es eben wie mit Tinder: Es gibt Gewinner und Verlierer. Ob man den Richtigen erwischt hat, lässt sich erst sagen, wenn man sich nichts eingefangen hat…

Einst war ich der Meinung, dass entweder ein Meteorit oder vielleicht sogar Außerirdische, zumindest aber der altbewährte Kalte Krieg der Menschheit irgendwann zum Verhängnis würde. Mittlerweile ist absehbar, dass es wohl eher unsere eigene Dummheit sein wird, niedergeschrieben unter obskuren Synonymen in sozialen Netzwerken, die uns zu den Fossilien von morgen macht. Plankton aus längst vergangenen Zeiten schaffte es, nach ein paar hundert Millionen Jahren Erdöl zu werden und damit wertvoll für nachfolgende Lebewesen zu sein. Man darf gespannt sein, welchen Dienst wir einmal denjenigen erweisen können, die nach uns diesen Planeten bevölkern. Außer, dass sie dank uns an Stränden Smartphones finden werden wie wir heute Muscheln…

Als Alexander Flemming im Jahr 1928 unverhofft in Schimmel das Penicillin entdeckte, konnte er sich glücklich schätzen, dass es noch keine Telegram-Gruppen gab, die wetterten, dass das alles Volksverdummung und eine Weltverschwörung sei und vegane Detox-Ernährung viel besser gegen Infektionen wirken würde als zusammengemischter Laborkram in Spritzen. Flemming kam damals zugute, dass er sich nicht andauernd via Twitter und in Sonntagabend-Talkshows gegen vermeintliche Besserwisser rechtfertigen musste, die ihre Expertise damit begründen, dass ihnen auch schon einmal etwas verschimmelt sei. Er hatte vor allem aber das Glück, dass der Zweite Weltkrieg ausbrach, was sich im Nachhinein als ziemlich gute Feld(lazarett)studie erwies…

So wie wir uns heute fragen, ob das Huhn oder das Ei zuerst da waren, wird sich irgendwann irgendwer auf Erden einmal fragen, was im 21. Jahrhundert wohl zuerst war: Klimawandel, Pandemie oder Netflix und was davon letztendlich der Menschheit den Garaus gemacht hat, weil es das Leben für immer veränderte. Gut möglich, dass man sich dann auch auf den menschlichen Egoismus als Grund einigt, der die Entscheidungen bei allen dreien bestimmt. Egal ob es schlussendlich das Klima sein wird, das die letzte Balkonpflanze auf dem Gewissen hat, die Serienauswahl, die die letzte Beziehung auf dem Gewissen hat, oder die Pandemie, die einen selbst auf dem Gewissen hat. Trotz oder wegen der Impfungen oder der Tatsache, dass man fünfzig Kippen am Tag raucht…

Ist der Tag X einmal gekommen, wird Schrecken und Angst hereinbrechen und unvorstellbares Leid uns alle erfüllen. Das sagen zumindest namhafte Religionen und Verschwörungstheorien. Überall wird es lodern und brennen. Schreckliche Klänge werden uns durch Mark und Bein gehen und uns quälen, bis wir das Ende herbeisehnen. Damit dürfte das Ende der Welt nicht viel anders ablaufen als das Ende eines jeden Jahres, wenn man Weihnachten im Kreise der Familie verbringt. Mit dem Unterschied, dass das Höllenfeuer weniger heimelig sein dürfte als das Kaminfeuer und es dann, wenn wir alle in der Hölle in siedendem Fett garen, kein Problem mehr darstellen sollte, wenn einem beim Silvester-Fondue versehentlich etwas auf die Tischdecke tropft…

Insgeheim hoffen wir bei der Pandemie wie beim Klimawandel und bei Netflix auf ein unerwartetes Happyend. Dann wird es letztendlich doch vielleicht die bombige Idee von jemandem sein, auf einen roten Knopf zu drücken, die uns allen ein jähes Ende bereitet. Sicher ist nur, dass dann, wenn sich die Erde zu einem roten Riesen aufbläht und danach zu weißer Asche zerfällt wie damals Opa bei der Feuerbestattung, die Zeit vorüber ist, sich Gedanken über einen neuen Bausparvertrag zu machen. Stand heute bleibt nur noch wenig Zeit. Wir sollten uns daher mit den wirklich wichtigen Fragen beschäftigen. Und diese sind nicht, warum man bei TikTok keine Videos im Querformat machen kann, Zitroneneis nicht gelb ist und der Paketbote immer dann klingelt, wenn man unter der Dusche steht…

Ein zeitgenössischer deutscher Philosoph hat einmal gesagt: „Was machen wir jetzt? Hören wir auf? Gehen wir heim? Was ist los gerade?“. Entweder wir versuchen in diesen Zeiten, uns auf das zu besinnen, was dazu geführt hat, dass wir die Bäume verlassen und den aufrechten Gang erlernt haben und wir nutzen unseren angeblichen Verstand dazu, um ruhig und vernünftig zu agieren. Oder wir ziehen grölend in Fackelzügen durch die Städte und klettern danach auf allen Vieren zurück auf die Bäume. Sobald es unsere Lungenfunktion nach der Intensivstation wieder zulässt. Dort warten wir dann bis diejenigen, die als nächstes vom Baum herabsteigen, es besser machen als wir. Eichhörnchen sind sehr intelligent. Gehen wir heim? … gruenetomaten@live-magazin.de.

