• Termine News und Wissenswertes aus Saarbrücken, dem Saarland und der Welt:

Unn…?

Hallo Mikrokosmonauten: Dialekt ist und bleibt die Sprache des Herzens!

Mein ehemaliger Chef kam aus dem Raum Lebach und hatte nicht nur die Angewohnheit, das „R“ zu rollen, sondern auch komische Fragen zu stellen, die ich, als gebürtige Saarbrückerin, die in einer völlig anderen Dialektzone aufwuchs, erst mal verarbeiten musste, um sie halbwegs  zu verstehen. Manchmal verstand ich sie allerdings gar nicht. Eines Morgens zum Beispiel saß ich etwas verschnupft und kränklich an meinem Computer. Ich hatte also schlicht und ergreifend die „Freck“. Als er ins Büro kam, musterte er mich mitleidig von oben bis unten und fragte: „Oh, Frau Hartmann,  angestoch‘ woar?“ Ich ließ die Frage sacken, ohne, dass sich mein Gehirn einen Reim auf den Sinn machen konnte. Und wenn ich keinen Sinn in Sätzen erkenne, steckt vermutlich etwas Schmutziges dahinter, oder? Weiterlesen

Strike a pose!

Hallo Mikrokosmonauten: „…denn wir haben immer noch das Recht, zu glänzen!“

Schon als Kind trichtert man uns ein, dass es nur eine einzige akzeptable Lebensform gibt, sobald wir erwachsen sind. Nämlich heiraten und eine Familie gründen. Im Idealfall natürlich mit einer Person des anderen Geschlechts. Nur so ist es richtig. Und nicht anders. Mutter, Vater, Kind. So zeigt man es uns im Fernsehen, so machen es alle, so wollen es alle, so wünschen es sich alle. Und Barbie gibt es ohnehin nur mit Ken. Ich kann mir vorstellen, dass sich jeder, der sich damit nicht identifizieren kann und dessen größter Wunsch es nun mal nicht ist, zu heiraten und eine Familie zu gründen, einen Kampf zu kämpfen hat, der bis ans Lebensende kräftezehrend und schmerzhaft ist und bei dem man Opfer bringen muss. Weiterlesen

Licht, Kamera, Action

Hallo Mikrokosmonauten: Ich habe es mal wieder im TV versucht…

Vor ein paar Monaten kam ein neuer Praktikant in unsere Abteilung. Adrian. Schwul. Unterhaltsam. Lustig. Wir verstanden uns auf Anhieb ziemlich gut und merkten so ganz nebenbei, dass wir die anderen ständig zum Lachen brachten. In einer spontanen und überschwänglichen Ideen-Klüngelei an einem trüben Freitag-Nachmittag bewarben wir uns deshalb spontan bei einer Quiz-Show im TV. Außerdem hielten wir uns für schlau genug, um in einem solchen Format zu punkten. Eine totale Selbstüberschätzung. Weiterlesen

Kosmische Energie

Hallo Mikrokosmonauten: Das Schicksal meint es gut mit mir.

Es mag etwas überheblich klingen, aber ich bin ein Glückspilz. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich in meinem Leben mal so richtig Pech hatte. Okay, das eine mal vor über zehn Jahren, als ich fristlos gekündigt wurde, weil ich die halbe Firma gegen meinen Chef aufgehetzt hatte. Aber da war ich selber schuld. Heftige Schicksalsschläge sind mir ebenso fremd wie plötzliche böse Überraschungen, schlimme Unfälle oder sonstige Stolpersteine. Mein Schutzengel, so vermute ich, muss wahrlich gnädig sein, denn er versucht alles in seiner Macht stehende zu tun, dass es das Leben stets gut mit mir meint. Ich glaube felsenfest an kosmische Energie, die mich an entscheidenden Punkten in meinem Leben immer positiv beeinflusst hat. Weiterlesen

Mel rennt.

Hallo Mikrokosmonauten: Ich bin dann mal losgelaufen.

Die Tatsache, dass ich mich derzeit nach Feierabend nicht mehr in Kneipen und Restaurants rumdrücken kann (Danke Corona!) brachte mich neulich auf die Idee, einen Marathon zu laufen. Virtuell versteht sich. Also man läuft für sich, lädt das Ergebnis hoch und schaut sich dann das Ranking aller Läufer an, die auch mitgemacht haben. Auch für sich alleine versteht sich. (Danke Corona!) Weiterlesen

Als die Lichter ausgingen

Hallo Mikrokosmonauten: Die Party ist vorbei.

