• Termine News und Wissenswertes aus Saarbrücken, dem Saarland und der Welt:

Überleben unter Kollegen

Wer kennt die Momente nicht, in denen man sich mit lauter nackten Models auf seiner Luxusyacht räkelt, kühlen Champagner aus heißen Bauchnabeln schlürft und Delfine bei deren Luftakrobatik beobachtet, bevor man sie mit der Harpune zum Essen einlädt. Augenblicke, von denen ein Mann sich wünscht, sie würden nie enden. Was sie jedoch abrupt tun, wenn einen der Wecker aus der sonnigen Traumwelt reißt und in die düstere Realwelt zurückholt. Plötzlich ist alles nur noch halb so erotisch, wenn einem im Halbschlaf bewusst wird, dass da die ganze Zeit keine heiße Mieze am Ohr knabberte und zu einem ins Bett wollte, sondern bloß der eigene Hund…

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Die Geisterparker

Sie leben mitten unter uns und dennoch haben die Wenigsten von uns sie schon einmal angetroffen. Sie sind scheu, tauchen oft erst spät auf und verschwinden genau so schnell wie sie gekommen sind. Es gibt sie überall; in verschiedenen Arten und Farben. Ihre Spuren finden sich tagtäglich vor unseren Haustüren, wo sie gerne auf Treppenstufen und Fußmatten ihr Geschäft verrichten. Sie sind nicht sonderlich beliebt, erfüllen aber eine wichtige Aufgabe für die urbane Umwelt. Über sie gibt es zahlreiche Vorurteile, die leider alle wahr sind. Die Rede ist nicht von Madern, Waschbären oder streunenden Katzen, sondern von jemandem mit Führerschein der Klasse B: Paketzusteller. Weiterlesen

Die Zoogeschichte

Erwachsene und Kinder haben unterschiedliche Einstellungen zu Tieren. Während Kinder Ponys am liebsten streicheln, bevorzugen Muttis sie auf dem Kopf und Papis sie auf dem Teller. Die Ansichten darüber, wo ein Familienmitglied aufhört und ein Familienbraten anfängt, ändern sich im Laufe des Lebens. Kinder treten die Wurst auf dem Tisch gern an den Hund auf dem Teppich ab. Eltern dagegen treten die Wurst des Hundes unterm Tisch nur ungern auf dem Teppich ab. Irgendwann sind Tiere statt lustig nur noch lästig. Da unterscheiden sich vierbeinige nicht von zweibeinigen Partnern. Alte Vierbeiner landen dann im Tierheim, alte Zweibeiner in Internet-Partnerbörsen und beide ab und an auch auf einem einsamen Autobahnparkplatz in der Hoffnung, dass jemand Fremdes kommt … Weiterlesen

Hunger auf Hummer

Im Laufe der Evolution mussten wir Menschen viele Rückschläge hinnehmen. So wurde uns z.B. erst nach schmerzlichen Verlusten bewusst, dass sich unsere Flugfähigkeit auf den freien Fall beschränkt und Unstimmigkeiten mit Raubtieren sich nur selten in Gesprächen klären lassen. Anders als Paviane, die bis heute keine Unterwäsche tragen, haben wir Menschen uns jedoch lernfähig gezeigt. Wir fanden heraus, dass Kokosnüsse ohne Schale bekömmlicher sind und wilde Blaubeeren besser für die Gesundheit sind als wilde Braunbären. Daher unterscheiden wir Menschen uns heutzutage – wenn auch nicht immer durch unser Aussehen – so zumindest durch unser Verhalten von Affen, die es auch im 21. Jahrhundert noch nicht geschafft haben, ihr Leben durch Digitaluhren zu bereichern… Weiterlesen

Wer hat Angst vorm bösen Wolf

Es ist schon einige Zeit her, dass unsere Vorfahren die Entdeckung machten, dass Fingernägel am einfachsten durch aufrechtes Gehen sauber zu halten sind und es zum Schutz der Geschlechtsteile wie auch zum Schutz der Augen und des Appetits besser ist, bestimmte Körperstellen mit Fell zu bedecken. Damals kam der Mensch auch zu der Erkenntnis, dass sich sein Kopf nicht nur als Ziel für Keulenhiebe, sondern auch zum Denken eignet. Während daraufhin einige Homo sapiens begannen, Werkzeuge und Tupperware zu erfinden, um sich das Leben zu erleichtern, nutzten andere ihre Intelligenz dazu, um Ausreden zu erfinden. Ebenfalls um sich das Leben zu erleichtern… Weiterlesen