Patrik Wolf

P.S. Ob wir Menschen für die Lebewesen, die nach uns die Erde regieren, auch einmal so kultig sein werden wie Dinosaurier für uns?

Oh Du Fröhliche

Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende heißt es immer. Dass beides sich nicht ausschließen muss, zeigt das zweite Pandemiejahr, das sich langsam seinem Ende neigt und in dem die meisten von uns nun völlig ihr Zeitgefühl verloren haben. War Montag sonst immer der Tag, an dem man sich nach einem erlebnisreichen Wochenende eine Dusche und frische Klamotten gönnte, mangelt es nach anderthalb Jahren weitgehendem Home-Office völlig am Gefühl, wann es wieder Zeit für Körperhygiene und neue Unterwäsche ist. Hätte man sich früher dafür geschämt, den ganzen Tag im Schlafanzug zuhause zu sitzen, erscheint es einem mittlerweile absolut normal, selbigen nicht einmal mehr zum Einkaufen auszuziehen. Mit Mund-Nasen-Schutz erkennt einen ja eh niemand…

Als wäre Corona alleine nicht schon genug, um einem die Laune zu vermiesen, fiel in diesem Jahr auch noch der Sommer ins Wasser. Was bedeutete, dass nicht einmal mehr die Zeit im Home-Office auf dem heimischen Balkon Spaß machte. Statt Sonne wie auf Mallorca gab es Regen wie auf Island und ein Wetter, das einem nicht nur das Autodach, sondern vor allem auch die Laune verhagelte. Der verregnete Herbst begann gefühlt direkt nach dem verregneten Winter, in den er auch jetzt wieder übergegangen ist. Das hat jedem von uns ein weiteres Jahr Zeit verschafft, sich der Illusion hinzugeben, dass man die Corona-Kilos bis zum nächsten Sommer wieder von den Hüften bekommt. Leidtragende des zweiten Pandemiejahrs waren vor allem die Kinder und die eigenen Leberwerte…

Irgendwie hatte man bis vor Kurzem noch die kindlich-naive Hoffnung, dass das mit dem Virus bald ein Ende hat und der Sommer 2021 doch noch kommen wird. Plötzlich ist es Dezember und die Inzidenzen steigen schneller als der Pegel der Ahr im letzten Juli; mit ähnlich verheerenden Auswirkungen. Meine Eltern meinten immer, es sei normal, dass Zeit mit zunehmendem Alter schneller vergeht. Das habe Vorteile, da so der im Alter Ü60 nur noch quartalsmäßige Beischlaf als genauso häufig empfunden würde wie früher der tägliche Sex Ü20, man jedoch weniger oft die Bettlaken wechseln müsse. Wegen des veränderten Zeitempfindens gälte bei älteren Menschen daher jeder Sex noch als Quickie, der kürzer dauert als zwei Folgen „Richterin Barbara Salesch“…

Pandemie, Klimawandel und das Fernseh-Comeback von „Wetten-Dass“ und „TV-Total“ im selben Jahr, das hätte man früher sogar für einen Weltuntergangs-Blockbuster aus Hollywood für zu viel erachtet. Im Gegensatz zum Ende der Pandemie braucht man jedoch zumindest was das Ende des Jahres angeht, keine bösen Überraschungen zu erwarten. Auch mit 2021 wird am 31.12. Schluss sein. Es ist ja nicht so, dass der Kalender dieses Jahr einen Monat mehr oder weniger hätte oder ein Jahreswechsel nach dem Dezember außergewöhnlich wäre. Dennoch blicken die meisten von uns in diesen Wochen immer wieder ungläubig auf den Kalender, um die Tage zu zählen, die noch bleiben, bis alles von vorne beginnt, von dem man gerade froh war, es hinter sich zu haben…

Wieder am Anfang des Teufelskreises. Steuererklärung, Zahnarzttermin, Familienbesuche, alles was man gerade abgearbeitet hatte, steht plötzlich wieder an. Eben noch ein voller Kalender mit Erledigtem, plötzlich wieder ein leerer Kalender mit zu Erledigendem. Wenigstens als Ausrede fürs Aufschieben ist so eine Pandemie gut. Sie macht einen jedoch reizbarer und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass man beim nächsten Suchen von Quittungen für die Steuer, bei der nächsten Zahnarztspritze, die nur etwas pieksen soll, und bei der nächsten Frage von Tante Elfriede, ob man nicht doch noch ein Stück Torte möchte, mit Bürotacker, Speichelsauger oder Kuchenschaufel bewaffnet einen Amoklauf abliefert, der es noch vor Corona in die 20 Uhr-Nachrichten schafft….