Es war ziemlich genau vor vier Jahren. Ich erinnere mich an eine Party-Nacht. Eine dieser Nächte, die einem im Gedächtnis bleiben. Dabei ist noch nicht mal irgendwas Besonderes passiert, aber man erinnert sich trotzdem auch noch Jahre später daran, weil es ein Gefühl in einem hervorruft, welches man nur hat, wenn man grenzenlose Freude empfinden kann. Freude, die man damals fühlte. Und die man jedes Mal wieder fühlt, wenn man daran denkt. Ich wusste noch, was ich anhatte. Ich trug ein schwarzes, kurzes Kleid. Und meine schwarzen High Heels. Black in black. Eigentlich viel zu overdressed für diesen Club, aber ich war zuvor noch auf einer Abendveranstaltung gewesen. Ich weiß noch genau, wie die wummernden Bässe und die wabernde Luft mich umfingen. Ich kann mich an meine schmerzenden Füße erinnern, weil ich schon stundenlang auf den Beinen war und dort trotz der Schmerzen einfach zu tanzen anfing, weil mich die Menge ohne ihres Wissens nach und nach auf die Tanzfläche schob. Ich kannte niemanden dort und fühlte mich lost und gleichzeitig voll integriert. Erhitzte, dicht gedrängte Körper rechts und links von mir. Die Luft stand und es war kein Platz. Und der Bass setzte wieder ein und ich schrie ins Nichts. Vor Glück? Vor Faszination? Ich weiß es nicht mehr. Nie und nimmer hätte ich mir zu diesem Zeitpunkt vorstellen können, dass es irgendwann vorbei sein könnte. Natürlich, tief in meinem Innersten wusste ich schon, dass ich erstens irgendwann nach Hause fahren und zweitens irgendwann zu alt für diese Art Ausflüge sein würde. Aber ich hätte nie geglaubt, dass die Türen zu dieser außergewöhnlichen Welt aufgrund einer Pandemie irgendwann geschlossen werden würden. Keiner von uns hatte das wohl auf dem Schirm.

Geschlossen. Zu. Erledigt.

Ich trage noch immer schwarze Kleidung. Inzwischen jedoch aus Trauer. Tagtäglich öffne ich meinen Kleiderschrank und krame irgendwas Schwarzes raus. Schwarz tröstet mich in diesen Zeiten. Manchmal lasse ich meinen Toast auch extra anbrennen, weil die unbändige Trauer sich in dieser Scheibe verbranntem Toast am besten spiegelt. Wenn ich lange genug in meinen schwarzen Kaffee blicke, blickt der schwarze Kaffee irgendwann in mich selbst. Und letztendlich zeigt sogar die Natur da draußen vollstes Verständnis für meine Lage, denn der November ist wieder da. Mit all seinem Grau und den dunklen Gedanken.

Ich wollte in meinen Texten nie über die Pandemie sprechen. Vielleicht, weil ich glaubte, es dauert nicht lange, bis alles wieder so ist, wie es mal war. Aber als ich neulich, an einem Freitagabend, diese ungestüme Lust verspürte, tanzen zu gehen, aber mir bewusst wurde, dass ich das nirgendwo da draußen tun kann, änderte ich meine Meinung. Die Pandemie ist da. Ein unsichtbarer Feind mitten unter uns. Und ich bin traurig. Traurig darüber, dass uns dieses unsichtbare Ding etwas gestohlen hat, von dem wir nie geglaubt hätten, dass es uns mal so fehlen würde. Nämlich die Tummelplätze in unserer Stadt, an denen wir für gewöhnlich neue Erinnerungen schaffen, alte Lieben aufflammen lassen, mit liebgewonnenen Menschen zusammen sein können und wo wir einfach das Leben zelebrieren! Clubs. Feste. Konzerte. Alles weg. Es fehlt.

