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Titelstory

Tatort Saarbrücken: Auf ein Neues!

Wir Saarländer können alles – außer Tatort. Das Gegenteil sollen ab Ostermontag die neuen Saar-Kommissare mit ihrem ersten Fall „Das fleißige Lieschen“ beweisen. Eines steht schon jetzt fest: Kein anderes Ermittlerteam sieht besser aus! Doch nicht nur die Kriminalhauptkommissare Daniel Sträßer als Adam Schürk und Vladimir Burlakov als Leo Hölzer sind echte Hingucker, auch der Rest des Teams, Brigitte Urhausen als Hauptkommissarin Esther Baumann, Ines Marie Westernströer als Hauptkommissarin Pia Heinrich muss sich alles andere als verstecken. Kann auch das Drehbuch, Regie und der ganze Rest des neuen Saarbrücker Tatorts da mithalten?

Wirklich leicht hatten es die Saarbrücker Kriminalisten alle nicht. Der erste, Peter Liersdahl, wurde nach nur zwei Folgen ausgetauscht und sein Nachfolger Horst Schäfermann durfte auch nur vier Mal den Mörder suchen. Max Palü war dann vielen zu klischeehaft und nur seine Fahrrad-Irrfahrten sind heute noch legendär. Die Nachfolger Kappel und Deininger wurden bundesweit vom Publikum geschätzt, aber leider nicht von der eigenen Redaktion. Diese hoffte auf Devid Striesow als Quotenmacher, der jedoch nie mit uns Saarländern warm wurde und daher recht schnell wieder verschwand. Es kann also nur besser werden.

Die üblichen Verdächtigen

Der erste Fall der neuen Saarbrücker Kommissare Adam Schürk (Daniel Sträßer) und Leo Hölzer (Vladimir Burlokov) hat es in sich. Die beiden kennen sich zwar aus Kindertagen, haben sich aber seit über 15 Jahren nicht mehr gesehen und noch nie gemeinsam ermittelt. Adam Schürk springt für Leos alten Partner ein, der nicht mehr mit Leo arbeiten wollte und noch ordentlich Stimmung gegen Leo machte, bevor er die Dienststelle verließ. Ihr erster gemeinsamer Fall bringt sie mitten in die Wirren einer völlig verfeindeten Industriellenfamilie, in der jeder jeden hasst und ein Brudermord mindestens im Bereich des Möglichen liegt. Das Opfer ist dann auch der jüngere zweier Brüder, der eigentlich das Familienunternehmen übernehmen sollte. Schnell wird klar, dass die Hintergründe, die zum Mord führten, weit in die Vergangenheit zurückreichen. Bereits der Vater der beiden Brüder ist unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen. Während des Zweiten Weltkrieges beschäftigte die Firma – wie so viele damals – Zwangsarbeiter. Liegen hier die Ursachen für die aktuellen Ereignisse? Schnell kämpfen die Kommissare an zwei Fronten: Zum einen, an der ihrer eigenen Vergangenheit und zum anderen, an der der einflussreichen Saarbrücker Familie. Beide haben konträre Ansichten darüber, wie man sich dem Fall nähern sollte. Liegt die Schuld bei dem herrischen Familienpatriarchen, der die Ansichten über das Recht des Stärkeren immer noch offen postuliert? Ist es der Neid zwischen den Brüdern, der den Konflikt befeuert hat? Kann der Mord mit den Spielschulden des Opfers zu tun haben oder steht hier eine Rache aus der Vergangenheit an?

 

Personalien-Feststellung

Im Zentrum der Handlung stehen natürlich die beiden Kommissare, für deren Besetzung zwei renommierte und preisgekrönte Darsteller gewonnen werden konnten, von denen einer sogar aus dem Saarland stammt.  Daniel Sträßer (Adam Schürk) wurde 1987 in Völklingen geboren und besuchte die freie Waldorfschule Saarbrücken. Ab 2008 absolvierte er die Schauspielausbildung an der Universität Mozarteum in Salzburg. 2011 debütierte er in der Rolle des Romeo am Wiener Burgtheater, dessen Ensemble er bis 2015 angehörte. Zweimal wurde er für seine Leistungen als bester Schauspieler für den „Nestroy-Preis“ nominiert. Ebenfalls in Österreich bekam er seine erste Kinohauptrolle in dem Film „Der letzte Tanz“, der 2014 mit dem „Großen Preis der Diagonale“ ausgezeichnet wurde. Seither lebt Sträßer in Berlin und arbeitet weiterhin am Theater (unter anderem Schauspielhaus Zürich) sowie in zahlreichen Kino- („Schönefeld Boulevard“, „Jeder stirbt für sich allein“, „La Palma“) und Fernseh­produktionen („Die Pfeiler der Macht“, „Polizeiruf“, „Charité“).