Ob das neue Jahr besser wird als das alte? Spoiler-Alarm! Nein. Bestenfalls aber anders. Meinem Gefühl nach war es erst kürzlich, dass ich mich wunderte, dass das Jahr schon wieder halb vorüber ist und es die ersten Lebkuchen gibt. Dabei war das vor einem halben Jahr. Nun werden bereits Silvesterfeuerwerk und erste Faschingskostüme angekündigt. Da ist es nicht mehr weit bis Ostern, Halloween und Weihnachten 2022. Ob bis dahin dann alles wieder „normal“ sein wird? Essen wir sicherheitshalber mal alle unsere Teller leer. Die Zeit rast so, dass ich den Sonnenschirm auf dem Balkon im Winter schon gar nicht mehr einklappe und den Weihnachtsbaum das ganze Jahr in der Wohnung stehen lasse, was dank Plastiktanne deutlich einfacher ist als früher mit echtem Baum…

Die Zeit vergeht Jahr um Jahr schneller als zuvor und vor allem schneller als man Sachen in den Keller räumen und von dort wieder heraufholen kann. Zumal man nicht mehr weiß, ob man Dank des Klimawandels Badesachen nun im Juli oder im Dezember braucht oder Dank Corona das ganze Jahr im Schrank lassen kann. Kaum hat man unten seine Winterschuhe zugebunden, muss man oben schon wieder einen Sonnenhut aufsetzen. Da ist es doch nicht verwunderlich, wenn man irgendwann in kurzer Hose und Flipflops vor der Tür im Schnee steht, nur weil man noch schnell seine Mund-Nasen-Maske gesucht hat. Einzig die Zeit, die man braucht, um in einem Baumarkt einen Mitarbeiter aus der richtigen Abteilung zu finden, scheint sich zu weigern, im Zeitraffer ablaufen zu wollen…

Irgendwie will ich mich nicht damit abfinden, dass ein Jahr im Kalender mittlerweile schneller vergeht als früher eine Woche in den Ferien. Und vor allem, dass dieses Jahr wie das vorangegangene Jahr wenig Schönes zu bieten hatte, sieht man einmal vom niedrigeren Wasser- und Wäscheverbrauch aus den genannten Gründen ab. Es bleiben keine vier Wochen mehr, die guten Vorsätze für das laufende Jahr, die man die letzten elf Monate erfolgreich vor sich hergeschoben hat, umzusetzen. Denn dann muss man sich bereits wieder neue vornehmen. Für gewöhnlich breche ich den ersten Vorsatz schon am Neujahrsmorgen nach zu viel Sekt in einen Vorgarten. Ich hoffe inständig, dass das dann nicht das einzige Erlebnis in 2022 sein wird, auf das ich dann später zurückblicke…

Bald ist also wieder Silvester. Es wird geknallt, danach gibt es Feuerwerk und die Uhr steht wieder auf Null. Gerade 365 Tage hinter uns, nun wieder 365 Tage vor uns. Man ist dort, wo man genau ein Jahr zuvor schon war. Nur eben schwerer auf der Waage, leichter auf der Bank und deutlich desillusionierter, was die Hoffnung angeht, dass das Abklingen der Pandemie schnell und der Verfall des eigenen Körpers langsam vorangeht. Schon jetzt trifft einen nicht selten der Schlag, wenn Menschen, die man seit gut anderthalb Jahren entweder nicht oder nur mit Maske gesehen hat, einem plötzlich mit nacktem Gesicht gegenüberstehen. Wie schnell aus einst süßen Fältchen bittere Runsen werden, wenn einem 18 Monate lang ständig der eigene Atem ins Gesicht weht…

Doch jetzt kommt erst einmal noch die Weihnachtszeit. Eine Gottesgeißel, die uns seit zweitausend Jahren heimsucht. War es als Kind die ungeduldige Erwartung, dass am Heiligabend das Glöckchen klingelt und das Christkind kommt, ist es als Erwachsener nun die ungeduldige Erwartung am Heiligmorgen, dass die Türglocke klingelt und es der Paketfahrer ist. Der Rentierschlitten vom Nordpol ist zum Kleinbus von DHL geworden. Als wäre Corona schon nicht schlimm genug. Oh Du Fröhliche… gruenetomaten@live-magazin.de.

Patrik Wolf

P. S. Meine Stimmung an Weihnachten ist wie eine Waschmaschine. Beide sind meist im Keller.

Haben wir das nötig?

Das Aufräumen der eigenen Wohnung hat für gewöhnlich den Nebeneffekt, dass man neben Unmengen von Knabberkramresten in und unter dem Sofa auch solche Sachen wiederfindet, die man länger schon gesucht hat. Oft stößt man in der Küche jedoch auf irgendwelchen Kram, von dem man völlig vergessen hatte, ihn zu besitzen. Herzförmige Spiegeleiformen, ergonomische Sparschäler oder gebogene Plastikboxen für Bananen sind Dinge, die man einmal als vermeintliche Wundererfindungen teuer erworben, jedoch nie wirklich benutzt, geschweige denn vor dem Wiederfinden vermisst hat. Früher brauchte man solchen Plunder nicht und heute offenbar ebenso wenig…