1 x 6 = 2

Eltern und Kinder verbindet bekanntlich einiges. Anfangs ist es die Nabelschnur, später dann das Kindergeld und am Ende schließlich das Erbe. In der Zeit dazwischen teilen Vater und Sohn oft die Liebe zum gleichen Sportler und Mutter und Tochter die Liebe zum gleichen Sportlehrer. Außerdem – so sagt man zumindest – würde eine Familie durch Liebe zusammengehalten. Wer schon einmal eine Reportage über Hyänen gesehen hat, die als Jungen gemeinsam herumtollen und sich als Erwachsene gegenseitig die Kehle durchbeißen, weiß, dass das mit Familie und Liebe aber so eine Sache ist. Der Grat zwischen dem Besten, was einem im Leben passiert ist, und dem, was einem im Leben am besten nicht passiert wäre, ist gerade in Sachen Nachwuchs manchmal wirklich schmal… Weiterlesen

Im Laufe der vergangenen knapp 200.000 Jahre, in denen wir Menschen unser Unwesen auf der Erde treiben und der irrigen Ansicht sind, dort die beherrschende Lebensform zu sein, haben wir wohl die meiste Zeit damit verbracht, uns selbst oder anderen Lebewesen den Garaus zu machen. Kämpfe, Fehden und Kriege lasteten unser menschliches Gehirn über Jahrtausende hinweg weitgehend aus und ließen kaum Raum für Dinge, die nichts mit irgendwelchem Gemetzel zu tun hatten. Erst im 20. Jahrhundert schaffte es der Homo sapiens endlich ein paar Erfindungen hervorzubringen, die keine Waffen waren, dennoch aber von jedem und allen täglich gebraucht und gerne genutzt wurden…

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Superspreader

Endlich ist dieses 2020 nun also vorbei. Ein Jahr, das nur denjenigen in guter Erinnerung bleiben dürfte, die Aktienanteile von Amazon besitzen oder in weiser Voraussicht ihr Erspartes frühzeitig in Unternehmen der Desinfektionsmittel- und Plexiglasindustrie gesteckt haben. Dank der zukünftig verfügbaren Impfstoffe gegen Covid-19 ist das Ende absehbar: Das der Pandemie oder das unsrige. Das Licht am Ende des Tunnels ist zu erkennen, auch wenn derzeit noch nicht ganz klar ist, ob dort dann das alte Leben aus der Vergangenheit oder das neue Leben in der Ewigkeit wartet… Weiterlesen

Big Brother is watching you

Wem wurde als Kind nicht auch eingeredet, dass wahlweise der liebe Gott oder das Christkind alles sieht und Konsequenzen zieht, wenn man den Spinat nicht aufisst oder die Spielsachen nicht wegräumt. Einschüchterungen waren und sind nach wie vor eine weit verbreitete wie auch wirksame Masche von Erwachsenen, den eigenen Willen durchzusetzen und den von Kindern zu brechen. Auch wenn die Drohung mit erhobenem Finger stets eine Lüge war und weder Gott noch Christkind jemals von halbvollen Tellern oder herumliegenden Bauklötzen in Kenntnis gesetzt wurden. Hätte man als Kind gewusst, dass man eigentlich erpresst wird und Opfer elterlicher Willkür ist, man hätte nie im Leben die eklig grüne Matschepampe gegessen und auch keinen einzigen Legostein vom Teppich geräumt, sondern absichtlich dort hingelegt, wo die Eltern immer barfuß laufen…

