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Übergriffiges Sexualverhalten im schulischen Umfeld

Ein Krisenteam hat grundsätzlich vier Aufgaben. Erstens die Prävention, zweitens die Vorbereitung auf Krisen, drittens den Ernstfall managen und viertens die Nachsorge von Krisen. Das sind zum Beispiel allgemeine Krisen im Kontext Gewalt, Mobbing, der Umgang mit Tod und Trauer, Vandalismus, Graffitis. Seit sich die Schülerinnen und Schüler in den sozialen Medien bewegen, sind neue Krisen hinzugekommen – Stichwort: Cybermobbing. Der erste Kriminalhauptkommissar Hagen Berndt verrät im Interview mit dem Psychologen Martin Ernst vom Landesinstitut für Präventives Handeln welche Herausforderungen es zu bewältigen gilt. 

Martin Ernst: Du stehst als Koordinator des Arbeitsbereichs „schuleigene Krisenteams“ im Austausch mit den Lehrkräften. Gibt es ein Thema, das die Schulen derzeit vor besondere Herausforderungen stellt?

Hagen Bernd: „Wir haben speziell im letzten Jahr häufig Anfragen von Schulen als auch von Schulpsychologen bekommen, dass übergriffiges Sexualverhalten von Schülerinnen und Schülern beobachtet wird. Konkret sind das Fälle von Weitergabe pornografischer Filme oder Bilder, das sogenannte Sexting. Das sind die Krisen, die die Schulen derzeit beschäftigen.“

M.E.: Diese Phänomene sind ja an sich nicht neu. Hast du einen Erklärungsansatz?

HB: „Genau, diese Krisen sind nicht neu, sie haben aber eine neue Dimension erhalten durch die sozialen Medien. Durch die technischen Möglichkeiten der virtuellen Verbreitung hat das Verhalten zugenommen. Ich denke, eine der Ursachen ist zum einen das unreflektierte Handeln ohne ein Unrechtsbewusstsein der Täter, zum anderen aber auch eine niedrige Hemmschwelle, Inhalte unkompliziert – meist mit nur wenigen Klicks – ins Netz stellen zu können.“

M.E.: An wen können sich Betroffene wenden?

HB: „Zunächst ist das Krisenteam der eigenen Schule auch eine Beratungsstelle für Betroffene. Es hat auch eine Lotsenfunktion von der Schulsozialarbeit über die Schulpsychologie bis hin zur Polizei. Dazu kommen auch die Beratungsstellen in den jeweiligen Fachgebieten, das können zum Beispiel beim Thema Salafismus die Fachstelle „Yallah!“ oder beim Thema Sexualverhalten die Beratungsstellen „Nele“, „Phoenix“ oder der Kinderschutzbund sein.“

M.E.: Nun stehen wir den saarländischen Lehrkräften in Präventionsfragen als Ansprechpartner zur Seite. Welches Thema wird vermutlich Schwerpunkt der diesjährigen Fachtagung sein?

HB: „Wir fragen jedes Jahr bei den Krisenteams im Rahmen eines Netzwerktreffens ab, welche Themen die Schulen beschäftigen. Diese Themen fließen bei den Planungen unserer jährlich stattfindenden Fachtagung ein. Das machen wir schon seit sieben Jahren so und bei der letzten Abfrage wurde das Thema „übergriffiges Sexualverhalten im schulischen Umfeld“ als besonders häufig benannt. Wir wollen uns genau diesem schwierigen Thema bei unserer Fachtagung widmen, die in diesem Jahr am Donnerstag, dem 30.06.2022 online stattfindet. Es ist uns dabei erneut gelungen, Experten zum Thema zu gewinnen, um den Schulen im Saarland bei dem wichtigen Thema Handlungssicherheit zu geben. Sozusagen als Hilfe zur Selbsthilfe.“

Landesinstitut für Präventives Handeln – Hanspeter-Hellenthal-Straße 68, 66386 St. Ingbert, Tel: 0681-5013853

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