Was bleibt sind Erinnerungen. Manchmal kommt es mir vor, als würde ich an einen Verstorbenen denken. Das ging neulich sogar so weit, dass ich mich fragte, ob es verwerflich wäre, wenn ich eine Kerze vor meinen Lieblings-Locations anzünden würde. Ich zog es dann jedoch vor, zum x-ten Mal in meinen alten Tagebüchern zu blättern, um mich in jene Zeit zurück zu träumen, als man noch öffentlich mit Fremden inmitten anderer Fremder rumknutschen durfte. Als man sich noch bedenkenlos das gleiche Glas teilte und zu Silvester wahllos Küsschen verteilen konnte, ohne Angst zu haben, an einem vermeintlich tödlichen Virus zu verenden. Natürlich gibt es ganz viele Menschen um mich herum, die eine andere Meinung vertreten. Leute, die die Welt mit anderen Augen sehen. Optimistischer irgendwie. Diejenigen, die mir sagen: „Hey, alles wird wieder gut! Irgendwann.“ Und es gibt diejenigen, die sich ihrem Schicksal nicht einfach so ergeben. Kreative Köpfe, die Außenlocations inklusive Heizpilze schaffen, in denen man zumindest ein Stück weit das Feeling haben kann, was man früher hatte, als man noch keine Masken tragen musste. Trotzdem gibt es aber die vielen anderen, die derzeit kämpfen müssen. Sie kämpfen um ihre Existenz, verteidigen ihr Leben, ja, vielleicht sogar ihr Lebenswerk, und leiden im Stillen, weil sie irgendwie niemand hören will. Ich spreche von Gastronomen, Clubbesitzern, Veranstaltern, Künstlern und all den wunderbaren Menschen, die Kultur machen.

Kultur ist ein Überlebensmittel

Ich habe dieses Jahr oft auf der Couch gesessen. Jetzt im Herbst fällt mir das nicht so schwer. Im Sommer allerdings fehlten mir Stadtfeste, Konzerte und Festivals. Ich liebe es, draußen zu sein und Menschen zu  beobachten. Generell unter Menschen zu sein. Der Sommer verging zwar mit schönen Momenten zuhause, aber es blieb das Gefühl, dass etwas fehlt. Ich wünschte, wir könnten die Kultur wieder so leben und erleben, wie sie es eben verdient. Wir müssten sie hofieren, anbeten und herzen. Aber wie? Ich frage mich: Wird das Erlebnis die Krise überstehen?

Hey, wir können uns glücklich schätzen. Wir haben eine Party-Ära erlebt, wie man sie so schnell wahrscheinlich nicht mehr haben wird. Ich hoffe, wir bewahren uns diese Erlebnisse und gedenken dieser wunderbaren Zeit. Manchmal, wenn ich es nicht mehr aushalte, mache ich mich samstagsabends stundenlag fertig, werfe mich in mein Party-Dress und verwandele das Wohnzimmer in einen Club. Dann tanze ich mit meinem Freund bis in die Morgenstunden und wir schauen uns Live-Streams über den Fernseher an. Und ja, mit viel Fantasie schaffen wir es, dass wir uns fühlen wie damals, als es noch diese echte Feierei mit anderen Menschen gab. Und wir sind damit wohl offensichtlich nicht alleine. Denn die Digitalisierung nutzen viele Kunst- und Kulturschaffende als Chance. Überall wird inzwischen gestreamt, gepodcastet oder gelesen. Virtuelle Museumsbesuche und Konzerte im Netz verschönern unseren doch arg trüb gewordenen Alltag nach Job, Uni und Schule.

Aber reicht das aus?

Vorübergehend schon, aber für immer kann ich mir so etwas nicht vorstellen. Es ersetzt keinesfalls das Gefühl, welches man hat, wenn man live und in Farbe auf der Tanzfläche im Club steht. Die Zukunft ist ungewiss. Ich weiß nicht, wie sich alles entwickeln wird. Vielleicht werden nachfolgende Generationen davon schwärmen, dass sie drei Tage im heimischen Garten campiert haben während sie Tomorrowland per Live-Stream auf einer überdimensionalen LED-Wand angeschaut haben. Sie werden es vielleicht nicht mehr kennen, sich ein ganzes Wochenende lang von Dosenbier und Ravioli zu ernähren und sich zu Hunderten ein Dixi-Klo zu teilen (Info an alle nachfolgenden Generationen, sofern dieser Text in hundert Jahren jemandem in die Hände fällt: Der Gedanke an Dixi-Klos, Ravioli und Dosenbier mag sich ekelhaft anhören und das war es auch, aber geil war es trotzdem!)

Dinge werden sich ändern, aber im Hier und Jetzt trauere ich dennoch. Ich denke an all die unfassbar tollen Menschen da draußen, die mir unvergessliche Stunden bereitet haben. Musikalisch, als Veranstalter, als Mitfeiernde, als eine große Gemeinschaft, die alle das Gleiche im Sinn hatte: Erleben. Feiern. Unvergessliche Momente schaffen.

Mögen wir dies alles irgendwann wiederholen können!

Einfach mal die Klappe halten

Hallo Mikrokosmonauten: Können wir auch noch etwas anderes, als immer nur reden, reden, reden?