Viele moderne Errungenschaften sind unnötig. Das mahnte schon immer meine Oma, wenn ich als Kind wieder einmal vergeblich versuchte, sie von den Vorzügen neuer Legosteine gegenüber alten Holzklötzen zu überzeugen. Mein Opa war da offener für Veränderungen und tauschte auch schon einmal Bewährtes gegen Neues. Was dazu führte, dass er zunächst die Latrine im Garten durch eine Toilette im Haus ersetzte und einige Jahre später schließlich meine Oma durch die Nachbarin. Oma hatte damals schon nicht ganz Unrecht damit, dass früher, als man die Staaten auf der Europakarte noch an einer Hand abzählen konnte, vieles einfacher und trotzdem nicht unbedingt schlechter war… 

Je moderner unser Alltag wird, umso komplizierter wird er auch. Früher konnte man zeitgleich mit dem Bus an der Haltstelle ankommen und kaufte sein Ticket beim Fahrer. Heute sollte man eine Stunde vorher vor Ort sein, um rechtzeitig ein Ticket aus dem Automaten zu bekommen. Wenn auch sicherlich weder das richtige noch das günstigste. Früher war zermatschtes Obst billiger als frisches. Seitdem es jedoch Smoothie heißt, ist es doppelt so teuer. Einst genügten auch einige wenige Automodelle, die in wenigen Minuten mit wenigen Werkzeugen zu reparieren waren. Heute brauchen wir unzählige davon und ebenso viele Stunden und Werkzeuge, um eine Glühbirne zu wechseln…

Elektrischen Geräten genügte früher ein einfacher Ein-Aus-Schalter. Wer es versäumte, den Toaster auszustellen oder das richtige Waschmaschinenprogramm zu wählen, musste mit den Folgen leben und aß eben verbranntes Brot in eingelaufener Wäsche. Heutzutage geht nichts ohne Digitaldisplay mit Anweisungen, Konfigurationsmenüs und Warnungen. Selbst Elektrozahnbürsten und Eierkocher besitzen mittlerweile so viele Einstellmöglichkeiten, dass sie nicht mehr ohne daumendicke Betriebsanleitung auskommen. Der Mensch hat es geschafft, zum Mond zu fliegen, da sollte er auch in der Lage sein, selbstständig ein Ei zuzubereiten, ohne ein zweites Fukushima zu verursachen…

Früher reichte einlagiges Klopapier statt alter Zeitungen, um zufrieden zu sein. Heute reagiert unser Körper direkt mit Verstopfung, wenn das vierlagige Luxustoilettenpapier nicht in der zu den Badfliesen passenden Farbe vorrätig ist. Was waren das für archaische Zeiten, als man Kaffee einfach so lange stehen ließ, bis er die gewünschte Trinktemperatur hatte und nicht am Vollautomaten herumfriemeln konnte, um die individuelle Wohlfühl-Gaumentemperatur einzustellen. Unvorstellbar wie Generationen vor uns Kühlschränke benutzen konnten, die weder Biofresh-Technik hatten noch nervig piepten, wenn sie mal offen standen, und dennoch die Welt nicht in den Untergang führten…

Seitdem wir Essen nicht mehr erlegen, sondern nur noch verdauen, sind wir bequem geworden und haben uns daran gewöhnt, bei allem wählen zu können. Hatte der Tante-Emma-Laden um die Ecke früher zwar wenig, aber alles was es zum Leben brauchte, werden heute Supermarkthallen erwartet, die jeden Artikel mehrfach zur Auswahl anbieten. Nach dem Krieg waren Menschen in unserem Alter froh, überhaupt Brot zu bekommen. Heutzutage drohen wir mit einem Kundenaufstand, wenn kurz vor Ladenschluss das glutenfreie Bio-Ciabatta mit Dinkelmehl ausverkauft ist und wir auf eine der zig anderen Brotsorten ausweichen müssen, an die sich unser Darm noch nicht gewöhnt hat…

Wir alle sind davon getrieben, zu individualisieren, um nicht zu sein wie unsere Eltern, Geschwister oder Nachbarn. Und das fängt eben schon bei der Form des Spiegeleis an. Kein Hobbykoch würzt mehr mit einfachem Salz. Kristalle aus dem Himalaja sind das Mindeste, was die Dosenravioli verfeinert. An Geburtstagen beschränkte sich früher die Auswahl auf Kaffee ohne, mit oder mit viel Milch. Wer Gästen heutzutage nicht Espresso, Cappuccino, Latte Macchiato, French Press und Moccacino mit oder ohne Sirup und Voll-, Mager- oder Sojamilch anbietet, braucht im Folgejahr gar nicht erst mehr mit Besuch zu rechnen. So stehen heute auch Muffins, Brownies, Cup Cakes und Pies mit und ohne Stevia-Süße statt Zucker dort, wo früher Omas leckerer Käsekuchen ausreichte… 

Niemand ist in heutiger Zeit mehr mit dem Einfachen zufrieden. Das mag daran liegen, dass jeder sich in einer Zeit, in der er hat, was er braucht, auf das konzentrieren kann, was er lieber hätte. Anderthalb Jahre Pandemie hat bei vielen die Grenze zwischen Individualismus und Egoismus verschwinden lassen. War früher derjenige glücklich, der überhaupt einen Fernseher besaß, ist der Besitz eines solchen heutzutage keine Erwähnung mehr wert, wenn es sich nicht um das neueste Highend-Modell handelt, das mehr kann und kostet als die uralten Vorjahresgeräte von Freunden. Nicht vorstellbar wie Menschen früher ein Vierteljahrhundert dasselbe Wählscheibentelefon benutzen konnten, wenn man sich heute bereits nach einem Vierteljahr mit dem gleichen Smartphone rückständig fühlt…

