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Titelstory

Hauptsache was mit Mode

Wie kommt eine „Germany’s Next Topmodel“ Gewinnerin nach Saarbrücken? Weil das Saarland in Sachen Mode einfach mehr zu bieten hat, als man denkt. Neben talentierten Modemachern und Fotografen, von denen wir ja schon einige in unserem Magazin vorgestellt haben, gibt es hier auch außergewöhnliche Models und Stylisten. Der Saarbrücker Oliver M. Fall vereinbart gleich beide Jobs in einer Person.  Da haben wir gerne mal genauer hingeschaut.

Seit gute Nachrichten Mangelware sind, macht es besonders viel Spaß, auch mal von etwas Positivem zu berichtigen, das nicht auf einen Corona-Infekt hindeutet. Besonders, wenn es um einen gewissen Oliver M. Fall geht. Der Mann, der noch nicht wirklich entschieden hat, ob er nun Art Director, Model, Fashion-Stylist oder Personal Shopper ist, wuchs in Saarbrücken auf und will auf jeden Fall etwas mit Mode machen. So vielfältig wie seine Talente sind auch seine Wurzeln. Sein Vater ist Moslem und kommt aus dem Senegal. Seine Mutter stammt aus Israel. Er selbst sieht sich daher – wenig verwunderlich – aus Mix aus einem Mix. Das erklärt vielleicht seine vielfältigen Talente.

L!VE: Bei Dir wird es ja schon bei der Frage nach dem Beruf etwas tricky?

Oliver M. Fall: „Es geht, eigentlich bin ich bin gelernter Kaufmann im Einzelhandel, habe aber die letzten gut 18 Jahre fast alles querbeet in der Modebranche gemacht. Angefangen als normale Aushilfe in der Boutique für 5,80 Euro ohne Mindestlohn damals, weil ich einfach, was starten wollte, bis hin zum Bezirksleiter und Visual Merchandise, wenn es ums Kreative ging. Aktuell bin ich stellvertretender Storemanager bei einem bekannten Filialisten. Im „Zweitberuf“ versuche ich als Stylist und Multitalent im Bereich Fashion weiter durchzustarten, zum Beispiel bei Fotoshootings mit „Germanys Next Topmodel“ 2018 Gewinnerin Toni oder auch überregional bekannten Fotografen wie Sabrina Kleinas, die ich bei ihren Shootings supporte.“

L!VE: Der Job im Einzelhandel ist also quasi „nur“ die sichere Basis, was in Pandemiezeiten ja sicher nicht das Schlechteste ist?

O.M.F.: „Ja, klar. Die Branche ist im Moment schon sehr unsicher. Hat man Aufträge, hat man Geld, aber das ist in der Coronazeit nichts, worauf man sich alleine verlassen kann. Im Handel hingegen, kommt es zwar drauf an, wie gut die Onlineshops des jeweiligen Unternehmens etabliert sind. Ich habe bis vor Kurzem noch für Bershka gearbeitet, die ja wie z.B. Zara zu Inditex gehören und muss sagen, die haben sich wirklich sehr schnell mit der Corona-Situation arrangiert. Statt Homeoffice haben wir zu Beginn der Pandemie die Online-Sendungen im geschlossenen Store fertig gemacht. Als es wieder losging, war dann aber auch der Laden ganz schnell wieder für den „normalen“ Kunden hergerichtet, weil die Ware ja schon vor Ort war. Mann muss schon erkennen, dass vor der Pandemie der Online-Anteil des Geschäfts bei 15 bis 20 Prozent lag, während wir uns mittlerweile trotz wieder geöffneter Läden bei knapp 50 Prozent bewegen. Das wirkt sich natürlich auch auf den „klassischen“ Verkauf vor Ort an sich aus und sorgt schon hier und da für etwas bangen.“

Egal welcher Style, bei Mode blühe ich auf!

L!VE: Auf deinem Insta-Account findet sich neben Model, Art Director und Stylist auch noch der Eintrag „Personal Shopper. Wie funktioniert das denn?