Es war einmal im alten Griechenland: Der weise Mann Sokrates bekam Besuch. Vor seiner Tür stand ein Mann, der in Athens Straßen als „Schwätzer“ bekannt war. Er war gekommen, um sich von Sokrates im Fach Rhetorik ausbilden zu lassen. Der Philosoph verlangte daraufhin ein doppelt so hohes Honorar wie sonst üblich. Natürlich wollte der Schwätzer den Grund für diesen ungewöhnlichen Aufschlag erfahren, und Sokrates gab zur Antwort: „Weil ich dir sowohl das Sprechen als auch das Schweigen beibringen muss!“. Rhetorik: So wird die Redekunst bezeichnet. Sie soll uns lehren, wie man mit Worten statt mit Taten überzeugt. Wer jedoch andauernd redet oder gar unentwegt plappert, wird andere eher nerven als überzeugen. Wichtiger noch schien für Sokrates aber etwas ganz anderes zu sein: Wer ohne Punkt und Komma schwätzt, lässt erkennen, dass er sich keine Zeit nimmt, vorab gründlich nachzudenken. Solche Menschen reden viel, haben aber kaum etwas zu sagen. Getreu einem alten japanischen Sprichwort: „Die Wissenden reden nicht, die Redenden wissen nicht“. Daher wollte Sokrates dem Schwätzer erst einmal eine Art Funkstille auferlegen, damit er diese als Denkpause nutzen konnte.

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich diese Denkpausen hin und wieder bitter nötig hätte. Meine Zunge eilt meinem Verstand nämlich öfter mal voraus. Manchmal kommt es mir so vor, als rede ich mich um Kopf und Kragen. Dabei ist doch erwiesen, dass man Menschen nach spätestens zwei Minuten ihres Monologes nicht mehr richtig zuhört. Vielleich auch nicht mehr zuhören kann, weil das Gehirn einfach abschaltet. Ich merke das manchmal daran, dass meine Mitmenschen mitten in meiner Rede anfangen, auf ihr Handy oder in den PC-Bildschirm zu starren, oder – auf die ganz harte Tour – sich mit einer entschuldigenden Geste und mit den Worten „Du, ich muss los!“ einfach vom Acker machen. Versteh‘ ich gar nicht. Ich hab‘ echt interessante Themen auf Lager. Okay, über das Orang-Utan-Sterben wegen Nutella während der Frühstückspause zu sinnieren, ist vielleicht nicht gerade das Beste, aber letztendlich müssen doch gewisse Dinge einfach mal angesprochen werden, oder nicht? Ich habe oft das Gefühl, wenn ich andere in gewisse Dinge nicht einweihe, bleiben diese womöglich unwissend und diese Tatsache verursacht in mir eine unerträgliche Unruhe. Dass ich finde, dass der Besucher von neulich mit seinem eckigen Kopf aussieht wie ein wandelndes TV-Gerät und dass ein jeder ihn mit einer angebrachten Antenne auf dem Kopf problemlos als solches enttarnen könne, mussten meine Kolleginnen am Empfang einfach erfahren. Dabei wäre ein gelegentliches Schweigen viel angenehmer, geheimnisvoller und am Ende vielleicht auch klüger? Wer Schweigen kann und bewusst mit Worten geizt, macht nämlich jedes einzelne davon nur wertvoller und bringt die Leute dazu, lange darüber nachzudenken, was wohl noch zwischen den Zeilen stecken könnte. Ich sollte also unbedingt an mir arbeiten. Aber wie? Denn wenn ich eines nur sehr schwer ertragen kann, dann ist es ein für mich unerträgliches Schweigen während eines Gesprächs. Füllen muss man es doch! Mit lebendigen Worten! Okay, ich muss gestehen, dass ich jenes Schweigen eher nervös mit allen möglichen Kommentaren fülle und so mitunter meine eigenen Schwächen enttarne bis hin zum gänzlichen Entzaubern meiner Selbst. Schweigen, so bin ich der Meinung, ist definitiv nicht Gold und zuweilen echt langweilig. Ich frage mich immer:

Wieso den Mund halten, wenn man auch angeregt plaudern kann?