Über Generationen hinweg reichten jedem Gelb, Rot, Grün und Blau als Farben völlig aus. Man kaufte Hemden in Gelb, sah ab und an rot oder schlug seine Freundin oder Frau grün und blau. Damit konnte jeder etwas anfangen. In heutiger Zeit diskutieren Paare stundenlang, ob sie nun besser Sand, Flachs, Vanille, Mimose oder Champagner als Farbe für die Wohnzimmerwand nehmen sollten. In dieser Zeit hätte man früher zwei Eimer Beige gekauft und das ganze Haus gestrichen. Da müssen sich junge Elternpaare nicht wundern, wenn ihre Kinder heutzutage mit Schreikrämpfen aus dem Kindergarten heimkommen, weil sie für das Malen eines Baums und eines Hasens den gleichen Braunstift benutzen mussten…

Zugegeben, an manche neumodischen Dinge gewöhnt man sich schnell und andere machen den Alltag auch wirklich etwas angenehmer. Früher zum Beispiel fand ich Kaffee immer langweilig. Mittlerweile geht bei mir nichts mehr ohne Morgenlatte. Haben wir das nötig? … gruenetomaten@live-magazin.de.

Patrik Wolf

P. S. Flieder, Malve und Orchidee sehen als Farbtöne so unterschiedlich aus, wie Spaghetti, Fusilli und Farfalle unterschiedlich schmecken.

Rasen und Rasten

Wer in einem Unternehmen arbeitet, in dem es keine Gehaltserhöhungen für die Mitarbeiter, dafür aber einen Porsche für die Geschäftsführung gibt, muss den Euro zweimal umdrehen, bevor er ihn ausgeben kann. Das führt dazu, dass die eigene Unterwäsche mehr Löcher hat als ein Golfplatz und man den Gerichtsvollzieher öfter sieht als das eigene Spiegelbild. Im Alltag bedeutet das dann: Sparen, auch beim Essen. Verschimmeltes Obst wird nicht gleich weggeworfen, sondern als bio deklariert und frischer Salat durch das ersetzt, was zwischen den Fliesen auf dem Balkon wächst…

Die Zeiten sind vorbei, in denen es sich jemand ohne reiche Erbtante und mit Lohnsteuerklasse 1 leisten konnte, täglich etwas Warmes zu essen und nach jedem Toilettengang zu spülen. Wer beim Essen dennoch auf Qualität besteht und Klopapier nicht beidseitig benutzen möchte, hat heutzutage schnell einmal in einer Woche das Haushaltsgeld für das gesamte Quartal verbraucht. Während Besserverdiener genug Bares für einen Sportwagen vor der Garage haben, reicht es bei Normalverdienern oft nicht einmal für einen Einkaufswagen vor dem Supermarkt…

Die einen stecken demnach beim Autohändler in ihren Wagen alles das, was sie möchten, die anderen beim Einzelhändler in ihren Wagen nicht einmal alles das, was sie bräuchten. So bekommen die einen ihren Hals und die anderen ihren Magen nicht voll. Hummer hier, Hunger da! Viele Menschen aus der Mittelschicht überlegen inzwischen zurecht, ob sie ihr schwer verdientes Geld heute besser sparen, um sich morgen etwas leisten zu können, oder ob sie ihr Geld heute besser für etwas zu essen ausgeben, um morgen überhaupt noch zu erleben…

Nie war satt sein so teuer wie heute. Da ist es eigentlich ganz günstig, dass die Lebensmittelpreise allein schon den Appetit verderben. Wer hart arbeitet, sollte sich ab und an jedoch auch belohnen dürfen. Der eine leistet sich wegen der Öde im heimischen Schlafzimmer einen teuren Bordellbesuch, der andere wegen der Öde in der heimischen Küche lieber einen teuren Restaurantbesuch. Bei beiden muss es meist schnell gehen und sollte die Kleidung nicht versaut werden. Zudem hofft Mann danach, dass die Frau zuhause nicht kocht und man keine Probleme mit Pilzen bekommt…

Ich gehöre zu der Gruppe, die Blätterteigwürstchen dem Entblättern des Würstchens vorzieht. Ich mag scharfe asiatische Schenkel und Brüste lieber auf dem Serviersteller als auf dem Präsentierteller und finde Blasen vor Fremden nur bei heißen Suppen okay. Ja, ich esse gerne gut. Auch wenn mir bewusst ist, dass teurer Lachs auf dem Teller am Tag danach in der Schüssel nicht anders aussieht wie billiger Rollmops. Wenn schon nicht in Sachen Intelligenz, Sozialverhalten und Aussehen möchte ich mich als Homo sapiens zumindest in meinen Essgewohnheiten von Primaten unterscheiden…