Folgen dieser Erpressung von damals sind bei uns Erwachsenen von heute neben einer tief sitzenden Angst, an schlechtem Wetter schuld zu sein, wenn man das Essen nicht aufisst, dass jeder von uns ab und an andere willkürlich oder unwillkürlich unter Druck bringt, um den eigenen Willen durchzusetzen. In der Schule droht man mit Aufkündigung der Freundschaft, wenn der Banknachbar verrät, dass man blau macht, im Büro mit Ankündigung einer Feindschaft, wenn der Büronachbar verrät, dass man blau ist. Dem Partner vertrauen, wenn dieser sich mit Freunden trifft, ist gut, ihm vorab bereits mit dem Ausquartieren aufs Sofa zu drohen, wenn er besoffen nach Hause kommen sollte, ist jedoch besser. Neben der Behaarung unanständiger Körperteile hat sich der Mensch damit noch etwas von seinen tierischen Vorfahren erhalten: Drohgebärden…

Was das angeht, gibt es in Deutschland ein Unternehmen, dessen alleiniger Name bereits für mehr Angstschweiß sorgt als angekündigte Schläge oder Fotos von der letzten Firmenweihnachtsfeier. Es ist das Unternehmen, das Willkür und Drohungen perfektioniert hat und sich die Aufgabe früherer Könige zu eigen gemacht hat, nach purer Lust und Laune darüber zu urteilen, über wem der Daumen gehoben oder gesenkt wird. Wie niemand sonst entscheidet dieses Unternehmen darüber, wer gut ist und wer böse war, wenn es um Geldfragen geht. Es ist damit der liebe Gott und das Christkind in Personalunion, auch wenn es von vielen eher als der Teufel in Person gesehen wird. Es ist die Institution, die über zwei Drittel aller Bundesbürger eine Akte führt und besser über uns Bescheid weiß als NSA, Google und die neugierige Nachbarin von gegenüber zusammen: Die Schufa…

Als „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“ gegründet, hat sich das Unternehmen aus Wiesbaden im Laufe der Zeit zum Big Brother entwickelt, der unsere Finanzen besser kennt als wir selbst, um darauf zu achten, dass es uns gut geht und unseren Kreditgebern besser. Während wir noch nicht einmal wissen, was wir uns leisten sollen, weiß die Schufa bereits, dass wir es uns nicht leisten können. Sie hält ihr Urteil uns gegenüber jedoch fein zurück, um keinen zu desillusionieren, dessen Kreditwürdigkeit unter der eines Wellensittichs liegt. Die Schufa will uns nicht mit lästigen Fakten stören, die wir ohnehin nicht kennen möchten, gibt diese aber gerne an Dritte weiter. Sie konzentriert sich eben aufs Wesentliche und dazu gehört auch, kostbare Zeit von Hotline-Anrufern nicht unnötig mit Freundlichkeitsplattitüden oder Namensnennungen ihrer Mitarbeiter zu vergeuden…

Kritiker behaupten, die Schufa sei wie Hämorrhoiden: Beide wären für den Arsch und würde man nicht mehr los, wenn man einmal Probleme mit ihnen hatte. Dabei sollte jeder dankbar sein, dass finanzielle Verbindlichkeiten sicher archiviert sind. Man hätte glatt vergessen, dass noch 1 DM Milchgeld aus der vierten Klasse unbezahlt ist, wenn die Schufa-Abfrage beim geplanten Ratenkauf eines Toasters 25 Jahre später nicht ergeben hätte, dass wegen der offenen Zahlung von damals eine Finanzierung leider nicht möglich ist und man Weißbrot daher weiterhin labbrig essen muss. Der Schufa-Eintrag sagt mehr über Menschen aus als Führungszeugnis, Impfpass und Instagram-Seite zusammen. Die Flensburger Verkehrskartei weiß, wann jemand aus dem Straßenverkehr gezogen werden muss, die Wiesbadener Schufa-Kartei jedoch, wann jemand aus dem Finanzverkehr zu ziehen ist…

Anhand eines Scoring-Werts zur Bonität zwischen 0 und 100 % beurteilt die Schufa, wer beim Bäcker Brötchen anschreiben lassen darf und wer gefälligst direkt zu zahlen hat, noch bevor die Semmel in der Tüte ist. Leider wird immer wieder Kritik am Bewertungssystem der Schufa laut. Dabei sollte jedem klar sein, dass die Wertermittlung allein wegen des Betriebsgeheimnisses so aufgebaut sein muss, dass niemand sie nachvollziehen kann. Außerdem müsste jeder noch aus der Schule wissen, dass man Benotungen nicht verstehen soll, sondern einfach zu akzeptieren hat. Dreimal Hausaufgaben vergessen bedeutete in der Schule Punktabzüge bei der Endnote. Nicht anders ist das bei der Schufa, wenn man dreimal seine Rechnungen nicht zahlt…