Kommunikationsfähigkeit ist heute eine wesentliche Stärke im Beruf und ein wichtiger Karrierefaktor. Tagtäglich müssen wir formulieren, präsentieren, kritisieren, diskutieren. Wir reden viel, vergessen dabei aber gelegentlich, dass man sich auch um den Verstand reden kann. Man findet, meint, denkt, glaubt, nimmt an, behauptet, schlägt vor, vermutet oder sagt mal so. Allem voran stellt man das Ich, wirbelt einen Schwall an Worten durch die Luft und verwandelt so jedes Gespräch in Geschnatter. Im Job ist Kommunikation zwar wichtig, doch würde es so manchem Kollegen echt mal ganz gut tun, zu schweigen. Im stressigen Arbeitsalltag ist erholsame Stille nämlich eine willkommene Abwechslung und Auszeit zur Reizüberflutung. Ständig klingelnde Telefone, klappernde Absätze, knallende Türen, knarzende Kopierer setzen auf Dauer nämlich zu. Kommen noch Dauerunterhaltungen und pausenloses Gerede hinzu, nimmt der Wert des Schweigens plötzlich enorm zu. Und so kam es neulich, wie es kommen musste. Ich war auf einmal so erschöpft, dass ich mich einfach zurückzog und meine Klappe hielt. Umso verständnisloser reagierte ich, als eine andere Kollegin meinen Part unverzüglich zu übernehmen versuchte und einfach drauflos plapperte. Ich war nicht nur genervt sondern auch gestresst. Irgendwann kapituliere ich halt auch mal.

Schweigen lernen. Schweigen können.

Ach, hätte ich doch geschwiegen! Wer beim ersten Date ausplaudert, dass er Benjamin Blümchen als Einschlafbegleitung hört, dem ist dieser Satz durchaus geläufig. Manchmal frage ich mich, wieso manche Worte überhaupt so leicht über meine Lippen kommen?! Es gab Situationen in meinem Leben, in denen der Begriff „Laberflash“ ganz neue Dimensionen erreichte. Gerade bei Dates, wo ein peinliches Schweigen genauso unerträglich ist wie Mundgeruch. Und meine Devise lautete immer: „Lieber das Falsche sagen, als gar nichts sagen!“. Ein Grund, weshalb ich jahrelang in Sachen Dates eher miserable Performances ablieferte. Was jedoch nicht heißt, dass ich nicht unterhaltsam war. Bei „First Dates – Ein Tisch für Zwei“ hätte ich wahrscheinlich für einige Lacher bei den Zuschauern gesorgt, denn im Geschichten erzählen bin ich ja ganz groß. Im wirklichen Leben haben die meisten meiner Dating-Partner aber wahrscheinlich die gewisse Portion Ernsthaftigkeit und Glaubwürdigkeit an mir vermisst. Die wenigsten, die ernsthaft auf der Suche sind, entscheiden sich für eine Quasselstrippe wie mich, die in den ersten zehn Minuten des Dates erzählt, dass sie Kinderhörspiele liebt, Angst vor Eulen und gotischen Bauwerken hat und gerne den Föhn unter der Bettdecke laufen lässt, wenn sie friert. Was jetzt also folgt, ist eine weitere Lobes-Hymne auf meinen aktuellen Partner, der sich trotzdem nicht davon abhalten ließ, mit mir eine Beziehung einzugehen. Manchmal höre ich ihn allerdings des Nachts leise schluchzen. Apropos Partner: Er war damals nach langer Zeit einer derjenigen, bei dem es mir nicht peinlich war, gerade mal kein Gesprächsthema zu haben. Eine Wohltat!

Und deshalb ist es doch so: Wenn man mit jemandem schweigen kann, egal, ob Partner, Freund oder Arbeitskollege, ohne, dass es einem unangenehm ist, kann jenes Schweigen extrem heilsam und wohltuend sein. In allen anderen Fällen lässt es sich durchaus erlernen. Wichtig dabei ist, das Schweigen zu fokussieren. Sich während dieser Zeit immer wieder zu fragen: „Wie geht es mir mit der längeren Pause?“. Denn es ist ja häufig so, dass pausenloses Reden lediglich dazu dient, einen gefürchteten Kontaktabbruch zu vermeiden oder womöglich als langweilig wahrgenommen zu werden. Und Gott bewahre – Langweilig ist ein Prädikat, mit dem ich wirklich nichts zu tun haben möchte. Letztendlich sollte ich jedoch wissen, dass ich alles andere als das bin. Und das bisschen Schweigen sollte mich nun wirklich nicht zum drögen Mädchen degradieren. Aber zukünftig sollte ich mir zumindest auf die Zunge beißen, wenn ich nichts Konstruktives beizutragen habe oder eine Diskussion ins Schwachsinnige abdriftet. Lieber kurz durchatmen und Klappe halten.