Wer einmal hochpreisig schlemmen möchte, geht jedoch nicht in ein Feinschmeckerrestaurant. Um zu genießen, was man sich nicht alle Tage leisten kann, speist man adäquat in einer Autobahnraststätte. Wer der Meinung ist, der Italiener um der Ecke mache mit Nudeln Reibach, wird beim Besuch eines Rasthofimbisses erstaunt sein, welche Gewinnspanne wirklich in einfachsten Gerichten stecken kann. Das, was eine Familie dort in Currywurst, Pommes und Getränke investiert, reicht anderswo für eine Woche Urlaub. Und das, obwohl es statt Sterne hier von Michelin nur Straßenkarten gibt…

Essen an der Autobahn ist etwas, an das man sich noch lange erinnert. Und das nicht nur wegen der Magenprobleme. Goldgelbe Schnitzel, deren Preis sich nur rechtfertigen ließe, wenn diese wirklich aus Gold wären oder zumindest das aus ihnen triefende Fett von einer nahezu ausgestorbenen Walart stammen würde. Riesenbockwürste, die nach zwölf Stunden unter der Wärmelampe als Minirostbratwürstl verkauft werden und Suppen, in denen mehr Undefinierbares schwimmt als in einem Putzeimer. Mett statt Gourmet lautet hier die Devise…

Rechnet man den Preis für eine Portion Fritten aufs Kilo hoch, wird klar, dass man dafür einen ganzen Kartoffelacker samt Erntehelfer bekäme, die die Knollen schält. Wer dazu noch Ketchup möchte, sollte frühzeitig mit seiner Bank über einen Sofortkredit verhandeln. Mit was man wirklich Gewinn auf dem Weltmarkt macht, ist nicht etwa Erdöl aus dem Tank, sondern Salatsoße aus der Tanke. Das Nierengulasch aus der Imbisstheke dürfte kaum teurer sein, wenn man es statt mit Schweinenieren vom Großmarkt mit Menschennieren vom Schwarzmarkt zubereiten würde…

Der teuerste Kaffee der Welt ist nicht etwa der von Schleichkatzen verdaute Kaffee aus Indonesien, der frisch aufgebrüht wird, sondern stundenlang auf einer Heizplatte köchelnder Filterkaffee aus der Tankstelle. Teurer kann ein Heißgetränk selbst dann nicht sein, wenn es statt in Pappbechern in echtem Meißner Porzellan verkauft wird. Wenigstens gibt es Zucker kostenlos dazu. Wobei bei dem Becherpreis für einen Cappuccino in den kleinen weißen Tütchen statt Zucker durchaus auch Kokain sein könnte, ohne dass die Tanke beim Verkauf nennenswerten Verlust machen würde…

Die Zeiten des einfachen Autobahnbistros sind längst vorbei. Heutzutage firmiert man als Gourmet-Oase mit verkehrsgünstiger Lage. Aus dem Imbiss von früher ist der Werbung nach Erlebnisgastronomie von heute geworden. Wer sich schon einmal hungrig und ohne auf den Preis zu achten an der Salatbar eines Autohofs bedient hat, an der 100 Gramm Grünzeug mehr kosten als anderswo 100 Hektar Grünland, wird den Adrenalinschub an der Kasse beim Blick auf den Zahlbetrag sicher nie vergessen, der bei der Weiterfahrt länger wach hält als jeder Kaffee oder Energydrink…

Wer sparen möchte, stellt Sprudelwasser besser wieder zurück und trinkt Scheibenwaschwasser an der Zapfsäule. Raststättenpersonal hat es aber auch nicht einfach. Es erfordert Professionalität, rund um die Uhr zu jedem Kunden gleich unfreundlich zu sein. Schließlich will niemand Gäste durch gute Laune verunsichern. Sich je nach Schicht zwischen Toilettenputzen und Salatputzen umstellen und unterscheiden zu müssen, welches Öl nun zum Motor und welches zum Salat passt, bedarf Erfahrung. Auch wenn Verwechslungen dem Kunden geschmacklich kaum auffallen dürften…

Kunden, die nach dem Essen wider Erwarten Wider erwartet, können den Gaumenschmaus auch gleich vor Ort wieder loswerden. Vorausgesetzt sie haben 70 Cent Eintritt für den kostenpflichtigen Toiletten-Tempel. Falls nicht, bleibt nur die Möglichkeit, sich mit einem gekonnten Limbo-Tanz durch den ein Meter hohen kostenfreien Kloeingang für Kinder zu zwängen oder, wie die Hunde der anderen Gäste, seine Notdurft auf dem angeschlossenen Kinderspielplatz zu verrichten. Wem das nicht gefällt, sollte sich bewusst sein, dass das Leben kein Ponyhof ist. Und erst Recht kein Autohof…

Warum ich dennoch immer wieder an der Autobahn esse? Weil die Dosenravioli zuhause danach schmecken wie aus dem Sternelokal. Und weil ich den Blick der Toilettenfrau mag, wenn ich frage, ob sie ihr Trinkgeld von meiner Kreditkarte abbuchen kann. Ob das fair ist? Sanifair würde ich sagen. Rasen und Rasten… gruenetomaten@live-magazin.de.