Wer insolvent ist, hat zum Beispiel ein Schufa-Scoring von nur 5 %, wer sich nichts hat zuschulden kommen lassen einen Wert von über 80 %. 100 % ist ein rein theoretischer Wert, der nur von Mitarbeitern der Schufa selbst erreicht wird. In die Bewertung der Bonität fließen wissenschaftlich aufwändig ermittelte Daten ein wie Vorname, Adresse und Sternzeichen. Dass ein Roger oder eine Josie nicht mehr als 50 % erreichen können, dürfte für jeden nachvollziehbar sein. Carl und Marlene garantieren dagegen mindestens 85 %. Wenn diese dazu auch noch katholisch sind, gibt es weitere 5 % dazu. Außerdem ist klar, dass derjenige, der in einer „Hauptstraße“ wohnt, nicht die gleiche Kreditwürdigkeit besitzen kann wie jemand aus einer „Eichenallee“. Auch die Schuhgröße ist für den Scoring-Wert relevant: Über 46 belegt, dass man auf zu großem Fuß lebt…

Die Ermittlung des Scoring-Werts ist mittlerweile mehr als bloßes Würfeln. Zukünftig wird die Schufa mit sozialen Netzwerken zusammenarbeiten. Wer persönliche Daten auf seiner dortigen Profilseite frei einsehbar hat, belegt mangelndes Verantwortungsbewusstsein. Resultat: 30 % Abzug beim Scoring. Wer ständig Selfies mit neuen Klamotten oder Urlaubsfotos auf Instagram postet, zeigt, dass er zu viel Geld ausgibt: Ebenfalls Minuspunkte. Wer dagegen Schnäppchenseiten gut findet, Oboe spielt und Fotos im selbstgestrickten Rollkragenpulli einstellt, ist seriös und sparsam und bekommt Bonuspunkte. Und wer auf der Facebook-Seite der Schufa auf „Gefällt mir“ klickt, dem sind 50 % extra sicher. Das macht die Nachvollziehbarkeit natürlich nicht einfacher. Aber manchmal ist es besser, wenn man das genaue Zustandekommen nicht kennt. Das ist beim Schufa-Scoring nicht anders als bei Teewurst…

Wer der Schufa nicht traut, kann dort übrigens eine Selbstauskunft einholen, muss sich nach einem solchen Vertrauensbruch jedoch nicht wundern, wenn das nächste Scoring weniger Prozentpunkte hat als Magermilch oder die FDP. Gottes Unfehlbarkeit darf bezweifelt werden, nicht aber die Unfehlbarkeit der Schufa! Diese Kolumne dürfte mein Scoring von 95 % auf 5 % gesenkt haben. Das Lesen wird sicher auch ein paar Prozent gekostet haben. Anders als bei Covid-19 schützt vor der Schufa leider auch kein Aluhut. Big Brother is watching you… gruenetomaten@live-magazin.de.

 

Patrik Wolf

  1. S. Die Facebook-Seite der Schufa hat 37 Likes, die Seite über Durchfall 169.

Ginny in a Bottle

Wer beim Aufräumen zufällig auf Fotos stößt, die anno dazumal in den 80ern, 90ern oder 2000ern auf vermeintlich legendären Familiengeburtstagen geschossen wurden, der ist meist ziemlich verwundert über den damaligen Frisuren- und Kleidergeschmack. Aber auch darüber, wie fit Oma im Vergleich zu heute aussah, als sie noch lebte. Ebenso seltsam wie die einst als modisch erachteten Tapeten- und Hemdenmuster mutet heute auch das an, was man seinen Gästen damals zu trinken anbot: Ob Persico, Edelkirschlikör, Schinkenhäger oder sauerster Riesling, den Opa nach dem Krieg günstig en gros bezog, was freiwillig ausgeschenkt und auch freiwillig getrunken wurde, war in Sachen Farbe, Geschmack und Magenfreundlichkeit nicht weit weg von dem, was heute nur noch Toilettenreiniger zu bieten haben… Weiterlesen