Kumpeltyp

Hallo Mikrokosmonauten: Ich bin eine Henne unter Hähnen.

Schon als Kind war ich alles andere als mädchenhaft. Ich wurde aus dem Turnverein geworfen, weil ich mich an einer Konkurrentin rächte. Ich versteckte vergammelte Pfirsichkerne in Opas Kühlschrank und schlug meiner Klassenkameradin einen Federballschläger auf die Birne. Das alles natürlich immer mit handfesten Begründungen und der Aussage, dass ich das normalerweise sonst nicht täte. Es ist ja nicht so, dass ich kein Mädchen war, denn ich liebte Barbies und Pferde und den ganzen Kram. Und meine Haare, oh  Gott, die Haare! Die mussten natürlich lang sein! Aber es war eben so, dass ich mich selten mädchenhaft benahm. Und statt an Hausarbeiten herangeführt zu werden, durfte ich eben draußen toben bis in die Puppen, während meine Freundinnen längst zuhause sein und beim Geschirr spülen helfen mussten. Deshalb war mein Leben manchmal einsam. Ich hatte sämtliche Freiheiten und ständig Zeit, wilde Pläne zu schmieden. Die Mütter meiner Freundinnen beäugten das natürlich sehr kritisch. Und am Ende war ich meist der berühmt-berüchtigte „schlechte Umgang“. Es kommt wohl nicht von Ungefähr, dass ich mich schon relativ früh an die Jungs hing. Weniger wegen den Jungs selbst, denn über Fußball quatschen war dann auch nicht so mein Ding. Aber Jungs verstanden meine Art irgendwie besser. Da war von Anfang an mehr Solidarität und Verständnis. Und irgendwann war ja auch mal die letzte Barbie gekämmt und ins beste Kleidchen gesteckt. Was danach folgte, waren geheime Versammlungen auf abgelegenen Grundstücken mit den Jungs. Bei Wind und Wetter wohlgemerkt. Wir planten, eine richtige Siedlung zu errichten mit Feuerstelle, Baumhäuser und allem Schnickschnack. Natürlich wurde nie so richtig was draus, aber der Plan an sich schweißte uns zusammen und beflügelte unsere Fantasie. Bis heute danke ich meinen Eltern, dass sie mich stets wild ließen. Wenngleich es gewiss nicht die Absicht meiner Mutter war, dass ich bis heute nicht weiß, wie man Geschirr richtig spült. Aber so schön sich das alles anhören mag, so verloren fühle ich mich heutzutage, wenn es darum geht, eine richtige Frau zu sein, geschweige denn mich in typischen Frauen-Domänen zurechtzufinden. Und jedes Mal wird mir aufs Neue bewusst:

Ich bin halt ein Kumpeltyp! Weiterlesen

Kein Sturm zieht auf

Hallo Mikrokosmonauten: Windstill liebt es sich angenehmer: Kennt ihr diese Situationen im Leben, in denen plötzlich alles auf den Kopf gestellt wird? Im schlimmsten Fall ist das beispielsweise dem Zerbrechen einer vermeintlich großen Liebe geschuldet, einer unerwarteten Job-Kündigung oder einem gebrochenen Bein oder gar Herz. Im weniger schlimmen Fall geht es lediglich um das Entdecken eines Pickels kurz vor dem ersten Date. Wobei das Auslegungssache ist. Für manche von uns ist die Pickel-Sache der worst case. Manchmal gibt es  aber auch Situationen, die unser Leben im positiven Sinne aus den Fugen geraten lassen und von denen wir überzeugt sind, sie ebnen uns den Weg für das schönste Kapitel ever: Die Begegnung mit Mister Right! Dass es sich in den seltensten Fällen tatsächlich um Mister Right handelt, wissen wir zu Beginn allerdings nicht. Wäre ja auch noch schöner. Vorausschauendes Verlieben. Es würde uns vieles ersparen. Andererseits ist es so, dass unser Leben wesentlich langweiliger wäre, gäbe es da nicht jene größeren und kleineren Lieben, die unsere Herzen schneller schlagen lassen, während sie unsere Kopfkissen in Tränen tauchen. Diese Begegnungen, die uns in die Alkohol- und Tablettensucht treiben und die uns dazu bringen, tiefgründige Gedichte zu schreiben, während wir auf dem Balkonsims sitzen und darüber nachdenken, sich nach  dem Verfassen des letzten Vers einfach in die Tiefe zu stürzen. „Sie verfasste ihr berühmtestes und millionenfach verkauftes Werk kurz vor ihrem Ableben. Man munkelt, ihr gebrochenes Herz trieb sie in den Freitod.“. Hach, wie überaus dramatisch! So schön und doch so grausam. Weiterlesen

Bestialisch musikalisch

Hallo Mikrokosmonauten: Musik ist alles. Alles ist Musik.