O.M.F.: „Das war tatsächlich so, dass mich immer wieder Leute gefragt haben, was sie tragen sollen oder was sie wie kombinieren könnten. Stellenweise läuft das dann genauso ab, wie man es mitunter bei den entsprechenden Sendungen und Serien im TV sieht. Das heißt, ich gucke zuerst mal was denjenigen überhaupt als Person beschreibt, dann natürlich auch nach Lieblingsfarben und -Silhouetten. Gibt es Vorbilder, was den Look angeht, in was wird sich am wohlsten gefühlt? Auf diesen Key-Items baue ich dann auf und beginne damit, den Kleiderschrank komplett neu zu organisieren, erstmal ohne shoppen zu gehen. Aus dem Vorhandenen baue ich dann Outfits, die als Grundlage dienen. Dann allerdings geht’s an Shoppen mit sorgfältiger Beratung und Begleitung. Denn dabei muss man aufpassen, dass man Items kauft, die einem stehen, den eigenen Look ausbauen, die man auch wirklich trägt und man nicht nur mit irgendwelchen exotischen Sachen nach Hause kommt, die dann aber nur ewig im Schrank hängen und schließlich auf Vinted oder anderen Portalen verkauft oder getauscht werden.“

L!VE: Und dafür gibt es einen Markt an der Saar?

O.M.F.: „Ich biete das ja nicht nur hier im Saarland an. Das fing damit an, dass Leute aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis mich fragten, ob ich nicht mal vorbeikommen könnte und schon war ich in Mannheim oder Frankfurt. Und wenn die Kunden zufrieden sind, wechseln auch schon mal dreistellige Beträge den Besitzer. Diese Dienstleistung ist halt immer noch eine Marktlücke und tatsächlich baue ich meinen Kundenkreis immer weiter aus. Wenn es hier überhaupt jemand gibt, der sich in irgendeiner Form mit dem Thema beschäftigt, dann sind das die typischen Influencer oder Blogger. Die posten dann Hunderte von Fotos, die dann zwar von sehr vielen Menschen gesehen oder geliket werden, aber die geben halt nicht wirklich Tipps, wie man erfolgreich einen Look kreiert. Tolle gestylte Outfits sind dank Instagram und Co. allgegenwärtig. Die Leute vergleichen und messen sich immer mehr damit, erkennen aber im gleichen Augenblick, dass sie das selber nicht hinkriegen.“

L!VE: Aber sollte das nicht Sache des Einzelhandels sein?

O.M.F.: Ich denke, da gibt es einen untersorgten Bedarf, denn eigentlich war es noch nie so einfach sich gut anzuziehen und zu stylen wie heutzutage. Aber ohne richtige Beratung, die es eben im Einzelhandel ja kaum noch gibt, fühlen sich viele Leute echt überfordert. Hinzu kommt, dass das Personal inzwischen allerdings auch so ausgedünnt ist, dass die schnell, schnell von einem Kunden zum nächsten springen müssen. Da bleibt dann oft auch keine Zeit für Beratung und bei den Kunden entsteht dann der Eindruck, dass sei auch nicht erwünscht und die trauen sich dann deswegen nicht in den Läden zu fragen. Das Resultat ist dann wie gesagt, dass eine 1:1 Beratung nicht mehr stattfindet. Genau in dieser Bresche springe ich dann und biete echten Service.

L!VE: Zurück zum Anfang. Ursprünglich bist Du ja mal als Model gestartet, wie kam es dann zum Art-Director und Stylisten mit Shootings in Paris zum Beispiel?

O.M.F.: „Das fing schon zu meiner Schulzeit an. Immer mehr Leute sagten, ich solle es unbedingt mal mit dem Modeln versuchen. Das habe ich dann auch gemacht, damals noch etwas holprig. Ich wurde hier halt immer in so eine androgyne Schiene gedrängt, also war schnell klar, ich musste hinaus in die große weite Welt. Dennoch blieb es so, dass ich auf einen bestimmten Typ festgelegt wurde, was für die Commercial Schiene nicht wirklich zuträglich war. Zeitgleich war es aber auch so, dass es bei dem Merchandising, also die neue Ware immer kreativ zusammenzustellen und stimmig im Lokal und Schaufenster als Marketingtool zu präsentieren, was ich nach meiner Ausbildung ja als erstes intensiv betrieben habe, mehr und mehr das Gefühl hatte, ständig das Rad neu erfinden zu müssen. Da dachte ich mir, wenn man immer wieder Schaufensterpuppen anzieht oder eine Kollektion neu aufbaut, dass könnte ich auch mit Models machen. Das wollte ich dann probieren und so ergab sich eine erste Zusammenarbeit mit einer befreundeten Fotografin, nach dem Motto: gemeinsam sind wir stark. Sie hatte als Französin immer schon gute Verbindungen nach Paris und dann dort immer mehr Shootings gemacht. Schließlich war auch ich dann jedes Wochenende in Paris. Während ich in Saarbrücken immer ein bisschen untergegangen war, hat es dort dann funktioniert.“

Germany‘s Next Topmodel“ in Saarbrücken

L!VE: Und wie kam es zu der Zusammenarbeit mit „Germanys next Topmodel“ Gewinnerin Toni?