Der zweite im Bunde, Vladimir Burlakov (Leo Hölzer) wurde 1987 in Moskau geboren und siedelte im Alter von neun Jahren mit seiner Mutter, seiner Zwillingsschwester und der jüdischen Großmutter nach Deutschland über. Früh in seiner Kindheit hegte Vladimir Burlakov bereits den Wunsch, Schauspieler zu werden. Er verfolgte konsequent dieses Ziel und ließ sich 2006 bis 2010 an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule in München ausbilden. 2010 gab er sein Film-Debüt für das deutsche Fernsehen: Er spielte eine Hauptrolle in dem von der Kritik hochgelobten Krimi-Mehrteiler „Im Angesicht des Verbrechens“ von Dominik Graf. Gemeinsam mit dem Ensemble gewann Burlakov hierfür den Deutschen Fern­sehpreis in der Kategorie „Besondere Leistung Fiktion“. 2011 übernahm er in „Marco W. – 247 Tage im türkischen Gefängnis“ neben Veronica Ferres und Herbert Knaup die Hauptrolle des Marco Weiss und erhielt für seine schauspielerische Leistung den Bayerischen Fernsehpreis. Es folgten seitdem zahlreiche weitere TV-, Kino- und Theaterproduktionen. Vladimir Burlakov lebt in Berlin.

Die saarländischen „Tatort“-Hauptkommissare ziehen schon bald, allerdings erst ab der zweiten Folge (Drehbeginn Mitte dieses Monats), in eine neue „Dienststelle“. Sie ermitteln künftig aus einem Büro in der Landeshauptstadt Saarbrücken. Ihr neues Quartier befindet sich in der IHK Saarland in der Franz-Josef-Röder-Straße mit direktem Blick auf die Saar und das Saarländische Staatstheater. Dieses neue Zuhause für das saarländische Ermittlerteam hat SR-Redakteur Christian Bauer schon lange im Auge gehabt. „Mit dem neuen Motiv wollen wir ein modernes urbanes Kommissariat erzählen, das zu unserem jungen Ermittlerteam passt. Besonders die großen Fensterflächen mit ihren vielen Blickrichtungen lassen uns zahlreiche Möglichkeiten, zu zeigen, dass dieser „Tatort“ aus Saarbrücken kommt.“ Das ist auch wünschenswert, denn das Saarland ist ja wirklich moderner und hat mehr zu bieten, als gemeinhin im Reich vermutet wird. Da wäre es doch mal richtig nett, wenn davon auch im Tatort was rüberkommen würde. Nun ja, am Osterdienstag sind wir alle schlauer und es bleibt letztlich nur zu hoffen, dass die Fraktion derer keine weiteren Argument bekommt, die behaupten, die besten Tatorte kamen zwischen Herbst 1973 und Sommer 1977 aus Saarbrücken – da hat der Saar-Tatort nämlich pausiert.

 

 

Fragen an Daniel Sträßer

 

Was bedeutet es Ihnen saarländischer „Tatort“-Kommissar zu werden?  

Als Schauspieler ist etwas Großes, etwas ganz Besonderes, „Tatort“-Kommissar zu werden. Dass ich als gebürtiger Saarbrücker nun in meiner Heimatstadt ermitteln darf, ist dann noch die Kirsche auf der Sahnehaube! Das Heimkommen macht mich glücklich und erfüllt mich mit Stolz. Das Land und die Leute, all das ist vertraut aus vergangenen Tagen und das kann ich nun, zurückkehrend, mit einem frischen Blick neu erleben.

 

Wie würden Sie Ihre Rolle im neuen SR-„Tatort“ beschreiben?

Adam ist früh vom Leben gezeichnet, von denjenigen, die für ihn sorgen, ihn hätten schützen sollen, im Stich gelassen und buchstäblich mit Füßen getreten worden. Das hinterlässt dicke Flecken auf sei­ner Seele und eine gewisse Kälte in seinen Augen. Aber Adam ist auch jemand, der nicht eingeknickt ist, jemand der sein Schicksal selbst in die Hand genommen und sich Stück für Stück wieder aufgebaut hat. Adam hat eine enorme Kraft und Zähigkeit, einen unbedingten Überlebenswillen, einen unbe­stechlichen Sinn für Gerechtigkeit sowie eine unbeugsame Loyalität und ein Riesen-Herz.