Als weltoffene Frau möchte ich stets in allen Bereichen mitreden können. Daher bin ich beispielsweise von meinem Lieblingsradiosender SR3 (ja, in der Tat mag ich diese Musik sehr gerne) auf „UnserDing“ umgeswitcht. Das war für mich ein großer Schritt. Ich begann bisher eine Autofahrt nicht eher, bevor nicht SR3 eingeschaltet war. Mein eigener Freund betitelt mich deswegen sogar als „Oma“ und meint, er habe zwar noch nie eine so junge, heiße Freundin gehabt, aber auch noch nie eine, die solche Oma-Sender hört. Ich habe dann also gewechselt. Ganz einfach, weil ich mich informieren möchte, was die aktuelle Musik so zu bieten hat. Und komme zu dem Schluss, dass alles noch viel schlimmer ist, als ich dachte. Ich habe nicht nur das Gefühl, dass sich alles gleich anhört, sondern auch, dass in Sachen Unverblümtheit im Sprachgebrauch nochmal ne‘ Schippe drauf gelegt wurde im Vergleich zu „früher“. Mit „früher“ meine ich etwa 2005. Ging es um sexuell motivierte Dinge, besang man es in Form von Candy Shops oder forderte lediglich dazu auf, sich auszuziehen, weil es so heiß ist. Heute ist das anders. Mir fällt auf, dass speziell die deutsche Hip Hop-Szene keine Hemmschwelle mehr zu kennen scheint. Drogen, Sex und Alk? Kein Problem: Die  Glorifizierung der Eskalation kennt keinerlei Grenzen mehr. Man besingt jetzt „Alienaugen“, die die Frage aufwerfen, ob da jemand zu viel gefeiert oder hoffentlich doch nur zu viel gefühlt hat?! Und mehr noch: Jetzt singt man sogar ohne Umschweife übers „Teile schmeißen“ und dass man dadurch Liebe überall sieht! Früher war nur „Sunglasses at night“! Natürlich sind anrüchige Songtexte nicht erst seit gestern. Ist ja auch nicht schlimm. Mich stört nur, dass es mittlerweile weniger um Talent zu gehen scheint, sondern vielmehr um Polarisierung. Und um unvermittelt deutliche Worte, die eventuell dazu auffordern könnten, sich sofort aus dem Leben zu schießen oder zumindest in einen sexuellen Nahkampf zu gehen. Ich frage mich:

Hat die aktuelle Musikszene nicht mehr zu bieten?

Offen gestanden treiben mir so manche Textpassagen tatsächlich die Schamesröte ins Gesicht! Und ich bin bestimmt nicht prüde. Aber manchmal etwas empört! Wenn ich mir nur schon anschaue, wie „Sex sells“ in den dazugehörigen Musikvideos praktiziert wird. Dass Selena Gomez sich in einer ihrer Musikvideos halbnackt in einer öffentlichen Schwimmbaddusche räkelt, beschert mir jedenfalls kein angenehmes Gefühl sondern eher Fußpilz. Und wirft die Frage auf: „Warum tust du dir das an?“. Wo wir beim nächsten Künstler wären, der mein Interesse auf seltsam morbide Art und Weise weckt. Denn Apache 207‘s Stimme klingt wie ein Muezzin aus dem Dosentelefon. Und scheffelt genau damit Millionen. Zum Glück ist er zumindest einer, der jetzt Abstand zu homophoben und frauenverachtenden Texten genommen hat. Umso schlimmer, dass jetzt ehemalige Pornodarstellerinnen wie Katja Krasavice eine Ohrfeigen-Salve gegen ihr eigenes Geschlecht starten und uns in einem einzigen Songtext wieder zum billigen Sexobjekt degradieren. Einzelheiten möchte ich mir hier ersparen. Nur eines: Es geht um eine gewisse Sexstellung und die Aufforderung dazu! Warum singt man über so etwas? Und warum lädt man solche selbst ernannten Künstler auch noch ins Sat1-Frühstücksfernsehen ein, um sie der breiten Masse vorzustellen? Aber na ja, Sex verkauft sich. Das war schon immer so. Aber so primitiv? Ich finde, so ein bisschen unter Verschluss sollte man gewisse Dinge dann doch halten. Es ist für mich befremdlich, wenn junge Menschen Lieder mitsingen können, in denen es um Frauenfeindlichkeit, Drogen und Gewalt geht. Unter dem Deckmantel der Kunstfreiheit ist aber leider vieles möglich. Im Zentrum steht die Frage, wo die Grenzen der Kunst und ihrer Freiheit verlaufen: Darf Gangster-Rap wirklich beleidigen, Gefühle verletzen und antisemitische Inhalte transportieren, ohne dafür belangt zu werden? In Zeiten  wie diesen eine durchaus berechtigte Frage! Eines steht jedenfalls fest: Deutscher Rap ist ein Spiegel unserer Gesellschaft. Einer Gesellschaft, in der es Parallelgesellschaften, Clanstrukturen, Homophobie und Antisemitismus gibt. Rap reflektiert das. Kritik an Teilen der Hip-Hop-Kultur durch die Mainstream-Medien sind deswegen richtig und notwendig. Da zählt auch nicht, dass es Stimmen gibt, die behaupten, ein 14jähriger ginge nicht wirklich davon aus, dass ein Rapper tatsächlich Unmengen an Koks vertickt und sich Messerstechereien liefert. Ich glaube kaum, dass die komplette Jugend solcherlei Klischees durchschaut.

