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Frisch, frech und farbecht

Unsere legendäre Kolumne „Grüne Tomaten schlafen wütend“ feiert (endlich) Geburtstag.

Die einzigen Tomaten, die auch nach 22 Jahren noch grün sind

L!VE-Redakteur und Gemüsekolumnist Patrik Wolf (Schuhgröße 44, Rechtshänder) im Interview mit sich selbst über die nicht reifer werdenden Tomaten, die auch nach über 250 Ausgaben noch zu schmecken scheinen.

Patrik Wolf, L!VE [räuspert sich] Hallo Patrik! Schön, dass ich mir Zeit genommen habe, um mit mir über mich und meine Kolumne zu sprechen. Zweiundzwanzig Jahre „Grüne Tomaten“, d.h. nach Inhaltsverzeichnis und Impressum die Rubrik im L!VE Magazin, die am längsten überlebt hat. Ich frage mich, spricht das für oder gegen die Qualität des Stadtmagazins?

Patrik Wolf, Tomatenzüchter [lacht] Das frage ich mich auch. Aber in Qualität steckt bekanntlich auch das Wort Qual. Ich freue mich natürlich, dass ich es so lange geschafft habe, nicht von Werbeanzeigen für Hundefrisöre oder Spielcasinos verdrängt worden zu sein. Das zeigt, dass die Kolumne entweder von vielen gelesen wird, oder aber, dass niemand sie liest und nicht einmal dem Anzeigenverkauf auffällt, dass es noch potenziellen Platz gibt, den man für Werbung nutzen könnte. Vielleicht habe ich aber auch einfach nur genug kompromittierende Fotos von den L!VE-Weihnachtsfeiern der letzten 22 Jahre, bei denen leitende Redaktionsmitglieder in Saarbrücker Clubs die Hosen runterlassen…

Patrik Wolf, L!VE [scherzt] Müsste 22 Jahre altes Gemüse mittlerweile nicht eher braun statt grün sein?

Patrik Wolf, Tomatenzüchter [nachdenklich] Wenn man in Deutschlands Osten blickt, mag das dort sicherlich so sein. Bei uns hier im beschaulichen Saarland kann man nach 22 Jahren als Gemüse wie auch als Politiker durchaus noch grün sein, ohne rot, schwarz oder gar braun werden zu müssen. Wir sind hier weltoffener. Das mag vielleicht daran liegen, dass jeder von uns täglich mit einem Baguette und einer Flasche Rotwein unter dem Arm über die Trottoirs läuft und französische Chansons trällert…

Patrik Wolf, L!VE [grinst] Ich deute da auf die vielen Stereotype hin, die ich… also Du… also wir mit der Kolumne bedienen. Ist das denn alles wirklich immer meine echte eigene Meinung? Manche Anspielungen sind eindeutig nicht eindeutig!

Patrik Wolf, Tomatenzüchter [lacht wieder] Natürlich ist das meine eigene Meinung. Das solltest Du am besten wissen! Sicherlich ist vieles so gemeint, wie es geschrieben ist, anderes auch. Manches stimmt und anderes ist ganz einfach die Wahrheit. Das ein oder andere ist natürlich überzogen oder absichtlich eindeutig zweideutig. Aber in heutiger Zeit mag man ja bekanntlich Extremes. Das ist das Schöne am Schreiben: Man kann vielschichtig sein. Das schafft man in unserer so bildaffin gewordenen Instagram-Gesellschaft sonst nur noch mit einem Daumenkino oder beim Lasagne machen…

Patrik Wolf, L!VE [interessiert] Wie bin ich eigentlich damals auf den Namen der Kolumne “Grüne Tomaten schlafen wütend“ gekommen?

Patrik Wolf, Tomatenzüchter [nickend] Ich wusste, dass ich mir diese Frage stelle. Offen gestanden gibt es da einige Theorien. Die meisten sind allerdings uninteressant und die anderen lohnen nicht, dass man sie erzählt. Vielleicht findet sich ja eine Psychologie-Studentin unter den Lesern, die zu dem Thema eine Bachelorarbeit schreiben will. Darf sich gerne melden…

Patrik Wolf, L!VE [nachhakend] Ich frage mich, wie ich immer auf die Themen komme?

Patrik Wolf, Tomatenzüchter [ernst] Das ist nicht sonderlich schwer. Das Alphabet hat bekanntlich nur 25 Buchstaben – ich lasse das X bewusst weg, da es im Deutschen eigentlich nur bei der Namensfindung für Medikamente oder Großkonzerne Bedeutung hat – und sonst fast nur dazu genutzt wird, auf Wahlzetteln an falschen Stellen einen Haken zu machen. Und so ein Haken-Kreuz hat noch nie dazu beigetragen, dass am Ende etwas herauskam, was für gute Laune sorgen konnte…

Patrik Wolf, L!VE [unterbricht] Ich schweife jetzt aber ab. Zurück zu meiner Frage: Wie komme ich auf die Ideen, auf die ich komme?

Patrik Wolf, Tomatenzüchter [zurücklehnend] Die Frage habe ich mir schon oft gestellt. Meistens bringen mich Erlebnisse aus dem alltäglichen Alltag auf die Themen, die ich in den Tomaten verarbeite. Es beschäftigt mich eben, wenn sich Rentner beim Samstagseinkauf neben mir an der Wursttheke bereitstehende Probierhäppchen händeweise in die Manteltasche stecken oder eine Oma an der Kasse eine Viertelstunde lang Kleingeld abzählt und dann doch nochmal zurück in den Markt muss, weil sie Knollensellerie vergessen hat. Früher hat mich so etwas genervt, heute finde ich es amüsant, da man nichts daran ändern kann. Aktive Sterbehilfe in Kaufhäusern ist ja bekanntlich verboten…

Patrik Wolf, L!VE [Markus-Lanz-Geste] Würde ich alle meine Kolumnen noch einmal genauso schreiben? Oder gibt es Ausgaben, die ich im Nachhinein lieber vergessen würde?