 

Wie viel von Ihrer eigenen Persönlichkeit steckt in Adam Schürk?

Ich glaube, dass jede Figur, wie weit sie auch von einem selbst entfernt scheint, nur eine weitere Mög­lichkeit von einem selbst ist. Und so ist Adam jemand, den ich seit der ersten Begegnung sehr tief in mein Herz geschlossen habe. Alle Fähigkeiten und Unfähigkeiten Adams stecken in mir, auch wenn wir (zum Glück) nicht das gleiche Schicksal teilen.

 

Wie verlief die Dreharbeiten?

Die Dreharbeiten waren kurzum ein Traum. Ich habe schon an vielen Sets gearbeitet, aber dieses Team vom „Tatort“-Saarbrücken, das seit vielen Jahren zusammenarbeitet, ist auf eine gute Weise perfekt eingespielt. Das bedeutet, man kommt als Neuling in ein funktionierendes System und kann trotzdem seinen persönlichen Einfluss darauf nehmen und sich angenommen fühlen. Christian Theede und Christian Bauer sowie die Produktion waren für Vladimir und mich von Tag eins an enge Komplizen. Ich freue mich sehr auf den nächsten Fall.

 

 

Fragen an Vladimir Burlakov

 

Was hat Sie am Tatort gereizt?

Zu allererst haben mich die Figur Leo Hölzer und das Drehbuch gereizt. Nun ist es aber auch so, dass Leo Hölzer ein saarländischer „Tatort“-Kommissar ist. Ich sage das deswegen, weil meine Entscheidung die Rolle anzunehmen, darauf basierte, wie präzise sowohl das Drehbuch als auch die sogenannte Figurenbibel, die wir zu den jeweiligen Rollen bekommen haben, recherchiert und geschrieben wurde. Die damit einhergehende Verantwortung, in die „Tatort“-Fußstapfen zu treten, habe ich tatsächlich erst so richtig realisiert, als ich den fertigen Film sah. Der „Tatort“ ist deutsches Kulturgut und ich bin stolz – schon aufgrund meiner Biografie – ein Teil davon sein zu dürfen.

 

Was sind Sie im Krimi für ein Typ?

Leo musste viel in seinem Leben durchmachen, etwas, das weit in der Vergangenheit liegt, verfolgt ihn noch bis heute. Und jetzt, nach 15 Jahren, muss er sich seiner Vergangenheit endgültig stellen. Leo ist jemand, der ganz genau zuhört, beobachtet, analysiert. Er wird immer versuchen einen neuen, eigenen „Ton“ zu treffen, je nachdem, wer vor ihm sitzt. Vielleicht macht ihn das auch etwas manipulativ. Er versucht Stück für Stück aus kleinen Puzzleteilen ein Bild zusammenzusetzen. Er hat einen sehr psy­chologischen und reflektierenden Ansatz, an seine Fälle ranzugehen. Er möchte das Gegenüber durch­leuchten, es verstehen und erfühlen.

 

Wie viel steckt von Ihnen in „Leo Hölzer“?

Nun, Leo und ich haben in der Tat eine ausschlaggebende Eigenschaft gemeinsam: Ich liebe es ebenfalls Menschen zu beobachten, sie zu analysieren. Ich denke, ich mache das oft, ohne es zu beabsichtigen. Ich bin einfach immer wieder absolut fasziniert, eine neue Persönlichkeit kennenzulernen, jede Persönlichkeit ist so unique und es gibt nichts Spannenderes für mich, als zu versuchen, hinter die öffentliche „Maske“ dieser Person zu blicken, denn wir alle tragen eine.

 

Wie hat die Arbeit mit dem neuem Team funktioniert?

Ich könnte einen Monolog darüber schreiben, wie großartig die Arbeit war. Ich kann dem gesamten Team nicht oft genug danken. Es war unser erster gemeinsamer „Tatort“ und es fühlte sich dennoch so an, als arbeiteten wir alle schon sehr viele Jahre zusammen. Jedes Department hat eine so großartige und kreative Arbeit geleistet. Das ist auch der Grund, warum der Film – meiner Meinung nach – so stark geworden ist. Film ist Teamwork und unser Team rockt! Die Arbeit mit Christian Theede war sehr konzentriert, genau und respektvoll und auch wenn das so selbstverständlich klingt, ist es leider nicht immer die Regel.

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