Patrik Wolf

P. S. Gibt es wirklich jemanden, der an Tankstellen diese Duftbäumchen kauft?

Hip und hyggelig

Wer wie ich während einer lauen Sommernacht in einem Zelt gezeugt wurde, wird sein Leben lang eine innere Verbundenheit zum Camping fühlen. Als ich das Licht der Welt erblickte, war es wie der Blick durch einen spaltweit geöffneten Zeltreißverschluss mit der Frage, wie nach der langen, feuchten und unbequemen Nacht das Wetter draußen wohl sein wird. Auch wenn heutzutage kaum jemand im Alltag mehr auf Elektrozahnbürste und Eiwürfelmaschine verzichten will, entschließen sich jedes Jahr Tausende aufs Neue dazu, den Sommerurlaub in Wohnwägen, Campingbussen und Zelten zwischen Saarland und Grönland zu verbringen. Ein karges Leben unter Fremden in Enge und provisorischen Unterkünften ohne fließend Wasser hat in Deutschland eben seit der 1930ern Tradition…

Für Jüngere war Camping bis vor Kurzem kaum noch vorstellbar. Was nicht fünf Sterne, All-Inclusive und Wellnessbereich aufweisen konnte, wurde einer Übernachtung in der Ausnüchterungszelle gleich gesetzt. Unter freiem Himmel übernachten musste Uropa damals in Stalingrad. Wohnwagen und Igluzelt, das waren die 1980er, in denen die eigenen Eltern dazu gezwungen waren, ihren Urlaub in der Eifel zu verbringen, da es Pauschalreisen in die Türkei noch nicht gab und Mallorca noch nicht entdeckt war. Dann kam plötzlich die Pandemie und auch die Generation unter Fünfzig auf die Idee, dass man Camping auch einmal ohne Musikfestival und Kotzen ausprobieren könnte, da es vielleicht ja ganz „hip“ und „hyggelig“ oder sogar irgendwie romantisch sein könnte…

Eine fatale Falschannahme, wie sich bei vielen Neucampern schon beim ersten Versuch herausstellt, das nagelneue Zelt aufzubauen. Statistisch gesehen trennen sich mehr Paare nach dem ersten Campingurlaub als nach dem ersten Seitensprung. Camping hat für diejenigen, die es erst seit Corona für sich entdeckt haben, einen vielfach unterschätzten, jedoch entscheidenden Nachteil gegenüber dem bisherigen Hotelurlaub: Die Natur. Dort warten nämlich nicht nur malerische Campingplätze, herrliche Panoramen und traumhaftes Wetter, wie es Outdoor- und Campingzeitschriften, Internet-Blogs und geschönte Erzählungen von Freunden glauben lassen, sondern vor allem auch lästige Stechmücken, schnarchende Zeltnachbarn und betrunkene Holländer…

Was jeder, der mit einem Einkaufswagen voller Campingkram an der Ladenkasse steht, wissen sollte: Mit Campen ist es wie mit Sport. Allein das Equipment zu besitzen, heißt nicht auch, es zu können, geschweige denn, es auch zu mögen. Camping bedeutet Luftmatratze statt Federkern, Schlafsack statt Satinbettwäsche und Taschenlampe statt Lichtschalter. Ohne Klimaanlage und festes Dach über dem Kopf ist man dem Wetter hilflos ausgeliefert und dem, was es aus der Frisur macht. Camping heißt keine ständig und überall verfügbare Steckdose für das Smartphone und Toilettenbesuche, die nicht die Verdauung, sondern die Verfügbarkeit einer freien Klokabine bestimmt. Und ja, Camping heißt auch Spinnen und lauwarmes Bier. Viele Spinnen und viel lauwarmes Bier…

Zeigt sich die modebewusste Frau von heute normalerweise nicht einmal ihrem Freund oder Mann ungeschminkt, wird beim Camping von ihr verlangt, dass sie morgens über den halben Zeltplatz bis zum Waschraum läuft, wie der Sandmann sie schuf. Gemeinsam mit einer Freundin auf Toilette ist okay, aber neben einer Fremden Zähne putzen ist gegen die Menschenwürde. Wie ein Huhn auf der Stange soll Sie zwischen unbekannten Frauen, die womöglich auch noch weniger Cellulite haben, vor einem schlecht beleuchteten Spiegel in ein paar Minuten Spachtelarbeiten an ihrem Gesicht verrichten, die zuhause schon einmal ein paar Stunden dauern können. Mund-Nasen-Bedeckungen haben da schon Vorteile. Vor allem, wenn man sie über das gesamte Gesicht zieht…

All-Inclusive bedeutet beim Camping, dass man sich um alles inklusive Essen und Abwasch selbst kümmern muss. Statt Pasta vom Buffet vom Ober heißt es Ravioli aus der Dose von Opa. Für Neucamper ist es schon eine Umstellung, dasselbe Handtuch mehrere Tage benutzen zu müssen, vor allem, wenn es nicht wie im Hotel jeden Morgen vom Zimmerservice zu einem Schwan gefaltet wird. Und dann auch noch der ungewohnt unfreundliche, preußische Platzwart, der im Gegensatz zum sonst gewohnt überfreundlichen, südländischen Hotelrezeptionisten weit weniger zuvorkommend ist, wenn man nachts um zwei Uhr nach Eiswürfeln und Zitrone für den Gin-Tonic fragt oder – noch viel schlimmer – während der mittäglichen Platzruhe mit seinem Auto vom Campinggelände möchte…