O.M.F.: „Ich bin schon seit der ersten Staffel riesengroßer GNTM-Fan und feiere die Show jeden Donnerstag. 2018 war meine Favoritin von der ersten Sendung an ganz klar Toni. Meiner Freundin Sabrina ging das genauso, nur meinte sie dann noch: die will ich shooten! Ich hab‘ dann noch versucht das zu relativieren, weil ich mit nicht vorstellen konnte, dass sie, wenn sie wirklich gewinnt, so einfach zu buchen wäre. Immerhin kannten wir sie weder persönlich noch ihre Agentur. Tatsächlich hat mich meine Freundin dann kurz nachdem Toni gewonnen hatte, angerufen und mich mit der Nachricht überrascht, dass wir sie schon in zwei Wochen shooten könnten. Da musste ich dann ganz schnell die Outfits für sie zusammen bekommen, damit wir ein Storyboard zusammensetzen können, damit die Agentur entscheiden konnte, schicken wir sie dahin oder eben nicht. Das war natürlich ein Riesendruck. Aber zack, war sie dann irgendwann tatsächlich da. Das war natürlich auch ein Stück weit surreal, immerhin hatten wir sie monatelang im Fernsehen verfolgt und ewig mitgefiebert, dass sie gewinnt. Da stand sie also vor mir und ich musste sie stylen. Das war für mich ein Riesending, auch wenn die Location, eine Abraumhalde bei Fischbach war.“

L!VE: Gibt es schon neue Projekte über die Du schon was verraten kannst?

O.M.F.: „Tatsächlich bin ich gerade dabei mich ein bisschen mehr in Richtung Selbstständigkeit zu fokussieren. Ich spiele immer mehr mit dem Gedanken den Leerstand auch in besten Lagen in der City für mich und den Namen, den ich mir draußen in der Welt geschaffen habe, zu nutzen mit einem Projekt, dass es so hier vorher noch nicht gab. Was die Lage angeht, könnte ich mir am besten den St. Johanner Markt vorstellen. Einfach weil da auch eher noch die Klientel unterwegs ist, die sagt, okay ich nehme jetzt für einen gute Beratung auch Geld in die Hand. Aber ich möchte nicht zu viel verraten und bleibe bin in der Hinsicht am liebsten ein Überraschungsei. Außerdem bin ich der Meinung, dass sich viel mehr Kreative hier vor Ort engagieren müssten. Und man sollte in der Region schon ein bisschen besser zusammenhalten, bzw. zusammenarbeiten, zum Nutzen aller.“

L!VE: Du gehörst also nicht zu denen, die Saarbrücken bei der ersten Gelegenheit schreiend verlassen, sondern siehst Dein Engagement auch künftig hier?

O.M.F.: „Ich finde Saarbrücken hat immer noch richtig viel Potential und finde es schade, wenn viele junge Leute sagen, sie müssten hier unbedingt weg. Klar, auch ich bin gerne in Berlin, in Barcelona oder Paris unterwegs, aber für mich ist es einfach so, dass ich sage: warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute doch so nah liegt? Ich finde Saarbrücken hat sehr viel zu bieten und dazu noch die Nähe zu Luxemburg und Frankreich. In diesem Dreiländereck könnte noch viel mehr entstehen, wenn manche Leute sich mehr Mühe machen würden, statt immer nur den einfachsten und bequemsten Weg zu gehen. Vielleicht wäre manches in Berlin oder sonst wo einfacher, aber wie schon meine Mutter zu sagen pflegt: Schiffe sind nicht gebaut, um nur im sicheren Hafen zu liegen. Also wenn ich was Neues mache, dann gehe ich da All-In, ganz oder gar nicht! Lieber sitze ich mit 80 da und sage, oops, scheiße gelaufen damals, aber ich habe es wenigsten probiert.“

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