Patrik Wolf, Tomatenzüchter [amüsiert] Ja und ja. Vergessen ebenso wie noch einmal schreiben. Das Schöne an meinem Alter von mittlerweile über Vierzig ist, dass ich manchmal vergesse, das ich Themen schon einmal mit mehr oder minder gelungenem Ende abgearbeitet habe und dann plötzlich auf die Idee komme, dass ebendiese Idee doch eine tolle neue Idee wäre. Vielen meiner Freunde im gleichen Alter geht das so, wenn sie zum zweiten oder dritten Mal heiraten, mir, wenn ich zum zweiten oder dritten Mal über deren Heirat eine Kolumne schreibe…

Patrik Wolf, L!VE [nachfragend] Liest auch meine Familie die Kolumne?

Patrik Wolf, Tomatenzüchter [grinsend] Nur der Teil, der noch lebt. Der andere schämt sich in Grund und Boden.

Patrik Wolf, L!VE [weiterfragend] Welche Kolumnenidee würde ich denn gerne einmal umsetzen, die schon lange in den Fingern juckt, an die ich mich aber noch nicht heran getraut habe?

Patrik Wolf, Tomatenzüchter [grübelnd] Ich würde gerne einmal eine Kolumne schreiben, die nur aus einer Hand voll gleicher Sätze besteht, die sich unterschiedlich wiederholen und den Leser stutzig machen, so dass er sich fragt, ob er das nicht schon einmal gelesen hat. So ein Déjà-vu-Ding. Traue ich mich aber glaube ich nicht…

Patrik Wolf, L!VE [interessiert] Welches waren bislang die besten „Grünen Tomaten“?

Patrik Wolf, Tomatenzüchter [denkt nach] Am besten gefallen mir persönlich immer die Kolumnen, deren Honorarrechnung von der L!VE-Buchhaltung zeitnah gezahlt werden. Zurückliegend betrachtet, gefallen mir da dann wohl doch gar nicht so viele. Gut finde ich jedoch stets Ausgaben, für die es Feedback von Lesern gab. Früher gab es fast monatlich eindeutige Offerten per E-Mail. Das hat aber abgenommen, seitdem ich aus den Dreißigern raus bin und Frauen, die mir schreiben, in den Vierzigern sind. Deren Post landet unverständlicherweise meist im Spam-Ordner. Liegt wohl am Mailprogramm…

Patrik Wolf, L!VE [unterbricht] Ist bei mir nicht anders. Habe ich denn schon einmal darüber nachgedacht, die Kolumnen gesammelt als Buch herauszubringen? Damit soll man ja eine Menge Geld machen können. Vielleicht könnte man dann auch einen Film daraus machen, wenn man noch irgendwo ein Känguru als Sidekick einbaut?

Patrik Wolf, Tomatenzüchter [achselzuckend] Mit Büchern ist das in heutiger Zeit so eine Sache. Der Trend zum Zweitbuch ist vorbei und es gibt nur noch wenige Tischbeine, die zu kurz sind und ein Buch gebrauchen können. Wenigstens hierbei haben Hörbücher und E-Reader herkömmlichen Druckerzeugnissen noch nicht den Rang abgelaufen. Aber ein Buch? Man(n) sagt bekanntlich nie nie. Das mit dem Känguru schließe ich aber aus. So aus rechtlichen Gründen und weil es sowas glaube ich schon gibt. Wenn, dann eher etwas, was noch nie da war. Ein sprechendes Auto als Partner vielleicht…

Patrik Wolf, L!VE [fragend] Immer wieder taucht unser vermeintlicher Zwillingsbruder Ulf in der Kolumne auf. Gibt es Ulf wirklich? Oder sind wir schizophren?

Patrik Wolf, Tomatenzüchter [verwundert] Mit der Frage von mir hätte ich jetzt nicht gerechnet. Ich denke, die Antwort ist klar. Natürlich ist Ulf existent! Genauso wie Du und ich. Er ist meine Nachgeburt, die es geschafft hat, zehn Minuten nach mir auf die Welt zu kommen und es dort über vierzig Jahre auszuhalten, ohne jemandem zu nützen. Er ist all das, was ich nicht bin: Er ist dicklich, schlecht rasiert, hat dünnes Haar und mit Frauen nichts am Hut. Dafür lüge ich ab und zu. Er aber auch…

Patrik Wolf, L!VE [weiterfragend] Welche Kolumnenidee würde ich denn gerne einmal umsetzen, die schon lange in den Fingern juckt, an die ich mich aber noch nicht herangetraut habe?

Patrik Wolf, Tomatenzüchter [grübelnd] Ich würde gerne einmal eine Kolumne schreiben, die nur aus einer Hand voll gleicher Sätze besteht, die sich unterschiedlich wiederholen und den Leser stutzig machen, so dass er sich fragt, ob er das nicht schon einmal gelesen hat. So ein Déjà-vu-Ding. Traue ich mich aber glaube ich nicht…

Patrik Wolf, L!VE [abschließend] Letzte Frage: Glaube ich an Außerirdische?

Patrik Wolf, Tomatenzüchter [ohne nachzudenken] Wenn ich mir die Leute in der L!VE-Reaktion ansehe, kann ich nicht anders.

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