Wegen der großen Nachfrage ist ein Wochenende im Wohnmobil mittlerweile teurer als im Wellnesshotel. Vor der Pandemie waren viele noch der Ansicht, dass kein Erwachsener, der es sich anderes leisten kann, freiwillig Urlaub mit Indianerspielen verbringt. Dabei sind Toiletten deutscher Mittelklasse-Campingplätze den Küchen balerarischer Mittelklasse-Hotels hinsichtlich Hygiene sogar überlegen, wo weit mehr Scheiße in den Schüsseln landet. Man muss sich später zuhause nur etwas umstellen, wenn man Freunden statt von Liegestühlen am Pool und Cabrio nun von Klappstühlen am Weiher und Fahrrad erzählt. „Barbecue bei Kerzenlicht mit landestypischen Cocktails“ hört sich da übrigens besser an als „Grillen im Halbdunkeln mit Tütenwein aus dem Campingplatz-Minimarkt“…

Camping heißt Respektieren. Wie bei jeder Tierart gibt es auch bei Campern eine Rangordnung, bei der sich der unerfahrene Neucamper mit Zwei-Personen-Zelt und Kartuschen-Gaskocher dem routinierten Dauercamper mit 42 qm-Caravan und Einbauküche zu unterwerfen hat. Autos mit Wohnwägen und gelben Nummernschildern haben grundsätzlich Vorfahrt, egal was Schilder auf dem Platz sagen. Wehe man steuert unwissend auf eine vermeintlich freie Duschkabine zu, ohne sich vorher erkundigt zu haben, ob diese nicht täglich um die gleiche Zeit von Dauercampern genutzt wird. Man läuft Gefahr, von einem pensionierten Studienrat in Unterwäsche belehrt zu werden als hätte man seiner Tochter an den Hintern gefasst und an den ihrer Mutter gleich mit…

Camping heißt Ignorieren. Camper sind wie Ameisen. Sie leben gemeinsam auf engstem Raum, versuchen aber, sich aus dem Weg zu gehen. Sie nehmen ihr Umfeld einfach aus ihrer Wahrnehmung heraus. Während man zuhause Wäsche niemals dort aufhängen würde, wo Nachbarn sie sehen, ist es auf dem Campingplatz normal, wenn zwischen den Bäumen Schlüpfer wie Fahnen im Wind wehen. Nachdem sie zuvor öffentlich am Becken im Waschhaus von den Spuren der gestrigen Bohnensuppe befreit wurden. Nur durch das wortlose Nebeneinander ist es Campern auch möglich, ihre Notdurft zu verrichten. Können viele zuhause nicht einmal auf Toilette, wenn ihr Partner auf der gleichen Etage ist, reichen beim Camping dünne Sperrholzkabinen für eine mehrstimmige Kakophonie schon aus…

Camping heißt Kennenlernen: Unter Campern findet man dennoch rasch Anschluss. Wer nach dem nächtlichen Toilettengang versehentlich im falschen Zelt landet, hat schnell und unverhofft neue Bekannte. Auch wer im Dunkeln über fremde Zeltschnüre stolpert, hat rasch einen neuen Freund gewonnen. Mit Anmachen wie „Willste Bier?“ hat man aber auch beim Campen nur wenig Chancen. Dagegen kann ein „Willste Klopapier?“ durchaus vor einem beschissenen Tag retten. Und was das nebenan neu angereiste Pärchen mit dem Vierbeiner angeht, weiß der Zeltplatz spätestens am nächsten Morgen, ob beide den Urlaub nur mit Hund oder auch mit Vögeln verbringen…

Ob ich Campingurlaube mag? Klar! Am liebsten sind mir schreiende Kinder und Eltern, die das Geplärre nicht interessiert. Den Kleinen schenke ich abends beim Zähneputzen dann gerne eine große Dose Red Bull. Gute Nacht! Hip und hyggelig… gruenetomaten@live-magazin.de.

Patrik Wolf

P. S. Die Aufschrift „2 Seconds“ bei Wurfzelten bezieht sich übrigens nur auf den Aufbau. Beim Abbau muss es eher „2 Hours“ heißen.

Überleben unter Kollegen

Wer kennt die Momente nicht, in denen man sich mit lauter nackten Models auf seiner Luxusyacht räkelt, kühlen Champagner aus heißen Bauchnabeln schlürft und Delfine bei deren Luftakrobatik beobachtet, bevor man sie mit der Harpune zum Essen einlädt. Augenblicke, von denen ein Mann sich wünscht, sie würden nie enden. Was sie jedoch abrupt tun, wenn einen der Wecker aus der sonnigen Traumwelt reißt und in die düstere Realwelt zurückholt. Plötzlich ist alles nur noch halb so erotisch, wenn einem im Halbschlaf bewusst wird, dass da die ganze Zeit keine heiße Mieze am Ohr knabberte und zu einem ins Bett wollte, sondern bloß der eigene Hund…

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