Ich vermisse die gute alte Zeit

Es ist seltsam, aber erzählt man eben diesen Jugendlichen, wie die Generationen vor ihnen gefeiert haben, rümpfen tatsächlich einige die Nase. Bei uns gab es noch echte Gitarrenmusik und DJs legten noch mit richtigen Platten auf. Bei uns gab es auch richtig derbe Songtexte, aber in den meisten ging es um Liebe. Echte Liebe.  Das, was wir hörten, lief auch nicht im Radio, weil uns das zu kommerziell war. Früher war bestimmt nicht weniger Sex, Drugs & Rock n‘ Roll, aber irgendwie war alles weniger erzwungen und gestelzt. Und es klang auch nicht alles wie aus der Retorte. Apropos: Ich habe das Gefühl, die gängigen Radiosender haben tagein tagaus nur etwa zehn Songs zur Verfügung, die sie spielen können. Ich glaube sogar, „The Weeknd“ und „Twenty One Pilots“ wohnen in einer Zweier-WG mitten im Studio und überhaupt habe ich die starke Vermutung, die meisten Künstler produzieren auch noch im gleichen Studio, weil alle diesen metallisch, klingenden Stimmenverzerrer benutzen und der ewig gleiche Beat im Dutzend anscheinend billiger ist. Eigentlich liegt die Antwort auf die Frage, warum Sender immer die gleichen Titel spielen, klar auf der Hand. Denn eigentlich machen wir als Hörer die Musik und nicht irgendeine Musikredaktion. Musikredaktionen geben lediglich umfangreiche Abfragen in Auftrag. Marktforscher rufen dann im Verbreitungsgebiet des Senders an und spielen diverse Titel vor. Dadurch wird die Akzeptanz abgefragt. Dabei geht es nicht nur um die Beliebtheit, sondern auch um Faktoren wie die Wahrscheinlichkeit, ob bei dem Song umgeschaltet wird. Aus den Ergebnissen legen die Musikredakteure fest, welche Songs gespielt werden sollen. Welcher Song und wie häufig ein Song gespielt wird, hat also etwas mit der Akzeptanz durch die Gesamtheit der Hörer zu tun und damit, dass möglichst viele Menschen möglichst lange dabei bleiben.

Am Ende ist es doch so: Vielleicht denkt unsereins einfach zu viel. Vielleicht waren wir früher einfach nur Hörer von Liedern und keine Zerpflücker von Songtexten. Eventuell  waren da immer schon zu viel Sex und zu viele Drogen. „Lucy in the sky with diamonds“ soll seinerzeit sogar von der BBC boykottiert worden sein, da er mit Drogen zu assoziieren sei, wenngleich John Lennon bei Gott und Mao geschworen haben soll, er habe keine Ahnung gehabt, dass man den Titel mit L.S.D. abkürzen kann. Wohingegen Bob Dylans „Tambourine Man“ eindeutig ein Dealer gewesen sein muss, der seine Kunden das Heute bis morgen vergessen lassen konnte. Wie dem auch sei: Ich höre jetzt wieder SR3. Ich trällere lieber mit den  Beatles „Da da da, da da dumb dumb da Da da da, da da dumb dumb da“.